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Bundesverwaltungsgericht 02.09.2011 E-4722/2011

2. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,239 Wörter·~6 min·2

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 16. August 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4722/2011 Urteil   v om   2 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter François Badoud;   Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, B._______, Iran,   beide vertreten durch (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); Verfügung des BFM vom 16. August 2011 / N (…).

E­4722/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die Beschwerdeführenden  gemäss  eigenen Angaben  den  Iran  am  11. März 2011 legal verliessen, am 18. März 2011 auf dem Luftweg in die  Schweiz einreisten und hier am 20. März 2011 Asylgesuche stellten,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Asylgesuche  anlässlich  der  Kurzbefragung vom 23. März 2011 im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) (…) im Wesentlichen mit einer Anschlussverfolgung der iranischen  Behörden  aufgrund  der  politischen  Tätigkeit  des  bereits  früher  in  die  Schweiz  geflüchteten  Ex­Ehemannes  (N  […];  Asylverfahren  erstinstanzlich hängig) begründete, von dem sie seit dem (…) geschieden  sei, dass sie mit einem legal erhaltenen und von der Schwedischen Botschaft  in Teheran zu Besuchszwecken ausgestellten Schengen­Visum auf dem  Luftweg  via  Istanbul  nach  Schweden  gelangt  seien  –  dort  lebten  Verwandte  von  ihnen  –  und  von  dort  die  Weiterreise  in  die  Schweiz  angetreten  hätten,  ohne  andernorts  zuvor  ein  Asylgesuch  gestellt  zu  haben, dass der Beschwerdeführerin im Rahmen der Kurzbefragung im EVZ das  rechtliche  Gehör  zu  einem  allfälligen  Nichteintretensentscheid  aufgrund  der  mutmasslichen  Verfahrenszuständigkeit  Schwedens  in  Anwendung  der  Schengen/Dublin­Vertragsgrundlagen  mit  Wegweisung  dorthin  gewährt wurde, dass sie dabei erklärte,  für sie selber spiele die Verfahrenszuständigkeit  der Schweiz oder Schwedens an sich keine Rolle, sie sei  jedoch wegen  ihres  Kindes  in  die  Schweiz  gekommen,  welches  mit  seinem  Vater  zusammen sein solle, dass das BFM am 1. Juni 2011 und ergänzend am 27. Juli 2011 ein auf  Art.  9  Dublin­II­Verordnung  (Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat)  gestütztes Übernahmeersuchen  an Schweden  richtete,  welchem  die  zuständige  schwedische  Migrationsbehörde  nach  anfänglicher Absage am 8. August 2011 gestützt auf Art. 9 Abs. 2 Dublin­ II­Verordnung ausdrücklich zustimmte,

E­4722/2011 dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  16.  August  2011  –  eröffnet  am  22.  August 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  vom  23.  Januar  2011  nicht  eintrat,  deren  Wegweisung  nach  Schweden  und  den  Vollzug  anordnete  und  ferner  feststellte,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  komme  keine aufschiebende Wirkung zu, dass  es  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (unter  anderem:  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin­Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392.68]; Dublin­ II­Verordnung;  Verordnung  [EG] Nr.  1560/2003  der Kommission  vom 2.  September  2003 mit Durchführungsbestimmungen  zur Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  [DVO  Dublin])  sei  Schweden  für  die  Durchführung des Asylverfahrens zuständig, dass die schwedischen Behörden dem Ersuchen um Rückübernahme der  Beschwerdeführenden  gestützt  auf  Art.  9  Abs.  2  Dublin­II­Verordnung  denn auch ausdrücklich zugestimmt hätten, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich des ihr gewährten  rechtlichen Gehörs keinen Selbseintrittsgrund nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­Verordnung  beziehungsweise  Art.  29a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) darstellten  und  keine  relevanten  Hindernisse  für  die  Verfahrenszuständigkeit  Schwedens  und  den  Vollzug  der Wegweisung  dorthin  begründeten,  da  der Vater des Kindes kein Familienangehöriger im Sinne von Art. 2 Bst. i  Dublin­II­Verordnung noch im Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV 1) sei, dass  die  Überstellung  nach  Schweden  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 8. Februar 2012  zu erfolgen habe, dass  die  Wegweisung  die  Regelfolge  des  Nichteintretensentscheides  darstelle  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Schweden  mangels  zureichender gegenteiliger Anhaltspunkte zulässig, zumutbar und möglich  sei  und  insbesondere  weder  dem  Non­Refoulement­Gebot  noch  Art.  3 

E­4722/2011 der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) widerspreche, dass gemäss Art. 107a AsylG einer allfälligen Beschwerde gegen diese  Verfügung keine aufschiebende Wirkung zukomme, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 26. August 2011 gegen  diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Anweisung  an  die  Vorinstanz  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  beziehungsweise  zur Anhandnahme des Asylgesuchs zuständigkeitshalber, eventualiter die  Rückweisung  der Sache  an  die Vorinstanz  zur Neubeurteilung  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  für  die  Verfahrenskosten  inklusive  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  die  Anordnung  einer  vollzugshemmenden  vorsorglichen  Massnahme  beziehungsweise  die  Erteilung  der  aufschiebenden Wirkung beantragen, dass  sie  in  der  Begründung  die  Verfahrenszuständigkeit  der  Schweiz  bekräftigen,  welche  sich  aus  dem  allseitigen  und  durch  diverse  Urlaubsscheine und ein Arztzeugnis belegten Wunsch ergebe, dass das  gemeinsame und an  (…)  leidende  rubrizierte Kind  in der Nähe des hier  wohnenden Vaters bleiben könne, dass  somit  Art.  8  Dublin­II­Verordnung  Anwendung  zu  finden  habe,  da  das Kind durchaus als Familienangehöriges (i.S. Art. 2 Bst.  i/iii Dublin­II­ Verordnung)  seines  in  der  Schweiz  wohnenden  und  sich  noch  im  erstinstanzlichen  Asylverfahren  befindlichen  Vaters  zu  bezeichnen  sei  und  der  gemeinsame Wunsch  aller  Beteiligten  zum  Zusammenleben  in  der Schweiz bestehe, dass eventualiter  die Selbsteintrittsklausel  aus humanitären Gründen zu  greifen  habe,  da  andernfalls  das  in  Art.  8  EMRK  verbürgte  Recht  auf  Familienleben  und  das  in  diesem  Zusammenhang  zu  beachtende  Kindeswohl  verletzt  würden,  welche  Prüfung  das  BFM  indessen  in  Missachtung  der  Begründungspflicht  und mithin  des  rechtlichen Gehörs  unterlassen habe, dass die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Vater  denn auch ungewöhnlich eng sei,

E­4722/2011 dass  betreffend  die  eingereichten  Beweismittel,  soweit  sie  nicht  bereits  erwähnt wurden  oder  darauf  noch  in  den Erwägungen  einzugehen  sein  wird, auf die Akten zu verweisen ist,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  29.  August  2011  den  Vollzug  der  Wegweisung  gestützt  auf  Art.  56  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  antragsgemäss  vorsorglich  aussetzte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  30.  August  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 

E­4722/2011 überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),  dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides stellen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  die  schwedischen  Behörden  dem  Ersuchen  des  BFM  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  9  Abs.  2  Dublin­II­Verordnung  (primäre  Verfahrenszuständigkeit  des  Visum  erteilenden  Landes)  am  8.  August  2011  zugestimmt  haben  und  Schweden  für die Durchführung der Asyl­ und Wegweisungsverfahren  beider Beschwerdeführenden zuständig ist, dass die erwähnte gesetzliche Grundlage der Zuständigkeit vom BFM 

E­4722/2011 zutreffend erkannt (und von Schweden auch akzeptiert) wurde,  dass  diesbezüglich  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, dass  das  BFM  zwar  –  in  Stützung  der  betreffenden  Rüge  der  Beschwerdeführenden  und  in  Erkennung  einer  Missachtung  der  Begriffsbestimmungen von Art. 2 Bst. i Dublin­II­Verordnung durch das  Bundesamt – das Kindsverhältnis des Beschwerdeführers zu seinem in  der  Schweiz  im  erstinstanzlichen  Asylverfahren  befindlichen  Vater  verkennt und sich unzulässigerweise einzig auf das seit der Scheidung  vom  Jahre  2009  nicht  mehr  bestehende  Familienverhältnis  zwischen  der Beschwerdeführerin und dem in der Schweiz wohnenden Ex­Mann  abstützt, dass dies prima vista die Prüfung von Art. 8 Dublin­II­Verordnung (von  den Beteiligten gemeinsam erwünschte Verfahrenszuständigkeit  jenes  Landes,  in  dem  das  Asylgesuch  eines  Familienangehörigen  erstinstanzlich hängig ist) aufdrängen müsste, dass  die  Konkurrenz  der  beiden  gesetzlichen  Zuständigkeitsgrundlagen  von  Art.  8  und  Art.  9  Abs.  2  Dublin­II­ Verordnung  jedoch  in  der  vorliegenden  Konstellation  nur  eine  scheinbare ist,  dass nämlich Art. 4 Abs. 3 Dublin­II­Verordnung eindeutig festhält, der  mit  dem Elternteil  einreisende minderjährige  Familienangehörige  teile  die für den Elternteil geltende Zuständigkeitsordnung, dass  für  die  Beschwerdeführerin  alleine  besehen  die  Anwendbarkeit  von  Art.  9  Abs.  2  Dublin­II­Verordnung  –  mithin  die  Zuständigkeit  Schwedens – unzweifelhaft und an sich auch unbestritten ist, weshalb  das  mit  ihr  eingereiste  minderjährige  Kind  untrennbar  das  Zuständigkeitsschicksal seiner Mutter teilt, dass  unbestrittenermassen  keine Anhaltspunkte  vorliegen,  Schweden  missachte  das  Non  Refoulement­Gebot  oder  die  einschlägigen  Normen  insbesondere der EMRK, des Abkommens vom 28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  oder  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe  (FoK, SR 0.105),

E­4722/2011 dass  die  Beschwerdeführenden  somit  offensichtlich  auch  keine  aus  Art. 8 EMRK fliessenden Zuständigkeits­ oder Selbsteintrittsansprüche  ableiten  können  und  –  unbesehen  des  Umstandes,  dass  das  Familienleben seit der Scheidung ohnehin nicht mehr besteht und die  Beschwerdeführerin  (statt  ihr  Ex­Mann)  den  Beschwerdeführer  in  Obhut  hat  – Schweden  für  die Prüfung  auch  des materiellen Gehalts  dieser Bestimmung zuständig ist,  dass  ferner  gemäss  Ziffer  6  der  einleitenden  Bestimmungen  der  Dublin­II­Verordnung  die  Einheit  der  Familie  nur  insoweit  gewahrt  werden  soll,  soweit  dies  mit  den  sonstigen  Zielen  –  vorliegend  die  Zuständigkeitsordnung  gemäss  Art.  9  Abs.  2  i.V.m.  Art.  4  Abs.  3  Dublin­II­Verordnung  –  vereinbar  ist,  die  mit  der  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  für  die  Prüfung  eines  Asylantrages zuständigen Mitgliedstaates angestrebt werden, dass  im  Übrigen  –  ohne  das  Verhältnis  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seinem  Vater  näher  zu  würdigen  –  das  Kindeswohl  bei  der  aktuell  herrschenden  Situation  (Obhut  bei  der  Beschwerdeführerin)  unbestrittenerweise  in  keiner  Art  jemals  beeinträchtigt war und ist, dass  ein  aus  humanitären  Gründen  verlangter  Selbsteintritt  aber  offensichtlich nicht mit der Begründung anbegehrt werden kann, dass  das Kindeswohl  im anderen Gastland genau gleich oder noch besser  gewahrt sei, dass  schliesslich  auch  im  Umstand  des  beim  Beschwerdeführer  bestehenden (…) kein Selbsteintrittsgrund betreffend die Schweiz oder  ein Vollzugshindernis betreffend Schweden erblickt werden kann, dass  bei  dieser  Sachlage  für  die  schweizerischen  Asylbehörden  insgesamt  keine  Veranlassung  besteht,  in  Abweichung  von  der  festgestellten  Zuständigkeitsordnung  vom Selbsteintritt  gemäss Art.  3  Abs. 2 Dublin­II­Verordnung i.V.m. Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung  1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)  Gebrauch  zu  machen,  das  BFM  die  Überstellung  des  Beschwerdeführers nach Schweden in diesem Sinne (im Ergebnis) zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet  hat  und  die  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisung  samt  ihrem  Vollzug  zu  bestätigen  ist, 

E­4722/2011 dass  das BFM demzufolge  zu Recht  in  Anwendung  von Art.  34 Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten ist, dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Wegweisung aus der Schweiz zu Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG) und  vorliegend keine Ausnahme von diesem Grundsatz ersichtlich  ist  (vgl.  BVGE 2008/34 E. 9.2), weshalb diese zu Recht angeordnet wurde, dass  –  wie  bereits  angeführt  –  die  Frage  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  in Verfahren  nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG bereits Voraussetzung (und nicht erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  2010/45  E. 10.2), weshalb allfällige Vollzugshindernisse bereits im Rahmen der  eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel  (Art. 3  Abs. 2 Dublin­II­Verordnung) geprüft wurden,  dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist  und  es  sich  erübrigt,  auf  deren  Inhalt  und  die  eingereichten  Beweismittel näher einzugehen, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG), dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ungeachtet einer allfälligen Bedürftigkeit der  Beschwerdeführenden abzuweisen ist, da die Beschwerdebegehren nach  dem Gesagten als aussichtslos zu bezeichnen sind, dass  mit  dem  instruktionslosen  Direktentscheid  in  der  Hauptsache  die  Gesuche um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um  Erteilung der aufschiebenden Wirkung hinfällig geworden sind.

E­4722/2011 (Dispositiv nächste Seite)

E­4722/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand:

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