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Bundesverwaltungsgericht 21.11.2011 D-6140/2011

21. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,205 Wörter·~6 min·2

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 4. Oktober 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6140/2011 / sps Urteil   v om   2 1 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi; Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, und B._______, geboren  am _______ Kolumbien, c/o schweizerische Vertretung in Bogotà, Kolumbien, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 4. Oktober 2011 / N _______.

D­6140/2011 Sachverhalt: A.  Mit Eingabe vom 14. Juli 2010 (Datum Eingang bei der schweizerischen  Vertretung in Bogotà) ersuchten die Beschwerdeführenden unter Beilage  mehrerer Beweismittel um humanitären Schutz. B.  B.a.  Mit  Eingabe  vom  9.  August  2010  (Datum  Eingang  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  Bogotà)  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  um  Asyl  in  der  Schweiz  nach.  Zur  Begründung  machten sie im Wesentlichen geltend, sie seien im Quartier C._______ in  D._______ wohnhaft. Dort hätten die Guerilla und die Paramilitärs um die  Vorherrschaft  gekämpft.  Diese  Gruppen  hätten  zudem  Schutzgeldforderungen gestellt. Aus diesen Gründen würden sie ständig  um ihr Leben fürchten. Sie hätten die Ereignisse auf der Fiscalía melden  wollen,  doch dort  habe man  ihnen gesagt,  es würden  keine Meldungen  aus  dem  Quartier  C._______  mehr  entgegengenommen.  Die  Beschwerdeführenden  führten  weiter  aus,  sie  hätten  einen  Lagerraum  gehabt, hätten diesen aber schliessen müssen, da sie mehr Schutzgeld  hätten bezahlen müssen als sie Gewinn gemacht hätten. Am 29. Oktober  2009  seien  sie  in  ihrem  Geschäft  von  zwei  Jugendlichen  ausgeraubt  worden. Obwohl diese  ihnen mit Konsequenzen gedroht hätten,  falls sie  den Vorfall der Fiscalía melden würden, hätten sie Anzeige erstattet. Da  sie sich schliesslich geweigert hätten, den verschiedenen Organisationen  Schutzgelder zu bezahlen, seien sie von diesen bedroht worden. Mangels  wirtschaftlicher  Anreize  seien  sie  nicht  in  der  Lage,  ihren  Wohnort  zu  wechseln.  Sie  hätten  zudem  in  keinem  anderen  Land  Familienangehörige.  B.b.  Die  Beschwerdeführenden  reichten  diverse  Dokumente  (alle  in  Kopie)  als  Beweismittel  zu  den  Akten  (Identitätsdokumente,  Eheschein,  Wohnsitzbescheinigungen,  zwei  "Certificado  Judicial",  eine  Anzeige  an  die Fiscalía General, ein Schreiben der Beschwerdeführerin an R. A. S.  vom 23. April 2010, Auszüge aus einer Zeitung). B.c. Die schweizerische Vertretung  in Bogotà übermittelte die Eingaben  der  Beschwerdeführenden  am  19.  August  2010  an  das  BFM  und  teilte  dabei  mit,  eine  Befragung  der  Beschwerdeführenden  sei  aus  Kapazitätsgründen nicht möglich. 

D­6140/2011 C.  Mit  Zwischenverfügung  vom  12.  Oktober  2010  teilte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  mit,  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  der  Asylgesuche  und  der  eingereichten  Beweismittel  betrachte  es  den  entscheidrelevanten Sachverhalt als erstellt, weshalb sich eine Anhörung  durch  die  schweizerische  Botschaft  in  Bogotá  nicht  als  notwendig  erweise.  Unter  Berücksichtigung  aller  relevanten  Faktoren  werde  erwogen,  die  Asylgesuche  abzulehnen  und  die  Einreisebewilligung  zu  verweigern.  Insbesondere  werde  die  Möglichkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  als  gegeben  erachtet.  Das  BFM  räumte  den  Beschwerdeführenden  sodann  die  Möglichkeit  ein,  sich  zu  diesen  Feststellungen innert 30 Tagen schriftlich zu äussern. D.  Am  12.  Oktober  2010  leitete  die  Botschaft  eine  weitere  Eingabe  der  Beschwerdeführenden  vom  17.  September  2010  an  das  BFM  weiter.  Darin  wiederholten  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  ihre  Asylvorbringen  und  erklärten,  sie  würden  im  Heimatland  von  gewalttätigen  Gruppierungen  an  Leib  und  Leben  bedroht,  weshalb  sie  ausreisen müssten.  E.  Mit  Verfügung  vom  4.  Oktober  2011  (den  Beschwerdeführenden  am  1. November  2011  eröffnet)  verweigerte  das  BFM  die  Einreise  der  Beschwerdeführenden in die Schweiz und lehnte die Asylgesuche ab. Zur  Begründung  führte  das  Bundesamt  zunächst  in  formeller  Hinsicht  aus,  dass  im vorliegenden Fall die Voraussetzungen gegeben seien, um von  einer  Anhörung  der  Beschwerdeführenden  abzusehen.  In  materieller  Hinsicht erwog BFM im Wesentlichen, gemäss dem Subsidiaritätsprinzip  seien Personen mit einer  innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf den  Schutz  eines  Drittstaates  angewiesen.  Bei  den  Beschwerdeführenden  handle es sich nicht um  landesweit  bekannte Persönlichkeiten, weshalb  nicht anzunehmen sei, dass die Verfolger sie an einem beliebigen Ort in  Kolumbien  ausfindig  machen  könnten.  Eigenen  Angaben  zufolge  seien  sie bisher ständig im gleichen Quartier in D._______ wohnhaft gewesen.  Um  der  dort  herrschenden  schlechten  Sicherheitslage  zu  entkommen,  hätten sie die Möglichkeit,  sich an einen anderen Ort  im Heimatland zu  begeben,  wo  sie  nicht  bekannt  seien  und  wo  sie  sich  den  Übergriffen  entziehen  könnten.  Demzufolge  seien  die  Beschwerdeführenden  keiner  unmittelbaren Gefahr im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt, weshalb sie  den  Schutz  der  Schweiz  nicht  benötigten.  Im  Übrigen  seien  die 

D­6140/2011 Asylgesuche  auch  gestützt  auf  Art.  52  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  abzulehnen.  Den  Beschwerdeführenden sei es nämlich zuzumuten, in einem anderen Land  als  der  Schweiz  um  Asyl  nachzusuchen,  zumal  sie  keine  besonders  nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht  hätten.  In  Frage  kämen  beispielsweise  diejenigen  Nachbarstaaten  Kolumbiens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als  auch  das  entsprechende  Zusatzprotokoll  vom  31. Juli  1967  ratifiziert  hätten.  Für  die  praktische  Möglichkeit  und  die  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  in  diesen Ländern spreche zudem die Möglichkeit der visumsfreien Einreise  sowie  der  Umstand,  dass  jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staatsangehörige  in den Nachbarländern  (insbesondere  in Ecuador) um  Asyl ersuchten und dort zu einem beträchtlichen Teil auch tatsächlich als  Flüchtlinge anerkannt würden. F.  Mit Eingabe vom 4. November 2011  (Datum Eingang bei der Botschaft)  erhoben  die  Beschwerdeführenden  sinngemäss  Beschwerde  gegen  die  vorinstanzliche Verfügung.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  Beschwerden  gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer Vorinstanz  im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet  betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig  für  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Entscheide  des  BFM,  welche  in  Anwendung  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ergangen sind, und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31­ 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]).

D­6140/2011 1.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Die  sinngemässe  Beschwerde  wurde  lediglich  von  der  Beschwerdeführerin  unterzeichnet.  Aufgrund  der  Aktenlage  ist  indessen  davon auszugehen, dass sie dabei auch im Namen und im Auftrag ihres  Ehemannes gehandelt hat. Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf  die  frist­  und  (wenn  auch  nur  knapp)  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG  i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3.  3.1.  Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine  solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen  ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf die Durchführung des  Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1. Gemäss  Art. 19  AsylG  kann  ein  Asylgesuch  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Bericht  an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische  Vertretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art. 10  Abs. 1  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV  1).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  erkannt  (vgl.  zum  Folgenden  BVGE  2007/30  E. 5.2  ff.),  dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung aus organisatorischen oder  kapazitätsmässigen  Gründen  bei  der  jeweiligen  Vertretung,  aus  faktischen  Hindernissen  im  betreffenden  Land  oder  aus  bei  der  asylsuchenden  Person  liegenden  persönlichen  Gründen  ergeben  kann. 

D­6140/2011 Da  die Anhörung  der Sachverhaltserstellung  sowie  der Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  dient,  ist  die  asylsuchende  Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in  einem individualisierten Schreiben mittels konkreter Fragen aufzufordern,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardisiertes  Schreiben  vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller  Regel  nicht  zu  genügen.  Allerdings  kann  sich  eine  Befragung  beziehungsweise  eine  schriftliche  Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden  Person  ist  aber  diesfalls  immerhin  im  Sinne  des  rechtlichen  Gehörs  die  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  einem  abzusehenden  negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern.  Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von  einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen. 4.2.  Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der  schweizerischen  Botschaft  in  Kolumbien  zu  ihren  Asylgesuchen  nicht  befragt,  da  die  Botschaft  dazu  gemäss  Überweisungsschreiben  vom  19. August  2010  aus  gerichtsnotorischen  und  mithin  nachvollziehbaren  Kapazitätsgründen  nicht  in  der  Lage  war.  Den  Beschwerdeführenden  wurde mit Zwischenverfügung des BFM vom 12. Oktober 2010 mitgeteilt,  der entscheidrelevante Sachverhalt sei aufgrund der Aktenlage als erstellt  zu  erachten.  Gleichzeitig  wurde  ihnen  zu  dieser  Feststellung  sowie  im  Hinblick auf die vom Bundesamt  in Erwägung gezogene Abweisung der  Asylgesuche  das  rechtliche  Gehör  gewährt.  Eine  diesbezügliche  Stellungnahme  reichten  die  Beschwerdeführenden  indessen  nicht  ein,  allerdings leitete die schweizerische Botschaft  in Bogotà am 12. Oktober  2010  ein  Schreiben  der  Beschwerdeführenden  mit  ergänzenden  Ausführungen  zu  ihrem  Asylgesuch  an  das  BFM  weiter  (Eingang  beim  BFM am 25. Oktober 2010). Angesichts der einlässlichen Ausführungen  der  Beschwerdeführenden  in  ihren  schriftlichen  Eingaben  sowie  unter  Berücksichtigung  der  eingereichten  Beweismittel  ist  der  entscheidwesentliche Sachverhalt als hinreichend abgeklärt zu erachten.  Im Weiteren hat das BFM in der angefochtenen Verfügung das Absehen  von einer persönlichen Anhörung  in nachvollziehbarer Weise begründet.  Somit  hat  das  BFM  den  verfahrensrechtlichen  Anforderungen  an  die  Behandlung der Asylgesuche ausreichend Rechnung getragen. 5.  5.1. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn  die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder 

D­6140/2011 ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3,  Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt  das  Bundesamt  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes, wenn  ihnen nicht  zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 5.2. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch ei­nen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr.  15,  insbesondere  S. 131  ff.;  dieser  Entscheid  hat  angesichts  bloss  redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des  Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit). Ausschlaggebend für die Erteilung  der Einreisebewilligung  ist  dabei  die Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der  Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  glaubhaft  gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. 6.  6.1.  Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz zur Recht  festgestellt, dass  die  Beschwerdeführenden  offensichtlich  über  keine  besonders  nahen  Beziehungen zur Schweiz verfügen. Auch auf Beschwerdeebene werden  keine  derartigen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht.  Des  Weiteren  hat  das  Bundesamt  zu  Recht  ausgeführt,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  zuzumuten  ist,  in  einem  anderen  lateinamerikanischen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen  (vgl.  Art.  52 Abs.  2 AsylG). So  sind  beispielsweise  die Nachbarstaaten Brasilien,  Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als auch des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967;  Venezuela  wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht  ratifiziert, wohl aber das  Protokoll.  Diese  Länder  verfügen  mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von  Flüchtlingen.  Zudem  halten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non­

D­6140/2011 Refoulement  im  Sinne  von  Art.  33  FK,  auch  wenn  als  Einschränkung  festgestellt werden muss, dass es in den Grenzgebieten – insbesondere  denjenigen  zu  Panama  und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu  unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die Grenzbehörden  gekommen  ist.  Wie  das  BFM  zutreffend  erwähnt  hat,  wird  jedoch  jährlich  ein  beträchtlicher  Teil  der  kolumbianischen  Asylsuchenden  in  den  Nachbarländern  (namentlich  in  Ecuador)  als  Flüchtlinge  anerkannt.  Kolumbianische  Staatsangehörige  können  im  Übrigen  visumsfrei  nach  Brasilien,  Ecuador  und  Peru  einreisen.  Eine  Schutzsuche  in  diesen  Ländern ist zudem auch aus geografischen, kulturellen und sprachlichen  Gründen naheliegender als eine Schutzsuche in der Schweiz. Weder aus  den Vorbringen der Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren  (unter  Berücksichtigung  der  eingereichten  Beweismittel)  noch  auf  Beschwerdeebene  ergeben  sich  konkrete  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen  liessen,  es  sei  ihnen  praktisch  unmöglich  oder  objektiv  unzumutbar,  sich  in  einen  anderen  Staat,  insbesondere  einen  der  Nachbarstaaten Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 sowie  1997  Nr. 15  E.  2f).  Dies  gilt  umso  mehr,  als  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden aufgrund der Akten nicht um landesweit bekannte  Personen  handelt,  die  aufgrund  einer  besonders  exponierten  Stellung  auch  bei  einer  Flucht  ins  nahe  Ausland  allenfalls  befürchten  müssten,  weiterhin verfolgt zu werden. 6.2.  Bei  dieser  Sachlage  kann  offen  bleiben,  ob  sich  die  Beschwerdeführenden  den  geltend  gemachten  Bedrohungen  allenfalls  durch  eine  innerstaatliche  Verlegung  ihres  Wohnsitzes  dauerhaft  entziehen könnten. 6.3. Nach  dem  Gesagten  ist  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführenden über keine konkrete Beziehungsnähe zur Schweiz  verfügen,  hingegen  die  Möglichkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  haben.  Unter  diesen  Umständen  hat  das  BFM  zu  Recht  den  Beschwerdeführenden  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  verweigert  und die Asylgesuche abgelehnt. 7.  Aus  den  angestellten  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  Beschwerde ist folglich abzuweisen.

D­6140/2011 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art.  63  Abs. 1  in  fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  indessen  auf  die  Erhebung der Verfahrenskosten zu verzichten.

D­6140/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  schweizerische Botschaft in Kolumbien (Bogotá). Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

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