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Bundesverwaltungsgericht 22.09.2011 D-7634/2008

22. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,091 Wörter·~5 min·1

Zusammenfassung

Asylverfahren (Übriges) | Vollzug der Wegweisung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7634/2008 Urteil   v om   2 2 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Oktober 2008 / N _______.

D­7634/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben zufolge am 6. oder 7. Mai  2006  aus  dem  Heimatstaat  aus  und  am  11.  oder  12.  Mai  2007  unter  Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz ein, wo er am 14. Mai 2007  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) B._______ ein Asylgesuch  stellte. Anlässlich der Befragung vom 16. Mai 2007 zur Person (BzP)  im  EVZ  B._______  und  der  Anhörung  vom  2.  Oktober  2007  durch  das  C._______  machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  afghanischer  Staatsangehöriger, gehöre der Volksgruppe der Hazara an und stamme  aus der Provinz D._______. Sein Vater sei gesundheitlich angeschlagen  gewesen, habe kein Land besessen und deshalb seine acht Kinder kaum  ernähren können. Verwandte und Nachbarn hätten Geld gesammelt, um  ihm im Mai 2006 die Ausreise in E._______ zu ermöglichen. Dort habe er  Arbeit  gesucht,  um mit  seinem Verdienst  die Familie  in Afghanistan  vor  dem Hungertod  zu  bewahren. Als  die  (…) Behörden  den Druck  auf  die  illegalen  afghanischen  Arbeitskräfte  erhöht  hätten,  habe  er  sich  entschlossen,  sich  nach  Europa  zu  begeben.  Nach  einigen  Schwierigkeiten  auf  der  Reise  sei  er  im  Mai  2007  in  der  Schweiz  eingetroffen. B.  Mit Verfügung vom 28. Oktober 2008 – eröffnet am 29. Oktober 2008 –  lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  deren  Vollzug  an.  Zur  Begründung  hielt  das  BFM  im  Wesentlichen  fest,  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  schwierigen  wirtschaftlichen  Lebensumstände  seien  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  asylrelevant,  weshalb  seine  Ausreisegründe nicht asylbeachtlich seien. Da der Beschwerdeführer die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle,  könne  auch  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  gemäss  Art.  5  Abs.  1  AsylG  nicht  angewendet  werden. Ferner ergäben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür,  dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat  mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe.  Die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Afghanistan  lasse  ­  auch  in Anbetracht der  jüngsten Entwicklung ­ den Wegweisungsvollzug 

D­7634/2008 zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Bezüglich  der  Zumutbarkeit der Wegweisung sei Folgendes zu erwägen: Die allgemeine  Sicherheitslage  in  Afghanistan  habe  sich  in  der  letzten  Zeit  zwar  verschlechtert und bleibe angespannt. Die Taliban hätten ihre Aktivitäten  verstärkt und ihren Einfluss besonders in den südlichen und südöstlichen  Provinzen sowie teilweise im Westen des Landes ausdehnen können. Die  internationale  Truppenpräsenz  sei  zahlenmässig  zu  schwach,  um  flächendeckend  wirksam  zu  sein.  Die  staatlichen  Institutionen  seien  zudem nur beschränkt funktionsfähig, was den Aufstand der Taliban und  den  Einfluss  regionaler  Akteure  begünstige.  Dennoch  könne  nicht  von  einer  konkreten  Gefährdung  der  gesamten  Bevölkerung  in  Afghanistan  oder einer Situation allgemeiner Gewalt  im Sinne von Art. 83 Abs. 4 des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer (AuG, SR 142.20) ausgegangen werden. Es habe zur Stabilität  des  Landes  beigetragen,  dass  im  Jahre  2005  Parlamentswahlen  abgehalten worden seien. Die Regierung Karzai habe zudem Fortschritte  in  der  Ausbildung  und  Professionalisierung  der  Armee  und  der  Sicherheitsbehörden  erzielt.  Zudem  habe  sich  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  einigen  Regionen  trotz  vereinzelter  Anschläge  nicht  weiter verschlechtert. Die Situation  in den nördlichen Provinzen Parwan,  Baghlan, Takhar, Badakshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul sowie in Kabul, in  der westlichen Provinz Herat und  in Bamiyan, der zentralen Provinz des  Hazarajat, sei gemäss Einschätzung des BFM weiterhin als grundsätzlich  sicher einzustufen. Es könne nicht von einer permanent instabilen Lage in  diesen Regionen des Landes gesprochen werden. Eine Wegweisung  in  diese Provinzen sei somit grundsätzlich zumutbar. Zudem gebe es auch  keine  individuellen  Gründe,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  sprächen.  Der  Beschwerdeführer  sei  nämlich  ein  junger, gesunder und lediger Mann. In den Provinzen Kabul und Bamiyan  habe  er  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz.  Somit  sei  davon  auszugehen,  dass  er  dort  zumindest  über  temporären  Wohnraum  verfüge.  Es  sei  ihm  daher  zuzumuten,  sich  im  Rahmen  der  innerstaatlichen Wohnsitzalternative  in  diesen Provinzen  niederzulassen  und  dort  eine  neue  Lebensgrundlage  aufzubauen.  Ausserdem  sei  der  Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar. C.  Mit Beschwerde vom 28. November 2008 liess der Beschwerdeführer die  Aufhebung  der  Dispositivziffern  4  und  5  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  in  der  Schweiz  wegen  Unzumutbarkeit beantragen, in prozessualer Hinsicht die Gewährung der 

D­7634/2008 unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich,  in den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D.  D.a.  Mit  Zwischenverfügung  vom  4.  Dezember  2008  wies  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Gesuche  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab  und  forderte  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  19.  Dezember  2008  einen  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­­  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu  überweisen. D.b. Der  Beschwerdeführer  leistete  den  einverlangten  Kostenvorschuss  am 8. Dezember 2008. E.  E.a. Mit Vernehmlassung vom 11. Februar 2010 beantragte das BFM die  Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte die Vorinstanz  im  Wesentlichen geltend, angesichts der familiären Solidarität in Afghanistan  könne  der  Beschwerdeführer  auf  die  Unterstützung  seiner  Grossfamilie  oder Sippe zählen, auch wenn er angebe, zurzeit keinen engen Kontakt  zu seinen Verwandten zu haben. E.b.  In seiner Replik vom 26. Februar 2010  liess der Beschwerdeführer  eingehend Stellung zur Sicherheitslage in Afghanistan nehmen. In Bezug  auf  die  familiären  Verhältnisse  machte  er  unter  anderem  geltend,  es  könne  in  casu  nicht  davon  ausgegangen  werden,  er  könne  auf  die  Unterstützung  seiner  Familie  in  Afghanistan  zählen,  weil  er  zu  seinen  beiden Onkeln in Kabul und Bamiyan absolut keinen Kontakt habe. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

D­7634/2008 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  form­  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1  sowie  Art. 108  Abs.  1  AsylG  und  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  vorliegende  Beschwerde  richtet  sich  einzig  gegen  den  Vollzug  der  von  der  Vorinstanz  verfügten  Wegweisung.  Die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft,  die  Ablehnung  des  Asylgesuchs  sowie  die  Wegweisung  (vgl.  Ziffern  1  ­  3  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  28.  Oktober  2008)  blieben  unangefochten  und  sind  mit  Ablauf  der  Beschwerdefrist  in  Rechtskraft  erwachsen.  Im  Folgenden  ist  daher  lediglich zu untersuchen, ob die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu  Recht angeordnet hat. 4.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig, 

D­7634/2008 nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1  AuG). 4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl  2002  3818). 4.1.1. Das Gericht kommt in seinem Grundsatzurteil BVGE E­7625/2008  vom 16. Juni 2011 zum Schluss, dass  in weiten Teilen von Afghanistan  – ausser  allenfalls  in  den  Grossstädten  (vgl.  a.a.O.  E.  9.9.2  f.)  –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen  bestehen,  dass  die  Situation  als  existenzbedrohend  im  Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist. 4.1.2.  Von  dieser  allgemeinen  Feststellung  ist  die  Situation  in  der  Hauptstadt  Kabul  zu  unterscheiden.  Angesichts  des  Umstandes,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlauf  des  vergangenen  Jahres  nicht  weiter  verschlechtert  hat  und  die  humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch ist, kann der Vollzug der  Wegweisung  nach  Kabul  unter  Umständen  als  zumutbar  qualifiziert  werden. Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein,  wenn  es  sich,  wie  vorliegend,  beim  Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handelt.  Angesichts  der  im  obgenannten  Urteil  aufgezeigten  konstanten  Verschlechterung  der  Lage  über  die  vergangenen Jahre hinweg und der auch  in Kabul schwierigen Situation  versteht es sich aber von selbst, dass die bereits in EMARK 2003 Nr. 10  formulierten  strengen Bedingungen  in  jedem Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein müssen,  um einen Wegweisungsvollzug  nach Kabul  als  zumutbar  zu  qualifizieren.  Unabdingbar  ist  in  erster  Linie  ein  soziales  Netz,  das  sich  im  Hinblick  auf  die  Aufnahme  und  Wiedereingliederung  des Rückkehrers als tragfähig erweist. Ohne Unterstützung durch Familie  oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul 

D­7634/2008 unweigerlich  in  eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation führen. 4.1.3. Wie  sich  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  ergibt,  lebte  dieser  von  Geburt  an  bis  zur  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat  in  F._______,  einem  Dorf  im  Bezirk  G._______  (Provinz  H._______  oder  D._______).  Die  Heimatprovinz  des  Beschwerdeführers  gehört  zum  zentralen Hochland Afghanistans,  dem Hazarajat, weshalb  es  ihm nicht  zuzumuten  ist,  in  seine  Heimatprovinz  D._______  zurückzukehren,  ist  doch dort unter anderem auch die Versorgung mit Lebensmitteln prekär.  Anscheinend haben sich die diesbezüglichen Verhältnisse  in den  letzten  Jahren nicht geändert, musste der Beschwerdeführer doch nach eigenen  Angaben  schon  vor  Jahren  in  E._______  auswandern,  um  mit  seinem  dort  erzielten  Verdienst  die  zurückgebliebenen  Familienmitglieder  vor  dem Hungertod  zu  bewahren.  Mangels  einer Wende  zum  Besseren  ist  eine  Rückkehr  in  die  Heimatprovinz  D._______  ausgeschlossen  beziehungsweise unzumutbar. Dementsprechend stellt sich die Frage, ob  dem  Beschwerdeführer  allenfalls  eine  Aufenthaltsalternative  in  einem  anderen Landesteil Afghanistans  zur Verfügung  steht. Wie bereits  oben  erwähnt,  setzt  die  Bejahung  einer  zumutbaren  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  in  Kabul  insbesondere  die  dortige  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes  sowie  eine  gesicherte  Wohnsituation  voraus. Wie sich aus dem Protokoll der BzP ergibt, leben zwar ein Onkel  und ein Cousin  in Kabul  (A1/11 S. 4);  dieses Vorbringen  relativierte der  Beschwerdeführer  indessen  anlässlich  der  Direktanhörung  vom  2.  Oktober 2007  insofern, als er neu vorbrachte, dieser Onkel sei  früher  in  Kabul  wohnhaft  gewesen,  doch  mittlerweile  –  zum  Zeitpunkt  der  Direktanhörung – wisse er nicht, wo dieser  jetzt  lebe (A17/13 S. 4). Wie  sich zudem aus den Akten ergibt, hat der Beschwerdeführer nie in Kabul  gelebt.  Der  zumindest  gemäss  Protokoll  der  BzP  in  Kabul  wohnhafte  Onkel,  ein  Portier  mit  unregelmässigem  Einkommen,  lebe  selbst  in  ärmlichen Verhältnissen und verfüge nur über das Notwendigste für sich  und seine Angehörigen (vgl. A17/13 S. 9). Dementsprechend könnte sich  der Beschwerdeführer bei einer allfälligen Rückkehr nach Kabul nicht auf  das Vorhandensein eines tragfähigen sozialen Netzes verlassen, weshalb  der Wegweisungsvollzug nach Kabul  für  ihn als unzumutbar einzustufen  ist. 4.2.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  aus  der  Schweiz  nach  Afghanistan  für  den  Beschwerdeführer zur Zeit nicht zumutbar ist. 

D­7634/2008 4.3. Da  sich  den Akten  keine Hinweise  entnehmen  lassen, wonach  der  Beschwerdeführer  einen  der  Tatbestände  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  (Ausschluss  von  der  vorläufigen  Aufnahme)  erfüllen  würde,  ist  die  Beschwerde, welche sich auf den Vollzug der Wegweisung beschränkte,  vollumfänglich  gutzuheissen.  Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen Verfügung sind aufzuheben und das BFM ist anzuweisen,  den  Beschwerdeführer  infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen. 5.  5.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen  (Art. 63 Abs.  1  und 2 VwVG)  und der  am 8. Dezember  2008 geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­  ist  dem  Beschwerdeführer  zurückzuerstatten. 5.2. Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  notwendigerweise  erwachsenen  Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a  VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2]).  Die  Rechtsvertretung  reichte  keine  Kostennote  ein.  Indessen  lässt sich der Parteiaufwand auf Grund der Akten  (vgl. Art. 14  Abs.  2  VGKE)  und  in  Berücksichtigung  der  massgebenden  Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art.  8  ff.  VGKE)  festlegen. Die Vorinstanz  ist  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  800.­ (inkl. Auslagen und allfällige MWSt) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­7634/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  28.  Oktober  2008  werden  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 3.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  gesprochen.  Der  am  8.  Dezember  2008  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.00  wird  dem  Beschwerdeführer zurückerstattet. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 600.00 auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: