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Bundesverwaltungsgericht 05.10.2011 E-4748/2009

October 5, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,339 words·~12 min·2

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Juni 2009 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4748/2009 Urteil   v om   5 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Maurice Brodard;  Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien,  alias B._______, geboren am (…), Irak, vertreten durch Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des  BFM vom 26. Juni 2009 / N (…).

E­4748/2009 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – eigenen Aussagen gemäss ein kurdischer Syrer  aus  C._______  (Provinz  …)  –  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Aussagen  zufolge  am  22.  oder  23.  März  2009  und  gelangte  ohne  Reisepass  mit  dem  Flugzeug  und  per  LKW  über  die  Türkei  und  ihm  unbekannte  Länder  am  31.  März  2009  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ um  Asyl  nachsuchte. Am 8. April  2009  fand die Befragung  zur Person  statt  und  am  20. April  2009  führte  das  Bundesamt  die  Anhörung  zu  seinen  Asylgründen durch. Im Wesentlichen machte er dabei geltend, er sei im Monat März 2007 für  den Militärdienst  rekrutiert und nach einem 45­tägigen Trainingskurs als  Soldat zu den (…) in E._______ eingeteilt und stationiert worden. In der  zugeteilten  Einheit  sei  er  dem  Befehlshaber  Oberst  M.  S.  unterstellt  gewesen,  welcher  ihn  als  einzigen  Kurden  der  Einheit  diskriminiert  und  auch physische Gewalt gegen ihn angewendet habe. So sei er mehrmals  aufgefordert worden, dem Obersten persönliche Gebrauchsgegenstände  aus  eigener  Tasche  zu  besorgen.  Auch  sei  er  bei  verschiedenen  Anlässen  durch  Peitschenhiebe  grundlos  bestraft  worden.  Im  Juli  2007  sei  er  von  seinem  Befehlshaber  aufgefordert  worden,  über  einen  steinigen Grund  zu  robben, wobei  jener  ihm Fusstritte  versetzt  und  ihm  dabei  den Arm gebrochen habe. Nach Behandlung dieser Fraktur  habe  ihn  M.  S.  während  einer  Sportübung  einen  steinigen  Abhang  hinuntergestossen,  so  dass  er  sich  das  linke  Wadenbein  gebrochen  habe. Zur Behandlung sei er  in ein Militärspital  gebracht worden, wo er  unter  strenger  Aufsicht  behandelt  und  von  der  Militärpolizei  über  den  Vorfall  verhört  worden  sei.  Aufgrund  mangelnder  medizinischer  Betreuung  im Militärspital  sei  er  auf Veranlassung  seiner Eltern  im  Juni  2008  in  ein  Privatspital  nach  E._______  verlegt  worden.  Da  er  nach  seinem  Spitalaustritt  den  Dienst  in  seiner  ursprünglichen  Einheit  hätte  fortsetzen sollen, habe er sich zur Desertion entschlossen. Nach seinem  Spitalaustritt  sei  er  zu  seinem Onkel  nach C._______  geflüchtet,  wo  er  sich  bis  zu  seiner Ausreise  am 22. oder  23. März  2009  versteckt  habe.  Unterdessen habe ihn die Militärpolizei mehrmals zu Hause gesucht. Bei  einer Rückkehr  nach Syrien  befürchte  er, wegen Desertion  verhaftet  zu  werden.  Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.

E­4748/2009 Mit  Schreiben  vom  20.  April  2009  zeigte  das  EVZ  D._______  den  Eingang  einer  Faxkopie  des  Familienregisters  des  Beschwerdeführers  vom 14. April 2009 an.  B.  B.a.  Mit  Schreiben  am  21.  April  2009  ersuchte  das  BFM  die  Schweizerische Vertretung  in Damaskus um Abklärungen betreffend die  Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers nach  Syrien. Diesem Gesuch legte es den Faxausdruck des Familienregisters  in Kopie bei. B.b. Mit Eingabe vom 20. Mai 2009 teilte die Schweizerische Vertretung  in  Damaskus  dem  BFM  mit,  gemäss  den  Untersuchungen  des  Vertrauensanwaltes  der  Botschaft  verfüge  der  Beschwerdeführer  zwar  über  keinen  syrischen  Reisepass,  könnte  einen  solchen  jedoch  beantragen. Zudem werde er weder von der syrischen Migrationsbehörde  noch von den syrischen Behörden gesucht.  B.c.  Am  9.  Juni  2009  wurde  dem  Beschwerdeführer  zu  den  Abklärungsergebnissen  der  Schweizerischen  Botschaft  das  rechtliche  Gehör gewährt. C.  Mit Verfügung vom 26. Juni 2009 – eröffnet am 30. Juni 2009 – wies das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung  führte  es  aus,  dass  seine  Vorbringen  den  Anforderungen  an  die  Glaubwürdigkeit  (recte: Glaubhaftigkeit) gemäss Art. 7 des Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten. Ausserdem sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Auf  die  Begründung wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen.  D.  Mit  Eingabe  vom  24.  Juli  2009  –  Datum  Poststempel  –  erhob  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM  und  liess  beantragen,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  vollumfänglich  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  sei  Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die 

E­4748/2009 Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der Wegweisung  festzustellen  und  er  sei  vorläufig aufzunehmen.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  und  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Mit  seiner  Eingabe  liess  er  fremdsprachige Dokumente  in Kopie (Krankenschein  [Verlängerung] des  Militärspitals  vom  25.  März  2008,  Bestätigung  des  Spitalleiters  von  F._______,  zwei  Erholungsurlaubsbestätigungen  des  Verwaltungsdienstes  der  Militärmedizin  von  insgesamt  91  Tagen  sowie  einen Waffenschein der Armee und ein Informationsblatt des Militärs) zu  den Akten reichen. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  30.  Juli  2009  forderte  die  zuständige  Instruktionsrichterin  den  Beschwerdeführer  auf,  die  eingereichten  fremdsprachigen Dokumente in eine Amtssprache übersetzen zu lassen.  Gleichzeitig  wies  sie  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlich  Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1  und Abs.  2 AsylG  sowie  um  Verzicht auf einen Kostenvorschuss ab und erhob einen Kostenvorschuss  von Fr. 600.­. Dieser Betrag wurde fristgemäss geleistet.  F.  Mit  Schreiben  vom  31.  August  2009  liess  der  Beschwerdeführer  die  eingereichten  Beweismittel  ins  Deutsche  übersetzt  und  zum  Teil  im  Original nachreichen. G.  Unter  Verweis  auf  seine  Erwägungen  beantragte  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  vom  28.  September  2009  die  Abweisung  der  Beschwerde,  woraufhin  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  14.  Oktober 2009 replizierte. H.  Mit Verweis auf einen Bericht des dänischen  Immigrationsdienstes  teilte  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  7.  Februar  2011  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  er  engagiere  sich  seit  längerer  Zeit  politisch  für  kurdische  Anliegen,  sympathisiere mit  der  "Partiya  Yekîtiya  Demokrat"  (PYD:  Democratic  Union  Party,  Teilorganisation  der  Arbeiterpartei  Kurdistans  in  Syrien;  Anmerkung  Bundesverwaltungsgericht) und habe mit deren Vertretung in der Schweiz  http://www.pyd.se/kurdi/ http://www.pyd.se/kurdi/ http://www.pyd.se/kurdi/ http://www.pyd.se/kurdi/ http://www.pyd.se/kurdi/ http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterpartei_Kurdistans http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterpartei_Kurdistans http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterpartei_Kurdistans http://de.wikipedia.org/wiki/Syrien

E­4748/2009 Kontakt  aufgenommen.  Als  Beweismittel  legte  er  eine  Mitgliederbestätigung  der  PYD,  Sektion  Europa,  einen  USB­Stick,  beinhaltend  10  Fotos  von  Demonstrationen,  drei  Fotos  einer  Veranstaltung  in  einem  geschlossenen  Raum  sowie  zwei  Videosequenzen  von  Demonstrationszügen  und  ein  fremdsprachiges  Dokument  zu  den Akten. Gleichzeitig  verwies  er  auf mehrere  kurdische  Internetseiten;  diese  Beweismittel  würden  seine  exilpolitischen  Aktivitäten, die er für die PYD durchgeführt habe, dokumentieren. I.  Mit Eingabe vom 6. Juni 2011  liess der Beschwerdeführer durch seinen  Rechtsvertreter mitteilen,  dass  sein Vater  in  jüngster  Zeit  immer wieder  durch  die  syrische  Polizei  behelligt  werde,  während  Stunden  in  einer  kleinen Zelle festgehalten und intensiv nach dem Verbleib seines Sohnes  befragt  werde.  Gleichzeitig  wies  er  unter  Verweis  auf  verschiedene  Informationsquellen  auf  die  besorgniserregende  Menschenrechtslage  in  Syrien hin.  J.  Mit Verfügung vom 19. August 2011 zog das BFM im Rahmen von Art. 58  VwVG seinen Entscheid vom 26. Juni 2009 teilweise in Wiedererwägung  und  nahm  den  Beschwerdeführer  infolge  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs in seinen Heimatstaat Syrien im Sinne von Art. 83  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) vorläufig als Flüchtling  in der Schweiz auf.  K.  Mit  Zwischenverfügung  vom  23.  August  2011  gab  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  Gelegenheit  mitzuteilen, ob er unter den gegebenen Umständen an der Beschwerde  festhalten  oder  diese  allenfalls  zurückziehen  wolle,  soweit  darin  die  Gewährung von Asyl beantragt werde.  L.  Mit  Schreiben  vom  7.  September  2011  teilte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit,  dass  er  mangels  anderslautender  Instruktion  durch  seinen  Mandanten  an  der  Beschwerde  festhalte.  Gleichzeitig  reichte er seine Honorarnote zu den Akten.

E­4748/2009 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG ist im  vorliegenden  Verfahren  nicht  gegeben,  so  dass  das  Bundesverwaltungsgericht in der Sache endgültig entscheidet. 1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.5. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Mit Verfügung vom 19. August 2011 zog das BFM die Verfügung vom 26.  Juni  2009  teilweise  in Wiedererwägung,  sprach  dem  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  und  nahm  ihn  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  auf.  Da  der  Beschwerdeführer  zufolge  subjektiver  Nachfluchtgründe  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen 

E­4748/2009 wurde,  beschränkt  sich  das  vorliegende Beschwerdeverfahren  nur  noch  auf  die  Frage  seiner  Anerkennung  als  Flüchtling  aufgrund  der  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe,  die  Frage  der  Asylgewährung  und  auf  die  Wegweisung. 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  Entscheidend  ist,  ob  eine  Gesamtwürdigung  der  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK;  EMARK]  2004  Nr. 1  E. 5,  mit  weiteren  Hinweisen). 4.  4.1. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Vorbingen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten,  weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  im Rahmen der Befragung vom 8. April 2009 und der  Anhörung  vom  20.  April  2009  krass  widersprüchliche  Angaben  zu  Protokoll  gegeben  habe,  könne  ihm  nicht  geglaubt  werden,  dass  er  im  Militärdienst  die  vorgebrachten  Nachteile  erlitten  habe.  So  habe  der  Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seinen Verletzungen einerseits  erklärt,  sein militärischer Vorgesetzter  habe  ihn  im März  2008  in  einem 

E­4748/2009 bergigen Gebiet einen Hang hinuntergestossen, was zum Bruch von Bein  und  Arm  geführt  habe,  um  andernorts  zu  Protokoll  zu  geben,  dieser  Oberst  habe  ihm  den  Arm  im  Juli  2007  und  das  Bein  im  März  2008  gebrochen.  Ferner  habe  er  einerseits  zu  Protokoll  gegeben,  die  geschilderten  Schwierigkeiten  mit  seinem  Vorgesetzten  hätten  ab  dem  Monat März 2008 begonnen, um andererseits auszusagen, dieser habe  ihm  den  Arm  im  Juli  2007  gebrochen.  Angesprochen  auf  seinen  Spitalaufenthalt  habe  er  dargelegt,  ungefähr  zwei  Monate  in  einem  Zivilspital  in  E._______  behandelt  worden  zu  sein,  um  anlässlich  der  Anhörung zu Protokoll zu geben, er sei ungefähr drei Monate  in diesem  Spital  gewesen.  Die  bereits  bestehende  Haltlosigkeit  seiner  Vorbringen  würden durch wesentliche Zweifel weiterer, erst anlässlich der Anhörung,  dargelegter  Schilderungen  zu  seiner  behördlichen  Suche,  den  Drangsalierungen durch seinen Vorgesetzten sowie zum Versuch seiner  Eltern,  ihn  in eine andere Militäreinheit  zu  rekrutieren, erhärtet.  Insoweit  könne  nicht  nachvollzogen werden, weshalb  der  Beschwerdeführer  erst  im  Rahmen  der  Anhörung  dargelegt  habe,  dass  die  Militärpolizei  nach  seinem Spitalaustritt oft bei ihm zu Hause vorbeigekommen sei, um nach  ihm  zu  suchen.  Gerade  diese  behördliche  Suche  nach  ihm  hätte  den  eigentlichen Grund  seiner  Flucht  aus  dem Heimatland  dargestellt.  Auch  habe  er  erst  anlässlich  der  Anhörung  zur  Sache  erklärt,  dass  er  vom  Oberst  regelmässig  und  als  einziger  seiner  Einheit  mit  elektrischen  Kabeln geschlagen worden sei. Da es sich dabei um eine offensichtlich  individuelle  Schlechterbehandlung  gegenüber  seinen  Dienstkollegen  gehandelt habe, würde es ein wesentliches Argument darstellen. Ferner  sei  erstaunlich,  dass  er  erst  im  Rahmen  der  Anhörung  erwähnt  habe,  dass  seine  Eltern  beim Militärgericht  vorstellig  geworden  seien,  um  ihn  nach seiner Behandlung in eine andere Einheit zu integrieren. Aufgrund  der  Abklärungsergebnisse  der  Schweizerischen  Vertretung  in  Damaskus  sei  schliesslich  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer im Rahmen des Militärdiensts keine der vorgebrachten  Nachteile  erlitten  und  noch weniger,  dass  er  sich  dem Dienst  entzogen  habe.  In  ihrer  Antwort  bestätige  die  Botschaft  eindeutig,  dass  der  Beschwerdeführer  weder  von  den  syrischen  Migrationsbehörden  noch  von  sonstigen  syrischen  Behörden  gesucht  werde.  Insoweit  vermöge  seine  diesbezügliche  Erklärung,  er  wisse,  dass  er  von  den  Militärbehörden  seines  Landes  gesucht  werde,  die  Botschaftsauskunft  keineswegs  umzustossen.  Der  Beschwerdeführer  erfülle  damit  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  sein  Asylgesuch  abzulehnen  und  die Wegweisung aus der der Schweiz anzuordnen sei. 

E­4748/2009 4.2.  4.2.1.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  vom  24.  Juli  2009  hielt  der  Beschwerdeführer  demgegenüber  fest,  das  BFM  habe  zu  Unrecht  festgestellt,  dass  seine  Vorbringen  widersprüchlich  ausgefallen  seien,  und  damit  Bundesrecht  verletzt.  Mit  Verweis  auf  seine  protokollierten  Aussagen  bekräftigte  er  im  Wesentlichen  den  geltend  gemachten  Sachverhalt  und  die  sich  daraus  für  ihn  ergebende  Gefährdung.  Vorab  bringt  der  Beschwerdeführer  vor,  die  vom  BFM  aufgezeigten  widersprüchlichen und  realitätsfremden Angaben  seien darin  begründet,  dass er lediglich während dreier Jahre den Schulunterricht besucht habe  und  Analphabet  sei.  Deshalb  habe  er  zugegebenermassen  Schwierigkeiten  gehabt,  die  erlebten  Ereignisse  zeitlich  präzise  und  korrekt  einzuordnen.  Seine  Verfolgungsgründe  habe  er  dennoch  glaubhaft  darlegen  und  mit  den  zu  den  Akten  gereichten  Dokumenten  belegen  können.  So  gehe  aus  der  Bestätigung  des  Militärspitals  von  F._______,  den  Abwesenheitsbestätigungen  des  Militärdienstes,  der  Bestätigung  des  Spitalleiters  von  F._______  und  der  Ferienbestätigung  des Militärs klar hervor, dass er sich anfangs des Jahres 2008 während  rund fünf Monaten  im Militärspital F._______ befunden habe, um seinen  Beinbruch zu kurieren. Angesichts dieser Dokumente sei bewiesen, was  er  kraft  seiner  Erinnerung  gemäss  Vorinstanz  nicht  schlüssig  habe  darzulegen vermögen. 4.2.2. Dass der Beschwerdeführer grundlos wesentliche Argumente erst  anlässlich  der  Anhörung  geltend  gemacht  habe,  sei  durch  den  summarischen  Charakter  der  Erstbefragung  bedingt,  in  deren  Rahmen  dem  Asylsuchenden  nur  ein  begrenzter  Raum  für  das  Darlegen  seiner  Fluchtgründe  offenstehe.  Entgegen  der  Ansicht  des  BFM,  der  Beschwerdeführer  habe während  der  Befragung  nicht  erwähnt,  dass  er  von  seinem  militärischen  Vorgesetzten  mit  Kabeln  geschlagen  worden  sei,  habe  er  ausgesagt,  Probleme  mit  seinem  Vorgesetzten  gehabt  zu  haben. Angesichts des Zeitdruckes und des Hinweises auf eine weitere,  ausführliche  Anhörung  habe  er  anlässlich  der  Befragung  nur  die  schlimmsten Ereignisse  vorgebracht. Die Ausführungen  im Rahmen der  Anhörung  müssten  daher  als  Konkretisierung  seiner  Vorbringen  anlässlich  der  Befragung  qualifiziert  werden,  die  auch  später  im  Verfahren  vorgebracht werden  dürften.  Ebenso  verhalte  es  sich mit  der  anlässlich der zweiten Anhörung vorgebrachten Angabe, er sei mehrmals  bei sich zu Hause gesucht worden, als er sich bereits bei seinem Onkel  versteckt  habe.  Für  ihn  sei  völlig  klar  gewesen,  dass  er  nach  seiner  Desertion von den Militärbehörden gesucht würde, weshalb er sich auch 

E­4748/2009 nach  seinem Spitalaustritt  unvermittelt  zu  seinem Onkel  begeben  habe.  Da während der Erstanhörung keine weiteren Fragen zu diesem Zeitraum  gestellt  worden  seien,  habe  er  diesbezüglich  keine  näheren  Angaben  dazu  gemacht.  Entgegen  der  Behauptung  des  BFM  sei  sich  der  Beschwerdeführer  um  das  harte  Vorgehen  der  syrischen  Behörden  gegenüber  Deserteuren  bewusst  gewesen,  weshalb  er  bereits  während  seines Spitalaufenthalts den Entschluss zur Flucht gefasst habe.  Infolge  andauernder  medizinischer  Probleme  habe  sich  seine  Ausreise  jedoch  bis im März 2009 verzögert. Der Beschwerdeführer stützte sich sodann auf zwei Berichte ("Institute for  War and Peace Reporting" vom Januar 2009 und "Europäische Zentrum  für  kurdische  Studien"  vom  3. August  2004)  und  machte  geltend,  der  Militärdienst stelle für kurdische Dienstpflichtige eine schwierige Zeit dar,  die  von  Schikanen,  Prügel,  Beleidigung  und  Benachteiligungen  gekennzeichnet sei. Auch unter dem Blickwinkel, dass gegenüber Kurden  erheblich  strengere  Massstäbe  bezüglich  der  Befreiung  durch  Geldleistung, der Verweigerung der Militärdienstpflicht und der Desertion  angesetzt würden, als gegenüber der arabischen Bevölkerung, seien die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  als  plausibel  zu  qualifizieren.  Insbesondere auch, weil er einziger Kurde in seiner Einheit gewesen und  deshalb diskriminiert worden sei.  4.3. In seiner Vernehmlassung vom 28. September 2009 stellte das BFM  fest,  die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Dokumente  seien  nicht  geeignet,  die  während  des  Militärdienstes  erlittenen  Verletzungen  zu  bezeugen,  zumal  diese  –  ausgenommen  der  Waffenschein  und  das  Entlassungsschreiben  aus  dem  Militärspital  F._______  –  in  Kopie  eingereicht worden seien. Es könne ihnen kein Beweiswert zugesprochen  werden.  Zudem  ergebe  sich  aus  dem  Entlassungsbericht  kein  Anhaltspunkt  für  ein  offizielles  Dokument,  zumal  der  Stempel  völlig  unleserlich  und  die  Vorlage  in  einer  beliebigen  Form  gehalten  sei,  was  erhebliche  Zweifel  an  der  Echtheit  dieses  Dokumentes  hervorrufe.  Ausserdem  liefere dieses Dokument keine Angaben über die Umstände  und  Verursachung  der  Verletzung.  Insoweit  wäre  dieses  auch  nicht  geeignet,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  belegen.  Ferner  stehe der ins Recht gelegte Waffenschein in keinem Zusammenhang mit  seinen Vorbringen. Damit seien die eingereichten Dokumente  insgesamt  nicht geeignet, um zu einer anderen Schlussfolgerung zu gelangen.

E­4748/2009 4.4.  In  seiner  Stellungnahme  vom  14.  Oktober  2009  hielt  der  Beschwerdeführer demgegenüber fest, dem BFM sei zwar zuzustimmen,  dass  Fotokopien  nicht  dieselbe  Beweiskraft  entfalten  könnten  wie  Originaldokumente.  Dennoch  lasse  die  richterliche  Beweiswürdigung  auch die Würdigung solcher Fotokopien zu, zumal diese Indizien für den  Wahrheitsgehalt  der mündlichen  Vorbringen  darstellen  würden  und  das  Asylgesetz für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft auch nicht den  strikten  Beweis  verlange.  Diesem  reduzierten  Beweiserfordernis  der  blossen  Glaubhaftmachung  genügten  blosse  Kopien  von  Urkunden  durchaus. Damit seien seine vorgebrachten Fluchtgründe belegt.  5.  5.1.  5.1.1. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit  des Beschwerdeführers  ist  vorab  darauf  hinzuweisen,  dass  sein  Vorbringen,  er  sei  Analphabet  nicht  zu  überzeugen  vermag.  Er  war  offenbar  in  der  Lage,  das  Personalienblatt  (act. A2/1), das ihm im Empfangszentrum vorgelegt wurde, selbstständig  auszufüllen.  Den  Eintragungen  ist  auch  zu  entnehmen,  dass  er  sogar  zumindest über Grundkenntnisse der lateinischen Schrift verfügt. Bei der  Anhörung  sagte  er  auf  Nachfrage,  ob  er  Dokumente  oder  seine  Identitätskarte  habe,  zudem  aus,  seine  Familiennummer  sei  (…).  Auch  wusste  er, welcher Bataillonsnummer  er  eingeteilt war  (vgl.  A1/11 S.  6;  A 11/15 S. 4 f.). Aufgrund dieser Angaben zu den Nummerneinheiten und  dem  Aussageverhalten  des  Beschwerdeführers  ist  insgesamt  zu  schliessen, er versuche seine überwiegend widersprüchlichen vagen und  nicht  überzeugenden  Angaben  (vgl.  dazu  die  nachfolgenden  Erwägungen) durch das Vorschieben der Behauptung, er sei Analphabet,  zu erklären.  5.1.2.  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  berechtigterweise darauf hin, dass davon ausgegangen werden kann, der  Beschwerdeführer habe weder Nachteile  im Rahmen des Militärdienstes  erlitten noch habe er sich dem Dienst entzogen. So machte er hinsichtlich  der Art und Weise sowie auch des zeitlichen Hergangs der Behelligungen  durch seinen Vorgesetzten und seines Spitalaufenthalts widersprüchliche  Angaben: Zunächst machte er anlässlich der Kurzbefragung geltend, der  Oberst  habe  ihn  im März  2008  in  einem gebirgigen Gebiet  einen Hang  hinuntergestossen,  weshalb  er  sich  das  Bein  und  den  Arm  gebrochen  habe  (vgl. Akten  BFM  A1/11  S.  6),  wohingegen  er  im  Verlauf  der  Bundesanhörung zu Protokoll gab, sein Vorgesetzter habe  ihm den Arm  im Juli 2007 und das Bein im März 2008 gebrochen (vgl. A11/15 S. 6 und 

E­4748/2009 S.  9).  Ferner  machte  er  –  wie  das  BFM  zu  Recht  ausführte  –  auch  widersprüchliche Angaben sowohl zum Zeitpunkt der Schwierigkeiten mit  M.  S.  als  auch  zur  Dauer  seines  Spitalaufenthalts.  In  diesem  Zusammenhang  ist  zudem  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  ausführte,  er  sei  von  März 2008 bis zum Juni 2008  im Spital gewesen, zuerst während eines  Monats  im  Militärspital  von  F._______  und  danach  für  ungefähr  zwei  Monate  in  einem  Privatspital  unbekannten  Namens  in  E._______,  um  sich danach von Mai oder Juni 2008 bis zur Ausreise bei seinem Onkel  aufzuhalten  (vgl. A 1/11 S. 3 und S. 7). An der Bundesanhörung gab er  hingegen zu Protokoll, er sei einen Monat im Militärspital F._______ und  daraufhin ungefähr drei Monate  im Privatspital G._______  in E._______  gewesen, woraufhin er sich zu seinem Onkel begeben habe (vgl. A11/15  S. 10 f.).  In  seiner  Beschwerdeschrift  führte  er  demgegenüber  aus,  den  eingereichten Dokumenten könne klar entnommen werden, dass er sich  seit Anfang des Jahres 2008 während rund fünf Monaten  im Militärspital  von  F._______  befunden  habe,  was  wiederum  offensichtlich  in  Widerspruch mit  seinen  Angaben  steht. Wie  das  BFM  richtig  erkannte,  können  diesen  Bestätigungsschreiben  zudem  keine  Angaben  über  die  Ursache  sowie  über  die  Art  und  Weise  der  Verletzungen  entnommen  werden.  Die  in  der  Beschwerde  gegebene  Erklärung,  dass  sich  alle  vorgebrachten Widersprüche auf zeitliche Angaben beziehen würden, der  Beschwerdeführer  lediglich drei Jahre den Schulunterricht besucht habe  und sich selbst als Analphabeten bezeichne, überzeugt nicht, da es  ihm  nicht gelungen ist, ebendies glaubhaft zu machen. Wie oben erwogen, ist  davon auszugehen, er verfüge über eine bessere schulische Ausbildung  als  er  vorgibt.  Darüber  hinaus  unterlässt  er  es  völlig,  seinen  Spitalaufenthalt  in der Privatklinik G._______ zu untermauern. Aufgrund  dessen  ist  in  Übereinstimmung mit  dem BFM  davon  auszugehen,  dass  den  in  Kopie  eingereichten  Bestätigungsschreiben  kein  Beweiswert  zukommt.  Bezüglich  des  im  Original  ins  Recht  gelegten  Entlassungsscheins  aus  dem  Spital  F._______  ist  ebenso  auf  die  Erwägungen der Vorinstanz  in der Vernehmlassung zu verweisen wie  in  Bezug  auf  den  Waffenschein  (s.  E.3.3.).  Die  Ansicht  des  Beschwerdeführers,  dass  blosse  Kopien  von  Urkunden  gemäss  dem  reduzierten  Beweiserfordernis  der  Glaubhaftmachung  durchaus  genügten,  vermag  nicht  zu  überzeugen.  Auch  der  Einwand,  dass  das  BFM  zumindest  eine  qualifizierte  Gutachterstelle  mit  einer  Echtheitsprüfung  hätte  beauftragen  sollen,  ist  aufgrund  des  Gesagten  haltlos.  Schliesslich  hat  der Beschwerdeführer  das  in  seiner Eingabe  in  Aussicht  gestellte  Arztzeugnis  des  Spitals  H._______  bis  dato  nicht  zu 

E­4748/2009 den  Akten  gereicht,  so  dass  nicht  erwiesen  ist,  ob  und  durch  welche  Umstände er seinen Arm und sein Bein gebrochen hat, was den Schluss  nahe legt, er habe während seines Militärdienstes keine dieser Nachteile  erlitten.  5.1.3.  Auch  der  Einwand  des  Beschwerdeführers,  das  BFM  dürfe  ihm  gestützt  auf  den  summarischen  Charakter  der  Erstanhörung  nicht  vorwerfen,  er  habe wesentliche  Vorbringen  grundlos  erst  anlässlich  der  zweiten  Anhörung  geltend  gemacht,  weswegen  deren  Wahrheitsgehalt  zweifelhaft  erscheine,  ist  haltlos.  Wie  vom  Beschwerdeführer  zu  Recht  erwähnt,  kommt  der  ersten  Befragung  im  EVZ  zwar  nur  summarischer  Charakter  zu, weshalb  in  den  nachfolgenden Anhörungen  grundsätzlich  Raum  und  Zeit  für  Ergänzungen  zur  Verfügung  steht  und  bei  der  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  den  Aussagen  im  Erstprotokoll  nur  ein  beschränkter Beweiswert beizumessen ist. Dies bedeutet indessen nicht,  dass  die  Aussagen  der  Erstbefragung  für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit keine Rolle spielten. Sofern die Aussagen im Erstprotokoll  klar  ausgefallen  sind  und  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  später  im Rahmen der  kantonalen,  direkten  oder  ergänzenden  Anhörung  zu  Protokoll  gegebenen  Angaben  diametral  abweichen  oder  nicht  einmal  ansatzweise  erwähnt  worden  sind,  können  sie  für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  massgeblich  sein.  Bloss  geringfügige  Ungereimtheiten  zwischen den Aussagen  in  der Erstbefragung und den  später  folgenden  Anhörungen  genügen  jedoch  für  die  Begründung  der  Unglaubhaftigkeit  nicht  und  verspätete  respektive  nachgeschobene  Vorbringen  beeinträchtigen  die  Glaubhaftigkeit  nicht,  wenn  plausible  Erklärungen  für  das  Nachschieben  vorgebracht  werden  können  (vgl.  EMARK 1998 Nr. 4 und EMARK 1993 Nr. 12). Vorliegend  vermag  der  summarische  Charakter  des  Protokolls  der  Erstbefragung  im  EVZ  nichts  daran  zu  ändern,  dass  der  Beschwerdeführer erst anlässlich der direkten Anhörung vorbrachte, dass  er  sich  bereits  während  seines  Spitalaufenthalts  zur  Flucht  aus  seinem  Heimatland entschlossen habe, nachdem ihm klar geworden sei, dass er  nach  seiner Desertion  vom Militär  gesucht würde. Diesbezüglich gab er  anlässlich  der  Anhörung  klare  Aussagen  zu  Protokoll.  So  auch  seine  Aussage,  dass  er  von  seinem Vorgesetzten  aufgrund  seiner  Ethnie mit  Kabeln geschlagen worden sei. Diese Vorbringen, die er erst anlässlich  der Anhörung zu Protokoll gab, sind für den Ausgang des Verfahrens als  wichtige Elemente aufzufassen. Unter diesen Umständen hätte er diesen  Sachverhalt  von  Anfang  an  –  respektive  bereits  anlässlich  der  http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/4%20S.12 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/4%20S.12 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/4%20S.12 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/4%20S.12 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/4%20S.12 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/4%20S.12 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/4%20S.12

E­4748/2009 Erstbefragung im Empfangszentrum – wenigstens ansatzweise erwähnen  müssen, damit er als glaubhaft gelten könnte. Eine plausible Erklärung für  die verspäteten Vorbringen brachte der Beschwerdeführer nicht vor, was  insgesamt grosse Zweifel an seinen Vorbringen entstehen lässt. 5.2.  Zusammenfassend  ist  mit  dem  BFM  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  glaubhaft  darzustellen  vermochte,  dass  er  sein  Heimatland infolge der von ihm vorgebrachten Nachteile verlassen habe.  Im  Übrigen  kann  vollumfänglich  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der  Vorinstanz in ihrer Verfügung und Vernehmlassung verwiesen werden. 6.  Nach dem Gesagten  hat  das BFM das Asylgesuch  zu Recht  abgelehnt  und  –  da  der  Beschwerdeführer  weder  über  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung  verfügt  noch einen Anspruch auf  eine  solche hat  (vgl. Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen [AsylV 1;  SR  142.311])  –  gemäss  Art.  44  Abs.  1  AsylG  auch  zu  Recht  die  Wegweisung angeordnet.  7.  Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in  Bezug auf die Frage der Anerkennung als Flüchtling aufgrund der geltend  gemachten  Vorfluchtgründe,  die  Frage  der  Asylgewährung  und  der  Wegweisung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  daher  –  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden – abzuweisen. 8.  8.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dem  Beschwerdeführer  praxisgemäss  um  zwei  Drittel  reduzierte  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von Fr.  200.­  aufzuerlegen  (Art. 63 Abs.  1 VwVG, Art.  16 Abs.  1 Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  2,  3  und  5  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21.  Februar  2008 [VGKE, SR 173.310.2]). Diese werden mit dem am 4. August 2009  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.­  verrechnet.  Dem  Beschwerdeführer  ist  somit  der  Restbetrag  in  der  Höhe  von  Fr.  400.­  zurückzuerstatten. 8.2.  Dem  Beschwerdeführer  ist  infolge  der  teilweisen  Gegenstandslosigkeit  zu  Lasten  des  BFM  eine  Parteientschädgung  für 

E­4748/2009 die ihm erwachsenen notwendigen Vertretungskosten zuzusprechen (Art.  64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 sowie Art. 15 VGKE), welche  entsprechend dem Grad des Durchdringens  (zu zwei Dritteln) um einen  Drittel zu reduzieren ist. Mit Eingabe vom 7. September 2011 reichte der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  eine  Kostennote  zu  den  Akten,  die einen Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 2'519.45 (inkl. Auslagen  und MWSt) aufweist. Diese wird als angemessen erachtet. In Anwendung  von  Art.  10  VGKE  und  unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Berechnungsfaktoren (vgl. Art. 8 f. VGKE) ist das BFM anzuweisen, dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  1'680.­  (inkl.  Auslagen  und  MWSt)  zuzusprechen  (vgl.  Art.  7  Abs.  2  und  Art.  15  VGKE).  (Dispositiv nächste Seite)

E­4748/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  –  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden –  abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 200.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und mit  dem am 4.  August  2009  geleisteten Kostenvorschuss  verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 400.­ werden dem Beschwerdeführer  zurückerstattet. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung von 1'680.­ auszurichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand:

E-4748/2009 — Bundesverwaltungsgericht 05.10.2011 E-4748/2009 — Swissrulings