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Bundesverwaltungsgericht 21.09.2011 D-6208/2010

21. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,133 Wörter·~11 min·2

Zusammenfassung

Asyl (ohne Wegweisung) | Asyl

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6208/2010/sed Urteil   v om   2 1 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz),  Richterin Christa Luterbacher, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______ B._______, geboren [...], Marokko,  C._______ D._______, geboren [...], Bosnien und  Herzegowina, sowie deren Kinder E._______ F._______,  geboren [...], Bosnien und Herzegowina, G._______  B._______, geboren [...], Schweiz, H._______ B._______,  geboren [...], Bosnien und Herzegowina beziehungsweise  ungeklärter Staatsangehörigkeit, und I._______ B._______,  geboren [...], Bosnien und Herzegowina beziehungsweise  ungeklärter Staatsangehörigkeit, alle vertreten durch Afra Weidmann,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz Gegenstand Asyl (Wiedererwägung);  Verfügung des BFM vom 4. August 2010

D­6208/2010 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführenden stellten am 3. April 1998 am Flughafen Zürich  Kloten Asylgesuche. Mit Verfügung  vom 14. April  1998 verweigerte das  damalige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF;  nunmehr  Bundesamt  für  Migration  [BFM])  dem Beschwerdeführer  (Ehemann)  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  ordnete  den  sofortigen  vorsorglichen Wegweisungsvollzug  nach  Bosnien  und  Herzegowina  an.  Das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  (Ehefrau)  und  des  Kindes  E._______  F._______  wies das Bundesamt mit Verfügung gleichen Datums ab und ordnete die  Wegweisung  sowie  den  sofortigen  Wegweisungsvollzug  nach  Bosnien  und  Herzegowina  an.  Diese  Verfügungen  fochten  die  Beschwerdeführenden  mit  Beschwerde  vom  15. April  1998  bei  der  damaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  an.  Im  Rahmen der folgenden Vernehmlassung hob das Bundesamt die beiden  genannten  Verfügungen  wieder  auf  und  genehmigte  die  Einreise  der  Beschwerdeführenden in die Schweiz. Entsprechend schrieb die ARK die  betreffenden Beschwerden am 21. April 1998 als gegenstandslos ab. B.  Mit  zwei  jeweiligen  Verfügungen  vom  21.  Oktober  1999  lehnte  das  Bundesamt  die  Asylgesuche  des  Beschwerdeführers  sowie  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Kindes  E._______  F._______  ab.  Gleichzeitig  ordnete es  jeweils  die Wegweisung aus der Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Die  gegen  diese  beiden  Verfügungen  erhobenen  Beschwerden wies die ARK mit Urteil vom 28. Oktober 2005 ab. C.  Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 6. Februar 2006 beantragten die  Beschwerdeführenden die Revision des Urteils der ARK vom 28. Oktober  2005.  Dieses  Revisionsgesuch  wurde  durch  die  ARK  mit  Urteil  vom  18. Mai  2006  abgewiesen.  Zugleich  erläuterte  die  ARK  das  Dispositiv  ihres Urteils vom 28. Oktober 2005. D.  Mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  1.  Juni  2007  an  das  BFM  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  um  Wiedererwägung  der  beiden  Verfügungen  vom  21.  Oktober  1999,  ihre  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  sowie  die  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft des Ehemannes in Bezug auf dessen Heimatland  Marokko.

D­6208/2010 E.  Mit  Verfügung  vom  11. März  2008  hiess  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  in  Bezug  auf  den  Wegweisungsvollzug  angesichts  der  Unmöglichkeit  des  Vollzugs  nach  Bosnien  und  Herzegowina  (betreffend  den  Beschwerdeführer)  beziehungsweise  der  Unzumutbarkeit des Vollzugs (betreffend die Beschwerdeführerin und die  Kinder)  gut  und  ordnete  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden an. Hinsichtlich des Antrags auf materielle Prüfung  der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers lehnte das Bundesamt  das Wiedererwägungsgesuch hingegen ab. F.  Mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  10.  April  2008  fochten  die  Beschwerdeführenden die Verfügung des BFM vom 11. März 2008 beim  Bundesverwaltungsgericht  an.  Dabei  beantragten  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  die  Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  vom  11. März  2008,  die  Gutheissung  ihres  Wiedererwägungsgesuchs  vom  1. Juni  2007,  den  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Bosnien  und  Herzegowina  und  die  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  in  Bezug  auf  das  Heimatland  des  Beschwerdeführers, Marokko.  G.  Mit  Urteil  vom 24. Juli  2008  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  diese  Beschwerde  gut,  hob  die  Dispositivziffern  1  und  9  der  Verfügung  des  BFM  vom  11. März  2008  (in  Bezug  auf  die  Ablehnung  des  Wiedererwägungsgesuchs,  soweit  die  materielle  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  betreffend,  sowie  in  Bezug  auf  die Erhebung  einer  Verfahrensgebühr)  auf  und  überwies  die  Sache dem Bundesamt zur erneuten Beurteilung. Zudem wurde das BFM  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  vollumfängliche  Einsicht  in  die  Akten  des  Wiedererwägungsverfahrens  zu  erteilen.  Zur  Begründung  führte  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Wesentlichen  aus,  das  BFM  habe  mit  der  Verfügung  vom  11.  März  2008  das  mit  dem  Wiedererwägungsgesuch  gestellte  Begehren  um materielle  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  in  Bezug  auf  dessen  Heimatstaat  (Marokko)  zu  Unrecht  abgelehnt.  Darüber  hinaus  sei  auch  die Frage zu prüfen, ob diesem in der Schweiz Asyl zu gewähren sei. H.  Mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  21. Juni 2010  erhoben  die 

D­6208/2010 Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde  wegen Rechtsverzögerung durch das BFM.  I.  Mit  Verfügung  vom  4. August  2010  hob  das  BFM  die  jeweiligen  Verfügungen  vom  21.  Oktober  1999  auf  und  stellte  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die Flüchtlingseigenschaft  im Sinne  von Art.  3  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31). Ferner  stellte  das Bundesamt fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder erfüllten die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  nicht,  seien  aber  gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge zu anerkennen. Da der  Beschwerdeführer  gestützt  auf  Art. 53  AsylG  als  asylunwürdig  zu  erachten sei, wurden ausserdem die Asylgesuche abgelehnt. Gleichzeitig  ordnete  das  Bundesamt  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden  in  der  Schweiz  an.  Schliesslich  stellte  das  Bundesamt  fest,  die  Staatsangehörigkeit  der  Kinder  G._______  B._______,  H._______  B._______  und  I._______  B._______  sei  ungeklärt. Auf die weitere Begründung der Verfügung wird, soweit für den  Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. J.  Am 16.  August  2010  schrieb  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Beschwerdeverfahren  bezüglich  Rechtsverzögerung  als  gegenstandslos  ab. K.  Mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  31. August  2010  fochten  die  Beschwerdeführenden die Verfügung des BFM vom 4. August 2010 beim  Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragten sie die Aufhebung der  Ziffern 1, 3 sowie 5­12 der angefochtenen Verfügung und die Gewährung  des Asyls. Es sei ausserdem festzustellen, dass der Ausschluss vom Asyl  in Anwendung von Art. 53 AsylG unverhältnismässig sei. In prozessualer  Hinsicht  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  sinngemäss  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Mit der Eingabe reichten die  Beschwerdeführenden  als  Beweismittel  unter  anderem  Kopien  verschiedener  Schriftstücke  aus  dem  vorinstanzlichen Aktendossier  ein.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  und  den  Inhalt  der  eingereichten  Beweismittel  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen.

D­6208/2010 L.  Mit  Zwischenverfügung  des  zuständigen  Instruktionsrichters  vom  9. September  2010  wurde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  gutgeheissen. M.  Mit Vernehmlassung vom 8. Oktober 2010 hielt das BFM vollumfänglich  an  seinen  Erwägungen  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Davon  wurde  den  Beschwerdeführenden  mit  Schreiben  vom 13. Oktober 2010 Kenntnis gegeben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Über  Beschwerden  gegen  Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das BFM erlassen worden  sind,  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  grundsätzlich  (mit  Ausnahme  von  Verfahren  betreffend  Personen,  gegen  die  ein  Auslieferungsersuchen  des  Staates  vorliegt,  vor  welchem  sie  Schutz  suchen)  endgültig  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 31­33 VGG; Art.  83 Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichts­gesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). 1.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verlet­zung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf ihre frist­ und formgerecht  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG;  Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG).

D­6208/2010 3.  Die angefochtene Verfügung bezieht  sich unter  anderen auf  die Person  des  Kindes  G._______  B._______.  Mit  der  Beschwerdeeingabe  wurde  geltend  gemacht,  G._______  B._______  ­  der  in  der  Schweiz  geboren  wurde  ­  habe  mittlerweile  die  Schweizer  Staatsbürgerschaft  erlangt.  Angesichts  der  diesbezüglich  eingereichten  Beweismittel  (Kopien  von  Ausweisen)  ist  festzustellen,  dass  diese  Angabe  zutreffend  ist.  Daraus  folgt,  dass  das  Beschwerdeverfahren  in  Bezug  auf  die  Person  von  G._______ B._______ als gegenstandslos abzuschreiben ist. 4.  4.1.  Nachdem  das  BFM  mit  der  angefochtenen  Verfügung  die  Beschwerdeführenden  gestützt  auf  Art.  3  AsylG  beziehungsweise  auf  Art. 51  Abs. 1  AsylG  als  Flüchtlinge  anerkannte  und  deren  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  anordnete,  ist  nachfolgend  in  asylrechtlicher  Hinsicht einzig zu beurteilen, ob das BFM zu Recht zum Schluss gelangt  ist,  der Beschwerdeführer  sei  im Sinne von Art. 53 AsylG asylunwürdig,  weshalb  dessen  Asylgesuch  (und  mit  diesem  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführerin und der Kinder) abzulehnen sei. 4.2. Nach  Art.  53  AsylG wird  Flüchtlingen  kein  Asyl  gewährt,  wenn  sie  wegen verwerflicher Handlungen dessen unwürdig sind oder wenn sie die  innere  oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz  verletzt  haben  oder  gefährden.  Aus  dem  Zusammenhang  der  Ausführungen  in  der  angefochtenen Verfügung  ergibt  sich  ­  auch wenn  dies  durch  das BFM  nicht  ausdrücklich  festgehalten  wird  ­,  dass  das  Bundesamt  im  vorliegenden  Fall  den  Asylausschlussgrund  der  „verwerflichen  Handlungen“  im Sinne von Art. 53 AsylG anruft. Diesbezüglich stellt sich  die geltende Praxis wie folgt dar.  4.3.  Unter  den  Begriff  der  „verwerflichen  Handlungen“  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr. 8  E. 6  S. 49 ff.,  1996  Nr. 18  E. 5 ff.,  2002  Nr. 9)  fallen  solche  Delikte,  die  dem  abstrakten  Verbrechensbegriff  von  Art. 9  Abs. 1  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom 21. Dezember  1937  (StGB, SR 311.0)  in  dessen  bis  zum  31. Dezember  2006  gültigen  Fassung  entsprechen.  Als  Verbrechen definiert wird dort  jede mit Zuchthaus bedrohte Straftat. Das  nach  der  am  1. Januar  2007  in  Kraft  getretenen  Teilrevision  heute  geltende StGB definiert  in Art. 10 Abs. 2  jene Straftaten als Verbrechen,  die mit mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind. 

D­6208/2010 4.4. Liegt eine entsprechende Delinquenz vor,  ist ausserdem zu prüfen,  ob  die  Rechtsfolge  des  Asylausschlusses  auch  eine  verhältnismässige  Massnahme  darstellt  (siehe  EMARK  1996  Nr. 40  S. 354 f.,  2002  Nr. 9  S. 82  ff.).  In Betracht zu ziehen sind dabei unter anderem das Alter des  Beschwerdeführers  im  Zeitpunkt  der  Tatbegehung,  allfällige  Veränderungen  der  Lebensverhältnisse  nach  der  Tat,  die  Wahrscheinlichkeit  der  erneuten  Begehung  von  Straftaten  sowie  die  Frage,  wie  lange  die  Tat  bereits  zurückliegt,  wobei  die  strafrechtlichen  Verjährungsbestimmungen zu berücksichtigen sind. 5.  5.1.  Das  BFM  begründete  in  der  angefochtenen  Verfügung  seine  Einschätzung, der Beschwerdeführer  sei asylunwürdig,  im Wesentlichen  folgendermassen: Aus den Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich  seiner  Anhörungen  und  aus  verschiedenen  von  diesem  abgegebenen  Beweismitteln  gehe  hervor,  dass  dieser  von  Ende  1984  bis  zu  seiner  Ausreise aus Marokko  im Juli 1985 der Organisation  "Mouvement de  la  Jeunesse Islamique Marocaine" (MJIM) angehört habe. Das MJIM sei die  erste geheime islamistische Bewegung Marokkos gewesen. Nachdem sie  mit  der  Ermordung  eines Gewerkschaftsführers  in  Verbindung  gebracht  worden sei, habe sie sich aufgeteilt, wobei die Organisation "Mouvement  des  Moudjahidin"  entstanden  sei.  Das  MJIM  weise  teilweise  eine  gewalttätige  Ausrichtung  auf,  schrecke  vor  schweren  Übergriffen  nicht  zurück  und  sei  als  kriminelle  Organisation  einzustufen.  Vierzehn  Angehörige  der  Organisation,  darunter  der  Beschwerdeführer  und  mehrere  seiner  Verwandten,  seien  nach  dem  Mordanschlag  zum  Tod  verurteilt  worden.  Der  Beschwerdeführer  habe  nicht  zuletzt  durch  seine  Verwandten,  die  teilweise  zum  innersten  Kreis  der  Organisation  gehört  hätten, beste Kontakte zur Führung des MJIM gehabt. Er sei somit über  die  kriminellen  Aktivitäten  der  Organisation  im  Bild  gewesen.  Eine  Mitverantwortung  zumindest  der  verurteilten  Mitglieder,  zu  denen  auch  der Beschwerdeführer gehöre, sei nicht von der Hand zu weisen. Somit  sei die Anwendung von Art. 53 AsylG angemessen. 5.2.  Die  Beschwerdeführenden  machen  im  Wesentlichen  geltend,  das  BFM habe seine Begründungspflicht verletzt. Es stütze seine Beurteilung  auf  nicht  bewiesene  Behauptungen,  und  eine  individuell  begangene  verwerfliche  Tat  des  Beschwerdeführers  sei  nicht  vorhanden.  Zudem  habe  das  Bundesamt  zwar  in  der  angefochtenen  Verfügung  allgemein  ausgeführt, bei der Beurteilung der Asylunwürdigkeit sei  im Einzelfall die  Frage der Verhältnismässigkeit zu prüfen. Gemäss diesen Ausführungen 

D­6208/2010 müsse die Anwendung von Art. 53 AsylG im Hinblick auf das begangene  Delikt,  die  Umstände  und  die  seither  vergangene  Zeit  verhältnismässig  sein. Indessen habe das BFM nicht berücksichtigt, dass die Mitgliedschaft  des  Beschwerdeführers  beim  MJIM  nur  kurz,  weniger  als  ein  Jahr,  gedauert  habe  und  seither  26  Jahre  vergangen  seien.  Der  Ausschluss  vom Asyl sei somit auch nicht verhältnismässig. 5.3.  Anlässlich  seiner  Anhörungen  im  Asylverfahren  machte  der  Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  seine  Asylgründe  hinsichtlich  seines  Heimatstaats Marokko im Wesentlichen die folgenden Angaben: Im Jahr  1984 sei er auf Anregung seines jüngeren Bruders J._______ B._______  dem MJIM, einer  regimefeindlichen  religiösen Organisation,  beigetreten.  Er habe an Sitzungen und politisch­religiösen Schulungen teilgenommen,  während  der  Nacht  Flugblätter  verteilt  und  Wände  beschriftet.  Im  Juli  1985 seien sein Bruder und ein Cousin, die beide Angehörige des MJIM  gewesen seien, an der marokkanisch­algerischen Grenze  im Besitz von  Waffen  verhaftet  worden.  Kurze  Zeit  danach  seien  zahlreiche  weitere  Mitglieder der Bewegung ebenfalls verhaftet worden. Er selbst habe sich  rechtzeitig  in  Sicherheit  bringen  und  unverzüglich  aus  Marokko  nach  Algerien ausreisen können. Im September 1985 habe er erfahren, dass er  selbst, sein Bruder, sein Cousin und weitere Mitglieder des MJIM wegen  staatsfeindlicher  Aktivitäten  durch  die  marokkanische  Justiz  zum  Tod  verurteilt  worden  seien.  Weitere  Personen  seien  zu  langjährigen  Haftstrafen  verurteilt  worden,  darunter  ein  Junge  im  Alter  von  etwa  vierzehn  Jahren.  Er  habe  ausserdem  erst  später  erfahren,  dass  sein  Bruder und weitere Angehörige der Organisation eine Revolution geplant  hätten. Nach seiner Ausreise aus Marokko habe er mit dem MJIM nichts  mehr zu tun gehabt.  5.4.  Im  Rahmen  des  vorinstanzlichen  ordentlichen  Asylverfahrens  gab  der  Beschwerdeführer  kopierte  Auszüge  aus  einem  Urteil  der  Strafkammer  des  Appellationsgerichts  Casablanca  vom  2. September  1985  sowie  die  Kopie  eines  in  der  französischen  Zeitung  "L'Humanité"  vom 4. September 1985 erschienen Artikels zu den Akten.  5.4.1.  Aus  dem  genannten  Urteil  des  Appellationsgerichts  Casablanca  vom  2. September  1985  geht  im Wesentlichen  hervor,  dass  der  Bruder  des  Beschwerdeführers,  J._______  B._______,  als  Hauptangeklagter  sowie fünfundzwanzig weitere Personen, darunter der Beschwerdeführer,  verschiedener  gegen  die  innere  Sicherheit  des  marokkanischen  Staats  gerichteter  Delikte  beschuldigt  wurden.  Dem  Beschwerdeführer  und 

D­6208/2010 mehreren anderen Angeklagten wurde dabei vorgeworfen, als Mitglieder  einer  Zelle  des  MJIM  in  Algerien  eine  militärische  Ausbildung  durch  Einheiten  der  algerischen  Armee  durchlaufen  zu  haben,  dies  mit  dem  Ziel,  in  Marokko  Sabotageaktionen  und  Morde  zu  verüben.  Weitere  konkrete  Aussagen  lassen  sich  in  Bezug  auf  die  Person  des  Beschwerdeführers dem Urteil nicht entnehmen. Aus den auszugsweise  vorliegenden Erwägungen des marokkanischen Gerichts geht auch nicht  hervor, auf welche Beweise  ­ abgesehen von Aussagen der  inhaftierten  Angeklagten ­ sich das Urteil stützte.  5.4.2.  Aus  einem  in  der  französischen  Zeitung  "L'Humanité"  vom  4. September  1985  erschienenen  Artikel  unter  dem  Titel  "14  peines  capitales  prononcés"  ergibt  sich  im  Wesentlichen  Folgendes:  Die  Strafkammer  des  Appellationsgerichts  Casablanca  habe  sechsundzwanzig  Personen  wegen  Gefährdung  der  inneren  Sicherheit  verurteilt. Dabei sei gegen vierzehn Angeklagte die Todesstrafe verhängt  worden, und zwölf weitere Angeklagte seien zu  langjährigen Haftstrafen  verurteilt worden. Den Betroffenen sei vorgeworfen worden, der illegalen  Organisation  "Jeunesse  islamique"  anzugehören.  Die  "Association  internationale  des  juristes  démocrates"  (AIJD)  habe  bezüglich  des  Strafprozesses erklärt, sie habe eine Delegation nach Marokko gesandt,  um zu überprüfen, ob die Verfahrensrechte respektiert würden. Indessen  sei dem Beobachter der AIJD wie auch weiteren unabhängigen Juristen  der Zugang zum Verfahren verwehrt worden. Die Strafverfahren seien in  Marokko nicht öffentlich zugänglich; vielmehr würden die Gerichtssäle mit  Polizisten  gefüllt.  Auch  würden  marokkanische  Rechtsanwälte  oftmals  bedroht  und  verhaftet.  Der  Artikel  stellte  im  Übrigen  den  genannten  Strafprozess  in  einen  Zusammenhang  mit  Hungerstreik­Aktionen  politischer Gefangener, Hungerrevolten im Juni 1981 und im Januar 1984  sowie mit Repressionsmassnahmen des marokkanischen Regimes.  6.  6.1.  Im  Zusammenhang mit  dem  vom BFM  erhobenen  Vorwurf  an  den  Beschwerdeführer,  er  sei  Mitglied  einer  Organisation  gewesen,  die  als  kriminell  einzustufen  sei,  ist  zunächst  ­  über  die  allgemeinen  Anwendungskriterien  von  Art. 53  AsylG  (vgl.  E. 4.2­4.4)  hinaus  ­  festzuhalten,  dass  gemäss  gültiger  Praxis  die  alleinige  Tatsache  einer  Mitgliedschaft  bei  einer  als  extremistisch  aufzufassenden  Organisation  nicht  zur  Folgerung  der  Asylunwürdigkeit  zu  führen  vermag  (EMARK  1998 Nr. 12 E. 5, 2002 Nr. 9 E. 7c). Vielmehr  ist  im Einzelfall zu prüfen,  welchen eigenen Tatbeitrag die betreffende Person selbst geleistet hat. 

D­6208/2010 6.2.  Aus  der  Anbindung  des  Asylausschlussgrundes  der  „verwerflichen  Handlungen“  im Sinne von Art. 53 AsylG an den Verbrechensbegriff von  Art. 9 Abs. 1 StGB ergibt sich zwingend, dass  in Bezug auf die  in Frage  stehenden  Handlungen  der  betreffenden  Person  eine  strafrechtliche  Verantwortlichkeit  gegeben  sein  muss.  Dies  setzt  bei  im  Ausland  begangenen  Handlungen  zwar  keinen  strikten  Nachweis  voraus.  Erforderlich  sind  im  konkreten  Fall  aber  jedenfalls  schwerwiegende  Gründe  für  die  gerechtfertigte  Annahme,  dass  sich  die  betreffende  Person  einer  Straftat  im  Sinn  der  genannten  Bestimmungen  schuldig  gemacht hat (vgl. Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur  Änderung  des  Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 73).  6.3.  Es  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  nicht  vorwirft,  selbst  eine  konkrete,  nach  schweizerischem  Recht  strafbare  Handlung  im  Sinne  eines  Verbrechens  gemäss  Art. 9  Abs. 1  StGB  begangen zu haben. Zwar wird  in der angefochtenen Verfügung auf die  Ermordung  eines  Gewerkschaftsführers  hingewiesen,  mit  welcher  das  MJIM  in  Verbindung  gebracht  worden  sei.  Weiter  wird  dargelegt,  der  Beschwerdeführer sei mit dreizehn anderen Angehörigen des MJIM "nach  dem  Mordanschlag"  zum  Tod  verurteilt  worden.  Dabei  wird  indessen  durch  das  BFM  weder  explizit  ausgeführt,  ob  damit  die  Tötung  des  genannten Gewerkschaftsführers  gemeint  ist,  noch  ob  das Urteil  gegen  den  Beschwerdeführer  konkret  aufgrund  dieses  Tötungsdelikts  erfolgte,  noch  welcher  Tatbeitrag  diesem  durch  die  marokkanische  Justiz  vorgeworfen wurde. Allerdings ist festzustellen, dass in den vorliegenden  Auszügen  des  Urteils  der  Strafkammer  des  Appellationsgerichts  Casablanca  vom  2. September  1985  die  Ermordung  des  Gewerkschaftsführers  gar  nicht  erwähnt  wird  und  somit  selbst  die  marokkanische  Justiz  ­  soweit  ersichtlich  ­  keine  Verbindung  zwischen  jener  Straftat  und  dem  Beschwerdeführer  herstellte.  Des  Weiteren  ist  festzustellen,  dass  aus  dem Urteil  des  Appellationsgerichts  Casablanca  auch  in Bezug auf die Anklage, der Beschwerdeführer  sei an Straftaten  gegen  die  innere  Sicherheit  des  marokkanischen  Staats  beteiligt  gewesen,  in  keiner  Art  und  Weise  hervorgeht,  welcher  individuelle  Tatbeitrag dem Beschwerdeführer effektiv vorgeworfen wurde. Zwar ist in  allgemeinster  Weise  davon  die  Rede,  der  Beschwerdeführer  habe  in  Algerien  eine  militärische  Ausbildung  durch  Einheiten  der  algerischen  Armee absolviert;  indessen sind dem Urteil auch diesbezüglich keinerlei  weitere  rechtlich  verwertbare  Angaben  zu  entnehmen.  Schon  unter  diesem Aspekt ist der vom BFM gezogene Schluss, aus dem genannten 

D­6208/2010 Strafurteil  ergebe  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  verwerfliche  Handlungen begangen habe, offensichtlich unzulässig.  6.4. Des Weiteren ist nicht nachvollziehbar, weshalb das Bundesamt mit  keinem Wort  auf  die  vorhandenen Hinweise  eingegangen  ist,  dass  das  Strafurteil  gegen  den  Beschwerdeführer  und  weitere  Angeklagte  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  unter  Missachtung  grundlegender  strafprozessualer und sonstiger rechtsstaatlicher Prinzipien ergangen ist.  Den  Schluss  einer  derartigen  Verletzung  rechtsstaatlicher  Grundsätze  durch die marokkanische Justiz  legen bereits die Tatsachen nahe, dass  die  Begründung  des  betreffenden  Urteils  äusserst  summarisch,  ohne  präzise  zeitliche  und  örtliche  Angaben  hinsichtlich  der  vorgeworfenen  Delikte  sowie  ohne  Nennung  eines  konkreten  individuellen  Tatbeitrags  erfolgte,  und  dass  der  Beschwerdeführer  in  Abwesenheit  ­  somit  ohne  Gewährung  grundlegender  Verteidigungsrechte  ­  zum  Tod  verurteilt  wurde.  Hinweise,  dass  die  Rechtsstaatlichkeit  durch  das  zuständige  Gericht  nicht  gewahrt  wurde,  ergeben  sich  ausserdem  aus  den  Informationen  im  Artikel  der  französischen  Zeitung  "L'Humanité"  vom  4. September  1985,  welchen  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  als  Beweismittel  einreichte.  Indessen  ging  das  Bundesamt  auf  den  Inhalt  dieses Artikels in der angefochtenen Verfügung mit keinem Wort ein, was  einer  Verletzung  des  Rechts  auf  Abnahme  der  angebotenen  und  tauglichen Beweise durch die Behörde gleichkommt (Art. 33 VwVG; dies  wiederum  bildet  einen  Teilaspekt  des  verfassungsmässigen  Anspruchs  auf  rechtliches Gehör  gemäss Art. 29 Abs. 2  der Bundesverfassung der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101]).  Schliesslich wäre auch die allgemeine politische und menschenrechtliche  Lage  in  Marokko  zum  betreffenden  Zeitraum  des  Jahres  1985  in  die  Erwägungen  miteinzubeziehen  gewesen,  hätten  sich  doch  daraus  möglicherweise ebenfalls entscheidrelevante Informationen dazu ableiten  lassen,  inwiefern  die  Verurteilung  des  Beschwerdeführers  in  seinem  Heimatstaat  auf  eine  gemeinrechtliche  oder  allenfalls  eine  politische  Motivation der staatlichen Behörden zurückzuführen war.  6.5. Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer in  keiner  Weise,  wie  durch  die  geltende  Praxis  verlangt,  mit  der  erforderlichen  Gewissheit  ein  konkreter  und  individueller  Tatbeitrag  zu  verwerflichen  Handlungen  im  Sinne  von  Art.  53  AsylG  vorgeworfen  werden kann. 7. 

D­6208/2010 7.1.  Im  Übrigen  ist  festzuhalten,  dass  ­  wäre  von  verwerflichen  Handlungen  des  Beschwerdeführers  im  Sinne  von  Art.  53  AsylG  auszugehen  ­  ausserdem  die  Verhältnismässigkeit  eines  Asylausschlusses zu prüfen wäre. Es  ist  festzustellen, dass das BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zwar  die  Frage  der  Verhältnismässigkeit  erwähnt  hat.  Dabei  hat  es  indessen  in  keiner  Weise  auf  die  Kriterien  Bezug genommen, die gemäss geltender Rechtsprechungspraxis effektiv  in  Erwägung  zu  ziehen  sind  (vgl.  zuvor,  E. 4.4),  und  eine  ernsthafte  Prüfung  der  Frage  ist  somit  unterblieben.  Dies  kommt,  wie  durch  die  Beschwerdeführenden  zu  Recht  gerügt  wird,  einer  Verletzung  der  Begründungspflicht (Art. 35 Abs. 1 VwVG) gleich. 7.2. Angesichts der Feststellung, dass in keiner Weise belegbar ist, dass  der  Beschwerdeführer  verwerflicher  Handlungen  im  Sinne  von  Art. 53  AsylG  schuldig  ist,  erübrigt  es  sich  eigentlich,  auf  die  Frage  der  Verhältnismässigkeit  einzugehen.  Im  Sinne  einer  ergänzenden  Klarstellung  ist  dennoch  darauf  hinzuweisen,  dass  dem  Beschwerdeführer durch das BFM ein Sachverhalt vorgeworfen wird, der  sich vor 26 Jahren ereignet haben soll, wobei der Genannte damals 23  Jahre alt war und  ­ gemäss den Vorhaltungen des Bundesamts  ­ wenig  mehr als während eines halben Jahres Angehöriger des MJIM gewesen  sein  soll.  Somit  ist  das  Missverhältnis  zwischen  der  Dauer  der  Mitgliedschaft  des  Beschwerdeführers  beim  MJIM  und  der  seither  verstrichenen  langen  Zeitspanne  als  offensichtlich  zu  bezeichnen.  Darüber hinaus wäre auch weiteren Umständen Rechnung zu tragen, so  der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Zwischenzeit  eine  Familie  gründete  und  sich  mit  dieser  seit  mehr  als  13  Jahren  in  der  Schweiz aufhält. Soweit  aktenkundig,  hat  er  sich  in dieser Zeit  keinerlei  strafrechtlich  relevante  Vergehen  zuschulden  kommen  lassen.  Es  wäre  folglich  gestützt  auf  die  geltende  Praxis  unter  Berücksichtigung  aller  gegebenen  Umstände  auch  offensichtlich  unverhältnismässig,  den  Beschwerdeführer von der Gewährung des Asyls auszuschliessen. 8.  8.1.  Aus  den  angestellten  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer nicht nur die Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art.  3 AsylG erfüllt, sondern auch keine Asylausschlussgründe  im Sinne von  Art. 53  AsylG  vorliegen.  Die  Beschwerde  ist  folglich  gutzuheissen,  und  die  angefochtene  Verfügung  ist  aufzuheben,  soweit  mit  ihr  die  Asylunwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  festgestellt  und  dessen 

D­6208/2010 Asylgesuch  sowie  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführerin  und  der  Kinder abgelehnt wurden.  8.2. Mit der Beschwerdeschrift wurde die Aufhebung der Ziff. 1, 3 sowie  5­12 der angefochtenen Verfügung beantragt.  Indessen wurde  in Bezug  auf  die  verlangte  Aufhebung  der  Ziff.  1  und  3  keinerlei  Begründung  vorgebracht, und es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern diesbezüglich ein  Rechtsschutzinteresse  der  Beschwerdeführenden  gegeben  sein  sollte.  Die  Beschwerde  ist  daher  dahingehend  zu  verstehen,  dass  sie  sich  tatsächlich  lediglich  auf  die  Ziff.  5­12  der  angefochtenen  Verfügung  bezieht. Mithin sind die Ziff. 5­11 der Verfügung des BFM vom 4. August  2010  (betreffend  die  Ablehnung  der  Asylgesuche,  die  Anordnung  der  Wegweisung und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme) aufzuheben.  Hingegen erweist sich, dass die Frage, ob die Ziff. 12 der angefochtenen  Verfügung  (betreffend  die  Feststellung,  die  Staatsangehörigkeit  der  Kinder G._______, H._______  und  I._______ B._______  sei  ungeklärt)  aufzuheben  sei,  mangels  konkreter  rechtlicher  Bedeutung  im  vorliegenden Zusammenhang dahingestellt bleiben kann.  8.3. Das BFM wird angewiesen,  dem Beschwerdeführer  in der Schweiz  Asyl zu gewähren. Gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG ist ausserdem auch  der  Beschwerdeführerin  und  den  Kindern  E._______  F._______,  H._______ B._______ und I._______ B._______ in der Schweiz Asyl zu  gewähren.  9.  9.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben  (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).  9.2.  Gemäss  Art.  64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  37  VGG  kann  der  obsiegenden  Partei  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zugesprochen  werden  (vgl.  für  die  Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff.  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21. Februar  2008  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Gestützt  auf  die  in  Betracht  zu  ziehenden  Bemessungsfaktoren  (Art. 9­13  VGKE)  und  die  angesichts  des  Aufwandes  als  angemessen  erscheinende  Kostennote  der  Rechtsvertreterin  vom  30. August  2010  ist  die  Parteientschädigung  auf 

D­6208/2010 Fr. 200.­­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen.  Dieser  Betrag ist den Beschwerdeführenden durch das BFM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)  

D­6208/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  In  Bezug  auf  G._______  B._______  wird  das  Verfahren  infolge  Gegenstandslosigkeit abgeschrieben. 2.  Die  Beschwerde wird  im  Sinne  der  Erwägungen  gutgeheissen,  und  die  Ziff. 5­11  der  Verfügung  des  BFM  vom  4. August  2010  werden  aufgehoben. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  Asyl  zu  gewähren. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5.  Den Beschwerdeführenden wird eine Parteientschädigung von Fr. 200.­­  zugesprochen, die ihnen durch das BFM zu entrichten ist. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand:

D-6208/2010 — Bundesverwaltungsgericht 21.09.2011 D-6208/2010 — Swissrulings