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Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 D-967/2012

24. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,654 Wörter·~8 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Februar 2012

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­967/2012 Urteil   v om   2 4 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;   Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A.______, Armenien,   vertreten durch lic. iur. Donato Del Duca, Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende Aargau, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Februar 2012 / (…).

D­967/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  Armenien  (…)  in  Richtung  B.______  verliess,  von  wo  er  (…)  illegal  in  die  Schweiz  gelangte,  und  noch  gleichentags  –  am  20. Dezember  2011  –  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) C.______ um Asyl nachsuchte, dass  er,  da  er  bei  der Meldung  des Asylgesuchs  zum Nachweis  seiner  Identität  keinerlei  Dokumente  abgab,  aufgefordert  wurde,  innert  48  Stunden rechtsgenügliche Ausweispapiere nachzureichen, verbunden mit  der  Androhung,  im  Unterlassungsfall  werde  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten (vgl. Akten BFM A2/1), dass  eine  vom  BFM  veranlasste  Bestimmung  des  Knochenalters  vom  (…)  ein  wahrscheinliches  chronologisches  Altern  von  19  Jahren  oder  mehr ergab, dass  er  am  13. Januar  2012  im  EVZ  C._______  summarisch  befragt  wurde,  wobei  ihm  das  rechtliche  Gehör  sowohl  zu  einer  allfälligen  Wegweisung im Rahmen eines Dublin­Verfahrens als auch – im Rahmen  einer Nachbefragung – zum erwähnten Arztbericht gewährt wurde (…), dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  am  19. Januar  2012  die  Beendigung des Dublin­Verfahrens und die Prüfung des Asylgesuchs  in  der Schweiz mitteilte (…), dass er am 2. Februar 2012 ebenfalls im EVZ C._______ in Anwendung  von  Art. 29  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  durch  das  Bundesamt  zu  den  Asylgründen  angehört  wurde  (…), dass er anlässlich der Anhörungen  im Wesentlichen geltend machte, er  sei als armenischer Staatsangehöriger armenischer Ethnie in D._______  geboren worden und seine Eltern seien  (…) ums Leben gekommen, als  er (…) Jahre alt gewesen sei, dass er seither  in (…) gelebt habe, wo er ständig misshandelt und auch  von  einem  Mitarbeiter  gezwungen  worden  sei,  in  D._______  (…)  zu  verkaufen und diesem den Erlös abzuliefern, dass – obwohl (…) über eine Schule verfügt habe – er und E.______ (…)  nicht in der Lage gewesen seien, den Schulunterricht zu besuchen,

D­967/2012 dass  er  in  Begleitung  E.______,  ausgestattet  mit  einem  gefälschten  armenischen Reisepass, mit einer ihm unbekannten Fluggesellschaft von  D._______ nach F.______ geflogen und von dort am selben Tag (…)  in  die Schweiz weitergereist sei, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7. Februar  2012  –  eröffnet  am  13. Februar  2012  –  gestützt  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  dessen  Wegweisung  aus  der Schweiz  anordnete, wobei  er  diese  am Tag  nach  Eintritt der Rechtskraft zu verlassen habe, dass  die  Vorinstanz  zur  Begründung  ihres  Entscheids  im Wesentlichen  ausführte,  dem  Beschwerdeführer  sei  es  bis  zum  Abschluss  der  Nachbefragung  nicht  gelungen,  die  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  glaubhaft darzulegen oder gar zu beweisen, dass  er  eigenen  Angaben  zufolge  am  (…)  geboren  sei  und  zum  Nachweis  seines  Alters  die  Nachreichung  eines  Geburtsscheines  in  Aussicht gestellt habe, dass demgegenüber die Aussagen des Beschwerdeführers insgesamt als  unglaubhaft  einzuschätzen  seien,  dessen  Aussehen  und  Erscheinung  Zweifel  an  dessen  angeblichen  Alter  erweckten  und  auch  die  durchgeführte  Knochenaltersanalyse  für  dessen  Volljährigkeit  spräche,  weshalb gestützt auf diese Gesamtbeurteilung aller Elemente die geltend  gemachte Minderjährigkeit unbewiesen geblieben sei, dass  deshalb  die  Anhörung  gemäss  Art. 29  AsylG  praxisgemäss  ohne  Vertrauensperson  durchgeführt  worden  sei  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 30 E. 3 ­ 9 S. 206 ff.), dass  der  Beschwerdeführer  den  Asylbehörden  innerhalb  der  ihm  dazu  eingeräumten  Frist  von  48  Stunden  ohne  entschuldbare  Gründe  keine  rechtsgenüglichen Reise­ oder Identitätspapiere eingereicht habe, dass  in  Armenien  keine  Identitätskarten  existierten,  jedoch  jeder  armenische  Staatsangehörige  ab  dem  Alter  von  mehr  als  16  Jahren  zwingend  registriert  sein  und  einen Pass  als  Identitätsausweis  besitzen  müsse,

D­967/2012 dass der Beschwerdeführer auf diesen Vorhalt hin erklärt habe, er besitze  ausser einem (…) Geburtsschein, dessen Zusendung er am Tag vor der  Anhörung vom 2. Februar 2012 in Auftrag gegeben habe, keine Papiere, dass auch seine teilweise widersprüchlichen Angaben zum Reiseweg und  den Grenzformalitäten unglaubhaft seien, dass  seine  Angaben  bezüglich  Alter  sowie  Besitz  und  Verbleib  seiner  Papiere  sein Bemühen offenbarten,  den Asylbehörden  rechtsgenügliche  Dokumente  vorzuenthalten,  um  seine  Identität  nicht  offenlegen  zu  müssen, dass demnach keine entschuldbaren Gründe für die Nichteinreichung der  erforderlichen Dokumente vorliegen würden, dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfülle, dass er vorgebracht habe, er habe es wegen der (…) erlittener Schläge,  Misshandlungen und dem Zwang, (…) zu verkaufen, vorgezogen, ein (…)  statt einem G._______ (…) einem H._______ (…) zu geben, welcher ihn  dafür nach Europa gebracht habe, dass er auf den Vorhalt, die Absicht des besagten G._______, sich (…)  anzueignen,  und  dessen  Todesdrohung  erst  anlässlich  der  Anhörung  vom 2. Februar 2012 zu erwähnen, erklärt habe, er sei dazu nicht gefragt  worden, dass  die  geltend  gemachten  Zustände  im  (…),  dessen  Adresse  anzugeben  der  Beschwerdeführer  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  nicht  asylbeachtlich seien, dass  es  dem G._______  leichtgefallen  wäre,  sich  (…),  selbst  wenn  es  dem Beschwerdeführer  gehört  hätte,  angesichts  dessen  exemplarischer  Unkenntnis bezüglich seines angeblichen Besitzes, anzueignen, dass  dem  G._______  auch  genügend  Zeit  zur  Verfügung  gestanden  hätte,  seine  Todesdrohung  umzusetzen,  zumal  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  erst  Monate  später  zu  einem  ihm  nicht  mehr  präsenten Zeitpunkt verlassen habe,

D­967/2012 dass die fehlenden Kenntnisse des Beschwerdeführers zum angeblichen  (…) und zur letzten Ruhestätte seiner Eltern die Vorbringen offensichtlich  als Konstrukt qualifizierten und er bezeichnenderweise auch nicht  in der  Lage gewesen  sei, Befürchtungen hinsichtlich  einer  allfälligen Rückkehr  in den Heimatstaat zu konkretisieren, dass sich mithin seine Verfolgungsvorbringen als offensichtlich unglaub­ haft  und  asylrechtlich  nicht  relevant  erwiesen,  weshalb  sich  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses erübrigten, dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei, dass  für  die  weitere  Begründung  auf  die  vorinstanzliche  Verfügung  zu  verweisen ist, dass  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  vom  20. Februar  2012  (Datum  des Poststempels) gegen diesen Entscheid durch seinen Rechtsvertreter   beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  dabei  unter  Kosten  und  Entschädigungsfolge  beantragen  liess,  es  sei  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben  und  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen, eventualiter  sei  die  Sache  zur  Neubeurteilung,  insbesondere  zur  Wiederholung  der  Anhörung  in  Anwesenheit  einer  Vertrauensperson,  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung im Sinne von  Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beantragen liess, dass  er  gleichzeitig  ein  fremdsprachige  Dokument  (…)  zu  den  Akten  reichte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  22. Februar  2012  vollständig  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung: dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 

D­967/2012 Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  ist,  weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108 AsylG  sowie Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG  und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten  Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2  AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  das  BFM  den  angefochtenen  Nichteintretensentscheid  auf  der  Grundlage von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG getroffen hat, dass  bei  Beschwerden  gegen  solche  Nichteintretensentscheide  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht eingetreten ist, wogegen die Vorinstanz die Frage der Wegweisung  und des Vollzugs materiell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich volle Kognition zukommt, dass  bei  Begründetheit  der  Beschwerde  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen ist (vgl. EMARK 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

D­967/2012 dass  gemäss  der  revidierten,  am  1.  Januar  2007  in  Kraft  getretenen  Bestimmung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten wird, wenn Asylsuchende den Behörden nicht  innerhalb von  48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise­ oder Identitätspapiere  abgeben, dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  oder wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG  die Flüchtlingseigenschaft  festgestellt wird  (Art.  32 Abs. 3 Bst.  b AsylG)  oder wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG), dass  mithin  nach  erfolgter  Gesetzesrevision  seit  dem  1.  Januar  2007  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  bildet,  wobei  im  Rahmen  der  summarischen  Prüfung das offenkundige Fehlen der Flüchtlingseigenschaft – sei es, weil  die  Vorbringen  offensichtlich  unglaubhaft  sind,  oder  sei  es,  weil  sie  offensichtlich  keine  flüchtlingsrechtliche  Relevanz  nach  Art.  3  AsylG  aufweisen  –  und  das  offenkundige  Fehlen  von  Wegweisungsvollzugshindernissen zu beurteilen sind (vgl. BVGE 2007/8  E. 2.1), dass  in der Beschwerde  im Zusammenhang mit der geltend gemachten  Minderjährigkeit  eingewendet  wird,  gemäss  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  liessen  weder  eine  nicht  als  Gutachten,  sondern  als  schriftliche  Auskunft  geltende  Knochenaltersanalyse  (vgl.  EMARK  2004 Nr.  31)  eine wissenschaftlich  zuverlässige Aussage  noch  das äussere Erscheinungsbild zuverlässige Schlüsse zu und müssten im  Falle  einer  Verletzung  der  Mitwirkungspflicht  die  Altersangaben  einer  asylsuchenden Person über die allgemeine Glaubwürdigkeit abgeschätzt  werden, dass  bei  einer  diesbezüglichen  Mitwirkungsverweigerung  von  der  Beweislosigkeit  und  somit  von  der  Unglaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Minderjährigkeit  auszugehen  sei,  weshalb  diesfalls  nicht  zu  beanstanden  sei,  wenn  die  Asylbehörde  vor  dem  Entscheid  über  die  Notwendigkeit  der  Beiordnung  einer  Vertrauensperson  keine  weiteren  Abklärungen vornehme,

D­967/2012 dass  indes  der  Beschwerdeführer  zusammen  mit  der  Rechtsmitteleingabe  seinen  in  Aussicht  gestellten  Geburtsschein  einreiche,  aus  welchem  das  von  ihm  genannte  Geburtsdatum  (…)  ersichtlich  und  damit  bewiesen  sei,  dass  er  (immer  noch)  minderjährig  sei,  wobei  ihm  das  Dokument  von  I.______  in  die  Schweiz  gebracht  worden und deshalb kein Zustellcouvert vorhanden sei, dass  er  im Zusammenhang mit  der  geltend  gemachten Minderjährigkeit  zudem  auf  das  Übereinkommen  vom  20. November  1989  über  die  Rechte  des  Kindes  (KRK,  SR  0.107)  und  die  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO) verweist, dass  er  schliesslich  unter  Bezugnahme  auf  ein  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  (…)  und  unter  der  Annahme  als  unbegleiteter  minderjähriger  Asylsuchender  (UMA)  einwendet,  die  Befragung zur Person stelle einen entscheidrelevanten Verfahrensschritt  dar, weshalb das BFM vor der Erhebung des Sachverhalts die zuständige  kantonale  Behörde  über  die  Anwesenheit  eines  UMA  hätte  informieren  müssen,  um  die  unverzügliche  Bestimmung  einer  Vertrauensperson  gemäss  Art. 17  Abs. 3  Bst. b  AsylG  und  die  Befragung  zum  rechtserheblichen  Sachverhalt  in  deren  Anwesenheit  zu  gewährleisten,  und  die  Schweiz  überdies  prüfen  müsse,  ob  die  Wegweisung  in  den  anderen  Staat  mit  dem  Kindeswohl  vereinbar  und  die  Betreuung  dort  gewährleistet sei, dass gemäss Art. 17 Abs. 3 AsylG die zuständigen kantonalen Behörden  für  UMA  für  die  Dauer  des  Aufenthalts  im  EVZ  unverzüglich  eine  Vertrauensperson  bestimmen  müssen,  welche  deren  Interesse  wahrnimmt,  wenn  dort  über  die  Kurzbefragung  gemäss  Art. 26  Abs. 2  AsylG  hinausgehende  entscheidrelevante  Verfahrensschritte  durchgeführt werden, dass  sich  die  im  Zusammenhang  mit  der  Frage  des  Alters  des  Beschwerdeführers abgefassten vorinstanzlichen Erwägungen nach einer  Überprüfung  der  Akten  und  unter  Berücksichtigung  der  Beschwerdeeingabe als zutreffend erweisen und zwecks Vermeidung von  Wiederholungen darauf verwiesen werden kann,

D­967/2012 dass die Erhebung der Personalien im EVZ sowie die in diesem Rahmen  durchgeführte,  vorfrageweise  Prüfung  des  Alters  ohne  vorgängige  Ernennung  einer  Vertrauensperson  in  keinem  Widerspruch  zu  den  in  EMARK 1998 Nr. 13 E. 4b S. 88 ff. entwickelten Grundsätzen betreffend  das Verfahren mit UMA steht, dass das vom Beschwerdeführer erwähnte Urteil(…) ein Dublin­Verfahren  betrifft,  in  welchem  gegebenenfalls  bereits  für  die  Kurzbefragung  eine  Vertrauensperson zu bestimmen ist, und er den Umstand verkennt, dass  das  BFM  im  vorliegenden  Fall  das  Dublin­Verfahren  abgebrochen  und  stattdessen das nationale Asyl­und Wegweisungsverfahren durchgeführt  hat, dass  das  Bundesamt  nach  der  Kurzbefragung  gemäss  Art. 26  Abs. 2  AsylG  vom  13. Januar  2012  inklusive  Nachbefragung  am  selben  Tag  keine  darüber  hinausgehende  entscheidrelevante  Verfahrensschritte  ohne Bestimmung einer Vertrauensperson durchgeführt hat, dass  die  Vorinstanz  in  casu  gestützt  auf  eine  Gesamtbeurteilung  aller  geeigneten  Elemente  die  vom  papierlosen  Beschwerdeführer  geltend  gemachte Minderjährigkeit bei der Einreichung des Asylgesuchs zu Recht  vorfrageweise verneint hat, dass auch das auf Beschwerdeebene nachgereichte Dokument  und die  entsprechenden Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nicht geeignet  sind,  daran  etwas  ändern,  zumal  der  Beschwerdeführer  keine  rechtsgenüglichen Reise­ oder Identitätspapiere abgegeben hat, weshalb  seine  Identität  nicht  feststeht  und  mithin  auch  der  erwähnte  (…)  die  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  nicht  nachzuweisen  vermag  (vgl.  BVGE 2007/7), dass  sich  unter  diesen  Umständen  zudem  seine  Bezugnahme  auf  das  KRK als unbehelflich erweist, dass,  da  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  nichts  vorgebracht  hat,  das  seine  Angaben  zu  seinem  Alter  glaubhaft  erscheinen  liesse,  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung  besteht,  im  Verzicht  des  BFM  auf  die  Ernennung  einer  Vertrauensperson  vor  der  Anhörung  gemäss  Art. 29  AsylG  vom  2. Februar  2012  eine  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches Gehörs  zu  erblicken, weshalb  der Antrag  auf  Kassation  der  Verfügung  und  Rückweisung  der  Sache  zur 

D­967/2012 Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  unter  Anordnung  einer  Anhörung  in  Anwesenheit  einer Vertrauensperson abzuweisen  ist  (vgl. EMARK 2004  Nr. 30 E. 6.4.5 S. 214), dass  sich  die  Beschwerde mit  keinem Wort  zu  den  nicht  eingereichten  Reise­  beziehungsweisen  Identitätspieren  und  dem  allfälligen  diesbezüglichen Vorliegen von entschuldbaren Gründen äussert, dass  die  entsprechenden  vorinstanzlichen  Erwägungen  nach  einer  Überprüfung  der  Akten  und  unter  Berücksichtigung  der  Beschwerdeeingabe  ebenfalls  als  zutreffend  zu  erachten  sind  und  zwecks Vermeidung von Wiederholungen darauf verwiesen werden kann, dass  der  Beschwerdeführer  somit  nicht  darzulegen  vermag,  dass  er  durch  nicht  selbst  zu  verantwortende  Umstände  an  der  unverzüglichen  Einreichung  von  Reise­  oder  Identitätspapieren  im  Sinne  von  Art. 32  Abs. 2 Bst. a AsylG gehindert worden ist (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), dass  – wie  bereits  erwähnt  –  seit  dem  1.  Januar  2007  bei  Anwendung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  bildet  und  sich  die  Offensichtlichkeit deren Fehlens auch auf die Asylrelevanz beziehen kann  (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.6), dass  sich  die  Rechtsmitteleingabe  dazu  ebenfalls  mit  keinem  Wort  äussert und die Überprüfung der Akten in diesem Kontext ergibt, dass die  Vorinstanz  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  als  offensichtlich  unglaubhaft  und  asylrechtlich  nicht  relevant  qualifizierte,  wobei  wiederum  auf  die  entsprechenden  Erwägungen  des  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, dass  unter  diesen  Umständen  von  zusätzlichen  Abklärungen  im  Sinne  von Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG abgesehen werden konnte, dass das BFM demnach zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG  auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat, vorliegend der Beschwerdeführer weder  eine  Aufenthaltsbewilligung  besitzt  noch  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer solchen hat, weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  zu  bestätigen  ist  (Art. 44  Abs. 1 

D­967/2012 AsylG,  Art. 32  Bst. a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), dass  zu  prüfen  bleibt,  ob  es  Gründe  gibt,  die  dem  Vollzug  der  Wegweisung  entgegenstehen,  da  im  Fall  eines  unzulässigen,  unzumutbaren  oder  unmöglichen  Vollzugs  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  zulässig  ist,  weil  keine  Hinweise auf Verfolgung vorliegen und insbesondere keine Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer  in  seinem Heimatstaat  drohen  könnte  (Art. 83  Abs. 3  AuG), dass  weder  die  im  Heimatstaat  herrschende  politische  Situation  noch  andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  dorthin sprechen, dass  auch  den Akten  keine Anhaltspunkte  zu  entnehmen  sind, wonach  der  Vollzug  der  Wegweisung  für  den  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat unzumutbar wäre, dass  vor  dem  Hintergrund  der  offensichtlich  unglaubhaften  Verfolgungsvorbringen  entgegen  den Aussagen  des Beschwerdeführers  nicht  davon  auszugehen  ist,  er  besitze  in  seinem  Heimatstaat  kein  tragfähiges soziales oder familiäres Beziehungsnetz,  dass  der  noch  relativ  junge  Beschwerdeführer,  welcher  in  Armenien  angeblich als (…) tätig gewesen sein will, soweit aktenkundig, zudem an  keinen schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen leidet, dass  unter  den  gegebenen  Umständen  nicht  davon  auszugehen  ist,  er  würde bei einer Rückkehr  in eine existenzbedrohende Situation geraten,  die  als  konkrete  Gefährdung  im  Sinne  der  zu  beachtenden  Bestim­ mungen zu werten wäre (Art. 83 Abs. 4 AuG),

D­967/2012 dass  schliesslich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  grundsätzlich  möglich  (Art. 83  Abs. 2  AuG)  erscheint,  da  es  Pflicht  des  Beschwerdeführers  ist,  sich  um  die  Beschaffung  der  für  die  Rückkehr  notwendigen  Reisepapiere  zu  bemühen  (vgl.  Art.   8  Abs. 4  AsylG  und  dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  schliesslich  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung und Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2  VwVG  –  ungeachtet  der  vom  Beschwerdeführer  nicht  nachgewiesenen  prozessualen  Bedürftigkeit  –  abzuweisen  sind,  da  die  Beschwerdebegehren  –  wie  sich  aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die kumulativen  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nicht erfüllt sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­967/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand:

D-967/2012 — Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 D-967/2012 — Swissrulings