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Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 E-6148/2008

17. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,148 Wörter·~11 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. August 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6148/2008 Urteil   v om   1 7 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Kurt Gysi,  Gerichtsschreiberin Valerie Kaeser. Parteien A. _______, geboren (…),  und deren Tochter B._______, geboren (…), Sudan, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  (…), (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. August 2008 / N (…).

E­6148/2008 Sachverhalt: A. Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  die  Beschwerdeführerin  den  Sudan  am 26. August 2005 auf dem Luftweg und gelangte am 27. August 2005  in  die  Schweiz,  wo  sie  gleichentags  im  (…)  um  Asyl  nachsuchte.  Anlässlich der Befragung zu ihren Asylgründen gab sie an, in C. _______  geboren  zu  sein,  ihr  Vater  sei  Sudanese  und  ihre Mutter  Eritreerin;  da  diese  ein  zweites  Mal  geheiratet  habe,  sei  die  Beschwerdeführerin  in                C.  _______  von einer  Frau  aufgezogen worden. Einige Monate  vor  der  Ausreise sei sie mehrmals zu ihrem Vater gegangen, um mit seiner Hilfe  einen Nationalitätenausweis  zu beschaffen. Er  habe dabei  versucht,  sie  zu  sexuell  zu missbrauchen,  nur  weil  sie  habe  flüchten  können,  sei  es  nicht  soweit  gekommen.  Ihre  Ziehmutter,  bei  welcher  ein  (…)  logiert  habe,  habe  sie  gegen  ihren  Willen  im  Sommer  2005  mit  diesem  verheiraten  wollen.  Eine  Drittperson,  welcher  die  Beschwerdeführerin  davon  erzählt  habe,  sei  ihr  aus  Mitleid  bei  der  Ausreise  behilflich  gewesen. Mit den Behörden habe sie im Sudan keine Probleme gehabt.  Das  BFM  trat mit  Verfügung  vom  7.  Oktober  2005  gestützt  auf  Art.  32  Abs.  2 Bst.  a  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein,  wies  die  Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  vom  20.  Oktober  2005  wurde  mit  Urteil  der  vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK) vom 6. März 2006 abgewiesen. Zur Begründung führte die ARK im  Wesentlichen  aus,  die  Beschwerdeführerin  habe  es  ohne  Glaubhaftmachung  entschuldbarer  Gründe  unterlassen,  den  Behörden  rechtsgenügliche  Dokumente  einzureichen,  und  es  würden  keine  Hinweise auf Verfolgung vorliegen, die sich nicht als offensichtlich haltlos  erwiesen.  B. Am  25.  Oktober  2006  liess  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren  Rechtsvertreter beim BFM ein "Gesuch um Wiedererwägung" einreichen.  Sie  beantragte  in  materieller  Hinsicht  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  die  Feststellung  der Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und Unmöglichkeit  des  Vollzugs der Wegweisung und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme  von Amtes wegen.

E­6148/2008 Das Bundesamt überwies die Eingabe am 13. November 2006 unter Hin­ weis darauf, dass es sich um ein Revisionsgesuch handeln könnte, an die  ARK. Die ARK verfügte am 20. November 2006, falls die Gesuchstellerin nicht  wünsche, dass ihre Eingabe vom 25. Oktober 2006 unter dem Aspekt der  Revision geprüft werde, sei dies der Kommission  innert der angesetzten  Frist  mitzuteilen.  Das  Gesuch  um  Aussetzung  des  Vollzugs  der  Wegweisung wurde abgewiesen.  Da die Beschwerdeführerin  ihr Gesuch mit Eingabe  vom 22. November  2006  zurückziehen  liess  und  beantragte,  diese  sei  dem  BFM  zwecks  Prüfung  als  zweites  Asylgesuch  zu  überweisen,  erkannte  die  ARK  am          23.  November  2006,  das  Revisionsgesuch  sei  als  durch  Rückzug  gegenstandslos geworden abzuschreiben. Am 22. Dezember 2006 teilte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin mit,  ihre  Eingabe  vom  25.  Oktober  2006  werde  als  zweites  Asylgesuch  behan­delt. C. Mit  Verfügung  vom  25.  August  2008  stellte  das  Bundesamt  im  Zusammenhang  mit  dem  zweiten  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  fest,  diese  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch ab. Das BFM wies die Beschwerdeführerin aus der Schweiz  weg und ordnete den Vollzug an.  D. Die  Beschwerdeführerin  erhob  mit  Rechtsmitteleingabe  vom  25.  September  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde.  Sie  beantragte  in  materieller  Hinsicht,  die  vorinstanzliche Verfügung sei  vollumfänglich aufzuheben und zur neuen  Begründung  an  das  BFM  zurückzuweisen,  weiter  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen und der Beschwerdeführerin Asyl zu  gewähren  sowie  eventualiter  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige Aufnahme anzuordnen; in prozessualer Hinsicht beantragte sie  die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  alles  unter  Entschädigungs­  und  Kostenfolge zulasten der Vorinstanz. 

E­6148/2008 E. Das  Bundesverwaltungsgericht  stellte  mit  Verfügung  vom  2.  Oktober  2008 fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in  der  Schweiz  abwarten,  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden.  F. Vom  Gericht  zur  Stellungnahme  eingeladen,  führte  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung vom 13. November 2008 aus, die Beschwerde enthalte  keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel. Der Aufenthaltsort  der Mutter der Beschwerdeführerin, welche gemäss ihren Angaben in der  Schweiz  ebenfalls  ein  Asylgesuch  eingereicht  habe,  habe  trotz  mehrmaliger  Recherchen  im  ZEMIS  (Zentrales  Migrationssystem)  nicht  ausfindig gemacht werden können beziehungsweise habe keine Person  mit  den  von  der  Beschwerdeführerin  genannten  oder  ähnlichen  Personendaten  gefunden  werden  können.  Die  geltend  gemachte  angeschlagene Gesundheit  stelle  gemäss  dem eingereichten Schreiben  des  behandelnden  Arztes  kein  Hindernis  für  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs dar. G. Mit  Replik  vom  12.  Dezember  2008  teilte  die  Beschwerdeführerin  dem  Gericht die Personendaten ihrer Mutter und deren Aufenthaltsort mit und  hielt an ihrer Beschwerde vollumfänglich fest.  H. Mit Verfügung vom 25. März 2011 lud das Bundesverwaltungsgericht die  Beschwerdeführerin  ein,  über  ihre  aktuellen Verhältnisse  zu  orientieren,  was diese mit Eingabe vom 11. April 2011 tat. Sie habe im (…) ein Kind  geboren,  dessen  Vater  im  Besitze  einer  Aufenthaltsbewilligung  (…)  sei  und  der  das  Kind  anerkannt  habe.  Die  Familie  lebe  zusammen  in  (…).  Der  Vater  habe  sich  verpflichtet,  Unterhaltsbeiträge  zu  bezahlen,  die  Beschwerdeführerin werde für den Lebensunterhalt vollumfänglich durch  das Sozialamt (…) unterstützt. I. Das  BFM,  vom Gericht  am  6.  Juni  2011  eingeladen,  zur  vorerwähnten  Eingabe Stellung zu nehmen, zog mit Verfügung vom 1. Juli 2011 seinen  Entscheid  vom  25. August  2008  teilweise  in  Wiedererwägung,  hob  die 

E­6148/2008 Ziffer  4  (Verlassen  der  Schweiz)  und  die  Ziffer  5  (Wegweisungsvollzug  durch  den  […])  auf  und  stellte  fest,  die  Wegweisung  werde  zur  Zeit  wegen  Unzumutbarkeit  nicht  vollzogen,  und  ordnete  die  vorläufige  Aufnahme an. K. Damit  wurde  die  Beschwerde  vom  25.  September  2008,  soweit  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffend,  gegenstandslos,  weshalb  das  Gericht mit Verfügung vom 6. Juli 2011 die Beschwerdeführerin anfragte,  ob  sie  bezüglich  Asyl  an  ihrer  Beschwerde  festhalte  oder  diese  zurückzuziehen  gedenke.  Sie  liess  dem  Gericht  am  21.  Juli  2011  mitteilen, im Asylpunkt werde an der Beschwerde festgehalten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht. Die Beschwer­ deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 

E­6148/2008 (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4.  Die  während  des  Beschwerdeverfahrens  geborene  Tochter  B. _______  wird  in  das  Verfahren  der  Beschwerdeführerin  (Mutter)  eingebunden. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  3.3. Das BFM zog mit Verfügung vom 1. Juli 2011 seinen Entscheid vom  25. August  2008  teilweise  (Verlassen  der  Schweiz  und  Wegweisungsvollzug durch den […]) in Wiedererwägung und stellte fest,  die Wegweisung  werde  zur  Zeit  wegen  Unzumutbarkeit  nicht  vollzogen  und  es werde  die  vorläufige  Aufnahme  angeordnet.  Daraufhin  teilte  die  Beschwerdeführerin dem Gericht auf dessen Ersuchen hin mit, sie halte  im Asylpunkt an der Beschwerde fest. Demnach geht es vorliegend einzig 

E­6148/2008 noch  darum  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  die  Flüchtlingseigeschaft  zu  Recht verneint und die Gewährung von Asyl verweigert hat. 4.  4.1.  4.1.1.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  ablehnenden  Asylentscheides aus, die Beschwerdeführerin bestätige im Rahmen ihres  zweiten  Gesuches  die  Gründe,  die  sie  bereits  im  ersten  Gesuch  als  massgeblich  für  ihre Flucht aus dem Sudan dargelegt habe. Es würden  sich  jedoch  gravierende  Widersprüche  aus  dem  Vergleich  ihrer  diesbezüglichen,  im  Rahmen  der  ersten  Gesuchseinreichung  und  denjenigen  im  Rahmen       ihres  aktuellen  Gesuches  gemachten  Aussagen  ergeben.  So  habe  sie  sich  anlässlich  der  ersten  Gesuchseinreichung  als  Sudanesin  ausgegeben,  behaupte  nunmehr  aber, weder die sudanesische noch die eritreische Staatsangehörigkeit zu  besitzen. Weiter  habe  sie  anlässlich  des  ersten Gesuches  vorgebracht,  ihren Vater mehr  als  sechsmal  aufgesucht  zu haben, wogegen  sie  jetzt  von  lediglich  drei  Begegnungen  spreche.  Auch  habe  die  Beschwerdeführerin  beim  ersten  Gesuch  ausgesagt,  ihr  Vater  habe  damals  lediglich  versucht,  sie  zu  vergewaltigen,  aktuell  bringe  sie  im  Unterschied  dazu  jedoch  vor,  sie  sei  von  ihrem  Vater  tatsächlich  vergewaltigt worden. Schliesslich habe sie früher ausgesagt, das Geld für  die Flucht der Gastfamilie gestohlen zu haben, neuerdings soll ihre Mutter  die Ausreise finanziert haben.   Es dürfe erwartet werden, dass die Angaben der Beschwerdeführerin zu  den Gründen  ihrer Ausreise  aus der Heimat  im  vorausgegangenen und  im  aktuellen  Verfahren  in  den  wesentlichen  Punkten  übereinstimmten.  Dies  sei  vorliegend  nicht  der  Fall,  weshalb  die  Aussagen  zu  ihrer  Nationalität,  zu  ihren  Bemühungen  um  den  Erhalt  eines  Nationalitätenausweises  und  zu  den  Übergriffen  seitens  ihres  Vaters  sowie  zu  den  Umständen      ihrer  Ausreise  nicht  geglaubt  werden  könnten. 4.1.2. Vorbringen seien tatsachenwidrig, so das Bundesamt weiter, wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  den  gesicherten  Erkenntnissen  des  BFM  widersprechen würden. Das gelte etwa für die vorgebrachte Befürchtung  der  Beschwerdeführerin,  sie  werde  im  Falle  eines  Vollzugs  der  Wegweisung  in  den  Sudan  von  den  dortigen  Behörden  als  Eritreerin  angesehen  und  nach  Eritrea  ausgeliefert,  wo  sie  Militärdienst  leisten 

E­6148/2008 müsse.  Dazu  sei  festzustellen,  dass  in  Anbetracht  der  linguistischen  Kriterien  und  der  Landeskenntnisse  der  Beschwerdeführerin  davon  auszugehen sei, dass sie eindeutig im Sudan sozialisiert worden sei. Sie  sei  die  Tochter  eines  Sudanesen  und  besitze  deshalb  auch  dessen  Staatsangehörigkeit. Die Behauptung, ihr Vater habe sie nicht anerkannt,  könne  nicht  gehört  werden.  Es  gebe  keine  Anhaltspunkte  für  die  Befürchtung,  sie  würde  angesichts  der  angeblichen  eritreischen  Staatsangehörigtkeit  ihrer Mutter selber als Eritreerin angesehen, sei sie  doch nicht bei dieser aufgewachsen und spreche nicht einmal Tigrinya.  Die  weitere  Befürchtung  der  Beschwerdeführerin,  sie  habe  bei  einer  Auslieferung  beziehungsweise  Wegweisung  nach  Eritrea  dort  mit  scharfen Sanktionen zu rechnen, weil sie sich dem Militärdienst entzogen  habe, sei unbegründet. Da sie weder in Eritrea geboren worden sei noch  jemals  dort  gelebt  habe,  sei  ihre Existenz  für  die  eritreischen Behörden  nicht  aktenkundig.  Demzufolge  besitze  sie  auch  die  eritreische  Staatsangehörigkeit  nicht,  und  der  eritreische  Staat  habe  bei  dieser  Sachlage weder ein  Interesse an  ihrer Person noch verfüge er über die  Möglichkeit,  vom  Sudan  die  Auslieferung  der  Beschwerdeführerin  zu  verlangen.  Die  angebliche Gefährdung  der  Beschwerdeführerin  entspreche  folglich  nicht  den  Tatsachen.  Die  Vorbringen  hielten  den Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass  ihre Relevanz  nicht zu prüfen sei. 4.1.3. Die Folge der Ablehnung eines Asylgesuches sei gemäss Art. 44  AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Da  die  Beschwerdeführerin  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle,  könne  auch  der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht  angewendet  werden.  Aus  den  Akten  würden  sich  keine  Anhaltspunkte  dafür ergeben, dass der Beschwerdeführerin  im Falle einer Rückkehr  in  den  Heimatsstaat  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe.  Weder  die  im  Sudan  herrschende  politische Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit  der  Rückführung  dorthin  sprechen.  Gleiches  gelte  für  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme.  Ausserdem  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar.  

E­6148/2008 4.2.  4.2.1.  In  der  Beschwerde  wird  vorweg  als  neue  Tatsache  festgehalten,  dass  sich  die  Mutter  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  befinde;  diese habe ebenfalls ein Asylgesuch gestellt.  4.2.2.  Die Vorinstanz mache  in  ihrer  angefochtenen Verfügung  geltend,  die  Feststellung  der  Identität  der  Beschwerdeführerin  sei  eine  unabdingbare  Voraussetzung  für  die  Abklärung  der  Asylvorbringen,  indessen habe die Beschwerdeführerin weder einen Reisepass noch eine  Identitätskarte vorlegen können, weshalb  ihre  Identität nicht belegt  sein.  Dieser Argumentation könne nicht gefolgt werden, gehe doch das BFM in  seiner  Stellungnahme  vom  4.  November  2005  davon  aus,  die  Beschwerdeführerin  sei  nicht  sudanesische  Staatsangehörige,  und  aus  der eingereichten Identitätskarte der Mutter gehe rechtsgenüglich hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  nur  die  eritreische  Staatsangehörigkeit  habe oder beantragen könne.  4.2.3.  Die  Beschwerdeführerin  habe  die  geltend  gemachten  Vorbringen  tatsächlich  erlebt,  die  Einschätzung  der  Vorinstanz  stütze  sich  auf  unhaltbare  Argumente  oder  Behauptungen.  Insbesondere  sei  es  der  Beschwerdeführerin inzwischen gelungen, den Aufenthaltsort ihrer Mutter  ausfindig zu machen. Mit der Asylrelevanz setze sich die Vorinstanz gar nicht erst auseinander.  Diese sei  jedoch durch die drohende Verfolgung zweifelsohne gegeben.  Es  bestehe  für  die  Beschwerdeführerin  weder  die  Möglichkeit  einer  Rückkehr in den Sudan, noch könne sie nach Eritrea. Das BFM stelle die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  fälschlicherweise  nicht  fest und verletze so Art. 3 AsylG.  4.2.4.  Die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  sei  zumindest  glaubhaft  im  Sinne  von  Art.  7  AsylG  gemacht.  Die  Folge  sei  die  Anerkennung  als  Flüchtling,  Ausschlussgründe  würden  keine  vorliegen.  Die angefochtene Verfügung sei deshalb aufzuheben und die Sache zur  neuen  Begründung  nach  vollständig  erhobenem  Sachverhalt  an  die  Vorinstanz zurückzuweisen. Im Falle einer Rückkehr  in den Sudan wie auch nach Eritrea müsse die  Beschwerdeführerin  mit  Verfolgung  rechnen;  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  sei  also  erfüllt,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzulässig  zu  bezeichnen  sei.  In  diesem 

E­6148/2008 Zusammenhang  gelte  es  auch  zu  würdigen,  dass  die  sudanesische  Regierung  in  letzter Zeit mit der Rückschaffung von  im Sudan  lebenden  Personen eritreischer Volkszugehörigkeit begonnen habe, wobei es sich  bei  vielen der abgeschobenen oder  von einer Rückschaffung bedrohten  Personen um Asylsuchende oder bereits anerkannte Flüchtlinge handle.  Wegen  Unzulässigkeit  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  statthaft,  und  an  Stelle  des  Vollzugs  sei  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen,  soweit  nicht  ohnehin  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  zur  Anwendung  des  Prinzips  des  Non­Refou­lement  führe.  Darüber  hinaus  sei wegen der konkreten Gefährdung der Vollzug der Wegweisung auch  unzumutbar. 5. 5.1. In einem ersten Schritt ist vom Bundesverwaltungsgericht zu prüfen,  ob  der  Sachverhalt  tatsächlich,  wie  in  der  Beschwerde  gerügt,  nur  ungenügend  erstellt  ist,  was  eine  Rückweisung  an  die  Vorinstanz  zur  Folge hätte. Diesbezüglich besteht indessen für das Gericht kein Anlass,  den        vorinstanzlichen  Entscheid  zu  bemängeln,  zumal  die  auf  Beschwerdeebene eingereichten Dokumente (insbesondere Angaben zur  Person  und  zum  Aufenthalt  der  Mutter  der  Beschwerdeführerin  sowie  zum  aktuellen  persönlichen  Umfeld)  vom  BFM  in  zwei  Stellungnahmen  gewürdigt  worden  sind  und  schliesslich  dazu  geführt  haben,  dass  der  angefochtene  Entscheid  teilweise  in  Wiedererwägung  gezogen  worden  ist.  Die  Beschwerdeführerin  ist  denn  auch  in  ihrer  letzten  Eingabe  vom  21. Juni 2011, worin sie dem Gericht ihr Festhalten im Asylpunkt mitteilte,  auf  die  vorerwähnte  Rüge  nicht  mehr  eingegangen.  Im  Übrigen  ist  zu  beachten,  dass  sich  die  Behörde  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinandersetzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte beschränken darf  (Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2006 Nr. 24 E. 5.1 S.  256),  was  das  BFM  vorliegend  nach  Auffassung  des  Gerichts  in  angemessener Weise getan hat. 5.2.  Das  Bundesamt  stützt  seinen  ablehnenden  Entscheid  vor  allem  darauf  ab,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  unglaubhaft  seien. Dazu Folgendes:  5.2.1. Für  die  subjektive Wahrheit  spricht  einerseits, wenn  die Aussage  zahlreiche  und  qualitativ  hochwertige  Details  enthält,  welche  sich  zu 

E­6148/2008 einem stimmigen Ganzen zusammenfügen, anderseits, wenn die befragte  Person über  ihre bei dem Ereignis auftretenden Gefühle, Assoziationen,  unverstandenen Erscheinungen oder Missverständnisse berichtet. Für ein  realitätsbegründendes  Ereignis  spricht  weiter,  wenn  der  rechtsrelevante  Tatbestand gleich bleibt; dazu zählen  insbesondere die Schilderung des  zentralen  Kerngeschehens  und  der  eigenen  Rolle,  die  Benennung  der  unmittelbar  am  Kerngeschehen  beteiligten  Personen,  von  fraglichen  Tatorten  und  von  unmittelbar  handlungsrelevanten  Gegenständen  oder  Angaben über unangenehme Empfindungen (insbesondere Schmerzen).  Sodann spricht für den Wahrheitswillen der angehörten Person, wenn sie  ihre  eigene  Rolle  eher  unvorteilhaft  darstellt,  auf  Schutzbehauptungen,  die  naheliegen,  verzichtet,  und  wenn  sie  entlastende  Umstände  bedeutsamer  Art  für  denjenigen  vorbringt,  den  sie  mit  anderen  Teilen  ihrer Aussage belastet. Gegen die subjektive Wahrheit spricht, wenn die  Aussage  detailarm  ist,  obwohl  beim  betreffenden  Erlebnis  ein  Mindestmass  an Detailreichtum  zu  erwarten  wäre,  oder  wenn  auch  auf  Aufforderung  hin  keine  näheren  Einzelheiten  vorgebracht  und  Nebensächlichkeiten berichtet werden  (ROLF BENDER/ARMIN NACK/WOLF­ DIETER  TREUER,  Tatsachenfeststellung  vor  Gericht,  3.  Aufl.,  München  2007, S. 72 ff.).  Sodann  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die ARK  in  einem Grundsatzurteil  festgehalten  hat,  dass  der  Befragung  zu  den  Ausreisegründen  in  der  Empfangsstelle  aufgrund  des  summarischen  Charakters  für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der  vorgebrachten  Asylgründe  nur  ein  beschränkter  Beweiswert  zukommt  (EMARK  1993  Nr.  3  S.  13,  welche  Praxis  vom  Bundesverwaltungsgericht  übernommen  wurde).  Es  kann  deshalb nicht angehen, blossen Unvollständigkeiten und unwesentlichen  Abweichungen  zu  späteren  Aussagen  eine  entscheidende  Bedeutung  beizumessen, und es darf auch nicht davon ausgegangen werden, dass  Asylbewerber  im  Rahmen  dieser  Kurzbefragung  grundsätzlich  die  Möglichkeit  oder  gar  die  Pflicht  hätten,  sämtliche  Gründe  ihres  Asylgesuches abschliessend darzulegen. Anders verhält es sich  jedoch,  wenn klare Aussagen in der Empfangsstelle in wesentlichen Punkten der  Asylbegründung  von  späteren  Aussagen  in  der  kantonalen  Anhörung  diametral  abweichen,  oder  wenn  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt werden,  nicht  bereits  in  der  Empfangsstelle  zumindest  ansatzweise  erwähnt  werden.  Solche  Widersprüche  lassen  sich  in  der  Regel  nicht  mit  dem  summarischen  Charakter  der  Befragung  erklären.  Es  ist  daher  nicht 

E­6148/2008 einzusehen,  weshalb  sie  im  Rahmen  der  Beweiswürdigung  nicht  berücksichtigt werden sollten.  5.2.2.  Anlässlich  ihres  ersten  Asylgesuches  im  Jahre  2005  sagte  die  Beschwerdeführerin sowohl  in der Befragung zur Person als auch in der  Anhörung  vor  dem BFM aus,  sie  stamme  ursprünglich  aus  dem Sudan  (Akten  BFM  A1/10  S.  1  und  A13/9  S.  2).  Im  Rahmen  des  zweiten  Asylgesuchs  dagegen  bringt  die  Beschwerdeführerin  vor,  weder  die  sudanesische  noch  die  eritreische  Staatsangehörigkeit  zu  besitzen  (C1/11  S.  1,  C21/23  S.  2).  Der  Rechtsvertreter  wiederum  stellt  sich  in  seiner  Eingabe  vom  25.  Oktober  2006  gestützt  auf  die  eritreische  Identitätskarte  der  Mutter  auf  den  Standpunkt,  die  Beschwerdeführerin  stamme  ursprünglich  aus  Eritrea  (B1/11  S.  3).  Diese  voneinander  im  entscheidenden  Punkt  des  vorliegenden  Falles  abweichenden  Angaben  sind augenfällig, und die Differenz ist für das Gericht nicht auflösbar.  In seiner Verfügung vom 7. Oktober 2005 hält das BFM zwar  fest, dass  die Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich aus Eritrea stamme, da sie  Tigrinya  und  Arabisch  spreche,  welche  dort  als  Verkehrs­  und  Umgangssprachen  verwendet  würden  (A15/7  S.  4),  was  aber  einzig  bezüglich der Sozialisation,  nicht  jedoch  für  die Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführerin von Bedeutung  ist. Offensichtlich versucht diese mit  ihrem  Beharren  auf  der  eritreischen  Staatsangehörigkeit  sich  den  Auswirkungen  der  Entwicklung  in  Eritrea,  dem  Verfahrenslauf  und  der  Argumentation  des  Bundesamtes  anzupassen.  Sie  muss  sich  aber  auf  ihren  protokollierten  Aussagen  (was  im  Übrigen  auch  bezüglich  der  angeblichen  Vergewaltigung  durch  ihren  Vater  anbelangt,  in  welchem  Zusammenhang sie ebenfalls stark divergierende Ausführungen gemacht  hat)  behaften  lassen.  Das  Gericht  hat  bezüglich  der  (eritreischen)  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführerin  grosse  Zweifel,  welche mit  der Beschwerde nicht ausgeräumt werden.  5.2.3. Aus dem Umstand, dass mittlerweile feststeht, dass die eritreische  Mutter  in der Schweiz  lebt, kann umso weniger abgeleitet werden, dass  die Beschwerdeführerin die sudanesische Staatsangehörigkeit  nicht und  einzig die eritreische besitzt, als sie anlässlich der Befragung zur Person  vom  2.  Februar  2007  zu  Protokoll  gegeben  hat:  "Ich  habe  weder  die  sudanesische  noch  die  eritreische  Staatsangehörigkeit."  (C1/11  S.  11        Ziff. 1.6). Die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Beurteilung  nichts zu ändern.

E­6148/2008 Im  Übrigen  hatte  sich  die  ARK  in  ihrem  Urteil  vom  6.  März  2006  einlässlich  mit  den  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführerin  befasst  und  festgestellt, es würden keine Hinweise auf Verfolgung vorliegen, die sich  nicht  als  offensichtlich  haltlos  erwiesen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  vor  dem  Hintergrund  der  vorstehenden  Erwägungen  auch  im  aktuellen  Verfahren  zu  diesem  Schluss.  Es  geht  von  einem  Konstrukt  aus, das aufgrund der protokollierten Aussagen in den beiden Verfahren  und  der  offensichtlichen  Argumentationsschwächen  in  keiner  Weise  zu  überzeugen vermag, weshalb sich weitere Ausführungen dazu erübrigen. 5.3. Demnach kann dem BFM gefolgt werden, wenn es  in  seinem Wie­ dererwägungentscheid  vom  1.  Juli  2011  an  der  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft und an der Verweigerung des Asyls festhält. Auch  für  das  Gericht  steht  fest,  dass  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat.  6. 6.1.  Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs.  1  AsylG;  EMARK  2001  Nr.  21).  Auch  diesbezüglich  ist  die  angefochtene Verfügung zu bestätigen. 6.3.  Eine  Erörterung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  kann  unterbleiben,  nachdem  das  BFM  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  vorläufig  aufgenommen hat. 7. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  betreffend die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von  Asyl Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit sie nicht gegen­  standlos geworden ist.

E­6148/2008 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens  ist  von einem  teilweisen Obsiegen  der  Beschwerdeführerin  auszugehen,  wobei  bei  Verfahrenskonstellationen  wie  der  vorliegenden  ein  rechnerischer  Grad  des hälftigen Durchdringens angenommen wird.  Der  Beschwerdeführerin  wären  somit  für  ihr  hälftiges  Unterliegen  reduzierte  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 300.­  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG,  Art. 16  Abs. 1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art. 2,  3  und  5  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21.  Februar  2008   [VGKE,  SR  173.310.2]).  Da  der  Entscheid  über  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  in  der  Verfügung  des  Gerichts  vom  2.  Oktober  2008  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verschoben  worden  ist,  wird  in  dessen  Gutheissung und weil die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin belegt ist  (s.  vorstehend  Sachverhalt  Bst.  H)  auf  die  Erhebung  von  Kosten  verzichtet. Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  ihr  erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe Kosten  zusprechen  (Art.  64  Abs.  1  VwVG;  Art.  7  VGKE).  Die  Beschwerdeführerin  hat  im  vorliegenden  Verfahren  nur  teilweise  obsiegt.  Ihr  Rechtsvertreter  hat  keine Honorarnote eingereicht,  doch  lässt  sich der Aufwand zuverlässig  abschätzen.  Unter  Berücksichtigung  des  nicht  vollumfänglichen  Obsiegens ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von total  Fr. 600.  –  (inkl.  Auslagen  und  MWSt),  welche  vom  Bundesamt  zu  entrichten ist, zuzusprechen (vgl. Art. 7 Abs. 2 und Art. 15 VGKE).  (Dispositiv nächste Seite)  

E­6148/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos  geworden  ist,  abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Das  BFM  hat  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von     Fr. 600. – (inkl. Auslagen) zu entrichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  das  Ausländeramt des Kantons (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Valerie Kaeser Versand:

E-6148/2008 — Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 E-6148/2008 — Swissrulings