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Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 C-4641/2011

January 20, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,397 words·~7 min·2

Summary

Schengen-Visum | Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf C._ A._

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­4641/2011 Urteil   v om   2 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richterin Ruth Beutler,    Gerichtsschreiberin Giulia Santangelo. Parteien S._______,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf  C._______.

C­4641/2011 Sachverhalt: A.  Die  aus  Thailand  stammende  C._______  (geb.  1987,  nachfolgend:  Gesuchstellerin bzw. Eingeladene) beantragte am 28. April 2011 bei der  Schweizerischen Botschaft in Bangkok ein Schengenvisum für die Dauer  von drei Monaten. Als Zweck der beabsichtigten Reise gab sie an, den im  Kanton  Zürich  wohnhaften  Schweizerbürger  S._______  (geb.  1961,  im  Folgenden: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) besuchen zu wollen. B.  Mit  Verfügung  vom  29.  April  2011  wies  die  Schweizervertretung  den  Visumsantrag  ab.  Dagegen  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesamt  für Migration  (BFM) am 10. Mai 2011  frist­  und  formgerecht  Einsprache.  In  der  Folge  wurden  die  Gesuchsunterlagen  zwecks  Durchführung  ergänzender  Abklärungen  beim  Gastgeber  an  das  Migrationsamt des Kantons Zürich übermittelt. C.  Am  12.  August  2011  wies  die  Vorinstanz  die  Einsprache  ab.  Zur  Begründung  führte  das  Bundesamt  im  Wesentlichen  aus,  der  Aufenthaltszweck  und  die  Umstände  für  den  Aufenthalt  seien  nicht  genügend  belegt  worden,  weshalb  Zweifel  an  einer  fristgerechten  Wiederausreise  bestehen  würden.  Die  Gesuchstellerin  stamme  aus  einem  Land,  aus  welchem  als  Folge  der  dort  herrschenden  wirtschaftlichen  Verhältnisse  ein  anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck  festzustellen  sei.  Die  Eingeladene  stehe  gegenwärtig  in  keinem  Arbeitsverhältnis,  sei  ledig  und Mutter  einer  siebenjährigen  Tochter.  Es  oblägen ihr daher familiäre Verantwortlichkeiten, die sich kaum mit einer  dreimonatigen  Abwesenheit  vereinbaren  lassen  dürften.  Zudem  bestünden keine zwingenden beruflichen Verpflichtungen im Heimatland,  die  gegebenenfalls  Gewähr  für  eine  fristgerechte  Rückkehr  bieten  könnten. D.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  23.  August  2011  beantragt  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  die  Aufhebung  des  Einspracheentscheids der Vorinstanz und die Erteilung des gewünschten  Besuchervisums  an  die  Gesuchstellerin.  Zur  Begründung  bringt  er  im  Wesentlichen  vor,  die  Vorinstanz  gehe  zu  Unrecht  davon  aus,  die  Wiederausreise  der  Eingeladenen  nach  einem  Besuchsaufenthalt  wäre  nicht  gesichert,  habe  er  doch  mit  seiner  Unterschrift  die  fristgerechte 

C­4641/2011 Ausreise  zugesichert.  Die  alleinerziehende  Eingeladene  arbeite  ­  nachdem sie  ihre vorherige Arbeitsstelle verloren hatte ­ nun wieder. Da  der  Arbeitsort  weit  von  ihrem  zu  Hause  entfernt  sei,  lebe  ihre  siebenjährige  Tochter  bei  den  Grosseltern.  Schon  kulturbedingt  sei  sie  sehr familienbezogen, weshalb sie, selbst wenn sie  ihre Tochter nur alle  paar Monate sähe, auch  ihretwegen  in  jedem Fall wieder nach Thailand  zurück wolle. Bezüglich der Aufenthaltsdauer sei es zudem  in Ordnung,  wenn  die  Eingeladene  das  erste  Mal  nur  für  einen  oder  zwei  Monate  kommen könnte. E.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  19.  September  2011  spricht  sich  die  Vorinstanz für die Abweisung der Beschwerde aus. F.  Mit  Replik  vom  2.  November  2011  reicht  der  Beschwerdeführer  Kopien  einer  Arbeitsbescheinigung  sowie  einer  Verpflichtungserklärung  der  Gesuchstellerin ein. G.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021), welche  von  einer  in  Art. 33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen u.a. Verfügungen bzw. Einspracheentscheide des BFM, mit denen  die  Erteilung  eines  Schengenvisums  zu  Besuchszwecken  verweigert  wird.  In  dieser  Materie  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]).

C­4641/2011 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  VwVG (Art. 37 VGG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3.  Das  schweizerische Ausländerrecht  kennt weder  ein  allgemeines Recht  auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung  eines  Visums.  Die  Schweiz  ist  daher  –  wie  andere  Staaten  auch –  grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt  es  sich  dabei  um  einen  autonomen  Entscheid  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). 4.  Die inländischen Bestimmungen über das Visumsverfahren und über die  Ein­  und  Ausreise  finden  Anwendung,  sofern  die  Schengen­ Assoziierungsabkommen  keine  abweichenden  Bestimmungen  enthalten  (vgl. Art. 2 Abs. 4 und 5 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005  über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 5. 

C­4641/2011 5.1. Angehörige  von Drittstaaten  benötigen  zur  Einreise  in  die  Schweiz  bzw.  den  Schengenraum  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  gültige  Reisedokumente,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen,  und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG  sowie  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom  22. Oktober  2008  über  die  Einreise  und  die Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  [EG]  Nr. 562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März  2006  über  einen  Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen  [nachfolgend:  Schengener  Grenzkodex,  SGK,  ABl. L  105  vom  13.04.2006, S. 1–32]  und Art.  2  der Verordnung  [EU] Nr.  265/2010  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  25.  März  2010  zur  Änderung des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens  von Schengen und der Verordnung [EG] Nr. 562/2006  in Bezug auf den  Verkehr  von  Personen  mit  einem  Visum  für  einen  längerfristigen  Aufenthalt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1–4]). 5.2.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle Mittel  verfügen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 5  Abs. 1  Bst. c  SGK  und  Art.  14  Abs.  1  Bst.  a–c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli  2009 über  einen Visakodex der Gemeinschaft  [nachfolgend: Visakodex,  ABl. L 243 vom 15.09.2009, S. 1–58]). Namentlich haben sie zu belegen,  dass  sie  den  Schengenraum  vor  Ablauf  der  Gültigkeitsdauer  des  beantragten Visums wieder verlassen bzw. Gewähr  für  ihre  fristgerechte  Wiederausreise  zu  bieten  (Art.  14  Abs.  1  Bst.  d  und  Art.  21  Abs.  1  Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG). Ferner dürfen Drittstaatsangehörige  nicht  im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen  eines  Mitgliedstaats  darstellen  (Art. 5  Abs. 1  Bst. c  AuG,  Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 5.3.  Werden  die  Voraussetzungen  für  die  Ausstellung  eines  für  den  Schengenraum  einheitlichen  Visums  nicht  erfüllt,  so  kann  in  Ausnahmefällen  ein  Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit  erteilt  werden.  Unter  anderem  kann  der  betreffende  Mitgliedstaat  von  dieser  Möglichkeit  Gebrauch  machen,  wenn  er  es  aus  humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler 

C­4641/2011 Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. zum Ganzen Art. 25 Abs. 1 Bst.  a Visakodex; ebenso Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5.4. Gemäss Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom  15. März  2001  (ABl.  L  81  vom  21.03.2001,  S.  1  –  7)  unterliegt  die  Gesuchstellerin als thailändische Staatsangehörige der Visumspflicht. 6.  6.1. Zur Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise muss ein  zukünftiges  Verhalten  beurteilt  werden.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten  Feststellungen,  sondern  lediglich  Voraussagen  machen.  Dabei  sind  sämtliche  Umstände  des  konkreten  Einzelfalles  zu  würdigen. 6.2.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  fristgerechten  Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im  Herkunftsland  der  Besucherin  oder  des  Besuchers  ergeben.  Einreisegesuche  von  Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit  politisch oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen  Verhältnissen  können  darauf  hindeuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht mit  dem  Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich  befristeten  Einreisebewilligung  in  Einklang steht. Die Gesuchstellerin stammt aus Thailand. Die Wirtschaft dieses Landes  hat  sich  von  der  internationalen  Wirtschaftskrise  deutlich  erholt.  Die  Sicherung  eines  „Wachstums  für  alle“  und  die  Vollendung  der  ASEAN  Wirtschaftsgemeinschaft  2015  stehen  für  die  seit  August  2011  amtierende  Regierung  unter  Premierministerin  Yingluck  Shinawatra  im  Vordergrund. 2010 hatte die thailändische Wirtschaft – unbeeindruckt von  den  innenpolitischen  Konflikten  –  mit  einem  Wachstum  des  Bruttoinlandsprodukts  von  7,8  Prozent  eine  bemerkenswerte  Erholung  erlebt. Hauptgrund dafür war die stark anziehende Exportnachfrage aus  den  Hauptabnehmerländern  (ASEAN,   Japan,  China,  EU,  USA).  Das  Wachstum des BIP  stieg 2010 nach dem Einbruch  von  ­2,3 Prozent  im  Jahr  2009  um  7,8  Prozent.  Hauptträger  des  Wachstums  war  der  Exportsektor  (+ 30 Prozent). Für das Jahr 2011 wurde ein pro­Kopf BIP  von  5'359  USD  prognostiziert.  Die  offizielle  Arbeitslosenquote  liegt  bei  niedrigen  1,1  Prozent  (vgl.  zu  den  wirtschaftlichen  Indizes  die  Länder­  und  Reiseinformationen  auf  der  Website  des  Deutschen  Auswärtigen  Amtes: <www.auswaertiges­amt.de>, Reise und Sicherheit > Thailand >  Reiseinformationen  >  Wirtschaft,  Stand:  September  2011,  besucht  im  http://www.auswaertiges-amt.de

C­4641/2011 Januar 2012). Die grundsätzlich ermutigende wirtschaftliche Entwicklung  kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass nach wie vor breite  Bevölkerungsschichten  von  vergleichsweise  schwierigen  ökonomischen  und sozialen Lebensbedingungen betroffen sind. Das Bruttoinlandprodukt  (BIP) pro Kopf der Bevölkerung betrug im Jahre 2010 nämlich nur gerade  4'720 USD (Schweiz: 70'000 USD; Quelle: <www.auswaertiges­amt.de>,  Reise  und  Sicherheit  >  Thailand,  Stand:  September  2011,  besucht  im  Januar 2012). 6.3.  Vor  dem  Hintergrund  der  fortbestehenden  ungünstigen  Lebensverhältnisse  ist  –  vor  allem  in  der  jüngeren  Bevölkerung  –  ein  starker  Migrationsdruck  festzustellen.  Dabei  gilt  auch  die  Schweiz  als  Zielland  vieler  Auswanderer  im  erwerbsfähigen  Alter,  welche  sich  hier  unter  besseren  Lebensbedingungen  eine  (neue)  Existenz  aufbauen  möchten. Diese Tendenz zur Auswanderung wird erfahrungsgemäss dort  noch  begünstigt,  wo  bereits  ein  soziales  Beziehungsnetz  (Verwandte,  Freunde) im Ausland besteht. Im Falle der Schweiz führt dies angesichts  der  restriktiven  Zulassungsregelung  oftmals  zur  Umgehung  ausländerrechtlicher  Bestimmungen.  Dabei  wird  nicht  selten  versucht,  den  Aufenthalt  zu  verlängern  oder  –  beispielsweise  durch  Ausbildung  oder Heirat – auf eine andere migrationsrechtliche Grundlage zu stellen. 7.  7.1. Die Gesuchstellerin  ist eine 24­jährige, unverheiratete Frau, welche  nach Angaben des Beschwerdeführers alleine  in Bang Lamung  lebt  um  dort  zu  arbeiten,  während  die  siebenjährige  Tochter  bei  ihren  Eltern  in  Saraburi  ca.  230  km  entfernt  lebt.  Auf  den  ersten  Blick  könnte  der  Umstand, dass die Eingeladene für die Dauer ihres Besuchsaufenthaltes  in der Schweiz ihr minderjähriges Kind in der Heimat zurücklassen würde,  durchaus für eine gewisse Verwurzelung sprechen. Andererseits lässt die  Tatsache, dass die Tochter bei den Grosseltern lebt, nicht ohne weiteres  darauf  schliessen,  die  Anwesenheit  der  Gesuchstellerin  sei  für  die  Belange  ihrer  Familie  unverzichtbar;  aufgrund  der  Aktenlage  ist  eher  davon auszugehen, die Unterstützung der Eltern sowie die Betreuung der  Tochter  könne  durchaus  für  längere  Zeit  auch  auf  andere  Weise  sichergestellt  werden,  was  denn  auch  vom  Beschwerdeführer  nicht  in  Abrede  gestellt  wird.  Im  Übrigen  zeigt  die  Erfahrung,  dass  gerade  in  Situationen  angespannter  wirtschaftlicher  und/oder  politischer  Verhältnisse  selbst  zurückbleibende nahe Angehörige  regelmässig nicht  verlässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Emigration zu  fällen,  sei  dies  etwa  in  der  Hoffnung,  die  Zurückgebliebenen  aus  dem  http://www.auswaertiges-amt.de

C­4641/2011 Ausland wirtschaftlich effizienter unterstützen oder gegebenenfalls später  nachziehen zu können. 7.2.  Auch  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Gesuchstellerin  bieten  keine  besondere  Gewähr  für  eine  Wiederausreise.  Bei  Gesuchseinreichung  war  die  Eingeladene  arbeitslos.  Während  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  ging  sie  indessen  wieder  einer  Erwerbstätigkeit  nach. Diesbezüglich wendet  der Beschwerdeführer  ein,  dass  er  seine  Freundin  finanziell  unterstütze,  was  er  mittels  Bankauszügen  belegt  und  sie  somit  nicht  zu  arbeiten  bräuchte.  Die  monatlich  überwiesenen  Beiträge  deuten  auf  eine  gewisse  finanzielle  Abhängigkeit  der  Gesuchstellerin  vom  Beschwerdeführer  hin.  Gerade  dies  zeigt,  dass  sie  sich  offensichtlich  nicht  in  einer  derart  vorteilhaften  stabilen  wirtschaftlich  Situation  befindet,  die  das  Risiko  einer  nicht  fristgerechten  Wiederausreise  nach  einem  Besuchsaufenthalt  in  der  Schweiz  entscheidend  herabsetzen  könnte.  Daran  ändert  auch  die  eingereichte  Arbeitsbestätigung  nichts.  Die  Gesuchstellerin  ist  erst  seit  kurzem angestellt, dennoch wurde ihr ohne Weiteres eine mehrmonatige  Landesabwesenheit  gestattet.  Vor  diesem  Hintergrund  gilt  die  Wiederausreise  als  nicht  genügend  gesichert,  zumal  aufgrund  der  Unterstützung  durch  den Gastgeber  auch  keine  finanzielle  Not  besteht,  welche eine Wiederaufnahme der Arbeit erforderlich machen würde. 7.3. Der Beschwerdeführer und die  (wesentlich  jüngere) Gesuchstellerin  kennen sich gemäss eigenen Angaben seit knapp drei Jahren. Ihr Besuch  diene dazu, die Beziehung zu vertiefen und die Familie kennen zu lernen.  Von  daher  bestehen  hinsichtlich  des  Aufenthaltszwecks  unbestrittenermassen  gewisse  Bedenken  und  Unsicherheiten.  Hierbei  geht  es  keineswegs  darum,  eine  mögliche  Heirat  durch  Einreisebestimmungen zu erschweren oder zu verhindern. Wenn aber ein  Visum  für  einen  befristeten  Besuchsaufenthalt  beantragt  wird,  dessen  Erteilung  an  eine  fristgerechte  Wiederausreise  geknüpft  ist,  und  der  Besuch  dann  je  nach  Entwicklung  der  Umstände  für  Heiratsvorbereitungen benutzt wird, dann liegt es auf der Hand, dass die  Beteiligten  versucht  sein  könnten, das Verfahren abzukürzen und sofort  zu  heiraten,  was  eben  nicht  dem  Zweck  eines  befristeten  Besuchsaufenthalts  entspricht.  Einreisegesuche  zwecks  Eheabschluss  richten  sich  derweil  nach  eigenen  Verfahren  mit  besonderen  Zuständigkeiten  (vgl.  Art.  10  und  17  AuG  bzw.  Art.  42  AuG;  vgl.  auch  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­6726/2010 vom 18. Januar 2011  E. 9.2).

C­4641/2011 8.  8.1. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen durfte die Vorinstanz zu  Recht  davon  ausgehen,  die Wiederausreise  der  Gesuchstellerin  sei  im  Sinne  der  massgeblichen  Bestimmungen  nicht  gesichert.  An  der  Richtigkeit  dieser  Einschätzung  vermag  auch  die  Tatsache  nichts  zu  ändern, dass der Beschwerdeführer wiederholt die rechtzeitige Rückkehr  seiner  Freundin  zugesichert  hat.  Die  Integrität  des  Beschwerdeführers  wird  denn  auch  in  keiner  Weise  in  Zweifel  gezogen.  Die  von  ihm  eingegangenen  Verpflichtungen  umfassen  jedoch  ausschliesslich  das  Risiko  ungedeckter  Kosten  im  Zusammenhang  mit  dem  beabsichtigten  Besuchsaufenthalt und sind betragsmässig nach oben beschränkt (Art. 8  Abs. 5 VEV). Demgegenüber kann der Beschwerdeführer in seiner Rolle  als Gastgeber für ein bestimmtes Tun oder Unterlassen des Gastes nicht  rechtswirksam  einstehen  (vgl.  zum  Ganzen  BVGE  2009/27  E.  9).  In  diesem Zusammenhang  bleibt  festzuhalten,  dass  er  die Gesuchstellerin  erst seit knapp drei Jahren – von seinem Ferienaufenthalt in Thailand her  – kennt. Bei dieser Sachlage wird selbst der Beschwerdeführer gewisse  Vorbehalte  anbringen  müssen,  wenn  es  darum  geht,  mögliche  Entwicklungen  in  den  Wünschen  und  Vorstellungen  der  (deutlich  jüngeren)  Gesuchstellerin  betreffend  ihre  kurz­  und  mittelfristige  Lebensgestaltung einschätzen zu können. 8.2. Gründe  für die Ausstellung eines Visums mit  räumlich beschränkter  Gültigkeit  (vgl.  E.  5.3.)  wurden  vom  Beschwerdeführer  nicht  geltend  gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 9.  Aus  den  dargelegten  Gründen  ist  nicht  zu  beanstanden,  dass  die  Vorinstanz das öffentliche  Interesse sowie die Beachtung der geltenden  Bestimmungen  entsprechend  gewichtete  und  der  Gesuchstellerin  die  Einreise verweigerte. Die angefochtene Verfügung  ist somit  im Ergebnis  rechtmässig  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demzufolge  abzuweisen. 10.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  1,  2  und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).

C­4641/2011 (Dispositiv nächste Seite)

C­4641/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  am  7.  September  2011  geleisteten  Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. Zemis 168 702 97 retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich (ad 2'309 233) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Teuscher Giulia Santangelo Versand:

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