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Bundesverwaltungsgericht 04.07.2011 E-3425/2011

4. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,946 Wörter·~10 min·4

Zusammenfassung

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 18. Mai 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3425/2011 Urteil   v om   4 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren am (…), Angola,   vertreten durch Ursula Singenberger, substituiert durch  Annina Mollis, Swiss­Exile, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 18.  Mai 2011/N (…).

E­3425/2011 Sachverhalt: A.  Mit Verfügung vom 11. Dezember 2006 – eröffnet am 12. Dezember 2006 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  vom  9.  Dezember  2005  ab,  verfügte  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug an.  Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 10. Januar 2007  wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. September 2010  (E­245/2007)  abgewiesen.  Die  Auffassung  des  BFM  wurde  geschützt,  wonach  die  zentralen  Asylangaben  des  Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  ausgefallen  seien  und  die  eingereichten  Beweismittel  zur  Glaubhaftigkeit einer Verfolgungssituation nichts beizutragen vermöchten.  Aus  der  unglaubhaften  vergangenen  wurde  auf  fehlende  Furcht  vor  künftiger Verfolgung geschlossen und die Flüchtlingseigenschaft verneint.  Den  Wegweisungsvollzug  hielt  das  Gericht  für  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Insbesondere  sei  der  Beschwerdeführer  keiner  konkreten  Gefährdung in Angola ausgesetzt. Seine nicht in allen Teilen substanziiert  dargelegten gesundheitlichen Probleme, namentlich die Diabetes und die  damit  verbundenen  Probleme,  liessen  kein  Wegweisungshindernis  erkennen.  Die  erforderlichen  gesundheitlichen  Behandlungen  und  Medikamente seien  in verschiedenen öffentlichen Spitälern und privaten  Kliniken  Angolas  –  im  Urteil  wurden  beispielshaft  einige  genannt –  erhältlich. Es sei Sache des Beschwerdeführers beziehungsweise seines  behandelnden  Arztes,  sich  auf  die  Rückkehrperspektive  vorzubereiten.  Zudem  sei  der  Beschwerdeführer  gut  ausgebildet,  habe  Berufserfahrungen  und  könne  auf  die  Unterstützung  seiner  in  Angola  lebenden Verwandten  zählen,  zumal  nicht  erstellt  sei,  dass  der Kontakt  mit ihnen abgebrochen sei. B.   B.a.  Am  9.  Mai  2011  (Postaufgabe)  reichte  der  Beschwerdeführer  ein  Wiedererwägungsgesuch  beim  BFM  ein.  Darin  wurde  beantragt,  die  Verfügung des BFM vom 11. Dezember 2006 sei wegen neuer Tatsachen  und  Beweismittel  im  Wegweisungsvollzugspunkt  aufzuheben.  Der  Beschwerdeführer  sei  aus  Zulässigkeits­  und  Zumutbarkeitsgründen  vorläufig aufzunehmen. Weiter wurde um Anordnung vollzugshindernder  Massnahmen  und  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  ersucht.

E­3425/2011 Im Wesentlichen wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer leide an  komplexen  gesundheitlichen  Problemen.  So  benötige  er  seit  2006  psychiatrische  Betreuung  wegen  der  posttraumatischen  Belastungsstörung, die auf seine im Asylgesuch angegebenen Erlebnisse  in  Angola  zurückzuführen  seien.  Seit  2006  leide  er  an  einer  Diabetes  mellitus unklaren Typs. Seither  habe er  eine  strikte  Insulin­Therapie mit  regelmässigen  ärztlichen  Kontrollen  zu  befolgen.  Weiter  seien  bei  ihm  eine  hypertensive  Kardiopathie  (Bluthochdruck­Herz),  arterielle  Hypertonie  (Bluthochdruck),  Augenprobleme,  Dyslipidämie  (Fettstoffwechselstörung),  Gonarthrose  (Kniegelenksarthrose)  und  Thalassämie  (Blutarmut) mit  ihren entsprechenden Folgen  festzustellen.  Entsprechende  fachärztliche  Behandlungen  und  Medikamente  seien  in  Angola  praktisch  kaum  erhältlich.  Es  käme  dort  zu  gesundheitlichen  Komplikationen,  die  unweigerlich  zu  einer  akuten  und  schweren  Gefährdung  seines  Lebens  führen  würden.  Er  könne  sich  auf  kein  Beziehungsnetz  in  Angola  stützen.  Seine  vormalige  Partnerin  sei  mittlerweile mit einem anderen Partner zusammen, von fünf Kindern habe  er  deren  zwei  verloren  –  der  Sohn  sei  verschollen  und  die  Tochter  gestorben  –  und mit  den  noch  lebenden  Nachkommen  habe  er  keinen  Kontakt.  Zusammen mit dem Gesuch wurden eine Vollmacht vom 19. April 2011,  ein  ärztliches  Zeugnis  vom  26.  April  2011  sowie  als  Beleg  einer  fortgeschritttenen  Integration  diverse  Referenzschreiben  und  Kursbestätigungen  eingereicht.  Dem  Zeugnis  zweier  Fachärzte  (…)  für  Endokrinologie, Diabetologie und klinischer Ernährung vom 26. April 2011  ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer an einer "Diabetes mellitus  unklaren  Typs,  DD:  Typ  2,  ketosis­prone  diabetes"  leide.  Bei  der  Erstdiagnose  vom  April  2006  habe  eine  schwere  hyperosmolare  hyperglykämische Entgleisung, eine Ketonurie ohne Azidose, vorgelegen.  Im  Verlauf  der  Behandlung  habe  der  Blutzucker  stabilisiert  werden  können. In den letzten Jahren sei die Krankheit unter intensivierter Basis­ Bolus­Insulintherapie  stabil  verlaufen.  Weiter  sei  eine  "hypertensive  Kardiopathie,  ein  mikrozytäres  hypochromes  Blutbild,  DD  Thalassämie"  zu diagnostizieren. Eine Insulintherapie mit der Medikamentierung Lantus  als Basis und Humalog prandial sei  lebenslang  indiziert, ansonsten sich  eine  schwere  Gefährdung  des  Lebens  beziehungsweise  lebensbedrohenden  Sekundärkomplikationen  ergebe.  Der  Patient  sei  zeitlebens  auf  die  Insulintherapie  und  regelmässige  ärztliche  Kontrollen  angewiesen; eine fehlende Insulintherapie führe zum Tod.

E­3425/2011 B.b.    Mit  Verfügung  vom  18.  Mai  2011  –  eröffnet  am  19.  Mai  2011 –  lehnte  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  ab,  wies  auf  die  Rechtskraft und Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 11. Dezember 2006  hin,  erhob  eine  Gebühr  von  Fr.  600.–  und  stellte  fest,  dass  einer  allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. Das  BFM  begründete  den  Entscheid  mit  dem  Umstand,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  28.  September  2010  zur  Auffassung  gelangt  sei,  dass  eine  Rückkehr  nach  Angola  unter  Berücksichtigung  aller  gesundheitlichen  Aspekte  durchführbar  sei.  Diabetes  sei  im  Übrigen  in  Angola  weit  verbreitet.  Die  dortigen  Einrichtungen  zur  medizinischen  Versorgung  von  Personen,  die  an  Diabetes  und  deren  geläufigen  Erkrankungen  leiden  würden,  seien  gewährleistet.  In  öffentlichen  Spitälern  würden  die  nötigen  Dienste  im  Prinzip  gratis  angeboten.  Ausserdem  habe  der  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit,  die  Phase  bis  zu  seiner  Reintegration  mit  beantragter  medizinischer  Rückkehrhilfe  zu  unterstützen.  Das  eingereichte  Zeugnis  vom 26. April 2011 enthalte keine wesentlichen neuen Informationen, die  das  Amt  veranlassen  würden,  die  im  Rahmen  eines  ordentlichen  Verfahrens  vorgenommene  Würdigung  der  Aktenlage  nochmals  zu  überdenken.  Schliesslich  sei  dem  Beschwerdeführer  nicht  zu  glauben,  dass  er  in  Angola  kein  Beziehungsnetz  habe.  So  hätten  sich  seine  Verfolgungsvorbringen als unglaubhaft erwiesen. Folglich dürfte er noch  Kontakte zu den Kindern haben. Zudem  lebten zahlreiche Verwandte  in  Angola.  Es  lägen  damit  keine  Gründe  vor,  die  die  Rechtskraft  der  seinerzeitigen Verfügung beseitigen könnten. C.  Mit Eingabe vom 17. Juni 2011 und Ergänzungen vom 20. und 23. Juni  2011  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 18. Mai  2011,  die  Rückweisung  der  Angelegenheit  zur  Neubeurteilung  an  das  BFM,  eventualiter  die  Prüfung  der  von  der  Vorinstanz  übersehenen  Punkte  und  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme.  In  formeller  Hinsicht  ersuchte  er  um  Zuerkennung  der  aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Der  Beschwerdeführer  reichte  Kopien  der  angefochtenen  Verfügung,  einer Vollmacht vom 19. April 2011, einer Substitutionsvollmacht vom 14.  Juni  2011  und  eines  vom  25.  Februar  2011  datierten  Schreibens  einer  Sozialarbeiterin  und  Theologin  sowie  eine  Bestätigung  des  Partido 

E­3425/2011 Democrático Para o Progresso de Aliança National Angolana (PDP­ANA)  vom  1.  Mai  2011  und  eine  DVD  mit  Aufnahmen  diverser  Auftritte  von  Angehörigen  dieser  Partei  ein.  Am  20.  Juni  2011 wurden  ein  ärztliches  Zeugnis  eines  Facharztes  für  Innere  Medizin  vom  10.  Juni  2011  und  eine vom 14. Juni 2011 datierte Bestätigung einer Association des amis  du PDP en Suisse nachgereicht, und am 24. Juni 2011 (Kopie) bzw. 27.  Juni  2011  (Original)  ging  ein  Unterstützungsschreiben  eines  Politikers  des  Aufenthaltskantons  des  Beschwerdeführer,  datiert  vom  20.  Juni  2011, beim Gericht ein. Dem ärztlichen Attest  vom 10.  Juni 2011  ist  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  an  arterieller  Hypertonie  und  Diabetes mellitus leide. Medikamentös seien ihm aktuell Humalog Insulin,  Lantus  Insulin,  C­Aprovel  forte,  Amlodipin  und  Remeron  verschrieben.  Die Verabreichung der Blutzuckermedikamente sei lebenswichtig. D.  Am  22.  Juni  2011  setzte  der  Instruktionsrichter  den  Vollzug  der  Wegweisung aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

E­3425/2011 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht;  der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  AsylG  sowie  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art.  48  Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  (Art.  111  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5.  Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich  nicht  geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende  Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender  Lehre  und  ständiger Praxis  des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art. 29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl.  BGE 127 I 133  E. 6  mit  weiteren  Hinweisen).  Danach  ist  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten,  wenn  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen  der  Sachlage  anzupassen  ist.  Sodann  können  auch Revisionsgründe  einen 

E­3425/2011 Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  in  materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  geblieben  oder  deren  Beschwerdeverfahren  mit  einem  formellen Prozessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als  qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist  grundsätzlich  nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens  zu  behandeln  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr. 17  E. 2a  mit  weiteren  Hinweisen). Nachdem  sich  bereits  das  Wiedererwägungsgesuch  auf  die  Frage  des  Wegweisungsvollzugs  beschränkt  hat  und  das  BFM  darauf  eingetreten  ist,  bildet  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  einzig  die  Frage,  ob  sich seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. September  2010 die rechtserhebliche Sachlage so erheblich verändert hat, dass die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  im  Vollzugspunkt  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist, respektive ob  das  BFM  zu  Recht  den  Wegweisungsvollzug  als  durchführbar  erkannt  und  das  Wiedererwägungsgesuch  abgewiesen  hat.  Insofern  haben  die  Bestätigung der PDP­ANA vom 1. Mai 2011 und die Argumentation des  Beschwerdeführers  zur  Verfolgung  und  Flüchtlingseigenschaft  keine  Relevanz  für  dieses  Verfahren.  Aber  auch  eine  Kritik  am  Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht  vom  28.  September  2011  kann  in  einem  Wiedererwägungsverfahren nicht mit Fug geübt werden beziehungsweise  wäre – sogar wenn sie zutreffen würde – unbeachtlich. 6.   6.1.  Gemäss  Beschwerde  sei  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  in  der  angefochtenen  Verfügung  korrekt  erfasst  worden,  aber  die  Vorinstanz  habe  sich  nicht  angemessen  mit  den  wesentlichen  Fragen  auseinandergesetzt. Diese  formelle Rüge  ist  vorab zu prüfen,  da sie  im  Bejahungsfall  zufolge  Verletzung  des  Anspruchs  auf  Gewährung  der  rechtlichen  Gehörs  eine  Kassation  der  angefochtenen  Verfügung  bewirken könnte. 6.2. Im Asylverfahren ist der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen  festzustellen  (Art.  12  VwVG  i.V.m.  Art.  6  AsylG).  Die  behördliche  Untersuchungspflicht wird  durch die  der  asylsuchenden Person gestützt  auf Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht eingeschränkt, wobei diese  insbesondere bei  der Anhörung  vollständig  anzugeben hat, weshalb  sie  um  Asyl  nachsucht.  Die  asylsuchende  Person  hat  Anspruch  auf 

E­3425/2011 Mitwirkung,  was  sich  unmittelbar  aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) ergibt. Im  Rahmen  der  unmittelbar  aus  dem  Gehörsanspruch  folgenden  behördlichen  Begründungspflicht  (Art.  35  Abs.  1  VwVG)  hat  die  verfügende  Behörde  die  Überlegungen  substanziiert  zu  nennen,  von  denen  sie  sich  leiten  liess  und  auf  die  sich  ihr  Entscheid  stützt.  Eine  hinreichende  Begründung  bildet  die  Grundlage  für  eine  sachgerechte  Anfechtung der Verfügung und  ist eine unabdingbare Voraussetzung  für  die Beurteilung ihrer Rechtmässigkeit durch die Beschwerdeinstanz. Aus  dem  verfassungsmässigen  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  ergibt  sich  allerdings  keine  Pflicht  der  Behörden,  zu  allen  im  Verfahren  vorgetragenen  Elementen  ausführlich  Stellung  zu  nehmen;  sie  können  sich bei der Begründung auf die  für den Entscheid wesentlichen Punkte  beschränken.  Der  Untersuchungsgrundsatz  fordert  dort  eingehende  Ermittlung  und  Würdigung  des  Sachverhalts  von  Amtes  wegen,  wo  es  sachverhaltsgerecht erscheint. Die urteilende Instanz soll somit in eigener  Verantwortung  die  tatsächlichen  Geschehnisse  und  Gegebenheiten  (Urteilsgrundlagen) ermitteln, aus denen sich die Rechtsfolgen ergeben. 6.3. Der Beschwerdeführer  führte die von  ihm eingereichten zahlreichen  Referenzschreiben  und  Kursbestätigungen  respektive  Integrationshinweise  an,  die  vom  BFM  nicht  korrekt  gewürdigt  worden  seien:  Das  BFM  hätte  seines  Erachtens  zwingend  berücksichtigen  müssen,  dass  eine  gelungene  Integration  in  der  Schweiz  zur  Entwurzelung und Entfremdung im Heimatstaat führen könne. Weiter sei  dem  Vorhalt  des  BFM  in  Bezug  auf  eine  angeblich  immer  noch  bestehende  familiäre  Beziehung  entgegen  zu  halten,  dass  durch  die  eingereichte  Fotografie,  auf  der  der  tote  Körper  beziehungsweise  der  Sarg  seiner  Tochter  zu  erkennen  sei  (Beschwerde  S.  5  bzw.  8),  deren  Tod  bewiesen  sei.  Zudem  habe  er  keine  Beziehungen  mehr  zu  den  Angehörigen  in  Angola.  Demzufolge  sei  die  Verfügung  des  BFM  aufzuheben. Abgesehen davon, dass sich in den Dossiers aller mit dem Fall befassten  Instanzen  (N  […], E­245/2007, E­3425/2011) kein Foto, das einen  toten  Körper  oder  einen  Sarg  zeigen  würde,  befindet,  ist  darauf  hinweisen,  dass das BFM sich in der angefochtenen Verfügung auf die wesentlichen  Gründe  des  Wiedererwägungsgesuchs  konzentriert  hat,  diese  unbestrittenermassen  korrekt  im  Sachverhalt  erfasst  und  aus  Sicht  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  für  das  ausserordentliche  Verfahren  wesentlichen  Punkte  rechtsgenüglich  beurteilt  hat,  so  dass  der 

E­3425/2011 Beschwerdeführer  diese  hat  sachgerecht  anfechten  können.  Das  BFM  braucht  sich mit  den  für das ausserordentliche Verfahren unerheblichen  Punkten  nicht  auseinanderzusetzen.  Eine  Gehörsverletzung  liegt  somit  nicht vor. 6.4. Zusammenfassend hat das BFM den rechtserheblichen Sachverhalt  genügend  abgeklärt  und  seine  Verfügung  in  ausreichender  Weise  begründet, weshalb keine Verletzung des Gehörsanspruchs vorliegt. Die  in  der  Beschwerde  erhobenen  entsprechenden  Rügen  erweisen  sich  somit  als  nicht  haltbar. Der  Antrag  auf Rückweisung  der  Angelegenheit  an die Vorinstanz zu neuen Abklärungen und neuem Entscheid ist daher  abzuweisen.

E­3425/2011 7.  7.1.  Weiter  wird  gerügt,  das  BFM  habe  bei  seiner  Behauptung  einer  ausreichenden  Prüfung  der  gesundheitlichen  Aspekte  im  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  unberücksichtigt  gelassen,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht im Urteil vom 28. September 2010 (s. dort Ziff.  7.4.2)  in  sinngemässer  Verkennung  der  effektiven  Schwere  und  Komplexität  der  Krankheiten  des  Beschwerdeführers  aktenwidrig  von  keiner  Hospitalisierung  ausgegangen  sei  (Beschwerde  S.  9  und  10).  Dabei  sei  der  Beschwerdeführer  im  April  2006  knapp  drei  Wochen  im  Spital  gewesen.  Die  Hospitalisierung  wird  in  einem  zusammen  mit  der  Beschwerde  am  20.  Juni  2011  erstmals  zu  den  Akten  gelangten  Schreiben  der  Sozialarbeiterin  des  [Spitals]  vom  25.  Februar  2011  bestätigt. 7.2.   Vorab  ist zu erwähnen, dass  im ordentlichen Beschwerdeverfahren  zahlreiche  ärztliche  Atteste  eingereicht  wurden,  die  offenkundig  massgebend  für  die  damalige  gerichtliche  Einschätzung  der  gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers waren. Diese Atteste  vom  5.  Januar  2007,  5.  und  12.  Juli  2010  erwähnten  allesamt  keine  Hospitalisierung.  Eine  solche  hätte  erstmals  allenfalls  aus  dem Hinweis  im zusammen mit dem Wiedererwägungsgesuch am 10. Mai 2011 beim  BFM eingereichten Attest vom 26. April 2011,  in welchem steht, bei der  Erstdiagnose  im  Jahr  2006  sei  es  zu  einer  schweren  hyperosmolaren  hyperglykämischen Entgleisung gekommen, indirekt geschlossen werden  können,  mithin  nach  dem  Zeitpunkt  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Die  Hospitaliserung  hätte  also  auch  schon  viel  früher,  nämlich  im ordentlichen Verfahren,  geltend gemacht werden  können. Ungeachtet dieser Ausgangslage – keine aktenwidrige, aber auf  unvollständiger  Geltendmachung  basierende  falsche  Feststellung  der  Beschwerdeinstanz  im  ordentlichen  Verfahren,  dass  keine  Hospitalisierung erfolgt ist – stellt die dreiwöchige Hospitalisierungsphase  im  Jahr  2006  nur  schon  aufgrund  ihrer  Datierung  keine  nach  dem  28.  September  2010  eingetretene  erhebliche  Änderung  des  relevanten  Sachverhalts dar. 7.3. Der  Beschwerdeführer  ist  sinngemäss  der  Ansicht,  sein  komplexer  gewordenes Krankheitsbild (s. Beschwerde S. 4  f.)  lasse erwarten, dass  die gesundheitlichen  Institutionen  in Angola damit überfordert  seien und  ihm die nötige Fachhilfe und die Medikamente nicht zukommen könnten,  sei  es  aus  Gründen  des  Fehlens  gesundheitlicher  Kompetenz,  Leistungen und lebenserhaltender Medikamente, sei es aus Gründen der 

E­3425/2011 Finanzierbarkeit.  Weiter  wird  in  der  Beschwerde  behauptet,  der  Gesundheitszustand sei insgesamt instabil (Beschwerde. S. 5); er könne  wegen fehlender Behandlung sterben. 7.4.  Im  ausführlichen  ärztlichen  Attest  vom  26.  April  2011  des  [Spitals]  wird  bei weiterer  Fortsetzung  der  Insulintherapie  von  einem  seit  Jahren  stabilisierten  Zustand  des  Patienten  ausgegangen.  Auch  im  aktuellsten  Attest  vom 10.  Juni  2011  eines Facharztes  für  Innere Medizin  ist  keine  Rede  von  einem  instabilen  Zustand  des  Beschwerdeführers.  Die  Reisefähigkeit  wird  zudem  in  keinem  der  Atteste  in  Abrede  gestellt.  Entscheidend bleibt somit – und dies im Gegensatz zur Auffassung in der  Beschwerde  –,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts im ordentlichen Verfahren in gesundheitlicher  Hinsicht  in der Schweiz stabilisiert werden konnte und  ihn –  falls er den  ärztlichen  Weisungen  in  der  Schweiz  wie  in  Angola  nicht  nachzuleben  gedächte – lebensbedrohliche Komplikationen erwarten dürften.  Die seit Abschluss des ordentlichen Verfahrens eingetretenen Folgen und  Ergänzungen des Krankheitsbildes des Beschwerdeführers  lassen damit  insgesamt  keine  Anpassung  der  Verfügung  vom  11.  Dezember  2006  respektive des Urteils vom 28. September 2010 als angezeigt erscheinen.  Auch die offenbar erst vor kurzem diagnostizierte Thalässamie (ärztliches  Zeugnis  vom  24.  April  2011  und  Beschwerde  S.  5)  ist  davon  nicht  ausgenommen, zumal eine solche  im Rahmen einer schwerer Diabetes­  und  Bluterkrankung  nicht  selten  auftritt  und  in  der  Einschätzung  des  Gerichts  bereits  mit  der  Anerkennung  der  Schwere  der  Erkrankung  berücksichtigt  worden  ist.  Die  relevanten  Aspekte  sind  damit  durch  die  ordentliche  Beschwerdeinstanz  geprüft  und  hinlänglich  beurteilt.  Blosse  Kritik  an  Urteilserwägungen  einer  ordentlichen  Instanz  ist  der  Überprüfung  in  einem  ausserordentlichen  Verfahren  entzogen.  Somit  vermögen  auch  die  persönlichen Einschätzungen  eines Parlamentariers  vom  20.  Juni  2011  und  einer  Sozialarbeiterin  vom  25.  Februar  2011  sowie die vielen Referenzschreiben  für die Zeit seit dem 28. September  2010  keinerlei  Nachweis  für  eine  relevante  Verschlechterung  der  Gesundheit des Beschwerdeführers oder für eine Verschlechterung der in  Angola  bestehenden gesundheitlichen  Infrastruktur  und Behandelbarkeit  zu erbringen. Im ordentlichen Beschwerdeverfahren wurde den Aspekten  von  gesundheitlichen  Facheinrichtungen  für  den  Beschwerdeführer  und  der Beschaff­ und Finanzierbarkeit  von  lebenserhaltenden Leistungen  in  der  Motivation  des  Urteils  ein  hoher  Stellenwert  eingeräumt.  Es  kann  somit auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden.

E­3425/2011 7.5.  Schliesslich  wird  gerügt,  das  BFM  habe  übersehen,  dass  der  Beschwerdeführer kein Beziehungsnetz in Angola habe. Seine Frau lebe  mittlerweile  mit  einem  anderen  Partner  zusammen,  mit  drei  seiner  fünf  Kinder könne er seit zwei Jahren nicht mehr  in Kontakt  treten, ein Sohn  sei  vor  drei  Jahren  verschollen  und  eine  Tochter  in  der  Folge  von  sexuellen Übergriffen gestorben.  Diese Hinweise sind  indessen wiedererwägungsrechtlich nicht erheblich,  weil  sie  blosse  Kritik  an  der  Einschätzung  der  Beschwerdeinstanz  des  ordentlichen  Verfahrens  üben  und  nicht  stichhaltig  ein  fehlendes  Beziehungsnetz  in  Angola  als  überwiegend  glaubhaft  aufzuzeigen  vermöchten.  So  steht  ungeachtet  der  aktuellen  Behauptung  des  Beschwerdeführers  nach  wie  vor  im  Raum,  dass  dieser  aus  einer  zehnköpfigen  Familie  stammt  und  die  Mehrheit  seiner  Geschwister  in  B._______  lebt  (A1  S.  3).  Also  besteht  mit  grösster Wahrscheinlichkeit  ein  tragfähiges soziales Beziehungsnetz. Darüber hinaus steht aufgrund  des  Urteils  vom  28.  September  2010  im  Flüchtlings­  und  Asylpunkt  rechtskräftig  fest,  dass  die  bisherigen  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers nicht glaubhaft ausgefallen sind. Daher erscheint es  keineswegs  abwegig,  wenn  das  BFM  die  Behauptungen  über  ein  fehlendes Beziehungsnetz in Angola auf dem Hintergrund der bisherigen  Erfahrungen  mit  dem  Aussageverhalten  des  Beschwerdeführers  prüft.  Somit kann sich dieser aufgrund seines offensichtlich noch bestehenden  Beziehungsnetzes und seiner Ausbildung und Berufserfahrung in Angola  niederlassen und kann dort mit einer ausreichenden Betreuung rechnen.  7.6.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt sich seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28.  September  2010  nicht  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat.  Es  liegen  keine erheblichen Gründe im Rahmen der Zulässigkeit oder Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  im  Sinne  von  Art.  83  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG,  SR 142.20)  vor,  die  zu einer Wiedererwägung der BFM­Verfügung  vom  12. Dezember 2006 führen könnten. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist abzuweisen.

E­3425/2011 9.   9.1. Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  wenn  ihr  Begehren  im  Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung nicht aussichtslos erscheint.  Die Beschwerdebegehren waren  im Zeitpunkt der Anhängigkeitmachung  der  Beschwerde  aussichtslos.  Die  Voraussetzungen  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG sind  unabhängig  vom  fehlenden Nachweis einer prozessualen Bedürftigkeit folglich nicht erfüllt.  Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist somit  abzuweisen. Mit dem Urteil in vorliegender Angelegenheit ist das Gesuch  um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos  geworden. 9.2. Die Kosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art. 1  ­  3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)  

E­3425/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: