Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 08.09.2011 D-710/2008

September 8, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,732 words·~14 min·2

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Januar 2008

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­710/2008/sed Urteil   v om     8 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Bettina Schwarz. Parteien A._______, (…), Kongo (Kinshasa),   vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri, LL.M., (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 3. Januar 2008 / N (…).

D­710/2008 A. A.a  Der  Beschwerdeführer,  ein  B._______  aus  der  Demokratischen  Republik  Kongo  (DRK),  reichte  am  10.  Januar  2000  sein  erstes  Asylgesuch  ein,  auf  welches  das  BFM mit  Entscheid  vom  9.  Juli  2002  gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst.c  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,  SR  142.31)  nicht  eintrat  und  gleichzeitig  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  anordnete.  Dieser  Entscheid  erwuchs  mit  Nichteintretensentscheid  der  damaligen  Asylrekurskommission  (ARK)  vom  2.  September  2002  in  Rechtskraft.  Am  26.  April  2005  tauchte  der  Beschwerdeführer  unter.  Am  12.  November  2007  reichte  er  im  Empfangszentrum C._______  ein  zweites Asylgesuch  ein  und wurde  in  der  Folge  in  das  damalige  D._______  (neu  (…))  transferiert,  wo  die  Befragung zur Person und die Anhörung stattfanden.   Zur  Begründung  seines  zweiten  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe als Informant für die  Rebellen  fungiert  und  sei  deshalb  inhaftiert  und  gesucht  worden.  Von  seinem Vater, der  in der DRK E. gewesen sei, habe er gelernt, Wunden  zu  verbinden.  So  habe  er  sich  um  die Wunden  von  "Bemba's  Leuten"  gekümmert  und  zusätzlich  die  Rebellen  mit  Informationen  über  die  Aufstellungen des Militärs, welche er durch seinen Vater erfahren habe,  der die Soldaten betreut habe, versorgt. Daraufhin sei er  festgenommen  worden,  weil  man  ihn  verdächtigt  habe,  mit  den  Rebellen  zusammenzuarbeiten.  Kurze  Zeit  später  sei  er  aus  dem  Gefängnis  geflohen  und  habe  Ende  1999  seine  Heimat  verlassen.  Seit  seiner  Ausreise  habe  er  immer  noch  regen  Telefonkontakt  mit  seinem  Vater.  Nach  der  Abweisung  seines  ersten  Asylgesuches  habe  er  sich  bis  zur  Einreichung  des  zweiten  Asylgesuches  im  November  2007  an  verschiedenen  Orten  in  F._______  aufgehalten.  Während  dieser  Zeit  habe  er  von  einem Freund  erfahren,  dass  sein  Vater  im  Jahr  2006 mit  seinem  Fahrzeug  zwischen  zwei  Militärlastkraftwagen  eingeklemmt  worden  und  so  ums  Leben  gekommen  sei.  Zudem  habe  er  auch  vernommen,  dass  das  Militär  schon  früher  Druck  auf  seinen  Vater  ausgeübt  habe,  und  er  somit  annehme,  dass  sein  Vater  wegen  seiner  Spionagetätigkeit umgebracht worden sei. A.b  Mit  Verfügung  vom  3.  Januar  2008  ­  gleichentags  eröffnet  ­  stellte  das  BFM  in  Bezug  auf  den  Beschwerdeführer  das  Nichterfüllen  der  Flüchtlingseigenschaft  fest,  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre Verfügung  im Wesentlichen damit,  dass die Vorbringen 

D­710/2008 des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7 AsylG nicht standhalten würden und der Vollzug der Wegweisung  als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten sei.  B. Mit  Eingabe  vom  4.  Februar  2008  (Poststempel)  liess  der  Beschwerdeführer fristgerecht Beschwerde einreichen und beantragte, es  sei der negative Entscheid des BFM vom 3. Januar 2008 aufzuheben, es  sei  ihm politisches Asyl zu gewähren und es sei die Unzulässigkeit und  Unzumutbarkeit  des  Vollzuges  der  Wegweisung  festzustellen  und  als  Folge  davon  sei  er  vorläufig  aufzunehmen.  In  prozessualer Hinsicht  sei  ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sowie Akteneinsicht  in  das  erste  Asylgesuch  vom  10.  Januar  2000  zu  ermöglichen.  Des  Weiteren  behielt  er  sich  vor,  gegen  den materiellen  Teil  der  Verfügung  vom  3.  Januar  2008  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  eine  Beschwerdeergänzung abzugeben. C. Mit Zwischenverfügung des damals zuständigen Instruktionsrichters vom  12.  Februar  2008 wurde  dem Beschwerdeführer mitgeteilt,  dass  er  den  Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne und er bis zum  27.  Februar  2008  Gelegenheit  erhalte,  eine  Beschwerdeergänzung  einzureichen.  Was  die  beantragte  Akteneinsicht  betreffe,  sei  diese  inzwischen  gegenstandslos  geworden,  da  diese  zwischenzeitlich  mit  Zustellung der gewünschten Akten durch das BFM am 1. Februar 2008  gewährt  worden  sei.  Des Weiteren  werde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  abgewiesen  und  der  Beschwerdeführer  habe  einen  Kostenvorschuss  einzubezahlen.  D. Am 25. Februar 2008 wurde der Kostenvorschuss fristgerecht durch den  Beschwerdeführer geleistet.

D­710/2008 E. Mit  Eingabe  vom  27.  Februar  2008  (Poststempel)  reichte  die  Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine Beschwerdeergänzung zu  den Akten. Des Weiteren wurde gestützt auf Art. 20 der Verordnung vom  10. September  1969  über  Kosten  und  Entschädigungen  im  Verwaltungsverfahren (SR   172.041.0) die Rückerstattung der vom BFM  eingezogenen Gebühren für die erstellen Kopien der eingesehenen Akten  beantragt. F. Mit  Schreiben  vom  1.  Dezember  2009  (Poststempel)  teilte  die  Rechtsvertreterin den aktuellen Stand betreffend Kindsanerkennung und  Eheschliessung  des  Beschwerdeführers  sowie  den  Aufenthaltsstatus  seiner Ehefrau mit.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR  173.32)  beurteilt  das BundesverwaltungsgerichtBeschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110) 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­710/2008 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  48 Abs. 1 VwVG, Art.  50 Abs. 1 und Art.  52  VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt, wenn  sie  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land, wo  sie  zuletzt  wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend  substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt,  aber  auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch  darstellt,  im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder  unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder  die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im  Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob  im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen oder  nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen ( Art. 7 Abs. 

D­710/2008 2  und  3  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 3.  3.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheides  im Wesentlichen  fest, dass einerseits die Angaben des  Beschwerdeführers  widersprüchlich  seien,  da  er  im  Verlaufe  des  Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht  habe. Andererseits seien diese auch als zweifelhaft zu bezeichnen, da sie  ohne zwingenden Grund erst im späteren Verlauf des Verfahrens geltend  gemacht  worden  seien  und  nicht  lediglich  eine  Konkretisierung  bereits  dargelegter Ereignisse darstellten. So habe der Beschwerdeführer bei der  Erstbefragung  im  ersten  Asylverfahren  zu  Protokoll  gegeben,  er  habe  zwei  Zwillingsschwestern,  welche  am  12.  Dezember  1985  geboren  worden seien, anlässlich der damaligen Bundesanhörung hingegen habe  er behauptet, er habe zwar zwei Schwestern, jedoch seien diese im Jahre  1980 beziehungsweise 1982 zur Welt gekommen. Weiter habe er bei der  gleichen Anhörung vorgebracht, dass seine beiden jüngeren Schwestern  vergewaltigt  worden  seien,  wohingegen  er  in  der  Bundesanhörung  im  Zweitasylverfahren angegeben habe, seine  jüngeren Geschwister hätten  nur  dahingehend  Probleme  gehabt,  indem  man  sie  wegen  ihrer  Abstammung ausgegrenzt  habe. Der Beschwerdeführer  habe  sich  auch  widersprüchlich  über  seine  Mutter  geäussert.  So  habe  er  einerseits  geltend  gemacht,  dass  seine  Mutter  nach  G._____  zurückgekehrt  sei,  woher sie ursprünglich stamme, andererseits habe er aber erklärt, seine  Mutter  habe  zwar  in  G._______  Verwandte,  sei  aber  in  der  Region  H._______  (DRK) geboren und aufgewachsen, wo sie auch  jetzt wieder  lebe.  Die  Vorinstanz  bemerkte  zudem,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich des ersten Asylgesuches geltend gemacht  habe,  dass  seiner  Mutter die Stelle beim I._______ gekündigt worden sei, weil sie (…) sei.  Hingegen  habe  der  Beschwerdeführer  beim  zweiten  Asylgesuch  behauptet,  seine Mutter  sei  zum Zeitpunkt  seiner  Ausreise  immer  noch  als  J._______  tätig  gewesen.  Über  die  angeblichen  Festnahmen  habe  sich  der  Beschwerdeführer  ebenfalls  widersprüchlich  verlauten  lassen.  Beim  ersten  Asylgesuch  habe  er  geltend  gemacht,  dass  sein  Vater  festgenommen  worden  sei,  weil  man  ihn  verdächtig  habe,  mit  den  Rebellen  in  Kontakt  zu  stehen.  Weiter  habe  der  Beschwerdeführer  ausgeführt,  dass  nach  seiner  Freilassung  der  Militärchef  der  Rebellen 

D­710/2008 wiederholt  zu  seinem  Vater  gekommen  sei  und  ihn  aufgefordert  habe,  sich  ihnen  anzuschliessen.  Ebenso  habe  der  Beschwerdeführer  anlässlich  seines  Erstgesuches  vorgebracht,  sein  Vater  sei  verhaftet  worden,  weil  er  versucht  habe,  Dollar  in  seine  Landeswährung  zu  wechseln.  Demgegenüber  habe  der  Beschwerdeführer  im  Verlaufe  des  Zweitgesuches  diese  Vorbringen  bezüglich  seines  Vaters  nicht  mehr  erwähnt  und  versichert,  dass  sein  Vater  nur  wegen  der  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  verfolgt  worden  sei,  er  selber  aber  nichts  gemacht  habe. Ebenso widersprüchlich  seien  seine Aussagen über  seine eigene  Festnahme. Während  er  beim  ersten  Asylgesuch  zu  Protokoll  gegeben  habe,  er  selbst  sei  nie  festgenommen  worden,  habe  er  beim  zweiten  Asylgesuch  behauptet,  er  sei  festgenommen  worden,  weil  man  ihn  verdächtigt habe, den Rebellen Informationen über das Militär geliefert zu  haben.  Aufgrund  der  namhaften  Widersprüche  seien  seine  Vorbringen  nicht  glaubhaft  dargetan. Des Weiteren  habe  der Beschwerdeführer  bei  seinem  ersten  Asylgesuch  nicht  einmal  ansatzweise  etwas  von  seiner  Inhaftierung  und  Tätigkeit  als  Informant  erwähnt.  Auf  Vorhalt  habe  er  erklärt,  dass  er  beim  ersten  Asylgesuch  vor  allem  Fragen  beantwortet  habe,  die  ihm  gestellt  worden  seien.  Zudem  sei  er  schwerpunktmässig  über seine Herkunft befragt worden. Diese Vorbringen würden somit den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten,  sodass  ihre Asylrelevanz nicht  geprüft werden müsse. Aus  den Akten seien keine Gründe ersichtlich, die gegen die Zumutbarkeit der  Rückkehr  in  die DRK sprächen,  da auch der Beschwerdeführer  gesund  sei  und  über  eine  fundierte  Ausbildung  verfüge,  welche  ihm  auch  nach  seiner  Rückkehr  in  die  DRK  erlauben  werde,  sich  gesellschaftlich  einzugliedern  und  seinen Lebensunterhalt  zu  bestreiten. Ausserdem sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar. 3.2.  3.2.1.  Demgegenüber  wendet  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  in  ihrer  ersten  Eingabe  ein,  dass  der  Beschwerdeführer  gezielt  von  den  staatlichen Organen  aufgrund  seiner  politischen  Weltanschauung  und  Zusammenarbeit  mit  den  Rebellen  verfolgt  und  inhaftiert  worden  sei.  Objektiv  betrachtet  bestehe  für  den  Beschwerdeführer  somit  eine  grosse  Wahrscheinlichkeit,  in  Zukunft  weiteren ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  zu werden, weil er aus dem  Militärcamp  geflüchtet  sei.  Die Menschenrechtssituation  in  der  DRK  sei  prekär  und  die  Übergangsregierung  könne  ihre  Autorität  nicht 

D­710/2008 durchsetzen.  Ebenfalls  sei  das  Land  weiterhin  von  Unsicherheit,  ethnischen  Spannungen  und  Verstössen  gegen  die  Menschenrechte  gekennzeichnet.  Des  Weiteren  sei  die  Wahrscheinlichkeit,  dass  der  Beschwerdeführer wegen seiner Kooperation mit den Rebellen  inhaftiert  und  bei  einem  unfairen  Prozess  unrechtmässig  und  unverhältnismässig  bestraft werde, sehr gross, zumal er unmittelbar ertappt worden sei und  er,  sowie  sein  Vater,  bei  den  Behörden  als  Oppositionelle  verdächtigt  seien.  Er  habe  zudem  keine  innerstaatliche  Fluchtalternative,  weil  er  durch  die  staatlichen Organe  im  ganzen  Land  gesucht  werde.  Deshalb  könne  der  Vollzug  der  Wegweisung  dem  Beschwerdeführer  ohne  Sicherheit,  Unterkunft,  tragfähiges  Beziehungsnetz  und  ohne  Arbeit  an  keinem anderen Ort zugemutet werden.  3.2.2. Weiter brachte die Rechtsvertreterin vor, dass bezüglich der durch  die  Vorinstanz  angeblich  entdeckten  Widersprüche  erwähnt  werden  müsse, dass der Beschwerdeführer beim ersten Asylentscheid überhaupt  keine  Gelegenheit  erhalten  habe,  sein  Recht  auf  Beschwerde  wahrzunehmen. Er hätte ansonsten gewisse Ungereimtheiten bereinigen  können.  Aus  den  Akten  sei  auch  ersichtlich,  dass  zum  Beispiel  der  Beschwerdeführer  bei  der  zweiten  Anhörung  im  Jahre  2000   nicht  zu  seinen  Schwestern  befragt  worden  sei.  Ausserdem  sei  er  bei  der  Anhörung  beim  zweiten  Asylgesuch  mehrmals  darauf  aufmerksam  gemacht  worden,  dass  er  sich  nur  auf  seine  Probleme  konzentrieren  solle.  Zudem  dürfe  ihm  nicht  zur  Last  gelegt  werden,  wenn  der  Übersetzer den Arbeitsort seiner Mutter einmal mit I._______ und einmal  mit  K._______  übersetze.  Der  Beschwerdeführer  habe  immer  die  Wahrheit  gesagt,  nämlich,  dass  seine  Mutter  als  J._______  beim  "I._______" gearbeitet habe und  ihr wegen  ihrer (…) Herkunft gekündigt  worden  sei.  Er  sei  zudem während  des  zweiten  Asylverfahrens  gefragt  worden,  wo  sich  seine Mutter  und  seine  Schwestern  aufhalten würden.  Der  Beschwerdeführer  habe  wahrheitsgetreu  geantwortet,  dass  er  seit  seiner  Ausreise  im  Jahre  1999  nichts  mehr  von  ihnen  gehört  habe,  er  aber wisse, dass seiner Mutter in der Zwischenzeit gekündigt worden sei,  sie  aber  alle  in  H._______  leben  würden.  Die  Angaben  des  Beschwerdeführers  seien  in  wesentlichen  Punkten  stimmig  und  nachvollziehbar,  auch wenn er  in machen Details  nicht  genau dasselbe  gesagt habe. Darüber hinaus sei es wissenschaftlich bewiesen, dass kein  Mensch  ein  Geschehen  bei  einer  Wiederholung  genau  auf  dieselbe  Weise nochmals erzählen könne, und dies sei schon gar nicht nach acht  Jahren möglich. Wie  bereits  dargelegt,  habe  er  sich  auf  seine  eigenen  Probleme  fokussiert,  nachdem  man  ihn  gebeten  habe,  sich  auf  die 

D­710/2008 konkreten  Gegebenheiten  zu  konzentrieren.  Der  Beschwerdeführer  verspreche zudem "hoch und heilig", die Wahrheit gesagt und ernsthafte  Probleme  in  der  DRK  gehabt  zu  haben.  Zudem  müsse  noch  erwähnt  werden, dass sein Vater wegen seiner Zusammenarbeit mit den Rebellen  umgebracht worden sei.  In privaten Belangen sei der Beschwerdeführer  Vater  von  zwei Kindern und wolle  auch deshalb  in  der Nähe  von  ihnen  sein,  zumal  er  auch wegen  ihnen wieder  in  die  Schweiz  zurückgekehrt  sei. Seine Partnerin habe ein Gesuch um einen humanitären B­Ausweis  beim  L._______  eingereicht  und  hoffe  nun  zuversichtlich  auf  einen  positiven  Entscheid,  zumal  der  Kanton  sich  diesbezüglich  vielversprechend  geäussert  habe.  Des  Weiteren  befürchte  seine  Partnerin,  seinetwegen  eine  Beeinträchtigung  ihres  Aufenthaltsbewilligungsverfahrens zu erfahren. 3.2.3. Am  1.  Dezember  2009  teilte  die  Rechtsvertreterin  schriftlich  mit,  dass das Gesuch der Partnerin des Beschwerdeführers und seiner Kinder  um  eine  B­Aufenthaltsbewilligung  gutgeheissen  worden  sei  und  der  Beschwerdeführer  zwecks  Eheschliessung  und  Beurkundung  der  Kinderanerkennung  beim  M._______  ein  Gesuch  um  Identitätsfeststellung  gestellt  habe.  Nachdem  durch  das  Gericht  die  Identität  des  Beschwerdeführers  festgestellt  worden  sei,  habe  er  seine  Partnerin  und  Mutter  seiner  beiden  Kinder  im  März  2009  geheiratet.  Danach  habe  er  ein  Kantonswechselgesuch  eingereicht,  welches  gutgeheissen  worden  sei.  Dementsprechend  sei  auch  seine  N­ Ausweisnummer   geändert  worden.  Der  L._______  habe  dem  Beschwerdeführer  keinen  B­Jahresaufenthalt  erteilt,  da  seine  Ehefrau  vom Sozialdienst  der Gemeinde N._______  teilweise  unterstützt werde.  Diesbezüglich  müsse  aber  erwähnt  werden,  dass  dieser  Unterstützungsbeitrag nur die monatlichen Krankenkassenprämien für die  beiden  Kinder  und  den  Beschwerdeführer  umfasse.  Aufgrund  diesen  Gegebenheiten  sowie  aufgrund  der  Familieneinheit  und  des Rechts  auf  Ehe und Familie sei der Vollzug der Wegweisung unzulässig. 4.  Einleitend  ist  festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bei seiner ersten  Empfangsstellenbefragung  ausdrücklich  vorbrachte,  dass  er  zwei  Schwestern  habe,  welche  Zwillinge  und  beide  am  12.  Dezember  1985  geboren  seien  (A2/S.  2).  Hingegen  erklärte  er  während  der  beiden  Befragungen des zweiten Asylverfahrens ( B1/S. 3 und B7/S. 5), dass er  zwei  Schwestern  habe,  welche  jedoch  im  Jahre  1980  beziehungsweise 

D­710/2008 1982 zur Welt gekommen seien. Es kann mit der Vorinstanz  folgerichtig  festgestellt werden, dass diese Aussagen widersprüchlich sind, zumal der  Beschwerdeführer  ausdrücklich  das  Wort  "Zwillinge"  sowie  die  verschiedenen Geburtsjahrgänge erwähnte.  Grundsätzlich  ist  der  Rechtsvertreterin  insofern  Recht  zu  geben,  als  Aussagen,  welche  vor  Jahren  bei  einem  ersten  Asylgesuch  gemacht  wurden,  bei  einem  späteren  Gespräch  nicht  mehr  in  gleicher  Art  und  Weise vorgebracht werden können.  In diesem Fall  handelt es sich aber  nicht  um  eine  andere  Erzählweise,  sondern  um  die  Bekanntgabe  von  unveränderlichen  Personalangaben,  von  denen  man  erwarten  dürfte,  dass  sie  jederzeit  wahrheitsgetreu  und  unmissverständlich  dargelegt  werden  können.  Es  erscheint  somit  unglaubhaft,  dass  der  Beschwerdeführer nicht mehr zu wissen vermag, ob er nun Zwillinge als  Schwestern hat oder nicht.   Das Argument der Rechtsvertreterin, der Beschwerdeführer sei während  der  Zweitbefragung  des  ersten  Asylverfahrens  nicht  nach  seinen  Schwestern  befragt  worden,  vermag  diesen  grossen Widerspruch  auch  nicht  zu mindern. Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  es  nicht  geboten  erscheint,  den  Asylbewerber  zweimal  nach  seinen  Personalien  zu  befragen,  falls  diese  schon  in  der  Erstanhörung  deutlich  und  unmissverständlich zu Protokoll gegeben wurden. So verhält es sich auch  in  diesem Fall,  bei  dem  der  Beschwerdeführer  diese Angaben  klar  und  unmissverständlich  in  der  ersten  Anhörung  zu  Protokoll  gegeben  hat.  Wie  die  Vorinstanz,  so  stellt  auch  das  Gericht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Erstbefragung  des  ersten  Asylverfahrens  erwähnte,  dass  seine  beiden  Schwestern  vergewaltigt  worden  seien  ("Dopo aver violentato le mie sorelle"; A5/S. 9). Andererseits gab er in der  Bundesanhörung  des  zweiten  Asylverfahrens  an,  dass  seine  jüngeren  Geschwister  keine  nennenswerten  Probleme  gehabt  hätten;  sie  seien  lediglich wegen ihrer Abstammung ausgegrenzt worden (B7/S. 13). Es ist  zu bemerken, dass der Beschwerdeführer im zweiten Asylverfahren keine  Vergewaltigung  seiner Schwestern mehr  erwähnte.  Es  ist  anzunehmen,  dass der Beschwerdeführer eine Vergewaltigung nicht einfach vergessen  hätte,  zumal  er  ausdrücklich  danach  gefragt  wurde,  ob  noch  sonst  jemand  in  der Familie Probleme gehabt  habe. Die bereits  schon  vorher  angesprochene  Bemerkung  der  Rechtsvertreterin,  man  könne  ein  Geschehen bei mehrmaliger Wiederholung nicht  genau gleich  erzählen, 

D­710/2008 greift  hier  ebenfalls  nicht.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  es  sich  auch  hier  nicht  um  eine  andere  Art  von  Schilderung  handelt,  sondern  dass  gewisse  einschneidende  Fakten  gar  nicht  vorgebracht  wurden,  welche  durchaus  von  grosser  Wichtigkeit  sind  und  nicht  so  schnell  in  Vergessenheit geraten dürften, auch wenn das Erlebte sich vor acht oder  mehr Jahren ereignet haben soll. Der  Beschwerdeführer  gab  bei  seiner  Erstbefragung  beim  ersten  Asylverfahren zu Protokoll, dass seine Mutter O._______ sei ("mia madre  dovrebbe  trovarsi  nel G._______,  lei  è  originaria  di  li" A2/S.  3). Bei  der  Bundesanhörung  des  zweiten  Asylverfahrens  gab  er  hingegen  ausdrücklich  bekannt,  dass  seine  Mutter  zwar  nicht  aus  G._______  stamme, der Ursprung ihres Stammes aber in G._______ liege (B7/S. 5).  Entgegen  der Ansicht  der Vorinstanz  stellen  diese  beiden Äusserungen  keinen  Widerspruch  dar.  Es  kann  durchaus  sein,  dass  der  Beschwerdeführer  beim ersten Asylverfahren  verstanden  haben  könnte,  woher  seine  Mutter  ursprünglich  stamme,  und  dies  mit  ihrer  Herkunft  verwechselte.  Insofern  sind  beide  Aussagen  als  stimmig  zu  betrachten.  Es ist davon auszugehen, dass seine Mutter in H._______ aufgewachsen  und  wohnhaft  ist,  aber  (…)  Herkunft  beziehungsweise  Ethnie  ist.  Nichtsdestotrotz  vermag  diese  Feststellung  nicht,  die  vorhergehenden  und vor allem beachtlicheren Widersprüche zu mindern. Des  weiteren  erklärte  der  Beschwerdeführer  während  der  Empfangsstellenbefragung  im  Rahmen  des  ersten  Asylgesuches,  dass  seine  Mutter  beim  I._______  gearbeitet  habe,  aber  ihr  aufgrund  ihrer  Herkunft  (G._______)  gekündigt  worden  sei.  Die  Vorinstanz  sieht  zu  Recht  einen  Widerspruch  zu  der  Aussage  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Zweitanhörung:  Dort  erklärte  er,  dass  seine Mutter  noch  während seiner Ausreise im Jahre 1999 beim I._______ gearbeitet habe  und er später vernommen habe, dass sie nicht mehr dort arbeite.   Auch  das  Gericht  stellt  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  beim  zweiten  Asylverfahren  keinen  Kündigungsgrund  aufgrund  einer  ethnischen  Zugehörigkeit  seiner  Mutter  erwähnte.  Das  diesem  Widerspruch  entgegen  gehaltene  Argument  der  Rechtsvertreterin,  ein  Übersetzungsfehler  solle  dem  Beschwerdeführer  nicht  zu  Last  gelegt  werden,  greift  hier  nicht,  zumal  es  nicht  um  die  Bezeichnung  der  damaligen Arbeitsstelle geht, sondern um den Zeitpunkt der Beendigung  des Arbeitsverhältnisses seiner Mutter. 

D­710/2008 Es  ist  festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer schwerpunktmässig  in  grosse  Widersprüche  zwischen  dem  ersten  und  dem  zweiten  Asylverfahren verwickelt. Somit greift das Argument der Rechtsvertreterin  nicht,  ihr  Mandant  habe  beim  ersten  Asylverfahren  keine  Gelegenheit  gehabt, sein Recht auf Beschwerde wahrzunehmen, ansonsten er diese  Ungereimtheiten beseitigt hätte. Es ist diesbezüglich anzumerken, dass in  den  beiden  Befragungen  des  ersten  Asylverfahrens  weniger  Ungereimtheiten  festzustellen  sind,  welche  durch  eine  Beschwerde  zu  klären  gewesen  wären.  Zudem  ist  anzufügen,  dass  die  Äusserung  der  Befragungsperson,  der  Beschwerdeführer  solle  sich  nur  auf  seine  Probleme  konzentrieren,  nicht  zum  Ziel  hatte,  staatliche  Kontexte  zu  seiner Verfolgungsgeschichte, sofern diese seine persönlichen Probleme  tangierten,  auszuschliessen.  Der  Hinweis  der  Befragungsperson,  der  Beschwerdeführer solle sich auf seine Probleme beziehen, sollte lediglich  bewirken,  dass  der  Befragte  nicht  allzu  sehr  in  asylirrelevante  Details  abschweift, und nicht, dass er solche auslassen sollte. Zu  den  weiteren  Unglaubhaftigkeitselementen  wie  beispielsweise  zu  seiner  Inhaftierung oder  Informationsfunktion  für  die Rebellen  sowie  zur  Festnahme  seines  Vater  äussert  sich  der  Beschwerdeführer  bezeichnenderweise  nicht  konkret,  sondern  beharrte  im  Wesentlichen  lediglich  auf  dem  Wahrheitsgehalt  seiner  Vorbringen  und  der  damit  einhergehenden  Verfolgungsgefahr.  Es  erübrigt  sich  daher,  noch  näher  auf  seine  Ausführungen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  sie  am  Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist davon auszugehen, dass der  Beschwerdeführer  sein  Heimatland  aus  anderen  als  den  von  ihm  genannten Gründen verlassen hat.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  die  Asylvorbringen  des Beschwerdeführers  im Ergebnis  zu Recht  als  unglaubhaft  im Sinne  von  Art.  7  AsylG  erachtete.  Er  erfüllt  somit  die  Voraussetzungen  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  die  Vorinstanz  das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. 5.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

D­710/2008 Vollzug  an;  dabei  ist  der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  zu  berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers,  welche  im  Besitz  einer  Aufenthaltsbewilligung  der  Kategorie  B  ist,  verfügt  nicht  über  ein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  (Bürgerrecht  oder  Niederlassungsbewilligung), weshalb sich der Beschwerdeführer gemäss  ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. statt vieler BGE 130  II  281,  135  I  143,  je  mit  Hinweisen)  nicht  auf  den  Schutz  des  Familienlebens nach Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  berufen  kann.  Ob  ihm  allenfalls  aus  humanitären  Gründen  das  Bleiberecht  in  der  Schweiz  zuzusprechen  ist,  muss  durch  den  Kanton  entschieden  werden.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21).  Der  Vollständigkeit  halber  ist  darauf  zu  verweisen,  dass  für  die  Beurteilung  eines  allfälligen  umgekehrten  Familiennachzuges  die  kantonalen  Behörden des Wohnortes des Beschwerdeführers zuständig sind. 6.  6.1.  Ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  möglich,  nicht  zulässig  oder  nicht  zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnisnach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2.  Der  Vollzug  ist  nicht  möglich,  wenn  der  Ausländer  weder  in  den  Herkunfts­  oder  in  den  Heimatstaat  noch  in  einen  Drittstaat  verbracht  werden kann. Er ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  des  Ausländers  in  seinen  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen.  Der  Vollzug  kann  insbesondere  nicht  zumutbar  sein,  wenn  er  für  den  Ausländer  eine  konkrete Gefährdung darstellt (Art. 83 Abs. 2 ­ 4 AuG).  Niemand darf  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen  werden,  in  dem  sein  Leib,  sein  Leben  oder  seine  Freiheit  aus  einem 

D­710/2008 Grund nach Art.  3 Abs. 1 AsylG gefährdet  sind oder  in dem die Gefahr  besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezwungen wird (Art. 5  Abs.  1  AsylG).  Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV;  SR  101),  Art.  3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der  Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung  unterworfen werden. 6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personenschützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO  GATTIKER, Das Asyl­ und Wegweisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  seinen  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  seinen  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte sowie jener des UN­Anti­Folterausschusses müsste der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen würde  (vgl. EMARK 2001 Nr. 16, S.  122, mit Hinweisen). Die allgemeine Menschenrechtssituation  in seinem  Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Zudem  ist  eine  Verletzung  von Art. 8 EMRK aufgrund der in E. 5 dargelegten Situation zu verneinen.  Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 

D­710/2008 die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). 6.5. Hinsichtlich der allgemeinen Situation in Kongo (Kinshasa) kann, zur  Vermeidung von Wiederholungen, auf die detaillierte, noch von der ARK  erstellte und  in EMARK 2004 Nr. 33 publizierte Lageanalyse zu diesem  Land  verwiesen  werden,  welche  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Übrigen  als  im  Wesentlichen  weiterhin  zutreffend  erachtet.  Namentlich  geht es davon aus, dass dort nicht landesweit eine Bürgerkriegssituation  oder eine Situation allgemeiner Gewalt herrscht. Daran ändern auch die  Ende  März  2007  stattgefundenen  gewalttätigen  Auseinandersetzungen  zwischen  der  regulären  Armee  und  der  Garde  von  Ex­Rebellenschaft  Bemba  nichts,  welcher  als  Präsidentschaftskandidat  Joseph  Kabila  unterlegen  war  und  sich  in  der  Folge  als  Führer  einer  starken  und  republikanischen  Organisation  weigerte,  seine  Leute  in  die  nationale  Armee  zu  integrieren.  Nach  der  Niederlage  von  Bemba  und  dessen  Flucht  in  die  südafrikanische  Botschaft  respektive  Weiterreise  nach  Portugal  hat  sich  die  Situation  in  Kongo  (Kinshasa)  wieder  beruhigt.  Mittlerweile  kann  sogar  von  einer  Stabilisierung  gesprochen  werden,  aufgrund  derer  einem  allfälligen  Vollzug  der  Wegweisung  unter  dem  Zumutbarkeitsaspekt  keine  triftigen  Gründe  entgegen  stehen.  Ferner  ergeben  sich  aufgrund  der  Akten  auch  keine  in  der  Person  des  Beschwerdeführers  liegende  Gründe,  welche  den  Vollzug  der  Wegweisung nach Kongo (Kinshasa) als unzumutbar erscheinen liessen.   Gemäss  eigenen  Angaben  verfügt  der  Beschwerdeführer  über  eine  Matura,  über  Informatikkenntnisse  und  eine  in  der  Schweiz  absolvierte  P._______, die ihm erlauben sollten, in seiner Heimat eine wirtschaftliche  Basis aufbauen zu können. Zudem leben noch seine beiden Schwestern  und seine Mutter in der DRK, die ihm bei der Reintegration behilflich sein  können.  Es  ist  daher  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  ­  aktenkundig  gesunde  ­  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  eine  existenzvernichtende  Situation  geraten würden.  In Würdigung  all  dieser  Aspekte  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung des Beschwerdeführers in sein Heimatland als zumutbar. 6.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  seines  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist.

D­710/2008 6.7. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug  zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Vollzug der Wegweisung zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs.  1 ­ 4 AuG). 7.  Die  mit  Verfügung  vom  1.  Februar  2008  vom  BFM  bezüglich  des  Akteneinsichtsgesuchs  der  Rechtsvertreterin  erhobene  Gebühr  ist  eine  nach  Art.  46  Abs.  2  VwVG  mit  dem  Endentscheid  anfechtbare  Zwischenverfügung. Vorliegend hat das BFM diese Gebühr gemäss Art.  26 Abs. 2 VwVG   zu Recht erhoben, da sich die Akteneinsicht auf Akten  des  rechtskräftig  abgeschlossenen  Asylverfahrens  bezog.  Die  diesbezügliche Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt  Fr.  600.­­  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  am  25.  Februar  2008  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­710/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag wird mit  dem  am  25.  Februar  2008  in  gleicher  Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Bettina Schwarz Versand:

D-710/2008 — Bundesverwaltungsgericht 08.09.2011 D-710/2008 — Swissrulings