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Bundesverwaltungsgericht 14.09.2011 E-4978/2011

September 14, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,360 words·~7 min·3

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. August 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4978/2011 Urteil   v om   1 4 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Tunesien,   vertreten durch Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende  Aargau, lic. iur. Donato Del Duca, (…) Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügungen des BFM vom 30. August 2011 / N (…).

E­4978/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden  am  2.  Mai  2011  in  der  Schweiz  Asylgesuche stellten, auf welche das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  mit  Verfügungen vom 30. August 2011 nicht eintrat, dass  das  Bundesamt  den  Beschwerdeführenden  anlässlich  der  summarischen  Befragungen  vom  10.  Juni  2011  das  rechtliche  Gehör  bezüglich  der  Zuständigkeit  Italiens  für  die  vorliegenden  Asylverfahren,  zum  Nichteintretensentscheid  und  zu  einer  Wegweisung  dorthin  gewährte, dass die Beschwerdeführenden hierzu  im Wesentlichen vorbrachten, sie  hätten  in  Italien  bereits  eine  Wegweisung  erhalten  und  würden  in  der  Schweiz um Asyl ersuchen, dass das Bundesamt zur Begründung seiner Verfügungen ausführte, die  Schweiz habe sich mit der Umsetzung des Abkommens vom 26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen  [DAA],  SR  0.142.392.689)  verpflichtet,  die  Dublin­II­Verordnung  (Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaates,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist [Dublin­II­VO]) anzuwenden, dass  durch  einen  Abgleich  der  Fingerabdrücke  mit  der  Zentraleinheit  Eurodac bestätigt werde, dass der Beschwerdeführer am 20. April 2011  und  die  Beschwerdeführerin  am  29.  April  2011  in  Italien  in  das  Hoheitsgebiet der Dublin­Mitgliedstaaten eingereist seien, dass das BFM am 28. Juni 2011 an Italien ein Ersuchen um Übernahme  der  Beschwerdeführenden  im  Sinne  von  Art  10  Abs.  1  Dublin­II­VO  gestellt habe, dass  die  italienischen  Behörden  das  Ersuchen  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Dublin­II­VO gutgeheissen  und  bezüglich  der  Beschwerdeführerin  innerhalb  der  festgelegten  Zeit  nicht  geantwortet  hätten,  weshalb  die  Zuständigkeit  ­  bezüglich  der 

E­4978/2011 Beschwerdeführerin gestützt  auf Art.  18 Abs. 7 Dublin­II­VO  ­ an  Italien  übergegangen sei, dass gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf ein Asylgesuch nicht einge­ treten werde, wenn Asylsuchende  in einen Drittstaat ausreisen könnten,  der  für die Durchführung des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staats­ vertraglich zuständig sei, dass die Überstellung nach  Italien  ­  vorbehältlich einer  allfälligen Unter­ brechung  oder  Verlängerung  der  Überstellungsfrist  ­  bis  spätestens  am   4. Februar 2012, beziehungsweise 29. Februar 2012 zu erfolgen habe, dass die Beschwerdeführenden keine Gründe vorbringen würden und aus  den  Akten  keine  solchen  ersichtlich  seien,  welche  die  Schweiz  dazu  veranlassen sollten, die Asylgesuche in eigener Zuständigkeit zu prüfen, dass somit auf die Asylgesuche nicht einzutreten sei, dass  die  Folge  eines  Nichteintretensentscheides  gemäss  Art.  44  Abs. 1 AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz sei und die  Beschwerdeführenden  in  einen  Drittstaat  reisen  könnten,  in  dem  sie  Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  AsylG  finden  würden,  weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder Herkunftsstaates nicht zu prüfen sei, und ferner keine Hinweise auf  eine Verletzung von Art.  3 der Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  im  Falle einer Rückkehr nach Italien bestehen würden, womit der Vollzug der  Wegweisung nach Italien zulässig sei, dass auch keine Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung nach  Italien sprächen, dass der Vollzug der Wegweisung auch technisch möglich und praktisch  durchführbar sei, dass  den  Beschwerdeführenden  die  Verfügungen  des  BFM  vom  30.  August 2011 am 2. September 2011 eröffnet wurden,  dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Rechtsmitteleingabe  vom  9.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  beantragen,  die  Verfügungen des BFM vom 30. August 2011 seien aufzuheben und das  Amt  anzuweisen,  sein  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das vorliegende Asylgesuch für zuständig zu erachten,

E­4978/2011 dass die beiden Verfügungen vom 30. August 2011 zu vereinigen seien, dass  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen  den  vorliegenden  Beschwerden  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  sei  und  die  Vollzugsbehörden anzuweisen seien, von einer Überstellung nach Italien  abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt  der eingereichten Beschwerden entschieden habe, dass zu beachten sei, dass die Beschwerdeführerin nicht reisefähig sei, dass sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne von  Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  der  Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchen, dass  sie  zur  Begründung  im  Wesentlichen  vorbringen,  die  Beschwerdeführerin  als  hochschwangere  alleinstehende  Frau  müsse  ernsthaft  befürchten,  in  Italien  weder  Unterkunft  noch  Zugang  zu  medizinischer Versorgung  zu erhalten und es bestehe die Gefahr,  dass  sie  und  ihr  Kind  nicht  regelmässig  Mahlzeiten  erhalten  und  deshalb  Hunger leiden würden, dass  es  nicht  zumutbar  sei,  mit  einem  neugeborenen  Kind  auf  der  Strasse  oder  in  Abbruchhäusern  zu  leben,  wo  die  hygienischen  Bedingungen katastrophal seien, dass  die  Beschwerdeführerin  in  Italien  für  zirka  zwei  Wochen  hospitalisiert  worden  sei,  da  das  Kind  keine  normale  Entwicklung  durchmache, dass  die  grundlegendsten  Lebensbedürfnisse  in  Italien  nicht  gedeckt  seien und es auch schwierig werden werde,  nach dem Sommer warme  Kinderkleider zu erhalten, dass  die  unzureichende  Wohnsituation,  die  mangelnde  Ernährung  und  der  fehlende  Zugang  zum  Gesundheitswesen  in  Italien  eine  erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK darstelle, dass  die  Beschwerdeführenden  bezüglich  ihrer  Vorbringen  unter  anderem  auf  einen  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom Mai 2011 verweisen,

E­4978/2011 dass  bezüglich  der  weiteren  Ausführungen  im  Einzelnen  auf  die  Rechtsmitteleingabe  und,  soweit  entscheidrelevant,  auf  die  nachfolgenden Erwägungen zu verweisen ist, dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  am  13.  September  2011  beim Bundesverwaltungsgericht eingingen, und erwägt, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  im  Regelfall  ­  so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet  (Art. 105 AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32] sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerden  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass die Beschwerden frist­ und formgerecht eingereicht wurden (Art. 108  Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  die  Beschwerden  gegen  die  angefochtenen  Verfügungen  in  einer  gemeinsamen Rechtsmitteleingabe eingereicht wurden, dass die Beschwerden ­ und nicht die beiden Verfügungen, wie beantragt  ­ aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhanges zu  vereinigen und in einem Beschwerdeurteil zu prüfen sind, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111 Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend, wie  nachfolgend  aufge­ zeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde,

E­4978/2011 dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde­ instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass das BFM am 28. Juni 2011 an Italien ein Ersuchen um Übernahme  der Beschwerdeführenden gestellt hat,  dass  der  Aufenthalt  der  Beschwerdeführenden  in  Italien  vor  deren  Einreise in die Schweiz nicht bestritten ist, dass  die  italienischen  Behörden  der  Übernahme  der  Beschwerdeführenden  zugestimmt  haben  (bezüglich  der  Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 8. September 2011), dass  bei  dieser  Sachlage  Italien  für  die  Prüfung  des  Asylantrages  der  Beschwerdeführenden zuständig ist, dass  somit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne Weiteres gegeben ist, dass  Italien  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) ist, dass  keine  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten, dass  der  generelle  Vorhalt  in  der  Rechtsmitteleingabe,  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind  würden  in  Italien  zwingend  einer  existenzbedrohenden  Situation  ausgesetzt  und  die  unzureichende  Wohnsituation, die mangelnde Ernährung und der fehlende Zugang zum  Gesundheitswesen  in  Italien  stelle  eine  erniedrigende  Behandlung  im  Sinne von Art. 3 EMRK dar, nicht gehört werden kann,

E­4978/2011 dass Italien die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur  Festlegung von Mindestnormen  für die Aufnahme von Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten  (Amtsblatt  Nr.  L  031  vom  06/02/2003  S.  0018 –  0025),  welche  zahlreiche  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden  beinhaltet,  ohne  Beanstandungen  von  Seiten der Europäischen Kommission umgesetzt hat, dass  an  dieser  Einschätzung  auch  ­  wie  in  der  Rechtsmitteleingabe  vorgebracht  wird  ­  allenfalls  anderslautende  Beschlüsse  deutscher  Gerichte nichts zu ändern vermögen, zumal diese für die Rechtsprechung  des Bundesverwaltungsgerichts ohne Belang sind, dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können  und  sich  das  italienische  Asylsystem  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum  verbunden  mit  einer  starken  Zunahme  von  Asylsuchenden  zwar  mit  erheblichen  Kapazitätsproblemen konfrontiert sieht, dass  hinsichtlich  verschiedener  Berichte  zu  den  Aufnahme­  und  Lebensbedingungen  für  asylsuchende  respektive  bereits  als  Flüchtlinge  anerkannte  Personen  in  Italien  festzustellen  ist,  dass  die  italienischen  Behörden seit geraumer Zeit mit einer grossen Anzahl von Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen bei den Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  ­  eine  Betreuung  durch  die  italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen  ist  nicht  in  jedem Fall  gewährleistet  ­  nicht  zum Schluss gelangt,  Italien  verletze in systematischer Weise die Richtlinie Nr. 2003/9/EG, dass  angesichts  dieser  Sachlage  keine  Veranlassung  besteht,  die  Regelvermutung  in  Frage  zu  stellen,  wonach  sich  Italien  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der FoK, hält (BVGE 2010/45 E. 7.5. und 7.7.),  dass  diese  Regelvermutung  umgestossen  werden  kann,  wenn  im  konkreten  Einzelfall  ernsthafte  Indizien  dafür  vorliegen,  dass  die 

E­4978/2011 Behörden des betreffenden Signatarstaates Völkerrecht verletzen (BVGE  2010/45 a.a.O.), dass  es  vorliegend  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen,  aufgrund  derer geschlossen werden könnte,  ihnen und ihrem Kind drohe in Italien  eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass  für  den  Fall,  dass  die  Beschwerdeführenden  aufgrund  der  Aufenthaltsbedingungen  tatsächlich  nicht  in  der  Lage  sein  sollten,  mit  ihrem Kind in Italien ein menschenwürdiges Leben zu führen, es an ihnen  liegen wird,  ihre Rechte bei den  italienischen Behörden  respektive beim  Europäischen Gerichtshof  oder  beim EGMR geltend  zu machen  (BVGE  2010/45          E. 7.6.4), dass  aber  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­Rück­ kehrende  und  ­  wie  vorliegend  die  schwangere  Beschwerdeführerin  ­  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  neben  den  staatlichen  Strukturen auch zahlreiche private Hilfsorganisationen der Betreuung von  Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass  sich  aus  den  Akten  keinerlei  Anhaltspunkte  dafür  ergeben,  Italien  halte sich nicht an das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die  Rechte des Kindes ([KRK, SR 0.107]; vgl. CHRISTIAN FILZWIESER / ANDREA  SPRUNG,  Dublin­II­Verordnung,  3.  Aufl.,  Wien/Graz  2010,  Kommentar  Nr. 8 zu Art. 6 Seite 90), dass  die  italienischen  Behörden  im  Rahmen  des  Ersuchens  um  Übernahme  bereits  schriftlich  über  die  Schwangerschaft  der  Beschwerdeführerin informiert wurden, dass  die  Beschwerdeführerin  im Weiteren  entgegen  dem Vorbringen  in  der Rechtsmitteleingabe nicht als alleinstehende Frau zu gelten hat, sind  die Beschwerdeführenden nach eigenen Angaben doch  religiös und auf  traditionelle Weise getraut, dass sich vor diesem Hintergrund der Vollzug der Wegweisung entgegen  den  Beschwerdevorbringen  als  zulässig  erweist  (Art.  83  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]),

E­4978/2011 dass des Weiteren die Beschwerdeführenden nichts vorbringen, das das  BFM hätte veranlassen können, aus humanitären Gründen (Art. 29a Abs.  3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.311]) auf ihre Asylgesuche einzutreten, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten  Einzelfall  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  eine  Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  als  unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­7221/2009 vom 10.  Mai 2011), dass sich angesichts dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den  weiteren  Ausführungen  in  den  Beschwerden  erübrigt,  weil  diese  nicht  geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der  Beschwerdeführenden  nach  Italien  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt  und  folglich  das BFM  zu Recht  in  Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2  Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (BVGE  2009/50  E.  9.  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  nach  Italien  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  der  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  bereits  Voraussetzung  (und  nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides ist (BVGE 2010/45  E. 10.2), dass  deshalb  allfällige  völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der  Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO)  oder  gegebenenfalls  ­  wenn  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  ­  bei  der  Ausübung  der  Humanitären  Klausel  (Art. 15 

E­4978/2011 Dublin­II­VO) zu prüfen sind, weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG besteht, dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung zu bestätigen ist, dass  entgegen  dem  Vorhalt  in  der  Rechtsmitteleingabe  das  BFM  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  betreffend  Schwangerschaft  und  Reisefähigkeit nicht pflichtwidrig unrichtig und unvollständig abgeklärt hat, dass  eine  Schwangerschaft  im  Zusammenhang  mit  der  Prüfung  des  vorliegenden  Prozessgegenstandes  nicht  als  Bestandteil  des  rechtserheblichen Sachverhaltes zu gelten hat, dass eine  in der Rechtsmitteleingabe vorgebrachte Reiseunfähigkeit der  Beschwerdeführerin in den Akten keine Stütze findet, dass zudem das Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe, das Kind mache  keine  normale  Entwicklung  durch,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  in  Italien  für  zirka  zwei  Wochen  habe  hospitalisiert  werden  müssen,  aktenwidrig  ist,  wenn  die  Beschwerdeführenden  übereinstimmend  zu  Protokoll  gegeben  haben,  die Beschwerdeführerin  habe  sich  am 9. Mai  2011  schlecht  gefühlt  und  sei  für  vier  Tage  im  Spital  untergebracht  worden (Akten BFM A9/10 S. 6 und A8/10 S. 6), dass  es  sich  erübrigt,  im  Rahmen  des  vorliegenden  Verfahrens  Arztberichte einzuholen, zumal es im Rahmen der Mitwirkungspflicht den  Beschwerdeführenden obliegen würde, solche umgehend zu beschaffen  und einzureichen, wenn sie dies als notwendig und sachdienlich erachtet  hätten, dass  aufgrund  der  Aktenlage  im  Zusammenhang  mit  der  Schwangerschaft keine Komplikationen ersichtlich sind, dass  die  zuständigen  Behörden  eine  allenfalls  neue  medizinische  Ausgangslage  und  allfällige  notwendige  Betreuungsbedürfnisse  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Kindes  gebührend  berücksichtigen  und  einen Vollzug der Wegweisung nicht zur Unzeit umsetzen würden, dass  im  Übrigen  in  Italien  im  Zusammenhang  mit  Schwangerschaften  adäquate medizinische Betreuung gewährleistet werden könnte,

E­4978/2011 dass  die  Beschwerdeführenden  nicht  darzutun  vermögen,  inwiefern  die  angefochtenen  Verfügungen  Bundesrecht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellen  oder  unangemessen  sind  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerden  abzuweisen sind, dass mit vorliegendem Urteil das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung  eines Kostenvorschusses hinfällig ist, dass  mit  vorliegendem  Urteil  auch  das  Gesuch  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerden  gegenstandslos  ist  und  demnach  auf  die  in  der Rechtsmitteleingabe  in  diesem Zusammenhang  gemachten Ausführungen nicht weiter einzugehen ist, dass sich die Beschwerden aufgrund der vorstehenden Erwägungen als  aussichtslos  erweisen,  weshalb  der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG) unbesehen der  allenfalls bestehenden prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist, dass  jedoch  aufgrund  der  aktuellen  besonderen  Situation  der  Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu erlassen sind (Art. 6 Bst. b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­4978/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerden werden vereinigt. 2.  Die Beschwerden werden abgewiesen. 3.  Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um  Beiordnung  einer  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  wird  abgewiesen. 4.  Die Verfahrenskosten werden erlassen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

E-4978/2011 — Bundesverwaltungsgericht 14.09.2011 E-4978/2011 — Swissrulings