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Bundesverwaltungsgericht 06.09.2011 E-4689/2011

6. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·981 Wörter·~5 min·2

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 5. Juli 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4689/2011 Urteil   v om   6 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, p. A. Schweizerische Botschaft in Ankara, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 5. Juli 2011 / N (…).

E­4689/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am (…) bei der Schweizerischen Botschaft in  Ankara  (in  der  Folge:  die  Botschaft)  um Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz und um Asyl nachsuchte, dass  am  11.  Februar  2011  in  der  Botschaft  die  Anhörung  zu  seinen  Asylgründen stattfand, dass der Beschwerdeführer zur Begründung im Wesentlichen vorbrachte,  er  sei  als  (…)  früher  Mitglied  der  (…)  und  eine  Zeit  lang  auch  Sympathisant der (…) gewesen, dass er  sich zwischen  (…) und  (…)  für die  (…) engagiert  und  im Jahre  (…)  die  (…)  in  (…)  mitgegründet  habe,  wo  er  ebenfalls  politisch  aktiv  gewesen sei, dass  er  sich  gelegentlich  an  Schlägereien  mit  (…)  beteiligt  und  (…)  beleidigt habe, dass  er  im  Jahre  (…)  von  der  (…)  des  (…)gerichts  in  (…)  wegen  Ehrverletzung zu einer Geldbusse verurteilt worden sei, dass  ein  von  einem Rechtsanwalt  gegen  ihn  im  Jahre  (…)  bei  der  (…)  des  (…)gerichts  in  (…)  wegen  Bedrohung  eingeleitetes  Verfahren  erstinstanzlich hängig sei, dass  er  am  (…)  an  einer  Demonstration  im  Zusammenhang  mit  (…)  teilgenommen und dabei  zusammen mit  einer  anderen Person den  (…)  mit Eiern beworfen habe, dass  er  bei  seiner  Festnahme geschlagen worden  sei  und  er  zu  seiner  Verteidigung einen Polizisten (…) habe, dass die (…) des (…)gerichts  in (…) ihn am (…) von der Anschuldigung  der "Beleidigung des (…)" und der "Beleidigung eines Staatsbeamten bei  der  Ausübung  seines  Amtes"  freigesprochen  und  der  Kassationshof  diesen Freispruch mit Urteil vom (…) bestätigt habe, dass die Gemeinde ihm vor (…) Jahren nach (…) seine Stelle unter dem  Vorwand  gekündigt  habe,  er  habe  seinen  Vorgesetzten  bedroht  und 

E­4689/2011 beleidigt, und ihm unter seiner Zusicherung, Stillschweigen zu bewahren,  eine Abgangsentschädigung ausgerichtet worden sei, dass die Geschichte mit dem Eierwurf in der lokalen Presse nach wie vor  ein Thema sei und er befürchte, deswegen erneut angeklagt und diesmal  verurteilt zu werden, dass er deshalb unter Druck stehe, in der Türkei nicht mehr frei leben und  keine  Arbeit  finden  könne  und  er  in  einem  Land  leben möchte,  wo  die  Menschenrechte respektiert würden, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  diverse  Dokumente (…) einreichte, dass das BFM mit Verfügung vom 5. Juli 2011 – dem Beschwerdeführer  gemäss  dem  sich  bei  den  Akten  befindlichen  Rückschein  am  18. Juli  2011  eröffnet  –  die  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  bewilligte  und  das  Asylgesuch ablehnte, dass  die  Botschaft  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit  Begleitschreiben  vom  24.  August  2011  die  bei  ihr  am  22.  August  2011  eingelangte  Rechtsmitteleingabe  des  Beschwerdeführers  vom  10.  August  2011  übermittelte, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  deutschsprachigen  Eingabe  vom  10.  August  2011  unter  Verweis  auf  seine  Vorbringen  und  die  im  erstinstanzlichen Verfahren eingereichten Dokumente die Aufhebung der  Verfügung  vom  5.  Juli  2011  und  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz sowie die Gewährung von Asyl beantragt, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]),

E­4689/2011 dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  die  Durchführung  des  Schriftenwechsels verzichtet wird, dass die Schweiz gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG Flüchtlingen grundsätzlich  Asyl gewährt und eine ausländische Person als Flüchtling anerkannt wird,  wenn sie  in  ihrem Heimatstaat oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei als ernsthafte Nachteile  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  und  Massnahmen  gelten,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken, dass  das  BFM  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen  kann,  wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen  können  oder  wenn  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann,  wobei  Vorbringen  glaubhaft  gemacht  sind,  wenn  die  Be­ hörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  ge­

E­4689/2011 geben  hält,  und  unglaubhaft  insbesondere  Vorbringen  sind,  die  in  we­ sentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind,  den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder  verfälschte Beweismittel abgestützt werden (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52  Abs. 2 AsylG), dass  das  Bundesamt  gemäss  Art.  20  Abs.  2  AsylG  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes  bewilligt,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet werden  kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen,  und  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  3  AsylG  das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen  kann,  Asylsuchenden,  die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG besteht,  die Einreise zu bewilligen, dass  bei  diesem  Entscheid  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  restriktive  Voraussetzungen  gelten,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt und neben der erforderlichen Gefährdung  im Sinne von Art. 3 AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  sind  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  1997 Nr.  15  E. 2.e.­ g.  S.  131  ff.,  die  dort  beschriebene  Praxis  hat  nach  bloss  redaktionellen Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes  nach wie vor Gültigkeit), dass  das  Bundesamt  in  seiner  angefochtenen  Verfügung  darauf  hin­ weist, einer Person könne zwecks weiterer Abklärung des Sachverhaltes  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  2  AsylG  die  Einreise  in  die  Schweiz  bewilligt  werden, wenn dieser nicht zugemutet werden könne,  im Wohnsitz­ oder  im Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen anderen Staat auszureisen, dass  es  sich  bei  der  Befürchtung  des  Beschwerdeführers,  wegen  des  Eierwurfes  auf  (…) erneut  angeklagt  und  verurteilt  zu werden, weil  sich  dessen Rechtsanwalt profilieren wolle, um eine nicht weiter substanziierte  Vermutung handle, und festzustellen sei, dass er anlässlich der Anhörung 

E­4689/2011 bei  der  Botschaft  ausgesagt  habe,  es  sei  in  dieser  Angelegenheit  kein  neues Verfahren gegen ihn eröffnet worden, dass  bei  keinem  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Verfahren  eine  politisch  motivierte  oder  einreiserechtlich  relevante  Verfolgung  im Sinne von Art. 3 AsylG erkennbar sei, zumal er aufgrund  der  vorgebrachten Anschuldigungen  diesbezüglich  auch  in  der  Schweiz  zur Verantwortung gezogen würde, dass  auch  der  Umstand,  dass  er  anlässlich  seiner  Verhaftung  im  Zusammenhang  mit  dem  vorerwähnten  Eierwurf  von  der  Polizei  hart  angepackt  worden  sei,  zu  keiner  anderen Beurteilung  führe,  zumal  ihm  auch  in  der  Schweiz  nach  einer  solchen  Tat  eine  Festnahme  drohen  würde, dass  hinsichtlich  der  Kündigung  der  Arbeitsstelle  durch  die  Gemeinde  aufgrund  seines  geschilderten Verhaltens  nicht  ausgeschlossen werden  könne,  der  Vorwurf,  dass  er  seinen  Vorgesetzen  beleidigt  und  bedroht  habe, treffe zu, womit ein legitimer Kündigungsgrund vorliegen würde, dass  indessen  selbst  bei  einer  politisch  motivierten  Kündigung  kein  ernsthafter Nachteil im Sinne des Asylgesetzes vorläge, weil diese bereits  mehrere  Jahre  zurückliege  und  es  dem  Beschwerdeführer  eigenen  Aussagen zufolge gelungen sei, eine neue Arbeitsstelle als (…) zu finden, dass  des  Weiteren  festzustellen  sei,  dass  in  der  Türkei  aufgrund  der  ökonomischen  Situation  viele  Menschen  ohne  berufliche  Perspektiven  seien und Mühe hätten, eine Arbeitsstelle zu finden, welcher Umstand die  geltend  gemachten  Probleme  des  Beschwerdeführers  bei  der  Arbeitssuche zu erklären vermöge, dass  folglich  der  Beschwerdeführer  nicht  schutzbedürftig  im  Sinne  von  Art. 3 AsylG sei, weshalb das Asylgesuch abzuweisen und die Einreise in  die Schweiz nicht zu bewilligen sei, dass  sich  die  Beschwerde  darin  erschöpft,  unter  Verweis  auf  die  mündlichen  Vorbringen  zur  Begründung  des  Asylgesuchs  und  die  zu  deren  Stützung  eingereichten  Dokumente  die  Asylrelevanz  des  geltend  gemachten Sachverhaltes zu bekräftigen, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Prüfung  der  Akten  zum  Schluss  gelangt,  dass  der Entscheid  der Vorinstanz  in  keiner Weise  zu 

E­4689/2011 beanstanden  ist,  zumal  es  dem  Beschwerdeführer  offensichtlich  nicht  gelingt, mit seinen Vorbringen und den im erstinstanzlichen Verfahren zu  den  Akten  gereichten  Dokumenten  asylrelevante  Nachteile  oder  eine  begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  im  Sinne  des  Asylgesetzes  darzutun, dass das Gericht in Übereinstimmung mit dem Bundesamt feststellt, dass  den  vorliegend  geltend  gemachten  Vorkommnissen  kein  Verfolgungs­ charakter zukommt und die schweizerische Gesetzgebung nicht vorsieht,  Personen,  welche  im  Ausland  ein  Asylgesuch  stellen,  die  Einreise  unabhängig von einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG  – und damit  der  Aussicht  auf  Asylgewährung  in  der  Schweiz  –  schon  deshalb  zu  bewilligen, weil sie sich  in einer schwierigen Situation befinden, wie das  vom Beschwerdeführer geltend gemacht wird, dass  es  dem  Beschwerdeführer  folglich  nicht  gelingt,  eine  aktuelle  und  unmittelbare  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  beziehungsweise  konkrete Hinweise  auf  eine  künftige,  asylrelevante  Verfolgung  und  eine  damit  einhergehende,  begründete  Verfolgungsfurcht  darzutun,  weshalb  ihm ein weiterer Verbleib im Heimatland zuzumuten ist, dass das Bundesamt das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt und  die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt hat, dass  sich  aus  diesen  Erwägungen  ergibt,  dass  die  angefochtene  Ver­ fügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  wären  (Art.  63  Abs. 1  VwVG),  aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  und  in  Anwendung  von  Art. 63  Abs. 1  in  fine  VwVG  und  Art.  2  und  Art.  6  Bst. b  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwal­tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) vorliegend jedoch auf  die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite)

E­4689/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  Schweizerische Botschaft in Ankara. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand:

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