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Bundesverwaltungsgericht 08.08.2011 D-969/2011

August 8, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,576 words·~8 min·4

Summary

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 14. Dezember 2010

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­969/2011 Urteil   v om   8 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber; Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 14. Dezember 2010 / N _______.

D­969/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  singhalesischer  Ethnie  aus B._______  –  ersuchte mit  Eingabe  vom 11.  November  2008  (Eingang  bei  der  Schweizerischen  Botschaft  in  […]  [nachstehend kurz: die Botschaft] am 19. November 2008) um Asyl in der  Schweiz. Mit  Schreiben  vom 24. November  2008  forderte  die Botschaft  den Beschwerdeführer auf, sein Gesuch mit detaillierten Angaben zu den  geltend  gemachten  Asylgründen  zu  ergänzen  sowie  Beweismittel  und  Identitätspapiere einzureichen. Dieser Aufforderung kam er mit Schreiben  vom 5. Dezember 2008 nach. Mit Schreiben vom 7. September 2010 gab  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit,  seine  aktuelle  persönliche  Situation  darzulegen  und  allfällige  neue  Gesuchsgründe  vorzubringen. Gleichzeitig wurde ihm durch das BFM eröffnet, dass es im  vorliegenden  Fall  die  Aktenlage  erlaube,  ohne  Durchführung  einer  Befragung  über  sein  Gesuch  zu  entscheiden.  Der  Beschwerdeführer  reichte der Botschaft am 4. Oktober 2010 (Eingang am 6. Oktober 2010)  eine diesbezügliche Stellungnahme ein. Für die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel wird auf  die Akten verwiesen. B.  Mit  den  oben  erwähnten  Eingaben  machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Gesuches  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  in  B._______ als Geschäftsmann tätig gewesen und habe gute Kontakte mit  Tamilen  gehabt.  Darüber  hinaus  habe  er  sich  für  politische  Fragen  interessiert  und  an  den  landesweiten  Wahlen  2004  als  unabhängiger  Kandidat  teilgenommen. Während des Wahlkampfs sei er mehrmals mit  dem  Tod  bedroht  worden.  Danach  habe  er  begonnen,  für  die  United  National  Party  (UNP)  zu  arbeiten.  Er  habe  dabei  eng  mit  dem  (…)  X._______  zusammengearbeitet  und  auch  mit  dem  (…)  Y._______  zu  tun  gehabt.  Die  beiden  hätten  an  den Wahlen  2004  ebenfalls  erfolglos  kandidiert.  Mit  ihrer  Arbeit  hätten  sie  vor  allem  intern  vertriebenen  Tamilen geholfen. Y._______ habe Todesdrohungen erhalten und sei bei  einer  Bombenexplosion  in  C._______  umgekommen.  Nach  dessen  Beerdigung,  welche  der  Beschwerdeführer  mitorganisiert  habe,  sei  X._______  am  11. Oktober  2008  erschossen  worden.  Während  der  Abwesenheit des Beschwerdeführers hätten sich mehrmals unbekannte,  bewaffnete  Personen  bei  ihm  zu  Hause  gemeldet,  sich  nach  ihm 

D­969/2011 erkundigt  und  verlangt,  dass  er  seine  politische Arbeit  aufgebe.  Seither  lebe  er  versteckt.  Immer  wieder  würden  unbekannte  Leute  bei  seiner  Frau nach  ihm  fragen, weshalb er sich Sorgen um die Sicherheit seiner  Gattin und der Kinder mache. Er habe bei den Sicherheitskräften und der  Polizei  Anzeige  erstattet,  doch  sei  nichts  unternommen  worden.  Stattdessen sei er wegen seiner Kontakte zu Tamilen für die staatlichen  Behörden  verdächtig,  und  so  habe  man  ihn  bei  einem  Aufenthalt  in  D._______  bei  einer  Sicherheitskontrolle  einmal  über  eine  Stunde  lang  festgehalten.  Man  habe  gemutmasst,  er  sei  ein  Tamile  mit  einer  Identitätskarte  lautend  auf  einen  singhalesischen  Namen.  Aus  diesen  Gründen ersuche er die Schweiz um Schutz. C.  Mit  Verfügung  vom  14.  Dezember  2010  –  in  (…)  an  den  Beschwerdeführer  versandt  am  29. Dezember  2010  –  verweigerte  das  BFM  die  Bewilligung  zur  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  das  Asylgesuch ab. Zur Begründung  ihres Entscheides  führte die Vorinstanz  aus, bezüglich des Verfahrens bei Asylgesuchen aus dem Ausland sehe  die  Praxis  vor,  dass  Beschwerdeführende  von  der  jeweiligen  schweizerischen Vertretung  in der Regel zu  ihren Asylgründen angehört  würden. Von dieser allgemeinen Regel könne abgewichen werden, wenn  dies  aus  organisatorischen  und  kapazitätsmässigen  Gründen  faktisch  nicht möglich  sei.  Eine Anhörung  könne  sich  ebenfalls  erübrigen, wenn  der Sachverhalt bereits aufgrund der schriftlichen Eingaben entscheidreif  erstellt sei. Bei einem Anhörungsverzicht sei jedoch das rechtliche Gehör  zu  gewähren  (vgl.  BVGE  2007/30),  was  vorliegend  erfolgt  sei.  Unter  Einbezug des Antwortschreibens des Beschwerdeführers vom 4. Oktober  2010 erachte das Bundesamt die Aktenlage als rechtsgenüglich erstellt. Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu  sein,  seien  nur  dann  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  relevant,  wenn  der Staat  seiner Schutzpflicht  nicht  nachkomme oder  nicht  in  der  Lage  sei,  Schutz  zu  gewähren.  Generell  sei  der  Schutz  gewährleistet,  wenn  der  Staat  geeignete  Massnahmen  treffe,  um  die  Verfolgung  zu  verhindern, beispielsweise durch wirksame Polizei­ und Justizorgane zur  Ermittlung,  Strafverfolgung  und  Ahndung  von  Verfolgungshandlungen,  und  wenn  Antragssteller  Zugang  zu  diesem  Schutz  hätten.  Der  Beschwerdeführer  mache  diesbezüglich  eine  Verfolgung  durch  unbekannte,  bewaffnete  Personen  geltend.  Grundsätzlich  sei  zu  vermerken, dass seit  dem Ende der Kriegshandlungen  im Mai 2009 die  srilankische  Armee  und  der  Staat  bewaffnete  Gruppierungen  oder 

D­969/2011 Organisationen  nicht mehr  unterstützen würden.  Es  komme  jedoch  vor,  dass  sich  frühere Angehörige  solcher Gruppierungen weiterhin  kriminell  betätigten  und  die  lokale  Bevölkerung  mit  Drohungen  und  Erpressungsversuchen  unter  Druck  setzten.  Bei  den  vom  Beschwerdeführer  geschilderten  Übergriffen  handle  es  sich  um  eine  Verfolgung  durch  Dritte,  die  von  den  srilankischen  Behörden  geahndet  werde. Hierzu sei  festzuhalten, dass der Staat Sri Lanka als schutzfähig  gelte und für den Beschwerdeführer folglich die Möglichkeit bestehe, sich  an die Behörden zu wenden, um Schutz vor Verfolgungen seitens Dritter  zu  ersuchen.  Gemäss  seinen  Schilderungen  habe  er  bei  den  Sicherheitskräften und der Polizei Anzeige erstattet. Er sorge sich jedoch  weiterhin  um  seine  Sicherheit,  da  er  wegen  Kontakten  zu  Tamilen  und  seiner  Arbeit  bei  der  UNP  ohnehin  unter  (Terror­)Verdacht  stehe.  Dies  habe sich konkret anlässlich einer Kontrolle in D._______ gezeigt, bei der  man  ihn  über  eine  Stunde  lang  festgehalten  und  seine  Identität  genau  überprüft  habe.  Derartigen  behördlichen  Massnahmen,  die  im  Zusammenhang  mit  der  allgemeinen  Bekämpfung  des  Terrorismus  der  Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu sehen seien, komme bereits  aufgrund  der  fehlenden  Intensität  kein  Verfolgungscharakter  zu.  Somit  könnten  aus  der  vorliegenden  Aktenlage  keine  Hinweise  entnommen  werden,  welche  auf  eine  grundsätzliche  Schutzunwilligkeit  des  Staates  hindeuten  würden.  Eine  faktische  Garantie  der  Schutzgewährung  für  langfristigen,  individuellen  Schutz  einer  potenziell  bedrohten  Person  könne  nicht  verlangt  werden.  Keinem  Staat  gelinge  es,  die  absolute  Sicherheit  aller  Bürger  jederzeit  und  überall  zu  garantieren.  Im  Sinne  dieser  Erwägungen  komme  die  Vorinstanz  zum  Schluss,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  aus  objektiver  Sicht  keine  Einreisebewilligung begründen könnten. An  diesen  Erwägungen  vermöchten  auch  die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten Dokumente nichts zu ändern, würden diese doch  lediglich  seine Vorbringen stützen, deren Glaubhaftigkeit vorliegend nicht in Frage  gestellt  werde.  In  Anbetracht  dieser  Ausführungen  sowie  aufgrund  des  Umstandes,  dass  er  kein  Gefährdungsprofil  aufweise,  das  im  heutigen  Zeitpunkt mit erheblicher Wahrscheinlichkeit auf eine Verfolgung seitens  des srilankischen Staates schliessen lasse, seien die geltend gemachten  Vorbringen nicht einreiserelevant. Zusammenfassend  sei  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes (Art. 3 des Asylgesetzes vom 

D­969/2011 26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31])  sei.  Daher  sei  das  Asylgesuch  abzulehnen und die Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen. D.  Mit vom 20. Januar 2011 datierter, am 26. Januar 2011 bei der Botschaft  beziehungsweise  am  10.  Februar  2011  beim Bundesverwaltungsgericht  eingegangener  Eingabe  focht  der  Beschwerdeführer  die  Verfügung  des  BFM  an.  In  seiner  Beschwerde  wiederholte  er  im  Wesentlichen  seine  bereits bei der Vorinstanz gemachten Vorbringen. Er  lebe  in B._______  und habe verschiedene Probleme. Obwohl gesagt werde, die LTTE seien  mittlerweile  komplett  zerstört,  erleide  er  nach wie  vor Bedrohungen  von  anderer  Seite.  Nun  wisse  er  auch,  dass  es  nicht  die  LTTE  gewesen  seien, welche ihn in der Vergangenheit bedroht hätten, sondern es müsse  sich um eine andere Organisation gehandelt haben, die sein politisches  Engagement  zu  verhindern  versucht  habe.  Der  ehemalige  UNP­(…)  Y._______  und  sein  Freund  X._______  seien  von  unbekannten,  bewaffneten  Personen  getötet  worden.  Vor  ihrem  Tod  habe  man  die  beiden gewarnt. Y._______ sei durch eine explodierende Bombe getötet,  X._______  auf  einer  Autostrasse  während  des  Tages  erschossen  worden.  Gegenwärtig  werde  er  von  denselben  unbekannten  Leuten  bedroht, die seine politischen Aktivitäten zu unterbinden versucht hätten.  Kürzlich  seien  zwei  seiner  Freunde,  welche  ihn  während  seiner  Wahlkampagne  begleitet  hätten,  nach  einem  Treffen  mit  ihm  auf  dem  Weg  nach  Hause  entführt  worden.  Die  Entführer  hätten  versucht  herauszufinden, wo er sich aufhalte, und weitere Details zu seiner Person  gesammelt. Bewaffnete Leute würden  immer wieder  seine Freunde und  Verwandten  über  ihn  ausfragen.  Überdies  sei  er  nicht  in  der  Lage,  ein  Einkommen zu erzielen. Aus all diesen Gründe führe er Beschwerde und  hoffe, dass ihm – mithin unter Berücksichtigung humanitärer Gründe und  um sein Leben zu schützen – der Asylstatus erteilt werde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 

D­969/2011 Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die  Frage  des  Auslieferungsersuchens  stellt  sich  vorliegend  nicht,  weil  sich  der  Beschwerdeführer  in  Sri  Lanka  aufhält,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 

D­969/2011 Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 4.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft  machen können oder  ihnen die Aufnahme  in einem Drittstaat zugemutet  werden  kann. Glaubhaft  gemacht  ist  die  Verfolgung, wenn  die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte Beweismittel abgestützt werden (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52  Abs. 2 AsylG). 4.3. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die asylsuchende  Person  im Auslandverfahren  in der Regel  zu befragen. Davon kann nur  abgewichen  werden,  wenn  eine  Befragung  faktisch  oder  aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen  Gründen  nicht  möglich  ist.  Falls  die  Befragung  nicht  durchgeführt  werden  kann,  muss  die  ein  Gesuch stellende Person – soweit möglich und notwendig – mittels eines  individualisierten  und  konkretisierten  Schreibens  aufgefordert  werden,  ihre Gründe für das Asylgesuch schriftlich einzureichen. Dabei ist sie auf  die allfällige Konsequenz eines negativen Entscheids  infolge Verletzung  der Mitwirkungspflicht aufmerksam zu machen. Ist der Sachverhalt schon  aufgrund des eingereichten Asylgesuchs entscheidreif erstellt, kann sich  eine  persönliche  Befragung  ebenfalls  erübrigen;  zeichnet  sich  ein  negativer Entscheid ab, ist der asylsuchenden Person diesbezüglich das  rechtliche Gehör zu gewähren. Das Bundesamt ist gehalten, den Verzicht  auf  eine  Befragung  im  Ausland  in  der  Verfügung  zu  begründen  (vgl.  BVGE 2007/30 E. 5 S. 362). Vorliegend  ging  das BFM  davon  aus,  der  Sachverhalt  sei  aufgrund  der  schriftlichen  Eingaben  entscheidreif  erstellt.  Diese  Sichtweise  ist  vertretbar, sind doch die Eingaben vom 11. November 2008 (schriftliches  Asylgesuch),  vom  5.  Dezember  2008  (Ergänzung  zum  schriftlichen  Asylgesuch)  und  vom  4.  Oktober  2010  (Stellungnahme  anlässlich  der 

D­969/2011 Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs)  insgesamt  detailliert  und  klar  formuliert. Unter diesen Umständen erübrigte sich  für die Vorinstanz die  Aufbietung  des  Beschwerdeführers  zu  einer  Befragung.  Da  den  vom  Bundesverwaltungsgericht  ferner  aufgeführten  Erfordernissen  (Gewährung des  rechtlichen Gehörs, Begründung des Verzichts  auf  die  Befragung) ebenfalls Rechnung getragen wurde,  ist die Vorgehensweise  des BFM nicht zu beanstanden. 5.  5.1. Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhalts,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art.  20 Abs. 3 AsylG kann das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 5.2.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  21  E.  2b,  EMARK  1997  Nr.  15  E.  2.e­g).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Person  (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c), mithin die Frage, ob eine Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden kann. 6.  6.1. Einleitend ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer in seiner  Beschwerde  nicht  explizit  mit  den  substanziierten  und  überzeugenden  Erwägungen der Vorinstanz auseinandersetzt. Vielmehr wiederholt  er  in  verkürzter  Version  seine  bereits  im  Verfahren  vor  dem  Bundesamt  gemachten  Sachverhaltsvorbringen  und  verweist  pauschal  auf  seine 

D­969/2011 schwierigen Lebensbedingungen in Sri Lanka. Er werde von unbekannten  Dritten  verfolgt  und  fürchte  um  sein  Leben.  Überdies  habe  er  kein  genügendes Auskommen. 6.2. Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum  Schluss, dass das BFM, wie schon in der Erwägung 4.3. ausgeführt, den  rechtserheblichen Sachverhalt  in ausreichender Weise abgeklärt hat, um  einen  Entscheid  über  die  Frage  einer  Gefährdung  des  Beschwerdeführers fällen zu können.  Einmal  sind  die  vorgebrachten Probleme mit  unbekannten,  bewaffneten  Leuten  in  ihrer  Intensität und Ausprägung nicht asylrelevant. Sodann  ist  festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich der  Verfolgung  durch  Unbekannte  sehr  vage  ausgefallen  sind  und  Realkennzeichen vermissen lassen. Die heutige politische Situation in Sri  Lanka  schliesslich  lässt  es  grundsätzlich  zu,  dass  allfällige  Übergriffe  seitens Dritter bei der Polizei gemeldet werden können. Der vorliegenden  Aktenlage sind zudem keine Hinweise zu entnehmen, welche generell auf  die  Schutzunwilligkeit  des  srilankischen  Staates  hindeuten  würden.  Insgesamt  vermitteln  die  geltend  gemachten  Vorbringen  nicht  den  Eindruck  zielgerichtet  und  asylrelevant  verfolgter  Personen  vor  Ort.  An  dieser  Einschätzung  vermag  auch  die  kurze  Festhaltung  des  Beschwerdeführers  durch  die  srilankischen  Behörden  in  D._______ –  wohl  zwecks  einer  Routinekontrolle  –  nichts  zu  ändern.  Bei  einem  ernsthaften  Verdacht  der  staatlichen  Behörden,  dass  sich  der  Beschwerdeführer an terroristischen Aktivitäten beteiligt hätte oder sonst  eine Gefahr für die Sicherheit des srilankischen Staates darstellen würde,  wäre  er  nicht  bereits  nach  einer  Stunde  von  der  Polizei  wieder  gehen  gelassen  worden.  Gemäss  Erkenntnissen  der  schweizerischen  Asylbehörden  geht  der  srilankische  Staat  nämlich  rigoros  gegen  Terrorverdächtige  vor.  Die  Furcht  des  Beschwerdeführers  vor  einer  Verfolgung  im  Heimatland  ist  daher  –  in  Übereinstimmung  mit  den  Ausführungen  des  BFM  –  als  objektiv  nicht  begründet  im  Sinne  des  Asylgesetzes einzustufen. 6.3. Das Bundesverwaltungsgericht hat sodann im Grundsatzurteil BVGE  2008/2  eine  Lageanalyse  betreffend  Sri  Lanka  vorgenommen  und  gelangte  dabei  zum  Schluss,  dass  sich  die  allgemeine  Sicherheitslage  seit  Januar  2006  insgesamt,  insbesondere  aber  in  Colombo,  kontinuierlich  verschlechtert  habe.  Seit  Ergehen  dieses  Urteils  am  14. Februar  2008  hatte  sich  der  bewaffnete  Konflikt  zwischen  der 

D­969/2011 Regierung  und  den  LTTE  zunächst  weiter  zugespitzt.  Nach  der  Rückeroberung  des  letzten  von  den  LTTE  kontrollierten  Gebietes  im  Raum Mullaitivu indessen wurde am 18. Mai 2009 seitens der Regierung  der endgültige Sieg über die LTTE verkündet und der Bürgerkrieg offiziell  für  beendet  erklärt.  Nach  dieser  Niederlage  der  LTTE  haben  die  srilankischen  Behörden  –  namentlich  im  Grossraum  Colombo  –  die  Sicherheitsmassnahmen  zwar  nur  schrittweise  gelockert,  und  die  verschiedenen  Kontrollmassnahmen  richten  sich  vor  allem  gegen  die  tamilische  Bevölkerung.  Es  kommt  ihnen  indes  aufgrund  mangelnder  Intensität  in  der  Regel  kein  Verfolgungscharakter  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG zu. Der aktuelle Wohnsitz des Beschwerdeführers ist im nördlichen  Teil  von  Sri  Lanka  in  B._______,  wo  er  –  gemäss  den  Akten  war  er  ohnehin  nie  Mitglied  der  LTTE  und  ist  zudem  singhalesischer  Ethnie –  nach  jüngsten  Erkenntnissen  des  Gerichts  nicht  mit  gezielten  Repressionen  zu  rechnen  hat.  Er  vermag  mithin  nicht  substanziiert  darzutun,  inwiefern das BFM zu Unrecht geschlossen habe, er sei nicht  schutzbedürftig im Sinne des AsylG. 7.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 AsylG ist. Aufgrund der vorstehenden  Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen und die  im  vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel einzugehen, da sie  am  festgestellten  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen.  Das  BFM  hat  demnach  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  bewilligt  und  das  Asylgesuch abgelehnt. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.­ an  sich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG);  aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf das Erheben von Verfahrenskosten zu verzichten.

D­969/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­969/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige Schweizer Vertretung. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Daniel Stadelmann Versand:

D-969/2011 — Bundesverwaltungsgericht 08.08.2011 D-969/2011 — Swissrulings