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Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 D-6777/2009

15. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,268 Wörter·~6 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. September 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6777/2009 Urteil   v om   1 5 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;    Gerichtsschreiberin Nina Hadorn. Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien,   vertreten durch lic. iur. LL.M. Susanne Sadri, Asylhilfe Bern,  B._______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 28. September 2009 / N (…).

D­6777/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer  Äthiopien  eigenen  Angaben  zufolge  am  10. Februar  2008  auf  dem  Landweg  verliess  und  über  C._______,  D._______ und E._______ am 12. Juni 2008 in die Schweiz einreiste, wo  er gleichentags  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) F._______  um Asyl nachsuchte, dass er anlässlich der summarischen Befragung im EVZ F._______ vom  26. Juni  2008  und  der  direkten Anhörung  durch  das BFM vom 15.  Juni  2009  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  sei  als  Sohn  eines  Eritreers  und  einer  Äthiopierin  in  G._______  (heute  Staatsgebiet  von  Eritrea)  geboren  und  im  Alter  von  zwei  Jahren nach dem Tod seines Vaters mit  seiner Mutter nach Addis  Abeba (Äthiopien) gezogen, dass  er  fortan  zwar  in  Äthiopien  gelebt  habe,  er  sei  aber  dennoch  eritreischer Staatsangehörigkeit, dass  sein  Vater  ein  ehemaliger  Soldat  des  Koordinationskomitees  der  Streitkräfte, Polizei und Territorialarmee (DERG) und Gegner der Eritrean  People's Liberation Front (EPLF/Shabia) gewesen sei, dass seine Mutter im Jahre 2007 infolge Krankheit verstorben sei und er  einen  Monat  danach  eine  Vorladung  der  Behörden  der  Kebele  (Verwaltungsbezirk) erhalten habe, dass er sich  infolge bei den Behörden gemeldet habe, woraufhin er der  Spionage für die EPLF/Shabia beschuldigt, beziehungsweise aufgefordert  worden  sei,  das  von  der  Verwaltung  zur  Verfügung  gestellte  Haus  und  das Land zu verlassen, dass der Beschwerdeführer ungefähr 15 Tage später mit Hilfe  seiner  in  Addis Abeba wohnhaften Tante aus Äthiopien ausgereist sei, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom 28. September 2009 – eröffnet am 30. September 2009 – ablehnte  und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  darlegte,  die  Ausführungen des Beschwerdeführers sowohl zu seiner Identität als auch  zu  den  Verfolgungsvorbringen  würden  den  Anforderungen  an  die 

D­6777/2009 Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  standhalten,  weshalb  er  die  Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle,   dass  das  Bundesamt  den  Wegweisungsvollzug  nach  Äthiopien  –  da  verschiedene  Merkmale  auf  eine  äthiopische  Staatsangehörigkeit  hinweisen würden – als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  29.  Oktober  2009  gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren,  es  seien  die  Unzulässigkeit  und  die  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und es sei in der  Folge die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  ersuchte, dass  er  zur  Begründung  im  Wesentlichen  die  bereits  anlässlich  des  erstinstanzlichen Verfahrens  geltend  gemachten Vorbringen wiederholte  und zu den einzelnen Unglaubhaftigkeitselementen Stellung nahm, dass er  insbesondere geltend machte, das BFM habe es versäumt,  ihm  anlässlich  der  direkten  Anhörung  das  rechtliche  Gehör  zu  einigen  der  festgestellten Widersprüche zu gewähren, dass er  ferner beantragte, es seien zur Bestätigung seiner Angaben bei  seiner  Tante  und den Behörden  in Addis Abeba Abklärungen  zu  seiner  Identität vorzunehmen, dass er zur Stützung seiner Vorbringen unter anderem die Vorladung der  Verwaltungsbehörde (Kopie eines Telefaxes) einreichte,  dass  der  damals  zuständige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  9.  November  2009  festhielt,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  infolge  Aussichtslosigkeit  der  Begehren  abwies  und  ihn  unter 

D­6777/2009 Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall aufforderte, bis zum  24. November 2009 einen Kostenvorschuss einzuzahlen, dass der Kostenvorschuss am 17. November 2009 eingezahlt wurde, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  29.  Januar  2010  eine  Vorladung der Kebele vom (…) sowie einen "Nationalitätsausweis" seines  Vaters vom (…) (beide im Original; mit Übersetzung) einreichte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.   105  AsylG  i.V.m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

D­6777/2009 dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass vorab festzustellen ist, dass sich die Vorinstanz mit den Vorbringen  des  Beschwerdeführers  einlässlich  auseinandergesetzt  hat  und  die  wesentlichen  Widersprüche  und  Ungereimtheiten,  worauf  nachstehend  noch einzugehen sein wird, in der angefochtenen Verfügung erwähnt hat  (vgl. Ziff.  1  Nr.  2  S.  3),  weshalb  der  Begründungspflicht  genügend  Rechnung getragen wurde (vgl. Rechtsmitteleingabe S. 4), dass  der  verfassungsmässige  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April 1999 [BV, SR 101] und Art. 29 VwVG) nur die Feststellung  des rechtserheblichen Sachverhaltes, nicht aber die rechtliche Würdigung  desselben beschlägt, weshalb dem Betroffenen  in der Regel kein Recht  auf  vorgängige  Stellungnahme  bezüglich  Fragen  der  rechtlichen  Beurteilung und Würdigung von Tatsachen einzuräumen ist, es sei denn,  die Behörde gedenke sich in ihrem Entscheid auf einen völlig unüblichen,  nicht voraussehbaren Rechtsgrund abzustützen (vgl. BGE 114 Ia 99; JÖRG  PAUL MÜLLER, Grundrechte in der Schweiz, 3. Aufl., Bern 1999), dass  somit  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  der  Beschwerdeführer –  entgegen  seiner Meinung  –  an  der  Anhörung  nicht  zwingend  auf  seine  Widersprüche  aufmerksam  gemacht werden musste  (vgl.  EMARK  1994  Nr. 13 S. 111 ff.) und daher das rechtliche Gehör nicht verletzt wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass diese glaubhaft  gemacht  ist, wenn die Behörde  ihr Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält  (Art.  7  Abs.  2  AsylG),

D­6777/2009 dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG), dass  die  Vorinstanz  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorbringen  mit  zutreffender,  ausführlicher  und  nachvollziehbarer  Begründung als nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG erachtet hat, dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  ausführte,  der  Beschwerdeführer  habe  es  trotz  Möglichkeit  und  Zumutbarkeit  –  da  seine  Tante  in  Addis  Abeba  eigenen  Angaben  zufolge  über  Dokumente  verfüge,  welche  zur  Klärung seiner Identität beitragen könnten – unterlassen, Beweismittel zu  seiner (eritreischen) Identität einzureichen, dass  widersprüchliche  Angaben  zu  Geburtsjahr,  Muttersprache  und  seinem  Aufenthaltsstatus  in  Äthiopien  die  Zweifel  an  der  (eritreischen)  Identität  des  Beschwerdeführers  und  den  Anschein,  wonach  er  möglicherweise die äthiopische Staatsbürgerschaft besitze, verstärkten, dass die vom Bundesamt festgestellten Widersprüche zu bestätigen sind  und  der  Beschwerdeführer  dem  in  seiner  Rechtmitteleingabe  nichts  Substanzielles entgegenzuhalten vermag, dass  er  in  seiner  Beschwerde  im  Wesentlichen  ausführten,  die  unterschiedlichen  Angaben  zu  seinem  Geburtsjahr  liessen  sich  durch  verschiedenen Kalender in Äthiopien und Europa erklären, dass  er  beim  Ausfüllen  des  Formulars  im  EVZ  F._______  die  Begriffe  "Muttersprache" und "andere Sprache" verwechselt habe, weshalb es zu  den widersprüchlichen Angaben gekommen sei, dass  er  im  Rahmen  der  Anhörungen  kongruente  und  substanziierte  Aussagen zu seiner Identität gemacht habe, weshalb das BFM vorliegend  die Richtigkeit  der Angaben  des Beschwerdeführers  durch Abklärungen  vor Ort zu bestätigen habe, dass diese Ausführungen als unbeholfene Erklärungsversuche zu werten  sind und sie nicht ansatzweise geeignet sind, die vom BFM festgestellten  Unstimmigkeiten in einem anderen Licht erscheinen zu lassen,

D­6777/2009 dass  die  eritreische  Herkunft  nach  Auffassung  des  Gerichts  insgesamt  immerhin  zweifelhaft  erscheint,  zumal  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers zu seiner eigenen Identität sowie zur Herkunft seiner  Familie  unsubstanziiert  und  insgesamt  unzureichend  ausgefallen  sind  und kaum Realkennzeichen aufweisen (vgl. A1/10 S. 1 und 3; A18/11 S.  4 f.), dass dies aber  letztlich  offenbleiben  kann,  zumal  aufgrund der Akten  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer sei äthiopischer Staatsangehöriger, dass  mit  dem  neuen  Staatsbürgerschaftsgesetz  von  2003  Personen  gemischter Herkunft der Anspruch auf die äthiopische Staatsbürgerschaft  verliehen und mit der Direktive von 2004 eritreisch­stämmigen Personen  die  Möglichkeit  gewährt  wurde,  ihren  Aufenthalt  in  Äthiopien  zu  legalisieren (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH] Äthiopien­Update,  11. Juni 2009), dass  somit  insgesamt  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer  besitze  aufgrund  seiner  äthiopischen Mutter  und  der  Tatsache,  dass  er  beinahe sein ganzes Leben in Äthiopien verbracht hat, gemäss Art. 3 der  Proclamation  on  Ethiopian  Nationality  vom  23.  Dezember  2003  (Proclamation No. 378/2003) die äthiopische Staatsbürgerschaft, dass  daher  und  mit  Blick  auf  die  Mitwirkungspflicht  des  Beschwerdeführers (Art. 8 AsylG) der Antrag in der Rechtsmitteleingabe,  es seien zur Klärung seiner  Identität Abklärungen vor Ort vorzunehmen,  abzulehnen ist, dass  aufgrund  der  äthiopischen  Staatsangehörigkeit  die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Asylgründe  nicht  geglaubt  werden  können, dass die vorgetragenen Asylgründe aber auch deshalb unglaubhaft sind,  weil  sich  der  Beschwerdeführer  bezüglich  der  behaupteten  Vorladung  durch die Kebele­Behörden und des anschliessenden Landesverweises –  wie vom BFM festgestellt – in Widersprüche verstrickte und oberflächliche  und wenig nachvollziehbare Angaben machte, dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  ausführte,  es  sei  dem  Beschwerdeführer nicht gelungen, die Vorladung und Ausweisung durch  die äthiopischen Behörden konkret und substanziiert darzulegen,

D­6777/2009 dass  er  auf  die  Frage,  weshalb  ihn  die  Beamten  aus  Äthiopien  weggewiesen  hätten,  im  Rahmen  der  beiden  Anhörungen  unterschiedliche Aussagen zu Protokoll gegeben habe,  dass  ferner  in  Anbetracht  des  Vorbringens,  wonach  sein  Vater  für  das  DERG­Regime und folglich gegen die EPLF/Shabia gekämpft habe, nicht  nachvollziehbar  sei,  weshalb  die  äthiopischen  Behörden  den  Beschwerdeführer  der  Spionage  zugunsten  Letzterer  bezichtigt  haben  sollen, dass das Vorbringen bezüglich der Vorladung durch die Kebele­Behörden  und  deren  Aufforderung  an  den  Beschwerdeführer,  das  Land  zu  verlassen,  nicht  hinreichend begründet worden  sei  und der  allgemeinen  Erfahrung widerspreche, dass diese Erwägungen – wie mit Zwischenverfügung vom 9. November  2009 festgehalten – zu bestätigen sind und die Rechtsmitteleingabe keine  Argumente  enthält,  welche  die  Einschätzung  des  BFM  in  Frage  stellen  könnten, dass das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach die Verdächtigung  der äthiopischen Behörden auch für ihn nicht nachvollziehbar sei, nicht zu  überzeugen vermag, dass  ferner  sein  Argument,  die  erwähnten  Widersprüche  würden  sich  nicht auf zentrale Punkte  in seinen Ausführungen beziehen, weshalb sie  der  Glaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen  nicht  abträglich  seien,  nicht  einleuchtet,  handelt  es  sich  doch  bei  der  Frage  nach  seiner  Herkunft/Staatsangehörigkeit  und  den  angeblichen  Vorwürfen  der  äthiopischen Behörden um den Kern seines Vorbringens, dass  es  sich  bei  seinem  Vorbringen,  wonach  er  seine  Fluchtgründe  detailliert  und  widerspruchsfrei  geschildert  habe,  lediglich  um  eine  pauschale Behauptung handelt, dass  an  der  Einschätzung,  wonach  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  AsylG  nicht  standhalten,  auch  die  eingereichten  Beweismittel nichts zu ändern vermögen,

D­6777/2009 dass es sich beim eingereichten "Nationalitätsausweis" seines Vaters um  eine Bewohneridentitätskarte der Stadt Addis Abeba handelt,  in welcher  die Stadt G._______ als dessen Geburtsort vermerkt ist, dass  dieses  Dokument  keinen  Aufschluss  über  die  Staatsangehörigkeit  seines  Vaters  gibt,  was  aber  letztlich  nicht  von  Belang  ist,  da  der  Beschwerdeführer jedenfalls die äthiopische Staatsangehörigkeit besitzt, dass sodann auch die ins Recht gelegte Vorladung der Verwaltung – wie  mit  Zwischenverfügung  vom  9.  November  2009   festgehalten –  ungeachtet deren Authentizität an der Einschätzung der Unglaubhaftigkeit  nichts  ändert,  zumal  aus  dem  Dokument  der  Anlass  für  die  Vorladung  nicht ersichtlich wird, dass zudem auffällt, dass die Vorladung nach gregorianischem Kalender  vom  (…)  (im  Original:  […])  datiert,  während  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen der Anhörungen geltend machte, die Vorladung am (…) erhalten  zu haben (vgl. A1/10 S. 5; A18/11 S. 7), dass  das  Bundesamt  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  daher  zu  Recht  als  unglaubhaft  qualifiziert  hat  und  er  im  Weiteren  in  Äthiopien  offensichtlich  nie  nennenswerte  Schwierigkeiten  hatte,  die  asylrechtlich  von Bedeutung sein könnten (vgl. A1/10 S. 5), dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung aus  der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50),  weshalb  die  verfügte Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]),

D­6777/2009 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der Wegweisung  nach  Äthiopien  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet, dass  überdies  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950  zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  ersichtlich sind, die in Äthiopien drohen, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  bezüglich  Äthiopien  –  und  insbesondere  bezüglich  der Hauptstadt  Addis  Abeba  –  unter  den  heute  bestehenden  Verhältnissen  nicht  von  Krieg, Bürgerkrieg oder von einer Situation allgmeiner Gewalt gesprochen  werden kann, dass  sodann  auch  keine  individuellen  Merkmale  bestehen,  welche  den  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzumutbar  erscheinen  lassen  könnten,  zumal  der  junge  und  –  soweit  aus  den  Akten  ersichtlich  –  gesunde  Beschwerdeführer  insbesondere über  insgesamt zwölf Jahre Schul­ und  Berufsbildung sowie Arbeitserfahrung als Schreiner verfügt (vgl. A1/10 S.  2 f.; A18/11 S. 6),

D­6777/2009 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG) und mit dem am 17. November 2009 in gleicher Höhe geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen sind. (Dispositiv nächste Seite)

D­6777/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Nina Hadorn Versand:

D-6777/2009 — Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 D-6777/2009 — Swissrulings