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Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 E-5720/2011

15. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,421 Wörter·~7 min·4

Zusammenfassung

Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung) | Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des BFM vom 5. Oktober 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5720/2011 Urteil   v om   1 5 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A. _______, geboren am (…), Irak,  z.Z. Transitzone Flughafen Zürich, 8058 Zürich­Flughafen,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des BFM vom 5. Oktober 2011 / N (…).

E­5720/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  den  Irak  eigenen  Angaben  zufolge  am  (…) September  2011  verliess  und  am  (…) September  2011  über  Athen  auf dem Luftweg nach Zürich­Kloten gelangte,  dass  er  am  (…)  September  2011  bei  der  Grenzpolizei  am  Flughafen  Zürich um Asyl nachsuchte, dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit  gleichentags  eröffneter  Verfügung vom (…) September 2011 die Einreise in die Schweiz vorläufig  verweigerte  und  ihm  für  die  Dauer  von  maximal  60  Tagen  den  Transitbereich des Flughafens Zürich als Aufenthaltsort zuwies,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  summarischen  Befragung  vom  (…) September  2011  und  der  Anhörung  vom  (…)  September  2011  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  vorbrachte,  er  sei  irakischer  Staatsangehöriger, kurdischer Ethnie, und habe bis im Jahre 2002 in der  Provinz Dohuk, sodann bis zur Ausreise aus dem Irak in Mosul mit seiner  Mutter und seinem Bruder sowie dessen Ehefrau und drei Kindern gelebt,  dass  sie  die  Provinz  Dohuk  (Nordirak)  infolge  einer  langjährigen  Familienfehde  (…),  die  auf  beiden  Seiten  Todesopfer  gefordert  habe,  verlassen hätten,  dass  seither  keine  Probleme  mit  dem  verfeindeten  Stamm  mehr  aufgetreten seien,  dass er in Mosul indessen seit dem Jahre 2009 Probleme mit Terroristen  gehabt habe,  dass  er  eines  Tages  im  August  2009,  als  er  sich  am  Ufer  des  Tigris  aufgehalten habe, von zwei unbekannten Terroristen mit dem Auto hätte  entführt werden sollen, wobei er von ihnen am Kopf verletzt worden sei,  dass ihnen dies dank des Auftauchens von Passanten nicht gelungen sei,   dass  er  zirka  zwei  Jahre  später  zwischen  (…)  2011  und  (…)  2011  mehrfach  von  angeblich  unterschiedlichen  arabisch­stämmigen  Terroristen  der Gruppe B.  _______  (Terrorgruppe  in Mosul)  angehalten  worden  sei,  als  er  per  Auto  von  Mosul  nach  Dohuk  zur  Universität  unterwegs gewesen sei, 

E­5720/2011 dass  er  dabei  aufgefordert  worden  sei,  nicht  mehr  nach  Kurdistan  zu  fahren, ansonsten etwas geschehen würde, da sie alles über  ihn wissen  würden, dass er trotzdem nach Kurdistan (Nordirak) gefahren sei,  dass  er  bei  der  letzten  Begegnung  vom  (…)  Juni  2011  zusätzlich  zur  Zusammenarbeit  aufgefordert  worden  sei,  er  sich  aber  ausdrücklich  geweigert habe, dies zu tun, dass er keiner dieser Vorfälle der Polizei gemeldet habe,  dass  er  sich  aus  Angst  vor  weiteren  Drohungen  und  nach  einer  Besprechung mit seiner Mutter zur Ausreise entschlossen habe, wobei er  sich  bis  zur Ausreise  bei  einem Freund  in C.  _______  (Provinz Dohuk)  versteckt habe, dass  der  Beschwerdeführer  den  Asylbehörden  keine  rechtsgenüglichen  Identitäts­ oder Reisepapiere abgab, dass er überdies angab, an Asthma zu leiden und dafür Medikamente zu  sich zu nehmen,  dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom 5. Oktober 2011– eröffnet am 11. Oktober 2011 – ablehnte und die  Wegweisung aus dem Transitbereich des Flughafens Zürich samt Vollzug  anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  weder  die  Vorbringen zur involvierten Familienrache noch diejenigen zur Verfolgung  durch  Terroristen  würden  glaubhaft  erscheinen,  zumal  sich  der  Beschwerdeführer damit begnügt habe, knappe und stereotype Angaben  zu machen, dass angesichts der Zeitspanne von (…) bis (…), in welcher es in beiden  Familien  immer  wieder  zu  Todesfällen  gekommen  sei,  der  Erklärungsversuch  des  Beschwerdeführers  nicht  überzeuge,  dass  er  keine  Details  kenne,  weil  ihm  die  Verwandten  nichts  erzählt  hätten,  beziehungsweise ihm die Angelegenheit nicht wichtig gewesen sei, da er  sich aufs Studium habe konzentrieren müssen, zumal eine Blutrache ein  äusserst einschneidendes Ereignis für die betroffenen Familienmitglieder  sei, 

E­5720/2011 dass  hinsichtlich  der  Verfolgung  durch  Terroristen  nicht  nachvollziehbar  sei,  weshalb  sie  ihn  zuerst  hätten  verschleppen,  dann  aber  drei  Mal  hintereinander hätten laufen lassen sollen,  dass überdies auch nicht einsichtig sei, weshalb sie sich gerade  für  ihn  interessiert  hätten,  und  der  Beschwerdeführer  eine  Antwort  zu  dieser  Frage schuldig geblieben sei,  dass  demzufolge  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhalten würden, weshalb  die Asylrelevanz nicht zu prüfen sei,  dass  eine  Wegweisung  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  in  den  drei  von  der  kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya  zumutbar sei, weil in diesen Provinzen keine Situation allgemeiner Gewalt  herrsche,  dass der Beschwerdeführer zwar angebe, in Mosul gelebt zu haben, aber  eine Wegweisung in den Nordirak zumutbar sei, weil er bis 2002 in Dohuk  gelebt und dort studiert habe und sich vor der Ausreise von Juni 2011 bis  September 2011 bei einem Freund versteckt habe, bei dem er auch seine  Identitätskarte  hinterlassen  habe,  was  auf  eine  enge  Freundschaft  hindeute,  dass auch seine Asthmaprobleme kein Wegweisungshindernis seien, und  mit im Irak erhältlichen Medikamenten behandelt werden könnten,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  17.  Oktober  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob,  und dabei beantragte, der Entscheid des BFM sei aufzuheben, es sei ihm  Asyl  zu  gewähren  oder  jedenfalls  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen,  und  evuentualiter  sei  die  Unzulässigkeit  bzw.  die  Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen,  dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, die Begründung der  Beschwerdeschrift  sei  von  Amtes  wegen  in  eine  Amtssprache  zu  übersetzen,  und  es  sei  ihm  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege zu gewähren, 

E­5720/2011 dass  mit  verfahrensleitender  Verfügung  vom  18.  Oktober  2011  des  Bundesverwaltungsgerichts  dem Beschwerdeführer mitgeteilt wurde,  die  Begründung der Beschwerde werde  in  eine Amtssprache übersetzt  und  über die übrigen Verfahrensanträge werde zu einem späteren Zeitpunkt  entschieden,  dass  die  Flughafenpolizei  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit  Telefax  vom  28.  Oktober  2011  die  Kopie  eines  Dokumentes  in  arabischer  Sprache vom Beschwerdeführer übermittelte, dass die  Instruktionsrichterin auch dieses Beweismittel  zur Übersetzung  in Auftrag gab,  dass  er  in  seiner  Beschwerde  hauptsächlich  geltend  machte,  er  werde  von den Terroristen weiterhin bedroht,  dass  er  beim D.  _______  vorbeigegangen und  ihm dort  gesagt worden  sei, dass an ihn adressierte Faxe vorliegen würden,  dass  einer  davon  ein  Drohbrief  sei,  den  die  Terroristen  am  (…)  September 2011 im Hof seines Hauses in Mosul hinterlegt hätten, und mit  welchem  sie  gefordert  hätten,  die  Familie  solle  ihn  den  Terroristen  übergeben,  dass der zweite Fax eine Bestätigung der Einwohner des Dorfes sei,  in  welchem  er  vor  dem  Jahr  2002  gelebt  habe,  und  die  ihn  unterstützen  würden,  dass  er  im  Übrigen  an  den  bei  der  Vorinstanz  geltend  gemachten  Vorbringen festhielt und diese bestätigte,  dass  die  Flughafenpolizei  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit  Telefax  vom  13.  November  2011  die  Kopie  eines  den  Beschwerdeführer  betreffenden  ärztlichen  Zeugnisses  in  englischer  Sprache  und  ein  in  arabischer Sprache verfasstes Schreiben übermittelte,  dass aus dem ärztlichen Zeugnis im Wesentlichen hervorgeht, dass er an  Bronchitis und Asthmaproblemen leide,

E­5720/2011 und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  31  –  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110] ), dass eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  in  casu nicht vorliegt und das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig  entscheidet, dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder  das  AsylG  nichts  anderers  bestimmen  (vgl.  Art.  37  VGG  sowie  Art.  6  AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  im  Flughafenverfahren  praxisgemäss  Beschwerden,  die  nicht  in  einer Amtssprache verfasst sind, von Amtes wegen übersetzt werden, dass die Beschwerdefrist mittels Faxbeschwerde vom 17. Oktober 2011  und dem unmittelbar danach nachgereichten Original eingehalten wurde,  weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

E­5720/2011 dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  der  Begründung  ablehnte,  dessen  Vorbringen  vermöchten  den  Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standzuhalten,  dass das Bundesverwaltungsgericht diese Einschätzung teilt und deshalb  vorab  auf  die  entsprechenden  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen Verfügung zu verweisen ist, dass  namentlich  die  Furcht  vor  Blutrache  –  selbst  wenn  die  geltend  gemachten  Vorfälle  als  glaubhaft  zu  beurteilen  wären  –  keine  Asylgewährung  zu  begründen  vermöchte,  weil  es  an  einem  genügend  engen  Kausalzusammenhang  zwischen  der  Blutrache,  die  von  (…)  zahlreiche Familienopfer gefordert haben soll, und der Ausreise im Jahre  2011 fehlt,  dass  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich  zudem  verneinte,  seit  dem  Verlassen  von  Dohuk  im  Jahr  2002  noch  Schwierigkeiten  mit  der  verfeindeten Familie gekannt  zu haben  (vgl. A13 S. 5 F29), obschon er  sich seither regelmässig für diverse Anlässe nach und ab dem Jahr 2010 

E­5720/2011 an die Universität  in Dohuk begab  (vgl. A13 S.  5 F30 und S.  7 F53  ff.,  Befragungsprotokoll vom 25. September 2011 S. 3), dass  die  Vorbringen  betreffend  die  Verfolgung  durch  unbekannte  Terroristen  übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  als  unglaubhaft  zu  beurteilen sind,  dass  insbesondere  festzustellen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Überfall  im  Jahre  2009  sowie  die  drei  weiteren  Begegnungen  mit  den  vermeintlichen Terroristen nicht substanziiert zu beschreiben vermochte,  dass darüber hinaus auffällt, dass er weder über die Behelligungen durch  die  angeblichen Terroristen  noch  über  die Arbeiten,  für welche  er  hätte  eingespannt werden sollen, hat Auskunft geben können,  dass  an  dieser  Einschätzung  auch  die  auf  Beschwerdeebene  eingereichte Faxkopie der angeblichen Terrorgruppe E. _______ oder die  Unterstützungserklärung  einiger  Dorfbewohner  seines  Geburtsortes  nichts zu ändern vermögen, zumal die Beweismittel lediglich in Faxkopien  vorliegen, denen nur ein geringer Beweiswert zukommt,  dass auch die nachträglich zu den Akten gereichte Faxkopie,  in welcher   bestätigt  wird,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Mosul  wohnhaft  sei,  die  Verfolgungsvorbringen nicht zu untermauern vermag,  dass  durch  die  eingereichten  Dokumente  keine  konkrete  Gefahr  des  Beschwerdeführers,  Nachteile  im Sinne  von Art.  3  AsylG  befürchten  zu  müssen, erhärtet wird, selbst wenn es sich um echte Dokumente handeln  sollte, dass  insbesondere  kein  Verfolgungsmotiv  nach  Art.  3  AsylG  auszumachen ist,  dass  der  Beschwerdeführer  dieser  Einschätzung  in  seiner  Rechtsmitteleingabe nichts Substanziiertes entgegenzuhalten vermag,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat,

E­5720/2011 dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.9,  BVGE  2008/34  E.  9.2),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  aus  dem  Transitbereich  des  Flughafens Zürich im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht  und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet 

E­5720/2011 und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind, die ihm im Irak droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass gemäss geltender Rechtsprechung  (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5.8)  in  den drei kurdischen Provinzen (Dohuk, Erbil, Suleimaniya) keine Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  und  die  dortige  politische  Lage  nicht  dermassen  angespannt  ist,  als  dass  eine  Rückführung  dorthin  als  generell unzumutbar betrachtet werden müsste,  dass indessen gewisse individuelle Faktoren zu berücksichtigen sind,  dass namentlich eine Anordnung des Wegweisungsvollzugs voraussetzt,  dass  die  betreffende  Person  ursprünglich  aus  der  Region  stammt  oder  eine  längere  Zeit  dort  gelebt  hat  und  über  ein  soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder  Bekanntenkreis)  oder  über  Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien  verfügt,  so  dass  eine  soziale  wirtschaftliche  Integration  in  die  Gesellschaft  gelingen  kann,  denn  der  Erhalt  einer  Arbeitsstelle  oder  von  Wohnraum  hängt  weitgehend  von  gesellschaftlichen und politischen Beziehungen ab,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  seiner  Geburt  bis  ins  Jahr  2002  mit  seiner Familie hauptsächlich in der Provinz Dohuk gelebt hat und deshalb  auch  davon  auszugehen  ist,  dass  er  dort  über  ein  Beziehungsnetz  verfügt,  zumal  er  auch  von  Mosul  –  seinem  späteren  Wohnsitz  –  aus  immer  wieder  in  die  Provinz  Dohuk  gegangen  ist  und  sich  vor  seiner  Ausreise einige Monate in C. _______ (Provinz Dohuk) bei einem Freund  aufgehalten hat,  dass es sich überdies beim Beschwerdeführer um einen  jungen  ledigen  Mann  mit  guter  Schulbildung  und  Arbeitserfahrung  handelt,  der  gesundheitlich  zwar  leicht  angeschlagen  ist,  aber  dessen 

E­5720/2011 Asthmaprobleme  bereits  vor  seiner  Ausreise  im  Irak  haben  behandelt  werden können, weshalb anzunehmen ist, dass er in seinem Heimatstaat  die erforderliche Gesundheitsversorgung weiterhin erhalten wird,  dass an dieser Einschätzung auch das am 13. November 2011 per Fax  übermittelte  Arztzeugnis  eines  irakischen  Arztes  nichts  ändert,  zumal  keine neuen Erkenntnisse daraus hervorgehen,  dass überdies  in antizipierender Beweiswürdigung verzichtet wurde, das  in  arabischer  Schrift  verfasste  Schreiben  –  ebenfalls  am  13.  November  2011  eingereicht  –  übersetzen  zu  lassen,  weil  es  angesichts  des  festgestellten  Sachverhalts  nicht  zu  einem  anderen  Ausgang  des  Verfahrens führen würde, dass  der  Beschwerdeführer  deshalb  im  Falle  einer  Rückkehr  nicht  konkret gefährdet, weshalb der Vollzug der Wegweisung zumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  sich  aus  der  offensichtlichen  Unbegründetheit  der  Beschwerde  ergibt,  dass  die  Begehren  keine  Erfolgschancen  gehabt  haben  bzw.  haben,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­   (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).

E­5720/2011 (Dispositiv nächste Seite)

E­5720/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki Versand:

E-5720/2011 — Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 E-5720/2011 — Swissrulings