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Bundesverwaltungsgericht 15.02.2012 E-2021/2008

15. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,147 Wörter·~6 min·4

Zusammenfassung

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Februar 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­2021/2008 Urteil   v om   1 5 .   Februar   2012 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Pietro Angeli­Busi, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Martin Zwahlen, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 26. Februar 2008 / N (…).

E­2021/2008 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin,  eine  christliche  Ceylon­Burgerin  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Ostprovinz  Sri  Lankas),  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  ihr Heimatland  im April  2006  respektive  im November  2006.  Sie  reiste mit  ihrem  respektive mit  einem  fremden Reisepass  an  Bord  einer  Linienmaschine  von  Colombo  nach  Italien.  Von  dort  aus  gelangte  sie  schliesslich am 4. Dezember 2006  in die Schweiz. Am 11.  Dezember  2006  stellte  sie  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ)  Basel  ein  Asylgesuch.  Sie  wurde  dort  zu  den  Ausreisegründen  und  Personalien summarisch befragt (Protokoll: A1). In der Folge verdichteten  sich  beim BFM konkrete  Indizien,  dass  die Beschwerdeführerin, welche  sich eigenen Angaben zufolge  im Jahre 2002  für zweieinhalb Monate  in  der  Schweiz  aufgehalten  hat  und  von  dort  wieder  nach  Sri  Lanka  zurückgereist  ist,  sich  seit  2002  beziehungsweise  seit  Jahren  vor  ihrer  Asylgesuchstellung  in  der  Schweiz  aufgehalten  haben  dürfte.  Am  28.  Februar 2007 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen durch das BFM  in Bern­Wabern (Protokoll: A15). Anlässlich der Anhörungen führte die Beschwerdeführerin aus, sie fürchte  sich  wegen  ihrer  Abstammung,  ihren  tamilischen  und  singhalesischen  Sprachkenntnissen  sowie  der  Vermutung  der  Tamilen  einerseits  (namentlich  der  Liberation  Tigers  for  Tamil  Eelam  [LTTE])  und  der  Singhalesen anderseits (namentlich der sri­lankischen Sicherheitskräften  und  Regierungsvertreter),  die  jeweils  andere  Seite  mit  Geld  zu  unterstützen.  Angehörige  der  LTTE  hätten  von  ihr  im  Jahr  2002  die  Spende von 100'000 beziehungsweise 700'000 Rupien (beziehungsweise  17 "Leks", was 100'000 Rupien entsprechen soll, oder 7 "Leks", was den  Gegenwert  von  40'000  Rupien  ergäbe])  gefordert,  weil  sie  geglaubt  hätten, sie sei durch  ihre Auslandaufenthalte vermögend geworden. Der  von den LTTE aufgebaute Druck sei so unerträglich geworden, dass sie  schliesslich  den  von  den  LTTE  zuletzt  festgelegten  Minimalbetrag  von  25'000 Rupien bezahlt habe. Zwischen 2001 und 2006 sei sie wiederholt  (insgesamt dreimal: 2001 und zweimal 2006  respektive 2004, 2005 und  2006)  bei  so  genannten  Round­ups  der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  festgenommen  und  stunden­  respektive  tagelang  in  Haft  gehalten  worden.  Ausserdem  sei  der  tamilische  Ehemann  ihrer  jüngeren  Schwester seit 1990 verschollen. Aus diesen Gründen habe sie fortan bei  dieser  Schwester  und  deren  Kindern  gelebt  und  sie  alle  in  finanzieller  Hinsicht  umfassend unterstützt.  Im Übrigen habe  sie  von Geburt  an bis 

E­2021/2008 April  2002  in  B._______  (Ostprovinz  Sri  Lankas)  gelebt.  Nach  Absolvierung  der  Primarschulzeit  habe  sie  keine  Berufsausbildung  angetreten.  Zwischen  1980  bis  2002  habe  sie  die  sich  bietenden  Gelegenheiten  ergriffen,  als  Hausangestellte  wiederholt  längere  Zeit  in  fremden Ländern (Libanon, Saudi­Arabien, Kuwait, Zypern, Singapur) zu  arbeiten.  1983  habe  sie  im  Libanon  einen  Singhalesen  geheiratet,  mit  dem  sie  jedoch  seit  1986  nicht  mehr  zusammenlebe,  weil  dieser  sie  verlassen  habe.  Im  Jahr  2002  habe  sie  sich  durch  Vermittlung  eines  älteren Ehepaars mit einem Touristenvisum rund zweiundeinhalb Monate  lang in der Schweiz aufgehalten. Auf ihrer letzten Reise in die Schweiz im  Jahr  2006  sei  sie  gegen  ihren Willen  von  ihren Schleppern  in  Italien  in  einem  Bordell  festgehalten  worden  sei,  wo  sie  als  Prostituierte  habe  arbeiten  müsse.  Ein  Freier  und  Landsmann  habe  ihr  schliesslich  zur  Flucht in die Schweiz verholfen.  Die  Beschwerdeführerin  reichte  diverse  Dokumente  betreffend  ihres  verschollenen Schwagers zu den Akten. B.   Mit Verfügung vom 26. Februar 2008 – eröffnet  am 28. Februar 2008 –  wies das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, verfügte ihre  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.  Zur  Begründung  führte  es  aus,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  vermöchten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  standzuhalten, so dass deren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei. Sie habe  sich  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  in  erhebliche  Widersprüche  verheddert  (betreffend  Zeitpunkt  der  Festhaltungen  bei  Roundups,  Dauer  der  Festnahmen,  Reisemodaliten,  Reisepass).  Sie  habe zu Fragen betreffend ihren Aufenthalt in der Schweiz ausweichend,  unsubstanziiert und ungereimt Stellung genommen. Zu ihrer angeblichen  Rückkehr nach Sri Lanka im Jahr 2002 seien nur vage und lebensfremde  Angaben von  ihr erhältlich gewesen. Es  fehlten Beweise und glaubhafte  Indizien  zur  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  im  Jahr  2002.  Die  Beschwerdeführerin sei offensichtlich nicht bereit, wahrheitsgemäss über  ihre persönliche Situation, namentlich über den Zeitraum der Jahre 2002 ­  2006 und über die Reisemodalitäten, zu berichten.  Infolgedessen erfülle  sie die Flüchtlingseigenschaft nicht, und  ihr Asylgesuch sei abzulehnen.  Trotz  des  Bürgerkriegs  in  Sri  Lanka  und  der  damit  verbundenen  unzumutbaren Menschenrechts­ und Sicherheitssituation  im Norden und  Osten  des  Landes  könne  sie  nach Sri  Lanka  zurückkehren,  obwohl  sie 

E­2021/2008 aus  der  Ostprovinz  stammen  mag,  da  ihr  eine  Wohnsitznahme  in  Colombo zumutbar sei. Der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka sei  auch zulässig und möglich. C.  Nach  erfolgter  Akteneinsicht  vom  5.  März  2008  liess  die  Beschwerdeführerin  am  27. März  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  einreichen  mit  den  Anträgen  auf  Aufhebung  der  Dispositivziffern 3  (Anordnung der Wegweisung) sowie 4 und 5  (Vollzug  der Wegweisung und Auftrag an den Vollzugskanton) der Verfügung des  BFM vom 26. Februar 2008.  In  formeller Hinsicht wurde Einsichtgabe  in  die Aktenstücke A12, A16, A17 und A19 und Verzicht auf Erhebung eines  Kostenvorschusses beantragt. In  der  Beschwerde  wurde  im Wesentlichen  geltend  gemacht,  das  BFM  habe  den  rechtlichen  Gehörsanspruch  des  Beschwerdeführers  verletzt.  Zur  Zeit  könne  zu  den  Vorwürfen  in  den  vorenthaltenen  Aktenstücke  (insbesondere  in  den  Polizei­Rapporten)  nicht  Stellung  genommen  werden.  Ferner  bestehe  keine  Aufenthaltsalternative  für  die  Beschwerdeführerin  in  Sri  Lanka:  Sie  habe  nie  im  Raum  Colombo  gewohnt  und  dort  keine  Arbeitsstelle  gehabt.  Sie  verfüge  über  keine  Berufsausbildung und aktuell über keine finanziellen Mittel. Ihre ethnische  und  religiöse  Minderheit  sei  in  der  aktuell  gespannten  Lage  einem  erhöhten Risiko von Diskriminierungen, Belästigungen und Verhaftungen  ausgesetzt.  Als  geschiedene  Frau  ohne  Verwandte  sei  sie,  auch  in  Colombo,  gesellschaftlich  geächtet.  Sie  hätte  keine  Chance  auf  eine  berufliche Integration. Es sei für sie unzumutbar, allein und ohne soziales  Auffangnetz  nach  Colombo  zurückzukehren.  Sie  sei  traumatisiert  durch  die erlebte Zwangsprostitution in Italien, welcher Umstand, wenn er nach  ihrer Rückkehr bekannt würde, sie der gesellschaftlichen Ächtung und der  Gefahr aussetzen würde, erneut in die Hände von Menschenhändlern zu  fallen. Mit  der Beschwerde wurden eine Fürsorgebestätigung  vom 28. Februar  2008 sowie das Original der angefochtenen Verfügung eingereicht. D.  Das  Bundesverwaltungsgericht  stellte  mit  Zwischenverfügung  vom  7.  April  2008  fest,  dass  sich  die  Beschwerde  nur  gegen  den  Wegweisungsvollzugs  richtet,  wies  die  Gesuche  um  Einsicht  in  die  Aktenstücke A12, A16, A17 und A19 und diesbezügliche Gewährung des 

E­2021/2008 rechtlichen  Gehörs  ab,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses und gab dem BFM Gelegenheit zur Einreichung einer  Vernehmlassung. Dieses hielt an seinen Erwägungen  fest, wovon der Beschwerdeführerin  Kenntnis gegeben wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls  in  der Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  (Art. 105  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3.    Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung. Sie ist daher zur Einreichung einer Beschwerde legitimiert (Art.  105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf  die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich lediglich gegen den von der  Vorinstanz  angeordneten  Wegweisungsvollzug  (vgl.  Zwischenverfügung 

E­2021/2008 vom 7. April 2008). Damit ist die angefochtene Verfügung hinsichtlich der  Nichterfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft,  der  Ablehnung  des  Asylgesuchs  und  die  Anordnung  der  Wegweisung  (Ziffern  1  ­  3  des  Dispositivs der angefochtenen Verfügung) rechtskräftig geworden.  3.2. Zu prüfen ist einzig, ob das BFM zu Recht den Wegweisungsvollzug  der Beschwerdeführerin als zumutbar bezeichnet hat oder ob anstelle des  Vollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen  ist  (Art.  44  AsylG  i.V.m.  Art. 83  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). Die Unzulässigkeit und  Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs werden nicht behauptet, und es  besteht auch kein Anlass, diese Aspekte von Amtes wegen zu prüfen. 3.2.1. Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen. 3.2.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 3.2.3.    Das  Bundesverwaltungsgericht  nahm  im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  eine  umfassende Analyse der Situation in Sri Lanka vor und hat sich zur Frage  der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs abgewiesener sri­lankischer  Asylsuchender,  namentlich  tamilischer  Ethnie,  geäussert.  Danach  hat  sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri­lankischen  Armee  und  den  LTTE  im  Mai  2009  die  Sicherheitslage  in  Sri  Lanka  erheblich  verbessert,  weitgehend  stabilisiert  und  normalisiert.  Nach  Erkenntnis  des  Gerichts  ist  der  Wegweisungsvollzug  abgewiesener  Asylsuchender  fast  in  das  gesamte  Staatsgebiet  –  hinsichtlich  der  Nordprovinz mit  gewissen Auflagen und mit Ausnahme des  sog. Vanni­ Gebiets – zumutbar.  3.2.4.    Die  aus  der  in  der  Ostprovinz  gelegenen  Stadt  B._______  (Ostprovinz  Sri  Lankas)  stammende  Beschwerdeführerin  hatte  im 

E­2021/2008 Zeitpunkt  ihrer angeblichen Ausreise im April 2006 respektive November  2006 zwei Schwestern  in B._______  (Ostprovinz Sri  Lankas) und einen  Bruder in einer Ortschaft namens C._______ (A1 S. 3). Seit ihr Schwager  nach  einem  Round­up  sri­lankischer  Sicherheitskräfte  im  Jahr  1990  verschollen sei, habe sie mit ihrer jüngeren Schwester und deren Kindern  – diese Neffen der Beschwerdeführerin sind heute (…) beziehungsweise  (…) Jahre alt – im selben Haus gelebt. Sie sei für die Schwester und ihre  Kinder  umfassend  finanziell  aufgekommen.  Ende  2006  sei  einer  der  Neffen  nach  (anderes  Land  als  Sri  Lanka)  gereist,  wo  auch  ihr  Bruder  lebe;  beide  seien  erwerbstätig  und  kämen  nun  für  diese  in  Sri  Lanka  verbliebene  Schwester  auf  (A15  S.  11).  Gemäss  Behauptung  in  der  Beschwerde habe die Beschwerdeführerin heute keine Verwandte mehr  in  Sri  Lanka  (act.  1  S.  2).  Sie  sei  mittlerweile  von  ihrem  Ehemann –  dessen  Aufenthalt  sie  bei  der  summarischen  Befragung  noch  nicht  kennen  wollte  (A1  S.  2)  und  der  sie  verlassen  habe  (A13  S.  5) –  geschieden (act. 1 S. 2). Die  Beschwerdeführerin  hat  im  Laufe  des  Asylverfahrens  eine  Vielzahl  widersprüchlicher  Angaben  gemacht  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  B  und  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung).  Sie  ist  aufgrund  ihres  Aussageverhaltens in höchstem Masse unglaubwürdig, nicht nur was ihre  angebliche  Gefährdung  anbelangt,  sondern  auch  bezüglich  ihres  angeblichen  Aufenthaltes  in  Sri  Lanka  zwischen  2002  und  2006  sowie  des  Verbleibs  ihrer  Verwandten.  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  die  verwitwete  Schwester  mit  (…)  weiterhin  in  B._______  (Ostprovinz  Sri  Lankas)  leben  und  während  der  letzten  Jahre  von  der  Beschwerdeführerin selbst sowie ihrem Bruder und dem anderen Neffen  finanziell  unterstützt  worden  sind,  und  dass  auch  die  ältere,  mit  einem  Tamilen  verheiratete  Schwester  in  B._______  (Ostprovinz  Sri  Lankas)  lebt.  Damit  gibt  es  neben  den  beiden  Schwestern  (…)  erwachsene  Männer,  die  alle  erwerbstätig  sind  oder  sein  können  und  für  die  Familienmitglieder sorgen. Es ist mithin ohne weiteres von einem intakten  Beziehungsnetz  der Beschwerdeführerin  in  der Ostprovinz  auszugehen,  zumal  auch  weitere  Verwandte  und  Bekannte  sowie  Angehörige  der  zahlenmässig geringen Ethnie der Ceylon­Burger  für  einen zusätzlichen  Halt sorgen werden. Ob  ihr Ehemann auch noch mit  ihr  in Kontakt steht  oder  ob  die  Behauptung  der  jahrelangen  Trennung  und  angeblich  vor  kurzem  erfolgten  Scheidung  zutrifft,  kann  dabei  offen  bleiben.  Die  Beschwerdeführerin  wird  in  Sri  Lanka  ihr  familiäres,  soziales  und  berufliches  Beziehungsnetz  reaktivieren  und  sich  darauf  abstützen  können.  Da  sie  als  Haushälterin  jahrzehntelang  in  verschiedenen 

E­2021/2008 Ländern gearbeitet hat und nach  ihren Auslandaufenthalten regelmässig  nach  Sri  Lanka  zurückgekehrt  ist,  bestehen  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  bei  ihrer  nächsten  Heimkehr  in  eine  existenzielle  Notlage  geraten  würde.  Zudem  hat  sie  auch  berufliche  Erfahrungen  im  Gastgewerbe und  in der Landwirtschaft  in der Schweiz machen können.  Gesundheitliche Gründe, die ihr eine Rückreise erschweren könnten, sind  nicht aktenkundig. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als  zumutbar. 3.3. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zumutbar  erachtet. Nach  dem Gesagten  fällt  eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG). 4.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.  5.  Bei  diesem Ausgang des Verfahrens  sind die Kosten  von Fr.  600.– der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG,  Art.  1  ­  3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  (Dispositiv nächste Seite)

E­2021/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand:

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