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Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 E-8605/2010

1. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,386 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (Safe Country) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Dezember 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­8604/2010 E­8605/2010 Urteil   v om   1 .   S ep t embe r   2011   Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler. Parteien 1. A._______, Beschwerdeführerin (E­8605/2010), und  2. B._______, Beschwerdeführer (E­8604/2010), Mongolei, beide vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer,  (…) Beratungsstelle für Asylsuchende, (…), gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 6. Dezember 2010 /  N (…) und N (…).

E­8604/2010 E­8605/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, I. dass die Beschwerdeführerin  am 6.  Juni  2001 ein  erstes Asylgesuch  in  der Schweiz gestellt hatte, dass das BFM mit Verfügung vom 25. Juni 2001 auf dieses Gesuch nicht  eingetreten war und die Wegweisung der Beschwerdeführerin sowie den  Vollzug verfügt hatte, dass  die  Beschwerdeführerin  eine  bei  der  vormals  zuständigen  Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) erhobene Beschwerde am  30. Oktober  2004  zurückgezogen  hatte,  weil  sie  in  ihr  Heimatland  zurückkehren wollte, worauf  die ARK das Beschwerdeverfahren  am 25.  November 2004 als gegenstandslos geworden abgeschrieben hatte, dass die kontrollierte Ausreise nach Ulaanbaatar am 26. November 2004  erfolgt war,  II. dass die Beschwerdeführerin ihren Angaben zufolge den Heimatstaat  im  Frühling 2006 erneut verlassen und in Österreich ein Asylgesuch gestellt  hatte, dass  sie  auch  dieses  zweite  Asylgesuch  im März  2009  zurückgezogen  hatte und im April 2009 freiwillig in die Mongolei zurückgekehrt war, III. dass die Beschwerdeführerin am 19. Juli 2010 in der Schweiz zusammen  mit dem Beschwerdeführer, ihrem Sohn, ein erneutes Asylgesuch stellte, dass  die  Beschwerdeführerin  am  19.  August  2010  anlässlich  der  Erstbefragung  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ) Kreuzlingen  respektive der Anhörung zu den Asylgründen vom 1. Dezember 2010 zur  Begründung  des  erneuten  Asylgesuchs  ausführte,  sie  habe  in  der  Mongolei  wieder  Schwierigkeiten  bekommen,  weil  sie  (…)  Jahre  zuvor 

E­8604/2010 E­8605/2010 mitgeholfen habe, (…) zu ermöglichen, in die Mongolei zu reisen und sich  dort als Lehrer zu betätigen, dass  in der Regierung vertretene Mitglieder der Kommunistischen Partei  von ihr verlangt hätten, diese (…) wieder ausser Landes zu schaffen, sie  dies  jedoch  nicht  habe  tun  können,  weil  sie  nicht  gewusst  habe,  wie  vorzugehen sei, dass  am  (…)  zwei  in  Zivil  gekleidete  Männer  bei  ihr  zu  Hause  vorgesprochen und versucht hätten, ihr eine Vorladung zu übergeben, dass sie sich geweigert habe, die Vorladung entgegenzunehmen, worauf  sie nach einem mit Handgreiflichkeiten verbundenen Streit abgeführt und  in Untersuchungshaft gesetzt worden sei, dass  sie  während  der  Haftzeit  krankheitshalber  ins  Gefängnisspital  verlegt  und  schliesslich mit  der Auflage  entlassen worden  sei,  sich  den  Behörden zur Verfügung zu halten und das Land nicht zu verlassen,  dass  sie  indessen nach der Entlassung sofort  ihre Ausreise  vorbereitet,  die Mongolei am (…) 2010 verlassen und in der Folge nach China gereist  sei, wohin sie ihren Sohn (Beschwerdeführer) habe nachkommen lassen, dass  der Beschwerdeführer  anlässlich  der Anhörungen  vom 19. August  2010  und  1.  Dezember  2010  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen ausführte, er habe in der Mongolei Schwierigkeiten wegen  der Probleme seiner Mutter gehabt, dass  er  jeweils  bei  seiner Grossmutter  gewohnt  habe, wenn  die Mutter  ausser  Landes  gewesen  sei,  und  dorthin  wiederholt  unbekannte  Personen angerufen und sich nach seiner Mutter erkundigt hätten, dass  ihn  einmal  –  im  Jahr  2009  oder  2010  –  auf  dem  Schulweg  unbekannte  Personen  angesprochen  und  ihn  nach  dem  Aufenthaltsort  seiner Mutter sowie nach ihrer Telefonnummer gefragt hätten, dass er  indessen die verlangten Auskünfte verweigert habe, worauf  jene  Personen wütend geworden seien,  ihn geschlagen und  ihm dabei  unter  anderem die Nase gebrochen hätten, worauf er sich in Spitalpflege habe  begeben müssen,

E­8604/2010 E­8605/2010 dass  die Beschwerdeführenden China Ende  (…)  2010  verlassen  hätten  und auf dem Transitweg durch die Mongolei nach Moskau gereist seien,  wo  sie  sich  bis Anfang  Juni  2010 aufgehalten  hätten,  und  sie  nach der  Weiterreise durch die Ukraine sowie andere, ihnen angeblich unbekannte  Länder schliesslich am 13. Juli 2010 illegal in die Schweiz gelangt seien,  wo beide am 19. Juli 2010 ein Asylgesuch stellten, dass das BFM mit Verfügungen vom 6. Dezember 2010 – eröffnet jeweils  am  10. Dezember  2010  –  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  diese  Asylgesuche  nicht  eintrat  und  erneut  die Wegweisung  aus  der Schweiz  sowie den Vollzug anordnete, dass  die  Bezeichnung  eines  Lands  als  "Safe  Country"  die  Regelvermutung beinhalte, dass asylrelevante staatliche Verfolgung nicht  stattfinde  und  Schutz  vor  nichtstaatlicher  Verfolgung  gewährleistet  sei,  wobei  es  sich  um  eine  relative  Verfolgungssicherheit  handle,  die  im  Einzelfall  aufgrund konkreter und substanziierter Hinweise umgestossen  werden könne, dass  solche  Hinweise  vorliegend  nicht  ersichtlich  seien,  weil  die  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführerin  lebensfremd  seien  und  einen  konstruierten  Eindruck  hinterlassen  würden  und  ihr  Verhalten  nicht  demjenigen einer tatsächlich verfolgten Person entspreche, dass  die  zu  den  Akten  gereichte  angebliche  Vorladung  formale  Fälschungsmerkmale  aufweise  und  sich  auch  inhaltlich  nicht  mit  den  Vorbringen der Beschwerdeführerin in Einklang bringen lasse, dass der Beschwerdeführer  seine Asylvorbringen von denjenigen seiner  Mutter  ableite  und  die  Schilderung  seiner  angeblichen  Erlebnisse  widersprüchlich und unsubstanziiert sei, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  zulässig,  zumutbar und möglich sei, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingaben  an  das  Bundesverwaltungsgericht vom 15. Dezember 2010 Beschwerden gegen  diese Verfügungen erhoben haben,

E­8604/2010 E­8605/2010 dass sie dabei  inhaltlich die Aufhebung der Verfügungen des BFM vom  6. Dezember  2010,  die  Rückweisung  der  Sache  zwecks  materieller  Entscheidung der Asylgesuche, die Gewährung von Asyl oder  jedenfalls  die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, eventuell die Feststellung der  Unzulässigkeit,  allenfalls  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisungen  und  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  beantragten, dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses und die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beantragten, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügungen  des  Instruktionsrichters vom 20. Dezember 2010 – unter Hinweis auf Art. 42  AsylG – den Eingang der Beschwerden bestätigte, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 17. Dezember 2010 einen  Arztbericht  der  Integrierten  Psychiatrie  C._______  vom  10.  Dezember  2010  nachreichte,  gemäss  welchem  sie  unter  chronischen  Schmerzen  sowie  unter  Symptomen  einer  Posttraumatischen  Belastungsstörung  leide, weshalb eine entsprechende Therapie  in Betracht gezogen werde  und ihre Reisefähigkeit in Frage gestellt sei, dass  das  BFM  mit  Vernehmlassungen  vom  24.  Dezember  2010  (den  Beschwerdeführenden  am  6.  Januar  2011  zur  Kenntnis  gebracht)  festhielt,  die  Beschwerdeschriften  enthielten  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  würde,  und  unter  Verweis  auf  die  Erwägungen  in  seinen  Verfügungen  die  Abweisung  der  Beschwerden  beantragte, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  5.  Januar  2011  Fürsorgebestätigungen nachreichten, und das Bundesverwaltungsgericht erwägt, dass es auf dem Gebiet des Asyls – vorbehältlich des Vorliegens eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht – endgültig über Beschwerden  gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 

E­8604/2010 E­8605/2010 i. V. m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichten  Beschwerden  (unter  dem  im Folgenden erwähnten Vorbehalt)  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  die  beiden  Beschwerdeverfahren  aufgrund  des  engen  sachlichen  und persönlichen Zusammenhangs zu vereinigen sind, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),  dass daher auf die Beschwerdeanträge auf Gewährung von Asyl und um  Feststellung der Flüchtlingseigenschaft nicht einzutreten ist, dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt,

E­8604/2010 E­8605/2010 dass auf Gesuche von Asylsuchenden aus verfolgungssicheren Staaten  gemäss  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  nicht  eingetreten  wird,  ausser  es  gebe Hinweise auf Verfolgung (Art. 34 Abs. 1 AsylG), dass die Beschwerdeführenden Staatsangehörige der Mongolei sind, der  Bundesrat  dieses  Land  mit  Beschluss  vom  28. Juni  2000  zum  "Safe  Country"  erklärt  hat  und  auf  diese  Einschätzung  im  Rahmen  der  periodischen  Überprüfung  (vgl.  Art. 6a  Abs. 3  AsylG)  bisher  nicht  zurückgekommen ist, dass  somit  die  formelle  Voraussetzung  für  den  Erlass  eines  Nichteintretensentscheids gestützt auf Art. 34 Abs. 1 AsylG gegeben ist, dass zu prüfen bleibt, ob das BFM zu Recht erwogen hat, aus den Akten  würden  sich  keine  Hinweise  ergeben,  welche  die  in  Bezug  auf  die  Mongolei  bestehende  Vermutung  der  Verfolgungssicherheit  widerlegen  könnten, dass  bei  der  Prüfung,  ob Hinweise  auf  Verfolgung  vorliegen,  ein weiter  Verfolgungsbegriff  gilt,  der  alle  erlittenen  oder  befürchteten  Nachteile  umfasst, die von Menschenhand zugefügt werden, und nur einem tiefen  Beweismass  Genüge  getan  werden  muss,  weshalb  auf  ein  Gesuch  einzutreten  ist, wenn Verfolgungshinweise geltend gemacht werden,  die  nicht  bereits  auf  den  ersten  Blick  als  unglaubhaft  erkennbar  sind  (vgl.  EMARK 2004 Nr. 5 E. 4c.aa S. 35 f., EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247,  EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 16 f.), dass  das  BFM  mit  überzeugender  Begründung  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin als völlig unglaubhaft bezeichnet hat, dass  vorab  auf  die  Erwägungen  des  BFM  in  den  angefochtenen  Verfügungen vom 6. Dezember 2010 verwiesen werden kann, denen die  Beschwerdeführenden  offensichtlich  nichts  Überzeugendes  entgegenzuhalten vermögen, dass  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  für  realitätsfremd  und  konstruiert  hält,  diese  hätte  persönlich mehrere (mit Aufenthaltsbewilligungen ausgestattete) (…) aus  der  Mongolei  ausschaffen  sollen,  nur  weil  sie  (…)  Jahre  zuvor  deren  Einreise unterstützt habe,

E­8604/2010 E­8605/2010 dass die  in der Beschwerde als nachvollziehbar bezeichnete Entlassung  aus  dem  Gefängnisspital  (das  mangels  medizinischer  Versorgung  eigentlich  gar  keines  gewesen  sei)  die  angebliche  Entlassung  aus  der  Untersuchungshaft  wegen  gesundheitlicher  Schwierigkeiten  nicht  plausibler  macht,  zumal  der  dargelegte  Geschehnisablauf  insgesamt  unrealistisch erscheint, dass  die  als  Beweismittel  eingereichte  Vorladung  offensichtlich  die  angebliche Verfolgung in der Mongolei nicht zu belegen vermag, wie das  BFM zu Recht feststellte, dass  die  Beschwerdeführerin  dieses  Dokument  nämlich  in  der  vorgelegten  Form  (mit  Empfangsquittung)  gar  nicht  besitzen  dürfte  und  das  Papier  auch  inhaltlich  nicht  mit  dem  von  ihr  vorgebrachten  Sachverhalt zusammenzuhängen scheint, dass  der  geschilderte  Reiseweg  von  China  nach  Russland  über  das  Hoheitsgebiet  des  angeblichen  Verfolgerstaats  klar  gegen  eine  Verfolgung der Beschwerdeführerin in diesem Land spricht, dass  eine  tatsächlich  verfolgte  Person  sich  nach  –  angeblich  unter  Verletzung  der  Auflagen  ihrer  bedingten  Haftentlassung  –  erfolgter  Landesflucht  zweifellos  nicht  dem  unnötigen  Risiko  einer  wiederholten  Kontrolle durch die Grenzbehörden des Verfolgerstaats aussetzen würde, dass  im  Übrigen  darauf  verwiesen  werden  darf,  dass  die  Beschwerdeführerin  bereits  zwei  Asylverfahren  in  einem  westeuropäischen Staat erfolglos durchlaufen hat, dass  bereits  das  erste  vorinstanzliche  Verfahren  in  der  Schweiz  im  Wesentlichen  an  der  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  scheiterte  und  diese  jene  Qualifikation  durch  die  freiwillige  Rückreise  in  den  angeblichen  Verfolgerstaat  während  des  hängigen Beschwerdeverfahren faktisch bestätigte, dass der Beschwerdeführer seine Verfolgung von den Asylvorbringen der  Mutter  ableitet  und  das BFM  in  seinen Erwägungen  zu Recht  auch  auf  krasse  Aussagewidersprüche,  Unstimmigkeiten  und  die  Unsubstanziiertheit  der  protokollierten  Angaben  –  bezüglich  Zeitpunkt  und  Ort  der  angeblich  persönlich  erlittenen  Übergriffe  sowie  Spitalaufenthalt – hingewiesen hat,

E­8604/2010 E­8605/2010 dass  die  Vorbringen  in  seiner  Beschwerde  nicht  geeignet  sind,  diese  klaren Haltlosigkeitsindizien glaubhaft zu erklären, dass  –  entgegen  der  von  den  Beschwerdeführenden  vertretenen  Auffassung  –  die  Asylvorbringen  vorliegend  nicht  als  unglaubhaft,  sondern als von vornherein haltlos (vgl. zu diesem Begriff EMARK 2005  Nr.  2  E.  4.3  mit  weiteren  Hinweisen)  qualifiziert  werden  mussten  und  müssen, dass das BFM bei dieser Sachlage zu Recht  in Anwendung von Art. 34  Abs.  1  AsylG  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligungen  erteilt  hat  und  zudem  keine  Ansprüche  auf  Erteilung einer solchen bestehen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9), weshalb die  verfügten  Wegweisungen  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  stehen  und  demnach  vom  BFM  zu  Recht  angeordnet  wurden, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

E­8604/2010 E­8605/2010 dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5 Abs. 1 AsylG), dass  der  Vollzug  der  Wegweisungen  vorliegend  in  Beachtung  der  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  weil das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­ Refoulement  im  vorliegenden  Nichteintretensverfahren  praxisgemäss  keine  Anwendung  finden  kann  und  auch  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige Behandlung  im Sinne von Art. 3 der Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  oder  Art. 1  des  Übereinkommens  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  vom  10. Dezember  1984  (FoK,  SR  0.105)  ersichtlich  sind,  die  den  Beschwerdeführenden  in  der  Mongolei  drohen  würden, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  in  der  Mongolei  noch  individuelle  Gründe auf eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführenden im Falle  einer Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung  vorliegend zumutbar ist, dass  auch  die  im  Arztbericht  vom  10. Dezember  2010  beschriebenen  körperlichen  und  psychischen  Schwierigkeiten  der  Beschwerdeführerin  (Schlafstörungen,  beeinträchtigte  physische  und  psychische  Befindlichkeit  aufgrund  traumatisierender Erfahrungen  im Herkunftsland,  weshalb  eine  Anmeldung  an  einem  psychiatrischen  Ambulatorium  geplant  gewesen  sei)  dem  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  entgegenzustehen vermögen, dass  das  im  Bericht  beschriebene  Krankheitsbild  angesichts  des  oben  Gesagten  nach Auffassung  des Gerichts  nicht mit  den  zur  Begründung  des  (dritten)  Asylgesuchs  geltend  gemachten  Umständen  zusammenhängen kann,

E­8604/2010 E­8605/2010 dass  die  medizinische  Versorgungslage  in  Ulaanbaatar  als  für  die  Behandlung dieser Probleme genügend bezeichnet werden kann und es  der Beschwerdeführerin erforderlichenfalls zuzumuten ist,  im Heimatland  um medizinische Betreuung nachzusuchen, dass  der  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung  beauftragte  Kanton  den  psychischen Problemen der Beschwerdeführerin  gegebenenfalls mit  der  Wahl geeigneter Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen haben wird, dass  die  Beschwerdeführerin  über  eine  gute  Ausbildung  verfügt  und  gemäss  eigenen  Angaben  in  der  Heimat  den  Beruf  einer  Fremdsprachenlehrerin und Dolmetscherin (…) ausgeübt hat, so dass es  ihr zuzumuten ist, in ihrer Heimat wieder eine neue Existenz aufzubauen, dass der  junge und –  soweit  aktenkundig  –  gesunde Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Angaben  in  der  Heimat  eine  gute  Schulbildung  (Volksschule  und  […])  genossen  hat,  über  gute  Englisch­Kenntnisse  verfügt,  (…)  studiert  hat  (vgl.  EVZ­Protokoll  S.  4)  und  in  der  Mongolei  über ein  familiäres Beziehungsnetz  verfügt  (vgl. EVZ­Protokoll S.  5),  so  dass es auch ihm zuzumuten ist, in seine Heimat zurückzukehren, dass den Akten keine Hinweise keine Hinweise auf eine langfristige (vgl.  hierzu EMARK 2002 Nr. 17 E. 6 mit weiteren Hinweisen) Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  aus  medizinischen  Gründen  zu  entnehmen  sind, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  in  den  Heimatstaat  unter  den  gegebenen Umständen  auch möglich  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG),  und  es  ihnen  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG), dass nach dem Gesagten auch der vom Bundesamt verfügte Vollzug der  Wegweisungen zu bestätigen ist, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtenen  Verfügungen  Bundesrecht  verletzen  oder  den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellen  würden  oder  unangemessen  seien  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerden abzuweisen sind,

E­8604/2010 E­8605/2010 dass  es  sich  erübrigt,  auf  die weiteren Vorbringen  in  den Rechtsmitteln  einzugehen,  weil  diese  nicht  zu  einem  anderen  Ergebnis  zu  führen  vermöchten, dass  die  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gegeben sind, weshalb diese  Gesuche gutzuheissen und keine Kosten zu erheben sind. (Dispositiv nächste Seite)

E­8604/2010 E­8605/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerdeverfahren  E­8604/2010  und  E­8605/2010  werden  vereinigt. 2.  Die Beschwerden werden abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 3.  Die Gesuche  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG werden gutgeheissen.  4.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Rudolf Bindschedler Versand:

E-8605/2010 — Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 E-8605/2010 — Swissrulings