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Bundesverwaltungsgericht 08.09.2011 E-3338/2011

8. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·793 Wörter·~4 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 14. April 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3338/2011 Urteil   v om   0 8 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;  Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler. Parteien A._______, Sri Lanka,  p.A. Schweizer Botschaft in Colombo, Sri Lanka,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 14. April 2011 / N (…).

E­3338/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer,  ein  aus  Jaffna  (B._______)  stammender  Tamile, mit Schreiben vom 29. Mai 2010 bei der Schweizer Botschaft  in  Colombo um Asyl nachsuchte, dass  er  auf  Aufforderung  der  Botschaft  hin  mit  Eingabe  vom  22.  Juni  2010 weitere Ausführungen zu seinen Asylgründen machte, dass  die  Botschaft  ihn  mit  Schreiben  vom  10.  August  2010  zur  Beantwortung  eines  individuellen  Fragenkatalogs  aufforderte  und  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  26.  August  2010  fristgerecht  seine  Stellungnahme zu den Akten reichte, dass  er  am  15.  Oktober  2010  auf  der  Botschaft  in  Colombo  zu  seinen  Fluchtgründen angehört wurde, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Gesuchs  im  Wesentlichen vorbrachte, er sei  im Jahr  (…) der Tamil National Alliance  (TNA) beigetreten und habe diese durch lokale Propaganda unterstützt, dass  er  sich  im  Jahr  2006  in  B._______  als  Kandidat  für  Kommunalwahlen  zur  Verfügung  gestellt  habe,  die  jedoch  infolge  der  unsicheren Lage in Jaffna abgesagt worden seien,  dass  er  daraufhin  zuerst  ins  Vanni  und  im  April  2009  in  das  von  der  Armee kontrollierte Gebiet geflohen sei, dass er bei Kriegsende in einem Camp für Vertriebene interniert worden  und  im  November  2009  entlassen  worden  sei,  worauf  er  in  seinen  Heimatort zurückgekehrt sei, dass er – wie auch eine Tochter, die nach Zwangsrekrutierung durch die  Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) in C._______ tätig gewesen sei  – seither  in  regelmässigen  Abständen  bei  der  Armee  ihre  Unterschrift  deponieren  müsse,  weil  man  sie  der  Verbindungen  zu  den  Tigers  verdächtige, dass  sie  anlässlich  solcher  Vorsprachen  immer  wieder  beschimpft  und  schikaniert  würden,  wobei  es  manchmal  auch  zu  Tätlichkeiten  komme,  und Angehörige der Sicherheitskräfte sie auch zu Hause aufsuchen und  kontrollieren würden,

E­3338/2011 dass der Beschwerdeführer mit Eingabe an die Schweizer Botschaft vom  7.  Januar  2011  Besuche  von  Armeeangehörigen  und  Mitgliedern  paramilitärischer  Gruppen  schilderte  und  um  baldige  Schutzgewährung  ersuchte, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  14.  April  2011  die  Einreise  des  Beschwerdeführers in die Schweiz und sein Asylgesuch ablehnte und zur  Begründung im Wesentlichen anführte, aufgrund der Akten sei nicht von  einer  flüchtlingsrechtlich  relevanten Gefährdung  des Beschwerdeführers  in seiner Heimatregion auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe an die Schweizer Botschaft vom  16. Mai  2011  (Eingangsstempel:  3.  Juni  2011)  gegen  diesen Entscheid  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  erhob  und  sinngemäss  beantragte,  der Entscheid  des BFM sei  aufzuheben  und  es  sei  ihm die  Einreise in die Schweiz im Hinblick auf die Gewährung des Asyls oder zur  weiteren Abklärung des Sachverhalts zu bewilligen, dass  er  zur  Begründung  im  Wesentlichen  die  Vorbringen  aus  dem  Verfahren vor dem BFM wiederholt und ergänzt, am 24. April 2011 und  am  2. Mai  2011  hätten Unbekannte  Eintritt  in  sein Haus  gefordert,  was  ihnen verwehrt worden sei, worauf sie wieder abgezogen seien, dass die  vormals  zuständige  Instruktionsrichterin  am 21.  Juni  2011 den  Eingang der Beschwerde bestätigte, und erwägt, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls –  vorbehältlich des Vorliegens eines Auslieferungsersuchens des Staates,  vor welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz  sucht  –  endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i. V. m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32],  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG),

E­3338/2011 dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  in  Berücksichtigung  der  nachstehenden Erwägung  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),  dass  betreffend  den  genauen  Zeitpunkt  der  Eröffnung  des  vorinstanzlichen  Entscheids  keine  Sicherheit  besteht,  aber  in  einem  solchen  Fall  die  Beweislast  bei  den  Behörden  liegt  (vgl.   ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band  X,  Basel  2008,  Rz. 3.150,  S.  166  f.)  und  demnach  zugunsten  des  Beschwerdeführers  von  der  Rechtzeitigkeit  der  Beschwerdeeinreichung  auszugehen ist, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  hier, wie  nachfolgend aufgezeigt,  um eine  solche handelt, weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a  Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass die Schweiz gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG Flüchtlingen grundsätzlich  Asyl gewährt und eine ausländische Person als Flüchtling anerkannt wird,  wenn sie  in  ihrem Heimatstaat oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei als ernsthafte Nachteile  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  und 

E­3338/2011 Massnahmen  gelten,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken, dass  das  BFM  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen  kann,  wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen  können  oder  wenn  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 [Abs. 2] AsylG), dass  das  Bundesamt  gemäss  Art.  20  Abs.  2  AsylG  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes  bewilligt,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet werden  kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen,  und  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  3  AsylG  das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen  kann,  Asylsuchenden,  die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG besteht,  die Einreise zu bewilligen, dass  bei  diesem  Entscheid  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  restriktive  Voraussetzungen  gelten,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt und neben der erforderlichen Gefährdung  im Sinn von Art. 3 AsylG namentlich die Art der persönlichen Beziehung  zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen  Staat,  die  Qualität  allfälliger  persönlicher  Beziehungen  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  sind  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e­g S. 131 ff.; die dort  beschriebene Praxis hat angesichts der bloss  redaktionellen Anpassung  des Gesetzestexts  anlässlich  bei  der  letzten  Totalrevision  nach wie  vor  Gültigkeit), dass zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer schutzbedürftig im Sinn von  Art. 3 AsylG ist, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  sich  in  Würdigung  der  Akten  der  Auffassung der Vorinstanz anschliesst, die vom Beschwerdeführer bisher  erlittenen  Nachteile  hätten  nicht  eine  Intensität  erreicht,  die  eine  akute  Schutzbedürftigkeit im Sinn von Art. 3 AsylG begründen würde,

E­3338/2011 dass der Beschwerdeführer den überzeugenden Argumenten des BFM in  seinem  Rechtsmittel  offensichtlich  nichts  Überzeugendes  entgegenzuhalten  vermag  (soweit  er  darin  nicht  den  bereits  bekannten  Sachverhalt wiederholt), dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ereignisse vor dem  Hintergrund der Situation  in Sri Lanka nach dem Sieg der sri­lankischen  Armee über die LTTE  im Frühjahr 2009 zu beurteilen sind und die vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  staatlichen  Untersuchungen,  die  Entlassung  aus  dem  Internierungscamp  unter  Auflage  einer  wöchentlichen  Meldepflicht  und  die  wiederholten  Befragungen  und  Kontrollen  offensichtlich  im  Rahmen  der  Terrorabwehr  und  nicht  vorab  aus flüchtlingsrechtlich relevanten Motiven erfolgt sind, dass sich zudem offenbar keine konkreten Verdachtsmomente gegen ihn  ergeben haben, andernfalls er mit Sicherheit  verhaftet und strafrechtlich  verfolgt  worden  wäre,  zumal  sein  Aufenthaltsort  der  Armee  seit  der  Entlassung aus dem Camp jederzeit bekannt war, dass  inzwischen  seit  Beginn  der  vorübergehenden  Internierung  des  Beschwerdeführers mehr als zwei Jahre vergangen sind und angesichts  der nunmehr verstrichenen Zeitspanne und der aktuellen Verhältnisse im  Heimatland nicht von einem realen Verfolgungsinteresse seitens der sri­ lankischen Behörden auszugehen  ist,  zumal der Beschwerdeführer  kein  spezifisches Risikoprofil aufweist, das ihn aktuell aus objektiver Sicht als  gefährdet erscheinen liesse, dass unter Würdigung der gesamten Akten nicht davon auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer  habe  in  absehbarer  Zukunft  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  ernsthafte  Nachteile  im  Sinn  von  Art.  3  AsylG  zu  befürchten, dass es somit dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine Verfolgung  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen  und  eine  Schutzbedürftigkeit im Sinn von Art. 20 AsylG nicht gegeben ist, dass  der  Beschwerdeführer  im  Übrigen  auch  in  keiner  Weise  eine  persönliche Beziehung zur Schweiz geltend gemacht hat, dass  das  BFM  das  Gesuch  um  Einreise  und  Asylgewährung  damit  zu  Recht abgelehnt hat,

E­3338/2011 dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  wären  (Art.  63  Abs.  1  VwVG),  aus  verwaltungsökonomischen Gründen vorliegend jedoch in Anwendung von  Art. 63  Abs. 1  letzter  Satz  VwVG  und  Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]  auf  die Erhebung von  Verfahrenskosten zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite)

E­3338/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Schweizer Botschaft  in  Colombo und das BFM. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Rudolf Bindschedler

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