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Bundesverwaltungsgericht 30.09.2011 D-7943/2008

30. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,394 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Anerkennung als Flüchtling und Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. November 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7943/2008/wif Urteil   v om   3 0 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren B._______, Afghanistan, vertreten durch Samuel Häberli, Freiplatzaktion Zürich,  Rechtshilfe Asyl und Migration, C._______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Anerkennung als Flüchtling und Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 10. November 2008 / N _______.

D­7943/2008 Sachverhalt: A.   A.a.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  und  ethnischer  D._______  aus  E._______/Provinz  Parwan  –  reichte  am  21. März  2007  ein  erstes  Asylgesuch  in  der  Schweiz  ein,  welches  mit  Verfügung  des  BFM  vom  23.  April  2007  abgelehnt  wurde.  Gleichzeitig  ordnete  die  Vorinstanz  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  und  deren  Vollzug  an.  Eine  gegen  diese  Verfügung  erhobene,  auf  den  Vollzugspunkt  beschränkte  Beschwerde  wurde  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­3417/2007 vom 25. Juni 2007 abgewiesen. Mit Schreiben des BFM vom 29. Juni 2007 wurde dem Beschwerdeführer  eine neue Frist bis 31. Juli 2007 zum Verlassen der Schweiz eingeräumt. A.b. Mit Eingabe  vom 22.  Januar  2008  (Poststempel:  23.  Januar  2008)  reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein zweites Asylgesuch  ein  und  ersuchte  in  der  Hauptsache  um  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  infolge  Vorliegens  subjektiver  Nachfluchtgründe  und  um Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme.  Zur  Begründung  seines  neuerlichen Asylantrags machte er im Wesentlichen geltend, er besuche  seit  Sommer  2007  die  F._______  in  G._______  und  werde  am  H._______ mittels Taufe definitiv in die christliche Glaubensgemeinschaft  aufgenommen.  Es  liege  somit  eine  Konversion  vom  Islam  zum  Christentum  vor,  wodurch  für  ihn  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Afghanistan eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung vorliege.  Zwar  sehe  die  afghanische  Verfassung  für  die  religiösen  Minderheiten  explizit die Religionsfreiheit vor, doch kollidiere diese mit der Scharia, die  in  seiner  Heimat  in  gewissen  Rechtsfragen,  so  auch  bei  Fragen  der  Konversion,  noch  immer  zur  Anwendung  komme. Die Scharia  sei  denn  auch  bei  Konversionen  in  die  tatsächliche  Rechtspraxis  übergegangen,  wie  Beispiele  zeigten,  über  die  das  Amt  des  Hohen  Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) und das United  States  Department  of  State  (USDS)  berichtet  hätten.  Dies  habe  zur  Folge, dass eine Konversion zum Christentum nach geltendem Recht mit  der  Todesstrafe  geahndet  werden  könne.  Überdies  ergebe  sich  die  Gefahr  von  massiven  Menschenrechtsverletzungen  für  Angehörige  religiöser  Minderheiten  in  Bezug  auf  religiöse  Streitfragen  bereits  in  prozessualer  Hinsicht,  da  die  meisten  zivil­  und  strafrechtlichen  Angelegenheiten – darunter auch die der Scharia unterstehenden Fälle –  zunächst  in  informellen,  die  Scharia  interpretierenden  Komitees 

D­7943/2008 behandelt  würden,  welche  allfällige  Verfassungsrechte  nicht  beachteten  und  damit  Angehörige  religiöser  Minderheiten  meistens  ihrer  prozessualen  Rechte  beraubten.  Auch  eine  im  Ausland  vollzogene  Konversion  könne  in  seiner  Heimat  nicht  verheimlicht  werden  beziehungsweise  das Risiko,  dass  seine Konversion  aufgedeckt  werde,  sei  deshalb  als  hoch  einzuschätzen,  weil  die  christliche  Glaubensgemeinschaft  in  Afghanistan  äusserst  klein  und  deshalb  auch  sehr  gut  überschaubar  sei.  Sodann  wäre  das  Verheimlichen  seiner  Konversion,  auch  wenn  dies  gelänge,  mit  einem  Verzicht  auf  Religionsausübung gleichzusetzen und deshalb aus menschenrechtlicher  Sicht nicht zumutbar. A.c. Am 4. November 2008 wurde der Beschwerdeführer vom BFM direkt  angehört. Im Rahmen dieser Anhörung brachte der Beschwerdeführer  in  Ergänzung zu seinen bisherigen Vorbringen im Wesentlichen vor, er habe  vor seiner Einreise in die Schweiz im Jahre 2007 in I._______ von einem  Unbekannten  ein  Heft  erhalten,  das  sich  mit  dem  "christlichen  Jesus"  befasst  habe.  Nach  seiner  Einreise  habe  er  dann  –  nachdem  er  nach  J._______ transferiert worden sei –  im Zimmer seiner Mitbewohner eine  in Farsi geschriebene Bibel vorgefunden, die er zu lesen begonnen habe.  Seine afghanischen Mitbewohner hätten  in der Folge Angst bekommen,  dass  er  Christ  werden  könnte.  Er  seinerseits  habe  befürchtet,  dass  er  deswegen von den Mitbewohnern  zusammengeschlagen werde,  und es  sei  denn  auch  zwei Mal  zu  verbalen  Auseinandersetzungen mit  diesen  gekommen. Er habe danach eine Kirche gesucht und ab zirka November  2007  begonnen,  regelmässig  eine  christliche  Kirche  zu  besuchen,  in  welcher  sie  die  Bibel  gelesen  und  darüber  gesprochen  hätten.  Ferner  habe  er  sich  mittlerweile  in  der  Schweiz  taufen  lassen  und  versuche,  weitere  Moslems  vom  Christentum  zu  überzeugen.  Auf  die  weiteren  Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen  eingegangen. B.  Mit Verfügung vom 10. November 2008 – eröffnet am 12. November 2008  – lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  ordnete  dessen Wegweisung aus der Schweiz  sowie den Vollzug an und erhob  eine  Gebühr  von  Fr.  600.­.  Zur  Begründung  führte  das  Bundesamt  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  vermöchten  den  Anforderungen  von  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen. Der 

D­7943/2008 Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Afghanistan  erscheine als zulässig, zumutbar und möglich. C.  Mit Eingabe vom 11. Dezember 2008 erhob der Beschwerdeführer gegen  diese  Verfügung  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragte  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  infolge  subjektiver  Nachfluchtgründe  und  die  Erteilung  der  vorläufigen  Aufnahme.  Eventualiter sei  ihm die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit oder  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu gewähren. In prozessualer  Hinsicht  ersuchte  er,  es  seien  die  Vollzugsbehörden  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  dem  Heimatstaat sowie jegliche Weitergabe von Daten an denselben bis zum  Entscheid  über  die  Beschwerde  zu  sistieren,  allenfalls  sei  vor  einer  allfälligen  Abweisung  der  Beschwerde  eine  eventuell  bereits  erfolgte  Datenweitergabe  offenzulegen  und  ihm  dazu  das  rechtliche  Gehör  im  Hinblick auf subjektive Nachfluchtgründe zu gewähren. Es sei ihm zudem  die  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und es sei auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen. D.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  9. Januar  2009  wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  er  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne  und  auf  den  Antrag,  es  seien  die  Vollzugsbehörden  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  dem  Heimatstaat  sowie  jegliche Weitergabe  von  Daten  an  denselben  bis  zum  Entscheid  über die Beschwerde zu sistieren, nicht weiter eingegangen werde. Der  Antrag,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  Auskunft  über  bereits  vorgenommene  Kontaktaufnahmen  zu  erteilen  und  ihm  dazu  das  rechtliche  Gehör  im  Hinblick  auf  subjektive  Nachfluchtgründe  zu  gewähren,  wurde  abgewiesen.  Die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wurde  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen  und  gleichzeitig auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.

D­7943/2008 E.  Mit Eingabe vom 16. Juli 2009 reichte der Beschwerdeführer Beweismittel  betreffend  seine  in  der  Schweiz  vorgenommene  Konversion  und  die  damit  einhergehende Ausübung  des  christlichen Glaubens  (Bestätigung  K._______ vom 7. Juli 2009; Bestätigung L._______ vom 12. Mai 2009;  DVD betreffend Seminar L._______ im Februar 2009) zu den Akten. F.  Mit  Schreiben  vom  30.  Juni  2010  sowie  vom  6.  Juni  2011  legte  der  Beschwerdeführer  weitere  Beweismittel  (Empfehlungsbrief  L._______  vom 27. Juni 2010; Unterstützungsschreiben M._______) ins Recht. G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  5.  August  2011  wurde  die  Vorinstanz  in  Anwendung von Art. 57 VwVG zu einem Schriftenwechsel eingeladen. H.  Mit  Verfügung  vom  11.  August  2011  hob  das  BFM  im  Rahmen  des  Schriftenwechsels  seine  Verfügung  vom  10. November  2008  bezüglich  der  Dispositivziffern  4  und  5  auf  und  gewährte  dem  Beschwerdeführer  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme in der Schweiz. I.  Mit Zwischenverfügung vom 12. August 2011 wurde festgestellt, dass die  Beschwerde  vom  11. Dezember  2008  durch  den  Entscheid  der  Vorinstanz  vom  11.  August  2011,  soweit  den  Vollzug  der Wegweisung  betreffend,  gegenstandslos  geworden  sei.  Gleichzeitig  wurde  der  Beschwerdeführer  ersucht,  bis  zum  29.  August  2011 mitzuteilen,  ob  er  seine  Beschwerde  vom  11. Dezember  2008  zurückziehe,  soweit  diese  nicht  gegenstandslos  geworden  sei.  Bei  ungenutzter  Frist  werde  von  einem Festhalten an den Rechtsbegehren ausgegangen. J.  Mit Schreiben vom 17. August 2011 teilte der Beschwerdeführer mit, dass  er an seiner Beschwerde respektive am Antrag hinsichtlich Zuerkennung  der Flüchtlingseigenschaft festhalte. Weiter legte er seinem Schreiben die  Kostennote seiner Rechtsvertretung bei.

D­7943/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1  BGG  liegt  in  casu  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Einleitend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  zwar  das  Rechtsbegehren  betreffend  vorläufige  Aufnahme  als  Flüchtling  stellte  (Rechtsbegehren  1),  nicht  aber  die  Gewährung  von  Asyl  beantragte.  Deshalb  ist  mit  Ablauf  der  Beschwerdefrist  die  Dispositivziffer  2  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  10. November  2008  in  Rechtskraft  erwachsen. Da die Folge eines negativen Asylentscheides  in der Regel  die  Wegweisung  ist  und  der  Beschwerdeführer  weder  über  eine 

D­7943/2008 ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen  verfügt  (vgl.  BVGE  2009/50 E. 9  S.  733,  BVGE  2008/34  E.  9.2  S.  510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21),  ist  Dispositivziffer  3  der  angefochtenen  Verfügung  ebenfalls  in  Rechtskraft  erwachsen.  Beschwerdegegenstand  ist  somit  die  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  als  Flüchtling  anzuerkennen  ist  und  ob  die  Voraussetzungen des Wegweisungsvollzuges erfüllt sind. 3.  3.1. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.3. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (vgl.  Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss  Art.  54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Stattdessen  werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder  glaubhaft  machen  können,  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen  (vgl.  BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren Hinweisen). 4. 

D­7943/2008 4.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Asylentscheides  im  Wesentlichen  aus,  aufgrund  der  vom  Beschwerdeführer gemachten Angaben sei davon auszugehen, dass die  behauptete Konversion  zum Christentum nur  formal  geschehen  sei,  um  ein  Aufenthaltsrecht  in  der  Schweiz  zu  erlangen.  Er  habe  nicht  überzeugend  darlegen  können,  was  ihn  zur  Konversion  bewogen  habe  respektive  warum  er  zum  Christentum  konvertiert  sei.  Es  sei  jedoch  davon auszugehen, dass eine Person, welche die Religionsgemeinschaft  wechsle,  stichhaltige  Argumente  für  einen  solchen  Gesinnungswandel  habe.  Im Weiteren  seien  seine Kenntnisse  über  das Christentum wenig  fundiert und teilweise unkorrekt ausgefallen. Insgesamt würden sich diese  darüber  in  Allgemeinplätzen  erschöpfen,  die  so  von  irgendjemandem  angegeben werden  könnten. Es  sei  jedoch  zu  erwarten,  dass  sich  eine  Person,  welche  zum  Christentum  übergetreten  sei,  mit  der  neuen  Religion  auseinandersetze  und  sich  vertiefte  Kenntnisse  aneigne.  Dies  hätte auch vom Beschwerdeführer erwartet werden dürfen, insbesondere  da  er  sogar  anführe,  die  Lehre  des  Christentums  an  Andersgläubige  weiterzugeben. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Konversion  nicht auf einem ernst gemeinten  religiösen Gesinnungswandel mit  einer  festen Überzeugung beruhe. Demzufolge  könne dem Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  zugemutet  werden,  seine  christliche  Glaubenszugehörigkeit  zu  widerrufen,  zu  verleugnen  oder  abzustreiten,  um  sich  so  allfälligen  Repressionen  zu  entziehen.  Die  Täuschung  von  Andersgläubigen  durch  die  Verstellung  des  eigenen  Glaubens  sei  bei  Schiiten ausdrücklich erlaubt.  In der Diaspora werde die Täuschung von  Andersgläubigen  auch  durch  die  Sunniten  als  legitim  erachtet.  Den  afghanischen Behörden sei zudem bewusst, dass viele Afghanen  in der  Schweiz  unter  Vorspiegelung  falscher  Gründe  ein  Asylgesuch  einreichten,  um  sich  hier  ein  Bleiberecht  zu  sichern.  Der  Beschwerdeführer  müsse  daher  nicht  befürchten,  wegen  seiner  rein  formal  aus  asyltaktischen  Gründen  geschehenen  Konversion  bei  einer  Rückkehr asylrelevante Nachteile zu erleiden. 4.2.  Demgegenüber  brachte  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  im  Wesentlichen  vor,  zunächst  sei  festzuhalten,  dass  die  Art  und  Weise  der  Auseinandersetzung  und  Aneignung  einer  Thematik über Intellekt und Gefühl, sowie die Art, darüber zu sprechen, je  nach Person sehr unterschiedlich ausfallen könne. So würden die Denk­,  Handlungs­  und  Wahrnehmungsmuster  einer  Person  massgeblich  von  deren  soziokulturellen  Umfeld  abhängen.  Er  selber  stamme  aus  einer  N._______  und  verfüge  über  einen  minimalen  Bildungshintergrund  und 

D­7943/2008 habe  ausschliesslich  körperliche  Arbeit  ausgeführt,  weshalb  von  ihm  keine  intellektuelle  Wiedergabe  seiner  Auseinandersetzungen  mit  dem  Christentum, seiner Konversion sowie seiner Spiritualität verlangt werden  könne. Dies  sei  jedoch  von der Vorinstanz  zumindest  teilweise erwartet  worden. Es  erscheine  daher  notwendig,  nach  anderen Gesichtspunkten  zu  suchen,  die  einen  ernst  gemeinten  religiösen  Gesinnungswandel  belegen  könnten,  wobei  die  von  ihm  geschilderte  Chronologie  der  Konversion  sowie  der  gefühlsbetonte  Zugang  zum  Christentum  aufschlussreich  seien.  So  habe  ihn  die  Liebe  von  Jesus  Christus  besonders überzeugt und, da er dies vom Islam her nicht gekannt habe,  nachhaltig geprägt. Zudem ziehe sich das Thema "Liebe" denn auch wie  ein  roter Faden durch das Befragungsprotokoll. Vor allem dieser Aspekt  des  Christentums  habe  ihn  besonders  angesprochen  und  bei  ihm  eine  Tür  aufgestossen,  weshalb  darin  –  auch  wenn  er  dies  im  Rahmen  der  Befragung nicht  so habe auszudrücken  vermocht  –  das Hauptargument  für seine Konversion liege. Des  Weiteren  sei  sein  geringer  Wissensstand  über  den  Islam  zu  berücksichtigen.  Er  sei  zwar  als  Moslem  geboren  worden,  kenne  sich  aber  im  Islam  nicht  aus,  zumal  seine  Familie  dem  sunnitischen  Islam  angehöre  und  sein  Vater  nach  der  Übersiedlung  in  den  O._______  aufgrund  der  religiös  aufgeladenen  Situation  der  dortigen  sunnitischen  Moschee  ferngeblieben  sei.  Das  Ausüben  des  Glaubens  sei  in  seiner  Familie  als  blosse  Privatsache  angesehen  worden.  Er  habe  somit  seit  weit  über  zehn  Jahren  den  institutionellen  Bezug  zum  Islam  und  damit  auch das Wissen über Rituale und religiöse Grundstrukturen verloren. Es  erscheine  daher  auch  aus  dieser  Perspektive  glaubhaft,  wenn  er  die  Unterschiede  zwischen  dem  Islam  und  dem  Christentum  nur  vage  wiedergeben  könne.  Der  anderslautenden  vorinstanzlichen  Argumentation  könne  diesbezüglich  nicht  gefolgt  werden.  Sodann  sei  festzuhalten,  dass  er  trotz  seiner  erst  kurzen  Zugehörigkeit  zum  Christentum durchaus  viele Details  zu  erzählen  gewusst  habe, weshalb  dem Vorhalt der Vorinstanz, wonach seine Kenntnisse zum Christentum  wenig  fundiert  seien  und  sich  in  Allgemeinplätzen  erschöpften,  zu  widersprechen  sei.  Mit  der  Konversion  vom  Islam  zum  Christentum  bestehe  für  ihn  im Falle  einer Rückkehr  nach Afghanistan aufgrund der  dortigen Rechtspraxis in solchen Fällen beziehungsweise der Anwendung  der Scharia eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung. 4.3. Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Beschwerdeverfahren  zum Beleg  der  geltend  gemachten  Konversion  diverse  Beweismittel  (Schreiben 

D­7943/2008 P._______ vom 13. November 2008; Bestätigung K._______ vom 7. Juli  2009;  Bestätigung  L._______  vom  12.  Mai  2009  betreffend  die  am  H._______  2008  durchgeführte  Taufe;  DVD  betreffend  Seminar  L._______  im  Februar  2009;  Empfehlungsbrief  L._______  vom  27. Juni  2010; Unterstützungsschreiben M._______)  zu den Akten. Es stellt  sich  demnach  die  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  Konversion  zum Christentum  in  seiner Heimat  asylrelevante  Verfolgung  zu befürchten hätte. 4.3.1. Weniger als 1% der Bevölkerung Afghanistans sind Christen (84%  sind  sunnitische  und  15%  sind  schiitische  Muslime).  Bei  afghanischen  Christen handelt es sich im Wesentlichen um vom Islam zum Christentum  konvertierte  Personen.  Für  sie  gibt  es  keine  Möglichkeit  der  offenen  Religionsausübung  ausserhalb  des  häuslichen  Rahmens.  Auch  ausländische  Christen  üben  ihre  Religion  grundsätzlich  zurückhaltend  aus. Afghanen, die verdächtigt oder beschuldigt werden, vom Islam zum  Christentum  übergetreten  zu  sein,  können  einem  Verfolgungsrisiko  ausgesetzt  sein.  Das  Risiko  geht  dabei  von  Familien­  und  Sippenmitgliedern wie auch von Angehörigen der weiteren Gemeinschaft  aus.  Auch  Übergriffe  von  staatlicher  Seite  gegen  Konvertiten  sind  denkbar. In Kabul und im ganzen Land wird heute praktisch wieder nach  der  Scharia  geurteilt,  nach  der  „Abtrünnige  vom  Islam“  streng  bestraft  werden.  Die  Verhältnisse  in  den  Provinzen  sind  nicht  anders.  Je  nach  Interpretation der Scharia können Konvertiten auch mit dem Tode bestraft  werden (vgl. zum Ganzen: UNHCR Eligibility Guidelines for Assessing the  International Protection Needs of Asylum­Seekers  from Afghanistan, 17.  Dezember  2010,  S.  18  ff.;  CORINNE  TROXLER  GULZAR  [Schweizerische  Flüchtlingshilfe, SFH], Afghanistan: Update, Die aktuelle Sicherheitslage,  23. August 2011, S. 15; US Department of State,  International Religious  Freedom Report 2010 – Afghanistan, 13. September 2011). Trotz dieser Feststellungen kann nicht von einer allgemeinen, alleine an  das Bekenntnis  zum Christentum anknüpfenden Verfolgungssituation  im  Sinne einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden. Die Anforderungen  an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind, gemäss einer auch für  das  Bundesverwaltungsgericht  nach wie  vor  geltenden Rechtsprechung  der  ARK,  sehr  hoch.  Alleine  die  Zugehörigkeit  zu  einem  Kollektiv,  welches  in  seinen  spezifischen  Eigenschaften  Ziel  einer  Verfolgungsmotivation  ist,  reicht  in  der  Regel  nicht,  um  eine  Kollektivverfolgung  zu  begründen.  Vielmehr  kommen  auch  bei  geltend  gemachter  Verfolgung  aufgrund  der  blossen  Zugehörigkeit  zu  einem 

D­7943/2008 bestimmten  Kollektiv  die  Kriterien  der  ernsthaften  Nachteile  oder  der  begründeten  Furcht  gemäss  Art.  3  AsylG  zur  Anwendung.  Solange  die  Übergriffe gegen das Kollektiv nicht derart intensiv und häufig sind, dass  jedes Gruppenmitglied mit guten Gründen befürchten muss, getroffen zu  werden, müssen besondere Umstände vorliegen, damit bereits aufgrund  der  blossen  Zugehörigkeit  zu  einem  bestimmten  Kollektiv  die  Ernsthaftigkeit  der  Nachteile  oder  Begründetheit  der  Furcht  als  erfüllt  betrachtet  werden  können  (vgl.  EMARK  2006  Nr.  1  E.  4.3,  S.  3  f.,  mit  weiteren  Hinweisen).  Solche  Umstände  liegen  zur  Zeit  in  Afghanistan  nicht  vor.  Namentlich  geht  auch  das  UNHCR  nicht  von  einer  Kollektivverfolgung  aus,  sondern  betont  die  Notwendigkeit  der  individuellen Prüfung in jedem Fall, ob konkret eine Gefährdung aufgrund  der  Konversion  bestehe  (vgl.  dazu  insbesondere  UNHCR  Eligibility  Guidelines  for  Assessing  the  International  Protection  Needs  of  Asylum­ Seekers from Afghanistan, Juli 2009, S. 18). 4.3.2. Vorliegend  ist einerseits  festzustellen, dass der Beschwerdeführer  im Verlaufe des zweiten Asylverfahrens zwar Unterlagen zu seiner erst in  der  Schweiz  durchgeführten  Konversion  zu  den  Akten  reichte,  jedoch  ausser der generellen Aussage, wegen derselben bei einer Rückkehr an  Leib  und  Leben  gefährdet  zu  sein,  keinerlei  Ausführungen  zu  einer  allfälligen,  individuell drohenden Gefährdung aufgrund seiner Konversion  zum  Christentum  machte.  Insbesondere  wird  in  keiner  Art  aufgezeigt,  dass  die  Konversion  überhaupt  jemandem  in  Afghanistan  bekannt  geworden wäre. Weshalb  gerade  er  individuelle  und  gezielte  Übergriffe  von  staatlicher  Seite  gewärtigen  müsste,  wird  nicht  hinlänglich  deutlich  aufgezeigt. Andererseits kommt das Bundesverwaltungsgericht in casu zum Schluss,  dass  die  angebliche  Konversion  aufgrund  der  gesamten  Verfahrensumstände  ohnehin  als  unglaubhaft  qualifiziert  werden  muss.  Zunächst  fällt  auf,  dass  der  Beschwerdeführer  im Rahmen  der  direkten  Anhörung vom 4. November 2008 anführte, bereits vor der Einreise in die  Schweiz während  seines Aufenthaltes  in  I._______  –  somit  ungefähr  in  der  ersten  Hälfte  März  2007  –  mit  dem  Christentum  in  Berührung  gekommen  zu  sein,  wobei  das  Gelesene  in  seinem  Herzen  Platz  genommen  habe.  Nach  seiner  Einreise  in  die  Schweiz,  habe  er  nach  seinem  Transfer  nach  J._______  (April  2007)  im  Raum  seiner  Zimmergenossen eine Bibel in Farsi gefunden, diese zu lesen begonnen  und  in der Folge eine christliche Kirche gesucht, deren Gottesdienste er  dann  besucht  habe  (vgl.  act.  B9/11,  S. 3 f.).  In  diesem Zusammenhang 

D­7943/2008 erstaunt  jedoch, dass der Beschwerdeführer nach seiner Einreise  in die  Schweiz bei der Erstbefragung  lediglich angab, er sei Sunnite,  jedoch  in  keiner  Art  und  Weise  auf  seine  Beschäftigung  und  Hinwendung  zum  Christentum  hinwies  (vgl.  act.  A1/10,  S.  2  ff.).  Auch  befand  er  es  offensichtlich  nicht  für  nötig,  während  des  Beschwerdeverfahrens  im  ersten Asylverfahren auf seine weitere Hinwendung zum Christentum und  die damit einhergehenden Aktivitäten hinzuweisen, obwohl er gemäss der  im  aktuellen  Beschwerdeverfahren  eingereichten  Bestätigung  des  L._______ vom 27. Juni 2010 seit Frühsommer des Jahres 2007 – somit  noch kurz vor dem Ergehen des Beschwerdeurteils vom 25. Juni 2007 –  sehr aktiv am christlichen Gemeindeleben teilgenommen habe respektive  teilnehme.  Überdies  bleiben  die  Angaben  zum  Beginn  der  Kirchenbesuche  in  der  Schweiz  uneinheitlich:  So  will  der  Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge zirka im November 2007 mit  solchen  Besuchen  begonnen  haben  (vgl.  act.  B9/11,  S. 4);  demgegenüber  besuche  er  gemäss  der  eingereichten  Bestätigung  des  L._______  vom  12.  Mai  2009  die  Kirche  seit  Sommer  2007.  Weiter  schliesst  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  vorliegend  den  von  der  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  angeführten  Erwägungen  respektive  Zweifeln  bezüglich  der  geltend  gemachten  Konversion  des  Beschwerdeführers  zum  Christentum  vollumfänglich  an,  weshalb  zur  Vermeidung  von Wiederholungen  grundsätzlich  auf  die  entsprechenden  Ausführungen des BFM zu verweisen ist. Soweit der Beschwerdeführer in  seiner  Rechtsmitteleingabe  anführt,  es  könne  keine  intellektuelle  Wiedergabe  seiner  Auseinandersetzungen mit  dem Christentum,  seiner  Konversion  sowie  seiner  Spiritualität  verlangt  werden,  vermag  dieser  Einwand  an  obiger  Einschätzung  nichts  zu  ändern.  So  sollte  der  Beschwerdeführer  –  auch  wenn  er  keine  nennenswerte  Bildung  besitzt  und  aus  einfachen  Verhältnissen  stammt  –  in  der  Lage  sein,  in  seinen  eigenen Worten  in überzeugender Weise die Gründe seiner Konversion  darzulegen und den Grund dafür, warum gerade das Christentum für die  andersgläubigen  Moslems,  die  er  zu  missionieren  versuche,  als  die  wahre und richtige Religion angesehen werden müsse, in einleuchtender  Weise  zu  formulieren.  So  bedarf  es  eines  erhöhten  Argumentationsaufwandes  und  einigermassen  gut  abgestützter  Kenntnisse sowohl des Christentums als auch des Islams, um vormalige  Glaubensbrüder des Beschwerdeführers  von seiner  "neuen" Religion zu  überzeugen  und  gleichzeitig  zur  Abkehr  vom  Islam  zu  bewegen.  Sein  Einwand zum Vorhalt, wonach er die Unterschiede zwischen dem  Islam  und dem Christentum nur vage habe wiedergeben können, weil er über  die  Jahre  den  institutionellen  Bezug  zum  Islam  und  damit  auch  das 

D­7943/2008 Wissen über Rituale und religiöse Grundstrukturen verloren habe, vermag  nicht  zu überzeugen. Aus den  in diesem Zusammenhang  (auch bei  der  direkten  Anhörung)  vorgebrachten  Äusserungen  wird  logisch  nicht  nachvollziehbar,  aus  welchem  Grund  sich  der  Beschwerdeführer  überhaupt vom  Islam hätte abwenden wollen  respektive sollen, wenn er  über  seine  Religion  gar  nicht  (mehr)  im  Bilde  war.  Aufgrund  des  fehlenden Wissensstandes  über  den  Islam  wäre  der  Beschwerdeführer  denn  auch  gar  nicht  in  der  Lage  gewesen,  die  Bedeutung  seiner  Religionszugehörigkeit  zum  Islam  für  ihn  zu  erkennen  und  dementsprechend  beurteilen  zu  können,  ob  diese  gut  für  ihn  sei  oder  nicht und sich je nachdem allenfalls einer anderen Religion zuzuwenden.  An  diesen  Feststellungen  vermögen  weder  die  eingereichten  Bestätigungen,  wonach  der  Beschwerdeführer  sich  aktiv  in  der  christlichen  Gemeinde  engagiere,  eine  Bibelgruppe  leite  und  bei  Andersgläubigen missioniere, noch die ins Recht gelegte DVD von einem  christlichen  Seminar,  worin  der  Beschwerdeführer  ein  Glaubensbekenntnis  abgebe,  nichts  zu  ändern.  So  handelt  es  sich  bei  den  religiösen Überlegungen  eines Menschen  um  innere,  nicht  objektiv  beschreibbare  Vorgänge,  weshalb  das  in  den  diversen  Bestätigungen  angeführte  und  wahrgenommene  Interesse  an  der  Bibel  und  am  Christentum auch ohne weiteres vorgespielt sein kann. Zudem ist die auf  der  DVD  festgehaltene  Aufnahme  ohne  Ton  geblieben,  weshalb  nicht  beurteilt werden kann, über welche Inhalte von den darin vorkommenden  Personen gesprochen wird. 4.4.  Zusammenfassend  ist  nach  obigen  Ausführungen  davon  auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht  erfüllt,  weshalb  es  sich  erübrigt,  auf  die  weiteren  Vorbringen  in  den  Eingaben  auf  Beschwerdeebene  näher  einzugehen,  da  sie  an  obiger  Einschätzung nichts zu ändern vermögen. 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 5.2. Der  Beschwerdeführer  wurde  vom  BFM  in  seinem  Entscheid  vom  11. August  2011  wiedererwägungsweise  wegen  Unzumutbarkeit  des 

D­7943/2008 Wegweisungsvollzugs  vorläufig  in  der  Schweiz  aufgenommen.  Daher  erübrigt sich eine Prüfung der Frage der Zulässigkeit sowie der Frage der  Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748,  EMARK  2006  Nr.  6  E.  4  S.  54  f.).  Die  Beschwerde  gegen  den  ursprünglich  angeordneten  Wegweisungsvollzug  erweist  sich  demnach  als gegenstandslos und ist diesbezüglich abzuschreiben. 6.   Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in  Bezug auf die verweigerte Anerkennung als Flüchtling Bundesrecht nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist daher  abzuweisen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben ist. 7.  7.1. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint  (Art.  65  Abs.  1  VwVG).  Mit  Zwischenverfügung  vom  9.  Januar  2009  wurde  die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. Vorliegend ist von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen.  Auch  können  die  Begehren  der  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  ist  somit  gutzuheissen  und  auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten zu verzichten. 7.2.  Da  der  vertretene  Beschwerdeführer  teilweise  –  hinsichtlich  der  Frage  des  Wegweisungsvollzuges  –  mit  seiner  Beschwerde  durchgedrungen  ist,  ist  ihm  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  eine  um  die  Hälfte  reduzierte  Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ). Von der Rechtsvertretung wurde am 17. August 2011 eine  Kostennote  eingereicht;  der  darin  ausgewiesene Vertretungsaufwand  ist  als angemessen zu erachten. Gestützt auf die  in Betracht zu ziehenden 

D­7943/2008 Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art.  7­14  VGKE)  sowie  auf  die  eingereichte  Kostennote  ist  die  hälftige  Parteientschädigung,  welche  vom BFM  zu  entrichten  ist,  auf  Fr. 502.50  (inkl. Auslagen und MWSt) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite)

D­7943/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr.  502.50  (inkl.  Auslagen  und  MWSt) zu entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-7943/2008 — Bundesverwaltungsgericht 30.09.2011 D-7943/2008 — Swissrulings