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Bundesverwaltungsgericht 12.10.2011 E-5565/2011

October 12, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·753 words·~4 min·1

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 29. September 2011 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­5565/2011 Urteil   v om   1 2 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter Markus König;  Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), dessen Lebenspartnerin B._______, geboren (…), und deren Kind C._______, geboren (…), Eritrea,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 29. September 2011 / N (…).

E­5565/2011 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.311]), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver­ fahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitglied­ staats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO),

E­5565/2011 der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO (DVO Dublin), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschä­ digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  A._______  eigenen  Angaben  zufolge  sein  Heimatland  im August 2008 verliess und  in den Sudan ging, wo er sich  bis April 2009 aufhielt, dass  er  danach  rund  zwei  Jahre  in  Libyen  lebte,  bevor  er  dieses  Land  verliess und über Italien am 10. April 2011 in die Schweiz gelangte, wo er  am 12. April 2011 um Asyl nachsuchte, dass er am (…) im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______  summarisch befragt wurde, dass die Beschwerdeführerin gemäss  ihren Angaben  ihr Heimatland am  2. Oktober  2008 mit  ihrem Sohn C._______  verliess  und  in  den Sudan  ging, wo sie sich bis März 2009 aufhielten, dass sie danach rund zwei Jahre in Libyen lebten, bevor sie dieses Land  verliessen und über Italien im April 2011 in die Schweiz gelangten, wo sie  am 28. April 2011 um Asyl nachsuchten, dass  die  Beschwerdeführerin  am  (…)  im  EVZ  D._______  summarisch  befragt  wurde  und  ihr  am  (…)  zum  Aufenthalt  in  Italien  und  zu  einer  allfälligen Wegweisung dorthin das rechtliche Gehör gewährt wurde, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  29.  September  2011  in  Anwendung  von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eintrat und die  Beschwerdeführenden nach Italien wegwies, dass  es  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  gestützt  auf  die  einschlägigen staatsvertraglichen Bestimmungen (s. S. 2 vorstehend) sei  Italien für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig,

E­5565/2011 dass die italienischen Behörden auf das Ersuchen des Bundesamtes um  Übernahme der Beschwerdeführenden innert der  festgelegten Frist nicht  reagiert hätten, dass  somit  in   Anwendung  von  Art.  18  Abs.  7  Dublin­II­VO  die  Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahren  am          22. September 2011 an Italien übergegangen sei, dass  die  Rückführung  nach  Italien  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 22. März 2012 zu  erfolgen habe, dass die Aussagen der Beschwerdeführenden anlässlich der Gewährung  des rechtlichen Gehörs (…) und vom (…) offensichtlich keine Hindernisse  für den Vollzug der Wegweisung nach Italien darstellten, dass  der  Vollzug  der Wegweisung  nach  Italien  zulässig,  zumutbar  und  möglich sei, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 7. Oktober 2011 gegen  diese  Verfügung  Beschwerde  erhoben  und  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Anweisung  an  das  Bundesamt, sich für das Asylgesuch zuständig zu erklären, beantragen, dass sie in prozessualer Hinsicht um die Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ersuchen,  weiter  sei  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und  die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, bis zum Entscheid des Gerichts  von der Überstellung nach Italien abzusehen, dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  dem  Bundesverwaltungsgericht mit Datum vom 11. Oktober 2011 vorlagen, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31­33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

E­5565/2011 dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz  teilge­ nommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  aus  den  Vorakten  nicht  ersichtlich  ist,  wann  die  angefochtene  Verfügung  eröffnet  worden  ist,  bei  dieser  Sachlage  jedoch  zu  Gunsten  der  Beschwerdeführenden  davon  auszugehen  ist,  die  Beschwerdeeingabe  sei  rechtzeitig  erfolgt  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band  X,  Basel 2008, Rz. 3.150, S. 166 f.), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35a AsylG),  die Beurteilungskompetenz der Beschwerde­ instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

E­5565/2011 dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Dublin­Assoziierungs­ abkommens verpflichtet hat, die Dublin­II­VO anzuwenden, dass  aufgrund  des  Eurodac­Treffers  (Fingerabdruck­Datenbank)  vom       1. April 2011 und der Angaben der Beschwerdeführenden  Italien  für die  Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahrens zuständig ist, dass  das  Bundesamt  die  italienischen  Behörden  gestützt  auf  diese  Sachlage  am  21.  Juli  2011  um  Übernahme  der  Beschwerdeführenden  gemäss Art. 10 Abs. 1 Dublin­II­VO ersuchte,  dass die italienischen Behörden auf das Ersuchen des Bundesamtes um  Übernahme der Beschwerdeführenden innert der  festgelegten Frist nicht  reagiert haben und somit unter Anwendung von Art. 18 Abs. 7 Dublin­II­ VO  die  Zuständigkeit,  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  durchzuführen, am  22. September 2011 an Italien übergegangen ist, dass  die  Beschwerdeführenden  somit  –  wie  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung  festgestellt  –  in  einen  Drittstaat  (vorliegend  Italien)  ausreisen  können,  welcher für die Prüfung ihres Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist, dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  insgesamt  auch  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  welche  das  Bundesamt  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO)  hätten  veranlassen sollen, dass Italien unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und der Fok  ist, und keine Hinweise dafür bestehen, dieses Land würde sich nicht an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK,  halten, dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  indessen insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass nach Kenntnis des Bundesverwaltungsgerichts Dublin­Rückkehren­ de  und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private Hilfsorganisationen  der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,

E­5565/2011 dass das BFM nach dem Gesagten zu Recht  in Anwendung von Art. 34  Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht  eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides und deshalb vorliegend nicht zu prüfen ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von  Art. 83  Abs. 1  und  4  AuG  stellt,  sondern  allenfalls  vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art. 29a  Abs. 3  AsylV) oder  gegebenenfalls         – falls  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  allenfalls  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung der so genannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin­II­VO), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde,  welche  sich  im  Wesentlichen  auf  eine  Kritik  an  den  Lebensbedingungen  von  Asylsuchenden in Italien beschränkt, abzuweisen ist,  dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  der  Antrag,  es  sei  der  Beschwerde  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden seien anzuweisen, bis zum Entscheid des Gerichts von  der Überstellung nach Italien abzusehen, gegenstandslos wird, dass  sich  die  gestellten  Rechtsbegehren  aufgrund  vorstehender  Erwägungen als aussichtslos erweisen, weshalb unbesehen der allenfalls  bestehenden Bedürftigkeit der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  abzuweisen  und  bei  diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 16 Abs. 1 

E­5565/2011 Bst. a  VGG  i.V.m.  Art. 2  und  3  VGKE)  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

E­5565/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, an das BFM und an das  Migrationsamt des Kantons E. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber Bruno Huber Jonas Tschan Versand:

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