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Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 E-3917/2011

6. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·647 Wörter·~3 min·1

Zusammenfassung

Familienzusammenführung (Asyl) | Familienzusammenführung (Asyl); Verfügung des BFM vom 10. Juni 2011 / N

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­3917/2011 Urteil   v om     6 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;   Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______,  B._______, Sri Lanka,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Familienzusammenführung und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 16. Juni 2011 / N (…) und  N (…).

E­3917/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  am  15.  September  2010  ein  schriftliches  Asylgesuch  bei  der  schweizerischen  Botschaft  in  C._______  einreichte  unter  Hinweis  auf  ihren  Sohn  (den  Beschwerdeführer)  und  dessen  Anerkennung als Flüchtling und Asylgewährung in der Schweiz, dass die Botschaft mit Schreiben vom 24. September 2010 den Eingang  dieses  Gesuchs  bestätigte  und  der  Beschwerdeführerin  Frist  zur  Beantwortung einiger Fragen betreffend ihre Asylgründe setzte, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  15.  Oktober  2010  auf  die Fragen einging und unter anderem darlegte, dass sie auch nach der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  und  dessen  Erhalt  von  Asyl  in  der  Schweiz von der Terrorist Investigation Division (TID) belästigt werde und  deshalb in Angst lebe, dass der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 21. März 2011 ans BFM  gelangte  und  um  Familienasyl  gemäss  Art.  51  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) für seine Mutter ersuchte, dass  er  im  Einzelnen  beantragte,  seiner  Mutter  sei  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen,  es  sei  festzustellen,  dass  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  selbständig  erfülle,  eventualiter  sei  sie  in  seine  Flüchtlingseigenschaft einzubeziehen, dass er mit  dem Gesuch verschiedene Beweismittel  in Kopie  (Pass der  Beschwerdeführerin,  ihre  Identitätskarten,  ihren  Geburtsschein,  Eheschein und Todesschein) zu den Akten reichte, dass das BFM den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 18. April 2011  darauf hinwies, dass sich seine Mutter, falls sie tatsächlich eigenständige  Asylgründe  haben  sollte,  mit  einem  schriftlichen  Asylgesuch  an  die  schweizerische Botschaft in C._______ wenden müsse, dass  der  Beschwerdeführer  das  BFM  mit  Schreiben  vom  5.  Mai  2011  informierte,  dass  seine  Mutter  bereits  am  15.  September  2010  ein  Asylgesuch  bei  der  Botschaft  eingereicht  habe  und  diesem  Schreiben  eine Kopie eines Briefes der Botschaft vom 27. Oktober 2010 beilegte, in  welchem  diese  seiner  Mutter  den  Eingang  ihres  Schreibens  vom  15.  Oktober  2010 bestätigte  und  ihr mitteilte,  dass  ihr Gesuch an das BFM  weitergeleitet worden sei,

E­3917/2011 dass lediglich der Vollständigkeit halber festzuhalten ist, dass sich in den  Akten  des  BFM  betreffend  die  Beschwerdeführerin  (N  […])  aus  nicht  nachvollziehbaren Gründen  keine  Kopie  des  Schreibens  der  Schweizer  Botschaft vom 27. Oktober 2010 befindet,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  10.  Juni  2011  die  Gesuche  um  Bewilligung zur Einreise in die Schweiz gemäss Art. Art. 51 Abs. 4 AsylG  und um Familienvereinigung gemäss Art. 51 Abs. 2 AsylG ablehnte, dass  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  vom  8.  Juli  2011  gegen  diese  Verfügung  Beschwerde  erhob  und  geltend  machte,  die  Lage  seiner  Mutter hätte sich in der Zwischenzeit verschlechtert, sie sei auf der Flucht  vor dem Militär, welches sie wieder in ein Lager bringen wolle, da er mit  seiner Familie geflohen sei, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  mit  Zwischenverfügung vom 14. Juli 2011 zur Vernehmlassung einlud unter  dem Hinweis auf Art. 37 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über  Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) sowie das unter BVGE 2007/19  publizierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, dass sich das BFM innert verlängerter Frist nicht vernehmen liess, dass  das  Bundesamt  der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  31.  August 2011 mitteilte, es halte eine Befragung auf der Botschaft nicht für  nötig,  ziehe  eine Ablehnung  ihres Asylgesuchs  in Betracht  und  ihr  Frist  zur Stellungnahme setzte, dass  die  Beschwerdeführerin mit  Schreiben  vom  1.  November  2011  zu  einer  allfälligen  Ablehnung  ihres  Asylgesuches  Stellung  nahm  und  um  persönliche  Anhörung  durch  die  Schweizer  Botschaft  ersuchte,  da  sie  ihre Asylgründe nicht alle schriftlich geltend machen könne, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; 

E­3917/2011 Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 und Art. 105 AsylG), dass  die  Beschwerdeführenden  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 37  VGG  sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  einer  Prüfung  eines  allfälligen  derivativen  Anspruchs  auf  Anerkennung  als  Flüchtling  stets  die  Prüfung  der  originären  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst  einer  persönlichen  Gefährdung  nach  Art.  3  AsylG  vorzugehen  hat,  sofern  ein  eigenes  Asylgesuch  der  einzubeziehenden  Person  vorliegt,  beziehungsweise  das  Familiennachzugsgesuch  nach  Treu  und  Glauben  auch  als  Asylgesuch  aus dem Ausland im Sinne von Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG zu verstehen  ist (vgl. Art. 37 AsylV 1 und BVGE 2007/19),  dass  die  Beschwerdeführerin  bereits  am  15.  September  2010  ein  Asylgesuch  bei  der  Schweizer  Botschaft  in  C._______  eingereicht  und  eigene Fluchtgründe geltend gemacht hat, dass ausserdem auch im Gesuch um Familienasyl beantragt worden ist,  es  sei  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Flüchtlingseigenschaft selbständig erfülle,

E­3917/2011 dass  somit  aus  der  bestehenden  Aktenlage  klar  hervorgeht,  dass  die  Einreisebewilligung  in  erster  Linie  unter  Hinweis  auf  eine  persönliche  Gefährdung  der  Beschwerdeführerin  beantragt  worden  ist  und  die  Ausführungen zur Frage des Familiennachzugs nur für den Fall gemacht  worden  sind,  dass  das  Vorliegen  einer  persönlichen  Gefährdung  der  Beschwerdeführerin durch die Asylbehörden verneint würde, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Berücksichtigung  von  Art.  37  AsylV  1  –  wie  bereits  in  der  Zwischenverfügung  vom  14.  Juli  2011  angedeutet – zum Schluss kommt, dass die Vorinstanz die Gesuche vom  15.  September  2010  und  21.  März  2011  vorab  unter  dem  Blickwinkel  einer  persönlichen  Gefährdung  der  Beschwerdeführerin  hätte  prüfen  müssen  und  erst  bei  deren  Verneinung  über  das  Begehren  um  Familienasyl hätte befinden können, was indessen unterblieben ist, dass  angesichts  dieses  nicht  heilbaren  formellen  Mangels  für  das  Bundesverwaltungsgericht weder Anlass noch die  rechtliche Möglichkeit  besteht, die vorinstanzlichen Erwägungen einer materiellen Überprüfung  zu  unterziehen,  weshalb  es  sich  jeglicher  Aussage  darüber,  ob  die  Erwägungen  des  Bundesamtes  diesbezüglich  rechtskonform  sind,  enthält, dass  die  Beschwerde  nach  dem  Gesagten  gutzuheissen,  die  vorinstanzliche Verfügung vom 10. Juni 2011 aufzuheben und das BFM  anzuweisen  ist,  zuerst  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  hinsichtlich  deren  persönlicher  Gefährdung   und  allenfalls  nachfolgend  das Gesuch um Familienzusammenführung zu prüfen, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen  sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),  dass  nicht  davon  auszugehen  ist,  dass  den  nicht  vertretenen  Beschwerdeführenden  aus  der  Einreichung  der  Beschwerde  verhältnismässig  hohe  Kosten  erwachsen  sind  (Art.  64  Abs.  1  VwVG),  weshalb auf die Zusprechung einer Parteientschädigung zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite)

E­3917/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung betreffend, gutgeheissen. 2.  Die Verfügung des BFM vom 10. Juni 2011 wird aufgehoben. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  vor  der  Behandlung  des  Gesuchs  um  Familienasyl das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu behandeln. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel  Versand:

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