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Bundesverwaltungsgericht 17.01.2012 E-6343/2011

17. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·867 Wörter·~4 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Oktober 2011 /

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6343/2011 Urteil   v om   1 7 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber (Vorsitz), mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;  Gerichtsschreiberin Laura Wayllany. Parteien A._______, geboren am (…), Irak,   vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Oktober 2011 / N (…).

E­6343/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge sein Heimatland im  Februar  2011  verliess  und  über Syrien,  die Türkei  und  ihm unbekannte  Länder  am 28. März  2011  in  die Schweiz  gelangte, wo  er  gleichentags  um Asyl nachsuchte, dass er am 1. April 2011 summarisch befragt und am 14. April 2011 zu  seinen Fluchtgründen angehört wurde, dass er zur Begründung seines Asylgesuches geltend machte, er stamme  aus B._______, wo er auch seinen Wohnsitz gehabt habe, dass  er  als  (…)  gearbeitet  habe  und wegen  seiner  Arbeit mit  dem Tod  bedroht worden sei, dass  man  ihn  schriftlich  aufgefordert  habe,  Attentate  auf  (…),  zu  dem  viele (…) gekommen seien, zu verüben,  dass  ihm  dafür  viel  Geld  versprochen  worden  sei,  und man  ihn,  als  er  nicht  bereit  gewesen  sei,  Informationen  über  das  Geschehen  auf  dem  (…) zu liefern, entführt und für seine Freilassung (…) verlangt habe, dass er arm sei und diese Summe nicht habe bezahlen können,  jedoch  ein (…) das Geld aufgetrieben habe, worauf er freigelassen worden sei,  dass er aus Angst  im Jahre (…) und vor seiner Ausreise noch einmal  in  den C._______ gegangen,  dass er anlässlich der Kurzbefragung keine Ausweispapiere zu den Akten  gab mit der Begründung, er habe seinen Pass in der Türkei verloren und  seine Identitätskarte befinde sich bei seinem (…) in B._______, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  mit  Verfügung  vom  19.  Oktober  2011  ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz anordnete, dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  ausführte,  anlässlich  der  Kurzbefragung  habe  der  Beschwerdeführer  vorgebracht,  wegen  seiner  Arbeit  als  (…) sei  er mit  dem Tod bedroht worden, wogegen er bei  der  Anhörung die Ausreise damit begründet habe, entführt und erst gegen die  Bezahlung eines Lösegeldes freigelassen worden zu sein,  dass dieses Vorbringen als nachgeschoben zu qualifizieren sei,

E­6343/2011 dass  er  auch  zu  seiner  Bedrohung  unterschiedliche  Angaben  gemacht  habe,  dass  er  ebenso  hinsichtlich  der  Umstände,  wie  er  in  den  (…)  auf­ genommen worden sei, realitätsfremde Angaben gemacht habe,  dass er  entgegen  seiner Ankündigung  keinen Arbeitsvertrag  eingereicht  habe,  dass  demnach  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  seien, weshalb die Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom     21.  November  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  in materieller Hinsicht  beantragte,  die  vor­instanzliche  Verfügung  vom  19.  Oktober  2011  sei  aufzuheben und es sei  ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei er  in der  Schweiz vorläufig aufzunehmen, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege mit seinem Rechtsvertreter als Rechtsbeistand beantragte, dass mit  der Einreichung  des  vorerwähnten  (…)  und  der  Identitätskarte  festgestellt werde, die Herkunft und die  Identität des Beschwerdeführers  würden nunmehr feststehen,  dass  die  zentralen Vorbringen  nachgewiesen  seien  und  feststehe,  dass  der Beschwerdeführer in B._______ für (…) gearbeitet habe,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  in  erster  Linie  vor  Übergriffen  der  (…)  fürchte, welche versucht hätten, ihn als (…) zu gewinnen, dass er  in den drei  irakisch­kurdischen Nordprovinzen nicht ausreichend  geschützt sei und dort nicht über ein familiäres oder anderes Beziehungs­ netz  verfüge,  welches  für  die  Niederlassung  in  diesem  Gebiet  unerlässlich sei,  dass  die Amerikaner B._______, woher  der Beschwerdeführer  stamme,  im  Juni  2009  verlassen  hätten  und  die  Sicherheitslage  dort  prekär  sei,  weshalb  ein  Wegweisungsvollzug  dorthin  unzumutbar  und  er  in  der  Schweiz vorläufig aufzunehmen sei,

E­6343/2011 dass  der  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  6.  Dezember  2011 festhielt, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahren in  der Schweiz  abwarten,  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  abwies,  diesen  aufforderte,  innert  angesetzter  Frist  einen  Kostenvorschuss  zu  leisten  und  den  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ebenfalls abwies, dass  der  einverlangte  Kostenvorschuss  am  19.  Dezember  2011  fristgerecht geleistet wurde, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 Asyl  i. V. m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

E­6343/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass die Vorinstanz  zu Recht  von der Unglaubhaftigkeit  der Vorbringen  ausgegangen ist, dass  diesbezüglich  im  Wesentlichen  auf  die  von  der  Vorinstanz  angeführten Unglaubhaftigkeitselemente verwiesen werden kann,  dass  insbesondere  in  keiner  Weise  nachvollziehbar  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Entführung  und  die  Lösegeldforderung –  zentrale Gründe  für  das Verlassen  des Heimatstaates  –   anlässlich  der  Kurzbefragung nicht erwähnt hat und sich die diesbezügliche Erklärung in  der  Beschwerde,  angesichts  der  beschränkten  Funktion  der  Empfangsstellenbefragung  sei  der  entsprechende  Vorhalt  des  BFM  unwesentlich  (vgl.  Beschwerde  Ziff.  II  11.a)  als  unbehelflich  erweist,  zumal dem Rechtsvertreter von anderen Verfahren her bekannt ist, dass 

E­6343/2011 es dabei nicht nur um die Identität, sondern auch um die Gesuchsgründe  (und den Reiseweg) geht, dass  völlig  unrealistisch  anmutet,  ein  Analphabet  wie  der  Beschwerdeführer  werde  für  den  (…)  (vgl.  Anhörungsprotokoll  F25  und  F26;  etwas  abweichend  dazu Befragungsprotokoll  Ziff.  8:  "Ich  kann  nur  sehr wenig schreiben und lesen."),  dass  nicht  geglaubt  werden  kann,  ein  (…)  –  selbst  wenn  er  nur  ein  beschränktes  (…) hat – habe praktisch keine Kenntnisse  jener Stadt,  in  der  er  arbeitet  (vgl.  a.a.O.  F30  ff.),  gab  der  Beschwerdeführer  doch  zu  Protokoll: "… ich kenne mich in B._______ nicht aus, …", dass  er  bezeichnenderweise  auch  zu  seinem  Aufenthalt  im  C._______  keine genauen Angaben machen konnte (vgl. Anhörungsprotokoll F38 ff.)  und  dasselbe  für  die  zeitliche  Lokalisierung  der  Entführung  und  für  Einzelheiten zum (…) gilt (vgl. a.a.O. F42 ff.), dass  die  zahlreichen  aufgeführten  Ungereimtheiten  in  wesentlichen  Punkten  die  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  klar  belegen  und  auch  die  nachträglich  eingereichten  Beweismittel  (gemäss Beilagenverzeichnis in der Beschwerde: (…), (…), Identätskarte,  indessen  weder  Original  noch  Kopie  des  in  Aussicht  gestellten  Arbeitsvertrages)  unbesehen  der  Frage  ihrer  Echtheit  an  dieser  Einschätzung nichts zu ändern vermögen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art.  44  Abs.  1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  737),  weshalb  die  verfügte Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass  zu  prüfen  bleibt,  ob  es  Gründe  gibt,  die  dem  Vollzug  der  Wegweisung  entgegenstehen,  da  im  Falle  eines  unzulässigen,  unzumutbaren  oder  unmöglichen  Vollzugs  das  Anwesenheitsverhältnis 

E­6343/2011 nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  über  die  vorläufige Aufnahme zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG),  dass die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs (Art. 44  Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art.  83  AuG)  grundsätzlich  von  Amtes  wegen  zu  prüfen  sind,  diese Untersuchungspflicht  jedoch  nach Treu  und Glauben  ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der beschwerdeführenden Person  findet  (Art. 8 AsylG), die  im Übrigen auch die Substanziierungslast  trägt  (Art. 7  AsylG),  und  es  nicht  Sache  der  Asylbehörden  sein  kann,  nach  allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen, dass  aufgrund  der  vorstehend  dargelegten  Ungereimtheiten  nicht  feststeht, der Beschwerdeführer  stamme aus B._______, und selbst bei  Annahme  dieser  Herkunft  zu  schliessen wäre,  er  habe  die  zu  Protokoll  gegebenen Geschehnisse in der vorgebrachten Art nicht erlebt, dass demnach auch davon auszugehen ist, es würden einer Wegweisung  in den Nordirak keine landes­ oder völkerrechtlichen Vollzugshindernisse  im  Sinne  von  Art.  44  Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  2  ­  4  AuG  (vgl.  EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2. S. 4 f.) entgegenstehen, dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung in den Irak zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG) und mit dem am 19. Dezember 2011 in gleicher Höhe geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen sind. (Dispositiv nächste Seite)

E­6343/2011  Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  am  19.  Dezember  2011in  gleicher  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  das  D._______. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Laura Wayllany Versand:

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