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Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 D-5874/2010

19. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,292 Wörter·~6 min·2

Zusammenfassung

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Juli 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5874/2010 Urteil   v om   1 9 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Daniele Cattaneo, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;  Gerichtsschreiber Carlo Monti. Parteien A._______, alias  B._______,  Georgien,  Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 26. Juli 2010 / N […].

D­5874/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat  am  7.  Juli  2009  verliess  und  am 1. November  2009  in Begleitung  ihrer  Tochter  in die Schweiz einreiste, wo sie gleichentags  im Transitzentrum  C._______ um Asyl nachsuchte, dass  sie  anlässlich  der  Befragung  zur  Person  (BzP)  im  Transitzentrum  C._______ vom 18. November 2009 und der Anhörung durch das BFM  vom  26.  November  2009  vorbrachte,  sie  habe  aus  Angst  vor  einer  Blutrache zusammen mit ihrer Tochter ihr Heimatland verlassen, dass  die  Beschwerdeführerin  seit  April  2009  fast  täglich  Anrufe  von  unbekannten  Personen,  welche  die  Spielschulden  ihres  Mannes  zurückverlangten, erhalten habe, dass man  ihr mit dem Tode gedroht habe,  falls  ihr Mann das Geld nicht  zurückzahlen sollte, dass  im  Mai  2009  Unbekannte  der  Beschwerdeführerin  auf  den  Kopf  geschlagen hätten, worauf sie bewusstlos wurde, dass sie am 6. Juni 2009 erfahren habe, dass der Bruder  ihres Mannes  umgebracht worden sei und ihr Mann daraufhin am 5. oder 6. Juni 2009  einen Svaneten getötet habe, dass aus Angst vor einer möglichen Blutrache der Mann ihrer Schwester  ihr geraten haben soll, sofort mit ihrer Tochter auszureisen, dass die Beschwerdeführerin am 7. Juli 2009 zusammen mit ihrer Tochter  mit einem Schengenvisum von D._______ nach E._______ geflogen sei, dass  sie  sich  in  Begleitung  ihrer  Tochter  vier  Monate  bei  einer  ihnen  unbekannten Frau an einem ihnen unbekannten Ort aufgehalten hätten, dass  dieselbe  Frau,  nachdem  sie  von  den  Problemen  der  Beschwerdeführerin  erfahren habe,  ihr  geraten habe,  in die Schweiz  zu  gehen, damit die Georgier sie in Frankreich nicht finden könnten, dass sie somit am 1. November 2009 in Begleitung ihrer Tochter mit dem  Zug von E._______ nach F._______ gefahren sei,

D­5874/2010 dass die Tochter der Beschwerdeführerin am 15. März 2010 freiwillig  ihr  Asylgesuch zurückzog und am 5. Mai 2010 kontrolliert  nach D._______  zurückkehrte, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom 26. Juli 2010 – eröffnet am 27. Juli 2010 – abwies, die Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  anordnete  und  einer  allfälligen  Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog, dass die Vorinstanz zur Begründung  ihres Entscheides  im Wesentlichen  ausführte, die dargelegten Vorfälle stellten Übergriffe durch private Dritte  dar und würden vom georgischen Staat weder unterstützt noch gebilligt, dass  die  Blutrache  als  solche  sowie  die  damit  zusammenhängenden  Behelligungen  von  den  zuständigen  Strafverfolgungsbehörden  im  Rahmen ihrer Möglichkeiten verfolgt und geahndet würden, dass  betroffenen  Personen  es  somit  möglich  und  zumutbar  sei,  mit  rechtlichen Mitteln und gegebenenfalls mit Hilfe eines Anwaltes gegen die  geltend gemachten Übergriffe vorzugehen, dass,  angesichts  dessen,  dass  die  Beschwerdeführerin  keine  Anzeige  erstattet  habe,  den  heimatlichen  Behörden  auch  nicht  mangelnder  Schutzwille vorgeworfen werden könne, dass im Falle einer Weigerung der Polizei, die entsprechenden Schritte in  die  Wege  zu  leiten,  die  Möglichkeit  bestünde,  sich  bei  einer  höheren  Instanz zu beschweren, dass Betroffene sich ausserdem an eine Menschenrechtsorganisation wie  das "Liberty Institute" oder den "Public Defender" wenden könnten, dass  der  georgische  Staat  grundsätzlich  sowohl  schutzfähig  als  auch  schutzwillig sei, dass es  jedoch ausserhalb der Möglichkeiten eines Staates  liege,  jeden  denkbaren Übergriff Dritter präventiv zu verhindern, dass  das  Bundesamt  weiter  ausführte,  die  Tochter  der  Beschwerdeführerin sei trotz der angeblich drohenden Blutrache freiwillig  nach Georgien zurückgekehrt,

D­5874/2010 dass  sich  aus  den  Akten  keine  Hinweise  auf  staatliche  Verfolgung  ergäben und dass die Beschwerdeführerin ihr Heimatland am 7. Juli 2009  kontrolliert über den Flughafen D._______ verlassen habe, dass  die  Beschwerdeführerin  ausserdem  anlässlich  der  Anhörung  als  neues  Sachverhaltselement  geltend  gemacht  habe,  sie  sei  überall  von  den Leuten des Getöteten, welche Svaneten seien, gesucht worden, dass  sie  auf  Vorhalt,  weshalb  sie  dieses  für  die  Beurteilung  ihres  Asylgesuchs  zentrale  Element  nicht  schon  anlässlich  der  BzP  vom  18.  November  2009 angeführt  habe,  erklärte, man habe  ihr  damals  gesagt,  es sei nur eine kurze Befragung, dass dieser Rechtfertigungsversuch indessen nicht gehört werden könne,  da die Beschwerdeführerin im Rahmen der BzP vom 18. November 2009  explizit erklärte habe, alle Asylgründe genannt zu haben, dass  die  Beschwerdeführerin  ausser  den  erwähnten  Problemen,  angab  keinerlei  Schwierigkeiten  mit  Privatpersonen  oder  Organisationen  ihres  Heimatlandes gehabt zu haben, dass  sie  ausserdem  in  der  BzP  vom  18.  November  2009  angegeben  habe,  mit  ihrem  Pass  und  einem  ihr  unbekannten  Schengenvisum  von  D._______ nach E._______ geflogen zu sein, dass ihr Pass und derjenige ihrer Tochter nach der Ankunft am Flughafen  gestohlen worden seien, dass diese Angaben tatsachenwidrig seien, denn die Beschwerdeführerin  sei in Begleitung ihrer Tochter im Besitze eines slowakischen Visums von  D._______  nach  E._______  geflogen  und  den  schweizerischen  Asylbehörden  bei  der  Einreichung  ihres  Asylgesuches  ihren  Pass  vorenthalten habe, dass  die  Reisepässe  von  der  G._______  Polizei  bei  einer  Hausdurchsuchung am 20. Januar 2010 bei der Beschwerdeführerin und  deren Tochter sichergestellt worden seien, dass  die  Beschwerdeführerin  durch  dieses  Verhalten  nicht  nur  ihre  Mitwirkungspflicht  verletzt,  sondern  das  BFM  zudem  daran  gehindert  habe,  die  staatsvertraglichen  und  asylgesetzlichen  Bestimmungen  über  die Wegweisung in einen Drittstaat zu prüfen und anzuwenden,

D­5874/2010 dass  aus  den  geltend  gemachten  Vorbringen  somit  keine  Asylrelevanz  abgeleitet  werden  könne  und  die  Vorinstanz  deshalb  darauf  verzichten  könne,  auf  allfällige  weitere  Unstimmigkeiten  in  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin einzugehen, dass  damit  die  Asylgründe  der  Beschwerdeführerin  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  standhielten,  weshalb  sie  die  Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, so dass das Asylgesuch abzulehnen  sei, dass deshalb auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5  Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden könne, dass sich ferner aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergäben, dass  die Beschwerdeführerin  im Falle einer Rückkehr  in den Heimatstaat mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe, dass  weiter  weder  die  im  Heimatstaat  herrschende  politische  Situation  noch  andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückführung  in  den  Heimatstaat sprächen, dass zudem auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des  Vollzugs  der  Wegweisung  sprächen,  da  es  sich  bei  der  Beschwerdeführerin  um eine  Frau mittleren Alters  handelt,  welche  über  eine  Ausbildung  als  Buchhalterin  und  über  ein  gutes  funktionierendes  familiäres Beziehungsnetz in ihrem Heimatstaat verfüge, dass mit Schreiben vom 15. Februar 2010 die Beschwerdeführerin dem  BFM  mitteilte,  dass  sie  sich  in  der  Schweiz  verlobt  habe  und  ihren  Verlobten bald heiraten wolle, dass  die  von  ihr  beabsichtigte  Heirat  mit  einem  Schweizer  Staatsangehörigen  dem  Wegweisungsvollzug  auch  unter  Berücksichtigung von Art. 8 EMRK nicht entgegenstünde, da eine Heirat  durch  einen  allfälligen  Wegweisungsvollzug  nicht  verunmöglicht  würde  und  es  der  Beschwerdeführerin  zuzumuten  sei,  das  Ehevorbereitungsverfahren  in  ihrem  Heimatstaat  abzuwarten  beziehungsweise die Heirat in Georgien erfolgen könne,

D­5874/2010 dass  ausserdem  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch durchführbar sei, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  18.  August  2010  (eingegangen  am  19.  August  2010)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  in materieller Hinsicht  sinngemäss  beantragte,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  im  Wegweisungs­  und  Vollzugspunkt  (Dispositivziffern  3,  4  und  5)  aufzuheben, eventualiter sei sie vorläufig in der Schweiz aufzunehmen, dass  weiter  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  wiederherzustellen  sei,  indem  der  Beschwerdeführerin  zu  erlauben  sei,  den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten, dass  sie  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte, dass  die  Beschwerdeführerin  zur  Begründung  der  Beschwerde  im  Wesentlichen vorbrachte, das BFM habe es unterlassen, den Entzug der  aufschiebenden Wirkung  zu  begründen,  weshalb  sich  die  Verfügung  in  diesem Punkt als willkürlich erweise, dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  in  Bezug  auf  ihre  Fluchtgründe  angesichts  der  Aktenlage  beachtlich  seien,  zumal  die  diesbezüglichen Feststellungen des BFM nicht ausreichend seien, um ihr  den Flüchtlingsstatus nach Art. 3 AsylG nicht zuzuerkennen, dass  weiter  ein  "real  risk"  bei  der  Beschwerdeführerin  mit  einer  an  Wahrscheinlichkeit  grenzender  Sicherheit  anzunehmen  sei,  weshalb  sie  in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei, dass  in  Bezug  auf  die  weitere  Beschwerdebegründung  auf  die  Beschwerdeschrift zu verweisen ist, dass  mit  Instruktionsverfügung  vom  27.  August  2010  der  Beschwerdeführerin eröffnet wurde, sie dürfe gemäss Art. 42 AsylG den  Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten,

D­5874/2010 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31–33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48  Abs. 1 VwVG), dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 52  Abs. 1 VwVG), dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich begründete oder unbegründete Beschwerden  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst.  e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche handelt (offensichtlich begründet bezüglich der Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  und  offensichtlich  unbegründet  im  Wegweisungs­  und  Vollzugspunkt),  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  gemäss  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr.  9  S.  64  im  ordentlichen  Rechtsmittelverfahren  die  Beschwerde  grundsätzlich  aufschiebende  Wirkung hat,

D­5874/2010 dass  der  Entzug  der  aufschiebenden  Wirkung  nach  Art.  55  VwVG  kumulativ  voraussetzt,  dass  die  Beschwerde  offensichtlich  aussichtslos  erscheint  und  der  Beschwerdeführer  andere  Personen  oder  die  öffentliche  Ordnung  und  Sicherheit  in  ernstzunehmender  Weise  gefährdet, dass das Bundesverwaltungsgericht  in seiner  Instruktionsverfügung vom  27. August 2010 der Beschwerdeführerin gemäss Art. 42 AsylG erlaubte,  den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten, dass dies implizit die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung zur  Folge  hat  und  deshalb  das  BFM  zu  Unrecht  der  Beschwerde  die  aufschiebende Wirkung entzogen hat, dass  der  Beschwerdeführerin  daraus  jedoch  keinerlei  Schaden  entstanden ist, da der Termin für die Wegweisung von der Vorinstanz auf  den  20. September  2010  angesetzt  wurde  und  sie  rechtzeitig  in  der  Beschwerdeschrift  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  ersuchen  konnte  und  diese  in  der  Folge  vom  Bundesverwaltungsgericht wiederhergestellt wurde, dass infolge Nichtanfechtens der Dispositivziffern 1 und 2 der Verfügung  des  BFM  vom  26.  Juli  2010  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  lediglich die Frage bildet, ob die Wegweisung zu  Recht angeordnet wurde, ob diese zu vollziehen ist oder ob anstelle des  Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist, dass wenn das Bundesamt das Asylgesuch ablehnt oder es darauf nicht  eintritt, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und  ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu  berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG), dass  die  Beschwerdeführerin  weder  über  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung  noch einen Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  verfügt, dass  bezüglich  der  geplanten Heirat  auf  die  zutreffenden Ausführungen  des BFM zu verweisen ist, dass  demnach  aus  Art.  8  EMRK  nichts  zugunsten  der  Beschwerdeführerin abgeleitet werden kann,

D­5874/2010 dass  die  Wegweisung  deshalb  zu  Recht  angeordnet  wurde  (Art.  44  Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21), dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  16.  Dezember 2005 [AuG, SR 142.20]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  (vgl.  die  in  diesem  Umfang  rechtskräftige Verfügung des BFM vom 26. Juli 2010), dass sie ausserdem in der Beschwerdeschrift selber ausführte, dass ihre  Vorbringen nicht ausreichen würden, um "ihr den Flüchtlingsstatus nach  Art. 3 AsylG anzuerkennen", dass  deshalb  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung  findet  und  überdies  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige Behandlung ersichtlich sind, die im Heimat­ oder  Herkunftsstaat droht, dass sich sodann weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch  aus den Akten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sie  für den Fall einer  Ausschaffung  nach  Georgien  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 des Übereinkommens gegen Folter 

D­5874/2010 und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe vom 10. Dezember 1984 (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe  oder Behandlung ausgesetzt wäre, dass  gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN­Anti­Folterausschusses die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen müsste,  dass  ihr  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde  Nr. 37201/06, §§ 124­127, mit weiteren Hinweisen), dass aufgrund der Akten indessen nicht davon auszugehen ist, dass der  Beschwerdeführerin  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Georgien  eine  derartige Gefahr droht, dass  auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Georgien  den  Wegweisungsvollzug  im  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig erscheinen lässt, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  aufgrund  der  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  (act.  BFM A1/15,  S. 3)  davon  auszugehen  ist,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  Georgien  über  ein  tragfähiges  soziales  Netz  verfügt  (Mutter,  verschiedene  Verwandte und Bekannte, einen Bruder und zwei Schwestern, welche sie  nach der Scheidung finanziell unterstützt haben), dass  sie  eine  überdurchschnittliche  Schulbildung  genossen  zu  haben  scheint, da sie angegeben hat, Ökonomin zu sein  (vgl. act. BFM A1/15,  S. 2), dass  ansonsten  vollumfänglich  auf  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  verwiesen werden kann, dass die Ausführungen in der Beschwerde an dieser Einschätzung nichts  zu ändern vermögen, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist, dass  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimat­  bzw.  Herkunftsstaat  der  Beschwerdeführerin  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete 

D­5874/2010 Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  von  der  Vorinstanz  zu  Recht  als  zumutbar erachtet wurde, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art.  83 Abs.  2 AuG),  und es der Beschwerdeführerin  obliegt,  bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513­515), dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der Wegweisung  nach  dem  Gesagten zu bestätigen ist, dass  sich  aus  den  vorgenannten  Erwägungen  ergibt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  soweit  die  Fragen  der  Wegweisung  und  den  Vollzug  betreffend,  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106  AsylG), dass die Beschwerde nach dem Gesagten in diesen Punkten abzuweisen  ist, dass der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  durch das vorliegende Urteil gegenstandslos wird, weshalb darüber nicht  mehr zu befinden ist, dass  schliesslich  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  abzuweisen  ist,  da  die  Beschwerdebegehren  betreffend  Wegweisung  und  Vollzug  nach  dem  Gesagten als aussichtslos zu bezeichnen sind, dass  aufgrund  der Wiederherstellung  der  aufschiebenden Wirkung  sich  rechtfertigt  der Beschwerdeführerin  reduzierte Kosten  für  das Verfahren  von  Fr.  400.–  aufzuerlegen  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]; Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­5874/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  400.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Daniele Cattaneo Carlo Monti Versand:

D­5874/2010 Zustellung erfolgt an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit  den Akten N […] (per Kurier; in Kopie) – das  Amt  für  öffentliche  Sicherheit  des  Kantons  Solothurn,  Ausländerfragen ad: SO […] (in Kopie)

D-5874/2010 — Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 D-5874/2010 — Swissrulings