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Bundesverwaltungsgericht 16.02.2012 D-5709/2009

16. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,892 Wörter·~9 min·4

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. August 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5709/2009/sed  Urteil   v om   1 6 .   Februar   2012 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  Gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 10. August 2009 / N (…).

D­5709/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  den  Heimatstaat  am  28.  März  2009  und  gelangte  am  21.  April  2009  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  um  Asyl  nachsuchte.  Nach  einer  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  vom  28.  April  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  am  4.  Mai  2009  vom  BFM direkt zu seinen Asylgründen angehört. Im Wesentlichen machte er  bei  den  Befragungen  geltend,  am  24.  April  2007  seien  Angehörige  der  srilankischen  Armee  bei  seiner  (Werkstatt)  in  Jaffna  vorbeigekommen,  hätten  ihm die Unterstützung zu Gunsten der Liberation Tigers of Tamil  Eelam  (LTTE)  vorgeworfen  und  ihn  ins  Camp  von  Jaffna­Stadt  mitgenommen,  wo man  ihn  geschlagen  habe.  Nach  zwei  Tagen  sei  er  freigelassen  worden.  Aufgrund  ständiger  Beobachtungen  durch  Armeeangehörige  sei  er  ungefähr  im  September  2008  nach  Colombo  gegangen,  wo  er  sich  registriert,  eine  eigene  (Werkstatt)  betrieben  und  anfänglich keine Probleme gehabt habe. Am 16. Oktober 2008 sei er  im  Rahmen  einer  Ausweiskontrolle  von  Leuten  des  Geheimdienstes  der  Armee  vor  einem  Lodge  festgenommen  worden.  Es  sei  ihm  erneut  die  Unterstützung  zu  Gunsten  der  LTTE  vorgeworfen  worden.  Vor  diesem  Hintergrund  habe  er  Sri  Lanka  schliesslich  verlassen.  Irgendwelche  anderen Probleme mit  den  heimatlichen Behörden  oder Organisationen  verneinte  der  Beschwerdeführer.  Für  den  Inhalt  der weiteren  Aussagen  wird  auf  die  Akten  verwiesen.  Das  BFM  verzichtete  auf  weitere  Abklärungen. In der Folge wurde der Beschwerdeführer  für die Dauer des Verfahrens  dem Kanton C._______ zugewiesen. B.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  10.  August  2009  –­  eröffnet  am  11. August  2009  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Wegweisungsvollzug  an.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt,  die  Vorbringen  genügten  einerseits  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  andererseits  denjenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht. Bei der vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Inhaftierung  von  April  2007  in 

D­5709/2009 Jaffna  handle  es  sich  um ein  abgeschlossenes Ereignis,  das  zu  keinen  weiteren  Nachteilen  geführt  habe.  Die  Freilassung  ohne  Bedingungen  ergäbe  auch,  dass  seitens  der  srilankischen  Armee  keine  weiteren  Verfolgungsabsichten  bestanden  haben.  Die  Inhaftierung  sei  zwar  ein  Eingriff  in  die  psychische  Integrität  des Beschwerdeführers,  indes diene  die  Asylgewährung  nicht  dazu,  einmal  erlittenes  Unrecht  wieder  gut  zu  machen.  Unter  Angabe  der  jeweiligen  Fundstellen  in  den  Protokollen  wurde  ferner  ausgeführt,  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  seien  widersprüchlich  ausgefallen,  erst  im  späteren  Verlaufe  des  Verfahrens  geltend gemacht worden und würden der allgemeinen Erfahrung oder der  Logik des Handelns widersprechen (Angaben zur Dauer der Festnahme  vom 16. Oktober 2008 in Colombo; Angaben im Zusammenhang mit der  wiederholten Suche nach ihm nach der Freilassung sowie den gestellten  Geldforderungen  durch  Armeeangehörige;  Angaben  zur  behördlichen  Suche nach ihm in Jaffna). Der Vollzug der Wegweisung sei durchführbar  und zumutbar; ihm stünden keine triftigen Gründe entgegen. C.  Mit Eingabe vom 10. September 2009 erhob der Beschwerdeführer beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  zur  ergänzenden  Sachverhaltsfeststellung  und  zum  neuen  Entscheid  an  das  BFM.  Eventualiter sei dem Beschwerdeführer Asyl in der Schweiz zu gewähren.  Subeventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen, und das BFM sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  zu  gewähren.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  die  unentgeltliche  Rechtspflege  sowie  eventualiter  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  beantragt.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. D.  Nach erfolgter Eingangsbestätigung wurde mit Instruktionsverfügung vom  30.  September  2009  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses verzichtet.

D­5709/2009 E.  In seiner Vernehmlassung vom 16. Oktober 2009 hielt das BFM an seiner  Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 

D­5709/2009 oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Der  Beschwerdeführer  konnte  sich  anlässlich  seiner  Anhörungen  (Erstanhörung  im  EVZ/direkte  Bundesanhörung)  während  rund  viereinhalb Stunden äussern. Er berief sich grundsätzlich auf denselben  Sachverhalt. Die Verständigung mit den Dolmetschern bezeichnete er bei  beiden  Anhörungen  als  gut.  Den  Protokollen  sind  auch  keine  Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach der Beschwerdeführer nicht in der  Lage gewesen wäre, den Befragungen zu folgen. Ebenfalls ergeben sich  keine Hinweise  für  die  Annahme,  dass  ihm  nicht  genügend  Zeit  für  die  Darlegung  seiner  Fluchtgründe  zur  Verfügung  gestanden  hätte.  Dem  Beschwerdeführer  wurden  nach  seiner  freien  Erzählung  zu  den  Gesuchsgründen  im  EVZ  zusätzliche  konkrete  respektive  klärende  Fragen  zu  den  von  ihm  erwähnten  zwei  massgebenden  fluchtauslösenden  Vorkommnissen  gestellt.  Auch  erhielt  er  die  Gelegenheit,  allfällige  weitere  Gründe  darzutun,  die  ihn  zum  Verlassen  des  Heimatlandes  bewogen  haben  beziehungsweise  die  gegen  eine  allfällige Rückkehr nach Sri  Lanka sprechen würden. Mit  der Befragung  beim Bundesamt  verhält  es  sich  gleichermassen.  Insbesondere wurden  dem  Beschwerdeführer  zahlreiche  vertiefende  Fragen  hinsichtlich  des  gegenüber  der  Erstbefragung  grundsätzlich  unverändert  gebliebenen  Sachvortrags  gestellt.  Ferner  bestätigte  der  Beschwerdeführer  unterschriftlich die Richtigkeit (EVZ) und Vollständigkeit (Bundesamt) der  diesbezüglichen  Protokolle,  weshalb  er  sich  bei  seinen  Aussagen  behaften zu lassen hat. Diese Feststellung erfährt zudem an Gewicht, als 

D­5709/2009 dass  die  beim  Bundesamt  anwesende  Hilfswerkvertretung  auf  die  ihr  eingeräumte  Gelegenheit,  selbst  Fragen  an  den  Beschwerdeführer  zu  richten,  verzichtete  und  darüberhinaus  mit  ihrer  Unterschrift  bestätigte,  dass  sie  keine  Einwände  anzumelden  beziehungsweise  weitere  Abklärungen anzuregen habe. Es  trifft zwar zu, dass die Vorinstanz den  Sachverhalt in der angefochtenen Verfügung sehr kurz gehalten und nicht  jede  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachte  Einzelheit  aufgeführt  hat.  In  Verbindung  mit  dem  unter  Angabe  der  Fundstellen  in  den  Protokollen  erfolgten  Begründungsteil  ergibt  sich  jedoch  zweifelsfrei,  dass  der  Sachverhalt  als  erstellt  (vollständig)  zu  erachten  ist.  Entgegen  der  vertretenen  Ansicht  in  der  Beschwerde  kann  demnach  von  einer  bloss  teilweisen  Erfassung  des  Sachverhalts  und  einer  bloss  partiellen  Würdigung  der  Vorbringen  keine  Rede  sein.  Der  entsprechende  Hauptantrag um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz (vgl. Ziff.1 S.  2  der  Beschwerdeanträge  sowie  Ziff.  6  S.  6  der  Begründung)  ist  somit  abzuweisen.  4.2. Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  sodann  zum  Schluss,  dass  die  dem  Beschwerdeführer  vom  BFM  vorgeworfenen  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Akten  grösstenteils  Stütze  finden.  Ebenfalls ist der Argumentation der Vorinstanz zuzustimmen, wenn es die  asylrechtliche  Beachtlichkeit  des  geltend  gemachten  Ereignisses  von  April  2007  in  Abrede  stellt.  Ergänzend  ist  in  diesem  Zusammenhang  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  diesem  Vorkommnis  bis  zu  seinem  Wegzug  nach  Colombo  während  rund  anderthalb  Jahren  keinen  nennenswerten  Nachteilen  seitens  der  srilankischen  Sicherheitskräfte mehr ausgesetzt gewesen ist. Seine in diesem Zeitraum  empfundene  Angst,  weil  er  vier  bis  fünf  Mal  überwacht  worden  sei,  ist  zwar  nachvollziehbar;  sie  ist  im  Gesamtkontext  aber  als  eine  subjektiv  übersteigerte  Wahrnehmung  zu  bezeichnen,  mit  welcher  er  keine  individuelle  Betroffenheit  im  Sinne  des  Asylgesetzes  darzutun  vermag.  Schliesslich  ist  zu  erwähnen,  dass  im  Gegensatz  zur  Bundesanhörung  von  einem  Spitalaufenthalt  bei  der  Erstbefragung  keine  Rede  war  und  sich die vom Beschwerdeführer geschilderten Nachteile, die ihm während  der Festhaltung  im April  2007 zugefügt worden sind, nur  schwerlich mit  der  im eingereichten Arztzeugnis  enthaltenen Diagnose  (Motorradunfall)  in  Einklang  bringen  lassen.  Insgesamt  geben  die  vorinstanzlichen  Erwägungen in der angefochtenen Verfügung zu keinen Beanstandungen  Anlass (vgl. Bst. B hiervor sowie nachstehend).

D­5709/2009 4.3.  Die  Argumentation  in  der  Rechtsmitteleingabe  ist  ungeeignet,  die  dem  Beschwerdeführer  vom  BFM  vorgeworfenen  Unglaubhaftigkeitselemente zu entkräften. Sie erweist sich unter anderem  als  mutmassend,  womit  die  diversen  Unstimmigkeiten  und  Ungereimtheiten  in  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  jedoch  nicht  überzeugend  erklärt  und  beseitigt  werden.  Die  diesbezüglichen  Ausführungen  sind  vielmehr  als  eine  nachträgliche  Anpassung  an  den  bereits  festgestellten  Sachverhalt  zu  werten.  Insbesondere  vermögen –  wie  bereits  unter  E.  4.1  ausgeführt  –  weder  der  Einwand  der  unzureichenden  Bildung  des  Beschwerdeführers  noch  die  Berufung  auf  die  unterschiedliche  Dauer  und  die  Übersetzungsproblematik  bei  den  Befragungen  die  Divergenzen  zu  erklären.  Ebensowenig  überzeugen  seine Aussagen, wonach er beim ersten Mal Angst gehabt habe, weil er  nicht  gewusst  habe,  was  man  ihn  fragen  würde  oder  weil  er  sehr  aufgeregt  gewesen  sei.  Es  ist  nicht  einzusehen,  weshalb  der  Beschwerdeführer  ausgerechnet  gegenüber  denjenigen  Behörden,  bei  denen  er  um Schutz  nachsucht,  seine  fluchtauslösenden Gründe derart  unterschiedlich  zu  Protokoll  gibt  oder  massgebende,  ihn  betreffende  Vorkommnisse,  aus  unerfindlichen  Gründen  vergisst  zu  erwähnen.  Sodann gilt vorliegend – ungeachtet der unterschiedlichen Schilderungen  des  Beschwerdeführers  zwischen  Erst­  und  Bundesbefragung  –  zu  berücksichtigen,  dass  die  geltend  gemachten  Probleme mit  Leuten  der  CID in Colombo (ca. Mitte Oktober 2008) eher zufällig angefangen haben  sollen,  und er  sich diesen Schwierigkeiten durch Schmiergeldzahlungen  zu  entledigen  gewusst  haben  will.  Auch  kann  dem  Protokoll  der  Bundesanhörung  entnommen  werden,  dass  er  allenfalls  weiteren  ernsthaften  Nachteilen  im  Sinne  des  Asylgesetzes  nicht  ausgesetzt  gewesen ist (A 8 S. 14 f.). Die erst mehr als fünf Monate später erfolgte  Ausreise aus dem Heimatland vermag deshalb durchaus die Vermutung  zu nähren, dass dem Beschwerdeführer ein menschenwürdiges Leben in  Colombo nicht unzumutbar erschwert oder gar verunmöglicht worden ist.  Nicht  ausser  Acht  gelassen  werden  dürfen  in  diesem  Zusammenhang  ebenfalls  dessen  Schilderungen  zu  den  Ausreiseumständen.  Sein  Verhalten  muss  jedenfalls  als  gegen  eine  behauptete  Gefährdungssituation  sprechend  qualifiziert  werden.  So  erscheint  es  kaum verständlich, dass er sich vollkommen dem Schlepper vertrauend,  als  verdächtige  Person  und  der  singhalesischen  Sprache  nicht mächtig  dem Risiko des Entdecktwerdens bei  den  rigorosen Kontrollen  rund um  den Flughafen und  im Flughafen selbst ausgesetzt haben soll,  indem er  mit  einem auf  einen  anderen Namen  lautenden  srilankischen Pass,  der  mit  seinem  Foto  und  seinem  Geburtsdatum  versehen  war,  sein 

D­5709/2009 Heimatland  auf  dem  Luftweg  verlassen  haben  will.  Angesichts  dieser  Sachlage   –  nähere  Hinweise  oder  Aufschlüsse  für  eine  asylrelevante  Bedrohungs­  oder  Verfolgungssituation  unterbleiben  –  erübrigen  sich  weitere  Erörterungen.  Insbesondere  vermag  der  Beschwerdeführer  aus  dem  Gefälligkeitscharakter  aufweisenden  Bestätigungsschreiben  von  K.P. nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.  4.4.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht darzutun vermochte, dass er einer Verfolgung  im Sinne von Art. 3  AsylG  ausgesetzt  war  oder  begründete  Furcht  hat,  einer  solchen  ausgesetzt  werden  zu  können.  Er  kann  daher  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  werden.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9; Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

D­5709/2009 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 

D­5709/2009 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren  (vgl. BVGE  2009/51  E. 5.5  S. 748,  BVGE  2009/41  E. 7.1  S. 576  f.;  Botschaft  zum  AuG, BBl 2002 3818). 6.4.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  nahm  im Urteil  BVGE  2008/2  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nach Sri  Lanka  eine  Lageanalyse  vor.  Gemäss  der  damals  festgelegten  Praxis  war  bei  abgewiesenen  Asylsuchenden  tamilischer  Ethnie,  die  aus  dem  Grossraum  Colombo  oder  dessen  Umgebung  stammen,  grundsätzlich  von  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diese  Gebiete  auszugehen  (vgl.  BVGE  2008/2  E. 7.6.1  S. 20).  In  die  Nord­  und  Ostprovinzen  war  der  Wegweisungsvollzug  hingegen  unzumutbar  (vgl.  BVGE 2008/2 E. 7.6.2 S. 21).  6.4.2. Im zur Publikation bestimmten Urteil E­6220/2006 vom 27. Oktober  2011 hat das Bundesverwaltungsgericht angesichts der veränderten Lage  nach  dem  Ende  des  sri­lankischen  Bürgerkriegs  im  Mai  2009  eine  erneute  Beurteilung  vorgenommen.  In  Bezug  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  ist  es  dabei  zur  Einschätzung  gelangt, dass der Wegweisungsvollzug in das sogenannte "Vanni­Gebiet"  weiterhin  unzumutbar  ist.  Für  Personen,  die  aus  dem  übrigen  Staatsgebiet  stammen  und  dorthin  zurückkehren,  ist  der  Wegweisungsvollzug  hingegen  grundsätzlich  zumutbar  (vgl.  Urteil  E­ 6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E 13.2.2.3. und 13.3.). 6.4.3. Der Beschwerdeführer stammt aus D._______ dem Distrikt Jaffna  in  der  Nordprovinz,  wohin  der  Wegweisungsvollzug  gemäss  den  Ausführungen  in Ziff. 6.4.2. der Erwägungen grundsätzlich zumutbar  ist.  Er verfügt über eine siebenjährige Schulbildung und ging gemäss seinen 

D­5709/2009 Angaben seit 1983 bis zur Ausreise  im Jahr 2009 einer Erwerbstätigkeit  als  Motorradmechaniker  nach.  Die  letzten  Jahre  betrieb  er  zunächst  in  Colombo und später in Jaffna eigene (Werkstätten) und führte anlässlich  der Bundesanhörung aus, dass diejenige in Jaffna wieder eröffnet werden  könne  (A  1  S.  3  und  6;  A  8  S.  5,  6  und  7).  Mithin  besitzt  er  gute  Voraussetzungen,  um  im  Heimatland  wieder  beruflich  Fuss  zu  fassen.  Ferner kann der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland  auf  ein  umfangreiches  familiäres  Beziehungsnetz  (Ehefrau,  Kinder,  Eltern, Geschwister, Familienangehörige der Ehefrau) zurückgreifen, das  eine Reintegration zusätzlich erleichtern dürfte ( 1 S. 4; A 8 S. 4 und 5).  Sodann ergeben sich aus den Akten auch keine Anhaltspunkte, dass der  Vollzug der Wegweisung aus medizinischen Gründen nicht zumutbar sein  könnte.  Angesichts  dieser  Umstände  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in seine Heimat nicht in eine seine  Existenz  bedrohende Situation  geraten wird. Nach  dem Gesagten  kann  der Vollzug der Wegweisung – entgegen der  in der Rechtsmitteleingabe  vertretenen  Auffassung  –  in  genereller  und  individueller  Hinsicht  als  zumutbar bezeichnet werden. 6.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 6.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Da  der  Beschwerdeführer  indes  gemäss  den  vorliegenden  Akten  aktuell  nicht 

D­5709/2009 erwerbstätig  ist,  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  prozessual  bedürftig  ist.  Gleichzeitig  müssen  die  Beschwerdebegehren  als  im  Zeitpunkt  der  Einreichung  zumindest  im Wegweisungsvollzugspunkt  als  nicht  aussichtslos  bezeichnet  werden.  Demnach  ist  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  gutzuheissen  und  auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten  zu  verzichten.  Trotz  Unterliegens  des  Beschwerdeführers  werden  demzufolge keine Kosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite)

D­5709/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs. 1 VwVG) wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Alfred Weber Versand:

D-5709/2009 — Bundesverwaltungsgericht 16.02.2012 D-5709/2009 — Swissrulings