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Bundesverwaltungsgericht 05.01.2012 D-6446/2011

January 5, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,591 words·~8 min·3

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Oktober 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6446/2011 Urteil   v om   5 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch Silvan Ulrich, Advokat,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 27. Oktober 2011 / N (…).

D­6446/2011 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  gelangte  der  Beschwerdeführer  am  14.  Juni  2011  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz,  wo  er  am  folgenden  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um Asyl nachsuchte. Dazu wurde er am 21. Juni 2011 durch das BFM im  EVZ  B._______  befragt  (Kurzbefragung)  und  am  18.  Oktober  2011  in  C._______ angehört (Anhörung). Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend, er sei kurdischer Ethnie, stamme aus der Provinz  D._______  und  habe  die  letzten  zwanzig  Jahre  vor  der  Ausreise  in  E._______  gewohnt.  Seit  seiner  Gymnasialzeit  sei  er  viele  Male  festgenommen  und  während  längstens  zwei  Wochen  bei  der  Antiterroreinheit  festgehalten  worden,  insbesondere  da  er  sich  politisch  betätigt  habe. Mit  der Hilfe  von Anwälten oder Menschenrechtsvereinen  sei er  jeweils wieder  freigekommen. Zuletzt sei er  im Frühling 2011 von  der Polizei mitgenommen und an einem ihm unbekannten Ort eine Nacht  lang festgehalten worden. In dieser Nacht sei er verhört und misshandelt  worden.  Da  er  ein  aktives  Mitglied  der  BDP  (Barış  ve  Demokrasi  Partisi/Partei  des  Friedens  und  der  Demokratie)  sei,  hätten  ihn  die  Polizisten  zudem aufgefordert,  für  sie als Spitzel  tätig  zu sein. Er habe,  aus Angst um sein Leben, eingewilligt. Zirka  fünfzehn Tage nach seiner  Freilassung sei  ihm telefonisch mitgeteilt worden, er solle sich zu einem  Kaffeehaus  in  E._______  begeben.  Dort  habe  er  zwei  der  Polizisten  getroffen,  die  ihn  fünfzehn  Tage  zuvor  verhört  und misshandelt  hätten.  Diese  hätten  ihm  einen  Codenamen  zugeteilt  und  ihm  eine  Telefonnummer  gegeben  sowie  ihn  erneut  aufgefordert,  sie  telefonisch  über  Neuigkeiten  bezüglich  der  BDP  zu  informieren.  Da  er  das  Gefühl  gehabt habe, er müsse ihnen etwas mitteilen, habe er ihnen am 30. Mai  2011 eine belanglose Information anvertraut. Weil er Angst gehabt habe,  erneut  festgenommen  oder  gar  beseitigt  zu  werden,  habe  er  sich  entschlossen,  sein  Heimatland  zu  verlassen.  Deshalb  habe  er  am  10.  Juni 2011 mit  der Hilfe eines Schleppers die Türkei  per LKW verlassen  und  sei  durch  ihm  unbekannte  Länder  in  die  Schweiz  gereist.  Für  die  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers  wird  auf  die  Protokolle  bei  den Akten verwiesen. Im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  reichte  der  Beschwerdeführer  seine  Identitätskarte sowie seinen Führerschein zu den Akten.

D­6446/2011 B.  Mit Verfügung vom 27. Oktober 2011 – eröffnet am 31. Oktober 2011 –  stellte  das BFM  fest,  die Asylvorbringen  des Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  stand.  Demzufolge  verneinte  es  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers,  lehnte  dessen  Asylgesuch  ab  und  verfügte  die  Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug.  Das  Bundesamt  begründete  seinen  ablehnenden  Entscheid  hauptsächlich damit, der Sachverhaltsvortrag des Beschwerdeführers sei  widersprüchlich  und  durch  nachgeschobene  Aussagen  gekennzeichnet.  Zudem  seien  seine  Aussagen  realitätsfremd.  Ausserdem  habe  der  Beschwerdeführer nicht plausibel zu erklären vermocht, weshalb er sich – angeblich  über  einen  Schlepper  –  überhaupt  einen  Reisepass  habe  ausstellen lassen, welchen er letztendlich gar nicht mitgenommen haben  wolle  und  der  beim  Schlepper  geblieben  sei.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  wiesen  insgesamt  eindeutige  Kennzeichen  einer  konstruierten Verfolgungsgeschichte auf und erweckten alles in allem den  Eindruck,  er  habe  bei  seinen  Schilderungen  nicht  auf  Erinnerungen  an  tatsächliche  Begebenheiten  zurückgreifen  können,  sondern  lediglich  versucht,  seine  angebliche  Verfolgungssituation  in  allgemein  bekannte  Umstände  in  seinem  Heimatland  einzubetten,  ohne  davon  betroffen  gewesen  zu  sein.  Vor  dem  Hintergrund  dieser  gravierenden  Unglaubhaftigkeitsmerkmale  könne  der  Sachverhaltsvortrag  nicht  geglaubt werden. Hinsichtlich der Wegweisung hielt das BFM  fest, dass  deren  Vollzug  zulässig,  zumutbar  und  möglich  sei.  Für  die  weitere  Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. C.  Mit  Beschwerde  vom  28.  November  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter beantragen, es sei die Verfügung vom 27. Oktober 2011  aufzuheben  und  ihm  Asyl  zu  erteilen.  Eventualiter  sei  er  vorläufig  aufzunehmen. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit  für den  Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.  D.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  2.  Dezember  2011  wurde  dem  Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der 

D­6446/2011 Schweiz  abwarten  könne.  Der  Aufforderung,  einen  Kostenvorschuss  zu  bezahlen, kam der Beschwerdeführer am 8. Dezember 2011 nach.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerden  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor,  das Bundesverwaltungsgericht entscheidet demnach endgültig. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtenen  Verfügungen  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung,  weshalb  er  zur  Einreichung  der  Beschwerden  legitimiert  ist  (Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  37 VGG und Art.  48 Abs.  1 VwVG). Auf  die  Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­6446/2011 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  (Art. 111  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.  5.1.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Wortlaut  sämtlicher  Protokolle  mit  seiner  Unterschrift  bestätigt  hat  und  sich  deshalb  seine  Aussagen  grundsätzlich  entgegenhalten  lassen  muss,  zumal  er  die  übersetzenden  Personen  bei  beiden  Befragungen  gut  verstanden  haben  will  (vgl.  Akten  BFM  A  3/8  S.  6,  A  8/14  S.  1).  Das  (sinngemässe)  Vorbringen  in  der  Rechtsmittelschrift,  wonach  der  Beschwerdeführer  unter  psychischen  Problemen  leide,  weshalb  seine  Aussagen, welche nach Auffassung des BFM als unglaubhaft erscheinen  würden, "nicht notwendigerweise als das zu verstehen" seien, ist leidglich  als  Schutzbehauptung  zu  werten,  um  die  widersprüchlichen  und  unplausiblen Aussagen zu rechtfertigen, zumal den Akten keine Hinweise  zu  entnehmen  sind,  der  Beschwerdeführer  sei  psychisch  nicht  in  der  Lage gewesen, seine Asylgründe vorzutragen.  5.2. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  –  festzustellen,  dass  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7 AsylG nicht  standzuhalten vermögen. Beispielsweise sagte er bei  der  Kurzbefragung  aus,  seine  letzte  Festnahme  sei  am  15.  April  2011  erfolgt (A 3/8 S. 5), während er anlässlich der Anhörung zu Protokoll gab,  er  sei  zuletzt am 3. Mai 2011  festgenommen worden  (A 8/14 S. 4, 10). 

D­6446/2011 Auf Vorhalt machte er  lediglich geltend, er wisse nicht, wieso er bei der  Kurzbefragung  gesagt  habe,  er  sei  am  15.  April  2011  zuletzt  festgenommen  worden  (A  8/14  S.  12).  In  Berücksichtigung  des  Umstandes,  dass  die  letzte  Festnahme  kurz  vor  der  Ausreise  stattgefunden haben soll, ist zu erwarten, dass der Beschwerdeführer das  einschneidende  Erlebnis  widerspruchsfrei  zu  datieren  vermag.  Im  Weiteren machte  der Beschwerdeführer  anlässlich  der Anhörung  zuerst  geltend,  er  sei  seit  seinem  achtzehnten  Lebensjahr  Mitglied  in  verschiedenen Parteien gewesen  (A 8/14 S. 8), während er kurz darauf  erklärte, er sei weder bei der HADEP (Halkin Demokrati Partisi/Partei der  Demokratie  des  Volkes)  noch  bei  der  DTP  (Demokratik  Toplum  Partisi/Partei  für  eine  demokratische Gesellschaft) Mitglied  gewesen,  er  sei erst im Jahre 2008 bei der BDP Mitglied geworden (A 8/14 S. 8 f.). Gegen das vom Beschwerdeführer  vorgebrachte politische Engagement  und  damit  für  die  Unglaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Verfolgungsvorbringen  spricht  auch  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der Anhörung  tatsachenwidrig  zu Protokoll  gab,  die  direkte  Nachfolgepartei  der  aufgelösten  HADEP  sei  die  DTP  gewesen  (A 8/14 S.  8). Hätte  sich der Beschwerdeführer  tatsächlich  im  geltend  gemachten  Ausmass  politisch  engagiert,  hätte  er  bei  der  Anhörung  mit  Sicherheit  anzugeben  vermocht,  aus  welcher  Bewegung  die DTP hervorging. Weiter  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Laufe  des  Asylverfahrens wesentliche Vorbringen unbegründet nachgeschoben hat.  So machte er erst anlässlich der Anhörung geltend, er habe sich fünfzehn  Tage nach seiner letzten Festnahme im Frühling 2011 mit zwei Polizisten  in einem Kaffeehaus getroffen, wo man ihm einen Codenamen und eine  Telefonnummer  gegeben  sowie  ihn  erneut  zur  Spitzeltätigkeit  aufgefordert habe  (A 8/14 S. 6  f.). Es  ist nicht nachvollziehbar, weshalb  der  Beschwerdeführer  dieses  wesentliche  Sachverhaltselement  nicht  schon bei der Kurzbefragung zumindest ansatzweise erwähnte, zumal er  bei  der  Anhörung  zu  Protokoll  gab,  nach  diesem  Treffen  habe  er  kein  Vertrauen mehr in die Leute gehabt, von da an habe er Angst gehabt (A  8/14 S. 7). Zweifel  an  der  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Verfolgungssituation  begründet  auch  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  nicht  in  der  Lage  war,  die  konkrete Bezeichnung der Antiterroreinheit  anzugeben, welche  ihn  viele 

D­6446/2011 Male  festgenommen  haben  soll  (A  3/8  S.  5,  A  8/14  S.  4).  Wäre  es  tatsächlich  zu  den  behaupteten  Festnahmen  gekommen,  hätte  der  Beschwerdeführer in der Lage sein müssen, den richtigen Namen dieser  Antiterroreinheit zu nennen.  Unglaubhaft sind ausserdem die Aussagen des Beschwerdeführers zum  Verbleib  seines  Reisepasses,  zumal  er  bei  der  Anhörung  einerseits  behauptete,  er  habe  sich  den  Pass  für  seine  Ausreise  aus  der  Türkei  ausstellen  lassen,  er  aber  andererseits  kurz  darauf  vorbrachte,  er  sei  ohne  den Pass  und  ohne  den Schlepper,  dem  er  den Pass  übergeben  habe,  ausgereist  (A  8/14,  S.  2  f.).  Der  Einwand  in  der  Beschwerde,  wonach  den  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  hinsichtlich  des  Verbleibes  seines  Reisepasses  nichts  Aussergewöhnliches  oder  Unglaubhaftes anhafte, überzeugt das Gericht nicht. Aufgrund des soeben ausgeführten ist davon auszugehen, es handle sich  bei  den  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  um  ein  Sachverhaltskonstrukt,  weshalb  auch  nicht  geglaubt werden  kann,  dass  er bei einer Rückkehr in die Türkei von den türkischen Behörden verfolgt  würde,  wie  das  von  ihm  geltend  gemacht  wird.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  weitere  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  einzugehen.  Da  die  vom  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  geltend  gemachten Verfolgungsvorbringen den umschriebenen Anforderungen an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  genügen,  kann  darauf  verzichtet  werden,  die  Asylrelevanz dieser Vorbringen zu prüfen.  5.3. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen oder  zumindest  glaubhaft  zu machen,  dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile erlitten hat oder solche bei der  Ausreise  zu  befürchten  hatte  beziehungsweise  im  Fall  der  Rückkehr  in  die  Türkei  befürchten  müsste.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  und  Einwände  in  der  Beschwerde  ist  nicht  einzugehen,  da  sie  am Ergebnis  nichts  ändern.  Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  demnach zu Recht abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

D­6446/2011 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2.  7.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten 

D­6446/2011 (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  der  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  der  Türkei  lässt  den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig.  7.3.  7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2. Vorab  ist  festzustellen, dass angesichts der heutigen Lage  in der  Türkei  nicht  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  von  krie­ gerischen oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen werden  kann, welche für den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine konkrete  Gefährdung darstellen würde.

D­6446/2011 7.3.3. Auch aufgrund der persönlichen Situation des Beschwerdeführers  sind  keine  Gründe  ersichtlich,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs sprechen. Der – soweit den Akten zu entnehmen  ist – gesunde Beschwerdeführer verfügt über jahrelange Berufserfahrung  als (…), weshalb anzunehmen ist, er könne sich in seiner Heimat wieder  wirtschaftlich  integrieren. Gemäss seinen Angaben  leben überdies seine  Eltern  sowie  drei  seiner  Geschwister  nach  wie  vor  in  E._______.  Vor  diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in  seiner Heimat  über  ein  soziales Beziehungsnetz  verfügt. Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  genügen  nicht,  um  eine  konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl.  BVGE  2008/34  E.  11.2.2).  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung somit auch als zumutbar zu bezeichnen. 7.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.  Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Folglich  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtenen  Verfügungen  Bundesrecht  nicht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  sind  (Art.  106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt  Fr.  600.–  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  8.  Dezember  2011  in  derselben  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen.

D­6446/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­6446/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  am  8.  Dezember  2011  vom  Beschwerdeführer  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  in  derselben  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-6446/2011 — Bundesverwaltungsgericht 05.01.2012 D-6446/2011 — Swissrulings