Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 22.12.2011 E-6754/2011

22. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,276 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Dezember 2011 / N

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6754/2011 Urteil   v om   2 2 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler. Parteien A._______, alias B._______, Georgien,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 6. Dezember 2011 / N (…).

E­6754/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  am  15.  Juli  2001  in  der  Schweiz  das  erste  Mal um Asyl nachgesucht hatte und das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF,  heute:  BFM)  mit  –  unangefochten  gebliebener  –  Verfügung  vom  10.  Oktober 2001 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. c des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  wegen  schuldhafter  grober  Verletzung der Mitwirkungspflicht auf dieses Asylgesuch nicht eintrat, dass der Beschwerdeführer am 22. August 2011 in der Schweiz unter der  Identität  "A._______"  zum zweiten Mal  um Asyl  nachsuchte  und dieses  Gesuch  anlässlich  seiner  Befragungen  vom  5.  September  2001  und  2.  November  2011  im  Wesentlichen  mit  einer  Verfolgung  durch  den  heimatlichen Geheimdienst begründete, dass  die  Schweizer  Botschaft  in  Tiflis  dem  BFM  am  1.  Oktober  2011  mitteilte,  die  wahre  Identität  des  Beschwerdeführers  laute  "B._______",  wozu dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör gewährt wurde, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung vom 2. November  2011  gesundheitliche  Probleme  geltend  machte,  das  BFM  ihn  mit  Verfügung  vom  3.  November  2011  dazu  aufforderte,  bis  zum  23.  November  2011  einen  aussagekräftigen  Arztbericht  zu  den  Akten  zu  reichen,  und  der  Beschwerdeführer  diese  Frist  ungenutzt  verstreichen  liess, dass das Bundesamt für Migration mit Verfügung vom 6. Dezember 2011  – eröffnet am 8. Dezember 2011 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst.  a AsylG wegen Nichtabgabe von Reise­ oder Identitätspapieren auch auf  das  zweite  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  es  zur  Begründung  seines  Nichteintretensentscheids  im  Wesentlichen  anführte,  der  Beschwerdeführer  habe  den Behörden  trotz  Aufforderung  innert  48  Stunden  keine  Identitätsdokumente  eingereicht  und hierfür keine entschuldbaren Gründe glaubhaft zu machen vermocht, dass die Verfolgungsvorbringen ferner den Anforderungen gemäss Art. 3  und  7 AsylG  an  das  Glaubhaftmachen  eines  asylbegründenden  Sachverhalts offensichtlich nicht genügen würden, der Beschwerdeführer  daher die Flüchtlingseigenschaft offenkundig nicht erfülle und zusätzliche 

E­6754/2011 Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses nicht erforderlich seien, dass  mit  Bezug  auf  die  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festgehalten wurde, der Beschwerdeführer habe zwar behauptet, am HI­ Virus  erkrankt  zu  sein,  indessen  innert  Frist  den  einverlangten  medizinischen  Bericht  nicht  eingereicht,  weshalb  dieses  Vorbringen  an  Bedeutung verliere, und in Georgien die allenfalls benötigte medizinische  Behandlung im Übrigen zur Verfügung stehe, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. Dezember 2011 diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfocht  und  dabei  inhaltlich  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Anweisung  der  Vorinstanz,  das  Asylgesuch  materiell  zu  prüfen,  und  eventualiter  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beantragte, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  im  Wesentlichen  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  nach  Art.  65  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021)  und  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  beantragt wurden, dass der Beschwerdeführer weiter darum ersucht, es sei  ihm durch das  Bundesverwaltungsgericht  eine  Nachfrist  zur  Einreichung  ärztlicher  Berichte zu setzen, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  19.  Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),  dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. Dezember 2011 einen  ausführlichen ärztlichen Bericht des Universitätsspitals C._______ zu den  Akten  reichte  und  die  Nachreichung  eines  Berichts  betreffend  seine  Methadon­Behandlung für Januar 2012 in Aussicht stellte, und das Bundesverwaltungsgericht erwägt, dass  es  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des BFM entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m. 

E­6754/2011 Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE  2007/8 E. 2.1), bei Beschwerden gegen auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG  abgestützten  Verfügungen  aufgrund  der  besonderen  gesetzlichen  Konstellation  indessen  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73),  dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  das BFM dem Beschwerdeführer  am 3. November  2011  eine  fast  dreiwöchige  Frist  zur  Einreichung  eines  Arztberichts  setzte,  die  dieser  ohne jede Erklärung ungenutzt verstreichen liess,

E­6754/2011 dass die Notwendigkeit der Einreichung eines solchen Beweismittels dem  Beschwerdeführer  seit  eineinhalb Monaten  bekannt  sein musste  und  er  bezeichnenderweise  sein  Versäumnis  auch  in  der  Beschwerde  nicht  nachgeholt  hat,  sondern  bloss  das  Setzen  einer  neuen  Frist  beantragt,  was den Eindruck erweckt, er versuche auf diese Weise sein Verfahren in  die Länge zu ziehen, dass  das  Vorbringen  in  der  Beschwerde,  die  Ärzte  des  Beschwerdeführers  seien  nicht  in  der  Lage,  "innert  der  kurzen  Beschwerdefrist"  einen  medizinischen  Bericht  zu  verfassen,  ebenfalls  nicht überzeugt, nachdem er bereits anlässlich seiner zweiten Anhörung  die  Diagnosen  seiner  Ärzte  erwähnt  hatte  (vgl.  Protokoll  der  Anhörung  vom 2. November 2011 S. 13), dass  der  förmliche  Antrag  auf  Ansetzen  einer  neuen  Frist  unter  diesen  Umständen abzuweisen und  im Übrigen davon Kenntnis zu nehmen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  am  19.  Dezember 2011 bereits  von sich aus einen ausführlichen Arztbericht  zu  den Akten gereicht hat, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den  Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs  Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder  sich auf Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  c  AsylG),  dass  der  Beschwerdeführer  innert  48  Stunden  keine  rechtsgenüglichen  Identitätsdokumente  eingereicht  und  offensichtlich  auch  keine  entsprechenden Bemühungen unternommen hat,  dass  das  BFM  überzeugend  dargelegt  hat,  weshalb  für  das  Nichteinreichen von Reise­ oder Identitätspapieren keine entschuldbaren  Gründe  vorliegen  würden,  und  aufgrund  der  Akten  davon  auszugehen  sei,  dass  der  Beschwerdeführer  gegenüber  den  hiesigen  Asylbehörden 

E­6754/2011 eine  falsche  Identität  angegeben  habe  (vgl.  in  diesem  Zusammenhang  auch Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG),  dass  zwecks  Vermeidung  von  Wiederholungen  vollumfänglich  auf  die  Erwägungen  des  BFM  verwiesen  werden  kann,  zumal  diesbezüglich  in  der  Beschwerde  keine  weiteren  Entgegnungen  entnommen  werden  können, dass der Beschwerdeführer somit nicht glaubhaft darzulegen vermag, er  sei  durch  nicht  selbst  zu  verantwortende  Umstände  an  der  unverzüglichen  Einreichung  von  Reise­  oder  Identitätspapieren  im  Sinn  von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gehindert worden (Art. 32 Abs. 3 Bst. a  AsylG), dass  in  der  angefochtenen  Verfügung  unter  Hinweis  auf  diverse  Aussagewidersprüche und Ungereimtheiten überzeugend dargelegt wird,  dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht  erfülle, dass in der Beschwerde auch diesen Erwägungen nichts Überzeugendes  entgegen  gehalten  wird,  soweit  auf  diese  überhaupt  Bezug  genommen  wird, dass  bei  der  vorliegenden  Aktenlage  kein  Anlass  zur  Vornahme  zusätzlicher Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  besteht  und  bestand  (bei  der  Überprüfung der Personalien des Beschwerdeführers über die Schweizer  Botschaft  im  Heimatland  handelt  es  sich  praxisgemäss  nicht  um  Abklärungen im Sinn von Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG, vgl. BVGE 2009/50  E. 7.1 S. 727 f.), dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG auf  das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  eingetreten  ist,  und  die  Frage  offen  bleiben  kann,  ob  vorliegend  der  Nichteintretenstatbestand  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  (Täuschung  über die Identität) zur Anwendung hätte kommen können, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9),  weshalb  die  verfügte 

E­6754/2011 Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  des  Geltendmachens  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Beschwerdeführer  nicht  bestreitet,  dass  der  Vollzug  seiner  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen Bestimmungen  zulässig  und möglich  ist, weshalb  hier  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen werden kann, dass  in  der  Beschwerde  indessen  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  geltend  gemacht  und  zur  Begründung  auf  die  Erkrankung des Beschwerdeführers hingewiesen wird, dass  aus medizinischen Gründen  nach  Lehre  und  Praxis  nur  dann  auf  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  zu  schliessen  ist, wenn  eine  notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung  steht  und  die  Rückkehr  zu  einer  raschen,  lebensgefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustands  der  betroffenen  Person  führen würde  (wobei  diejenige Behandlung massgebend  ist, welche  zur  Gewährleistung  einer  menschenwürdigen  Existenz  minimal  erforderlich  ist)  und  Unzumutbarkeit  jedenfalls  dann  noch  nicht  vorliegt,  wenn  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  nicht  dem  schweizerischen  Standard  entsprechende medizinische Behandlung möglich  ist  (vgl. BVGE 2009/2  E. 9.3.2 mit weiterem Hinweis), dass  der  Beschwerdeführer  konkret  vorbringt,  er  leide  an  einer  HIV­ Erkrankung  und  befinde  sich  aufgrund  seiner  Opiatsabhängigkeit  in 

E­6754/2011 einem  Methadon­Programm  sowie  in  ambulanter  psychiatrischer  Behandlung, dass diese Behauptungen  vom Beschwerdeführer  zunächst  nicht weiter  substanziiert  worden  sind,  jedoch  am  19.  Dezember  2011  ein  ausführlicher Arztbericht des Universitätsspitals C._______ zu den Akten  gereicht worden ist, dass  in  diesem  Bericht  vom  14.  Dezember  2011  die  Diagnosen  einer  HIV­1­Infektion  im  Stadium  A2,  einer  Chronischen  Hepatitis  C­  sowie  einer  Chronischen  (minimal  replikativen)  Hepatitis  B­Infektion,  eines  Status'  nach  Polytoxikomanie  sowie  eines  Status'  nach  Lungentuberkulose mit Pleuritis 2003 gestellt wurden, dass  der  behandelnde Arzt  ergänzend  ausführte,  es  sei  vorliegend  von  einer relativ schnellen Progression der HIV­Erkrankung auszugehen und  (insbesondere)  eine  Unverträglichkeitsreaktion  des  Patienten  habe  zur  Folge, dass eine gesamte Medikamentenklasse nicht verwendet werden  könne,  weshalb  die  Auswahl  möglicher  antiretroviralen  Substanzen  auf  wenige, meist  teurere, Medikamente  zweiter Wahl  eingeschränkt  werde  (zudem  sei  wahrscheinlich,  dass  das  neue  Medikament,  mit  dem  der  Beschwerdeführer  heute  behandelt  werde,  in  Georgien  nicht  zur  Verfügung stehe), dass  nach  konstanter  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  Vollzug  der  Wegweisung  eines  abgewiesenen,  HIV­positiven  Asylgesuchstellers  in  der  Regel  als  grundsätzlich  zumutbar  qualifiziert  wird, solange die HIV­Infektion das Stadium C noch nicht erreicht hat (vgl.  etwa BVGE 2009/2 E. 9.3.4 mit weiteren Hinweisen), dass Georgien nach Kenntnis des Bundesverwaltungsgerichts über eine  ausgebaute medizinische Infrastruktur verfügt, dass  insbesondere  die  (für  den  Patienten  kostenlose)  Behandlung  von  HIV/AIDS  im  AIDS­Zentrum  von  Tbilisi  und  in  verschiedenen  im  Land  verteilten  Zweigstellen  angeboten  wird  und  drogenabhängige  Personen  ihre  Sucht  mit  Hilfe  von  (grösstenteils  ebenfalls  kostenlosen)  Substitutionsprogrammen bekämpfen können, dass  die  HIV­Erkrankung  des  Beschwerdeführers,  wie  erwähnt,  im  Stadium  A2  steht  und  er  in  Georgien  über  ein  gewisses  familiäres  Beziehungsnetz verfügt, 

E­6754/2011 dass  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  den  gegebenen  Umständen  der  Argumentation  das BFM  anschliesst,  die medizinischen  Behandlung  des  Beschwerdeführers  sei  auch  im  Heimatland  möglich,  zumal  er  selber  davon  auszugehen  scheint,  seine  gesundheitlichen  Probleme könnten grundsätzlich auch in Georgien behandelt werden (vgl.  Beschwerde S. 2 f.), dass  an  dieser  Feststellung  auch  nichts  zu  ändern  vermag,  dass  die  medikamentöse  Behandlung  der  HIV­Infektion  offenbar  insbesondere  durch  eine  Unverträglichkeitsreaktion  des  Beschwerdeführers  eingeschränkt  ist  und  der  individuelle  Verlauf  dieser  Erkrankung  möglicherweise relativ progressiv ist, dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  auch  zu  Recht  darauf  hingewiesen hat, es stehe dem Beschwerdeführer  frei, einen Antrag auf  Gewährung  medizinischer  Rückkehrhilfe  zu  beantragen  (vgl.  Art.  93  Abs. 1  Bst.  d  AsylG  und  Art.  75  der  Asylverordnung 2  vom  11. August  1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]), dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisungsvollzug  nach  dem  Gesagten auch als zumutbar zu qualifizieren und zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG), dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege –  unbesehen  der  ebenfalls  bloss  behaupteten  Bedürftigkeit  –  abzuweisen  ist, da sich die Beschwerdebegehren gemäss vorstehenden Erwägungen  als  aussichtslos  präsentieren,  was  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  die  Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ausschliesst, dass das Gesuch um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht mit dem  vorliegenden Direktentscheid gegenstandslos wird.

E­6754/2011 E­6754/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale  Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Rudolf Bindschedler Versand:

E-6754/2011 — Bundesverwaltungsgericht 22.12.2011 E-6754/2011 — Swissrulings