Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 D-8813/2010

1. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,771 Wörter·~14 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. November 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­8813/2010 law/bah Urteil   v om   1 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Fulvio Haefeli,    Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Iran,   vertreten durch lic. iur. Marisa Bützberger, Rechtsanwältin,  (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 30. November 2010 / N (…).

D­8813/2010 Sachverhalt: A.  A.a. Die Beschwerdeführenden, ethnische Kurden sunnitischen Glaubens  mit  letztem  Wohnsitz  in  E._______,  suchten  am  11.  Oktober  2008  im  Flughafen  Zürich­Kloten  zum  ersten  Mal  um  Asyl  nach.  Mit  Verfügung  vom  30. Oktober  2008  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  dem  Transitbereich  des  Flughafens  und  ordnete  den  Wegweisungsvollzug  an.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wies  eine  gegen  diese  Verfügung  gerichtete  Beschwerde  vom  4. November  2008  mit  Urteil  D­6959/2008  vom  5.  Dezember 2008 ab.  A.b. Mit  als  "Wiedererwägungsgesuch"  bezeichneter  und  an  das  BFM  gerichteter  Eingabe  vom  5.  Februar  2009,  der  zahlreiche  Beweismittel  beilagen (vgl. S. 9 der Eingabe), liessen die Beschwerdeführenden durch  ihre Rechtsvertreterin die Gewährung von Asyl beantragen. Eventualiter  seien sie  in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Das BFM überwies die  Eingabe  am  9. Februar  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht,  da  es  sich bei dieser seiner Auffassung nach teilweise um ein Revisionsgesuch  handelte.  Der  Instruktionsrichter  forderte  die  Beschwerdeführenden  mit  Zwischenverfügung  vom  17.  Februar  2009  auf,  eine  Revisionsverbesserung  einzureichen.  Mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  24. Februar  2009  kamen  die  Beschwerdeführenden  dieser  Aufforderung  nach.  Sie  liessen  die  Aufhebung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. Dezember  2008  und  die  Gewährung  von  Asyl  beantragen.  Eventualiter  sei  zumindest  ihre  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  sie  seien  in  der  Schweiz vorläufig aufzunehmen. Das Bundesverwaltungsgericht wies das  Revisionsgesuch  mit  Urteil  D­840/2009  vom  28. Mai  2009  ab  und  überwies  die  Akten  "zur  gutscheinenden  Erledigung  des  sogenannten  Wiedererwägungsgesuchs" an die Vorinstanz. A.c. Das BFM forderte die Beschwerdeführenden mit Zwischenverfügung  vom  16. Juni  2009  auf,  einen  die  Beschwerdeführerin  B._______  betreffenden Arztbericht einzureichen. A.d.  Die  Beschwerdeführenden  liessen  am  30.  Juni  2009  eine  "Ergänzung  zu  den  Wiedererwägungsgesuchen"  einreichen.  In  dieser  Eingabe wurde beantragt, ihnen sei Asyl zu gewähren. Eventualiter seien  sie vorläufig aufzunehmen. Vorab wurde auf den Gesundheitszustand der 

D­8813/2010 Beschwerdeführerin und die dazu eingereichten Beweismittel verwiesen.  Die Lage der Frauen im Iran werde sich unter einer weiteren Amtszeit von  Ahmadinejad  verschlechtern,  was  für  sie  bei  einer  Rückweisung  eine  zusätzliche  Belastung  darstellen  würde.  Auch  die  beiden  Kinder  der  Beschwerdeführenden litten. Insbesondere der Sohn C._______ scheine  traumatisiert.  Diesbezüglich  sei  auf  einen  Bericht  des  Schulleiters  zu  verweisen. Bereits im Wiedererwägungsgesuch vom 5. Februar 2009 und  dem Revisionsgesuch vom 24. Februar 2009 sei dargelegt worden, dass  jemand,  dessen  Mitgliedschaft  bei  einer  gegen  das  iranische  Regime  gerichteten Partei bekannt sei, im Iran asylrechtlich relevanter Verfolgung  ausgesetzt  sei.  Der  iranische  Geheimdienst  kenne  zahlreiche  Überwachungsmöglichkeiten  des  Internets  und  sei  über  seine  Bürger  informiert.  Die  Beschwerdeführenden  seien  bei  der  Teilnahme  an  einer  Demonstration vor dem UN­Gebäude in Genf vom April 2009 fotografiert  und gefilmt worden. Die Bilder, auf denen sie zu sehen seien, seien in der  ganzen Welt ausgestrahlt worden; eine auf Farsi gehaltene Sendung sei  auch  im  Iran  zu  sehen  gewesen.  Die  Geschehnisse  in  der  Schweiz  würden im Iran aufs Genaueste verfolgt und vom Geheimdienst gesichtet  und  archiviert.  Die  "International  Federation  of  Iranian Refugees"  (IFIR)  habe  ohne  Wissen  der  Beschwerdeführenden  einen  sie  betreffenden  Bericht  im  Internet  aufgeschaltet.  Zwischenzeitlich  seien  auf  weiteren  Internetseiten Berichte und Fotos erschienen, welche sie mit gegen das  iranische  Regime  gerichteten  Organisationen  in  Verbindung  bringe.  Erstmals  könne  eine  solche  auch  zur  Beschwerdeführerin  hergestellt  werden,  die  sich  für  die  Rechte  der  Frauen  im  Iran  einsetze.  Im  Nachgang  zu  den  Präsidentschaftswahlen  im  Iran  hätten  die  Beschwerdeführenden  insbesondere  an  einer  Demonstration  vom  25.  Juni  2006  (recte:  2009)  teilgenommen;  ihre  Teilnahme  sei  aus  zahlreichen  Internetpublikationen  und  Youtube­Filmen  ersichtlich;  diese  seien auch im Iran zugänglich. Aufgrund dessen sei davon auszugehen,  dass die Beschwerdeführenden im Iran als Gegner des Präsidenten und  damit  des Regimes  bekannt  seien,  da  der  Iran  über  ein  hochmodernes  Kontrollsystem verfüge. Sie hätten bei einer Rückkehr in ihre Heimat mit  Repressionen zu rechnen. Gegen ihre Rückkehr spreche auch die durch  die Präsidentschaftswahlen vom 12.  Juni 2009 hervorgerufene Situation  im Iran. Der Eingabe lagen nebst dem angeforderten Arztbericht von Frau  Dr. med. F._______ vom 23.  Juni 2009 zahlreiche weitere Beweismittel  bei (vgl. S. 9 der Eingabe). A.e. Das  BFM  schrieb  in  einem  internen  Abschreibungsbeschluss  vom  7. August  2009  das  am  5.  Februar  2009  eingereichte 

D­8813/2010 Wiedererwägungsgesuch  als  gegenstandslos  geworden  ab,  da  am  30.  Juni 2009 ein zweites Asylgesuch eingereicht worden sei. A.f. Das BFM hörte den Beschwerdeführer am 2. Oktober 2009 zu seinen  Asylgründen  an.  Er  machte  im Wesentlichen  geltend,  er  sei  gegen  die  Islamische Republik eingestellt und gehöre einer politischen Organisation  an. In der Schweiz habe er versucht, bei jeder Bewegung, die gegen die  Islamische  Republik  sei,  aktiv  zu  sein.  Er  habe  an  zahlreichen  Demonstrationen und Veranstaltungen gegen das Regime teilgenommen.  Bei diesen seien die Rechte der Frauen oder der Arbeiter unterstützt oder  das  iranische Regime und der Präsident kritisiert worden. Er habe auch  Kontakte  zur  "Föderation  für  die  Asylsuchenden"  und  habe  an  deren  Veranstaltungen  teilgenommen.  Diese  habe  über  ihn  und  seinen  Sohn  einen  Artikel  verfasst  und  publiziert,  während  er  in  der  Schweiz  im  Gefängnis  gewesen  sei.  Im  Iran  lebende Verwandte  hätten  seiner  Frau  gegenüber  bei  einem  Telefongespräch  verlauten  lassen,  sie  hätten  gelesen, dass er und sein Sohn im Gefängnis seien. Im Zusammenhang  mit  der  Komala  habe  er  auch  Aktivitäten,  für  diese  habe  er  auch  ein  Komitee  organisiert.  Es  gebe  private  Zusammenkünfte,  an  denen  diskutiert werde. Da er eine politische Vergangenheit habe und mit einer  kommunistischen Partei kooperiere, würde er bei einer Rückkehr  in den  Iran erhängt werden. A.g. Am 24. November 2009 hörte das BFM die Beschwerdeführerin zu  ihren  Asylgründen  an.  Sie  sagte  aus,  sie  leide  unter  medizinischen  Problemen, die sich gebessert hätten. Die psychischen Probleme hätten  sich  auch  gebessert,  aber  wenn  sie  unter  Stress  leide,  werde  sie  ohnmächtig.  Wenn  Leute  miteinander  sprächen,  habe  sie  das  Gefühl,  dies nicht ertragen zu können.  Im Iran seien  ihre psychischen Probleme  nicht  derart  ausgeprägt  gewesen.  Erstmals  habe  sie  einen  Ohnmachtsanfall gehabt, als ihr jüngerer Sohn einen Unfall erlitten habe.  Im Falle einer Rückkehr in den Iran wäre ihre ganze Familie in Gefahr, da  diese  "in  einen  Topf"  geworfen  werde.  In  der  Schweiz  gehe  sie  oft  zusammen  mit  ihrem  Mann  an  Kundgebungen  und  Zusammenkünfte.  Ihre  im  Iran  lebende  Schwester  habe  ihr  am  Telefon  gesagt,  sie  habe  gesehen,  wie  der  erwachsene  Sohn  der  Beschwerdeführerin  an  Demonstrationen  teilgenommen habe. Auch die  in Deutschland  lebende  Schwester ihres Mannes habe dies gesagt. 

D­8813/2010 Die  Beschwerdeführerin  erlitt  vor  der  Rückübersetzung  ihrer  Aussagen  einen Schwächeanfall, so dass die Befragung abgebrochen und zu einem  späteren Zeitpunkt fortgesetzt wurde. A.h.  Mit  Schreiben  vom  24.  November  2009  liessen  die  Beschwerdeführenden  ergänzende  Unterlagen  zu  ihrem  Asylgesuch  einreichen. A.i. Die Beschwerdeführenden liessen am 16. August 2010 einen Bericht  von lic. phil. G._______, Psychologin FSP, (…) vom 4. August 2010 über  eine mit der Beschwerdeführerin B._______ begonnene Psychotherapie  einreichen. B.  Mit Verfügung vom 30. November 2010 – eröffnet am 1. Dezember 2010  – stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz,  ordnete  den  Wegweisungsvollzug an, und erhob eine Gebühr von Fr. 600.­. C.  Mit Eingabe vom 27. Dezember 2010  liessen die Beschwerdeführenden  durch  ihre  Rechtsvertreterin  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihre  Flüchtlingseigenschaft  anzuerkennen.  Es  sei  die  Unzulässigkeit,  allenfalls  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  zumindest  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Es  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu  gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.  Es  sei  ihnen  in  der  Person  der  unterzeichneten  Rechtsanwältin  ein  unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Die zuständige Behörde sei  vorsorglich  anzuweisen,  die  Wegweisung  zu  stoppen  sowie  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des  Heimatstaats  sowie  jegliche  Datenweitergabe zu unterlassen. Eventualiter  sei er bei bereits erfolgter  Datenweitergabe  in  einer  separaten  Verfügung  darüber  zu  informieren.  Der Eingabe lagen mehrere Beweismittel bei (vgl. S. 21 derselben). D.  Am  31.  Dezember  2010  liessen  die  Beschwerdeführenden  ein  sie  betreffendes Dossier ihrer Familienbetreuerin einreichen.

D­8813/2010 E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  5. Januar  2011  bestätigte  der  Instruktionsrichter das den Beschwerdeführenden zustehende Recht, den  Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu können, und trat auf  den  Antrag,  die  zuständige  Behörde  sei  vorsorglich  anzuweisen,  die  angeordnete Wegweisung zu stoppen, nicht ein. Gleichzeitig hiess er das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 2 VwVG und den Antrag,  die  Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des  Heimatstaats  sowie  jede  Weitergabe  von  Daten  zu  unterlassen,  wies  er  ab.  Schliesslich  wies  er  das  BFM  an,  den  Beschwerdeführenden eventuell der zuständigen ausländischen Behörde  bereits  weitergegebene  Personendaten  offenzulegen,  und  gab  der  Vorinstanz Gelegenheit, eine Vernehmlassung einzureichen. F.  In seiner Vernehmlassung vom 12. Januar 2011 beantragte das BFM die  Abweisung der Beschwerde. G.  Das  Bundesverwaltungsgericht  brachte  den  Beschwerdeführenden  am  18. Januar 2011 die Vernehmlassung zur Kenntnis. H.  Am  17.  Januar  2011  liessen  die  Beschwerdeführenden  eine  die  Beschwerdeführerin  B._______  betreffende,  undatierte  Therapiebestätigung von lic. phil. G._______ einreichen.  I.  Mit  Schreiben  vom  24.  Januar  2011  übermittelten  die  Beschwerdeführenden eine Bestätigung  ihrer Fürsorgeabhängigkeit  vom  19. Januar 2011. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

D­8813/2010 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend  – endgültig,  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerdeführenden  haben  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  (Art.  108  Abs.  1  AsylG;  Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 

D­8813/2010 Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Das  BFM  führt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  aus,  die  blosse  Mitgliedschaft  der  Beschwerdeführenden  bei  der  Komala  beziehungsweise Aktivitäten  für dieselbe könnten nicht begründen, dass  sie bei einer Rückkehr im Iran verfolgt würden. Den Akten könnten keine  Hinweise  dafür  entnommen  werden,  dass  die  iranischen  Behörden  von  ihrer  Mitgliedschaft  Kenntnis  genommen  oder  Massnahmen  zu  ihrem  Nachteil eingeleitet hätten. Die eingereichten Beweismittel  zeigten, dass  allein  in  der  Schweiz  innert  weniger  Monate  unzählige  Anlässe  stattfänden,  von  denen  anschliessend  schulfotomässige  Gruppenaufnahmen  von  Hunderten  von  Teilnehmern  in  einschlägigen  Internetseiten  publiziert  würden,  sodass  es  den  iranischen  Behörden  unmöglich  sein  dürfte,  all  diesen,  oftmals  schlecht  erkennbaren,  Gesichtern Namen zuzuordnen. Die iranischen Behörden hätten nur dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  von  Personen,  wenn  die  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen  würden.  Die  Aktivitäten  der  Beschwerdeführenden  könnten  keine  konkrete  Gefährdung  begründen.  Ihr  Verhalten  in  der  Schweiz  sei  insgesamt  betrachtet  nicht  geeignet,  ein  ernsthaftes  Vorgehen  der  iranischen  Sicherheitsbehörden  zu  bewirken.  Zusammenfassend  sei  davon  auszugehen,  dass  sie  über  kein  derartiges  politisches  Profil  verfügten,  das  sie  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  einer  konkreten  Gefährdung  aussetze.  Die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  hielten  demnach  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  stand.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  erachtete das BFM als durchführbar. 4.2.  In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  das  BFM  habe  in  der  Sachverhaltsdarstellung  gewichtige  Faktoren  nicht  berücksichtigt  und  übergangen  und  das  Asylgesuch  überwiegend  mit  Textbausteinen  abgewiesen. Den Beschwerdeführenden werde unterstellt,  dass  sie  aus  vorwiegend wirtschaftlichen Gründen ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz  erwirken  wollten,  und  allein  deshalb  regimekritischen  Aktivitäten  nachgingen. Da der  Iran über ein modernes Kontrollsystem verfüge und  die  Aktivitäten  von  gegen  das  Regime  gerichteten  Bewegungen 

D­8813/2010 überwache,  sei  davon  auszugehen,  dass  dieser  Kenntnis  von  ihrer  Beteiligung an gegen das Regime gerichteten Veranstaltungen habe. Es  habe sich nicht um Veranstaltungen gehandelt, die unter Ausschluss der  Öffentlichkeit  stattgefunden  hätten. Es  handle  sich  um Veranstaltungen,  welche  zum  Teil  in  unmittelbarer  Nähe  zu  Präsident  Ahmadinejad  stattgefunden  hätten.  aufgrund  diverser  Publikationen  müsse  davon  ausgegangen werden, dass der Iran von ihren Aktivitäten Kenntnis habe,  oder dass ihm die Publikationen zumindest zur Verfügung stünden. Auch  von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) sei in einem Bericht vom  16.  November  2008  (recte:  2010)  festgehalten  worden,  dass  die  Überwachung  durch  den  iranischen  Geheimdienst  seit  2009  zugenommen  habe.  Die  Tätigkeiten  der  Beschwerdeführenden  seien  nicht  nur  mit  Fotos  belegt  worden,  sondern  auch  ihre  Namen  seien  zusammen  mit  den  Herkunftsangaben  mehrfach  im  Internet  publiziert  worden.  Auf  den  Fotos  seien  sie  keineswegs  schlecht  erkennbar  und  aufgrund eines Fotos lasse sich leicht auf die weiteren Familienmitglieder  schliessen,  was  die  Möglichkeit  der  Zuordnung  erhöhe.  Ihre  im  Iran  lebenden Verwandten hätten über diese Quellen von der Verhaftung der  Beschwerdeführenden  in  der  Schweiz  erfahren.  Auch  das  Interview mit  ihrem volljährigen Sohn beziehungsweise Bruder sei von den Verwandten  gesehen worden. Selbst wenn das Datenmaterial noch nicht ausgewertet  sein sollte, wäre es  für den  Iran ein Leichtes, sie bei einer Rückkehr zu  identifizieren.  Der  Iran  nehme  es  als  Bedrohung  wahr,  dass  die  Öffentlichkeit  im  Ausland  auf  die  Menschenrechtslage  aufmerksam  gemacht  werde.  Der  Geheimdienst  überwache  Veranstaltungen  im  Ausland  und  die  Betroffenen  oder  ihre  Familienangehörigen  im  Iran  hätten Konsequenzen zu  tragen. Der Beschwerdeführer sei  im  Iran kein  unbeschriebenes Blatt. Im ersten Asylverfahren sei erkannt worden, dass  er im Jahr 1982 verhaftet worden und während fünf Jahren als politischer  Gefangener inhaftiert worden sei. Er habe dazu ausgeführt, dass er sich  nach  seiner  Freilassung  zweimal  monatlich  bei  den  Behörden  zur  Überwachung habe melden müssen. Es sei davon auszugehen, dass er  unter  erhöhter Überwachung  gestanden  habe und  nach  einer Rückkehr  unterstünde.  Die  Sichtung  des  durch  den  Iran  gesammelten  Datenmaterials sei daher sehr wahrscheinlich. Es sei davon auszugehen,  dass  der  Iran  sich  für  die  Tätigkeiten  der  Beschwerdeführenden  in  der  Schweiz  interessiere,  zumal  sie  kurdischer  Ethnie  seien.  Aufgrund  der  illegalen  Ausreise  aus  dem  Iran  sei  zumindest  eine  vorübergehende  Verhaftung  anlässlich  der  Wiedereinreise  und  in  dieser  Zeit  eine  Abklärung  der  Aktivitäten  im  Ausland  wahrscheinlich.  Diesbezüglich  sei  auf den Bericht der SFH und auf eine Auskunft von Amnesty International 

D­8813/2010 zu  verweisen.  Auch  der  Europäische  Gerichtshof  für  Menschenrechte  komme  in  einem Entscheid  vom  9. März  2010  zum Schluss,  dass  eine  Rückschaffung  eines  illegal  ausgereisten  Iraners  gegen  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verstosse.  Schliesslich  sei  zu  beachten, dass die Beschwerdeführenden ihre Aktivitäten in der Schweiz  fortgeführt und intensiviert hätten. Dies nicht mit dem primären Ziel, Asyl  zu  erhalten,  sondern  im  Nachgang  zu  den  weiteren  Entwicklungen  im  Iran.  Der  Beschwerdeführer  engagiere  sich  vermehrt  bei  der  IFIR  und  habe  an  diversen  Veranstaltungen  teilgenommen.  Sie  hätten  den  Nachweis  ihrer  Flüchtlingseigenschaft  erbracht  und hätten  als  politische  Flüchtlinge zu gelten, weshalb ihnen Asyl zu gewähren sei. Aufgrund der  jüngsten Entwicklungen im Iran, ihrer kurdischen Ethnie und der früheren  Inhaftierung des Beschwerdeführers sei davon auszugehen, dass dieser  auch  im  Fall  eines  Verbleibs  im  Iran  mittlerweile  die  Flüchtlingseigenschaft erfüllen würde, weshalb kein Asylausschlussgrund  vorliege. 5.  5.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  im  Urteil  D­6959/2008  vom  5. Dezember  2008  übereinstimmend  mit  dem  BFM  befunden,  die  Beschwerdeführenden  hätten  zum  Zeitpunkt  des  Verlassens  des  Irans  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt,  da  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten Verfolgungsvorbringen  unglaubhaft  seien  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­6959/2008  vom  5.  Dezember  2008  E. 5).  Den  Beschwerdeführenden  ist  es  im  Revisionsverfahren  nicht  gelungen,  die  Rechtskraft  dieses  Urteils  zu  beseitigen  und  eine  Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens zu erwirken (vgl. Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts D­840/2009 vom 28. Mai 2009), so dass die  Beurteilung  der  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  Vorverfolgung  im Urteil   D­6959/2008  vom  5. Dezember  2008 weiterhin  Bestand hat. 5.2. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  –  insbesondere  durch  politische  Exilaktivitäten  –  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  sich somit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG)  beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn  der  Heimat­  oder  Herkunftsstaat mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit  von  den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer  Rückkehr  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter Weise  verfolgt  würde  (BVGE 

D­8813/2010 2009/29  E.  5.1  S.  376  f.,  BVGE  2009/28  E.  7.1  S.  352,  EMARK  2006  Nr. 1 E. 6.1 S. 10, UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien  zur  Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993). 5.3. Es trifft zu, dass sich die  iranischen Behörden für die exilpolitischen  Aktivitäten  ihrer  Staatsangehörigen  interessieren.  Allerdings  konzentrieren  sich  die  iranischen  Geheimdienste  bei  ihren  Überwachungsbemühungen auf Personen, die aufgrund ihrer Tätigkeiten  oder Funktionen als  ernsthafte  und potentiell  gefährliche Regimegegner  wahrgenommen  werden,  wie  beispielsweise  Personen  in  exponierten  Kaderstellen von politisch tätigen Exilorganisationen (vgl. BVGE 2009/28  E.  7.4.4  S. 367).  Die  Beschwerdeführenden  fallen  klarerweise  nicht  in  diese Kategorie: Aufgrund der eingereichten Beweismittel, der Anhörung  durch  das  BFM  und  ihren  Eingaben  im  zweiten  Asylverfahren  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  sie  innerhalb  einer  der  exilpolitisch  tätigen  Organisationen und Parteien eine exponierte Kaderstelle  innehaben. Sie  haben  wie  tausende  sich  in  der  Schweiz  und  anderen  europäischen  Staaten  befindliche  iranische  Staatsangehörige  an  mehreren  Kundgebungen  gegen  das  iranische  Regime  teilgenommen,  wobei  sie  fotografiert und teilweise offenbar auch gefilmt wurden. Diese Aufnahmen  wurden teilweise mit Namensnennung und Herkunftsangaben ins Internet  gestellt  und  auch  auf  Fernsehkanälen  gezeigt,  die  im  Iran  gesehen  werden  können.  Ungeachtet  dessen  erscheint  es  insgesamt  dennoch  nicht  als  überwiegend  wahrscheinlich,  dass  die  Beschwerdeführenden  aufgrund des bestehenden Foto­ und Videomaterials identifiziert wurden,  da  es  sich  bei  ihnen  nicht  um  für  die  exilpolitische  Szene  bedeutsame  Persönlichkeiten  handelt.  Mit  Blick  auf  Art  und  Umfang  ihrer  exilpolitischen  Tätigkeit  können  sie  nicht  als  besonders  engagierte  und  exponierte Regimegegner qualifiziert werden. Daran ändert  nichts,  dass  der Beschwerdeführer Mitglied  der Komala  ist,  da  er  für  diese  nicht  ins  Rampenlicht  einer  breiten  Öffentlichkeit  getreten  ist.  Auch  die  von  den  Beschwerdeführenden geltend gemachte Mitgliedschaft bei der  IFIR und  die von H._______ in einem Schreiben vom 15. Oktober 2010 geäusserte  Absicht, den Beschwerdeführer zum Nachfolger des Gemeindeführers zu  erklären,  sowie  die  in  diesem  Rahmen  ausgeübten  exilpolitischen  Aktivitäten vermögen zu keinem relevanten Gefährdungsprofil zu führen.  Selbst  für  den Fall  des Bekanntwerdens  ihrer  exilpolitischen Tätigkeiten  hätten  sie  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung seitens  der heimatlichen Behörden zu gewärtigen, zumal davon auszugehen  ist,  dass  sie  vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland  dort  nicht  behördlich 

D­8813/2010 verfolgt worden sind, was die Gefahr, aufgrund exilpolitischer Aktivitäten  in  der  Schweiz  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  verfolgt  zu  werden,  erheblich  vermindert.  An  dieser  Einschätzung  ändert  auch  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  in  den  Jahren  1982  bis  1987  inhaftiert  gewesen  sei,  konnte  er  doch  seither  bis  zur  Ausreise  offenbar  weitgehend  unbehelligt im Iran leben und nicht glaubhaft machen, zum Zeitpunkt des  Verlassens des Irans begründete Furcht vor Verfolgung gehabt zu haben.  Ergänzend anzufügen bleibt, dass es bei der Frage, ob eine Person die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt,  nicht  nur  um  die  (objektive)  Gefährdung,  sondern vor allem darum geht, ob sie persönlich begründete Furcht  vor  einer  künftigen  Verfolgung  hat  (EMARK  2000  Nr. 9  E. 5a  S. 78).  Diese  (subjektive) Furcht vor künftiger Verfolgung ist den Beschwerdeführenden  indes nicht abzunehmen. Die Beschwerdeführenden wussten – nachdem  sie  am  11. Oktober  2008  im  Flughafen  Zürich­Kloten  um  Asyl  nachgesucht  hatten  –  bereits  nach  Erlass  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­6960/2008  vom  5. Dezember  2008,  dass  sie in den Iran zurückzukehren haben, nachdem festgestellt wurde, dass  sie in ihrem Heimatland nicht verfolgt sind und auch keine Verfolgung zu  befürchten  haben.  Es  ist  vor  diesem  Hintergrund  sowie  aufgrund  des  Umstandes,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Iran  keiner  politischen  Verfolgung  ausgesetzt  war,  nicht  glaubhaft,  dass  ihre  politischen  Tätigkeiten in der Schweiz auf einem Prozess ernsthafter Sensibilisierung  und Bewusstseinsbildung basieren. Die Beschwerdeführenden vermögen  nicht  das  Bild  von  Personen  zu  vermitteln,  die  getrieben  von  einer  tiefgreifenden politischen Überzeugung im Gastland regimekritisch an die  Öffentlichkeit  treten.  Vielmehr  entsteht  der  Eindruck,  die  Beschwerdeführenden  würden  mit  ihren  exilpolitischen  Tätigkeiten  den  Behörden im Gastland gegenüber den Anschein von politisch engagierten  Person  zu  erwecken  versuchen.  Da  die  Beschwerdeführenden  im  Zeitpunkt der Ausreise weder verfolgt waren noch begründete Furcht vor  Verfolgung hatten, mithin  jederzeit als unbescholtene Bürger  in den  Iran  hätte  zurückkehren  können,  lassen  sich  ihre  in  der  Schweiz  "plötzlich"  einsetzenden  exilpolitischen  Tätigkeiten  nur  dadurch  erklären,  dass  sie  damit einen flüchtlingsrechtlich vermeintlich bedeutsamen Sachverhalt zu  kreieren versuchen. Ein solches Verhalten  im Gastland bildet  jedoch ein  starkes Indiz dafür, dass die Beschwerdeführenden selber nicht ernsthaft  damit  rechnen,  sie  könnten  tatsächlich  Gefahr  laufen,  im  Falle  der  Rückkehr  in  die  Heimat  wegen  ihrer  exilpolitischen  Aktivitäten  –  selbst  wenn die  iranischen Behörden davon Notiz nehmen sollten – ernsthafte  Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

D­8813/2010 5.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  auch  in  Anbetracht  der  jüngsten  Entwicklungen  im Iran, der kurdischen Ethnie der Beschwerdeführenden  und  der  früheren  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  keine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  begründen.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  noch  die  eingereichten  Beweismittel  etwas  zu  ändern,  weshalb  auf  diese  nicht  mehr  näher  einzugehen  ist.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  die  Beschwerdeführenden keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder  glaubhaft  machen  konnten.  Die  Vorinstanz  hat  daher  die  Flüchtlingseigenschaft  der Beschwerdeführenden  zu Recht  verneint  und  die Asylgesuche abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  BVGE  2008/34 E. 9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 7.2.  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

D­8813/2010 7.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 7.4.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden  in  den  Iran  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Iran  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06, 

D­8813/2010 §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen).  In  der Beschwerde wird  geltend  gemacht, der Europäische Gerichtshof  für Menschenrechte sei  in einem  Entscheid  vom  9. März  2010  zum  Schluss  gekommen,  eine  Rückschaffung eines  illegal  ausgereisten  Iraners  verstosse gegen Art. 3  EMRK.  Die  Wiedergabe  dieses  Entscheids  erfolgt  indessen  reichlich  verkürzt, hat doch der Gerichtshof in einem konkreten Fall die Auffassung  vertreten,  der  Beschwerdeführer  in  diesem  Verfahren  habe  glaubhaft  machen können, zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Iran behördlich  gesucht worden zu sein, was zusammen mit seiner illegalen Ausreise zur  Annahme  führe,  er  werde  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  menschenrechtswidriger  Behandlung  ausgesetzt.  Vorliegend  ist  dies  indessen  gerade  nicht  der  Fall,  da  die  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachte  Vorverfolgung  als  unglaubhaft  gewertet  wurde  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­6959/2008  vom  5.  Dezember  2008  E. 5).  Es  muss  auch  nicht  befürchtet  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  routinemässigen  Überprüfung  bei  einer  Rückkehr  einer  menschenrechtswidrigen  Behandlung  ausgesetzt  wird.  Wie  bereits  im  Rahmen  der  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  festgehalten,  lag  die  geltend  gemachte  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  in  den  Jahren  1982  bis  1987  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise aus dem Iran schon mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Er konnte  zudem  nicht  glaubhaft  machen,  dass  er  vor  der  Ausreise  behördlich  gesucht wurde und es ist nicht anzunehmen, dass er heute gesucht wird.  Schliesslich  lässt  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Iran  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  ebenso  wenig  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 7.5. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.5.1. Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden in den Iran  ist  als  zumutbar  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  zu  erachten,  da  sie  nicht glaubhaft darzutun vermochten, bei einer Rückkehr  ins Heimatland  einer  konkreten  Gefährdungssituation  im  Sinne  der  zu  beachtenden  Bestimmung  ausgesetzt  zu  werden.  Im  Iran  herrscht  zurzeit  keine 

D­8813/2010 Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen wird. In  den  Akten  finden  sich  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die  Beschwerdeführenden  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher  und  sozialer Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würden. Sie  verfügen  in  der  Heimat  über  ein  breites  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz und es  ist davon auszugehen, dass sie sich nach einer  Rückkehr  in  die  Heimat  gesellschaftlich  und  beruflich  werden  reintegrieren  können.  Insgesamt  bestehen  daher  keine  konkreten  Anzeichen  dafür,  dass  sie  bei  einer Rückkehr  in  ihr Heimatland  in  eine  existenzielle Notlage geraten würden. Hinsichtlich  der  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  der  Beschwerdeführerin  (vgl.  die  Therapiebestätigung  von  Frau  lic.  phil.  G._______ und den Bericht über die Familie A._______ vom 23. Januar  2009 von Familie  I._______)  ist davon auszugehen, dass diese auch  im  Iran  behandelt  werden  können.  Gemäss  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  im  Rahmen  der  Tatbestandsvariante  der  medizinischen  Notlage  im  Sinne  von  Art.  83  Abs. 4  AuG  nur  dann  auf  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  zu  schliessen,  wenn  eine  notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung  steht  und  die  Rückkehr  zu  einer  raschen  und  lebensgefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustandes  der  betroffenen  Person  führt.  Als  wesentlich  wird  die  allgemeine  und  dringende  medizinische  Behandlung  erachtet,  die  zur  Gewährleistung  einer  menschenwürdigen  Existenz  absolut  notwendig  ist.  Der  Umstand,  dass  eine  medizinische  Behandlung  im Heimat­  oder Herkunftsstaat  nicht  dem  schweizerischen  Standard entspricht, bewirkt noch nicht die Unzumutbarkeit des Vollzugs  (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a  und  5b).  Die Beschwerdeführerin wird  in  ihrem Heimatland  auf  die  dort  bestehenden  und  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  als  ausreichend zu bezeichnenden psychiatrischen Behandlungsinstitutionen  zurückgreifen können, zumal dort die psychiatrische Betreuung  inklusive  relativ  weitreichender  Medikation  Teil  der  medizinischen  Grundversorgung  ist.  Somit  stehen  dem  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  keine  Gründe  medizinischer  Natur  entgegen.  Ergänzend  ist  auf  die  Möglichkeit  hinzuweisen,  bei  allfälligem  Bedarf  beim  BFM  um  Ausrichtung  einer  medizinischen  Rückkehrhilfe  zu  ersuchen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG; Art. 75 der Asylverordnung 2  vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]).

D­8813/2010 7.5.2.  Die  im  Beschwerdeverfahren  geltend  gemachte  Integration  der  Beschwerdeführenden,  die  mit  einem  von  der  Familienbetreuerin  zusammengestellten  Dossier  untermauert  wird,  ist  im  vorliegenden  Verfahren  von untergeordneter  rechtlicher Bedeutung. Es  ist  angesichts  des Alters der Beschwerdeführenden und der Tatsache, dass sie erst seit  knapp  drei  Jahren  in  der  Schweiz  leben,  nicht  von  einer  derartigen  Entwurzelung auszugehen, die eine Rückkehr in den Iran, in dem sie den  weitaus  grössten  Teil  ihres  Lebens  verbracht  haben,  als  unzumutbar  erscheinen  lassen würde. Auch der Aspekt des Kindeswohls vermag  im  vorliegenden  Verfahren  zu  keiner  anderen  Beurteilung  zu  führen.  Den  Akten  ist zwar zu entnehmen, dass der mittlerweile 15­jährige Sohn der  Beschwerdeführenden  durch  die  Ausreise  aus  dem  Iran  und  die  Schwierigkeiten  im  Rahmen  der  gescheiterten  Ausschaffung  seiner  Familie  verstört  reagierte,  doch  auch  bezüglich  ihm  ist  davon  auszugehen, dass er sich im Iran wird zurechtfinden können, hat er doch  seine  ersten  zwölf  Lebensjahre  dort  verbracht.  Die  neunjährige  Tochter  der  Beschwerdeführenden  dürfte  beziehungsmässig  noch  stark  an  ihre  Eltern  gebunden  sein  und  sich  rasch  wieder  in  das  Alltagsleben  ihres  Heimatlandes integrieren können.  7.5.3.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht als unzumutbar. 7.6.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 7.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen.

D­8813/2010 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Da  das mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom  5. Januar  2011  gutgeheissen  wurde,  sind  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­8813/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand:

D-8813/2010 — Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 D-8813/2010 — Swissrulings