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Bundesverwaltungsgericht 09.01.2012 D-6809/2011

January 9, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,229 words·~6 min·3

Summary

Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung) | Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des BFM vom 13. Dezember 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6809/2011 Urteil   v om   9 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;   Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am … ,  Somalia,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung (Flughafenverfahren);  Verfügung des BFM vom 13. Dezember 2011 / N … .

D­6809/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  –  von  Nairobi  kommend  –  am  24.  November  2011  auf  dem  Flughafen  Zürich­Kloten  ankam,  wo  sie  am  gleichen Tag ein Asylgesuch einreichte,  dass ihr mit Verfügung des BFM vom 24. November 2011 die Einreise in  die  Schweiz  vorläufig  verweigert  und  ihr  für  längstens  60 Tage  der  Transitbereich des Flughafens als Aufenthaltsort zugewiesen wurde, dass  sie  vom  BFM  am  29.  November  2011  zu  ihrer  Person,  ihrem  Reiseweg und summarisch zu ihren Gesuchsgründen befragt und am 12.  Dezember 2011 einlässlich angehört wurde,  dass sie bei dieser Gelegenheit vorbrachte, sie sei eine Staatsangehörige  von Somalia und stamme ursprünglich aus Mogadischu,  dass sie dabei zu ihrem ethnischen Hintergrund ausführte, sie gehöre von  Seiten  ihres Vaters eigentlich zum Clan R._______, Subclan Rr.______,  nach  dem  Tod  ihres  Vaters  vor  zirka  sechs  Jahren  sei  sie  jedoch  im  Umfeld  ihrer  Mutter  aufgewachsen,  welche  dem  Clan  S._______,  Subclan  Sa.______,  angehöre,  welcher  sich  wiederum  in  die  Subsubclans Saa._____, Sab._____ und Sac._____ unterteile, wobei die  S._______ mit anderen Clans in T._______ lebten …,  dass  sie  gleichzeitig  angab,  sie  habe  mit  ihrer  Familie  ursprünglich  im  Quartier  U._______  gelebt,  welches  früher  V._______  geheissen  habe,  und dort seien im Mai 2005 bei einem Granatangriff ihr Vater und ihre drei  älteren Brüder getötet worden,  dass sie nach diesem Ereignis respektive richtigerweise ab 2007 mit ihrer  Mutter und ihren drei jüngeren Geschwistern in der Nähe des W._______  Marktes  gelebt  habe,  bis  sie  2007  respektive  richtigerweise  2008  ins  Flüchtlingslager X._______ geflohen seien,  dass sie anlässlich der Kurzbefragung (BzP) als Grund für ihr Asylgesuch  vorbrachte,  in  ihrer Heimat herrsche Bürgerkrieg, weshalb man sich dort  kein  Leben  aufbauen  könne,  wobei  sie  namentlich  auf  den  Tod  ihres  Vaters und ihrer Brüder verwies (vgl. BzP­Protokoll, Ziff. 7.01),  dass  sie  demgegenüber  im  Rahmen  der  Anhörung  vorbrachte,  sie  sei  sehr  lange  krank  gewesen,  worauf  ihr  Onkel  (bzw.  ihr  Schwiegervater) 

D­6809/2011 beschlossen  habe,  sie müsse  das  Land  aus  gesundheitlichen Gründen  verlassen (vgl. Anhörungsprotokoll, Ziff. 1 am Ende),  dass sie in diesem Zusammenhang vorbracht, sie sei bis vor zwei Jahren  meist verwirrt gewesen und von  ihrer Familie – wie vormals bereits  ihre  Grossmutter – als von einem Dämonen besessen angeschaut worden, da  Dämonen mit ihr gesprochen hätten, weshalb sie früher über Monate von  Imamen mit Koranversen behandelt worden sei,  dass sie sich aufgrund  ihrer Erkrankung sowohl  in Mogadischu als auch  in X._______ nur sehr wenig in der Öffentlichkeit bewegt habe,  dass es ihr aber seit zwei Jahren besser gehe und sie normal geworden  sei, worauf  ihre Mutter und  ihr Onkel beschlossen hätten, dass sie  jetzt  einen Cousin  heiraten müsse, welchen  sie  nicht  gekannt  habe, welcher  aber Arbeit in einem Restaurant im W._______ Markt habe,  dass  sie  im  Hinblick  auf  die  Heirat  von  X._______  nach  T._______  gebracht  worden  sei,  wo  sie  am  10.  April  2011  mit  ihrem  Cousin  verheiratet  worden  sei,  respektive  sie  bereits  in  X._______  verheiratet  worden  sei  und  erst  danach  mit  ihrem  Ehemann  nach  T._______  gegangen seien,  dass  sie  ihren  Ehemann  jedoch  nur  kurze  Zeit  später  wieder  aus  den  Augen  verloren  habe,  weil  er  kurz  nach  der  Hochzeit  wieder  nach  Mogadischu zurückgekehrt sei, wo er alle seine Freunde und auch seine  Arbeit habe (vgl. dazu das BzP­Protokoll, Ziff. 9.01 [am Ende]), respektive  weil er in T._______ von der Shabaab verschleppt worden sei (vgl. dazu  das Anhörungsprotokoll, F. 1 und F. 94 ff.) dass sie danach alleine  in der ehelichen Wohnung  in T._______ gelebt  habe  und  in  dieser  Zeit  sehr  krank  geworden  sei,  da  sie  überall  am  Körper und besonders im Unterleib Schmerzen bekommen habe,  dass sie deshalb im August 2011 wieder von T._______ nach X._______  zurückgebracht  worden  sei,  wo  sie  wieder  mit  ihrer  Mutter  und  ihren  Geschwistern gelebt habe, bis ihr Onkel sie im Hinblick auf ihre Ausreise  von dort wieder abgeholt habe,  dass  sie  auf  die  Frage  nach  dem  Zeitpunkt  und  den  Umständen  ihrer  Ausreise  vorbrachte,  sie  sie  sei  am  28.  Oktober  2011  von  X._______  nach T._______ gebracht worden, von wo sie am folgenden Tag auf dem  Seeweg ihre Heimat verlassen habe, 

D­6809/2011 dass sie … [in der Folge] Mombasa (Kenia) erreicht habe, von wo sie drei  Tage später per Bus nach Kampala (Uganda) gefahren sei,  dass  sie  von  dort  in  zwei  Tagen  per  LKW  eine  Ortschaft  im  Sudan  erreicht habe, wo sie eine Woche später von ihrem Schlepper in Empfang  genommen  worden  sei,  welcher  sie  zu  einem  Flughafen  gefahren  und  danach auf dem Luftweg vom Sudan nach Nairobi (Kenia) gebracht habe,  wo er sie anschliessend auf ihren Flug in die Schweiz geschleust habe,  dass sie gemäss Feststellung der Flughafenpolizei Zürich­Kloten (auf der  Basis von Airline­Informationen) anlässlich des Check­In in Nairobi einen  kenianischen Reisepass vorgelegt hatte (ausgestellt … 2008 und lautend  auf B._______, geboren … ), dass  sie  diesbezüglich  auf  Vorhalt  des  BFM  geltend  machte,  sie  habe  ihre Reise mit einem ihr nicht zustehenden Reisepass absolviert, welcher  ihr  vom  Schlepper  für  die  Reise  respektive  die  Reisekotrollen  nur  zur  Verfügung gestellt und danach wieder weggenommen worden sei,  dass  sie  auf  der  Reise  von  ihrem  Schlepper  im  Flugzeug  ins  Gesicht  geschlagen worden sei, weil sie sich den Pass habe anschauen wollen,  dass die gesamte Reise 4'000.– US­Dollar gekostet habe und von ihrem  Onkel finanziert worden sei, welcher in Y._______ bei T._______ lebe,  dass die Beschwerdeführerin gemäss den Akten sowie der Verzeichnung  im Anhörungsprotokoll  während  ihres  Aufenthalts  im  Transitbereich  des  Flughafens  in  ein  Spital  gebracht  werden  musste,  wo  ihr  mehrere  Nierensteine entfernt wurden (vgl. Protokoll, Ziff. 19 ff.),  dass das BFM der Beschwerdeführerin am Ende der Anhörung eröffnete,  es  bestünden  Zweifel  an  der  geltend  gemachten  Herkunft  aus  Somalia  und  Hinweise  auf  eine  Herkunft  aus  Kenia,  worauf  die  Beschwerdeführerin an ihren Vorbringen festhielt,  dass das BFM mit Verfügung vom 19. Dezember 2011 (eröffnet durch die  Flughafenpolizei  am  gleichen  Tag)  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  ablehnte  und  deren  Wegweisung  aus  dem  Transitbereich  des  Flughafens  Zürich­Kloten  sowie  den  Wegweisungsvollzug nach Kenia anordnete,  dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  zu  ihrer  Herkunft  als  teils  widersprüchlich  und  die 

D­6809/2011 geltend  gemachte  Ausreise  aus  Somalia  erst  am  29. Oktober  2011  als  unglaubhaft  erklärte,  mithin  ihre  Vorbringen  betreffend  ihre  angeblich  ausschliesslich  somalische  und  nicht  kenianische  Staatsangehörigkeit  stark anzuzweifeln seien,  dass das Bundesamt gleichzeitig die Vorbringen über das Verschwinden  des  Ehemannes  als  unglaubhaft  erklärte  und  im  Anschluss  daran  festhielt,  die  Beschwerdeführerin  habe  auch  zu  ihrem  Reiseweg  offensichtlich unwahre Angaben gemacht, da der Sudan von Kampala per  LKW nicht in nur zwei Tagen erreicht werden könne und sie zudem ihren  Abflugsort im Sudan nicht habe nennen können,  dass das Bundesamt vor diesem Hintergrund schloss, es handle sich bei  der  Beschwerdeführerin  um  die  rechtmässige  Besitzerin  des  oben  erwähnten kenianischen Reisepasses,  dass  das  Bundesamt  abschliessend  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kenia  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erklärte,  wobei  es  die  Beschwerdeführerin  auf  die  Möglichkeit  einer  Behandlung  ihrer  gesundheitlichen Probleme in Kenia verweis,  dass  die Beschwerdeführerin  am 19. Dezember  2011  eine Beschwerde  gegen  den  Entscheid  des  BFM  einreichte  (bei  der  Flughafenpolizei  Zürich­Kloten und zuhanden des Bundesverwaltungsgerichts),  dass  sie  in  der  Eingabe  zur  Hauptsache  die  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung und die Gewährung  von Asyl,  jedenfalls  aber  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  eventualiter  die  Anordnung  einer  vorläufigen Aufnahme  in  der  Schweiz  zufolge Unzulässigkeit  oder  allenfalls Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges beantragte,  dass sie daneben um Erlass der Verfahrenskosten und um Befreiung von  der  Kostenvorschusspflicht  ersuchte,  wie  auch  darum,  den  fremdsprachigen Teil ihrer Eingabe von Amtes wegen zu übersetzen,  dass  sie  ihm  Rahmen  ihrer  Beschwerdebegründung  an  der  geltend  gemachten Herkunft aus Somalia festhielt,  dass die Beschwerde und die vorinstanzlichen Akten am 19. Dezember  2011 beim Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. dazu Art. 109 Abs. 2  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]), 

D­6809/2011 dass  nach  Eingang  der  Beschwerde  eine  Übersetzung  des  somalisch­ sprachigen Teils der Beschwerdebegründung veranlasst wurde, welche in  der Zwischenzeit beim Bundesverwaltungsgericht eingetroffen ist,  und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]  sowie  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) richtet, soweit  das VGG oder  das AsylG  nichts  anderes  bestimmen  (vgl.  Art.  37 VGG  sowie Art. 6 und 105 AsylG),  dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  die  Beschwerdeführerin  legitimiert  ist  und  sich  ihre  Eingabe  als  fristgerecht und nach amtlicher Übersetzung auch als formgerecht erweist  (vgl. dazu Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1  VwVG), weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist, dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  als  offensichtlich  begründet  zu  erkennen  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst.  e  AsylG),  wobei  auf  eine  Schriftenwechsel  verzichtet  wird  und  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1  und 2 AsylG), dass das BFM seinen Entscheid sowohl im Asylpunkt (nach Art. 3 und 7  AsylG) als auch im Vollzugspunkt (nach Art. 44 Abs. 1 und 2 AsylG i.V.m.  Art. 83 Abs. 1 ­ 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20])  auf  den  Schluss 

D­6809/2011 abstützt,  bei  der  Beschwerdeführerin  handle  es  sich  um  eine  Staatsangehörige  von  Kenia,  mithin  es  abschliessend  den  oben  erwähnten  kenianischen  Reisepass  –  welcher  im  Original  nicht  zur  Verfügung  steht  –  als  der  Beschwerdeführerin  rechtmässig  zustehend  erklärt,  dass  der  Schluss  betreffend  die  angeblich  kenianische  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführerin  –  welcher  den  gesamten  Entscheid trägt – in den Akten jedoch keine genügende Basis findet,  dass  das  BFM  in  seinen  Erwägungen  –  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung zu verweisen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG) – zwar ausführt,  die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  zu  Somalia  seien  lückenhaft  und  teilweise  auch  veraltet,  der  Beschwerdeführerin  die  geltend  gemachte  Herkunft aus Somalia aber nicht abspricht,  dass  das  Bundesamt  vielmehr  davon  ausgeht,  die  Beschwerdeführerin  stamme zwar aus Somalia, sie habe ihre Heimat aber schon etwas länger  als geltend gemacht verlassen,  dass sich von daher jedoch nicht auf die kenianische Staatsangehörigkeit  schliessen  lässt,  da  diese  Staatsangehörigkeit  –  wenn  sie  nicht  durch  Abstammung  erworben  wird  –  einzig  durch  Einbürgerung  nach  mindestens  sieben  Jahren  ungetrennter  Ehe  mit  einem  kenianischen  Ehegatten oder aber nach mindestens sieben Jahren rechtmässigem und  klaglosem Aufenthalt im Lande erworben werden kann, womit somalische  Staatsangehörige  in  Kenia  in  aller  Regel  von  einer  Einbürgerung  ausgeschlossen  sind,  da  sich  diese  ganz  überwiegend  als  Flüchtlinge  und damit illegal im Lande aufhalten,  dass  sich  in  diesem  Zusammenhang  auch  nichts  aus  der  von  der  Flughafenpolizei über die Airline erhältlich gemachten Passkopie ableiten  lässt, zumal vom BFM bereits am 29. November 2011 festgestellt wurde,  dass eine sichere Zuordnung des Passes nicht möglich sei,  indem vom  Bundesamt in einer Aktennotiz vermerkt wurde, zwar bestünden gewisse  Ähnlichkeiten,  ein  Vergleich  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  der  Farbkopie des Passes  falle aber schwer, da die Beschwerdeführerin ein  Kopftuch trage und die erhaltene Farbkopie nicht sehr deutlich sei,  dass  alleine  der  Vermerk  in  der  Aktennotiz  über  eine  gepflegte  Erscheinung  der  Beschwerdeführerin  und  gewisse  Englischkenntnisse  nicht für deren kenianische Staatsangehörigkeit spricht, 

D­6809/2011 dass damit das Vorbringen der Beschwerdeführerin, der von ihr auf dem  Flug vom Sudan nach Narobi und beim Antritt ihrer Reise in die Schweiz  beim  Check­In  in  Nairobi  verwendete  Reisepass  (ausgestellt  bereits …  2008) stehe ihr nicht zu, sondern sei ihr lediglich von ihrem Schlepper zur  Verfügung gestellt worden, nicht entkräftet ist,  dass gleichzeitig das Vorbringen betreffend die Verwendung eines nicht  zustehenden Passes aufgrund der Ausführungen der Beschwerdeführerin  zu  ihren Reiseetappen und dem Verhalten  ihres Schleppers keineswegs  als haltlos zu bezeichnen ist,  dass in dieser Hinsicht anzumerken bleibt, dass sich die Erwägungen der  Vorinstanz über die angeblich Haltlosigkeit  der Angaben zum Reiseweg  als nicht stichhaltig erweisen, da nicht nur Schiffsverbindungen zwischen  T._______  und  Mombasa  bestehen,  sondern  sowohl  tägliche  Busverbindungen von Mombasa über Nairobi nach Kampala als auch von  Kampala  ins  südsudanesische  Juba  (Reisezeit  dort  bei  guten  Verhältnissen  zirka  12  Stunden),  wobei  von  Juba  wiederum  direkte  Flugverbindungen  nach  Nairobi  bestehen  (täglich  gleich mehrere  Flüge  verschiedener Anbieter),  dass  der  von  der  Beschwerdeführerin  grundsätzlich  übereinstimmend  geschilderte  Reiseweg  zwar  auf  den  ersten  Blick  als  aufwändig  erscheinen  mag,  von  Schleppern  jedoch  nicht  möglichst  einfache,  sondern  möglichst  effiziente  Routen  verwendet  werden,  will  heissen  Routen,  auf  welchen  die  Sicherheitskontrollen  im  internationalen  Personenverkehr  am  ehesten  unterlaufen  werden  können  (was  bei  Flugreisen einen Start in einem möglichst schwach entwickelten Land wie  dem Südsudan nahelegt),  dass  das  BFM  in  seinen  Erwägungen  –  mit  einer  klaren  Ausnahme  (Angaben  zum  Ehemann;  vgl.  dazu  unten)  –  überhaupt  nur  auf  sehr  wenige  Mängel  im  Sachverhaltsvortrag  der  Beschwerdeführerin  verweisen kann,  dass  sich  beispielsweise  der  vorinstanzliche  Vorhalt  betreffend  eine  angeblich widersprüchliche Datierung der bisherigen Wohnorte aufgrund  der  Akten  als  nicht  stichhaltig  erweist,  da  die  Beschwerdeführerin  diesbezügliche  Ungereimtheiten  zwischen  der  Kurzbefragung  und  der  Anhörung  zum  Schluss  der  Anhörung  durchaus  erklären  konnte  (vgl.  dazu das Anhörungsprotokoll, F. 115 f.), 

D­6809/2011 dass  aufgrund  ihrer  aktenkundigen  Angaben  zu  ihrem  ethnischen  Hintergrund auch die vorinstanzliche Feststellung nicht überzeugen kann,  die  Beschwerdeführerin  habe  ihre  Clan­Zugehörigkeit  nur  unvollständig  darstellen  können,  sondern  von  hinreichend  vertieften  und  insgesamt  nachvollziehbaren Angaben auszugehen ist,  dass  das Bundesamt  zwar  zu Recht  dafür  hält,  die Beschwerdeführerin  habe  die  Reisezeit  von  X._______  nach  T._______  unzutreffend  dargestellt,  da  es mit  Sicherheit  nicht  bloss  der  von  ihr  genannten  vier  Stunden,  sondern  mutmasslich  der  doppelten  Zeit  bedarf,  um  per  Bus  von X._______ ins 450 Kilometer entfernte T._______ zu gelangen,  dass  die  Beschwerdeführerin  jedoch  in  vielen  anderen  Punkten  zu  durchaus zutreffenden Angaben in der Lage war (bspw. Lokalisierung von  X._______,  von  Y._______  bei  T._______,  von  verschiedenen  Quartieren  in  Mogadischu  oder  des  Clans  der  S._______  innerhalb  Somalias),  dass  die  Beschwerdeführerin  zwar  hin  und  wieder  eine  angebliche  Unwissenheit  vorschützte,  weil  sie  nur  selten  in  der  Öffentlichkeit  gewesen  sei,  alleine  daraus  aber  nicht  zu  schliessen  ist,  die  Beschwerdeführerin sei nicht eine somalische Staatsangehörige,  dass das BFM demgegenüber  zu Recht  davon ausgeht,  die Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  über  eine  angebliche  Verschleppung  ihres  Ehemannes  seien  völlig  unglaubhaft,  was  sich  aber  in  entscheidrelevanter  Hinsicht  –  betreffend  die  Frage  der  geltend  gemachten Herkunft – letztlich als nicht erheblich erweist, dass in diesem Zusammenhang aber immerhin angemerkt werden kann,  dass  von  der  Beschwerdeführerin  an  sich  schon  am  Ende  der  Kurzbefragung  offengelegt  wurde,  dass  ihr  Mann  nicht  im  Bürgerkrieg  verschwunden oder von der Shabaab verschleppt worden ist, sondern er  sie  vielmehr  nur  kurz  nach  der  arrangierten  Heirat  am  gemeinsamen  Wohnort  in  T._______  zurückgelassen  hat,  da  er  zu  seinem  Freundeskreis  und  seiner  Arbeitsstelle  in  Mogadischu  zurückkehren  wollte, was aber vom BFM weder im Rahmen der einlässlichen Anhörung  noch in der angefochtenen Verfügung erkannt worden ist,  dass  nach  vorstehenden  Erwägungen  der  Schluss  des  BFM,  bei  der  Beschwerdeführerin handle es sich um eine Staatsangehörige von Kenia,  nicht  überzeugen  kann,  sondern  alleine  von  der  geltend  gemachten 

D­6809/2011 somalischen Staatsangehörigkeit ausgegangen werden muss, womit der  angefochtenen Verfügung die tragende Basis entzogen ist,  dass  bei  dieser  Sachlage  –  in  Gutheissung  der  Beschwerde  –  die  angefochtene Verfügung aufzuheben ist,  dass in der Folge die Akten zur vollständigen Feststellung und Würdigung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  anschliessenden  Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen sind (Art. 61 Abs. 1 VwVG),  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs.  1  ­  3  VwVG),  womit  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  (im Sinne  von Art.  65  Abs.  1  VwVG)  gegenstandslos  wird, dass  aufgrund  der  Akten  kein  Anlass  zur  Annahme  besteht,  der  nicht  vertretenen  Beschwerdeführerin  seien  durch  die  Beschwerdeführung  relevante  Kosten  erwachsen,  weshalb  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (vgl. dazu Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 4 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  (Dispositiv nächste Seite)

D­6809/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird – im Sinne der Erwägungen – gutgeheissen. 2.  Die Verfügung des BFM vom 19. Dezember 2011 wird aufgehoben und  die  Sache  zur  vollständigen  Feststellung  und  Würdigung  des  rechtserheblichen Sachverhalts und zur anschliessenden Neubeurteilung  an das BFM zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Lorenz Mauerhofer Versand:

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