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Bundesverwaltungsgericht 16.11.2011 D-7119/2008

16. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·5,246 Wörter·~26 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Oktober 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7119/2008 law/joc Urteil   v om   1 6 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),  Richterin Gabriela Freihofer,  Richter Gérald Bovier,  Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren am (...), Türkei, vertreten durch Peter Weibel, Fürsprecher,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 E._______,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 7. Oktober 2008 / N (...).

D­7119/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben zufolge am 6. Mai 2006 in  die  Schweiz  ein,  wo  er  am  3. August  2006  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe ein Asylgesuch stellte. Nachdem er in  das EVZ Chiasso transferiert worden war, fand dort am 25. August 2006  eine Kurzbefragung  durch  das BFM  statt. Mit  Verfügung  des BFM  vom  31. August 2006 wurde er dem Kanton E._______ zugewiesen.  B.  Mit  Schreiben  an  das  BFM  vom  28. August  2006  teilte  die  damalige  Rechtsvertretung  des  Beschwerdeführers  dem  BFM  mit,  die  Mutter­ sprache  ihres Klienten sei Kurdisch. Es könne deshalb sein, dass es an  der Kurzbefragung  zu Missverständnissen gekommen sei,  da diese An­ hörung auf Türkisch erfolgt sei. Es werde darum ersucht, die zweite Be­ fragung in kurdischer Sprache durchzuführen. C.  C.a.  Am  20.  und  am  29. März  2007  hörte  das  BFM  den  Beschwerde­ führer einlässlich  zu den Asylgründen an. Dabei machte er  zur Begrün­ dung des Asylgesuches geltend, er sei türkischer Staatsangehöriger kur­ discher Ethnie und armenischer Herkunft und stamme aus einer politisch  aktiven  Familie  in  C._______.  Nach  dem Militärputsch  1980  seien  dort  Soldaten  im  Frühjahr  1981  eingedrungen  und  hätten  die  Region  zum  Folterschlachtort gemacht.  Im März 1985 sei die ERNK (Eniya Rizgariya  Netewa  Kurdistan;  Nationale  Befreiungsfront  Kurdistans)  gegründet  worden und er  sei  eines der  ersten Mitglieder  dieses politischen Armes  der  PKK  (Partiya  Karkerên  Kurdistan,  Arbeiterpartei  Kurdistans)  ge­ wesen.  Um  den  legalen  Kampf  für  die  Demokratie  in  der  Türkei  zu  erhöhen, sei er  für die Städte zuständig gewesen und habe bis 1990 an  der Front gearbeitet. Bereits im Alter von ungefähr fünfzehn Jahren habe  er  Folter  erlebt,  indem  man  ihm  mittels  eines  Holzstockes  unter  seine  Füsse  geschlagen habe  (sog.  Falaka).  1988  sei  er  achtzehn Tage  lang  zusammen  mit  einer  Frau  gefoltert  worden.  Im  Weiteren  sei  er  im  Rahmen einer Beerdigung eines Mitgliedes der PKK namens D._______,  der  am 2. August  1989  im Zuchthaus  F._______  getötet worden  sei,  in  Haft genommen und drei Tage  lang gefoltert worden. Damals sei er bei  der TIYAD gewesen, einem Hilfsverein für die Familien von Gefangenen  (Anmerkung  des  Gerichts:  Verein  für  Solidarität  mit  Verwandten  von  Gefangenen  in  Haft  und  für  Menschenrechte).  Im  September/Oktober  1989  hätten  bewaffnete  Personen  –  wahrscheinlich  Angehörige  des 

D­7119/2008 JITEM  (Jandarma  Istihbarat  Terörle  Mücadele;  Nachrichtendienst  und  Terrorabwehr  der Gendarmerie)  –  auf  ihn  geschossen  und  ihn  am Arm  verletzt.  Zuvor  habe  er  die  schlechten  Haftbedingungen  in  den  Gefängnissen  angeprangert.  Im  gleichen  Jahr  sei  er  auch  wegen  Hilfeleistungen  an  die  PKK  in  einen  Prozess  verwickelt  gewesen  und  habe an zwei Verhandlungen teilgenommen; er sei jedoch nicht verurteilt  worden.  Ein  Mitglied  der  PKK  namens  G._______  habe  seinen  und  andere  Namen  preisgegeben.  Am  13.  Januar  1990  habe  ein  weiteres  PKK­Mitglied  namens  F._______,  dessen  Codename  H._______  gewesen sei, seinen und andere Namen bekannt gegeben. Aufgrund des  Verdachtes,  der PKK Hilfe  geleistet  zu  haben,  sei  am gleichen Tag  bei  ihm  zu  Hause  in  C._______  eine  Razzia  durchgeführt  worden.  Dabei  habe man seiner Ehefrau die Haare ausgerissen. Im Mai oder Juni 1990  sei  die  damals  legale  Partei  HEP  (Halkci  Emek  Partisi,  Volksarbeiterpartei)  gegründet  worden  und  er  habe  den  politischen  Kampf bei der HEP weitergeführt. Mitte 1992 seien gegen ihn und Andere  Gerichtsverfahren eröffnet worden. In dieser Zeit sei ihr Ziel die Gründung  der  ÖZDEP  (Özgürlük  ve  Demokrasi  Partisi,  Partei  für  Freiheit  und  Demokratie) gewesen. Bevor sie überhaupt habe entstehen können, sei  sie  jedoch geschlossen worden. 1993 habe eine weitere Razzia bei  ihm  zu  Hause  stattgefunden  und  er  sei  anschliessend  elf  Tage  lang  systematisch gefoltert worden. Nach dem Verbot der HEP im Jahre 1993  sei  die DEP  (Demokratie­Partei)  gegründet, welche  jedoch  bereits  etwa  im Mai  oder  Juni  1994 wieder  geschlossen  respektive  verboten worden  sei. Er sei beim Jugendflügel der DEP gewesen und habe als Präsident  fungiert.  1994  sei  die  HADEP  (Halkin  Demokrasi  Partisi,  Partei  der  Volksdemokratie  oder  Partei  der  Demokratie  des  Volkes)  gegründet  worden und er habe seine Arbeit in dieser Partei weitergeführt und dabei  Führungsfunktionen  innegehabt.  Gegen  diese  Partei  seien  in  den  folgenden  drei  Jahren  etliche  Gerichtsverfahren  eröffnet  worden.  Er  könne  sich  nicht  an  alle  seine  Aktivitäten  und  Ereignisse  in  Zusammenhang mit  seinen  politischen  Tätigkeiten  erinnern,  er  sei  aber  infolgedessen  unzählige  Male  durch  die  Polizei  geschlagen  und  festgenommen worden. Wenn er morgens aus dem Haus gegangen sei,  habe  er  jeweils  nicht  gewusst,  ob  er  abends  wieder  zu  seiner  Familie  zurückkehren  werde.  Er  habe  stets  Angst  vor  einem  Anschlag  gehabt.  1996  seien  er  und  ein  Parteimitglied  knapp  einem  Angriff  zweier  kurdischer  Jugendlicher  entkommen.  Diese  hätten  vermutlich  für  den  Sicherheitsdienst  –  entweder  für  eine  spezielle  Einheit  der  türkischen  Polizei  oder  für  den  JITEM – gearbeitet.  Im gleichen  Jahr  seien  zudem  viele  kurdische  Häuser,  darunter  auch  seines,  durch  das  Militär 

D­7119/2008 niedergebrannt worden. Dagegen werde  er  Klage  erheben.  1997  sei  er  sodann  aus  der  HADEP  ausgetreten  und  habe  sich  mit  Gründungsarbeiten  für  die  DEHAP  (Demokratik  Halk  Partisi,  Demokra­ tische Volkspartei)  befasst. Die DEHAP  sei  1997  bloss  für  den Fall  der  Schliessung  der HADEP  gegründet  worden.  Er  sei  von  Beginn weg  für  die  Partei  aktiv  gewesen  und  habe  Tätigkeiten  in  führenden  Positionen  über­nommen.  Ungefähr  Ende  August  1997  hätten  über  dreissig  Fahrzeuge  vor  seinem  Haus  angehalten  und  die  darin  befindlichen  Personen hätten Flaggen der MHP  (Milliyetci Hareket Partisi; Partei  der  nationalistischen  Bewegung)  hochgehalten.  Darunter  hätten  sich  auch  Zivilpolizisten be­funden. Sie hätten ihn und seine Familie beschimpft. Als  er  nach  draussen  gegangen  sei,  um  die  Leute  zu  beruhigen,  sei  er  angegriffen worden. Als er am Boden gelegen habe, habe ihm seine Frau  zu Hilfe eilen wollen. Dabei sei auch sie mit Fusstritten malträtiert worden  und  man  habe  sie  an  den  Haaren  festgehalten  und  an  die  Wand  geschlagen. Er habe Verletzungen an zwei Rippen und mehreren Zähnen  davonge­tragen.  Im  Weiteren  habe  er  im  Jahre  2000  anlässlich  einer  Demonstra­tion  der  DEHAP  in  J._______  gegen  die  schlechten  Bedingungen  in  den Gefängnissen  und Misshandlungen  von  Häftlingen  mit Todesfolgen protestiert. Dabei hätten er und andere sich zusammen  mit Angehörigen der Opfer vor das Gericht in J._______ begeben. In der  Folge  sei  er  festgenommen,  auf  einen  Polizeiposten  gebracht  und  dort  drei Tage  lang durch An­gehörige der Antiterroreinheit  gefoltert worden.  Bis  zum  Prozess  habe  man  ihn  auf  freien  Fuss  gesetzt.  Am  21. März  2002  sei  er  erneut  durch  die  Polizei  misshandelt  worden,  nachdem  er  zusammen  mit  anderen  nach  einem  Nevroz­Fest  zum  Bus  habe  zurückkehren wollen. Sie seien etwa 200 Personen gewesen. Die Polizei  habe interveniert und viele hätten fliehen können. Als Organisator dieses  Festes habe er nicht fliehen wollen, denn das Fest sei legal gewesen. Die  Polizei habe begonnen, ihn zu verprügeln und nicht aufgehört. Dabei sei  er hingefallen und habe das Bewusstsein verloren. Zuerst habe man ihn  in  eine  Festung  nach  K._______  Kap  gebracht  und  danach  zur  Polizei  respektive  einer  Abteilung  der  Antiterrorbekämpfung.  Eine  Menschenrechtsorganisation  habe  ihn  schliesslich  erreicht  und  ihn  ins  Spital  gebracht.  Er  habe  in  der  Folge  an  drei  Gerichtsverhandlungen  teilgenommen.  Zwei  Gerichtsverfahren  seien  jedoch  noch  nicht  abgeschlossen. Über diese Verfahren könne er sich nicht beklagen. Sie  seien normal und legal verlaufen. Gegen die polizeilichen Übergriffe habe  er  jeweils  aus Angst  vor  dem JITEM keine Anzeige  er­stattet.  Im  Jahre  2003  habe  er  von  L._______,  einem  Mitarbeiter  der  Nüfusbehörde  in  C._______,  erfahren,  dass  er  durch  die  Gendarmerie  gesucht  werde. 

D­7119/2008 Daraufhin  sei  er  zum  IHD  (Insan Hak Dernegi, Menschen­rechtsverein)  gegangen  und  diese  habe  ihm  einen  Anwalt  namens  M._______  der  Anwaltskammer  in  C._______  angegeben.  Dieser  habe  sich  bei  der  Staatsanwaltschaft  betreffend  die  Suche  nach  ihm  (dem  Beschwerdeführer)  erkundigt,  da  alles  in  diesem  Gebiet  der  Staatsanwaltschaft  gemeldet  werde.  Die  Staatsanwaltschaft  habe  aber  nichts von einer Suche gewusst. Der Anwalt habe ihm dann erklärt, dass  dies  mit  dem  JITEM  zu  tun  habe,  und  er  C._______  verlassen  solle.  Daher habe er C._______ verlassen und sich danach  in  verschiedenen  Städten der Türkei – darunter auch in N._______, O._______, P._______  und  in  Q._______  –  aufgehalten,  um  Propaganda  für  die  Partei  zu  machen. Hauptsächlich  habe  er  aber  in  J._______  gelebt. Ungefähr  im  April  oder  Mai  2003  sei  irgendein  Gerichts­verfahren  in  R._______,  J._______,  gegen  ihn  abgeschlossen  und  er  zu  einer  Geldstrafe  und  einer  Strafe  von  sieben  Monaten  verurteilt  worden.  Das  Geld  habe  er  beim Finanzamt S._______ einbezahlt. Den Vollzug der Strafe habe man  bis  2010  aufgeschoben.  Ende  2003  sei  er  anlässlich  einer  Fahrzeugkontrolle  in  U._______  (J._______)  vom  Militär  auf  einen  Posten gebracht und in Untersuchungshaft genommen worden. In jenem  Gebiet  gebe  es  vier  Gemeinden,  wo  die  Partei  vertreten  gewesen  sei:  V._______, W._______, X._______ und Y._______, welche zum Bezirk  Z._______  gehörten.  In  diesen  Gemeinden  sei  er  ebenfalls  tätig  gewesen.  Während  seiner  Festnahme  habe  er  keinen  Kontakt  nach  aussen gehabt und jeder, der vorbeigekommen sei, habe ihn geschlagen.  Am  nächsten  Tag  um  zwei  Uhr  habe  man  ihn  freigelassen.  Er  habe  leichte Schmerzen  in der Brust und  in den Beinen verspürt, es sei aber  nichts sichtbar gewesen. Am dritten Tag habe er an der Brust und danach  an  den  Beinen  blaue  Flecken  bekommen  und  er  habe  dreissig  bis  fünfunddreissig  Tage  lang  keinen Schritt mehr  gehen  können.  Er wisse  nicht woher das  rühre,  er  verspüre  seither  jedoch einen Druck auf  dem  Herz.  Im  Jahre  2004  habe  er  in  B._______,  J._______  zusammen mit  seiner Tochter  I._______ und weiteren Personen am Protest gegen das  in Halecpe verübte Massaker teil­genommen. Die Polizei habe Tränengas  eingesetzt und daher seien sie zum Bazar geflohen. Ende 2004 habe er  für das Amt des Gemeinderats  in W._______ (Anmerkung des Gerichts:  einem  (…)  in  J._______)  kandidiert.  Damals  sei  seine  Partei  eigentlich  die  DEHAP  gewesen.  Er  habe  sich  aber  für  die  SHP  (Sosyal  Halkci  Partisi),  einer  linksgerichteten  Partei,  mit  der  sie  zusammen  gearbeitet  hätten,  zur  Wahl  gestellt.  Ab  Ende  2004  hätten  die  Gefechte  wieder  begonnen und die Situation habe sich wieder zugespitzt. 

D­7119/2008 Im Weiteren gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, zwischen 2000 und  2006  hätten  sie  zum  politischen  Ziel  gehabt,  die  PKK­Angehörigen  von  den Bergen weg zu bringen, damit diese auf  legaler Ebene hätten politi­ sieren  können. Dabei  hätten  sie  eigentlich  eine Vermittlerrolle  zwischen  dem Staat und der PKK erfüllen wollen. Während seines dreiundzwanzig­ jährigen  politischen  Kampfes  habe  er  sehr  viele  Freunde  verloren  und  sehr  viel  Leid  erlebt.  Erst  kürzlich  sei  ein  langjähriger  Freund  von  ihm,  AA._______ (Anmerkung des Gerichts: ein Exekutivmitglied der DTP), in  C._______  festgenommen  worden.  Er  –  der  Beschwerdeführer  –  sei  Delegierter  und  Mitbegründer  der  DTP  gewesen  (Demokratik  Toplum  Partisi,  kurdisch: Partîya Cîvaka Demokratîk, Partei  der demokratischen  Gesellschaft).  Ende  März  2005  sei  eine  Person  mit  Codenamen  BB._______, die früher ebenfalls beim Jugendflügel der HADEP gewesen  sei,  zu  ihm gekommen. Dieser  habe  ihm erzählt,  dass  er  drei  Jahre  im  Zuchthaus  verbracht  habe.  Ferner  habe  er  ihm  erklärt,  dass  die  Partei  Geld brauche. Daraufhin habe er – der Beschwerdeführer –  ihm gesagt,  dass sich die Partei selber um ihre Finanzierung kümmern könne und ihn  das nichts angehe. Dann habe ihn diese Person darüber informiert, dass  das Geld für jene Partei gedacht sei, die sich in den Bergen befinde, und  sie  das Geld  diesen Personen  dort  zukommen  lassen wollten.  Deshalb  würden  sie  das  Geld  heimlich  sammeln.  Er  habe  daraufhin  entgegnet,  dass seit dem Jahr 2000 weder die Leute in den Bergen noch Angehörige  der PKK Geld sammeln würden. Diese Person habe jedoch insistiert und  Referenzen  von  wohlhabenden  Spendern  erhalten  wollen,  was  er  ihm  jedoch  –  auch  später  –  verweigert  habe.  Zuletzt  habe  diese  Person  60'000  Euro  als  Strafgebühr  von  ihm  verlangt.  Der  (…)  der  DEHAP  J._______,  CC._______,  sei  darüber  informiert  worden,  dass  verschiedene  Leute  solche  Sammelaktionen  durchführen  wollten.  Auch  von DD.______, Präsident des Bezirkes EE._______ hätten sie viel Geld  verlangt.  Sie  hätten  selber  nicht  heraus  gefunden,  wer  konkret  hinter  diesen  Geldsammlungen  gesteckt  habe.  Aber  diese  Leute  hätten  sehr  viel  über  sie  gewusst.  Allein  in  J._______  sei  es  diesen  Personen  gelungen,  zwischen  180'000  und  200'000  Euro  zu  sammeln.  Daraufhin  hätten  sie  respektive  damals  offizielle  Repräsentanten  der  DEHAP  zur  Sicherheitsdirektion  in J._______ und zur Polizei Kontakt aufgenommen  und  diesen  mitgeteilt,  dass  diese  Leute  unter  Zwang  Geld  eintreiben  würden.  Mit  Hilfe  der  Repräsentanten  sei  den  Erpressern  eine  Falle  gestellt worden,  und man habe  sie  erwischt. Dabei  habe man erfahren,  dass  es  sich  bei  diesen  Personen  um  ehemalige  PKK­Angehörige  gehandelt habe, die dem JITEM angehören würden.  Es habe sich dabei  unter anderem um FF._______ und GG._______ gehandelt. Dann hätten  http://de.wikipedia.org/wiki/Kurdische_Sprache

D­7119/2008 die  Bedrohungen  angefangen.  Etwa  Ende  August,  anfangs  September  2005 sei HH._______, ein Mann, den er sehr gut gekannt habe und der  beim  Jugendflügel  in  Z._______  tätig  gewesen  sei,  infolge  eines  Bombenattentates getötet worden. Er sei daraufhin in Panik geraten und  habe  Angst  gehabt.  In  jener  Zeit  habe  es  mehrere  Bombenattentate  gegeben.  Er  habe  sich  dann  mit  seiner  Frau  im  Jahre  2005  für  zwei  Wochen  in  ein  Motel  in  II._______,  Provinz  J._______,  begeben.  Er,  seine Frau und seine Kinder seien  in  jener Zeit ständig bedroht worden.  Er  sei  sich  sicher,  dass  diese  Drohungen  daher  rührten,  dass  BB._______  seinen  Namen  bekannt  gegeben  habe,  denn  DD._______  könne es nicht gewesen sein, da dieser  ihn und seine Stellung sehr gut  gekannt habe. Ab diesem Zeitpunkt sei der JITEM auf  ihn  losgegangen.  Der  JITEM  habe  35 Journalisten,  100 Leute  der  Parteiführung  und  ungefähr  7000 Mitglieder  der  Partei  getötet.  Sie würden  den  JITEM gut  kennen  und  er  –  der  Beschwerdeführer  –  könne  bei  Bedarf  deren  Gründer und deren Ziele nennen.  Des  Weiteren  sagte  der  Beschwerdeführer  aus,  von  Oktober  2005  bis  anfangs 2006 habe er für die DTP verschiedene Tätigkeiten ausgeübt. Er  habe  Tagungen  organisiert  und  Propaganda  gemacht.  In  54 verschiedenen Provinzen  sei  er  tätig  gewesen. Er  habe  sich  an  ver­ schiedenen Sitzen  der Partei  bewegt,  um dort  deren Aktivitäten  zu  ver­ folgen und die Bedürfnisse zu eruieren.  In den  letzten  fünf Monaten vor  seiner Ausreise hätten er und andere Parteikollegen Haftbefehle erhalten.  Für  den  25. Mai  2006  sei  er  zudem  gerichtlich  vorgeladen worden.  Vor  diesem Prozesstermin habe bereits  im Jahre 2004 eine Vorverhandlung  stattgefunden. Damals seien ausser ihm und weiteren vier Personen alle  freigesprochen worden.  JJ._______  sei  zu  zweieinhalb  Jahren  verurteilt  worden. Der Prozess ihn betreffend sei auf den 25. Mai 2006 verschoben  worden. Dieser Vorladung sei er jedoch nicht gefolgt. Denn am 3. Januar  2006 sei jemand in seine Wohnung in J._______ eingedrungen und habe  in  seiner  Abwesenheit  seinen  Reisepass,  seine  Identitätskarte  sowie  andere Dokumente behändigt. Er sei sich sicher, dass es sich da­bei um  ein Team der Antiguerilla respektive des illegalen JITEM gehandelt habe.  Daher  und  da  einige  Angehörige  der  DTP  durch  Bombenexplosionen  getötet worden seien, habe er  im Januar 2006 J._______ verlassen.  Im  April  2006  hätten  zudem  Angehörige  des  JITEM  seine  ehe­malige  Ehefrau sexuell belästigt und diese bedroht. Sie hätten nach ihm gesucht  und  seiner  ehemaligen  Ehefrau  nicht  geglaubt,  dass  sie  geschieden  seien. Er habe sich jedoch im Mai 2004 scheiden lassen, um seine Frau  und  seine  Kinder  nicht  länger  zu  gefährden,  da  seine  Ehefrau  immer 

D­7119/2008 wieder  wegen  seiner  politischen  Tätigkeiten  belästigt  worden  sei.  Die  ältesten  beiden  Kinder  würden  deshalb  auch  den  Namen  seiner  ehe­ maligen  Ehefrau  tragen.  Drei  Tage  lang  seien  die  Angehörigen  des  JITEM  im  Haus  der  ehemaligen  Ehefrau  geblieben.  Er  habe  es  gleich  danach  erfahren;  damals  habe  er  sich  in  KK._______  aufgehalten  und  habe in der Folge drei Tage lang sein dortiges zu Hause nicht verlassen.  Im Mai 2006 sei er schliesslich von J._______ aus auf dem Luftweg in die  Schweiz  gelangt.  Dabei  habe  er  einen  gefälschten  türkischen  Pass,  lautend  auf  einen  anderen  Namen  und  versehen  mit  seinem  Foto,  benützt.  Seine Familie  habe  er  nicht mitnehmen  können,  dies wäre  auf  dem  Luftweg  zu  riskant  gewesen.  Bis  anfangs  August  habe  er  bei  Freunden in MM._______ gewohnt. Er habe solange mit dem Asylgesuch  zugewartet,  da  er  auf  Beweismittel  gewartet  habe.  Er  habe  sein  Heimatland  nicht  aus  Angst  vor  den  türkischen  Behörden,  der  Polizei  oder um sich des Prozesses zu entziehen, verlassen, sondern er sei vor  dem JITEM geflüchtet. Denn er sei sich sicher, dass er auf dessen Liste  stehe  respektive  dieser  ihn  töten  wollten.  Die  türkischen  Behörden  könnten ihm nicht helfen, da alle diesem Problem gegenüber hilflos seien,  sogar  der  Premierminister.  Der  JITEM  sei  vom Generalstab  der  Armee  gegründet worden und bestehe  im Kern aus ehemaligen Mitgliedern der  PKK und der Hezbollah (Partei Gottes, militante shiitische Bewegung mit  Wurzeln  im  Libanon).  Der  JITEM  sei  gegen  die  Demokratie  und würde  jeden, der sich dafür einsetze, ermorden. So sei etwa im Dezember 2006  ein  Journalist  armenischer  Herkunft  namens  LL._______  –  ein  Redaktions­ und Führungsmitglied der Zeitung MM._______, der zu acht  Monaten  Gefängnis  verurteilt  worden  war  –  vor  dem  Zeitungsverlag  getötet  worden.  Sie  seien  sich  sicher,  dass  dieser  vom  JITEM  umgebracht worden  sei. Der  JITEM wolle,  dass  das  kurdische Problem  bestehen  bleibe.  Er  persönlich  kenne  niemanden  vom  JITEM,  sei  sich  aber  sicher,  dass  er  von  dieser  Organisation  überwacht  werde.  Seine  Frau und seine unmündigen Kinder hätten den Wohnsitz gewechselt und  seien  von  C._______  nach  Z._______,  J._______,  gezogen.  Dort  sei  seine jüngste Tochter NN._______, welche das Gymnasium besuche, im  Februar 2007 attackiert worden.  Ausserdem wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass sein Vater 1986  in einem Spital vergiftet worden sei. 1978 sei zudem einer seiner beiden  Brüder  verurteilt  worden  und  habe  10 Jahre  im  Zuchthaus  verbracht.  1993 habe man diesem die türkische Staatsbürgerschaft entzogen. Er sei  sich nicht sicher, aber dieser lebe nun als Flüchtling in OO._______ oder  in  PP._______  und  arbeite  wahrscheinlich  für  die  PKK.  Der  andere 

D­7119/2008 Bruder,  der  älteste,  sei  nach  dem  (…)  in  C._______  in  den  siebziger  Jahren nach OO._______ gegangen, besitze die (…) Staatsbürgerschaft  und  komme  manchmal  nach  QQ._______,  wo  er  ein  Haus  besitze.  Zwischen  2000  und  2005  seien  sodann  drei  seiner  Cousins  ermordet  worden, einer sei im Zuchthaus, zwei seien von Unbekannten – sicherlich  vom JITEM – getötet worden. Ausserdem habe er einen Freund namens  RR._______,  der  im  September  2006  zu  8 Jahren  Zuchthaus  verurteilt  worden sei. Er befinde sich in Q._______ im Gefängnis Typus E.  Seinen  Ausführungen  fügte  der  Beschwerdeführer  letztlich  bei,  er  und  seine  ehemalige  Ehefrau  hätten  im  Jahre  2004  versucht,  sich  umzu­ bringen. Ihm gehe es psychisch nicht gut, weshalb er sich in der Schweiz  habe  behandeln  lassen.  Er  habe  hier  die  ersten  zweieinhalb  Monate  grosse Angst gehabt.  C.b. Zur Stützung seiner Vorbringen liess der Beschwerdeführer folgende  Dokumente beim BFM einreichen, deren teilweise Übersetzungen in eine  Amtssprache nach Aufforderung des BFM vom 16. April 2007 am 27. Mai  2007 nachgereicht wurden:   Zwei Auszüge in türkischer Sprache aus dem Zivilregister datierend vom 6. Juni  2003 und vom 27. Juni 2006  Einen türkischen Versicherungsausweis vom 1. April 1978  Eine Bescheinigung in türkischer Sprache der DTP (in Kopie), eine Ausweiskarte  der DTP vom Jahre 2005 betreffend eines Delegiertenkongress, eine Ausweis­ karte der DEHAP von 1997, eine Delegiertenkarte der DEHAP betreffend eines  Kongresses, eine Delegiertenkarte der HADEP  Eine Wohnsitzbestätigung  in  türkischer  Sprache  vom  14. Februar  2006  ausge­ stellt in J._______   Eine  türkischsprachige  Liste  des  (…)  von  J._______  vom  6. Februar  2006  betreffend der Prozessbeteiligten vom 25. Mai 2006 (in Kopie, inkl. eine deutsche  Übersetzung)  Ein Beschluss des Strafgerichts J._______ in türkischer Sprache vom 6. Februar  2006  i.S.  Revision  gegen  das  Urteil  vom  4. Mai  2004  und  Verschiebung  des  Prozesses auf den 25. Mai 2006 (inkl. deutscher Übersetzung). 

D­7119/2008  Eine  Bestätigung  des  Staatsanwaltes  des  (…)in  türkischer  Sprache  vom  15.  November  2005  betreffend  eine  (…)beschwerde  gegen  eine  angeordnete  Untersuchungshaft  in  Zusammenhang  mit  der  Teilnahme  an  einer  Massendemonstration (in Kopie, inkl. deutscher Übersetzung)  Eine türkischsprachige anwaltliche Vollmacht vom 20. Dezember 2005 (in Kopie,  inkl. italienischer Übersetzung)  Ein  Schreiben  einer  türkischen  Menschenrechtsorganisation  vom  7. April  2006  verfasst in italienischer Sprache betreffend einen Besuch und eine medizinische  Untersuchung  des  Beschwerdeführers  vom  2. April  2002,  nachdem  dieser  am  gleichen Tag Foltervorwürfe gegenüber der Polizei erhoben hatte (in Kopie). Eine  weitere  Bestätigung  derselben  Menschenrechtsorganisation  vom  20.  Juli  2006  betreffend die vom Beschwerdeführer am 21. März 2002 erlittene Folter (Kopie in  italienischer Sprache, inkl. ein ärztliches Zeugnis vom 10. Februar 1989 und eine  Bestätigung einer Privatklinik vom 21. März 2002)  Eine türkische Identitätskarte vom 27. Januar 2005 (in Kopie)  Eine  Kopie  einer  türkische  Identitätskarte  von  SS._______  (Bruder  des  Beschwerdeführers)   Ein türkischsprachiges Spitalzeugnis vom 2. Oktober 1989  Gesuche  in  türkischer  Sprache  des  Beschwerdeführers  und  seiner  damaligen  Ehefrau um Namensänderung betreffend die beiden älteren Kinder  Ein  türkischsprachiges  Schreiben  des  IHD  J._______  vom  20. Juli  2006  betreffend  der  vom  Beschwerdeführer  am  2.  April  2002  geltend  gemachten  Vorfälle vom 21. März 2002  Ein Schreiben in türkischer Sprache des Menschenrechtsvereins TIHV betreffend  verschiedene  ärztliche  Untersuchungen  des  Beschwerdeführers  vom  21.  und  22. März  2002  und  vom  2.  und  22. April  2002  (inkl.  Kopien  von  ärztlichen  Notizen)   Ein  Aussageprotokoll  in  türkischer  Sprache  vom  29.  Juni  2000  in  Zusam­ menhang mit einer gewaltsamen  Inhaftnahme während eines Spaziergangs mit  der Tochter TT._______ in der Gegend UU._______ (in Kopie)  Zwei  türkischsprachige  behördliche  Formulare  betreffend  die  Rechte  von  Ver­ dächtigen  (in Kopie), wobei eines davon die Rechte des sich  ­ wegen  illegaler 

D­7119/2008 Demonstration in Untersuchungshaft   befindlichen ­ Beschwerdeführers (Datum:  1. Januar 2002, VV.________) betrifft  Eine  Vorladung  des  (…)  J._______  in  türkischer  Sprache  für  eine  Haupt­ verhandlung vom 25. Mai 2006 sowie ein Schreiben der Oberstaatsanwaltschaft  vom 15. November 2005 (in Kopie)   Eine türkische Identitätskarte der Tochter TT._______ vom 13. Oktober 2003 (in  Kopie)  Ein  türkischsprachiges  Aussageprotokoll  der  Oberstaatsanwaltschaft  vom  29. Juni 2000 (in Kopie), eine gerichtliche Vorladung in türkischer Sprache für die  Hauptverhandlung am 6. August  2002, ausgestellt  am 29. Juli  2002 sowie eine  Empfangsbestätigung  in  türkischer  Sprache  der  Ehefrau  betreffend  eine  Vor­ ladung vor Gericht am 29. November 2002   Vier Fotos (in Kopie)  Einen DHL­Umschlag vom 29. August 2006   Ein türkischsprachiges Scheidungsurteil vom 18. Juni 2004 Ein Urteil  in  türkischer  Sprache  vom  29. November  2002  betreffend  das Delikt  vom 21. März 2002 (Opposition gegen das Gesetz Nr. 2911. Widerstand gegen  Polizeibeamte) lautend auf Freispruch mangels Beweisen  D.  D.a. Am 8. Juni 2007 ersuchte das BFM die Schweizerische Vertretung in  Ankara  darum,  abzuklären,  ob  der  Beschwerdeführer  beim  IHD  ange­ meldet  gewesen  sei,  man  dort  über  seine  Verfolgungsgeschichte  Be­ scheid  wisse,  er  eine  bekannte  politische  Persönlichkeit  gewesen  sei,  welche  Funktion  er  bei  der  HADEP,  DEHAP  und  der  DTP  inne  gehabt  habe, ob in der Türkei hängige Verfahren gegen ihn existierten und ob er  polizeilich gesucht werde und er andere Verfahren durchlaufen habe. D.b.  Die  Botschaft  in  Ankara  teilte  dem  BFM  mit  Schreiben  vom  2. Oktober  2007 mit,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  am  2. April  2002  beim  IHD  gemeldet  und  sich  wegen  der  Ereignisse  anlässlich  des  Nevrozfestes  vom  21. März  2002  beklagt.  Er  sei  durch  die  Polizei  ge­ schlagen und an Kopf, Beinen und Füssen verletzt worden. Trotz seiner  Verletzungen sei er nicht  in ein Spital, sondern auf den Polizeiposten  in  VV._______  gebracht  worden.  Einen  Transfer  ins  Spital  habe  der  Be­

D­7119/2008 schwerdeführer dann abgelehnt. Nachdem er  verhört worden sei,  sei er  noch  am  gleichen  Abend  freigelassen  worden.  Der  IHD  habe  ihm  geraten,  sich zwecks Behandlung beim TIHV zu melden. Der  IHD habe  die  Vor­würfe  des  Beschwerdeführers  registriert,  ohne  diese  auf  ihre  Glaubhaftig­keit  hin  zu  überprüfen.  Angehörige  des  Beschwerdeführers  hätten  den  IHD  J._______  am  20. Juli  2006  um  eine  Bestätigung  angefragt.  Eine  Kopie  derselben  liege  bei.  Die  Kontaktperson  der  Botschaft  bei  der  DTP  kenne  den  Beschwerdeführer  nicht.  Sein  Name  erscheine nicht im Mitgliederregister der HADEP und der DEHAP. Dieses  Register sei  jedoch nicht vollständig und die Mehrheit der aktiv für diese  Parteien tätigen Personen seien inoffizielle Mitglieder gewesen. Die DTP  sei  daher  nicht  in  der  Lage,  präzise  Auskünfte  über  den  Beschwerdeführer  zu  erteilen.  Im  Weiteren  sei  der  Beschwerdeführer  wegen  Verstosses  gegen  Art.  32/2  des  Gesetzes  2911  (Widerstand  gegen  die  Ordnungskräfte,  Widerhandlung  gegen  das  Gesetz  über  die  Versammlungen  und Demonstrationen)  zu  eineinhalb  Jahren Gefängnis  bedingt verurteilt worden. Dieses Urteil habe die (…) in J._______ am 25.  Mai 2006 ausgesprochen. Die Sache sei am 29. September 2006 an den  (…)  weitergezogen  worden.  Dort  sei  der  Fall  immer  noch  hängig.  Das  Erkennungsprotokoll  der  (…)  in  J._______  sei  authentisch.  Der  Beschwerdeführer  werde  weder  behördlich  gesucht,  noch  unterliege  er  einem Passverbot. Anhaltspunkte dafür, dass ein weiteres Verfahren vor  den Gerichten in J._______ bestehe, würden keine vorliegen.  D.c. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2007 gab das BFM dem Beschwer­ deführer  Gelegenheit,  sich  innert  Frist  zum  wesentlichen  Inhalt  der  Botschaftsabklärung zu äussern.  D.d.  Mit  Eingabe  seines  damaligen  Rechtsvertreters  vom  31. Oktober  2007 ersuchte der Beschwerdeführer beim BFM um Fristerstreckung. Zu­ gleich  gab  er  zu  bemerken,  dass  die  Ausführungen  der  Botschaft  hin­ sichtlich  der  Parteimitgliedschaft  realistisch  seien,  was  jedoch  nicht  be­ deute,  dass  er  kein Mitglied  gewesen  sei.  Die  eingereichten  Parteiaus­ weise würden seine Mitgliedschaft bestätigen.  E.  Am  8. November  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  mittels  seines  damaligen  Rechtsanwaltes  einen  ärztlichen  Bericht  der  WW._______  vom  29. Oktober  2007  zu  den  Akten.  Darin  wird  erwähnt,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  12. Juni  2007  bei  der  WW._______  in  Behandlung  sei.  Gemäss  seinen  Angaben  habe  er  sich  über  zwanzig 

D­7119/2008 Jahre  politisch  in  Anatolien  engagiert  und  sei  daher  verfolgt  und  unter  anderem durch Männer mit Masken bedroht worden. Der  letzte Überfall  habe in seiner Abwesenheit am 3. Januar 2006 stattgefunden. Maskierte  Männer hätten seine Familie überfallen und drei Tage lang festgehalten.  Er  sei  über  zwanzig Mal  in Untersuchungshaft  genommen und gefoltert  worden.  Ausserdem  habe  er  einmal  mitansehen müssen,  wie  in  einem  abgebrannten  Dorf  in  Kurdistan  Männer  einer  Frau  mit  einem  Maschinengewehr  den  Unterkörper  zerstört  hätten.  Dieses  Bild  und  andere würden ihn verfolgen. Nach dem Bericht über diesen Vorfall habe  der Beschwerdeführer nicht mehr angesprochen werden können. Im nicht  dissoziativen Zustand sei der Beschwerdeführer wach und orientiert. Die  Konzentration  sei  vermindert.  In  der  Vergangenheit  hätten  intermit­ tierende  Suizidgedanken  bestanden.  Seit  der  Exploration  seiner  Be­ schwerden  und  seiner  Geschichte  habe  sich  sein  Gesundheitszustand  destabilisiert. Als Diagnosen wurden beim Beschwerdeführer eine mittel­ gradige  depressive  Episode  (ICD­10:  F  32.1),  eine  Persönlichkeitsver­ änderung nach Extrembelastung  (ICD  ­10: F 62.0)  und ein Status  nach  dissoziativem Zustand (ICD­10: F 44) erhoben.  F.  Mit  Eingabe  vom  15. November  2007  äusserte  sich  der  damalige  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  namens  seines  Mandanten  zu  den  Botschaftsabklärungen.  Dabei  führte  er  aus,  es  sei  zu  präzisieren,  dass der Beschwerdeführer bereits am 21. März 2002 beim IHD gewesen  sei,  nachdem  Bekannte  ihn  in  schwer  verletztem  Zustand  dorthin  ge­ bracht  hätten.  Dort  habe  man  von  ihm  Fotos  gemacht  und  er  sei  um­ gehend in Spitalbehandlung verbracht worden, wie die ärztlichen Berichte  zeigen würden.  Im Weiteren erscheine es plausibel, dass es  für die Mit­ glieder der Partei gefährlich sein könne, Auskünfte über andere Mitglieder  zu erteilen. Die Parteimitgliedschaft des Beschwerdeführers sei durch die  bisher eingereichten Dokumente belegt.  Dem  Schreiben  lagen  nachstehende  zum  Teil  türkischsprachige  Do­ kumente bei, deren Übersetzung in deutscher Sprache am 28. November  2007 nachgereicht wurden:   Ein  an  den  damaligen  Rechtsvertreter  in  der  Schweiz  adressiertes  in  handschriftlicher  türkischer Sprache  verfasstes Bestätigungsschreiben  der DTP  XX._______  (inkl.  Umschlag).  Darin  schreibt  der  Kreisvorsitzende  von  XX._______,  dass  der  Beschwerdeführer  und  seine  Familie  seit  Jahren 

D­7119/2008 Mitglieder seien und in den Vorgängerparteien gewesen seien. Seit 2006 habe er  ihn nicht mehr gesehen.  Ein türkischsprachiges Schreiben vom 5. November 2007 des in der Schweiz als  Flüchtling  anerkannten  türkischen  Staatsangehörigen  YY._______  (in  Kopie).  YY._______ schreibt, den Beschwerdeführer und seine Familie aus den Jahren  1990  bis  1999  zu  kennen.  In  jener  Zeit  sei  er  für  verschiedene  kurdische  Vorgängerparteien legal und illegal tätig gewesen und habe in der HEP, ÖZDEP  und HADEP gearbeitet.   Ein  türkischsprachiges  Schreiben  des  in  der  Schweiz  wohnhaften  türkischen  Staatsangehörigen  ZZ._______  (in  Kopie).  ZZ._______  erklärt,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  Gründungsphase  der  Partei  in  AB._______,  AC._______, AD._______ und W._______ grosse Arbeit  geleistet  habe. Er  sei  ein wichtiges Parteimitglied und habe sich  in  verschiedenen Zeitphasen  für die  HEP,  ÖZDEP,  DEP,  und  HADEP  eingesetzt.  Die  ganze  Familie  gelte  als  Parteimitglieder.  Eine E­Mail vom 11. November 2007 von   CC._______. CC._______ erklärt, er  sei  Flüchtling  und  verfüge  über  eine  B­Bewilligung.  Er  sei  aktiv  in  der  HEP,  HADEP, DEHAP und DTP gewesen und von 2004 und 2005 sei er als leitender  Funktionär  tätig gewesen.  Im Weiteren bestätigt er, dass der Beschwerdeführer  Mitglied  der  DEHAP  gewesen  und  aufgrund  seiner  Herkunft  während  den  Inhaftierungen beschimpft und erniedrigt worden sei. G.  Mit Eingabe vom 11. und vom 31. Dezember 2007 liess der Beschwerde­ führer  beim BFM  ein  an  den  damaligen Rechtsvertreter  in  der  Schweiz  adressiertes Schreiben in türkischer Sprache des IHD vom 30. November  2007 (inkl. Umschlag) einreichen. Darin bestätigt der IHD unter anderem,  dass der Beschwerdeführer bereits am 21. März 2002 registriert worden  sei.  H.  H.a. Mit Anfrage vom 10. April 2008 erkundigte sich der Anwalt des Be­ schwerdeführers beim BFM darüber, weshalb seinem Mandanten von der  (…)  des  Kantons  E._______  ein  Informationsschreiben  betreffend  Rückkehrhilfe  für  Armenier  aus Armenien  zugestellt  worden  sei.  Dieses  habe beim Beschwerdeführer, einem türkischen Staatsangehörigen, eine  Retraumatisierung  ausgelöst.  Denn  wie  das  beiliegende  ärztliche  Schreiben vom 14. März 2008 im Weiteren zeige, habe man ihm, als er in 

D­7119/2008 der  Türkei  gefoltert  worden  sei,  eine  Ausschaffung  nach  Armenien  angedroht.  H.b. Das BFM antwortete mit Schreiben vom 24. März 2008, dass es sich  bei  dem  an  den  Beschwerdeführer  zugesandten  Informationsschreiben  um ein Versehen gehandelt habe.  I.  I.a. Mit Verfügung vom 5. Mai 2008 unterrichtete das BFM den Beschwer­ deführer darüber, dass ein Denunziationsschreiben eines türkischen Ver­ bandes in der Schweiz, verfasst am 14. März 2008, eingegangen sei. Ge­ mäss diesem sei er mittels einem in J._______ gekauften Pass eines  in  OO._______ immigrierten Türken über Österreich in die Schweiz gelangt.  Er  habe  sich  angeblich  zuerst  für  eine  bestimmte  Zeit  in  MM._______  aufgehalten, um vor Einreichung des Gesuches Zeit zu gewinnen für eine  bezahlte Heirat.  I.b.  Mit  Stellungnahme  vom  14. Mai  2008  liess  der  Beschwerdeführer  einwenden,  er  habe  bereits  erklärt,  dass  er  mit  der  Asylgesuchstellung  zugewartet habe, um Beweismittel aus der Türkei zu erhalten. Wieso er  eine  bezahlte  Heirat  hätte  organisieren  sollen,  könne  er  sich  nicht  er­ klären. Seit Einreichung  seines Asylgesuches  hätte  er  reichlich Zeit  ge­ habt, eine Heirat in die Wege zu leiten. Er sei jedoch nicht verheiratet. Es  könne sich nur um ein böswilliges Schreiben einer Privatperson handeln.  J.  J.a.  Am  18. Juli  2008  wurde  dem  Beschwerdeführer  durch  das  BFM  bekannt  gegeben,  dass  gemäss  einer  weiteren  Anfrage  vom  26. Juni  2008 bei der Schweizerischen Botschaft in Ankara über ihn in der Türkei  kein  politisches  Datenblatt  bestehen  würde.  Er  werde  dort  auch  nicht  gesucht und er unterliege keinem Passverbot.  J.b.  In der Stellungnahme vom 30. Juli 2008 liess er dazu unter Hinweis  auf  einen  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  21. Juni  2003  einwenden,  die  Tatsache,  dass  er  nicht  in  einem  der  Schweizerischen  Botschaft  zugänglichen  System  verzeichnet  sei,  spre­ che nicht gegen eine Verfolgung. Das gegen  ihn durchgeführte und  lau­ fende Verfahren sei notorisch. Aufgrund der bisherigen Verurteilung kön­ ne davon ausgegangen werden, dass er in einem entsprechenden Regis­ ter verzeichnet sei. Passverbote würden zudem heute ausser für Refrak­

D­7119/2008 täre und Deserteure nur noch selten  verfügt. Das Fehlen eines  solchen  Verbotes schliesse eine Verfolgungsgefahr nicht aus. K.  Mit  Verfügung  vom  7. Oktober  2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Be­ schwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  dessen Asylgesuch vom 3. August 2006 ab. Gleichzeitig verfügte es die  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung  an.  Zur  Begründung  führte  das  BFM  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  hinsichtlich der von ihm geschilderten Razzien durch den JITEM im Jahre  2006 in Ungereimtheiten verstrickt. Anlässlich der Erstbefragung habe er  erklärt, der JITEM habe am 3. Januar 2006 zu Hause eine Razzia durch­ geführt  und  dabei  seinen  Pass  und  seinen  Identitätsausweis  beschlag­ nahmt. Demgegenüber habe er während der einlässlichen Anhörung aus­ gesagt, diese Ausweise seien im Rahmen der Razzia vom 16. April 2006  beschlagnahmt  worden.  An  anderer  Stelle  habe  er  in  diesem  Zusam­ menhang als Zeitpunkt das Ende des Jahres 2005 genannt. Zudem habe  er  bei  der  Empfangsstellenbefragung  den  15.  Mai  2006,  an  der  ein­ lässlichen  Anhörung  jedoch  den  6.  Mai  2006  als  Ausreisedatum  ange­ geben.  Als  Aufenthaltsort  vor  seiner  Ausreise  habe  er  sodann  einmal  KK._______, einmal AD._______  angeführt. Auch habe er einerseits als  Grund für die Verfolgung durch den JITEM angegeben, dieser sei gegen  die  Demokratie  gewesen  und  habe  ihn  behelligt,  da  er  gegen  die  Ver­ brechen des JITEM demonstriert habe. Andererseits habe er  jedoch die  Razzia  des  JITEM damit  erklärt,  dass Geldeintreiber  des  JITEM wegen  der  Anzeige  der  Parteiführung  der  DEHAP  aufgeflogen  seien.  Im Wie­ teren  erscheine  als  realitätsfremd,  dass  er  sich  trotz  der  Befürchtung,  durch  den  JITEM  getötet  zu  werden,  im  Jahre  2005  lediglich  zwei  Wochen lang  in einem Motel aufgehalten habe und danach wieder nach  Hause zurückgekehrt sei. Seine Aussagen seien diesbezüglich auch un­ substanziiert ausgefallen. Denn für den Zeitraum 2005/2006 habe er von  konstanten  Todesdrohungen  und  sogar  von  Krieg  gesprochen,  ohne  jedoch konkrete Angaben machen zu können. Nicht nachvollziehbar  sei  sodann, dass er sich im Jahre 2004 habe scheiden lassen, dennoch aber  weiterhin  mit  seiner  ehemaligen  Ehefrau  und  den  Kindern  zusammen­ gelebt  habe.  Ebenso  erhelle  nicht,  weshalb  er  trotz  erfolgten  Todes­ drohungen seine Familie  in der Türkei zurückgelassen habe. Diese Aus­ führungen des Beschwerdeführers seien somit als nicht glaubhaft zu er­ achten. Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachten und teilweise 

D­7119/2008 belegten Verfolgungsmassnahmen seitens der  türkischen Behörden und  die  dabei  erlittenen  Misshandlungen  bis  im  Jahre  2003  anbelange,  so  würden  diese  zu  weit  zurückliegen.  Bezeichnenderweise  habe  der  Beschwerdeführer denn auch anlässlich der eingehenden Befragung aus­ gesagt,  er  hätte  sein  Heimatland  nicht  verlassen,  wenn  er  nicht  Schwierigkeiten mit  dem  JITEM  gehabt  hätte.  Schliesslich  vermöge  die  vom  (…)  noch  zu  beurteilende  Verurteilung  vom  25. Mai  2006  zu  eineinhalb  Jahren  Haft  bedingt  weder  eine  Zwangssituation  noch  eine  asylrelevante Verfolgung zu belegen. Der Beschwerdeführer werde denn  auch nicht gesucht, unterliege keinem Passverbot und über  ihn sei kein  politisches  Datenblatt  erstellt  worden.  Einer  Wegweisung  stünden  im  Übrigen die vom Beschwerdeführer geltend gemachten gesundheitlichen  Probleme nicht entgegen, da diese auch in seiner Heimat behandelt wer­ den könnten. L.  Gegen diese Verfügung  liess der Beschwerdeführer mittels Eingabe des  rubrizierten  Rechtsvertreters  vom  10. November  2008  Beschwerde  er­ heben  und  beantragen,  der  Entscheid  des  BFM  sei  aufzuheben,  der  Beschwerdeführer  sei  als  Flüchtling  anzuerkennen  und  ihm  sei  Asyl  zu  gewähren.  Eventuell  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Vollzuges  der  Weg­ weisung  festzustellen  und  das  BFM  sei  anzuweisen,  den  Beschwerde­ führer  vorläufig aufzunehmen.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht  liess der  Beschwerdeführer  beantragen,  es  sei  ihm  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht das Recht der unentgeltlichen Prozessführung  zu erteilen, unter Beiordnung des Unterzeichnenden als amtlicher Anwalt.  Zur Begründung wird geltend gemacht, der Befragung  in der Empfangs­ stelle komme gemäss EMARK 1993 Nr. 3 aufgrund  ihres summarischen  Charakters  für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit nur ein beschränkter  Beweiswert zu. Von qualifizierenden Widersprüchen  in den Darlegungen  des Beschwerdeführers  könne  nicht  die Rede  sein.  Er  habe  von  seiner  Familie  in der Türkei präzise  Informationen erhalten weshalb er erst bei  der zweiten Befragung genauere Angaben habe machen können. Zudem  sei auf das ärztliche Zeugnis der WW._______ vom 29. Oktober 2007 zu  verweisen. In diesem werde ausgeführt, wie die traumatisierenden Erleb­ nisse  zu  einer  Persönlichkeitsveränderung  geführt  hätten  und  dass  bei  Konfrontation mit  dem Erlebten  dissoziative Episoden auftreten würden.  Die Darlegungen des Beschwerdeführers seien in diesem Lichte zu wür­ digen. Er sei bei den Razzien vom Januar und April 2006 nicht anwesend  gewesen. Sein Bruder habe ihn über die erste Razzia informiert und von 

D­7119/2008 diesem Moment  an  habe  er  sich  versteckt  und  keinen  direkten Kontakt  mehr zu seiner Familie aufgenommen. Bei der Erstbefragung habe er an­ genommen,  dass  sein Pass  bei  der  ersten Razzia  im  Januar  beschlag­ nahmt worden sei. Erst nach Zuweisung in den Kanton E._______ habe  er  von  seiner  Frau  die  genauere  Angabe  erhalten,  dass  Pass  und  Identitätskarte im April 2006 mitgenommen worden seien. Daher habe er  erst an der einlässlichen Anhörung die  richtige Angabe zum Verlust der  Dokumente machen können. Er sei immer davon ausgegangen, dass die  Überfälle auf seine Wohnung das Werk des JITEM gewesen sei. Sichere  Kenntnis  darüber  habe  er  allerdings  nicht  gehabt.  Hinsichtlich  des  Ausreisdatums  bestehe  in  der  Tat  ein Widerspruch.  Er  habe  die  Türkei  am  6.  Mai  2008  (recte:  2006)  verlassen  und  sei  sich  eigentlich  sicher,  dass er  den 15. Mai  nicht  als Ausreisedatum genannt  habe und dieses  Datum  bei  der  Rückübersetzung  ebenfalls  nicht  genannt  worden  sei.  Ausserdem  habe  die  Dolmetscherin  bei  der  Empfangsstelle  Schwierigkeiten  mit  dem  Gehör  gehabt  und  sei  mit  den  politischen  Verhältnissen  nicht  vertraut  gewesen.  Dies  habe  der  Beschwerdeführer  gleich  zu  Beginn  der  einlässlichen  Anhörung  gerügt.  Er  habe  sogar  versucht,  in Englisch auf Fehler hinzu­weisen, was jedoch zu einer noch  grösseren  Verwirrung  geführt  habe.  Auch  habe  er  nie  gesagt,  sich  in  KK._______ versteckt gehalten zu haben, sondern diese Stadt gehöre zu  jenen Orten, wo er sich politisch betätigt habe. Während der eingehenden  Anhörung  habe  er  sodann  die  Gelegenheit  gehabt,  die  Ereignisse  genauer zu schildern und die Umstände betreffend den JITEM seien auch  näher  erfragt  worden.  So  habe  er  auch  die  Möglichkeit  gehabt,  die  Umstände  betreffend  die  Personen,  die  für  die  PKK  Geld  eingetrieben  hätten, darzulegen. Die Erkenntnisse des Beschwerdeführers und seiner  Parteikollegen,  dass  die  Partei  nichts  von  diesen  Sammeltätigkeiten  gewusst  habe,  sei  durch  die  Parteispitze  an  die  Sicherheitskräfte  in  J._______ und die Polizei weitergeleitet worden.  In Zusammenhang mit  jener Anzeige hätten er und seine Ehefrau sich 2005 im Motel II._______  versteckt. Denn als einer derjenigen, der Kontakt mit den Geldeintreibern  gehabt habe, habe er sich bis nach Beendigung der polizeilichen Aktion  versteckt  gehalten. Die Scheidung  im  2004  sei  eine Schutzmassnahme  gewesen.  Denn  im  Jahre  2003  sei  ihm  geraten  worden,  C._______  zu  verlassen,  da  er  unter  Umständen  durch  den  JITEM  gesucht  werde.  Zudem  habe  die  PKK  2004  erklärt,  ihre  fünfjährige  Waffenruhe  zu  beenden, und er habe von da an seine politischen Tätigkeiten intensiviert.  Er  habe das Haus  zunehmend nur  noch nachts  betreten und  verlassen  und sei lediglich für wenige Tage zu Hause geblieben. Letztmals habe er  sich an Silvester  2005/2006 zu Hause aufgehalten. Als er wenige Tage 

D­7119/2008 später  vom  Überfall  erfahren  habe,  sei  er  untergetaucht  und  habe  bis  nach  seiner  Ausreise  keinen  Kontakt  mehr  zur  Familie  gehabt.  Von  AD._______ aus habe er Vorkehrungen treffen wollen, um seine Familie  nochmals  zu  sehen,  davon  sei  ihm  aber  abgeraten  worden.  Mit  der  ganzen  Familie  zu  fliehen,  wäre  zu  riskant  gewesen.  Heute  wisse  er,  dass es vermutlich Möglichkeiten gegeben hätte, zunächst in ein Drittland  zu reisen und die Familie  ins Ausland nachkommen zu  lassen. Über die  konkreten Umstände des zweiten Überfalls  habe er erst  in der Schweiz  erfahren.  Seine  Tochter,  die  zwischenzeitlich  in  der  Schweiz  sei,  habe  diesen  Überfall  miterlebt  und  von  ihr  habe  er  ebenfalls  Einzelheiten  erfahren. Seine Verfolgungssituation sei zudem einer Gesamtbetrachtung  zu  unterziehen.  Die  Schlussfolgerungen  des  BFM,  die  vor  dem  Jahre  2004  erlittenen  Verfolgungsmassnahmen  seien  nicht  relevant,  liessen  sich daher nicht stützen. Sicherlich sei dem BFM bekannt, dass nicht alle  Fahndungsregister  zugänglich  seien.  Dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  Angabe  der  Botschaft  nicht  registriert  sei,  spreche  somit  nicht  gegen  eine  Gefährdung  im  Falle  seiner  Rückkehr  in  die  Türkei.  Was  seine  psychische  Verfassung  anbelange,  sei  auf  das  beiliegende  Arztzeugnis  vom 30. Oktober 2008 zu  verweisen,  aus dem hervorgehe,  dass eine Behandlung in der Türkei nicht durchführbar sei.  Im ärztlichen Bericht der WW._______ vom 30. Oktober 2008 werde be­ stätigt,  dass  der  Beschwerdeführer  an  einer  andauernden  Persönlich­ keitsveränderung  nach  Extrembelastung  (ICD­10:  F62.0)  leide.  Diese  Krankheit  sei  irreversibel  und  chronifiziert.  Die  Therapie  bestehe  aus  stützenden  psychiatrisch­psychotheraupeutischen  Gesprächen,  um  die  schwere Symptomatik und intermettierende Suizidalität zu behandeln. Bei  Behandlungsabbruch  sei  mit  einer  massiven  Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes und einer ernstzunehmenden Suizidalität zu rech­ nen.  Eine  Behandlung  im  Heimatstaat  sei  aufgrund  der  deutlichen  Re­ traumatisierungsgefahr  sowie  aufgrund  der  Tatsache,  dass  der  Beschwer­deführer  der  Volksgruppe  der  armenischen  Kurden  angehöre  und  in  der  Türkei  wohl  keine  Therapeuten  aus  dieser  Volksgruppe  zur  Verfügung stünden, nicht zu verantworten. M.  Mit Verfügung vom 18. November 2008 hiess der zuständige Instruktions­ richter  des Bundesverwaltungsgerichts  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundes­ gesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021) gut,  lehnte das Gesuch um Gewährung der unent­

D­7119/2008 geltlichen  Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  in­ dessen  ab  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  gab  er  dem  BFM  Gelegenheit,  zur  Beschwerde  eine  Ver­ nehmlassung einzureichen. N.  Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 11. Dezember 2008  die Abweisung der Beschwerde und  führte  aus,  die  bestehende Selbst­ mordgefahr des Beschwerdeführers stelle kein Überführungshindernis im  Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) dar. Der Vollzug  der Wegweisung sei zudem als zumutbar zu erachten.  O.  Nach mehrmals  erstreckter  Frist  zur  Einreichung  einer  Replik,  liess  der  Beschwerdeführer  zur  Vernehmlassung  mit  Eingabe  vom  23. Januar  2009  einwenden,  das  BFM  habe  im  bisherigen  Verlauf  des  Verfahrens  nie  Zweifel  daran  geäussert,  dass  der  Beschwerdeführer  Verhaftungen  und  damit  einhergehende  Folterungen  habe  erleiden  müssen.  Die  schwere  Erkrankung  stelle  sich  als  Folge  der  Traumatisierung  und  als  Chroni­fizierung einer Belastungsstörung dar. Die Diagnose sei nicht auf  Ver­dacht  hin  erstellt worden,  sondern  erweise  sich  als  gesichert.  Auch  wenn  der  Beschwerdeführer  Folter  habe  erleben  müssen,  die  im  Ausreise­zeitpunkt  länger  zurückgelegen  habe,  seien  diese  Ereignisse  zusammen  mit  den  später  erlittenen  Nachstellungen  als  Ursache  der  Krankheit  zu  sehen.  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  weitere  Ereignisse  ausgesetzt gewe­sen wäre, die nicht in Zusammenhang mit seiner Flucht  stehen  würden,  würden  nicht  vorliegen.  Die  psychiatrischen  Berichte  seien zudem schlüssig und nachvollziehbar.  P.  Am  24. Februar  2010  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter ein weiteres ärztliches Zeugnis, datierend vom 27. Januar  2010, zwei Bestätigungsschreiben der DTP und ein persönliches Schrei­ ben  des  Beschwerdeführers,  erstellt  am  25. Dezember  2009,  zu  den  Akten reichen.  Im  ärztlichen  Bericht  vom  27. Januar  2010  halten  die  Fachärzte  der  WW._______ fest, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe  sich  verschlechtert.  Am  30. Oktober  2009  habe  er  erklärt,  dass  die  körperliche Position auf dem Kraftgerät die gleiche gewesen sei, wie bei 

D­7119/2008 einer  tagelangen Folter, wo sie  ihm auf die Füsse geschlagen, und  ihm  gedroht hätten,  ihn  in den nahestehenden Ofen zu werfen. Ein weiterer  Krisenauslöser habe sich dadurch ergeben, dass die ehemalige Ehefrau  seit der Ausreise des Beschwerdeführers wiederholt  festgenommen und  nach seinem Aufenthaltsort befragt worden sei. Am 26. November 2009  habe er zudem geschildert, dass seine ehemalige Ehefrau die Beziehung  zu  ihm  beendet  und  die  beiden minderjährigen  Söhne  verlassen  habe.  Der Beschwerdeführer sei deshalb  in der Sitzung akut suizidal gewesen  und habe  zeitweise  geistig  abwesend gewirkt. Sein Denken und Reden  seien blockiert gewesen. Vom 26. November 2009 bis am 30. November  2009 sei er psychiatrisch hospitalisiert worden. Das unerträgliche Warten  auf  den  Asylentscheid  und  die  Sorge  um  die  beiden  minderjährigen  Kinder  führe  immer  wieder  zu  suizidalen  Krisen.  Er  leide  nach  wie  vor  deutlich  unter  einer  andauernden  Persönlichkeitsveränderung  nach  Extrembelastung  mit  dissoziativen  Zuständen  und  einer  mittelgradigen  depressiven  Episode.  Die  depressive  Symptomatik  und  damit  einhergehende  intermittierende Suizidalität habe sich verschlechtert. Die  Suizidgefährdung werde als hoch eingeschätzt. Es werde daher um eine  rasche Entscheidfindung ersucht.  Mit Schreiben vom 6. Oktober 2008 führen der Präsident und weitere Mit­ glieder der DTP des (…) XX._______ aus, der Beschwerdeführer sei ein  Gründungsmitglied gewesen und habe sich aktiv für die DTP betätigt. Er  habe zudem bei der HEP, DEP, HADEP und DEHAP leitende Funktionen  inne  gehabt  und  sei  deswegen  politisch  verfolgt  worden.  Er  und  seine  Familie  seien  in  der  Türkei  Razzien  ausgesetzt  und  physisch  und  psychisch  gefoltert  worden.  Seine  Frau  und  seine  Kinder  würden  wei­ terhin  für die DTP  tätig sein. Ein weiteres, allerdings undatiertes Schrei­ ben  der  gleichen  Stelle  bestätigt  sodann,  dass  der  Beschwerdeführer,  sei­ne ehemalige Ehefrau und die Kinder KK._______, LL._______ und  NN._______ Mitglieder der DTP seien. Beide Schreiben seien im Übrigen  auf Wunsch der Ehefrau ausgestellt worden.  In seinem persönlichen Schreiben vom 25. Dezember 2009 bekräftigt der  Beschwerdeführer  sodann,  er  sei  in  der  Türkei  politisch  aktiv  und  Verwaltungsmitglied der HEP, DEP, ÖZDEP, HADEP und DTP gewesen.  Ergänzend  führt er aus, seine ehemalige Frau und seine Kinder würden  in der Türkei  nach wie  vor  durch Razzien  schikaniert,  bedroht  und  vom  Sicherheitsdienst interniert. Seine ehemalige Frau sei durch die Situation  psychisch derart stark belastet, dass sie ihre Kinder an Verwandte abge­ geben habe. Dies mache ihn noch verzweifelter. 

D­7119/2008 Q.  Am 10. November 2010 heiratete der Beschwerdeführer eine Schweizer  Bürgerin. R.  Auf Anfrage des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. November 2010 er­ klärte  der  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  3.  und  15. Dezember  2010, dass er ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ein­ gereicht  habe.  Im  Wegweisungspunkt  werde  das  Verfahren  seines  Erachtens  gegenstandslos.  Im  Asylpunkt  halte  er  an  der  Beschwerde  fest.  S.  Gemäss Abklärungen des Bundesverwaltungsgerichts  ist der Beschwer­ deführer zwischenzeitlich im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung B.  T.  Am 16. Juni 2011 erteilte der zuständige Instruktionsrichter des Bundes­ verwaltungsgerichts  dem  Beschwerdeführer  Gelegenheit,  sich  zu  den  genauen Umständen zu äussern, die zum Erhalt der von ihm im Rahmen  des Ehevorbereitungsverfahrens eingereichten Identitätskarte, ausgestellt  am 28. August 2010 in Kayip, geführt hätten.  U.  Der  Beschwerdeführer  antwortete  mit  Eingabe  seines  Rechtsanwaltes  vom 1. Juli 2011, er habe seinem Bruder eine beglaubigte Vollmacht und  Fotografien  zugesandt,  damit  dieser  für  ihn  in  C._______  eine  Identitätskarte hätte ausstellen  lassen. Allerdings sei dies nicht machbar  gewesen. Schliesslich habe der erwachsene, in J._______ lebende Sohn,  KK._______,  einen  Anwalt  bezahlt,  der  über  die  nötigen  Beziehungen  verfügt habe. Dieser sei gegen eine Bezahlung von 2'500 US­Dollar mit  dem Sohn des Beschwerdeführers zum zuständigen Amt in XX._______,  einem Landkreis in J._______, gegangen und habe dort den Nüfus gegen  Entrichtung der normalen Gebühr erhalten. Anschliessend habe er diesen  an den Vater mittels  eines Logistikunternehmens weitergeleitet. Ob und  welche Vorkehrungen der Anwalt zwecks Erhalts des Nüfus habe treffen  müssen,  entziehe  sich  seiner  Kenntnis.  Die  Ausstellung  des  Nüfus  sei  somit  möglich  gewesen,  ohne  dass  der  Beschwerdeführer  persönlich  Kontakt mit seinem Herkunftsstaat habe aufnehmen müssen. 

D­7119/2008 V.  Am  3. November  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  eine  Kostennote  zu  den Akten.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden nach Art. 33 VGG und  ist daher eine Vorinstanz des Bundes­ verwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend  – endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Än­ derung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde  ist einzutreten.  1.3.  Dem  Beschwerdeführer  wurde  während  hängigem  Beschwerde­ verfahren  aufgrund  seiner  zwischenzeitlich  erfolgten  Heirat  mit  einer  Schweizer Bürgerin durch die zuständige kantonale Behörde eine Aufent­ haltsbewilligung  erteilt.  Die  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  verfügte  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  der  darin  angeordnete  Vollzug  der Wegweisung  (Ziffern  3  bis  5  des Dispositivs  der Verfügung  vom  7. Oktober  2008)  sind  infolgedessen  als  dahin  gefallen  zu  be­ trachten,  da  diese  gegenüber  dem  neu  erteilten  Aufenthaltstitel  keinen  Bestand  haben  können  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21  E. 11c  S. 178, EMARK 2000 Nr. 30 E. 4 S. 251). Die Beschwerde  ist  demnach  zufolge nachträglichem Wegfall des Anfechtungsgegenstandes und damit 

D­7119/2008 des  Rechtsschutzinteresses  als  gegenstandslos  geworden  abzuschrei­ ben, soweit darin beantragt wird, es sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs  der Wegweisung festzustellen und das BFM anzuweisen, den Beschwer­ deführer vorläufig aufzunehmen.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund­ sätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn sie  in  ihrem Heimatstaat oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  grundsätzlich  dann,  wenn  sie  genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen  sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten  nicht wider­sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person  persönlich  glaubwürdig  er­scheinen,  was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn sie ihre Vor­bringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am Ver­fahren  zeigt  oder  die  nötige Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  –  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers.  Entscheidend  ist, ob  im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe,  die  für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden 

D­7119/2008 sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise abzustellen (EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 3.3.  In tatsächlicher Hinsicht  ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer  seit  Beginn  der  80­er  Jahre  bis  im  Jahre  2003  wiederholt  Verfolgungs­ massnahmen  der  türkischen  Behörden  ausgesetzt  war.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht  besteht  ebenfalls  kein  Anlass,  an  den  dies­ bezüglichen Aussagen des Beschwerdeführers zu zweifeln. Aufgrund der  übereinstimmenden,  detaillierten,  mit  Realkennzeichen  versehenen  und  teils mit  Beweismitteln  belegten  Angaben  steht  damit  fest,  dass  er  auf­ grund  seiner  politischen  Gesinnung  und  Tätigkeiten  bis  und  mit  dem  Jahre  2003  in  der  Türkei  wiederholt  gezielten  staatlichen  Festnahmen  und damit einhergehenden Misshandlungen ausgesetzt gewesen war.  3.4. Das BFM stellt sich  jedoch auf den Standpunkt, die vom Beschwer­ deführer geschilderten Ereignisse die sich danach bis zu seiner Ausreise  im  Mai  2006  abgespielt  haben  sollen,  seien  als  nicht  glaubhaft  zu  er­ achten. Die vorausgehenden Verfolgungsmassnahmen seitens der  türki­ schen Behörden bis  im Jahre 2003 würden daher zu weit  zurück  liegen  respektive könnten nicht mehr als Anlass  für die  im Jahre 2006 erfolgte  Flucht des Beschwerdeführers aus der Türkei gewertet werden. Ob sich  diese  Einschätzung  als  zutreffend  erweist,  lässt  sich  indes,  wie  nach­ stehend  aufgezeigt,  nicht  abschliessend  beurteilen,  da  es  für  die  Vor­ nahme  einer  umfassenden  Glaubhaftigkeitsprüfung  im  umschriebenen  Sinne  an  der  Erhebung  wesentlicher  Sachverhaltselemente  durch  das  BFM mangelt.  3.5. Wie  im Verwaltungsverfahren  allgemein,  gilt  auch  im Asylverfahren  der  Untersuchungsgrundsatz  und  die  Pflicht  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art. 6  AsylG  i.V.m. Art. 12 VwVG). Das BFM hat die  für das Verfahren erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  zu  beschaffen,  die  relevanten  Umstände  ab­ zuklären und darüber ordnungsgemäss Beweis zu führen. Gemäss Art. 8  AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht und unter  dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und  Art. 29 Abs. 2 BV das Recht, an der Feststellung des Sachverhalts mitzu­ wirken (vgl. (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 und E. 10.2.2 S. 734 f., BVGE  2008/24 E. 7.2  S. 356 f.)  Ferner  verlangt  der Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG), dass die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des  Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig und ernsthaft prüft und  in der Entscheidfindung berücksichtigt, 

D­7119/2008 was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss  (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Für das Asylverfahren wird der Anspruch auf  rechtliches Gehör  in  Art. 29  AsylG,  der  vorschreibt,  dass  Asylsuchende  zu  den  Asylgründen  mündlich  anzuhören  sind,  näher  konkretisiert.  Die  An­hörung soll Gewähr bieten, dass die asylsuchende Person  ihre Asyl­ gründe vollständig darlegen kann und diese von der Asylbehörde korrekt  erfasst werden, wobei die mündliche Befragung insbesondere auch dazu  dient, gezielte Rückfragen zur Erhebung des Sachverhalts zu stellen und  Missverständnisse zu klären (BVGE 2007/30 E. 5.5.1 und 5.5.2 S. 365 f.;  WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt a.M.1990,  S. 256 f.). 3.6. Das  BFM weist  in  der  angefochtenen  Verfügung  einerseits  auf  die  vom Beschwerdeführer unterschiedlich angegebenen Ausreisedaten und  Orte,  an  denen  er  sich  kurz  vor  seiner Ausreise  aufgehalten  habe,  hin.  Aus  den  Protokollen  ergibt  sich,  dass  diesbezüglich  tatsächlich  unter­ schiedliche Angaben des Beschwerdeführers bestehen. Im EVZ­Protokoll  wird als Ausreisedatum der 15. Mai 2006 aufgeführt, während bei der ein­ lässlichen Anhörung der 6. Mai 2006 als Zeitpunkt der Ausreise genannt  wird (vgl. act. A1/10 S. 8, act. A17/31 S. 12, 14). Es kann jedoch – wie in  der Beschwerde zu Recht eingewendet wird – nicht ausgeschlossen wer­ den, dass diese unterschiedlich protokollierten Daten auf Übersetzungs­ fehler zurückzuführen sind. So wies der Beschwerdeführer das BFM be­ reits  am  Tag  nach  der  Erstbefragung  schriftlich  auf  mögliche  Miss­ verständnisse hin, da die Befragung auf Türkisch und nicht auf Kurdisch –  seiner  Muttersprache  –  durchgeführt  worden  sei  (vgl.  act.  A12/1).  Zu  Beginn der Anhörung bemerkte er zudem, es habe bei der Erstbefragung  möglicherweise Übersetzungsfehler gegeben und er sei nicht wie im ent­ sprechenden Protokoll  der EVZ vermerkt  (vgl.  act. A1/10 S. 1),  am  (...),  sondern  am  (...)  geboren.  Zugleich wies  er  darauf  hin,  dass  er  nicht  in  MM._______  und  NN._______  tätig  gewesen  sei;  er  habe  bei  der  Summarbefragung vielmehr erklärt, dort seien am intensivsten Leute von  Unbekannten  umgebracht  worden  (vgl.  act.  A17/31  S. 2).  Auf  Übersetzungsfehler und damit verbundene unsorgfältige Protokollführung  im EVZ deutet auch die Tatsache hin, dass der vom Beschwerdeführer im  Rahmen der einlässlichen Anhörung erwähnte 6. Mai 2006 – wie von ihm  hervorgehoben  –  tatsächlich  ein  Samstag  war  (vgl.  act.  A17/31  S. 12),  während  der  im  EVZ  protokollierte  15. Mai  2006  ein  Montag  gewesen  wäre.  Zudem  fällt  auf,  dass  im EVZ  als  Einreisedatum  der  15. Mai  des  Jahres 2005 vermerkt wird (vgl. act. A1/10 S. 8), was angesichts des vom  Beschwerdeführer  angegebenen  Ausreisejahres  2006  und  dessen  Ein­

D­7119/2008 reise  in  die  Schweiz  im  selben  Jahr  nicht  zutreffen  kann.  Vor  diesem  Hintergrund ist nicht abwegig, dass die Aussage des Beschwerdeführers  im  EVZ,  er  habe  J._______  im  Januar  2006  verlassen  und  sich  nach  KK._______  begeben  und  dort  mehrere  Monate  aufgehalten  (vgl.  act.  A1/10  S. 2)  ebenfalls  ungenau  protokolliert  worden  ist.  Auf  die  unterschiedlich  genannten Aufenthaltsorte  vor  seiner Ausreise wurde  er  im Übrigen –  im Gegensatz zu den nicht kongruierenden Ausreisedaten  (vgl.  act.  A17/31  S. 14)  –  im Rahmen  der  einlässlichen Anhörung  nicht  angesprochen,  was  rückblickend  betrachtet  jedoch  mit  Blick  auf  die  richtige  Erfassung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  auch  hinsichtlich  der  Aufenthaltsorte  aufgedrängt  hätte. Was  das  vom Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  zweiten  Anhörung  genannte  Geburtsdatum,  der  (...),  anbelangt, ist zudem festzuhalten, dass dieses sowohl mit jenem auf dem  Personalienblatt  (vgl. act. A3/2 S. 1 und 2) als auch mit  jenen Angaben  auf  dem  Familienregisterauszug,  der  in  Farbkopie  beim  BFM  eingereichten  Versicherungskarte  und  der  Wohnsitzbestätigung  übereinstimmt,  und  schliesslich  auch  jenem  Datum  entspricht,  das  auf  dem  Nüfus,  den  der  Beschwerdeführer  anlässlich  des  in  der  Schweiz  durchgeführten  Eheschliessungsverfahrens  eingereicht  hat,  eingetragen  ist. Es ist deshalb nicht ersichtlich, weshalb das BFM im Rubrum den (...)  und nicht den  (...) als Geburtsdatum des Beschwerdeführers nennt  (vgl.  act.  A44/7  S. 1).  Es  bestehen  mithin  gewichtige  Indizien,  die  darauf  hindeuten,  dass  die  vom  BFM  erwähnten  Ungereimtheiten  auf  eine  unsorgfältige  Protokollführung  oder  Übersetzungsschwierigkeiten  zurückführen sind, weshalb nicht davon ausgegangen werden kann, der  Sachverhalt sei in diesen Punkten korrekt erstellt.  3.7.  Dem  Anhörungsprotokoll  der  einlässlichen  Anhörung  lässt  sich  im  Weiteren  entnehmen,  dass  dem  Beschwerdeführer  aufgrund  seines  schwer  angeschlagenen  psychischen  Zustandes  und  seiner  damit  ver­ bundenen  wiederkehrenden  emotionalen  Ausbrüche  Pausen  gewährt  werden mussten (vgl. act. A17/31 S. 5, S. 18, S. 31). Der Befrager stellte  nach Beginn der eingehenden freien Darstellung des Beschwerdeführers  hinsichtlich  seiner  politischen  Tätigkeiten  und  den  damit  verbundenen  Festnahmen und Misshandlungen  fest, er sehe, dass es den Beschwer­ deführer stark belaste, von dieser Zeit zu sprechen, und wies  ihn darauf  hin, dass er mit Bezug auf die Ereignisse, die letztlich zur Ausreise führ­ ten, über das berichten solle, was er sich zumuten könne, und erwähnen  solle, wenn er über etwas nicht vertieft sprechen könne (vgl. act. A17/31  S. 19).  Anschliessend  folgte  eine  Beschreibung  des  Beschwerdeführers  darüber, wie er und andere Parteileute 2005 erpresst worden seien (vgl. 

D­7119/2008 act.  A17/31  S. 20).  Nach  diesen  Ausführungen  sowie  der  zusätzlichen  Anmerkung des Beschwerdeführers, er und seine Familie seien dauernd  durch den JITEM bedroht worden (vgl. act. A17/31 S. 21), bemerkte der  Befrager,  sie würden, wenn sie mehr erfahren wollten, nochmals darauf  zurückkommen  (vgl.  act.  A17/31  S. 21).  Explizite  Fragen  bezüglich  der  geltend  gemachten Erpressungsversuche  durch  einen Angehörigen  des  JITEM  im  Jahre  2005  folgten  indes  nachträglich  ebenso  wenig  wie  konkrete  ergänzende  Fragen  zu  den  erwähnten  ständigen  Drohungen  durch  den  JITEM  in  den  Jahren  2005/2006. Die  Feststellung  des BFM,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  hinsichtlich  der  von  ihm  geltend  ge­ machten Bedrohungen durch den JITEM  in unsubstanziierten Aussagen  verloren,  ist  unter  diesem  Umständen  kein  stichhaltiges,  gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  sprechendes  Argument. Dies auch deshalb nicht, weil der Beschwerdeführer  in seiner  weitgehend  freien  und  ausführlichen  Erzählung  die  Eintreibung  von  Parteigeldern  im  Jahre  2005  durchaus  anschaulich  zu  schildern  ver­ mochte  (vgl. act. A17/31 S. 19 f.). Seine diesbezüglichen Angaben stim­ men zudem mit Vorkommnissen überein, die sich in der Türkei tatsächlich  zugetragen  haben.  Insbesondere  sind  nach  Kenntnis  des  Gerichts  die  vom  Beschwerdeführer  genannten  Personen  (vgl.  act.  A17/31  S. 20)  FF._______, GG._______ des JITEM tatsächlich wegen versuchter Geld­ erpressung  vom  DEHAP­(…)  DD._______  (anfangs  Mai  2005)  auf  frischer  Tat  ertappt  und  festgenommen,  allerdings  kurz  danach  wieder  freigelassen  worden.  Dass  der  Beschwerdeführer  –  wie  DD._______ –  Gelderpressungen seitens des JITEM ausgesetzt gewesen sein und bei  deren  Anzeige  an  die  Polizei  eine  –  wenn  auch  nicht  offizielle  –  Rolle  gespielt  haben  könnte,  erscheint  angesichts  der  durch  das  BFM  nicht  bestrittenen  politischen  Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers  in  prokurdischen,  regimekritischen  Parteien  daher  nicht  von  vornherein  abwegig.  Dem  BFM  ist  zwar  beizupflichten,  dass  angesichts  der  in  diesem  Zusammenhang  geltend  gemachten  Bedrohungslage  nicht  einzuleuchten vermag, dass der Beschwerdeführer sich nach der Flucht  lediglich  zwei  Wochen  lang  in  einem  Motel  in  II._______  aufgehalten  habe  und  danach  wieder  nach  Hause  zurückgekehrt  sein  soll.  Zudem  erweisen sich auch die Angaben des Beschwerdeführers, wonach diese  Bedrohungen  mit  der  Erpressung  von  BB._______  Ende  März  2005  angefangen,  er  sich  daher  zusammen  mit  seiner  Frau  in  ein  Motel  in  II._______  begeben  habe  und  dort  habe  bleiben müssen  respektive,  er  sei  nach  dem  Tod  seines  Freundes HH._______  im  August/September  2005 zusammen mit seiner Frau in ein Motel in II._______ gegangen (vgl.  act. A17/31 S. 19 f.), insoweit als zumindest vordergründig unstimmig, als 

D­7119/2008 (nach  Kenntnis  des  Gerichts)  FF._______,  GG._______  und  weitere  Personen bereits im Mai 2005 ertappt wurden. Aufgrund der Aktenlage ist  aber  eine  abschliessende  Beurteilung  der  diesbezüglichen  Vorbringen  unter  dem  Aspekt  der  Glaubhaftigkeit  nicht  möglich,  da  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  einlässlichen  Anhörung  keine  Fragen  über die genauen Umstände, den konkreten Zeitpunkt und die Gründe für  die  kurze  Dauer  des  Motel­Aufenthalts  gestellt  wurden  und  auch  keine  ergänzenden  Fragen  zur  Person  von  BB._______  (dessen  Name  angeblich bloss ein Codename gewesen sein soll), zum konkreten Inhalt  der  vom Beschwerdeführer  in  diesem  Zusammenhang  erwähnten  Tele­ fongespräche,  zu  allfälligen  dem  Beschwerdeführer  angedrohte  Konse­ quenzen oder etwa zu seiner konkreten Rolle hinsichtlich der Anzeige an  die  Sicherheitsdirektion  in  Instanbul  und  seiner  Beziehung  zu  DD._______.  Wenn  auch  aufgrund  des  erwähnten  angeschlagenen  Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  solche  und  weitere  Fragestellungen  im  Rahmen  der  Anhörung  vom  20. März  2007  kaum  möglich  gewesen  sein  dürften  (vgl.  dazu  auch  act.  A17/31 S. 31), wäre  das BFM dennoch gehalten gewesen, diesen Fragen nachzugehen und  dazu allen­falls weitere Abklärungen, etwa  in Form einer Anfrage an die  Schweizerische  Botschaft,  vorzunehmen,  zumal  die  Botschaftsanfrage  des  BFM  vom  8. Juni  2007  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  ge­ machten Erpressungsversuche gänzlich unerwähnt lässt (vgl. act A23/4).  Der  wesentliche  Sachverhalt  ist mithin  auch  in  diesem  Zusammenhang  nicht vollständig erstellt.  3.8.  Dasselbe  gilt  auch  mit  Bezug  auf  die  vom  Beschwerdeführer  an­ geblich  durchgeführten  Razzien  durch  den  JITEM  im  Jahre  2006.  Dem  BFM ist zwar darin beizupflichten, dass der Beschwerdeführer anlässlich  der summarischen Befragung den Verlust seiner Ausweispapiere mit der  Razzia des JITEM vom 3. Januar 2006 begründete (vgl. act. A1/10 S. 4),  während  er  an  der  einlässlichen  Anhörung  erklärte,  sein  Pass  sei  am  16./17. April 2006 beschlagnahmt worden (vgl. act. A17/31 S. 5 und 27).  Zudem  erklärte  er  einerseits,  der  Pass  sei  bei  seinem Bruder  gewesen  (vgl. act. A17/31 S. 27), und antwortete auf die Frage, wo der Nüfus ge­ blieben  sei,  er  glaube,  sie  hätten  beides  zusammen  Ende  2005  be­ schlagnahmt  (vgl.  act.  A17/31  S. 6).  Auch  gab  er  in  diesem  Zusam­ menhang später zu Protokoll, der Nüfus sei  im April zusammen mit dem  Pass beschlagnahmt worden (vgl. act. A17/31 S. 27). Aus diesen Unge­ reimtheiten lässt sich aber nicht ohne weiteres darauf schliessen, die vom  Beschwerdeführer  erwähnten  Razzien  respektive  Behelligungen  seiner  Familie  durch Sicherheitskräfte  im  Jahre  2006  seien mit  überwiegender 

D­7119/2008 Wahrscheinlichkeit als nicht glaubhaft zu erachten. Immerhin erwähnte er  bereits  im Rahmen der Kurzbefragung die Razzia vom Januar 2006 und  erklärte, er habe von seiner Frau telefonisch erfahren, dass im April 2006  Personen  des  JITEM  in  seiner  Abwesenheit  drei  Tage  lang  ihr  Haus  durchwühlt,  seine  damalige  Ehefrau  ausgezogen  und  sie  nach  seinem  Aufenthaltsort  gefragt  hätten  (vgl.  act.  A1/10  S. 4  und  7).  Eine  umfas­ sende  Glaubhaftigkeitsprüfung  erscheint  allerdings  auch  hier  mangels  spezifischer Fragen des BFM zur allfälligen Klarstellung erwähnter unter­ schiedlicher  Äusserungen  nicht  möglich.  Angesichts  der  vorliegend  im  asylspezifischen Kontext gewichtigen Frage nach einer  im Zeitpunkt der  Ausreise vorhandenen Verfolgung erstaunt zudem, dass sich der Anfrage  an die Schweizerische Botschaft  in Ankara keinerlei konkrete Fragen zu  den  vom  Beschwerdeführer  im  Jahre  2006  aufgeführten  Razzien  res­ pektive Behelligungen  seiner Familie  entnommen werden  können;  statt­ dessen  wird  in  der  Anfrage  lediglich  in  pauschaler  Weise  von  "Schwierigkeiten mit dem JITEM" gesprochen (vgl. act. A23/4).  3.9. Zur  Klärung  der  Frage,  ob  glaubhaft  ist,  dass  die  Familie  des  Be­ schwerdeführers im Jahre 2006 Razzien ausgesetzt gewesen sei und die  ehemalige  Ehefrau  in  diesem  Zusammenhang  sexuell  belästigt  worden  sei,  wäre  zugleich  auch  auf  die  Aussagen  der  Tochter  des  Beschwer­ deführers,  NN._______,  zurückzugreifen  und  diese  gegebenenfalls  zusätzlichen Fragen zu unterziehen. Den Verfahrensakten der Tochter N  (...)  ist  nämlich  zu  entnehmen,  dass  diese  kurz  vor  Erlass  der  ange­ fochtenen Verfügung  in die Schweiz einreiste und am 15. Oktober 2008  ein  Asylgesuch  stellte,  über  welches  das  BFM  derzeit  noch  nicht  ent­ schieden  hat.  Die  Tochter  bestätigte  nämlich  in  der  Befragung  vom  21. Oktober  2008,  dass  die  Familie  von  den  Behörden  wie  auch  den  türkischen Nationalisten  beschattet  und  bedroht  werde,  ihre Mutter  und  ihr Vater gefoltert worden, sie ständigen Druckausübungen durch die Be­ hörden  ausgesetzt  gewesen  seien,  ihr  Vater  gesucht  worden  sei  und  Hausrazzien  stattgefunden  hätten  (vgl.  N  [...]  act.  A1/9  S. 5 f.).  Einige  Tage  nach  Silvester  2006  sowie  ungefähr  Mitte  April  2006  –  so  die  allgemein  gehaltenen  Aussagen  der  Tochter  im  Rahmen  der  einlässlichen  Anhörung  vom  7. April  2010  –  hätten  Hausrazzien  stattgefunden,  bei  denen  körperliche  Gewalt  angewandt  worden  sei.  Polizisten  hätten  ihr  Haus  durchsucht,  nach  ihrem  Vater  und  seinen  Freunden gefragt und sie hätten sämtliche Papiere und Bücher von  ihm  durchwühlt (vgl. N [...] act. A14/18 S. 13). Im Weiteren gab die Tochter zu  Protokoll,  man  habe  ihre  Mutter  in  ein  anderes  Zimmer  gebracht  und  während  sie  im  Zimmer  nebenan  gewesen  sei,  habe  man  ihre  Mutter 

D­7119/2008 heftig  geschlagen.  Ihre Mutter  habe geweint  und geschrien. Dann habe  man  ihre  Mutter  zurück  ins  Zimmer  gebracht.  Ihre  Mutter  sei  zerstört  gewesen. Diese  sei  vergewaltigt worden  (vgl. N  [...]  act.  A14/18 S. 15).  Die näheren Umstände dieser Ereignisse bleiben jedoch im Dunkeln. So  ist  nicht  bekannt,  in  welchem  konkreten  Zeitraum  sich  der  sexuelle  Übergriff  auf  die  Mutter  ereignet  haben  soll,  ob  dieser  im  Rahmen  der  erwähnten  Razzien  stattgefunden  hat  und  ob  die  Mutter  gegen  die  Übergriffe  Anzeige  erstattet  hat.  Da  die  Anhörung  nach  einer  kurzen  Unterbrechung  wegen  der  emotional  aufgewühlten  Tochter  nicht  fortgesetzt  werden  konnte,  bleibt  aufgrund  der  Akten  auch  unklar,  welchen  Zusammenhang  diese  Ereignisse  konkret  mit  der  Person  des  Beschwerdeführers allenfalls aufweisen.  3.10.  Die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  psychischen  Be­ schwerden  respektive  die  in  diesem  Zusammenhang  ärztlich  gestellten  Diagnosen zieht das BFM  in der angefochtenen Verfügung nicht explizit  in  Zweifel.  Auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht  steht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer gemäss den ärztlichen Gutachten an einer an­dauern­ den  Persönlichkeitsveränderung  nach  Extrembelastung  (ICD­10:  F62.0)  leidet, welche zudem irreversibel und chronifiziert ist. Hinzu kommt, dass  beim  Beschwerdeführer  offenbar  eine  Suizidalität  behandelt  wurde.  Ob  diese noch aktuell ist und in welcher genauen medizinischen Verfassung  sich der Beschwerdeführer heute befindet, wird allenfalls Sache weiterer  Abklärungen  durch  das  BFM  sein.  Fest  steht  jedoch,  dass  das  BFM  in  seiner  Würdigung  der  Glaubhaftigkeit  der  Fluchtvorbringen  des  Be­ schwerdeführers dessen schweren psychischen Leiden keine Beachtung  schenkt, sondern diese einzig bei der Prüfung der Zumutbarkeit des Voll­ zuges der Wegweisung berücksichtigt.  In der Vernehmlassung  führt das  BFM  an,  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  seien  im  ärztlichen  Gutachten  vom 30. Oktober  2008  ungeprüft  übernommen worden, wes­ halb  sie  in  Bezug  auf  die  Aussagekraft  zu  den  Gründen  der  Trauma­ tisierung relativiert werden müssten. Damit lässt das BFM allerdings – wie  in  der  Beschwerde  zu  Recht  gerügt  –  ausser  Acht,  dass  einer  von  fachlich  qualifizierter  Seite  festgestellten  Traumatisierung  im  Rahmen  einer  Glaubhaftigkeitsprüfung  unter  Umständen  ebenfalls  Rechnung  zu  tragen  ist  (vgl.  zum Ganzen BVGE 2007/31 E. 5.1 S. 376  ff.). Das BFM  wird sich daher bei seiner Neubeurteilung auch damit auseinandersetzen  müssen,  ob  allfällige  Differenzen  in  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers auf des­sen Krankheit zurückgeführt werden könnten. 

D­7119/2008 3.11. Das BFM  vertritt  in  der  angefochtenen Verfügung  vom 7. Oktober  2008  die  Ansicht,  die  Verurteilung  des  Beschwerdeführers  vom  25. Mai  2006  durch  die  (…)  in  J._______  wegen  Widerstandes  gegen  die  Ordnungskräfte  und  Widerhandlung  gegen  das  Gesetz  über  die  Versammlungen und Demonstrationen zu eineinhalb Jahren Haft bedingt  (vgl.  act.  A24/10  S. 9)  sei  nicht  asylrelevant  respektive  vermöge  keine  Zwangssituation  im  flüchtlingsrechtlichen  Sinne  zu  begründen.  Damit  lässt  es  jedoch  unberücksichtigt,  dass  die  Sache  bereits  am  29. September  2006  an  den  (…)  überwiesen  und  diese  somit  allenfalls  bereits im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung entschieden worden sein  könnte.  Diesbezüglich  liegen  allerdings  keinerlei  Unterlagen  oder  Informationen  vor. Damit  bleibt  der Grund  des Weiterzugs  des Urteils –  welches  im  Übrigen  lediglich  in  türkischer  Sprache  vorliegt  –  und  der  aktuelle  Verfahrensstand  offen.  Dem  (…)verfahren  kann  jedoch  in  flüchtlingsrechtlicher Hinsicht sehr wohl Bedeutung zukommen. Das BFM  wird  daher  nicht  umhin  kommen,  vor  seiner  Neubeurteilung  ent­ sprechende  Erkundigungen  zu  tätigen.  Sollte  sich  dabei  ergeben,  dass  das Verfahren nach wie vor hängig ist, würde insbesondere interessieren,  ob nach türkischem Recht die Möglichkeit bestünde, dass der Beschwer­ deführer strenger verurteilt werden und allenfalls die ursprünglich bedingt  ausgesprochene Strafe noch vollzogen werden könnte. Sollte das Straf­ verfahren zwischenzeitlich abgeschlossen worden sein, dürfte zudem zu  klären sein, ob der Beschwerdeführer  in der Folge nunmehr als politisch  unbequeme Person in einer Datei registriert worden sein könnte.  4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  im  EVZ  aufgrund  von  Über­ setzungsproblemen  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  offenbar  zu­ mindest  teilweise  ungenau  protokolliert  wurden.  Insbesondere  erscheint  aber  eine  umfassende  Überprüfung  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  mangels  Konfrontation  hinsichtlich  bestimmter  Ungereimtheiten  in  seinen  Aussagen  und  damit  verbundener  konkreter  ergänzender  Fragen  betreffend  den  geltend  gemachten  Erpressungs­ versuch  und  der  darauf  angeblich  folgenden  Razzien  respektive  Be­ drohungen  im  Jahre  2006  nicht möglich,  zumal  das BFM diesbezüglich  keine weiteren Abklärungen getroffen hat. Das BFM hat es zudem unter­ lassen, sich Klarheit über den Stand beziehungsweise den Ausgang des  in  der  Türkei  im  Oktober  2007  hängig  gewesenen  (…)verfahrens  betreffend  den  Beschwerdeführer  zu  verschaffen.  Der  rechtserhebliche  Sachverhalt ist somit nicht vollständig erstellt. Die Verfügung weist daher  schwer­wiegende  Mängel  auf,  für  deren  Heilung  im  Rahmen  des  vor­

D­7119/2008 liegenden Beschwerdeverfahrens kein Raum besteht. Die Beschwerde ist  deshalb  gutzuheissen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben  ist,  die  Verfügung  vom  7. Oktober  2008  ist  aufzuheben  und die Sache  ist  im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das  Bundesamt zurückzuweisen.  5.  5.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  5.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  (Art.  7  Abs.  1  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Der  darin  ausgewiesene Aufwand von 24,5 Stunden à Fr. 250.– und die Auslagen  von  Fr. 90.45.–  erscheinen  angemessen.  Das  BFM  ist  folglich  an­ zuweisen,  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundes­ verwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 6'712.20  (inkl.  Mehrwertsteuer) auszurichten. 

D­7119/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit sie nicht als gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2. Die Verfügung des BFM vom 7. Oktober 2008 wird, soweit diese nicht ge­ genstandslos  geworden  ist,  aufgehoben  und  die  Sache  zur  Neubeur­ teilung an das BFM zurückgewiesen.  3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  4. Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 6'712.70 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.  5. Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zu­ ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand:

D-7119/2008 — Bundesverwaltungsgericht 16.11.2011 D-7119/2008 — Swissrulings