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Bundesverwaltungsgericht 16.11.2011 D-2493/2011

November 16, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,273 words·~6 min·4

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. März 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2493/2011 Urteil   v om   1 6 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Maurice Brodard, Richter Martin Zoller;   Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Sri Lanka,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 30. März 2011 / N (…).

D­2493/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden  –  ethnische  Tamilen  aus  D._______  (Halbinsel  Jaffna)  –  mit  Eingaben  vom  30.  Mai  2007  und  vom  31. Juli  2007  (jeweiliger  Eingang  bei  der  Botschaft)  bei  der  schweizerischen  Vertretung in Colombo ein Asylgesuch und ein Gesuch um Einreise in die  Schweiz stellten, dass  die  Vorinstanz  mit  Verfügung  vom  6.  Juli  2010  das  Asylgesuch  ablehnte und die Einreise in die Schweiz nicht bewilligte, dass dieser Entscheid des BFM unangefochten in Rechtskraft erwuchs, dass  die  Beschwerdeführenden  am  13.  Oktober  2010  in  die  Schweiz  einreisten und gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ)  Vallorbe um Asyl nachsuchten, dass  sie  anlässlich  der  Kurzbefragungen  im  EVZ  Vallorbe  vom  19.  Oktober 2010 sowie der Anhörungen vom 18. März 2011 zur Begründung  ihrer  Asylgesuche  im Wesentlichen  geltend machten,  der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  (A._______)  sei  1999  festgenommen  und  von  der  srilankischen Armee, die ihn der Kooperation mit den Liberation Tigers of  Tamil Eelam (LTTE) verdächtigt habe, inhaftiert worden, dass die Beschwerdeführerin dank der Unterstützung der Eelam People's  Democratic Party  (EPDP­Partei) die Freilassung  ihres Ehemannes habe  erwirken können, dass dieser jedoch am (…) getötet worden sei, dass  ihr  ältester  Sohn  (E._______)  anlässlich  einer  Razzia  der  srilankischen  Armee  am  (…)  festgenommen  worden  und  seither  verschwunden sei, dass sie aufgrund dieser Ereignisse und aus Angst davor, auch ihr Sohn  B._______ könnte entführt werden, zusammen mit  ihren beiden Kindern  (B._______  und  C._______)  ihre  Heimat  am  11.  April  2010  auf  dem  Seeweg in Richtung Indien verlassen habe, dass sie am 20. April  2010 vom Flughafen Mumbay nach Kiel  geflogen  und  in  einem  Lastwagen  nach  Polen  weitergereist  seien,  wo  sie  sechs  Monate verbracht hätten, bevor sie in die Schweiz eingereist seien,

D­2493/2011 dass das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden mit Verfügung  vom  30.  März  2011  –  eröffnet  am  1.  April  2011  –  ablehnte  und  die  Wegweisung aus der Schweiz anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im Wesentlichen  anführte,  die  von  den  Beschwerdeführenden  vorgebrachten  tragischen  Ereignisse  seien  geraume Zeit vor ihrer Ausreise vorgefallen, dass  die  Beschwerdeführenden  nach  dem  Tod  ihres  Ehemannes  beziehungsweise Vaters  noch  vier  Jahre  in  Sri  Lanka  verblieben  seien,  ohne wegen den unter Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,  SR 142.31) genannten Gründen Nachteilen ausgesetzt zu sein, dass die Festnahme ihres ältesten Sohnes beziehungsweise Bruders  im  Juli 2009  im Kontext mit dem damals herrschenden Bürgerkrieg  in  ihrer  Heimat zu beurteilen sei, dass  die  Beschwerdeführenden  nicht  angegeben  hätten,  nach  diesem  Ereignis  von  den  Behörden  oder  seitens  Dritter  Nachteilen  ausgesetzt  worden zu sein, dass die von ihnen geäusserten Befürchtungen, von den LTTE oder den  Behörden bedroht und verfolgt zu werden, ins Leere greifen würden, dass  diesbezüglich  darauf  hinzuweisen  sei,  dass  die  LTTE  nach  ihrer  Niederlage gegen die srilankische Armee im Mai 2009 jegliche Aktivitäten  eingestellt hätten, dass  in  Bezug  auf  die  von  der  Armee  ausgehenden  Nachteile  zu  erwähnen sei, dass die heimatlichen Behörden sich gegenwärtig auf die  in  Rehabilitationszentren  inhaftierten  Kriegsveteranen  der  LTTE  konzentrierten, dass  weder  die  Beschwerdeführerin  noch  die  beiden  mit  ihr  in  die  Schweiz  gereisten  Kinder  dem Profil  der  von  der  Armee  verhörten  und  inhaftierten Personen entsprächen, dass  demnach  die  von  ihnen  geäusserten  Befürchtungen  nicht  die  Realität in ihrem Heimatland abbildeten,

D­2493/2011 dass  die  vorgebrachten Gründe  somit  nicht  asylrelevant  seien  und  ihre  Vorbringen  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3 AsylG nicht standhielten, dass  die  Beschwerdeführenden  demzufolge  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht erfüllten, so dass ihre Asylgesuche abzulehnen seien, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  vorliegenden  Fall  sowohl  in  allgemeiner  als  auch  in  individueller  Hinsicht  zulässig,  zumutbar  und  möglich sei, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  2.  Mai  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  sinngemäss  beantragten,  der  Entscheid  des  BFM  sei  aufzuheben,  sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewähren,  eventualiter sei der Vollzug der Wegweisung auszusetzen und sie seien  vorläufig aufzunehmen, dass in prozessualer Hinsicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  zu  verzichten  sei  und  ihnen  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu  gewähren sei, dass  sie  zur  Untermauerung  ihrer  Vorbringen  Ausschnitte  des  Berichts  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe mit  dem  Titel  "Sri  Lanka  – mise  à  jour: situation actuelle" vom 1. Dezember 2010 zur humanitären Lage  in  Sri Lanka ins Recht legten, dass  auf  die  Begründung  der  Beschwerde  und  das  eingereichte  Beweismittel  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  Erwägungen  eingegangen wird, dass der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 11. Mai 2011 das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  abwies  und  die  Beschwerdeführenden  –  unter  Hinweis  auf  die  Säumnisfolgen –  aufforderte, innert Frist eine Kostenvorschuss von Fr. 600.­ zu leisten, dass  die Beschwerdeführenden  den Kostenvorschuss  am 18. Mai  2011  fristgerecht leisteten,

D­2493/2011 dass  die  Beschwerdeführenden  zur  Untermauerung  der  vorgebrachten  Asylgründe  am  24.  Juni  2011  ein  Schreiben  der  Mutter  der  Beschwerdeführerin, welches auf den 27. April 2011 datiert, zu den Akten  reichten, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  kein  solches  Auslieferungsbegehren  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde,

D­2493/2011 dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  dieselben  Asylgründe  wie im bereits erfolglos und mit Verfügung vom 6. Juli 2010 rechtskräftig  abgeschlossenen Auslandverfahren vorbringen, dass diesbezüglich auf die vorinstanzlichen Akten zu verweisen ist, dass einerseits die Tötung ihres Ehemannes beziehungsweise Vaters am  (…) und andererseits das Verschwinden ihres älteren Sohnes respektive  Bruders  (E._______)  am  (…)  sie  veranlasst  hätten,  ihr  Heimatland  zu  verlassen, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  die  Glaubhaftigkeit  dieser  Vorbringen  grundsätzlich  nicht  in  Frage stellt, dass  die  beiden  Vorfälle  jedoch  keinen  erkennbaren  Zusammenhang  haben, dass  die  Beschwerdeführenden  erst  acht  Monate  nach  dem  Verschwinden ihres ältesten Sohnes beziehungsweise Bruders Sri Lanka  verlassen haben,

D­2493/2011 dass  sie  gemäss  eigenen  Angaben  in  der  Zwischenzeit  keine  nennenswerten  Benachteiligungen  durch  die  heimatlichen  Behörden  zu  erleiden hatten, dass  diesbezügliche  Befürchtungen  aufgrund  der  Aktenlage  sowie  der  allgemeinen und aktuellen Situation in Sri Lanka nicht plausibel sind, dass die Beschwerdeführenden zudem gemäss eigenen Angaben nie für  die LTTE tätig gewesen waren, dass  die  LTTE  ohnehin  nach  ihrer  Niederlage  gegen  die  srilankische  Armee im Mai 2009 jegliche Aktivitäten eingestellt haben, dass  sich  die  politische  Lage  in  Sri  Lanka  seit  Beendigung  des  Bürgerkrieges fortlaufend entspannt und verbessert, dass  es  unwahrscheinlich  erscheint,  dass  die  Beschwerdeführerin  oder  die beiden mit  ihr  in die Schweiz eingereisten Kinder bei einer Rückkehr  nach  Sri  Lanka  Gefahr  laufen  werden,  von  der  Armee  verhört  oder  sonstwie benachteiligt zu werden, dass  sie  den  Erwägungen  der  Vorinstanz  nichts  Substanzielles  entgegenhalten,  sondern  sich  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  vom  2.  Mai  2011  auf  die  Wiederholung  des  Sachverhalts  und  die  Schilderung  der  allgemein schwierigen Lage in Sri Lanka beschränken, dass  deshalb  zudem  –  um  Wiederholungen  zu  vermeiden  ­  vollumfänglich  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung verwiesen werden kann, dass an dieser Einschätzung auch das  ins Recht gelegte Schreiben der  Mutter  der  Beschwerdeführerin  vom  27.  April  2011  nichts  zu  ändern  vermag,  da  der  darin  geschilderte  Sachverhalt  an  sich  unbestritten,  indessen  vom  BFM  zu  Recht  als  asylrechtlich  unerheblich  erachtet  worden ist, dass  die  von  den  Beschwerdeführenden  vorgebrachten  Gründe  somit  nicht  asylrelevant  sind  und  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten, dass  es  den  Beschwerdeführenden  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu 

D­2493/2011 machen, weshalb  das  Bundesamt  die  Asylgesuche  zu Recht  abgelehnt  hat, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.9  S.  733  m.w.H.;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 

D­2493/2011 grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011  angesichts  der  veränderten  Lage nach dem Ende des sri­lankischen Bürgerkriegs  im Mai 2009 eine  aktuelle Einschätzung vorgenommen hat,  dass  danach  der  Wegweisungsvollzug  in  diejenigen  Gebieten  der  Nordprovinz, welche seit  längerer Zeit  unter Regierungskontrolle  stehen  (Distrikte  Jaffna  und  die  südlichen  Teile  der  Distrikte  Vavuniya  und  Mannar),  grundsätzlich  zumutbar  ist,  jedenfalls  in  Bezug  auf  Personen,  welche  dieses  Gebiet  nach  Mai  2009  verlassen  haben  und  dort  gleichwertige Lebensbedingungen vorfinden (a.a.O., E. 13.2.1.1), dass  die  Beschwerdeführenden  aus  D._______  (Halbinsel  Jaffna)  stammen und dort nach ihren Angaben bis 2006 gelebt haben, dass sie danach – mit Zwischenaufenthalten in Colombo – ab November  2007 bis zu ihrer Ausreise im April 2010 in F._______ / Vavuniya gelebt  hätten, dass  somit  die  Voraussetzungen  für  eine  zumutbare  Rückkehr  gemäss  der erwähnten aktuellen Lagebeurteilung erfüllt sind, und zwar sowohl in  Bezug auf ihren Heimatort D._______, wo sich ihr Elternhaus befindet, in  welchem  noch  der  Bruder  und  die  Mutter  der  Beschwerdeführerin  wohnen  (vgl.  B13,  S.  7),  als  auch  inbezug  auf  ihren  letzten  Wohnort  Vavuniya, wo sie sich dreinhalb Jahre bis zu  ihrer Ausreise aufgehalten  haben, dass  auch  keine  übrigen  Gründe  zu  erkennen  sind,  welche  die  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  in  ihre  Heimat  in  eine  existenzielle Notlage bringen könnten,

D­2493/2011 dass die Beschwerdeführerin  nach dem Tod  ihres Ehemannes mit  ihrer  Arbeit als Schneiderin für den Familienunterhalt hat aufkommen können, dass  –  abgesehen  von  den  noch  in  Sri  Lanka  lebenden  Verwandten –  (vgl.  B5,  S.  3  und B13,  S.7)  auch  der mittlerweile  volljährig  gewordene  Sohn  B._______  und  die  nunmehr  14­jährige  Tochter  C._______  sie  werden unterstützen können, dass  auch  die  (weitere)  medizinische  Versorgung  der  Beschwerdeführerin  (gemäss  eigenen  Angaben  leide  sie  unter  Bluthochdruck  [vgl.  B5,  S.  7])  beziehungsweise  der  Beschwerdeführenden in ihrer Heimat gewährleistet sein dürfte, dass  in Berücksichtigung sämtlicher  für den vorliegenden Fall  relevanter  Aspekte  der  Vollzug  der  Wegweisung  daher  auch  unter  individuellen  Gesichtspunkten zumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es den Beschwerdeführenden obliegt,  bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen und mit dem am  18.  Mai  2011  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

D­2493/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­2493/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Stadelmann Versand:

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