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Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-837/2010

17. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,383 Wörter·~12 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl; Verfügung des BFM vom 11. Januar 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­837/2010 law/auj Urteil   v om   1 7 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter François Badoud,  Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […],  Sri Lanka,  vertreten durch Daniel Weber, Fürsprecher,  […], Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz, Gegenstand Asyl;  Verfügung des BFM vom 11. Januar 2010 / N[…]. 

D­837/2010 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  –  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  aus  Jaffna mit  letztem Wohnsitz  in Z._______  (Vanni)  –  verliess  seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge nach einem fünfmonatigen  Aufenthalt  in  Colombo  am  23.  Mai  2009  auf  dem  Luftweg,  reiste  mit  einem  Schengen­Visum  nach  Italien  und  gelangte  von  Mailand  am  25. Mai 2009 in die Schweiz, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte.  Am 27. Mai 2009 erhob das BFM im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) Basel seine Personalien und befragte  ihn zum Reiseweg sowie –  summarisch  –  zu  den  Asylgründen  (BzP).  Am  10. Juni  2009  hörte  das  Amt  den  Beschwerdeführer  zu  seinen  Asylgründen  an.  Mit  Zwischenverfügung  vom 11. Juni  2009 wies  ihn das BFM  für  die Dauer  des Asylverfahrens dem Kanton Y._______ zu.  B.  Zur  Begründung  des  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  zwischen  Dezember  2002  und  Januar  2003  mit  seinen  Mitschülern  bei  den  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE) ein Training absolviert. Einem Waffentraining habe er wegen der  Schule  entgehen  können. Nach  dem Kriegsausbruch  im  Jahr  2006  und  der Rückeroberung  von Kilinochchi  durch  die Armee  habe  seine Mutter  ihm empfohlen, das Land zu verlassen, müsse er als ältestes ihrer Kinder  doch für die Familie sorgen. Seit 2006 habe er erfolglos versucht, einen  Reisepass zu erhalten. Als die LTTE  im Jahr 2008 aus  jedem Haushalt  eine  Person  gezwungen  habe,  sich  ihr  anzuschliessen  und  in  seiner  Umgebung mehrere Jugendliche zwangsrekrutiert worden seien, habe er  das  Vanni­Gebiet  im Dezember  2008  verlassen  und  sei  über Mullaitivu  und  Vavuniya  nach  Colombo  gegangen.  Dort  habe  er  im  Haus  des  Parlamentsabgeordneten  B._______,  eines  Bekannten  seines  Vaters,  wohnen  können.  Im  Februar  2009  sei  er  bei  einer  Personenkontrolle  festgenommen und auf einen Polizeiposten gebracht worden, weil auf der  Identitätskarte  seine Herkunft  aus  dem Vanni­Gebiet  ersichtlich  sei.  Auf  dem Posten habe er eineinhalb Stunden auf einer Sitzbank gesessen, bis  er  auf  Intervention  eines Freundes  oder Verwandten  seines Vaters  und  von  Parlamentariern  freigelassen  worden  sei  mit  der  Auflage,  am  nächsten Tag  seine  Identitätskarte  abzuholen. Am 8. März  2009  hätten  ihn  mehrere  Personen  mit  einem  weissen  Van  entführt,  um  ihn  umzubringen, falls er ein LTTE­Mitglied gewesen wäre, oder um Geld zu  erpressen.  Sie  hätten  ihn  gefragt,  ob  er  ein  Tiger  sei,  und  die 

D­837/2010 Telefonnummer von B._______ verlangt. Nach drei Tagen hätten sie ihn  auf  der Strasse  ausgesetzt.  Er  könne weder  in Vanni  noch  in Colombo  leben und werde einerseits von der Armee und vom weissen Van verfolgt,  andererseits  habe  er  Angst,  dass  die  LTTE  ihn  zwingen  würden,  sich  ihnen  anzuschiessen,  und/oder  dass  ehemalige  LTTE­Mitglieder  ihn  verraten würden.  Vor  seinem Weggang  aus  dem Vanni­Gebiet  habe  er  die LTTE bei verschiedenen Anlässen unterstützen müssen. So habe er  für  sie  Plakate  geklebt  und  an  den  Todestagen  von  einzelnen  LTTE­ Soldaten bei der Dekoration mitgeholfen, Flaggen aufgehängt, ein kleines  Zelt  aufgestellt  und  Kerzen  angezündet,  sowie  bei  der  Beerdigung  von  LTTE­Kämpfern Blumen geworfen und Lieder  abgespielt.  Im Falle  einer  Rückkehr nach Sri Lanka würde er gleich am Flughafen von der Armee  und  der  Polizei  gequält  werden;  sollte  er  den  Flughafen  lebendig  verlassen  können,  würde  er  sehr  wahrscheinlich  von  den  weissen  Van  mitgenommen,  oder  spätestens  in  Vanni  würde  er  Schwierigkeiten  bekommen, quäle und  foltere die Armee doch  jeden einzelnen Tamilen,  der mit der LTTE etwas zu tun gehabt habe.  Der  Beschwerdeführer  reichte  eine  beglaubigte  Kopie  seiner  Geburtsurkunde sowie eine Bestätigung einer Behörde in Jaffna über die  zweimalige interne Vertreibung der Familie in den Jahren 1990 und 1995  ein.  C.  Am 17. Juni 2009 stellte der Beschwerdeführer beim BFM ein Gesuch um  einen Kantonswechsel von Y._______ nach X._______, wo eine […] und  ein […] mit ihren Familien leben. Mit Verfügung vom 13. Juli 2009 lehnte  das Bundesamt das Kantonswechselgesuch ab. D.  Mit  Verfügung  vom  11.  Januar  2010  –  eröffnet  am  12.  Januar  2010 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte  das  Amt  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz,  ordnete  indessen  infolge  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung seine vorläufige Aufnahme in der Schweiz an.  E.   Gegen diesen Entscheid  liess der Beschwerdeführer mit Eingabe seines  Rechtsvertreters  vom 11. Februar  2010 beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erheben und beantragen, die vorinstanzliche Verfügung vom 

D­837/2010 11. Januar 2010 sei aufzuheben und die Sache zum neuen Entscheid an  die Vorinstanz zurückzuweisen; eventuell sei die angefochtene Verfügung  aufzuheben  und  dem  Beschwerdeführer  Asyl  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  er  beantragen,  es  sei  mit  ihm  eine  ergänzende Befragung durchzuführen, und es sei ihm die unentgeltlichen  Rechtspflege  zu  gewähren  und  ihm  der  unterzeichnende  Rechtsanwalt  als amtlicher Anwalt beizuordnen.  Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  diverse  Beweismittel  ein:  Schriftliche  Ausführungen  zu  seinen  Asylgründen, Kopien einer vom 19. März 2009 datierten Haftbestätigung  („Receipt  on  Arrest“)  und  zweier  handschriftlicher  Vorladungen  vom  21. Juni  2009  und  vom  10. Dezember  2009,  eine  srilankische  Identitätskarte  im  Original  sowie  je  ein  Bestätigungsschreiben  eines  srilankischen Rechtsanwaltes vom 7. Februar 2010 und einer Tante aus  W._______  vom 1. Februar  2010. Ferner  stellte  er weitere Beweismittel  aus  Sri  Lanka  in  Aussicht  und  reichte  eine  Fürsorgebestätigung  vom  18. Januar 2010 ein.  F.  Mit  Verfügung  vom  17.  Februar  2010  hiess  der  Instruktionsrichter  das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines Kostenvorschusses;  das Gesuch  um Gewährung  eines  unentgeltlichen  Rechtsbeistandes  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  wies er ab. Gleichzeitig  forderte er den Beschwerdeführer auf,  innerhalb  von 30 Tagen die  in der Beschwerde  in Aussicht gestellten Beweismittel  nachzureichen.  G.  Mit Eingaben vom 22. und 26. März 2010 sowie vom 9. April 2010 reichte  der  Rechtsvertreter  einen  vom  27.  Mai  2009  datierten  Haftbefehl  („Warrant  of  Arrest“)  als  E­Mail­Ausdruck  und  Kopie  mit  englischer  Übersetzung  sowie  ein  Schreiben  eines  weiteren  srilankischen  Rechtsanwalts vom 22. Februar 2010 als Kopie und im Original ein.  H.  Mit Verfügung vom 13. April 2010 lud das Bundesverwaltungsgericht die  Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. Nachdem die  ihm dazu angesetzte  Frist  infolge Verzögerungen bei Abklärungen der Schweizer Botschaft  in 

D­837/2010 Colombo  mehrmals  verlängert  wurde,  liess  sich  das  BFM  mit  Eingabe  vom  17.  Juni  2011  zur  Beschwerde  vernehmen  und  beantragte  deren  Abweisung.  I.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  14.  Juli  2011  nahm  der  Beschwerdeführer  zur  vorinstanzlichen  Vernehmlassung  Stellung.  Der  Replik  legte  er  einen  auf  ihn  ausgestellten Studentenausweis  sowie  als  „Academic  Record“  des  Studienjahres  2007/2008  und  „Registration  Record“ für das Jahr 2008/2009 bezeichnete Dokumente bei.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.   1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  somit  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die Beschwerde  führende Person Schutz  sucht  (Art. 105  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist daher zur Einreichung der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1  VwVG). Auf die frist­ und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1  VwVG) ist einzutreten.  2.  Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1  AsylG). 

D­837/2010 3.   3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG).  3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  4.   4.1. Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheides  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  sowie  an  die  Glaubhaftmachung  derselben  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  stand.  Im  Einzelnen  führt  es  aus,  das  geltend  gemachte  Training  bei  den  LTTE  könne  nicht  geglaubt  werden,  weil  der  Beschwerdeführer  dazu  widersprüchliche Angaben gemacht habe. Bei der Befragung zur Person  habe  er  gesagt,  es  habe  sich  um  ein  Grenzschutz­Training  gehandelt;  anlässlich  der  Anhörung  aber  habe  er  von  einem  Eigenschutz­Training  beziehungsweise  einem  Selbstverteidigungskurs  gesprochen.  Ebenfalls  als unglaubhaft bezeichnet das Bundesamt die vorgebrachte Entführung  in einem weissen Van und das anschliessende dreitägige Festhalten des  Beschwerdeführers,  weil  er  dieses  Ereignis  an  der  BzP  nicht  erwähnt,  sondern  lediglich  gesagt  habe,  Angst  vor  Unbekannten  mit  einem  weissen Van zu haben. Zur geltend gemachten polizeilichen Festnahme  im Februar 2009 in Colombo anlässlich einer Personenkontrolle hielt das  BFM  fest, diese stelle keine Verfolgung  im Sinne des Asylgesetzes dar,  sondern  sei  eine  gewöhnliche  Routinekontrolle  gewesen,  welche  dem 

D­837/2010 Beschwerdeführer  ein  menschenwürdiges  Leben  in  Sri  Lanka  weder  verunmögliche noch in unzumutbarer Weise erschwere.  4.2.  In  der  Beschwerde  vom  11. Februar  2009  wird  demgegenüber  ausgeführt, der Beschwerdeführer habe an den beiden Befragungen die  Wahrheit  gesagt,  aber  zwei  zentrale  Elemente  seiner  Geschichte  nicht  erwähnt – die Tätigkeit für die LTTE und die zweiwöchige Inhaftierung in  W._______ mit den dort erlittenen Folterungen. Der Übersetzer habe ihn  bei der Empfangsstellenbefragung dazu gedrängt, nicht zu sehr ins Detail  zu gehen und seine Asylgründe nur grob zu schildern. Diese Umstände  seien nicht geeignet gewesen, den Beschwerdeführer dazu zu bewegen,  Vertrauen  in  die  Schweizer  Behörden  zu  fassen,  zumal  andere  Asylsuchende ihm gesagt hätten, er erhalte kein Asyl und werde nach Sri  Lanka zurückgeschickt, wenn er offenlege, dass er bei den Tamil Tigers  gewesen  sei. Er  habe  seine Geschichte  aufgeschrieben und belege  sie  mit diversen Beweismitteln, aus denen hervorgehe, dass er nach seiner  Flucht  aus  dem  Kriegsgebiet  bereits  einmal  von  der  Polizei  verhaftet  worden sei, und die Behörden demzufolge seine Personalien kennen und  wissen würden, dass er für die LTTE gearbeitet habe. Auch wenn er den  Tamil Tigers nicht als Kämpfer gedient habe, werde er gesucht, würden  die  srilankischen Behörden  doch  alle  Tiger  als  Staatsfeinde  betrachten.  Das BFM gehe  von einem  falsch  festgestellten Sachverhalt  aus und  im  Lichte  der  neuen  Vorbringen  und  Beweismittel  erscheine  zudem  die  Unglaubhaftigkeitsargumentation des BFM als obsolet und offensichtlich  ohne Grundlage. In der als Beschwerdebeilage Nr. 4 eingereichten schriftlichen Darlegung  der  Asylgründe  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  als  ältestes  Kind  der Familie habe er in Z._______ ein Grenzschutz­Training bei den LTTE  absolvieren  müssen,  dessen  Zweck  es  gewesen  sei,  von  den  LTTE  eroberte Gebiete sichern zu können. Dies beinhalte keinen bewaffneten  Kampf mit der srilankischen Armee, doch wenn diese an der Grenze zu  den LTTE­Gebieten auftauche und die diese Gebiete sichernden Tamilen  zu  ergreifen  drohe,  diene  das  im  Selbstschutz­  beziehungsweise  Selbstverteidigungs­Training  Gelernte  dazu,  die  Armee  anzugreifen.  In  der  ersten  Anhörung  habe  er  sich  nur  zum  Grenzschutz­Training  geäussert, weil der Übersetzer ihn aufgefordert habe, sich kurz zu halten.  Zudem habe er zu wenig Kenntnisse von den genauen Ausbildungen. Da  er  sich  nicht  für  den  bewaffneten  Kampf  geeignet  habe,  sei  er  für  den  politischen  Flügel  der  LTTE  im  Vanni­Gebiet  tätig  gewesen.  In  Friedenszeiten  habe  er  intern  Vertriebene  bei  der  Wiederansiedlung 

D­837/2010 unterstützt  und  die  Familien  von  "Helden"  wirtschaftlich  und  mental  unterstützt.  Nach  dem Wiederaufflammen  des  bewaffneten  Kampfes  im  Jahr  2006  habe  er  für  die  LTTE  Nahrungsmittelhilfe  an  die  Zivilbevölkerung und an verletzte Kämpfer geleistet, Flüchtlingslager und  Bunker  aufgebaut,  an  Schulen  für  die  Sache  der  Tamil  Tigers  und  die  Rekrutierung  von  Kämpfern  geworben  und  an  Begräbnissen  von  gefallenen  Kämpfern  teilgenommen.  Wegen  häufiger  Armee­  und  Polizeikontrollen  in  Colombo  sei  er  zu  seiner  Tante  nach  W._______  gezogen.  Am  8. Januar  2009  sei  er  dort  wegen  Verdachts  auf  Mitgliedschaft bei den LTTE festgenommen und während zweier Wochen  in der Polizeistation inhaftiert und gefoltert worden. Nach Bezahlung einer  Geldsumme  habe  man  ihn  freigelassen.  Nach  seiner  Rückkehr  nach  Colombo  sei  es  zunächst  zu  der  bereits  im  erstinstanzlichen  Verfahren  geltend gemachten Kurzfestnahme und der Entführung in einem weissen  Van  gekommen.  Am  19. März  2009  sei  er  von  der  Polizei  in  Colombo  erneut wegen Mitgliedschaft bei den LTTE festgenommen worden, nach  einer  dreiwöchigen  Inhaftierung  und  schweren  Folterungen  vor  ein  Gericht  gestellt  und  schliesslich  gegen  Kaution  und  eine  wöchentliche  Meldepflicht freigelassen worden. Am 6. Juni und 10. Oktober 2009 habe  die  Polizei  bei[…]  B._______  nach  ihm  gesucht  und  polizeiliche  Vorladungen  abgegeben.  Er  werde  gesucht  und  gegen  ihn  sei  ein  Gerichtsverfahren hängig.  4.3. Das BFM führt in seiner Vernehmlassung aus, der Beschwerdeführer  hätte  im  erstinstanzlichen  Verfahren  nicht  nur  –  wie  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemacht  –  die  LTTE­Mitgliedschaft  und  die  Verhaftung  in  W._______  verschwiegen,  sondern  auch  die  Festnahme  am 19. März 2009 in Colombo und das in diesem Zusammenhang gegen  ihn  hängige  Gerichtsverfahren.  An  den  Befragungen  habe  er  bestätigt,  ausser  der  Kurzfestnahme  in  Colombo  beziehungsweise  der  Kurzfestnahme  und  der  Entführung  in  Colombo  keine  weiteren  Asylgründe  zu  haben.  Die  nachträglichen  Vorbringen  seien  zum  Vornherein  erheblich  zu  bezweifeln,  da  sie  nach  dem  negativen  Asylentscheid nachgeschoben worden seien. Abklärungen der Schweizer  Botschaft  in  Colombo  hätten  sodann  ergeben,  dass  der  Beschwerdeführer  einen  am  24. Februar  2005  ausgestellten  und  am  26. April 2007 bis am 24. Februar 2015 verlängerten Pass gehabt habe.  In  diesem  Pass  habe  er  am  7. April  2009  seine  Berufsbezeichnung  abändern  lassen,  und mit  diesem Dokument  habe er  am 16. April  2009  auf  der  italienischen  Botschaft  in  Colombo  ein  für  eine  mehrmonatige  Arbeitstätigkeit in Italien bestimmtes Schengen­Visum beantragt, welches 

D­837/2010 am  4. Mai  2009  ausgestellt  worden  sei.  Den  Visumsunterlagen  sei  zu  entnehmen, dass er einen festen Wohnsitz in Colombo […] gehabt habe  und  nicht  vorbestraft  gewesen  sei.  Des  Weiteren  habe  die  Botschaft  herausgefunden,  dass  der  Beschwerdeführer  diverse  Male  nach  Indien  gereist und von dort jeweils nach Sri Lanka zurückgekehrt sei – so habe  er  sich  vom  9. August  2005  bis  3. September  2005,  vom  6. Dezember  2007 bis  2. Februar  2008,  vom 9. Februar  2008 bis  9. April  2008  sowie  vom  1. Januar  2009  bis  29. Januar  2009  in  Indien  aufgehalten;  am  13. Mai  2009  sei  er  nach  Paris  ausgereist.  Nach  der  Ausreise  habe  er  offensichtlich  nicht  die  Stelle  in  Italien  angetreten,  sondern  sei mit  dem  Schengen­Visum legal in die Schweiz eingereist, wo er am 25. Mai 2009  um Asyl nachgesucht habe.  Das  BFM  hält  fest,  vor  diesem  Hintergrund  könnten  die  aufgrund  der  verspäteten  Geltendmachung  bereits  bezweifelten  Asylvorbringen  erst  recht nicht geglaubt werden. Während der angeblich im Vanni­Gebiet mit  den  LTTE  verbrachten  Zeit  sei  der  Beschwerdeführer  mehrmals  nach  Indien  gereist,  und  auch  während  der  angeblichen  Inhaftierung  in  W._______  am  8. Januar  2009  sei  er  in  Indien  gewesen.  Eine  weitere  Überschneidung  ergebe  sich  mit  der  behaupteten,  über  dreiwöchigen  Inhaftierung nach der  letzten Festnahme in Colombo am 19. März 2009,  habe  er  doch  am  7. April  2009  seine  Berufsbezeichnung  im  Pass  abändern  lassen  und  am  16. April  2009  seinen  Visumsantrag  mit  zahlreichen  Beilagen  und  italienischem  Arbeitsvertrag  auf  der  italienischen Botschaft eingereicht.  Die  eingereichten  Dokumente  mit  amtlichem  Charakter  ("Warrant  of  Arrest"  vom  27. Mai  2009  vom  Magistrate  Court  Colombo  12  sowie  "Receipt  on  Arrest"  vom  19. März  2009)  hätten  aus  Kapazitätsgründen  nicht  innert  nützlicher  Frist  durch  den  Vertrauensanwalt  der  Schweizer  Vertretung  in  Colombo  überprüft  werden  können.  Solche  Dokumente  könnten  jedoch  leicht  käuflich  erworben  oder  selbst  hergestellt  werden,  und  da  sie  lediglich  als  Kopien  vorlägen,  komme  ihnen  bereits  deshalb  grundsätzlich  kein  Beweiswert  zu.  Im  in  sehr  schlechtem,  kaum  verständlichem  Englisch  abgefassten  Schreiben  des  srilankischen  Rechtsvertreters  vom  22. Februar  2010  erwähne  dieser  den  "Supreme  Court".  Sollte  ein  Verfahren  schon  bis  zu  dieser  Instanz  gelangt  sein,  wären  zahlreiche  Gerichtsdokumente  der  Vorinstanz  beibringbar.  Der  Umstand,  dass  diese  fehlten,  vermindere  den  Beweiswert  der  anderen  Dokumente  zusätzlich.  Die  drei  Schreiben  vermöchten  kein  hängiges  Gerichtsverfahren  zu  belegen.  Beim  handschriftlichen  Schreiben  der 

D­837/2010 Tante  vom  1. Februar  2010  sowie  dem  Schreiben  eines  srilankischen  Rechtsanwaltes  vom  7. Februar  2010,  welche  eine  zweiwöchige  Inhaftierung  in  W._______  bestätigen  sollten,  handle  es  sich  offensichtlich  um  Gefälligkeitsschreiben  ohne  Beweiswert,  sei  der  Beschwerdeführer zur besagten Zeit doch in Indien gewesen.  4.4.  In  der  Replik  räumt  der  Beschwerdeführer  ein,  die  Abklärungsergebnisse des BFM seien grösstenteils  korrekt. Weiter  führt  er  aus,  in  Tat  und Wahrheit  habe  er  in W._______  studiert  und  sei  im  Kontakt  mit  Exponenten  der  LTTE  gestanden.  Ein  langjähriger  Schulkollege, der bei den LTTE gewesen sei, habe ihn gebeten, verletzte  Kämpfer  in  Indien  zu  besuchen  und  zu  betreuen.  Auf  Kosten  und  organisiert von den LTTE habe er sich dreimal nach Indien begeben; die  Daten könnten mit denjenigen übereinstimmen, welche das BFM eruiert  habe. Nach der Rückkehr von seiner letzten Reise sei er anfangs Februar  2009 in W._______ verhaftet und für zwei Wochen festgehalten worden.  Die  Bestätigung  der  Tante  nenne  als  Datum  der  Festnahme  in  W._______  irrtümlich  den 8. Januar  2009  statt  den 8. Februar  2009;  es  handle  sich  offensichtlich  um  ein  Versehen  der  Tante,  ansonsten  gebe  die Bestätigung die Wahrheit wieder. Der Beschwerdeführer  legt sodann  Wert  auf  die  Feststellung,  er  habe  bis  zu  seiner  Ausreise  an  der  Universität in W._______ Biologie studiert und dort auch seinen Wohnsitz  gehabt. Weil er befürchtet habe, mit Wohnsitz W._______ kein Visum zu  erhalten,  habe  er  in  den  Visumsunterlagen  Colombo  als  Wohnsitz  angegeben.  Er  sei  überdies  nicht  nach  Paris  gereist,  sondern  in  Rom  ausgestiegen.  5.   5.1. Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum  Schluss,  dass  die  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Punkten  nachgeschoben  und  widersprüchlich  und  daher  unglaubhaft sowie asylrechtlich nicht relevant sind. Übereinstimmend mit  der Vorinstanz  ist  festzuhalten, dass es sich bei der geltend gemachten  polizeilichen  Festnahme  im  Februar  2009  in  Colombo  anlässlich  einer  Personenkontrolle  um  eine  gewöhnliche  Routinekontrolle  ohne  asylrechtlich  erheblichen  Charakter  handelte,  zumal  der  Beschwerdeführer  nach  eineinhalb  Stunden  bereits  wieder  freigelassen  wurde.  Das  vorgebrachte  Training  bei  den  LTTE  im  Jahr  2002/2003  sowie  die  geltend  gemachte  Entführung  in  einem  weissen  Van  in  Colombo  im  März  2009  und  das  anschliessende  dreitägige  Festhalten  des  Beschwerdeführers  erweisen  sich  als  unglaubhaft,  wenngleich  aus 

D­837/2010 anderen  als  den  vom  BFM  angeführten  Gründen.  Entgegen  der  Einschätzung  der  Vorinstanz  kommt  den  in  einem  EVZ  gemachten  Aussagen  einer  asylsuchenden  Person  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen  Charakters  der  Befragung  für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zu (vgl. Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 Nr. 7 E. 6.2.1 S. 66 mit weiteren Hinweisen). Widersprüche dürfen  nur  dann  zu  Ungunsten  der  asylsuchenden  Person  herangezogen  werden,  wenn  klare  Aussagen  im  EVZ  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung beim BFM  diametral  abweichen,  oder  wenn  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt werden,  nicht  bereits  in  der  Befragung  im  Empfangszentrum  zumindest  ansatzweise  erwähnt  werden.  Im  vorliegenden  Fall  erweist  sich  das  angebliche  Training  bei  den  LTTE  als  unglaubhaft,  weil  der  Beschwerdeführer  weder  an  der  Anhörung,  noch  in  der  schriftlichen  Darlegung  seiner  Asylgründe  auf  Beschwerdeebene  (Beilage 4)  in  der  Lage  war,  Inhalt  und  Zweck  des  Trainings  anschaulich  und  nachvollziehbar  zu  beschreiben  und  schliesslich  sogar  zugibt,  über  die  genauen Ausbildungen zu wenig zu wissen (vgl. E. 4.2). Auch die geltend  gemachte  Entführung  in  Colombo  ist  unglaubhaft,  da  der  Beschwerdeführer  die  drei Nächte  und  zwei  Tage,  die  er  in  der Gewalt  von  Unbekannten  verbracht  haben  will,  nicht  in  der  erforderlichen  Detailliertheit  und  Konkretheit  zu  schildern  vermag.  Ferner  ist  nicht  nachvollziehbar, weshalb man ihn so  lange festgehalten, sich dann aber  damit  begnügt  haben  soll,  von  ihm  die  Telefonnummer  des  Parlamentsabgeordneten  in  Colombo  zu  verlangen,  in  dessen  Haus  er  gewohnt haben will (vgl. act. A9/17 S. 7, 11­13 und schriftliche Darlegung  der Asylgründe, Beschwerdebeilage Nr. 4, S. 4).  5.2. Wie das BFM  in der Vernehmlassung gestützt auf die Abklärungen  der  Schweizer  Botschaft  in  Colombo  festgestellt  hat,  hielt  sich  der  Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  der  geltend  gemachten  Tätigkeit  für  die  LTTE  im  Vanni­Gebiet  mehrmals  in  Indien  auf,  und  auch  während  der  angeblichen Inhaftierung in W._______ im Januar 2009 befand er sich in  Indien. Während der behaupteten Inhaftierung in Colombo im März 2009  liess er die Berufsbezeichnung in seinem Pass abändern, und kurz nach  der angeblichen Freilassung  reichte er auf der  italienischen Botschaft  in  Colombo  einen  Visumsantrag  mit  umfangreichen  Beilagen  ein.  Den  entsprechenden  Asylvorbringen,  an  deren  Wahrheitsgehalt  bereits  aufgrund der verspäteten Geltendmachung Zweifel angebracht sind, wird 

D­837/2010 mit  den  Ergebnissen  der  Botschaftsabklärung  jegliche  Grundlage  entzogen.  Der  Beschwerdeführer  gesteht  in  der  Replik  ein,  dass  die  Abklärungsergebnisse grösstenteils korrekt seien. Von den vier durch die  Botschaft eruierten Aufenthalten in Indien gibt er drei zu, allerdings ohne  zu konkretisieren, welche Reise er bestreitet. Sein Erklärungsversuch, er  habe  sich  im  Auftrag  der  LTTE  dreimal  nach  Indien  begeben,  um  dort  verletzte  Kämpfer  zu  besuchen  und  zu  betreuen,  ist  offensichtlich  nachgeschoben  und  vermag  angesichts  der  durch  die  zahlreichen,  im  Laufe  des  Verfahrens  vorgebrachten  unterschiedlichen  Versionen  der  angeblichen  Tätigkeiten  zugunsten  der  LTTE  vollends  erschütterten  Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers nicht zu überzeugen. An der erst  auf Beschwerdeebene vorgebrachten Festnahme  in W._______ und der  anschliessenden zweiwöchigen  Inhaftierung mit schwerer Folter hält der  Beschwerdeführer  auch  in  der  Replik  fest.  Seine  Argumentation,  die  Tante habe in ihrem Bestätigungsschreiben aus Versehen den 8. Januar  2009 als Datum seiner Festnahme genannt statt den 8. Februar 2009, ist  als Versuch zu werten, die zeitliche Kollision der angeblichen Inhaftierung  in W._______ mit dem vierten Aufenthalt  in Indien vom 1. bis 29. Januar  2009 zu  vermeiden.  In  ihrem Schreiben gab die Tante an,  ihren Neffen  am  23. Januar  2009  nach  seiner  Freilassung  aus  Sicherheitsgründen  nach Colombo zum Haus des B._______ gebracht  zu haben, mithin an  einem Datum, an welchem der Beschwerdeführer seinen Angaben in der  Replik  zufolge  noch  gar  nicht  verhaftet  gewesen  sein  will.  Abgesehen  davon,  dass  die  Tante  sich  nicht  nur  –  wie  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemacht  –  in  einer  Datumsangabe,  sondern  gleich  in  zwei  getäuscht  haben  müsste,  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  ein  blosses  Bestätigungsschreiben  einer  verwandten Person  – wie  vorliegend  jenes  der Tante  des Beschwerdeführers  –  als  solches ohnehin  nicht  geeignet  ist,  zu  beweisen,  dass  ein  Familienmitglied  polizeilich  gesucht  wird  und/oder  ein  Gerichtsverfahren  gegen  dieses  hängig  ist.  Auch  den  handschriftlichen und  fremdsprachigen polizeilichen Vorladungen kommt  kein Beweiswert zu, liegen sie doch lediglich als Kopien vor. Die Angaben  des  Beschwerdeführers,  die  Polizei  habe  am  6. Juni  2009  und  am  10. Oktober  2009  bei[…]  B._______  nach  ihm  gesucht  und  die  polizeilichen Vorladungen abgegeben, sind angesichts der Datierung der  Vorladungen  vom  21. Juni  2009  beziehungsweise  10. Dezember  2009  nicht  nachvollziehbar.  An  der  Echtheit  des  erst  mit  der  Replik  eingereichten,  unvollständig  ausgefüllten  und  nicht  unterzeichneten  Studentenausweises  sowie  der  Computerausdrucke  von  Notenblättern  zur  Untermauerung  der  –  erstmals  in  der  Replik  geltend  gemachten  Studienzeit  in  W._______  –  bestehen  ernsthafte  Zweifel  zum  einen 

D­837/2010 deshalb, weil der Beschwerdeführer nicht zu erklären vermag, weshalb er  die Dokumente erst mit der Replik einreicht, und zum anderen, da er sich  in  den  Studienjahren  2007/2008  sowie  2008/2009  nachweislich  dreimal  während  insgesamt  fünf Monaten  in  Indien  aufgehalten  hat.  Im Übrigen  sind  diese  Dokumente  ohnehin  nicht  geeignet,  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  belegen.  Den  zutreffenden  Ausführungen  des  BFM  zum  Gefälligkeitscharakter  der  Bestätigungsschreiben  der  Tante  und  des  Rechtsanwaltes,  zum  fehlenden  Beweiswert  der  eingereichten  Kopien  des  Haftbefehls  und  der  Haftbestätigung  sowie  zum  nicht  belegten und auch nicht glaubhaften Gerichtsverfahren wird in der Replik  denn  auch  nichts  Substanzielles  entgegengehalten.  Die  Erklärung  des  Beschwerdeführers  auf  Beschwerdeebene,  er  habe  beim  BFM  deshalb  nicht  die Wahrheit  gesagt, weil  Landsleute  ihm erzählt  hätten,  er würde  dann  kein  Asyl  erhalten,  ist  im  Übrigen  eine  wenig  überzeugende  Ausflucht,  wurde  er  doch  sowohl  zu  Beginn  der  BzP  als  auch  der  Anhörung  ausdrücklich  auf  die  Wahrheitspflicht  hingewiesen  (vgl.  act.  A1/10 S. 1 und A9/17 S. 2).  5.3. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Verfolgungsgefahr  nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Zur Vermeidung von  Wiederholungen  kann  vollumfänglich  auf  die  oben  wiedergegebenen  Erwägungen  aus  der  Vernehmlassung  des  BFM  verwiesen  werden.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  weitere  Vorbringen  in  der  Beschwerde  einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern können. Das Bundesamt  hat  dessen  Asylgesuch  im  Ergebnis  zu  Recht  abgelehnt.  Ergänzend  festzuhalten bleibt, dass der  rechtserhebliche Sachverhalt bezüglich der  Asylgründe  des  Beschwerdeführers  hinreichend  erstellt  ist.  Der  Beschwerdeführer  konnte  die  Sachverhaltselemente,  welche  er  im  erstinstanzlichen  Verfahren  vor  dem  BFM  in  Verletzung  seiner  diesbezüglichen  Mitwirkungspflicht  (Art. 8  Abs. 1  Bst. c  AsylG)  noch  verschwiegen  hat,  nachträglich  auf  Beschwerdeebene  geltend  machen  und dazu mit Eingaben vom 11. Februar 2010, 22. März 2010, 26. März  2010,  9. April  2010  und  vom  14. Juli  2011  diverse  Beweismittel  nachreichen.  Es  besteht  deshalb  kein  Grund,  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Der  diesbezügliche  Kassationsantrag  sowie der Antrag auf eine ergänzende Befragung des  Beschwerdeführers sind mithin abzuweisen.  6. 

D­837/2010 6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  (Art. 32  Bst. a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  [AsylV 1,  SR  142.311])  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34  E. 9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). Die Wegweisung wurde demnach zu  Recht verfügt.  6.3.  Nachdem  das  BFM  mit  Verfügung  vom  11.  Januar  2010  die  vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers wegen Unzumutbarkeit des  Vollzugs der Wegweisung angeordnet hat, erübrigen sich Ausführungen  zur  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  stünde  dem  Beschwerdeführer  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  (Art. 112 Abs. 1 AuG  i.V.m. Art. 31  ff.  VGG).  In  diesem Verfahren wäre  dann  der  Wegweisungsvollzug  vor  dem  Hintergrund  sämtlicher  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe  der  in  diesem  Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen.  7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist daher abzuweisen.  8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  vollumfänglich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Dieser  hat  im  Rahmen  seiner  Beschwerde  ein  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  gestellt,  das  vom  Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  17. Februar 2010 – unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der  finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers – gutgeheissen worden  ist. Dieser geht seit März 2010 einer Erwerbstätigkeit als […] in einem […]  nach. Es  ist  jedoch nicht davon auszugehen, dass er dadurch Einkünfte  erzielt,  die  über  den  für  Alleinstehende  geltenden  Grundbetrag  von  Fr. 1100.­ hinausgehen. Somit ist er nach wie vor als prozessual bedürftig 

D­837/2010 zu  betrachten,  weshalb  die  ihm  gewährte  unentgeltliche  Rechtspflege  nicht  zu  widerrufen  ist.  Folgerichtig  sind  ihm  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­837/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-837/2010 — Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-837/2010 — Swissrulings