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Bundesverwaltungsgericht 02.02.2012 E-501/2012

2. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,169 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Januar 2012 /

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­501/2012 Urteil   v om   2 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;   Gerichtsschreiberin Anna Poschung. Parteien A._______, Senegal,   vertreten durch (…), Caritas Luzern,  Sozialdienst Asylsuchende,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 13. Januar 2012 / N (...).

E­501/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  Senegal  am  25. November  2010  verliess  und  via  Mali,  Burkina  Faso,  Niger,  Libyen  und  Italien  am  20.  November  2011  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er  am  darauffolgenden  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______ um Asyl ersuchte, dass  er  gemäss  EURODAC­Meldung  vom  22.  November  2011  am  29. April 2011 in Lampedusa daktyloskopiert worden war und am 12. Mai  2011 in Verona ein Asylgesuch gestellt hatte, dass er am 7. Dezember 2011 im B._______ zu seiner Person und dem  Reiseweg  befragt  und  ihm  gleichzeitig  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  Zuständigkeit  Italiens  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens und einer Wegweisung dorthin gewährt wurde, dass  er  anlässlich  der  summarischen  Befragung  unter  anderem  zu  Protokoll  gab,  er  habe  in  Italien  Asyl  beantragt  und  einen  negativen  Entscheid bekommen,  dass er nicht nach Italien zurück wolle, weil man dort weder Essen noch  Geld erhalte, dass das BFM mit Schreiben vom 12. Dezember 2012 der  zuständigen  kantonalen  Migrationsbehörde  den  Beschwerdeführer  als  unbegleitete  minderjährige asylsuchende Person meldete, dass  das  BFM  am  24.  November  2011  gestützt  auf  die  EURODAC­ Meldung ein Übernahmeersuchen im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. c der  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin­II­VO],  an  die  italienischen  Behörden  richtete,  welches in der Folge unbeantwortet blieb, dass die  rubrizierte Rechtsvertreterin dem BFM am 28. Dezember 2011  ihr Mandat anzeigte, dass  der  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  mit  Schreiben  des  BFM  vom  29.  Dezember  2011  Gelegenheit  gewährt  wurde,  sich  innert 

E­501/2012 Frist  zur  Zuständigkeit  Frankreichs  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  und  einer  allfälligen  Wegweisung  dorthin  schriftlich zu äussern, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  13.  Januar  2012  –  eröffnet  am  20.  Januar 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  auf  das Asylgesuch nicht  eintrat  und die Wegweisung aus der Schweiz nach  Italien sowie deren Vollzug  anordnete und dabei festhielt, einer Beschwerde gegen diese Verfügung  komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass es zur Begründung des Nichteintretensentscheides im Wesentlichen  festhielt,  aufgrund  des  EURODAC­Treffers  sei  nachgewiesen,  dass  der  Beschwerdeführer in Italien ein Asylgesuch eingereicht habe, dass  die  italienischen  Behörden  innerhalb  der  festgelegten  Frist  zum  Übernahmeersuchen  des BFM  keine Stellung  genommen  hätten, womit  gemäss  dem  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA], SR 0.142.392.68) und unter Anwendung von Art. 20 Abs. 1 Bst. c  Dublin­II­VO  die  Zuständigkeit  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens an Italien übergegangen sei, dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung  (Art. 19  f. Dublin­II­VO) – bis spätestens am 9. Juni 2012  zu erfolgen habe,  dass  die  Wegweisung  die  Regelfolge  eines  Nichteintretensentscheides  darstelle  und  keine  Gründe  ersichtlich  seien,  die  auf  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  eines  Wegweisungsvollzuges  nach  Italien schliessen lassen könnten,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  hinsichtlich  des  Heimatstaates nicht zur Prüfung gelange und keine Hinweise bestünden,  dem  Beschwerdeführer  drohe  in  Italien  eine  Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101),

E­501/2012 dass  weder  die  in  Italien  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe  gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung nach Italien sprechen würden, dass der Rechtsvertreterin das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Italiens  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  und  einer  Wegweisung dorthin gewährt worden sei,  dass  innerhalb  der  angesetzten  Frist  keine  Einwände  geltend  gemacht  worden seien, dass  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  summarischen  Befragung  vom  7.  Dezember  2011  ohne  Beisein  einer  Rechtsvertretung  das  rechtliche Gehör gewährt worden sei und er dabei geltend gemacht habe,  er wolle nicht nach  Italien zurück, da man dort nichts zu essen und nur  wenig Geld erhalte, dass der Beschwerdeführer diesbezüglich an die  italienischen Behörden  gelangen  könne,  zumal  Italien  die  Richtlinie  2003/9/EG  des Rates  vom  27.  Januar  2003  (nachfolgend  Aufnahmerichtlinie),  welche  zahlreiche  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden  beinhalte,  ohne  Beanstandungen  von  Seiten  der  Europäischen  Kommission umgesetzt habe, dass des Weiteren die geltend gemachte Minderjährigkeit einer Rückkehr  nach Italien, wo er sich bereits mehrere Monate aufgehalten habe, nicht  entgegenstehe, dass  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  gemäss  Art.  34  Abs. 2  Bst.  d  AsylG  gestützt  auf  Art.  107a  AsylG  keine  aufschiebende  Wirkung zukomme, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  27.  Januar  2012  durch  seine  Rechtsvertreterin  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  beantragt,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  das  Asylgesuch  sei  zur  materiellen  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  wobei  diese vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen solle, dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht der Beschwerde die aufschiebende  Wirkung  zu  gewähren  sei  und  die Vollzugsbehörden  anzuweisen  seien,  von allfälligen Vollzugsmassnahmen abzusehen,

E­501/2012 dass  dem  Beschwerdeführer  die  unentgeltliche  Rechtspflege  unter  Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses und eine angemessene  Parteientschädigung zu gewähren sei, dass er zur Stützung seiner Vorbringen eine Fürsorgebestätigung, datiert  vom 27. Januar 2012, einreichte, dass auf die Begründung der Beschwerde, soweit entscheidwesentlich, in  den Erwägungen eingegangen wird, dass  die  Instruktionsrichterin  mit  Telefax  vom  27.  Januar  2012  den  Wegweisungsvollzug per sofort aussetzte, bis nach Eingang und Prüfung  der  vorinstanzlichen  Akten  über  eine  allfällige  Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nach Art. 107a AsylG befunden  werde, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  30.  Januar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG,  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

E­501/2012 dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  in  Entscheidungen  und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  einer  selbständigen  materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  und  die  Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist, dass  über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel  verzichtet wurde, dass  vorab  festzustellen  ist,  dass  die  Vorinstanz  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  nicht  in  Abrede  gestellt hat (vgl. A13/1), dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe unter anderem  rügt, die Vorinstanz habe es unterlassen, vorgängig abzuklären, ob eine  Wegweisung mit dem Kindswohl vereinbar sei beziehungsweise ob er  in  Italien  einem Mitglied  der Familie,  einem offiziellen Vormund oder  einer  geeigneten Aufnahmeeinrichtung übergeben werden könne, dass  er  unter  Hinweis  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­8648/2010  vom  21.  September  2011  weiter  geltend  macht,  die  Vorinstanz  habe  es  unterlassen,  eine  Befragung  in  Anwesenheit  einer 

E­501/2012 Vertrauensperson  durchzuführen,  womit  sie  Art.  17  Abs.  3  AsylG  beziehungsweise das rechtliche Gehör verletzt habe, dass  diese  verfahrensrechtliche  Rügen  vorab  zu  prüfen  sind,  da  sie  allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung  zu bewirken, dass  die  Behörde  aufgrund  der  geltenden  Untersuchungsmaxime  verpflichtet  ist,  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und  vollständige  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  zu  sorgen  (Art.  12  VwVG)  und  es  ihr  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  obliegt  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April 1999  [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG),  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers  entgegen  zu  nehmen,  diese  auch  wirklich  zu  hören,  sorgfältig  zu  prüfen  und  in  der  Entscheidfindung  zu  berücksichtigen (BVGE 2008/47 mit weiteren Hinweisen), dass  die  Vorinstanz  bei  einem  allfälligen  Wegweisungsvollzug  von  unbegleiteten  Minderjährigen  konkrete  Abklärungen  hinsichtlich  vorhandener Institutionen tätigen muss, um dem Kindeswohl ausreichend  Rechnung  zu  tragen  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­8648/2010 vom 21. September 2011 E. 6.4  sowie BVGE 2010/45 E. 8.3. mit weiteren Hinweisen, EMARK 2006 Nr.  24 E. 6.2.5 und EMARK 1998 Nr. 13 E. 5), dass  sich  die  Ausführungen  der  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung bezüglich der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers auf die  Feststellung  beschränken,  die  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  stehe  einer  Rückkehr  nach  Italien,  wo  er  sich  bereits  mehrere  Monate  aufgehalten habe, nicht entgegen (vgl. angefochtene Verfügung S. 4 II E.  II 2.), dass  hingegen  eine  Prüfung,  ob  eine  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  mit  dem  Kindswohl  vereinbar  ist  beziehungsweise ob er dort einem Mitglied der Familie, einem offiziellen  Vormund oder einer geeigneten Aufnahmeeinrichtung übergeben werden  kann, gänzlich fehlt, dass  die  Vorinstanz  somit  den  Sachverhalt  offensichtlich  unvollständig  erstellt  und mithin  den  Untersuchungsgrundsatz  gemäss  Art.  12  VwVG  verletzt hat,

E­501/2012 dass  zwar  eine  Missachtung  von  Verfahrensvorschriften  durch  die  Vorinstanz  aufgrund  der  umfassenden  Kognition  des  Bundesverwaltungsgerichts  (Art.  106  AsylG)  in  bestimmten  Schranken  geheilt werden kann, dass  das  BFM  indessen  vorliegend  den  Untersuchungsgrundsatz  in  schwerwiegender  Weise  verletzt  hat,  weshalb  eine  Heilung  nicht  in  Betracht kommt und die angefochtene Verfügung zu kassieren ist, zumal  es  nicht  Sinn  und  Zweck  des  Beschwerdeverfahrens  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  ist,  den  Sachverhalt  rechtsgenüglich  festzustellen, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens offengelassen werden kann, ob  dieses allenfalls an weiteren Mängeln gelitten hat, dass trotzdem ergänzend auf das zur Publikation vorgesehene Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts  E­8648/2010  vom  21.  September  2011  hinzuweisen ist, mit welchem unter anderem festgehalten wurde, dass in  Dublin­Verfahren die Befragung zur Person den relevanten Schritt für die  Entscheidung  des  BFM  darstelle,  ob  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  Anwendung  finde,  weil  bejahendenfalls  darüber  hinaus  keine  weitere  Anhörung durchgeführt werde, dass demnach bereits für diese summarische Befragung eine Vertrauens­ person für unbegleitete Minderjährige zu bestellen wäre, dabei jedoch zu  berücksichtigen  sei,  dass  dies  erst  geschehen  könne,  wenn  die  entscheidenden  Fragen  hierfür  geklärt  seien,  namentlich  ob  die  asylsuchende Person unbegleitet und minderjährig sei sowie ob sie sich  in einem Dublin­Verfahren befinde, dass  es  deshalb  zweckdienlicher  erscheine,  bei  unbegleiteten  minderjährigen Asylsuchenden, für welche das Dublin­Verfahren in Frage  kommen  könne,  nachträglich  eine  weitere  Befragung  in  Anwesenheit  einer  Vertrauensperson  zu  dem  für  dieses  Verfahren  relevanten  Sachverhalt durchzuführen, dass  aufgrund  obiger  Erwägungen  die  Frage  offen  gelassen  werden  kann,  ob  das  vorliegend  vom  BFM  gewährte  Vorgehen  (schriftliche  Gewährung des rechtlichen Gehörs, adressiert an die Vertrauensperson,  zu  einem  Wegweisungsvollzug  nach  Frankreich  [vgl.  vorinstanzliche  Akten  A  22/2  S.  1])  vor  dem  Hintergrund  des  Urteils  in  Sachen  E­

E­501/2012 8648/2010  rechtsgenüglich  gewesen  ist  oder  auch  dies  zu  einer  Kassation hätte führen müssen,  dass  die  Beschwerde  im  Sinne  der  Erwägungen  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung  vom  13.  Januar  2012  aufzuheben  und  die  Sache  zur  richtigen  und  vollständigen  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  gegebenenfalls  zur  Durchführung  einer  weiteren  Befragung  in  Anwesenheit  einer  Vertrauensperson  zu  dem  für  dieses  Verfahren relevanten Sachverhalt an das BFM zurückzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  auf  die  in  der  Rechtsmitteleingabe gestellten Rechtsbegehren bezüglich Ausübung des  Selbsteintrittsrechts  durch  das  BFM  nicht  einzugehen  ist,  es  jedoch  Sache des Bundesamtes sein wird, sich damit zu befassen, dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  die Anträge  auf  Erteilung  der  aufschiebenden Wirkung  der Beschwerde  und  auf  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  hinfällig  geworden sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs.  3  VwVG),  womit  der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  gegenstandslos wird, dass  dem  vertretenen  Beschwerdeführer  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen Kosten  zuzusprechen  ist  (Art. 64  Abs.  1  VwVG  i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.  320.2]), dass auf die Einholung einer Kostennote verzichtet werden kann, da sich  der zeitliche Vertretungsaufwand  für das Rechtsmittelverfahren aufgrund  der Akten zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE), dass dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der massgebenden  Bemessungsfaktoren  (Art. 9  ­  13  VGKE)  von  Amtes  wegen  eine  auf  insgesamt Fr. 600.− (inkl. Spesen) festzusetzende, von der Vorinstanz zu  entrichtende  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (Art. 10  und  Art. 14  Abs. 2 VGKE).

E­501/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2.  Die angefochtene Verfügung vom 13. Januar 2012 wird aufgehoben und  die Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung von Fr. 600.­ auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Anna Poschung Versand:

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