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Bundesverwaltungsgericht 15.02.2012 D-745/2012

February 15, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,338 words·~7 min·5

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Februar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­745/2012/sed Urteil   v om   1 5 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;   Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 1. Februar 2012 / N (…).

D­745/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,  dass  der  Beschwerdeführer  am  2.  Oktober  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) B._______, ohne Ausweispapiere  vorzulegen,  um Asyl nachsuchte, dass er gleichentags mit  einem  Informationsblatt  zur Abgabe sämtlicher  verfügbarer  Identitätsdokumente  innerhalb  von  48 Stunden  aufgefordert  wurde (vgl. Akten BFM A 2 S.1), dass  der  Beschwerdeführer  am  11.  Oktober  2011  im  EVZ  B._______  summarisch  zur  Person,  zum  Reiseweg  und  zu  den  Gründen  für  das  Verlassen des Heimatlandes befragt wurde, dass er am 12. Oktober 2011 für die Dauer des Verfahrens dem Kanton  C._______ zugewiesen wurde, dass  das  BFM  den  Beschwerdeführer  am  30.  Januar  2012  gemäss  Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  zu den Asylgründen anhörte, dass  er  zur  Begründung  im  Wesentlichen  geltend  machte,  Angehörige  der  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  hätten  im  Juni  2005  wiederholt seinen Beitritt zur Organisation verlangt, dass  er  diesem  Ansinnen  schliesslich  entsprochen  und  den  LTTE  während drei Monaten Hilfe geleistet habe, dass er nach der Beendigung seiner Hilfeleistungen zugunsten der LTTE  denunziert worden sei, dass  er  in  der  Folge  von  der  sri­lankischen  Armee  und  Leuten  der  EelamPeople's Democratic Party (EPDP) zu Hause gesucht worden sei,  dass er deshalb zunächst zu seiner älteren Schwester und  im Juli 2007  zu seiner Tante nach M. gezogen sei, wo er sich versteckt gehalten habe, dass er im August 2011 nach Hause zurückgekehrt sei, nachdem ihm die  Mutter gesagt habe, er werde nicht mehr gesucht, dass er am 22. August 2011 einen Freund in N. besucht habe,

D­745/2012 dass  in  der  Nacht  ein  "Grease  man"  ins  Haus  seines  Freundes  eingedrungen sei, dass  im Haus und  im Dorf viele Personen geschrien hätten, worauf sich  der "Grease man" in das nahe gelegene Armeecamp geflüchtet habe,  dass  in  der  Nacht  vom  22.  auf  den  23.  August  2011  Soldaten  und  Polizisten  nach  N.  gekommen  seien  und  begonnen  hätten,  die  Bevölkerung zu schlagen, welche sich in der Folge zur Wehr gesetzt und  zurückgeschlagen habe, dass  er  (der  Beschwerdeführer)  als  Zuschauer  von  Soldaten  umgestossen und in den Rücken getreten worden sei, dass er dabei verletzt worden sei und die Identitätskarte verloren habe, dass er sich zwei Tage im Spital von D._______ habe behandeln lassen, dass  er  nach  dem Auffinden  der  Identitätskarte  von  Armeeangehörigen  und Leuten der EPDP zu Hause erneut gesucht worden sei, dass er sich ab dem 30. August 2011 in einer Kirche in V. versteckt habe,  dass  er  sich  vor  diesem Hintergrund  am  16.  September  2011 mit  Hilfe  eines Pastors nach E._______ begeben und Sri Lanka zwei Tage später  mit  Hilfe  eines  von  seinem  Onkel  organisierten  Schleppers  auf  dem  Luftweg verlassen habe, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  1.  Februar  2012  –  eröffnet  am  2.  Februar 2012 –  in Anwendung von Art. 32 Abs.  2 Bst.  a AsylG auf das  Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den  Vollzug anordnete, dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  des  Nichteintretens  auf  das  Asylgesuch  zusammenfassend  festhielt,  der  Beschwerdeführer  habe  innert 48 Stunden nach Gesuchseinreichung ohne entschuldbare Gründe  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgegeben,  er  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht, und zudem seien  zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  in  seinem  Fall  aufgrund  der  Aktenlage nicht erforderlich,

D­745/2012 dass  es  sich  bei  der  ins  Recht  gelegten  Geburtsurkunde  nicht  um  ein  Reise­  oder  Identitätspapier  im  Sinne  von  Art.  1  Bst.  b  und  c  der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) handle, dass unter Angabe der  jeweiligen Fundstellen  in  den Protokollen weiter  ausgeführt wurde, die Angaben des Beschwerdeführers zum Verlust der  Identitätskarte  seien  widersprüchlich  ausgefallen  und  die  Ausführungen  zur Nichtabgabe des Ausweises,  insbesondere in Verbindung mit seinen  Asylvorbringen,  seien  als  nicht  nachvollziehbarer  Erklärungsversuch  zu  werten, dass  das  BFM  aufgrund  der  krass  unglaubhaft  geschilderten  Ausreiseumstände (Angaben zum Flugrouting oder zum Pass, mit dem er  ausgereist  sei)  davon ausgehe,  dass der Beschwerdeführer  nicht  illegal  aus  Sri  Lanka  ausgereist  sei,  sondern  mit  seinem  eigenen  Pass,  und  diesen dem BFM somit vorenthalte,  dass es – ebenfalls unter Angabe der jeweiligen Fundstellen im Protokoll  der  Bundesanhörung  –  im  Zusammenhang  mit  der  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  festhielt,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  diverse  Unglaubhaftigkeitselemente  enthalten  (nicht  nachvollziehbare  Angaben  zu  den  Umständen  rund  um  die  Hilfeleistungen zugunsten der LTTE im Jahre 2005; unsubstanziierte und  widersprüchliche Angaben zu den Umständen  rund um die Suche nach  ihm  zu  Hause  im  Jahr  2005;  erfahrungswidrige  und  nicht  nachvollziehbare  Schilderungen  seines  Verhaltens  in  diesem  Zusammenhang;  Angaben  zum  angeblich  ohne  behördliche  Kontrollen  erfolgten Reiseweg vom Norden Sri Lankas nach E._______), dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  9.  Februar  2012  gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  die  Rückweisung  der  Sache  mit  der  verbindlichen  Anweisung  an  die  Vorinstanz,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten und eine neue Verfügung zu erlassen, beantragte,  dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 

D­745/2012 Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  10.  Februar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG). dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer 

D­745/2012 selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  indessen  im Falle  des Nichteintretens  auf  ein Asylgesuch gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  und  Abs.  3  AsylG  über  das  Nichtbestehen  der  Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit  dies  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE  2007/8, insbes. E. 5.6.5 S. 90 f.), dass  dementsprechend  in  einem  diesbezüglichen  Beschwerdeverfahren  ungeachtet  der  vorzunehmenden  Überprüfung  eines  formellen  Nichteintretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1. S. 73, dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass vorliegend die Nichtabgabe von Reise­ oder Identitätspapieren im  Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 Bst. a AsylG innerhalb von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Asylgesuches  sachverhaltsmässig  erstellt ist, dass der Beschwerdeführer es unterliess,  im Moment der Einreichung  seines  Asylgesuches  beziehungsweise  in  den  48  Stunden  nach  der  diesbezüglichen  Aufklärung  durch  Abgabe  eines  Informationsblattes  ein Dokument zu seiner zweifelsfreien  Identifizierung abzugeben  (vgl.  BVGE 2007/7 E. 5.1­5.2 S. 65 ff.) abzugeben,

D­745/2012 dass die in Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG statuierte Grundvoraussetzung  für ein Nichteintreten wegen fehlender Papiere somit vorlie­gend erfüllt  ist, dass  der  Beschwerdeführer  keine  entschuldbaren  Gründe  für  die  Nichtabgabe  eines  beweistauglichen  Identitätsdokuments  (Art. 32  Abs. 3 Bst. a AsylG; vgl. BVGE 2007/8 E. 3.2),  innerhalb der Frist von  48  Stunden  nach  Einreichen  des  Asylgesuchs  glaubhaft  zu  machen  vermag, dass  hierzu  weitgehend  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  ange­ fochtenen Verfügung (vgl. daselbst Ziff. I/1 S. 3) verwiesen werden kann, dass  sich  der  Einwand  im  Zusammenhang  mit  dem  Verlust  der  Identitätskarte  in der Rechtsmitteleingabe als unbehelflich erweist und in  den  Akten  keine  Stütze  findet,  geht  doch  aus  dem  Protokoll  der  Erstbefragung  klar  hervor,  dass  dem  Beschwerdeführer  die  Identitätskarte  aus  der  Brieftasche  gefallen  und  letztere  (Brieftasche)  nicht – wie anlässlich der Bundesanhörung ausgeführt – von der Armee  und den Leuten der EDPD behändigt worden ist,  dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  weitere  Ausführungen  zur  Entschuldbarkeit  der  Nichtabgabe  von  rechtsgenüglichen  Dokumenten  unterbleiben,  dass  ferner  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmitteleingabe  fehl  geht, wonach man  im Zusammenhang mit  der  Dauer  der Bundesanhörung  die Notwendigkeit  für  vertiefte Abklärungen  gesehen  und  gleich  vorgenommen  habe,  weshalb  sein  Gesuch  doch  (materiell) behandelt worden sei,  dass das BFM mit dieser Vorgehensweise letztlich bloss der vom Gesetz  geforderten vollständigen und richtigen Sachverhaltsfeststellung nachge­  kommen ist (vgl. auch BVGE 2007/8 E. 2.1), dass ferner die Zeitspanne von zwei Tagen zwischen der Bundeanhörung  und  dem  Erlass  des  Entscheids  des  BFM  gegen  die  vom  Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe vertretene Ansicht spricht, dass nach dem Gesagten der Antrag um Rückweisung der Sache mit der  verbindlichen  Anweisung  an  die  Vorinstanz,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten und eine neue Verfügung zu erlassen, abzuweisen ist,

D­745/2012 dass in der Rechtsmitteleingabe Ausführungen zur Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG gänzlich unterbleiben, weshalb  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  des  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung verwiesen werden kann, dass sich angesichts dieser Sachlage weitere Erörterungen erübrigen, dass  das  BFM  demnach  zu  Recht  in  Anwendung  dieser  gesetzlichen  Bestimmung  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733),  weshalb  die  verfügte Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 

D­745/2012 Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer im Heimat­ oder Herkunftsland droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass das Bundesverwaltungsgericht im Urteil BVGE 2008/2 zur Frage der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Sri  Lanka  eine  Lageanalyse vornahm, dass  gemäss  der  damals  festgelegten  Praxis  bei  abgewiesenen  Asylsuchenden  tamilischer  Ethnie,  die  aus  dem  Grossraum  Colombo  oder  dessen  Umgebung  stammen,  grundsätzlich  von  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  in diese Gebiete auszugehen war (vgl. a.a.O.  E. 7.6.1 S. 20), dass  der Wegweisungsvollzug  in  die  Nord­  und Ostprovinzen  hingegen  als unzumutbar erachtet wurde (vgl. a.a.O. E. 7.6.2 S. 21), dass im zur Publikation bestimmten Urteil E­6220/2006 vom 27. Oktober  2011  das  Bundesverwaltungsgericht  angesichts  der  veränderten  Lage  nach  dem  Ende  des  sri­lankischen  Bürgerkriegs  im  Mai  2009  eine  erneute Beurteilung vorgenommen hat,

D­745/2012 dass  es  in  Bezug  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  dabei  zur  Einschätzung  gelangt  ist,  der  Wegweisungsvollzug  in  das  sogenannte  "Vanni­Gebiet"  sei  weiterhin  unzumutbar,  dass  hingegen  der  Wegweisungsvollzug  für  Personen,  die  aus  dem  übrigen  Staatsgebiet  stammen  und  dorthin  zurückkehren,  grundsätzlich  zumutbar ist (vgl. a.a.O. E 13.2.2.3. und 13.3.), dass  der  Beschwerdeführer  aus  dem  Distrikt  D._______    in  der  Nordprovinz  stammt,  wohin  der  Wegweisungsvollzug  gemäss  den  soeben gemachten Ausführungen grundsätzlich zumutbar ist, dass  sich  aus  den  Akten  keine  konkreten  Anhaltspunkte  ergeben,  aufgrund derer allenfalls geschlossen werden könnte, der  ledige,  soweit  aktenkundig  gesunde  und  über  eine  elfjährige  Schulbildung  verfügende  Beschwerdeführer,  welcher  vor  der  Ausreise  während  Jahren  einer  Erwerbstätigkeit nachging, gerate  im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka  aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher  Natur in eine existenzbedrohende Situation, dass  ihm  in Anbetracht  des dort  bestehenden umfangreichen  familiären  Beziehungsnetzes  die  Reintegration  bei  einer  Rückkehr  ins  Heimatland  zudem nicht schwer fallen dürfte, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Berücksichtigung  dieser  Aspekte  somit als zumutbar zu erachten ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dem  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist,

D­745/2012 dass  aus  den  soeben  dargelegten  Gründen  den  Beschwerdebegehren  keine  ernsthaften  Erfolgsaussichten  beschieden  waren,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  unabhängig  von  der  Frage  der  prozessualen  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  abzuweisen ist, dass mit dem Entscheid in der Sache selbst das Gesuch um Verzicht auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden ist, dass die Kosten des Verfahrens von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­745/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Alfred Weber Versand:

D-745/2012 — Bundesverwaltungsgericht 15.02.2012 D-745/2012 — Swissrulings