Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-1841/2007

10. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,705 Wörter·~19 min·2

Zusammenfassung

Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl) | Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 6. Februar 2007

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­1841/2007 Urteil   v om   1 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Gabriela Freihofer,  Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A._______, geboren am (…), Serbien beziehungsweise Kosovo,   B._______, geboren am (…), Serbien beziehungsweise Kosovo,   beide vertreten durch Hansjörg Trüb, (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für  Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme; Verfügung des BFM  vom 6. Februar 2007 / N (…).

E­1841/2007 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden,  ethnische  Ashkali  aus C._______  (Kosovo),  verliessen  ihren Wohnort  eigenen Angaben  zufolge  zirka  im März  1999  und reisten am 5. Januar 2000 zusammen mit ihren beiden Söhnen in die  Schweiz  ein,  wo  sie  gleichentags  um  Asyl  nachsuchten.  Ihre  Ausreise  begründeten  sie  mit  dem  Ausbruch  des  Krieges  im  Kosovo  beziehungsweise  dem  Umstand,  dass  serbische  Polizisten  sie  im  Zeitpunkt der NATO­Bombardierungen aufgefordert hätten, das Haus zu  verlassen. Sie seien in der Folge nach Mazedonien gegangen, bevor sie  in die Schweiz weitergereist seien. Jetzt, wo der Krieg vorbei sei, könnten  sie  nicht  mehr  zurückkehren,  da  sie  von  den  Albanern  nicht  mehr  akzeptiert würden.  B.  Am  12.  beziehungsweise  20.  Januar  2000  fand  die  summarische  Befragung der Beschwerdeführenden in der Empfangsstelle statt; am 24.  Januar  2000  wurden  die  Beschwerdeführenden  vom  BFF  zu  ihren  Ausreisegründen gemäss Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31,  in  der  damaligen  Fassung)  angehört.  Der  Beschwerdeführer  gab  dabei  zu  Protokoll,  er  habe  im Kosovo während  acht Jahren die Schule besucht. Danach habe er von 1977 bis kurz vor  dem NATO­Angriff  im Jahre 1999 in einer  [Firma] gearbeitet.  Im Kosovo  habe  er  nun  sein  Haus  und  etwas  Land  zurückgelassen.  Zu  den  Ausreiseumständen  führte  er  aus,  zwei  serbische  Polizisten  hätten  ihn  und die Ehefrau am 25. März 1999 aufgefordert, das Haus umgehend zu  verlassen. Mit  ihnen  seien  zahlreiche  andere  Leute,  vorab  Albaner,  auf  dieselbe Weise zum Verlassen des Ortes aufgefordert worden. Sie hätten  in der Folge einen Zug bestiegen und seien nach Mazedonien gefahren,  wo  (…)  wohnhaft  sei.  Auf  dem  Weg  dorthin  seien  ihnen  die  Identitätskarten  und  zweitausend Deutsche Mark  abgenommen worden.  Nach  zweieinhalb Monaten  sei  der Krieg  vorbei  gewesen. Er  habe  sich  gefürchtet,  in  den  Kosovo  zurückzukehren,  da  die  Albaner  die  Roma –  seines  Erachtens  meist  zu  Recht  –  der  Kollaboration  mit  den  Serben  bezichtigt  hätten.  Ausserhalb  seines Herkunftsortes  würde  er  sich  nicht  mehr bewegen können, da ihn seine Hautfarbe als Roma verraten würde.  Die NATO sei zwar schutzbereit, sie könne jedoch nicht alle schützen und  komme erst, wenn man sie nach einem Vorfall rufe.

E­1841/2007 Die Beschwerdeführerin gab  ihrerseits an, sie sei  im Heimatland nie zur  Schule gegangen und könne nicht einmal ihren Namen richtig schreiben.  Am Tag nach dem NATO­Angriff seien sie von zwei serbischen Polizisten  zum Verlassen des Hauses aufgefordert worden. Damals sei das ganze  Dorf  gezwungen  worden  wegzugehen.  Sie  seien  mit  dem  Zug  nach  D._______  in Mazedonien gegangen. Dort hätten sie zu zehnt  in einem  Drei­ Zimmer­Haus bei (…) gelebt. Da es sehr eng gewesen sei, habe sie  (…)  schliesslich  wieder  zum  Verlassen  des  Hauses  aufgefordert.  Sie  hätten  sich  vor  einer  Rückkehr  in  den  Kosovo  gefürchtet,  nachdem  sie  gehört hätten, dass die Albaner Roma misshandelt und der Kollaboration  mit  den  Serben  bezichtigt  hätten.  Von  Landsleuten  hätten  sie  übrigens  gehört, dass ihr Haus zwar noch stehe, jedoch geplündert worden sei.  C.  Mit  Verfügung  vom  28. August  2001  stellte  das  BFF  fest,  die  Beschwerdeführenden und ihr damals noch minderjähriger Sohn erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht.  Es  lehnte  deren  Asylgesuche  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Das  Asylgesuch  des  damals  bereits  volljährigen  Sohnes  wurde  mit  separater  Verfügung  gleichen  Tages  abgewiesen.  Infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  wurde  in  beiden  Verfügungen  die  vorläufige  Aufnahme  angeordnet.  Diese  Verfügungen  erwuchsen  am  2.  Oktober  2001  unangefochten  in  Rechtskraft.  Die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden  begründete  das  BFM  damit,  dass  die  Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten  Gefährdung  für  Angehörige  der  Minderheit  der  Ashkali  im Kosovo  nicht  ausgeschlossen werden  könne.  Eine  Rückkehr  in  den  Kosovo  werde  demnach  in  der  Regel  als  unzumutbar  erachtet.  Auch  die  Inanspruchnahme  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  in  der  restlichen  Bundesrepublik  Jugoslawien  erachtete das BFF als in der Regel nicht zumutbar. D.  Am 29. März 2006 kehrte der volljährige Sohn der Beschwerdeführenden,  nachdem er wegen strafrechtlicher Vorfälle  inhaftiert und verurteilt sowie  gerichtlich des Landes verwiesen worden war, in den Kosovo zurück. E.  Am  19.  Juni  2006  kehrte  der  minderjährige  Sohn  nach  diverser  Delinquenz und massiven disziplinarischen Schwierigkeiten in der Schule  freiwillig in den Kosovo zurück.

E­1841/2007 F.  Mit  Schreiben  vom  9.  August  2006  gelangte  das  BFM  im  Rahmen  der  beabsichtigten  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden an die  kantonale Behörde mit  dem Ersuchen um  Stellungnahme  zur  allfälligen  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  wegen Vorliegens einer schwerwiegenden persönlichen Notlage. G.  Mit  Antwortschreiben  vom  24.  Oktober  2006  verzichtete  die  kantonale  Behörde  auf  eine  abschliessende  Stellungnahme  im  Sinne  eines  Antrages. Hinsichtlich des Verhaltens des Ehepaares führte sie aus, nach  anfänglichen  Anpassungsschwierigkeiten  habe  sich  das  Ehepaar  zunehmend  in die Strukturen der Gemeinde  integriert. Beide hätten sich  aktiv am Tagesablauf der Unterkunft beteiligt und wesentlich zu Ordnung,  Reinlichkeit  und  Gebaren  beigetragen.  Gleichzeitig  hätten  sie  sich,  vor  allem  der  Beschwerdeführer,  am  kantonalen  und  kommunalen  Beschäftigungsprogramm  beteiligt.  Der  Leistungswille  und  der  Einsatz  sowie  die  Zuverlässigkeit  des  Beschwerdeführers  seien  so  beeindruckend  gewesen,  dass  er  als  Gruppenchef  vor  Ort  eingesetzt  worden sei. Die Familie lebe sehr traditionsbewusst und familienbezogen.  Sie  sei  stets  höflich  und  zuvorkommend  gegenüber  Ämtern  und  Behörden,  aber  auch  gegenüber  der  Bevölkerung.  Hinsichtlich  der  wirtschaftlichen  Situation  wurde  ausgeführt,  die  restriktive  Handhabung  der  Arbeitsbewilligungen  wegen  des  übersättigten  Arbeitsmarktes,  das  Alter des Ehepaares sowie die Erkrankung der Beschwerdeführerin seien  bisher  die  hauptsächlichen  Hinderungsgründe  für  eine  Erwerbstätigkeit  und die Notwendigkeit der Unterstützung durch die Fürsorge gewesen. H.  Mit  Schreiben  vom  26.  Oktober  2006  wandte  sich  das  BFM  an  das  Schweizerische  Verbindungsbüro  in  Pristina.  Es  bat  um  Abklärung  der  Fragen,  ob  am  Herkunftsort  der  Beschwerdeführenden  die  beiden  zurückgekehrten Söhne sowie weitere Verwandte lebten, und wie sich die  Situation  der  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  präsentieren  würde.  Insbesondere  wurde  um  Angaben  zur  Wohnsituation,  zu  den  Verwandten,  deren  ökonomischer  Situation  und  deren  Erwerbstätigkeit  gebeten.  I.  Mit  Antwortschreiben  vom  20.  November  2006  teilte  das  Verbindungsbüro in Pristina Folgendes mit: Sie hätten am 17. November 

E­1841/2007 2006  in  C._______  die  zurückgekehrten  Söhne  der  Beschwerdeführenden  besucht.  Die  beiden  Söhne  bewohnten  das  alte  Haus  der  Familie,  welches  sie  in  der  Zwischenzeit  wieder  etwas  hergerichtet hätten. Trotzdem sei es sehr ärmlich geblieben. Es verfüge  über  zwei  Zimmer,  wovon  in  einem  ein  Holzherd  stehe,  welcher  zum  Heizen  und  Kochen  diene.  Daneben  stünden  zwei  Häuser,  welche  im  Ausland  lebenden  Onkeln  gehören  würden.  Eines  sei  zerstört,  das  andere  werde  zu  Ferienzwecken  genutzt.  Die  Söhne  würden  nicht  arbeiten,  sondern  lebten  von  etwa  Euro  200,  welche  ihnen  die  Familie  aus der Schweiz schicke.  Im selben Dorf  lebten ein Onkel, drei Cousins  und eine Cousine, denen gehe es  jedoch  finanziell  sehr viel  schlechter.  Bei  einer  Rückkehr  könnte  ein  Teil  der  Familie  sehr  wahrscheinlich  in  einem  Haus  des  einen  Onkels  leben,  welcher  dieses  nur  zu  Ferienzwecken  benütze.  Die  Arbeitslosigkeit  bei  den  ethnischen  Minderheiten  werde  auf  75 %  geschätzt.  Ohne  Unterstützung  aus  dem  Ausland  sei  es  solchen  Familien  nur  sehr  schwer  möglich,  durchzukommen.   J.  Mit  Schreiben  vom  14.  Dezember  2006  teilte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  mit,  aufgrund  der  veränderten  Situation  im  Heimatland, welche zu einer Neubeurteilung der Lage der Ashkali und zur  grundsätzlichen Bejahung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  den  Kosovo  geführt  habe,  sowie  aufgrund  individueller  Abklärungen  im  Heimatland,  erwäge  es  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme.  Den  Beschwerdeführenden  wurde  zu  diesem  Vorhaben  unter  Beilage  des  Schreibens des Kantons vom 24. Oktober 2006 und der Stellungnahme  des  Verbindungsbüros  vom  20.  November  2006  das  rechtliche  Gehör  eingeräumt.  K.  Mit Fax­Eingabe vom 8. Januar 2007 informierte der im Rubrum erwähnte  Rechtsvertreter  über  die  Mandatsübernahme.  Gleichzeitig  reichte  er  einen ärztlichen Bericht die Beschwerdeführerin betreffend vom 8. Januar  2007  zu  den  Akten.  Diesem  ist  zu  entnehmen,  dass  die  Beschwerdeführerin seit Januar 2000 wegen Hypertonie und chronischer  Bronchitis mit Husten in ärztlicher Behandlung ist. L.  Mit  Eingabe  vom  18.  Januar  2007  nahm  der  Rechtsvertreter  zur  beabsichtigen  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  wie  folgt  Stellung: 

E­1841/2007 Zwischen  den  Zeilen  des  Berichts  des  Verbindungsbüros  sei  zu  lesen,  dass  dieses  eine  Rückkehr  als  sehr  problematisch  erachte.  Das  Verbindungsbüro  stelle  die  Situation  in  ein  düsteres  Licht.  Zur  dargestellten  Arbeitssituation  führte  der  Rechtsvertreter  aus,  bei  einer  Arbeitslosigkeit  von 75% sei ein  regelmässiges Einkommen  für die über  (…)­jährigen Mandanten so gut wie ausgeschlossen. Die  in der Schweiz  lebende  Tochter  hätte  demnach  für  alle  vier  Familienangehörige  zu  sorgen,  was  ihre  Möglichkeiten  massiv  übersteigen  würde.  Die  Beschwerdeführenden  könnten  im  Kosovo  keine  Existenz  aufbauen,  zumal  gesundheitliche  Probleme  ein  weiteres  Hindernis  darstellten.  Die  Rechtsprechung  der  früheren  Asylrekurskommission  (ARK)  zur  Rückkehrmöglichkeit  von  Ashkali  in  den  Kosovo  setze  die  Erfüllung  folgender  Kriterien  voraus:  berufliche  Ausbildung,  Gesundheitszustand,  Alter,  eine  ausreichende  wirtschaftliche  Lebensgrundlage  sowie  ein  soziales  respektive  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz.  Von  diesen  Kriterien  sei  vorliegend  einzig  das  verwandtschaftliche  Beziehungsnetz  vorhanden. Damit  seien die Bedingungen  für eine Rückkehr nicht erfüllt  und der Vollzug der Wegweisung bleibe aus diesem Grund unzumutbar.  In der Stellungnahme wurde weiter auf den eingereichten Arztbericht vom  8.  Januar  2007  verwiesen.  Die  Erkrankungen  verringerten  die  Möglichkeiten der Beschwerdeführerin, zum Lebensunterhalt der Familie  beizutragen. Sie sei auf unbestimmte Zeit und in zunehmenden Mass auf  ärztliche Behandlung  und Medikamente  angewiesen, was  erst  noch mit  erheblichen  Kosten  verbunden  sei.  In  der  Stellungnahme  wurde  weiter  darauf  hingewiesen,  dass  der  Kanton  auf  einen  Antrag  im  Zusammenhang  mit  der  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  verzichtet  habe.  Er  habe  sich  einzig  zur  fehlenden  Erwerbstätigkeit  negativ  geäussert,  ansonsten  sei  das  Verhalten  des  Ehepaares  als  tadellos dargestellt worden. Diesbezüglich  sei  jedoch  festzuhalten,  dass  der Beschwerdeführer im Beschäftigungsprogramm und im Unterhalt der  Unterkunft  gute  Dienste  leiste  und  damit  eine  geldwerte  Leistung  erbringe.  Eine  Güterabwägung  falle  somit  klar  zu  Gunsten  der  Beschwerdeführenden  aus,  stehe  den  zahlreichen  privaten  Interessen  doch einzig die Einsparung der Sozial­ und Betreuungskosten entgegen. M.  Mit Entscheid vom 6. Februar 2007, eröffnet am 10. Februar 2007, hob  das  BFM  die  in  der  Verfügung  vom  28.  August  2001  angeordnete  vorläufige  Aufnahme wieder  auf  und  forderte  die  Beschwerdeführenden  auf, die Schweiz bis zum 6. April  2007 zu verlassen. Auf die Begründung  des Entscheides wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

E­1841/2007 N.  Mit  Beschwerde  vom  12.  März  2007  beantragten  die  Beschwerdeführenden, es sei der angefochtene Entscheid der Vorinstanz  aufzuheben und die vorläufige Aufnahme beizubehalten. Der Beschwerde  sei  die  aufschiebende  Wirkung  zu  gewähren.  Auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  die  Auferlegung  von  Verfahrenskosten  sei  zu  verzichten.  Am  20.  März  2007  reichten  sie  zu  diesem  Begehren  eine  Fürsorgebestätigung ein. O.  Mit  Zwischenverfügung  der  Instruktionsrichterin  vom  26.  März  2007  wurden  die  Beschwerdeführenden  darauf  hingewiesen,  dass  sie  den  Beschwerdeentscheid in der Schweiz abwarten könnten. Das Gesuch um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art. 65 Abs. 1  VwVG  wurde  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen,  dasjenige  um  Erlass  des  Kostenvorschusses  wurde  gutgeheissen.  Gleichzeitig wurde das BFM eingeladen, sich zur Beschwerde vernehmen  zu lassen. P.  In  seiner Vernehmlassung vom 30. März 2007 beantragte das BFM die  Abweisung  der  Beschwerde.  Dabei  verwies  es  ausführlich  auf  die  diversen Möglichkeiten der Gewährung von Rückkehrhilfe. Q.  Mit  Schreiben  vom  28.  April  2007  nahm  der  Rechtsvertreter  zur  Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung.  R.  Am  26.  November  2007  reiste  der  jüngere  Sohn  der  Beschwerdeführenden  erneut  in  die  Schweiz  ein.  Ebenfalls  am  26.  November  2007  reichte  er  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ)  Chiasso  ein  Asylgesuch  ein,  welches  er  hauptsächlich  mit  nachbarschaftlichen  Problemen  sowie  ungerechtfertigten  behördlichen  Einvernahmen im Zusammenhang mit Straftaten begründete.  S.  Mit  Anfrage  vom  10.  Juni  2009  wandte  sich  das  BFM  im Rahmen  des  erneuten Asylgesuches  des Sohnes  zur Abklärung  der Verhältnisse  am  Herkunftsort der Beschwerdeführenden an die Schweizerische Botschaft  in Pristina.

E­1841/2007 T.  Mit  Antwortschreiben  vom  30.  Juni  2009  nahm  die  Botschaft  wie  folgt  Stellung: Die Söhne der Beschwerdeführenden hätten bis zirka vor einem  Jahr  beziehungsweise  bis  vor  wenigen  Monaten  im  Haus  der  Eltern  gelebt,  welches  sich  in  einem  Quartier  befinde,  wo  zirka  200  Ashkali  leben  würden.  Ausser  Onkeln  und  deren  Kinder  lebten  keine  nahen  Angehörigen  mehr  vor  Ort.  Der  ältere  Bruder  sei  nach  E._______  gezogen.  Ein  anderer  Bruder  lebe  mit  Papieren  in  F._______,  eine  Schwester in der Schweiz. Die beiden zurückgekehrten Brüder hätten laut  Auskunftsperson  keine  Sicherheitsprobleme  gehabt.  Im  zirka  60  Quadratmeter grossen Haus lebe gegenwärtig eine Nichte samt Familie.  Das  Haus  sei  in  gutem  Zustand,  jedoch  ärmlich  und  nur  mit  dem  Notwendigsten  ausgerüstet.  Die  Nichte  habe  etwas  Geld  für  die  Renovierung  hineingesteckt.  Das  Haus  sei  ihr  vom  Beschwerdeführer  temporär  zur  Verfügung  gestellt  worden.  Auf  dem  gleichen  Grundstück  befinde sich noch ein Haus gleicher Grösse eines Onkels, welches von  Cousins bewohnt sei.  U.  Mit Entscheid vom 17. August 2009 wies das BFM das zweite Asylgesuch  des  jüngeren Sohnes der Beschwerdeführenden ab und ordnete dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  samt  Vollzug  an.  Diese  Verfügung  erwuchs nach Ablauf der Beschwerdefrist unangefochten in Rechtskraft. V.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  12.  April  2011  teilte  die  zuständige  Instruktionsrichterin  den  Beschwerdeführenden mit,  dass  das  Verfahren  demnächst  zum  Abschluss  gebracht  werden  solle.  Im  Hinblick  auf  den  Verfahrensabschluss  wurde  den  Beschwerdeführenden Gelegenheit  zur  Aktualisierung ihrer Beschwerde aus dem Jahre 2007 eingeräumt.  W.  Mit  Eingabe  vom  5.  Mai  2011  nahmen  die  Beschwerdeführenden  zur  aktuellen  Lage  Stellung.  Am  30.  Mai  2011  reichten  sie  sodann  zwei  aktuelle  ärztliche  Zeugnisse  sowie  eine  ärztliche  Entbindungserklärung  ein. Auf den Inhalt der Eingaben wird in den nachfolgenden Erwägungen  eingegangen.  X.  Am  7.  Juni  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  eine  Kostennote  zu  den 

E­1841/2007 Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet unter anderem endgültig über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM  in  Sachen  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  von  Ausländerinnen  und  Ausländern  in  der  Schweiz  (Art.  84 Abs. 2 und 3 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]  i.V.m.  Art. 31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. c Ziff. 3 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 2.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 37 VGG i.V.m. Art 48 Abs. 1, Art. 50 und Art.  52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 3.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). 4.  Die Botschaftsauskunft vom 30. Juni 2009 (Aktenstück C22/5 und C 23/2)  ist  im  (zweiten)  Asylverfahren  des  jüngeren  Sohnes  der  Beschwerdeführenden  eingeholt  worden  (vgl.  oben  Bst.  R,  S,  T).  Sie  wurden  den  Beschwerdeführenden,  soweit  aus  den  Akten  ersichtlich,  bisher  nicht  zur  Akteneinsicht  überlassen  und  zur  Stellungnahme  unterbreitet.  Angesichts  des  konkreten  Ausgangs  des  vorliegenden  Verfahrens  kann  auf  eine  vorgängige  Anhörung  in  diesem  Zusammenhang verzichtet werden (vgl. Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG). 5.  Am  1.  Januar  2008  ist  das  AuG  in  Kraft  getreten.  Gleichzeitig  ist  das  Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  aufgehoben  worden.  Die  am  1.  Januar 

E­1841/2007 2008  in Kraft  getretene  übergangsrechtliche Bestimmung  von Art.  126a  Abs.  4  AuG  sieht  vor,  dass  für  Personen,  die  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  der  Änderung  des  AsylG  vom  16. Dezember  2005  sowie  des  AuG  vorläufig  aufgenommen  sind,  das  neue  Recht  gilt.  Diese  spezielle Regel geht der allgemeinen Regel von Art. 126 Abs. 1 AuG vor. Bei Inkrafttreten des AuG galten die Beschwerdeführenden – angesichts  der  ihrer  Beschwerde  zukommenden  aufschiebenden  Wirkung –  weiterhin  als  vorläufig  aufgenommen.  Im  vorliegenden  Verfahren  ist  daher  gemäss  der  zitierten  übergangsrechtlichen  Regelung  das  neue  Recht des AuG anwendbar, auch wenn die angefochtene Verfügung sich  noch  auf  das  alte  Recht  gestützt  hat.  Es  ist  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  demnach  zu  prüfen,  ob  die  Voraussetzungen  für  die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme nach neuem Recht, mithin nach  Art. 84 Abs. 1 – 4 AuG, vorliegen.  6.  6.1. Das  Bundesamt  hebt  die  vorläufige  Aufnahme  auf  und  ordnet  den  Vollzug der Weg­ oder Ausweisung an, wenn die Voraussetzungen nicht  mehr gegeben sind  (vgl. Art.  84 Abs.  2 AuG). Die Voraussetzungen  für  die vorläufige Aufnahme sind nicht mehr gegeben, wenn der Vollzug der  rechtskräftig angeordneten Wegweisung zulässig ist (Art. 83 Abs. 3 AuG)  und  es  ausländischen  Personen  möglich  (Art.  83  Abs.  2  AuG)  und  zumutbar  (Art. 83 Abs. 4 AuG)  ist, sich  rechtmässig  in  ihren Heimat­,  in  den Herkunfts­ oder in einen Drittstaat zu begeben.  6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der Schweiz einer Weiterreise der ausländischen Person in den Heimat­,  Herkunfts­ oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Keine  Person  darf  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem Grund nach Art. 3 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu werden  (Art.  5  Abs.  1  Asyl, Art.  3 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung  der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 

E­1841/2007 Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden. 6.3. Die  Vorinstanz wies  im  angefochtenen  Entscheid  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da die Beschwerdeführenden, wie  rechtskräftig festgestellt ist, die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ Refoulements  im vorliegenden Verfahren keine Anwendung  finden. Eine  Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Kosovo wäre demnach unter  dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  der  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des  UN­Anti­Folterausschusses  müssten  die  Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06 §§ 124 bis  127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtslage  im Kosovo  lässt  den Wegweisungsvollzug  zum heutigen Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig 7.   7.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 

E­1841/2007 die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBL  2002  3818). 7.2.  Das  Bundesamt  begründete  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  in  seinem  Entscheid  vom  6.  Februar  2007  damit,  dass  die  allgemeine Situation  für die ethnischen Minderheiten Serbiens – zu dem  der  Kosovo  damals  gehörte  –  besser  geworden  sei.  Die  positiven  Entwicklungen  im  innerethnischen Umfeld wirkten sich  insbesondere auf  Angehörige  der  Ashkali  aus.  Das  UNHCR  betrachte  diese  nicht  mehr  allein aufgrund  ihrer Volkszugehörigkeit als schutzbedürftig.  Im Lauf der  Jahre  2005  und  2006  sei  ein  Netz  von  Verbindungsbüros  aufgebaut  worden,  welches  den  Zugang  zu  den  Gerichten  für  Angehörige  von  Minderheiten  erleichtern  solle.  Zudem  würden  in  Minderheitengebieten  gemischt­ethnische  Polizeipatrouillen  eingesetzt.  Die  Abklärungen  am  Herkunftsort der Beschwerdeführenden hätten sodann ergeben, dass vor  Ort mehrere nahe Verwandte wohnhaft seien und die beiden Söhne  ins  Haus  zurückgekehrt  seien,  in  welchem  die  Familie  vor  der  Ausreise  gelebt habe. Weiter befinde sich daneben das Haus eines in G._______  wohnhaften Onkels, welches dieser nur während seinen Ferien bewohne.  Gemäss  Abklärungsbericht  vom  20.  November  2006  bestehe  die  Möglichkeit,  dass  die  Beschwerdeführenden  wenigstens  vorübergehend  darin  wohnen  könnten.  Mit  Rückkehrhilfe  und  der  Unterstützung  der  Verwandten  könne  in  der  Zwischenzeit  die  Renovierung  des  eigenen  Hauses erfolgen. Aufgrund der Ausführungen  im Abklärungsbericht vom  20.  November  2006  könne  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  Herkunftsort  auf  ein  tragfähiges  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz  zurückgreifen  könnten  und  bei  einer Rückkehr  über  genügend Wohnraum verfügten.  In Anbetracht  der  angespannten  wirtschaftlichen  Lage,  die  im  Besonderen  auch  die  ethnischen Minderheiten  im Kosovo betreffe, werde die Schaffung einer  neuen Existenz  für  die Beschwerdeführenden  ohne Zweifel mit  grossen  Schwierigkeiten verbunden sein. Die Beschwerdeführerin könne aufgrund  ihrer  geringen  schulischen  Bildung  und  der  gesundheitlichen  Probleme  zwar  nur  wenig  zur  Existenzsicherung  beitragen.  Immerhin  könne  der  Beschwerdeführer,  welcher  die  Grundschule  absolviert  und  danach  in  einer  [Firma]  bearbeitet  habe,  auf  eine  gewisse  berufliche  Erfahrung  zurückgreifen, was ihm die wirtschaftliche Wiedereingliederung erleichten  sollte.  Weiter  könne  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  volljährige  Sohn einer Erwerbstätigkeit nachgehe und die Familie unterstütze. Auch  der  jüngere  Sohn  werde  bald  zur  Existenzsicherung  beitragen  können. 

E­1841/2007 Bei  der  hohen  Arbeitslosigkeit  im  Kosovo  sei  die  Stellensuche  nicht  einfach, jedoch bestehe die Möglichkeit,  in einem traditionell von Ashkali  besetzten Erwerbsbereich  tätig  zu  sein.  Zudem sei  es möglich,  bei  den  Gemeindebehörden  Sozialhilfe  zu  beantragen.  Diese  werde  zwar  nach  restriktiven Kriterien ausgerichtet, sie vermöge aber  immerhin einen Teil  der Haushaltausgaben abzudecken. Auch eine Unterstützung durch die in  der  Schweiz  verbleibende  volljährige  Tochter  könne  erwartet  werden.  Weiter verwies das BFM auf sein Rückkehrhilfeprogramm, welches per 1.  Januar  2007  im  Rahmen  der  Strategie  "Migrationspartnerschaft  Westbalkan  2007  –  2009"  in  Kraft  gesetzt  worden  sei.  Das  Programm  biete  den  Teilnehmenden  eine  auf  ihre  individuellen  Bedürfnisse  abgestimmte  Unterstützung  an.  Weiter  führte  das  BFM  zur  gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin aus, in C._______ sei  die  medizinische  Versorgung  für  Angehörige  der  Ashkali  gewährleistet  und  die  meisten  somatischen  Beschwerden  könnten  in  den  staatlichen  Einrichtungen behandelt werden. Allenfalls könne die Beschwerdeführerin  einen Vorrat an Medikamenten mitnehmen. Das BFM verwies schliesslich  darauf,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  sei,  sich  während  ihres  sechsjährigen  Aufenthalts  in  der  Schweiz  in  den  Arbeitsmarkt  einzugliedern  und  eine  Erwerbstätigkeit  aufzunehmen.  Ausser  der  Tochter  verfügten  sie  hier  zudem  über  kein  familiäres  Beziehungsnetz,  seien  die  beiden  Söhne  doch  bereits  in  den  Kosovo  zurückgekehrt. Folglich wiesen sie keine enge Bindung zur Schweiz auf.  Zusammenfassend  hielt  die  Vorinstanz  fest,  aufgrund  der  Tatsachen,  dass  die  Beschwerdeführenden  an  ihrem  Herkunftsort  über  Wohnraum  verfügten,  dass  eine  wirtschaftliche  Existenz  unter  Mithilfe  von  Familienangehörigen  und  Verwandten  aufgebaut  werden  könne,  und  dass  sie  nicht  zum  Kreise  der  vulnerablen  Personen  gehörten,  sei  der  Vollzug der Wegweisung im Sinne von Art. 14b Abs. 4 ANAG zumutbar.  7.3.  Die  Beschwerdeführenden  hielten  diesen  Erwägungen  in  ihrer  (anfänglichen)  Beschwerdebegründung  im  Wesentlichen  Folgendes  entgegen:  Das  BFM  habe  eingeräumt,  dass  die  Schaffung  einer  neuen  Existenz  mit  grossen  Schwierigkeiten  verbunden  sein  würde.  Es  habe  vorausgesetzt, dass die Söhne und die Tochter für die Eltern aufkommen  würden. Gemäss Bericht des Verbindungsbüros seien die in den Kosovo  zurückgekehrten  Söhne  jedoch  arbeitslos  und  lebten  ihrerseits  von  Zahlungen aus der Schweiz. Den ebenfalls im Dorf lebenden Verwandten  gehe  es  zudem  noch  schlechter.  Die  Arbeitslosigkeit  werde  bei  den  Minderheiten  auf  75% geschätzt.  Angesichts  dieser  hohen Rate  sei  die  Wahrscheinlichkeit,  eine  Arbeit  zu  finden,  verschwindend  klein.  Zu 

E­1841/2007 berücksichtigen  sei  auch,  dass  zurückgekehrte  Personen  kleinere  Chancen  auf  dem  Arbeitsmarkt  hätten,  da  ihnen  mit  einem  gewissen  Argwohn begegnet werde. Als über (…)jähriger sei der Beschwerdeführer  sodann  körperlich  weniger  leistungsfähig  als  eine  junge  Person.  Seine  Bildung  und Berufserfahrung  seien  als  sehr  gering  einzuschätzen. Was  den Erhalt  von Sozialhilfe betreffe,  sei generell  festzuhalten, dass diese  einerseits  schwer  zu  erhalten  und  andererseits  so  gering  sei,  dass  sie  nicht  zum  Leben  ausreiche.  Laut  einem  Bericht  der  Roma  Foundation  vom Juni 2006 bekämen Roma zudem gar keine Sozialhilfe. Die Tochter  der  Beschwerdeführenden  sei  mit  ihren  Einkünften  als  ungelernte  Hilfsarbeiterin  in  einem  [Betrieb]  nicht  in  der  Lage,  zusätzlich  eine  vierköpfige  Familie  zu  unterstützen.  Der  Bericht  des  Verbindungsbüros  lasse  ebenfalls  durchblicken,  dass  dieses  die  Rückkehrsituation  der  Beschwerdeführenden  als  sehr  problematisch  betrachte.  Zum  Rückkehrhilfeprogramm  des  BFM  wird  in  der  Beschwerde  ausgeführt,  dieses  richte  sich  gemäss  Formular  nur  an  Personen,  die  den Wunsch  zur  Rückkehr  hätten.  Dies  sei  vorliegend  klarerweise  nicht  der  Fall,  weshalb  das  Argument  der  Rückkehrhilfe  nicht  stichhaltig  sei.  Gemäss  dem  erwähnten  Bericht  der  Roma  Foundation  sei  die  medizinische  Versorgung für Minderheiten zudem erschwert. Medizinische Behandlung  sei  nur  gegen  Bezahlung  von  Summen  erhältlich,  die  eine  monatliche  Pension überstiegen. Auch seien  längst nicht alle Ärzte bereit, Roma zu  behandeln.  Die  Ausführungen  der  Vorinstanz  seien  beschönigend  ausgefallen.  Ein  Medikamentenvorrat  könne  zudem  nur  den  Bedarf  für  eine  kurze  Zeit  und  keine  notwendigen  Kontrolluntersuchungen  abdecken. Zur  Integration  der  Beschwerdeführenden  wird  in  der  Beschwerde  vom  12. März 2007 ausgeführt, das Ehepaar halte sich seit sieben Jahren  in  der  Schweiz  auf.  Der  kantonale  Bericht  vom  24.  Oktober  2006  stelle  ihnen ein  tadelloses Zeugnis  in Bezug auf  ihr Verhalten  in der Schweiz  aus. Das Ehepaar  habe  [Art  der Beschäftigung]  gewirkt.  Zudem arbeite  der Beschwerdeführer  seit  fünf  Jahren  im Beschäftigungsprogramm der  Gemeinde  zur  vollen  Zufriedenheit.  Dabei  habe  er  bei  minimstem  Einkommen  viel  für  die  Öffentlichkeit  geleistet.  Die  restriktive  Bewilligungspraxis und ein übersättigter Arbeitsmarkt seien die Ursachen  der  fehlenden  Erwerbstätigkeit.  Die  Gemeinde  sei  offenbar  mit  der  bestehenden  Situation  zufrieden  gewesen  und  habe  keinen  Druck  betreffend  Erwerbsarbeit  ausgeübt.  Entgegen  der  Darstellung  im  angefochtenen  Entscheid  sei  die  Integration  der  Beschwerdeführenden  als  durchaus  fortgeschritten  zu  betrachten.  Die  Beziehung  zur  hier 

E­1841/2007 lebenden  Tochter  wiege  sodann  mehr  als  diejenige  zu  den  zurückgekehrten Söhnen, seien diese Beziehungen doch konfliktgeladen  gewesen.  Aus  diesen  Ausführungen  gehe  hervor,  dass  die  von  der  Vorinstanz  vorgenommene  Interessenabwägung nicht  haltbar  sei,  drohe  den Beschwerdeführenden im Kosovo doch die Verarmung und daher ein  erneuter Wegzug.  In  der  Beschwerdeergänzung  vom  5.  Mai  2011  machen  die  Beschwerdeführenden  geltend,  ihre  Aufenthaltsdauer  habe  sich  zwischenzeitlich auf über elf Jahre erhöht. Damit einher gehe eine noch  stärkere  Entfremdung  von  der  alten  Heimat.  Mit  (…)  beziehungsweise  (…)  Jahren  hätten  sie  ein  Alter  erreicht,  welches  einen  Neuanfang  schwierig  mache.  Hinzugekommen  seien  beim  Beschwerdeführer  Rücken­  und  Schulterprobleme,  welche  ihn  bei  der  Arbeit  beeinträchtigten. Zur Situation  im Kosovo  führten sie aus, die Sicherheit  und  die  tatsächlichen  Integrationsmöglichkeiten  der  Ashkali­Minderheit  hätten  sich  in  den  vergangenen  Jahren  kaum  verändert.  Auch  wenn  Übergriffe auf Ashkali selten seien, so werde die Volksgruppe doch nach  wie  vor  diskriminiert,  was  sich  vor  allem  beim  Zugang  zu  Arbeit,  Sozialhilfe  und  im  Gesundheitswesen  auswirke.  Diesbezüglich  sei  auf  den Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 21. Oktober  2009 mit  dem  Titel  "Kosovo:  Zur  Rückführung  von  Roma"  (Update  der  SFH  Länderanalyse,  Rainer  Mattern)  verwiesen.  Zur  vom  BFM  beschriebenen  Wohnsituation  im  Kosovo  führten  die  Beschwerdeführer  aus,  diese  habe  sich  seit  den  Abklärungen  des  Schweizerischen  Verbindungsbüros  im  Jahre  2006  in  diverser  Hinsicht  verändert  beziehungsweise sei unrichtig  festgestellt: Die Söhne  lebten heute nicht  mehr  im  Kosovo  und  auch  zu  den  Verwandten  im  Kosovo  hätten  die  Beschwerdeführenden keinen Kontakt mehr. Sie wüssten nicht, ob heute  noch  jemand  dort  lebe.  Zudem  sei  unzutreffend,  dass  sie  dort  über  ein  Haus  verfügten.  Das  frühere  Haus  hätten  sie  bloss  von  einem  Verwandten  gemietet.  Zur  Situation  in  der  Schweiz  führen  die  Beschwerdeführenden aus,  der Beschwerdeführer  arbeite hier  nach wie  vor  im  Rahmen  eines  Beschäftigungsprojekts.  Er  sei  vor  allem  im  [Tätigkeitsbereich]  und  im  [Arbeitstätigkeit]  tätig.  Dabei  könne  auf  seine  aus  gesundheitlichen  Gründen  begrenzte  Leistungsfähigkeit  Rücksicht  genommen  werden.  Die  Beschwerdeführerin  habe  ihrerseits  [Arbeitstätigkeit]  erledigt.  Zwar  hätten  es  die  Beschwerdeführenden  bis  heute  nicht  geschafft,  wirtschaftlich  selbständig  zu  werden.  Dennoch  hätten sie sich, soweit es die Gesundheit zugelassen habe, stets  für die  öffentliche  Hand  nützlich  gemacht.  Damit  dürften  sie  zumindest  eine 

E­1841/2007 Arbeit  geleistet  haben,  die  dem  Gegenwert  der  Sozialhilfe  entspreche.  Die  Beschwerdeführenden  verwiesen  weiter  darauf,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Praxis  der  ARK  bezüglich  Zumutbarkeit  der  Rückkehr  von  Ashkali  in  den  Kosovo  übernommen  habe.  Somit  hätten  sich  die  Beurteilungskriterien  für  die  Zumutbarkeit  seit  dem  Einreichen  der  Beschwerde  nicht  verändert.  Da  für  den  heute  gesundheitlich angeschlagenen Beschwerdeführer angesichts der hohen  Arbeitslosigkeit  eine  regelmässige  Erwerbstätigkeit  ausgeschlossen  werden müsse, das Ehepaar im Kosovo über kein soziales Netz verfüge,  das  sie  in wirtschaftlicher Hinsicht  tragen  könnte,  und  auch  im Ausland  keine  Beziehungen  vorhanden  seien,  von  welchen  sie  Unterstützung  erhalten  könnten  (keines  der  drei  Kinder  sei  gegenwärtig  erwerbstätig),  und  da  ein  Sozialhilfesystem,  welches  genügend  Lebensgrundlagen  bietet,  nicht  existiere,  hätten  sich  die  Chancen,  im  Kosovo  eine  neue  Existenz  aufbauen  zu  können,  seit  dem  Einreichen  der  Beschwerde  weiter  verschlechtert.  Mit  Eingabe  vom  30.  Mai  2011  reichten  die  Beschwerdeführenden  schliesslich  zwei  ärztliche  Zeugnisse  nach.  Auf  diese  wird  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  unter  Ziff.  7.7  eingegangen.  7.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hält  zur  Entwicklung  der  Lage  im  Kosovo  im  Allgemeinen  und  zur  besonderen  Lage  der  Minderheiten  einleitend Folgendes fest: Seit dem Ende des Bürgerkrieges im Juni 1999  hat  sich  die Situation  im Kosovo  grundlegend  verändert,  so  dass  heute  nicht mehr  von  einer  generellen Gewaltsituation  oder  von  kriegerischen  oder  bürgerkriegsähnlichen  Verhältnissen  gesprochen  werden  kann.  Im  Jahr  2003  wuchs  in  Teilen  der  kosovarischen  Gesellschaft  das  Verständnis  für die Notwendigkeit  eines multi­ethnischen Kosovo. Diese  Entwicklung schien anfänglich einigen der   Minderheitengemeinschaften  – insbesondere den Roma, Ashkali  und Ägyptern – zugute zu kommen,  führte  sie  doch  zu  grösserer  Bewegungsfreiheit,  Zugang  zu  grundlegenden  Dienstleistungen  und  einer  Lockerung  der  von  den  Sicherheitsbehörden,  das  heisst  der  KFOR,  der UN­Zivilpolizei  und  des  Kosovo Police Service ergriffenen Sicherheitsmassnahmen. Die Unruhen  im  März  2004  haben  jedoch  die  noch  immer  bestehenden  ethnischen  Spannungen  und  Konflikte  deutlich  aufgezeigt.  Indessen  hat  sich  die  Situation  im  Kosovo  insbesondere  seit  der  zweiten  Hälfte  des  Jahres  2004  wieder  stabilisiert.  Dennoch  ist  die  Sicherheit  der  Roma­ Gemeinschaften  und  der  Schutzwille  der  neu  geschaffenen  kosovarischen Institutionen ein ungewisser Faktor. Nach wie vor sind die  Lebensbedingungen  für  Angehörige  der  Roma  extrem  schwierig,  und 

E­1841/2007 Diskriminierungen  in  den  Bereichen  von  Erziehung,  Fürsorge,  Gesundheitsversorgung, Wohnen und Beschäftigung ereignen sich nach  wie  vor.  Die   Roma  sind mehr  als  andere Minderheiten  von  der  Armut  betroffen;  die  Arbeitslosigkeit  ist  sehr  hoch;  das  Schweizerische  Verbindungsbüro  in  Pristina  schätzte  sie  auf  mindestens  75 %;  neuere  Quellen  sprechen  gar  von  einer  Arbeitslosigkeit  von  98  Prozent  (vgl.  Position der SFH zu asylsuchenden Roma aus Kosovo vom 10. Oktober  2008;  SFH,  Kosovo:  Zur  Rückführung  von  Roma,  Update  vom  21.  Oktober  2009,  a.a.O.,  S.  14).  Vor  diesem Hintergrund  erachtete  bereits  die  ARK  in  ihrer  letzten  Lagebeurteilung  den  Vollzug  der  Wegweisung  von  albanischsprachigen  Roma,  Ashkali  und  Ägyptern  nur  unter  der  Voraussetzung  als  grundsätzlich  zulässig  und  zumutbar,  dass  eine  Einzelfallabklärung  vor  Ort  (insbesondere  über  das  frühere  Verbindungsbüro  im  Kosovo)  ergab,  dass  bestimmte  Kriterien  erfüllt  waren  (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 10).  Gegenstand  der  Prüfung  waren  namentlich  berufliche  Ausbildung,  Gesundheitszustand,  Alter,  wirtschaftliche  Lebensgrundlage  sowie  soziales  oder  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz.  Von  solchen  Abklärungen  konnte  abgesehen  werden,  wenn  aufgrund  der  Akten  von  einer  besonderen  Verbundenheit  mit  der  Volksgruppe  der  Albaner  auszugehen  war.  Im  Übrigen  wurde  weiterhin  daran  festgehalten,  dass  für  aus  dem  Kosovo  stammende  Roma,  Ashkali  und  Ägypter  in  der  Regel  keine  zumutbare  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  auf  dem  übrigen  Gebiet  des  [damaligen]  Staates  Serbien  und  Montenegro  vorhanden  ist  (vgl.  dazu  bereits EMARK 2001 Nrn. 1 und 13).  7.5. Diese  Beurteilung  der  Lage  durch  die  ARK  hat  nach  wie  vor  ihre  Gültigkeit  (vgl.  BVGE  2009/51  E.  5.7;  2007/10  E.  5.3  ff.),  zumal  die  gesellschaftliche,  wirtschaftliche  und  politische  Lage  im  Kosovo  auch  nach  dessen  Unabhängigkeitserklärung  im  Jahre  2008  bislang  keine  massgeblichen  Veränderungen  erfahren  hat.  Nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  sind  die  kosovarischen  Roma,  Ashkali  und  sogenannten  Ägypter  noch  immer  erheblichen  sozialen  und  ökonomischen  Diskriminierungen  ausgesetzt.  Die  Quote  der  Arbeitslosigkeit  liegt  bei  diesen  Bevölkerungsgruppen  mit  heute  gegen  98%  weit  über  dem  allgemeinen  Durchschnitt  im  Kosovo.  Zudem  sind  diese ethnischen Minderheiten nach wie vor mit Diskriminierungen in den  Bereichen Wohnen, Schulbildung, Fürsorge, Gesundheitsvorsorge sowie  bei  der Registrierung  konfrontiert  (vgl.  Republic  of  Kosovo,  Strategy  for  the  Integration  of  Roma,  Ashkali  and  Egyptian  Communities  in  the 

E­1841/2007 Republic  of  Kosovo  2009  bis  2015,  December  2008;  Amnesty  International  zur  Situation  der  Roma  im  Kosovo  und  zu  den  Abschiebungen  von  Roma  in  den  Kosovo,  Berlin,  6.  Mai  2010;  Schweizerische Flüchtlingshilfe  (SFH), Grégoire Singer, Kosovo: Mise à  jour,  1.  September  2010;  SFH,  Kosovo:  Zur  Rückführung  von  Roma,  Update vom 21. Oktober 2009, a.a.O.). 7.6.  Vorliegend  haben  das  ehemalige  Verbindungsbüro  im  November  2006  und  die  Botschaft  im  Juni  2009  am  Herkunftsort  der  Beschwerdeführenden  Abklärungen  zu  den  sie  erwartenden  Verhältnissen  getroffen. Das Gericht  stellt  nachfolgend massgeblich  auf  die  Erhebungen  der  Botschaft  vom  30.  Juni  2009  ab  (soweit  nicht  ebenfalls  aktenkundigerweise  überholt),  da  sich  die Umstände  seit  dem  ersten Besuch des Verbindungsbüros teilweise verändert haben. So sind  beispielsweise  die  aus  der  Schweiz  zurückgekehrten  Söhne  der  Beschwerdeführenden (und auch sonst keines der Kinder) nicht mehr im  Kosovo  wohnhaft.  Das  Haus  der  Beschwerdeführenden  –  die  Behauptung  im Beschwerdeverfahren  (vgl. Eingabe vom 5. Mai 2011 S.  2),  es  handle  sich  bloss  um  ein  Miethaus,  ist  freilich  aktenwidrig  (vgl.  A11/9  S.  3)  –  wird  anderweitig  bewohnt  und  stünde  den  Beschwerdeführenden erst nach Aufkündigung des Mietverhältnisses zur  Verfügung.  Insoweit  das  BFM  somit  erwogen  hat,  die  Beschwerdeführenden  könnten  in  das  eigene  Haus  oder  das  Nachbarhaus zurückkehren und die im Dorf lebenden Söhne könnten die  Eltern bei der Wiedereingliederung unterstützen, ist diese Argumentation  nicht mehr haltbar. Eine Unterstützung durch die  sozial  auffälligen Söhne vom Ausland her  scheint  angesichts  der  Tatsache,  dass  diese  gemäss  glaubhafter  Darstellung  in  der  Beschwerdeergänzung  vom  5.  Mai  2011  nicht  erwerbstätig  sind,  ebenfalls  nicht  realistisch.  Insoweit  in  der  Botschaftsantwort vom 30. Juni 2009 weiter erwähnt wird, dass der ältere  Sohn in E._______ weile und dort arbeite, ist diese Feststellung ebenfalls  nicht mehr zutreffend: Gemäss den im Rahmen eines Dublin­Verfahrens  erstellten  BFM­Akten  befand  sich  dieser  seit  Juni  2009  und  sicher  bis  Januar  2010  als  Asylsuchender  in  H._______  (vgl.  dazu  auch  die  Ausführungen in der Beschwerdeergänzung vom 5. Mai 2011). Auch auf  eine  Unterstützung  durch  die  in  der  Schweiz  laut  Rechtsvertreter  unter  dem  Existenzminium  lebenden,  (…)  Tochter  kann  nicht  abgestellt  werden.  Über  die  finanziellen  Verhältnisse  eines  gemäss  Botschaftsabklärungen  vom  30.  Juni  2009  in  F._______  wohnhaften, 

E­1841/2007 weiteren Sohnes und dessen Beziehung zu den Eltern  ist sodann nichts  aktenkundig.  Nach  dem  Gesagten  kann  nicht  von  einem  tragfähigen  sozialen  Netz  im  Ausland  ausgegangen  werden,  welches  das  beschwerdeführende  Ehepaar  nach  einer  Rückkehr  in  den  Kosovo  zu  unterstützen vermöchte.  Ob  die  Beschwerdeführenden,  wie  in  der  angefochtenen  Verfügung  behauptet, überhaupt in ihr früheres Haus mit zwei Zimmern (vgl. A11/9,  S. 3; Abklärungen des Verbindungsbüros vom 20. November 2006) oder  ein  Nachbarhaus  zurückkehren  könnten,  ist  ebenfalls  fraglich.  Gemäss  Abklärungen der Botschaft im Juni 2009 wird das eigene Häuschen durch  die Nichte des Beschwerdeführers und deren Familie genutzt. Das einem  Bruder  des  Beschwerdeführers  gehörende  Nachbarhaus  wird  zwischenzeitlich von einem seiner Kinder samt Familie benutzt und steht  den Beschwerdeführenden somit nicht zur Verfügung, wie dies im ersten  Bericht des Verbindungsbüros noch erwogen wurde. Selbst  wenn  die  Beschwerdeführenden  jedoch  nach  Aufkündigung  des  Mietverhältnisses  mit  der  Nichte  und  deren  Familie  in  ihr  Haus  zurückkehren  könnten,  ist  gleichzeitig  festzustellen,  dass  sie  aufgrund  ihrer  persönlichen  Voraussetzungen  einerseits  und  der  erwähnten  Diskriminierungen  auf  dem  Arbeitsmarkt  andererseits  ihren  Lebensunterhalt mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht verdienen könnten.  Angesichts  der  überdurchschnittlichen  Arbeitslosenquote  der  Roma  von  zirka  98%  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  (…)­  beziehungsweise  (…), über keine beziehungsweise nur eine rudimentäre  Schul­ und keine  Berufsbildung  verfügenden  Beschwerdeführenden  nach  jahrelanger  Auslandabwesenheit  eine  Anstellung  finden  würden.  Daran  dürfte  auch  die Tatsache nichts ändern, dass sie sich in der Schweiz im Rahmen von  Beschäftigungsprogrammen  während  Jahren  für  das  Gemeinwesen  nützlich  gemacht  haben  und  gewisse  berufliche  Kenntnisse  in  verschiedenen Bereichen haben erwerben können.  7.7.  Weiter  kann  nicht  unberücksichtigt  gelassen  werden,  dass  die  Beschwerdeführenden  beide  gesundheitliche  Probleme  haben,  welche  sie  im  Alltag  und  bei  der  Arbeit  merkbar  einschränken.  Der  Beschwerdeführer  leidet  gemäss  Arztzeugnis  vom  17.  Mai  2011  an  Schmerzen  an  der  rechten  Schulter,  welchen  ein  Impingementsyndrom  (Einklemmung) zu Grunde liegen könnte. Zudem sei ein Rückenleiden in  Abklärung.  Die  Beschwerdeführerin  ihrerseits  leidet  gemäss  Arztbericht  vom  19.  Mai  2011  seit  Jahren  an  chronischer  Bronchitis  mit 

E­1841/2007 Bronchiektasen,  Hypertonie  und  gelegentlicher  Infektexazerbation.  Ihr  Gesundheitszustand sei  leicht verschlechternd und es sei möglich, dass  sie  eine  pulmonal  arterielle  Hypertonie  entwickle,  als  Spätfolge  einer  Corpulmonale  mit  Rechtsherzinsuffizienz.  Dies  würde  laut  dem  behandelnden  Arzt  eine  ausgebaute,  aufwändige  medikamentöse  Therapie nach sich ziehen. Die Beschwerdeführerin wird gegenwärtig mit  drei  bis  vier  verschiedenen  Medikamenten  behandelt.  Diese  Therapie  müsse  weitergeführt  oder  gar  ausgebaut  werden.  Ein  Verzicht  auf  die  Behandlung  ist  laut Arzt nicht zumutbar. Er verweist weiter darauf, dass  im Herkunftsland  eine  spezielle Sprechstunde  für  pulmonale Hypertonie  etabliert  sein  müsse,  um  die  zukünftigen  Probleme  der  Beschwerdeführerin anzugehen. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet  es  als  eher  unwahrscheinlich,  dass  der  Beschwerdeführerin  die  nötige  medizinische Infrastruktur in C._______ zur Verfügung stehen würde, da  es  im  Kosovo  kein  Krankenversicherungssystem  gibt,  eine  Behandlung  bei  aufwändigen  und  teuren  Behandlungsformen  nur  gegen  Bezahlung  erfolgt, die meisten Medikamente in öffentlichen Apotheken nicht  vorrätig  sind und gemäss Erhebungen der SFH 86 % der Roma­Gemeinschaften  bisher  keinen  Zugang  zu  den  grundsätzlich  kostenfreien Medikamenten  hatten  (vgl.  SFH,  Kosovo:  Zur  Rückführung  von  Roma,  Update  vom  21. Oktober  2009,  a.a.O.,  S.  14f.).  Nachdem  das  Ausbleiben  einer  Behandlung  der  Beschwerdeführerin  aus  ärztlicher  Sicht  nicht  verantwortbar  ist und zu einer um Jahre verminderten Lebenserwartung  führen  würde,  erscheint  ein  Wegweisungsvollzug  auch  unter  diesem  Gesichtspunkt als kaum vertretbar. Als unbehelflich erweist sich ob dieser  Erwägungen der Einwand des BFM in der angefochtenen Verfügung, die  Beschwerdeführerin  könne  für  die  erste  Zeit  einen Medikamentenvorrat  aus der Schweiz mitnehmen. Dass die Beschwerdeführenden nicht zum  Kreis  der  vulnerablen  Personen  gehörten,  wie  im  angefochtenen  Entscheid angeführt, erweist sich nach dem Gesagten als unrichtig.  7.8.    Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  sich  im  fortgeschrittenen  Alter  befindenden  (die  Beschwerdeführerin  erreicht  in  absehbarer  Zeit  das  Rentenalter),  seit  elf  Jahren  in  der  Schweiz  wohnhaften  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  einerseits  mit  prekärsten  wirtschaftlichen  Bedingungen  und  andererseits  einer  unzureichenden  gesundheitlichen  Versorgung  (insbesondere  der  Beschwerdeführerin)  konfrontiert  sein  würden,  welche  den  Wegweisungsvollzug  im  heutigen  Zeitpunkt  als  unzumutbar  erscheinen  lassen.  Gründe  nach  Art.  83  Abs.  7  AuG,  welche  einer  vorläufigen 

E­1841/2007 Aufnahme  entgegenstehen  würden,  liegen  –  damals  wie  heute  –  keine  vor. Aufgrund  vorstehender  Ausführungen  ergibt  sich,  dass  die  durch  das  BFM verfügte Aufhebung der vorläufigen Aufnahme zu Unrecht erfolgt ist.  Die  Beschwerde  ist  demnach  gutzuheissen  und  die  Verfügung  des  Bundesamtes  vom  6.  Februar  2007  aufzuheben.  Das  BFM  ist  anzuweisen, die am 28. August 2001 angeordnete vorläufige Aufnahme  weiterzuführen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  ist  demnach  gegenstandslos  geworden. 9.  Obsiegende Parteien  haben Anspruch  auf  eine Parteientschädigung  für  die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 VwVG; Art. 7 Abs. 1  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). Seitens der Rechtsvertretung wurde eine Kostennote  in der  Höhe  von  Fr. 150.­­  eingereicht.  Diese  Kostennote  erscheint  verhältnismässig  und  tarifkonform  (vgl.  Art.  8  ff.  VGKE).  Die  Parteientschädigung  wird  demnach  auf  Fr.  150.­  festgesetzt  (inkl.  allfällige Spesen und Mehrwertsteuer). (Dispositiv nächste Seite)

E­1841/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen.  2.  Die Verfügung des BFM vom 6. Februar 2007 wird aufgehoben. Das BFM  wird  angewiesen,  die  am  28.  August  2001  angeordnete  vorläufige  Aufnahme weiterzuführen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung im Betrag von Fr. 150.­­ zu entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand:

E-1841/2007 — Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-1841/2007 — Swissrulings