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Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 D-8626/2010

19. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,415 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung (Beschwerden gegen Wiedererwägungsentscheid) | Asyl und Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 15. November 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­8626/2010 Urteil   v om   1 9 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren X._______, Irak, vertreten durch lic. iur. Lars Dubach, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom15.  November 2010 / N_______.

D­8626/2010 Sachverhalt: A.  A.a. Der Beschwerdeführer stellte am 2. Oktober 2002 ein Asylgesuch in  der Schweiz. Er begründete dieses damit, er habe nach dem Tod seiner  Eltern  in  P._______  gelebt,  die  ihn  ungerecht  behandelt  habe.  Dieses  Gesuch  wurde  vom  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF;  heute:  BFM)  mit  Verfügung  vom  3. August  2004  abgelehnt.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung  an.  Mit  neuer  Verfügung  vom  7. Oktober  2005  zog  die  Vorinstanz  ihre  Verfügung  vom  3. August  2004,  soweit  sich  diese  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  bezog,  in  Wiedererwägung  und  ordnete  infolge  Unzumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  des Beschwerdeführers  in der Schweiz an. Die gegen die ursprüngliche  Verfügung  vom  3. August  2004  betreffend  den  Wegweisungsvollzug  erhobene  Beschwerde  wurde  mit  Beschluss  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  vom  12. Dezember  2005  als  gegenstandslos geworden abgeschrieben. A.b. Am 7. Januar 2008 hob das BFM die mit Verfügung vom 7. Oktober  2005 angeordnete vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers auf und  setzte ihm Frist bis zum 5. März 2008, um die Schweiz zu verlassen. Auf  die  dagegen  erhobene  Beschwerde  vom  5. Februar  2008  trat  das  Bundesverwaltungsgericht mangels Zahlung des Kostenvorschusses mit  Urteil  vom  7.  März  2008  nicht  ein.  In  der  Folge  setzte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. März 2008 eine neue Frist bis  25. März 2008 zum Verlassen der Schweiz an. A.c.  Die  am  2.  April  2008  als  "Fristwiederherstellungsgesuch"  bezeichnete  und  ans  Bundesverwaltungsgericht  gerichtete  Eingabe  des  Beschwerdeführers  wurde  als  Revisionsgesuch  gegen  das  Urteil  vom  7. März  2008  entgegengenommen  und  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts vom 24. April 2008 abgewiesen. A.d. Ein  am 11.  September  2009  an  das BFM gerichtetes Gesuch  des  Beschwerdeführers  um  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  wurde  mit  Schreiben des BFM vom 16. September 2009 dahingehend beantwortet,  dass  mit  dem  rechtskräftigen  Asyl­  und  Wegweisungsentscheid  seine  Rückführung  in  den  Heimatstaat  als  zumutbar,  zulässig  und  möglich  beurteilt worden sei und ein Antrag auf erneute vorläufige Aufnahme  im  Sinne von Art. 83 Abs. 6 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005  über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nur durch die 

D­8626/2010 kantonalen  Behörden  gestellt  werden  könne.  Er  könne  also  bereits  im  heutigen  Zeitpunkt  in  seine  Heimat  zurückkehren  und  er  werde  angehalten,  die  Anweisungen  der  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung  betrauten  Migrationsbehörde  des  Kantons  B._______  zu  befolgen,  ansonsten er mit Zwangsmassnahmen rechnen müsse. Mit Eingabe vom  20. November 2009 liess der Beschwerdeführer vorbringen, er verfüge in  C._______ über kein Beziehungsnetz und Eigentum und würde dort nicht  hinreichend  geschützt.  Das  BFM  beantwortete  diese  Eingabe  mit  Schreiben  vom  1.  Dezember  2009  und wies  ihn  darauf  hin,  es  würden  keine  genügend  substanziierten  Wiedererwägungsgründe  geltend  gemacht,  weshalb  der  Eingabe  keine  weitere  Beachtung  geschenkt  werde. A.e. Mit  Eingabe  vom  30.  Juli  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  ein  Wiedererwägungsgesuch  beim  BFM  ein  und  ersuchte  um  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  um Gewährung  von Asyl.  Zumindest  sei  die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  festzustellen und  ihm die  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  zu  gewähren.  In  prozessualer  Hinsicht sei der Vollzug der angeordneten Wegweisung für die Dauer des  Verfahrens auszusetzen und es sei  ihm die unentgeltliche Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu  gewähren. Seiner  Eingabe  legte  der  Beschwerdeführer  diverse  Beweismittel  (Auflistung Beweismittel) bei. A.f.  Mit  Schreiben  vom  17.  September  2010  teilte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit,  eine  Überprüfung  der  eingereichten  Dokumente  und  deren  Übersetzungen  habe  Ungereimtheiten  ergeben.  So  stehe  in  der  Todesurkunde  des  (...)  in  arabischer  Schrift,  dass  der  Tote  ledig  gewesen  und  am  Y._______  geboren  worden  sei.  Der  (...)  sei  am  Z._______,  also  im  neunzehnten  Lebensjahr,  an Blutverlust  verstorben.  Der  eingereichten  deutschen  Übersetzung  sei  zu  entnehmen,  dass  der  Verstorbene  verheiratet  gewesen  und  am  W._______  geboren  worden  sei. Diese abgeänderten Angaben würden sich eher mit den  im Gesuch  vom 30. Juli  2010 gemachten Angaben  in Einklang bringen  lassen. Der  eingereichte Haftbefehl laute in arabischer Sprache auf D._______. In der  deutschen  Übersetzung  stehe  aber  E._______.  G._______  sei  gemäss  Akten der Name des vom Beschwerdeführer getöteten (...). Neben diesen  unkorrekten  Angaben  und  den Anpassungen  in  den Übersetzungen  sei 

D­8626/2010 auch  fraglich,  wie  der  Beschwerdeführer  zu  diesen  Dokumenten  gekommen sei  und weshalb er beispielsweise mehr als  (...)  Jahre nach  der  Tötung  die  Todesurkunde  des mit  ihm  verfeindeten  (...)  erhalte.  So  habe  der  Beschwerdeführer  doch  keinen  Kontakt  mehr  mit  den  Verwandten  der  P._______  gehabt,  die  möglicherweise  im  Jahre  (...)  einen  Todesurkunde  erhalten  hätten.  Weiter  handle  es  sich  beim  eingereichten Haftbefehl um ein  internes Dokument der Behörde. Diese  Dokumente  würden  nicht  herausgegeben.  Trotzdem  habe  der  Beschwerdeführer  ein  solches  Dokument  eingereicht,  ohne  diesen  Umstand im Gesuch vom 30. Juli 2010 zu erklären. Dem  Beschwerdeführer  wurde  Gelegenheit  eingeräumt,  sich  zum  Abklärungsergebnis bis zum 4. Oktober 2010 schriftlich zu äussern. A.g. Mit  Schreiben  vom  11. Oktober  2010  nahm  der  Beschwerdeführer  zum  Abklärungsergebnis  Stellung  und  führte  diesbezüglich  im  Wesentlichen  an,  sein  (...)  sei  verheiratet  gewesen  und  in  der  Todesurkunde  sei  das  Kreuz  zwischen  "ledig"  und  "verheiratet"  gesetzt  worden.  Er  könne  sich  nicht  erklären,  weshalb  nicht  eindeutig  "verheiratet" angekreuzt worden sei; es müsse sich diesbezüglich um ein  Versehen handeln. Sein  (...) sei am W._______ geboren worden.  In der  Todesurkunde  mache  es  den  Anschein,  als  wäre  als  Geburtsjahr  (...)  angeführt.  In  der  arabischen Schrift würden die Zahlen 8 und 6 aber  je  nach  Schriftbild  sehr  ähnlich  aussehen.  Er  werde  versuchen,  weitere  Unterlagen betreffend den Zivilstand und das Geburtsdatum des  (...)  zu  beschaffen.  Weiter  laute  sein  vollständiger  Name  D._______.  Im  Irak  gebe  es  keinen  Nachnamen/Familiennamen  wie  in  der  Schweiz.  Der  Name  einer  Person  setze  sich  aus  dem  eigenen  Vornamen,  dem  Vornamen des Vaters und dem Vornamen des Grossvaters zusammen.  Sein  Vorname  laute  N._______.  Sein  leiblicher  Vater  habe  O._______  zum  Vornamen  geheissen  und  der  Vorname  des  Grossvaters  laute  I._______.  Der  im  Haftbefehl  genannte  Name  sei  demnach  korrekt,  hingegen  der  in  der  Übersetzung  aufgeführte  Name  falsch.  Der  Name  des  (...)  laute  im  Übrigen  korrekt  "J._______".  Er  habe  gegenüber  den  Asylbehörden  dessen  Namen mit  "G._______"  angegeben,  weil  er  aus  Angst  vor  einer  Blutrache  seitens  der  Verwandten  seines  (...)  habe  verhindern wollen, dass sein Aufenthalt in der Schweiz der P._______ zur  Kenntnis  gelangen  könnte.  Zur  Beschaffung  der  eingereichten  Dokumente sei anzuführen, dass er im Irak einen alten Freund habe, den  er zwar  für einige Zeit aus den Augen verloren, vor kurzem aber wieder  über das  Internet gefunden habe. Dieser habe  ihm bei der Beschaffung 

D­8626/2010 der Dokumente geholfen, ohne dass er jedoch wisse, wie sein Freund an  diese Dokumente gelangt sei. B.  Mit  Verfügung  vom  15.  November  2010  –  gleichentags  eröffnet  –  wies  das  BFM  das Wiedererwägungsgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  stellte  fest,  dass  die  Verfügung  vom  3.  August  2004  rechtskräftig  und  vollziehbar  sei.  Auf  die  Erhebung  einer  Gebühr  wurde  verzichtet  und  festgehalten,  dass  einer  allfälligen  Beschwerde  keine  aufschiebende  Wirkung zukomme. C.  Mit  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gerichteter  Beschwerde  vom  16. Dezember  2010  beantragte  der  Beschwerdeführer,  es  sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  15. November  2010  aufzuheben  und  das  Wiedererwägungsgesuch  sei  gutzuheissen,  es  sei  die  Verfügung  des  BFM vom 3. August 2004 aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft  festzustellen und es sei  ihm Asyl zu gewähren.  In prozessualer Hinsicht  sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, es sei ihm die  unentgeltliche  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  zu  gewähren und es sei ihm ein unentgeltlicher Rechtsbeistand gemäss Art.  65  Abs.  2  VwVG  beizugeben.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Seiner  Rechtsmitteleingabe  legte  der  Beschwerdeführer  ein  fremdsprachiges Dokument (Bestätigung vom U._______) bei. D.  Mit  Telefax  des  Instruktionsrichters  vom 17. Dezember  2010 wurde  der  Vollzug der Wegweisung per sofort ausgesetzt. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  17.  Januar  2011  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  das  eingereichte  fremdsprachige  Beweismittel (Bestätigung) bis zum 1. Februar 2011 in eine Amtssprache  des Bundes übersetzen zu  lassen, wobei  im Unterlassungsfall  aufgrund  der  übrigen  Akten  entschieden  werde.  Der  Beschwerdeführer  wurde  darauf  hingewiesen,  dass  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nach  Ablauf  der  angesetzten  Frist  befunden  werde.  Das  Gesuch  um  unentgeltliche Rechtsverbeiständung wurde abgewiesen.

D­8626/2010 F.  Mit  Eingabe  vom  28.  Januar  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  die  amtlich  beglaubigte  deutsche  Übersetzung  der  Bestätigung  vom  U._______ zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Ein  solches  Auslieferungsbegehren  besteht  nicht,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gemäss  bisheriger  Praxis  letztinstanzlich  auch  Beschwerden  gegen  Verfügungen,  in  denen  das  Bundesamt  es  ablehnt,  einen  früheren  Entscheid  auf  Gesuch  hin  in  Wiedererwägung zu ziehen, zumal die diesbezügliche Rechtslage  in der  vorliegenden und massgeblichen Konstellation  keine Änderung erfahren  hat. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs­weise  Änderung. Er  ist  daher  zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 

D­8626/2010 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1  und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel in der Besetzung mit drei Richter oder Richterinnen (Spruchkörper;  vgl.  Art.  21  Abs.  1  VGG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  auch  in  solchen  Fällen  auf  die  Durchführung  des  Schriftenwechsels  verzichten  (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2.  2.1. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht  geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende  Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender  Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art.  29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE  127  I  133  E.  6  mit  weiteren  Hinweisen).  Danach  ist  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten,  wenn  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen  der  Sachlage anzupassen ist. Eine Wiedererwägung fällt hingegen dann nicht  in  Betracht,  wenn  lediglich  eine  neue  Würdigung  der  beim  früheren  Entscheid  bereits  bekannten  Tatsachen  herbeigeführt  werden  soll  oder  Gründe  angeführt  werden,  die  bereits  in  einem  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  gegen  die  frühere  Verfügung  hätten  geltend  gemacht  werden  können  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003 Nr.  17  E.  2b  S.  104).  Sodann  können  auch  Revisionsgründe  einen  Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  in  materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  geblieben  oder  deren  Beschwerdeverfahren  mit  einem  formellen Prozessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als  qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist  grundsätzlich  nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens  zu  behandeln  (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen). 2.2.  Da  die  Vorinstanz  den  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  Behandlung seines Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt hat 

D­8626/2010 und darauf eingetreten  ist, hat das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen,  ob das BFM das Gesuch zu Recht abgewiesen hat. 3.  3.1.  Das  Bundesamt  führte  zur  Begründung  im  Wesentlichen  an,  der  Beschwerdeführer habe in seinem Wiedererwägungsgesuch angegeben,  nach  dem Tod  seiner  biologischen Eltern  bei P._______  aufgewachsen  zu sein. Vom alkoholabhängigen (...) sei er regelmässig geschlagen und  von R._______ sexuell missbraucht worden. Bei einem solchen sexuellen  Übergriff  im Jahre (...) seien er und R._______ vom (...) überrascht und  er  in  der  Folge  von  diesem  mit  dem  Tod  bedroht  worden.  Bei  der  darauffolgenden  Auseinandersetzung  habe  der  Beschwerdeführer  den  (...) mit einem Messer verletzt, worauf dieser verstorben sei. Nach der Tat  sei  er  nach M._______  geflüchtet  und  es  sei  ein  Haftbefehl  gegen  ihn  ausgestellt  worden.  Bei  einer  Rückkehr  in  den  Irak  drohe  dem  Beschwerdeführer  die  Todesstrafe  respektive  befürchte  dieser  die  Blutrache seitens der Verwandten des (...). Die diesbezüglich vorgelegten  Beweismittel  (Nennung  Beweismittel)  vermöchten  jedoch  die  neu  vorgebrachten Tatsachen nicht zu untermauern. Die Ausführungen in der  Stellungnahme  vom  11.  Oktober  2010  zu  den  offensichtlichen  Ungereimtheiten  bei  der  eingereichten  Todesurkunde  vermöchten  die  Einschätzung  des  Bundesamtes  vom  17. September  2010,  dass  das  erwähnte Dokument Fälschungsmerkmale aufweise, nicht zu beseitigen.  Denn  tatsächlich  stehe  auf  der  Todesurkunde  des  (...)  das Geburtsjahr  (...)  und  nicht  wie  angeführt  (...).  Eine  arabische  6  sei  unten  auf  der  Urkunde  handschriftlich  aufgeführt  und  werde  von  der  ausstellenden  Person klar anders geschrieben als die arabische 8 beim Geburtsdatum.  Die in der Stellungnahme angeführte Erklärung, weshalb der (...) auf der  Todesurkunde als ledig bezeichnet werde, vermöge nicht zu überzeugen.  Die Todesurkunde sei am Todestag des (...) ausgestellt worden und der  ausstellenden  Behörde  hätte  geläufig  sein  müssen,  welchen  Zivilstand  die  verstorbene  Person  gehabt  habe.  Neben  diesen  unkorrekten  Angaben und den Anpassungen in der Übersetzung sei auch fraglich, wie  der Beschwerdeführer  in den Besitz dieses Dokumentes gekommen sei.  Es sei nicht nachvollziehbar, dass er mehr als (...) Jahre nach der Tötung  die Todesurkunde des mit  ihm verfeindeten (...) erhalten habe, zumal er  doch  seit  vielen  Jahren  keinen  Kontakt  mehr  mit  den  Verwandten  der  P._______  gehabt  habe.  Die  angeführte  Erklärung,  wonach  der  Beschwerdeführer  dieses Dokument  durch einen Freund erhalten  habe, 

D­8626/2010 wirke  stereotyp  und  vermöge  nicht  zu  überzeugen. Die Namensgebung  im  Irak  sei  einer  Behörde,  die  sich  täglich  mit  Asylgesuchen  aus  dem  Nahen  Osten  befasse,  bekannt.  Für  die  Beurteilung  des  vorliegenden  Asylgesuches sei nicht erheblich, weshalb der Haftbefehl falsch übersetzt  worden  sei. Vielmehr  bleibe  die Frage offen, wie  der Beschwerdeführer  dieses Dokument habe erhalten können, handle es sich dabei doch um  ein internes Dokument der Behörde. Solche internen Dokumente würden  auch im Irak von den Behörden nicht an Privatpersonen herausgegeben,  denn  ihre  Veröffentlichung  würde  den  Gesuchten  warnen  und  einen  Fahndungserfolg verunmöglichen. Diese wichtige Ungereimtheit habe der  Beschwerdeführer  in  seiner  Stellungnahme  ebenfalls  nicht  ausreichend  erklären  können.  Die  von  ihm  eingereichte  Übersetzung  eines  medizinischen Gutachtens und die Kopie des Verhandlungsprotokolls des  Verwaltungsgerichts  B._______  seien  ebenfalls  nicht  geeignet,  die  Verfolgung durch die Familie des (...) oder die heimatlichen Behörden zu  belegen. Zusammenfassend  sei  festzuhalten,  dass  die  beiden  eingereichten  Beweismittel  nicht  geeignet  seien,  die  neuen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers zu begründen. Somit  lägen keine neuen erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  vor,  welche  die  Rechtskraft  der  Verfügungen  vom  3. August  2004  und  vom  7. Januar  2008  (Aufhebung  der vorläufigen Aufnahme) beseitigen könnten. Die  mit  Schreiben  vom  30.  Juli  2010  geltend  gemachten  Asylgründe  würde  den  bisher  gemachten  Aussagen  widersprechen.  Der  Beschwerdeführer habe jeweils ausgesagt, er habe bis (...) in L._______  (C._______)  gelebt.  Nun  gebe  er  an,  er  sei  bereits  im  (...)  nach  M._______  ausgereist.  Er  habe  bisher  nie  vorgebracht,  dass  sein  (...)  verstorben  sei  und  er  deswegen  Probleme  habe.  Er  habe  in  seinen  Eingaben  immer  wieder  Gelegenheit  gehabt,  die  jetzt  mit  untauglichen  Beweismitteln  geltend  gemachten  Asylgründe  aus  dem  Jahre  (...)  zu  schildern, was er aber unterlassen habe. Die angegebenen Gründe – er  habe sich geschämt und habe darüber nicht sprechen können – würden  nicht überzeugen. 3.2. Als Wiedererwägungsgrund wird im Wesentlichen die Tötung des (...)  durch den Beschwerdeführer und die daraus folgende behördliche Suche  mittels  Haftbefehls  sowie  die  Angst  des  Beschwerdeführers  vor  einer  Blutrache  seitens  der  Familie  des  Getöteten  angeführt.  Diesbezüglich  reichte er zum Beleg verschiedene Beweismittel ein.

D­8626/2010 Vorliegend führt eine Gesamtbeurteilung zur Überzeugung, dass es dem  Beschwerdeführer  trotz  der  auf  Beschwerdeebene  gemachten  Ausführungen und Entgegnungen sowie der  im Verfahren eingereichten  Beweismittel  nicht  gelingt,  die  von  der  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  zu Recht  gezogene Schlussfolgerung  zu widerlegen, wonach  die  (neuen)  Vorbringen  und  Beweismittel  nicht  geeignet  sind,  einen  im  Sinn  eines  qualifizierten  Wiedererwägungsgesuchs  relevanten  Sachverhalt  zu  begründen.  Eine  dem  Beschwerdeführer  drohende  Todesstrafe oder eine Blutrache konnte nicht glaubhaft gemacht werden. 3.3.  3.3.1.  Insoweit  die  Eingabe  vom  30.  Juli  2010  in  Bezug  auf  eine  Asylgewährung  als  qualifiziertes  Wiedererwägungsgesuch  –  die  ursprüngliche  Verfügung  des  BFF  vom  3.  August  2004  wurde  lediglich  betreffend  den Wegweisungsvollzug  angefochten  –  entgegenzunehmen  und  zu  prüfen  ist,  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  konkret  begründet,  inwiefern  es  ihm  aus  nicht  von  ihm  selber  zu  verantwortenden Gründen nicht möglich gewesen sei,  die  vorerwähnten  Dokumente bereits  im Verlauf der  früheren Verfahren vorzulegen, zumal  er auch damals unter anderem von einem Rechtsanwalt vertreten wurde.  Dass  er  es  unterliess,  eine Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des BFF  vom 3. August 2004 in Bezug auf die Anerkennung als Flüchtling und die  Gewährung  von  Asyl  einzureichen,  kann  vorliegend  nicht  dazu  führen,  dass  er  nachträglich  entsprechende  Vorbringen  wiedererwägungsweise  geltend machen kann (vgl. EMARK 2003 Nr. 17).  Die  Vorinstanz  hielt  im  angefochtenen  Entscheid  in  zutreffender Weise  fest,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  möglich  und  zumutbar  gewesen  wäre,  bereits  in  seinen  diversen,  in  den  Jahren  2004  bis  2009  eingereichten Eingaben  in mehreren Verfahren vor den schweizerischen  Asylbehörden  die  vorgebrachte  Tötung  von  (...),  welche  im  Jahre  (...)  geschehen sein soll, zu schildern. Sein Einwand, er habe sich geschämt  und nicht darüber sprechen können, erweist sich in der Tat als stereotyp  und vermag auch daher nicht  zu überzeugen, weil  er  eigenen Angaben  zufolge  kurz  vor  seiner  Tat  selber  durch  (...)  mit  dem  Tode  bedroht  worden  sein  soll  und  sich  somit  in  einer  auch  für  Aussenstehende  erklärbaren  und  nachvollziehbaren  Notwehrsituation  befunden  hätte.  Dass er im Weiteren aus Angst vor einer Auslieferung an den Irak durch  die Schweizer Behörden  über  das Tötungsdelikt  Stillschweigen  bewahrt  habe,  ist  ebenfalls  als  nicht  stichhaltig  zu erachten,  begab er  sich doch 

D­8626/2010 freiwillig  in die Schweiz, um hier Schutz vor einer Verfolgung  im  Irak zu  erhalten. 3.3.2. Der  Beschwerdeführer  wendet  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  zur  Schreibweise  der  Ziffern  auf  der  eingereichten  Todesurkunde  ein,  das  Geburtsjahr seines (...) sei in der Tat das Jahr (...). Je nachdem, wie man  eine arabische 6 schreibe, könne diese wie eine arabische 8 aussehen.  Unten  auf  der  Todesurkunde  sei  zwar  eine  arabische  6  geschrieben,  welche aber nicht  von der gleichen Person geschrieben worden sei wie  das  Geburtsjahr  des  (...).  So  werde  eine  Todesurkunde  im  Irak  von  mehreren  Personen  ausgestellt  (Krankenschwester,  Arzt,  Archivar).  Diese Einwände vermögen nicht zu überzeugen. So sind die arabischen  Ziffern für die Zahlen 6 ( ٦ ) und 8 ( ۸ ) derart verschieden, dass auch bei  nachlässiger  oder  unterschiedlicher  Schreibweise  kaum  ein  Irrtum  über  die  effektiv  geschriebene  Zahl  entstehen  kann.  Abgesehen  davon  sind  die  im  fraglichen  Dokument  handschriftlich  vermerkten  Zahlen  deutlich  und  gut  lesbar  aufgeführt,  weshalb  in  casu  ohnehin  nicht  von  einer  allfälligen Verwechslungsgefahr auszugehen ist, selbst wenn die in Frage  stehenden  Zahlen  von  verschiedenen  Personen  niedergeschrieben  worden wären. Soweit der Beschwerdeführer – wie bereits in seiner Stellungnahme vom  11. Oktober  2010  vorgebracht  –  erneut  anführt,  dass  er  sich  nicht  erklären könne, weshalb das Kreuz in der Todesurkunde zwischen "ledig"  und "verheiratet" gesetzt worden sei und es sich dabei um ein Versehen  handeln  müsse,  kann  auf  die  zutreffende  Argumentation  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden,  der  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  vollumfänglich  anschliesst.  Wird  zudem  die  Tatsache  berücksichtigt,  dass  das  Arabische  von  rechts  nach  links  geschrieben  wird,  so  erscheint  es  nur  logisch,  dass  im  fraglichen  Dokument das Kreuz  links vom Wort  ledig angebracht wurde und mithin  zwischen den vorgedruckten Wörtern  "ledig" und  "verheiratet" erscheint,  ohne dass aus diesem Umstand darauf geschlossen werden könnte, es  handle sich dabei um einen Verschrieb oder es sei nicht klar erkennbar,  ob  nun  mit  dem  Kreuz  die  Rubrik  "ledig"  oder  "verheiratet"  gemeint  gewesen sein könnte. Die Ausführungen des Beschwerdeführers zum Erhalt der Todesurkunde  sind nicht glaubhaft. So fällt zunächst auf, dass der Beschwerdeführer in  seiner Stellungnahme vom 11. Oktober 2010 diesbezüglich einen Freund  anführte,  der  ihm  die  Dokumente  im  Irak  organisiert  habe,  ohne  zu 

D­8626/2010 wissen, wie dies der Freund bewerkstelligt haben könnte, und letztlich auf  seine  Unfähigkeit  verwies,  in  diesem  Zusammenhang  irgendwelche  weiteren  Informationen  liefern  zu  können.  Demgegenüber  war  der  Beschwerdeführer laut seiner Beschwerdeschrift vom 16. Dezember 2010  in der Lage, weitergehende Informationen zum Erhalt der Todesurkunde  abzugeben. So handle es sich bei der Todesurkunde um ein vom Spital  ausgefertigtes  Dokument,  das  der  Freund  direkt  vom  Spital  erhalten  habe.  Der  Beschwerdeführer  unterlässt  es  in  diesem  Zusammenhang,  konkret  darzulegen,  auf  welchem  Weg  er  nun  diese  zusätzlichen  Informationen  erhältlich  machen  konnte,  nachdem  er  zuvor  kategorisch  verneinte,  weitere  Auskünfte  geben  zu  können.  Zudem  bleibt  er  eine  Erklärung darüber schuldig, wie er gewusst haben will, in welchem Spital  die  fragliche  Todesurkunde  ausgestellt  worden  sei  respektive  wo  sein  Freund hätte Nachforschungen anstellen müssen, zumal er nach der Tat  umgehend  nach  M._______  geflüchtet  sein  soll  (vgl.  act.  C1/7,  S.  3).  Überdies  ist  es  als  unglaubhaft  zu  erachten,  dass  das  Spital  –  selbst  wenn  davon  ausgegangen  würde,  dass  es  dem  Freund  des  Beschwerdeführers  gelungen wäre,  dieses  ausfindig  zu machen  –  dem  Freund  die  Todesbescheinigung  ausgehändigt  hätte,  weil  es  sich  bei  diesem weder um ein Familienmitglied noch um einen Freund der Familie  des Verstorbenen handelt. Weiter  sind  auch  die  Entgegnungen  zum  Erhalt  des  Haftbefehls  angesichts  des  von  der  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  aufgezeigten  internen  Charakters  dieses  Dokumentes  als  blosse  Schutzbehauptungen  zu  werten.  Insbesondere  erscheint  die  in  der  Beschwerdeschrift  gemachte  nähere  Erklärung,  wonach  nach  zwei  bis  drei  Jahren  im  Falle  einer  missglückten  Verhaftung  ein  Exemplar  des  Haftbefehls  an  die  Familie  des Getöteten  herausgegeben  werde,  damit  diese  ihrerseits  die  Verhaftung  des  Gesuchten  durch  die  zuständige  Polizei  veranlassen  könne,  als  nicht  nachvollziehbar,  handelt  es  sich  beim  fraglichen  Dokument  doch  um  eine  Anweisung  an  die  örtlich  zuständige Polizeibehörde,  den Beschwerdeführer  zu  verhaften.  Zudem  ist dieser Einwand auch deshalb unplausibel, weil dies eine Übertragung  behördlicher Kompetenzen auf Privatpersonen voraussetzte, was  jedoch  – entgegen  der  in  der  Rechtsmitteleingabe  geäusserten  Ansicht  –  in  keiner Weise der Realität entspricht. Unter diesen Umständen braucht auf  die  von  der  Vorinstanz  angeführten  Ungereimtheiten  bezüglich  des  im  Haftbefehl  aufgeführten  Namens  nicht  weiter  eingegangen  zu  werden,  zumal  vorliegend  weder  der  Todesurkunde  noch  dem  Haftbefehl  rechtserhebliche Beweiskraft beigemessen werden kann.

D­8626/2010 Ferner ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Verlaufe der in der  Schweiz durchlaufenen Verfahren den Namen des (...) variierte, indem er  im Rahmen der kantonalen Anhörung angab, dieser heisse "H._______"  (vgl. act. A11/16, S. 7), um demgegenüber in seiner Stellungnahme vom  11. Oktober  2010  erstmals  darauf  hinzuweisen,  dass  dieser  korrekt  "J._______"  geheissen habe  (vgl.  act. C9/3, S.  2).  Zu diesem Umstand  gab  der  Beschwerdeführer  in  der  erwähnten  Stellungnahme  zur  Begründung an, er habe befürchtet, dass – falls die Schweizer Behörden  mit  dem  Irak  Kontakt  aufnehmen  würden  –  die  P._______  seinen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erfahren  könnte,  was  er  aus  Angst  vor  einer  Blutrache habe verhindern wollen. Diese Ausführungen vermögen jedoch  nicht  zu  überzeugen, wurde der Beschwerdeführer  doch  zu Beginn des  Asylverfahrens  anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  auf  die  Verschwiegenheitspflicht  aller  am  Verfahren  beteiligten  Personen  aufmerksam  gemacht.  Gleichzeitig  wurde  ihm  versichert,  dass  nichts,  was  er  im  Laufe  seines  Asylverfahrens  vorbringen  werde,  seinen  heimatlichen Behörden zur Kenntnis gebracht werde (vgl. act. A11/16, S.  2  unten).  Soweit  er  auf  die  eingereichte  Bestätigung  des  Regionsrates  der  Stadt  C._______  vom U._______  verweist,  welche  belege,  dass  er  vom (...) bis am Z._______  im Haus von J._______ und dessen Familie  gelebt  habe,  so  ist  dieses  Dokument  als  nicht  beweiserheblich  zu  qualifizieren,  lässt  sich  dessen  Inhalt  doch  mit  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  nicht  in  Übereinstimmung  bringen.  So  führte  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  in  der  Empfangsstelle  Kreuzlingen  an,  seine Eltern seien  im Jahre  (...) verstorben, weshalb er  in der Folge bei  einer  (...)  aufgewachsen  sei  (vgl.  act.  A1/8,  S. 3  f.).  Gemäss  der  erwähnten  Bestätigung  wäre  der  Beschwerdeführer  jedoch  schon  ein  Jahr vor dem Tod seiner Eltern bei einer (...) untergebracht gewesen. In  Anbetracht  der  dargestellten  Ungereimtheiten  sind  die  eingereichten  Dokumente (Todesurkunde, Haftbefehl und Bestätigung vom U._______)  gestützt  auf  Art.  10  Abs.  4  AsylG  zur  Vermeidung  weiterer  missbräuchlicher Verwendung einzuziehen. 3.4.  Sodann  vermag  der  Beschwerdeführer  mit  den  Vorbringen  im  Wiedererwägungsgesuch  und  in  der  Beschwerde  –  soweit  sie  den  Wegweisungsvollzug  betreffen  –  keine  entscheidrelevant  veränderte  Sachlage darzutun.  Ein  Anspruch  auf Wiedererwägung  besteht  unter  anderem  dann,  wenn  sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid 

D­8626/2010 beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  (vgl.  EMARK  1995  Nr.  21  E.  1c  S.  204)  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene  Veränderungen  der  Sachlage  anzupassen ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 7 E. 1 S. 42 f.). Vorliegend  ist  eine Rückkehr  in eine der drei  kurdischen Nordprovinzen  auch nach Ablauf einer Zeitspanne von rund (...) Jahren seit der Einreise  in  die  Schweiz  nicht  als  unzumutbar  zu  erachten,  zumal  der  Beschwerdeführer bereits nach der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme  im Jahre 2008 gehalten war, die Schweiz zu verlassen. Überdies konnte  er weder eine  ihm drohende Todesstrafe noch eine Blutrache glaubhaft  machen und er verbrachte den weitaus grösseren Teil seines Lebens  in  seiner  Heimat.  Aus  den  Akten  ergeben  sich  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  aus  individuellen Gründen wirtschaftlicher,  sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation  geraten würde. 3.5. Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass die Vorinstanz zu  Recht das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen  hat. 4.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  vom  15. November  2010  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (vgl. Art.  106 AsylG). Die Verfügung des Bundesamtes  ist demzufolge zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen. 5.  Der  Beschwerdeführer  ersuchte  um  die Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG.  Mit  Zwischenverfügung des  Instruktionsrichters  vom 17. Januar  2011 wurde  die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG auf  einen  späteren  Zeitpunkt  (nach  Ablauf  der  Beweismittelfrist)  verwiesen  und  gleichzeitig  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs. 2 VwVG abgewiesen. Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  kann  die  Beschwerdeinstanz  eine  bedürftige  Partei,  deren  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheinen,  auf 

D­8626/2010 Gesuch  davon  befreien,  Verfahrenskosten  zu  bezahlen.  Aus  der  Tatsache,  dass  sich  ex  post  zeigt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  prozessualen  Erfolgschancen  hatte,  ergibt  sich  zwar  noch  nicht  zwingend,  dass  die  Beschwerde  von  vornherein  aussichtslos  war.  Dennoch  müssen  vorliegend  die  Gewinnaussichten  des  Beschwerdeführers  als  von  allem  Anfang  an  beträchtlich  geringer  eingestuft  werden  als  die  Verlustgefahren  und  können  gar  als  kaum  ernsthaft  bezeichnet  werden.  Dies  bedeutet  nach  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung,  dass  der  Streitfall  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  ist.  Deshalb  ist  das  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung abzuweisen. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  der  Beschwerdeführer  die  Kosten in der Höhe von Fr. 1'200.­ zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1  – 3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­8626/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Die  eingereichten  Dokumente  (Todesurkunde,  Haftbefehl  und  Bestätigung vom U._______) werden eingezogen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-8626/2010 — Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 D-8626/2010 — Swissrulings