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Bundesverwaltungsgericht 18.10.2011 D-5669/2011

18. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,239 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Oktober 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5669/2011/wif Urteil   v om   1 8 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), Nigeria, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 6. Oktober 2011 / N .

D­5669/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat  ungefähr  Mitte  Juni  2009  auf  dem  Landweg  verliess  und  nach  mehrmonatigen Aufenthalten in Marokko und Spanien am 8. Juli 2011 via  Frankreich  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er  noch  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  M._______  um  Asyl  nachsuchte, dass er anlässlich der Befragung vom 19. Juli 2011 zur Person (BzP) im  EVZ  M._______  sowie  der  Direktanhörung  vom  30.  September  2011  durch  das  BFM  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend machte, er sei nigerianischer Staatsangehöriger und stamme aus  dem Imo State, wo er als Palmölhändler gearbeitet und mit Frau und Kind  gelebt habe, dass er anfangs 2009 nach Kano umgezogen sei, um dort mit Palmöl zu  handeln, dass  bald  danach,  im  Juni  2009,  in  Kano  schwere  Unruhen  zwischen  Christen  und  Moslems  ausgebrochen  seien,  in  deren  Verlauf  es  zahlreiche Tote und Verletzte gegeben habe, dass er von den muslimischen Haussa  in der Nacht aufgesucht worden  sei, doch habe er fliehen und sich nach Niger absetzen können, dass  er  sich  in  der  Folge  in  Marokko  und  Spanien  aufgehalten  habe,  bevor er am 8. Juli 2011 in die Schweiz gereist sei, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  6.  Oktober  2011  –  eröffnet  am  10.  Oktober 2011 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  auf  das Asylgesuch nicht  eintrat  und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zur  Frage,  weshalb  er  keine  Dokumente habe, um seine Identität zu belegen, seien als Ausflüchte zu  bezeichnen, dass  demnach  keine  entschuldbaren  Gründe  vorlägen,  die  es  dem  Beschwerdeführer  verunmöglichten,  Reise­  oder  Identitätspapiere  einzureichen,

D­5669/2011 dass bei Papierlosigkeit zudem zu prüfen sei, ob auf Grund der Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  festgestellt  werden  könne  oder  ob  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses nötig seien, dass  sich  zur  geltend  gemachten  Zeit,  im  Juni  2009,  in  Kano  keine  gravierenden  Ausschreitungen  zwischen  Moslems  und  Christen  feststellen  liessen, und der Beschwerdeführer bezeichnenderweise nicht  in der Lage gewesen sei, das Ausmass der angeblichen Ausschreitungen  im Detail zu beschreiben und in allen Einzelheiten anzugeben, wie ihn die  moslemischen Haussa angegriffen hätten, dass  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  er  habe  während  dieser  Unruhen  nicht  in  sein  heimatliches  Dorf  im  Imo  State  zurückkehren  können, wirklichkeitsfremd erscheine, dass des Weiteren auch die Behauptung, die Haussa hätten ihn gemäss  den  bei  der  einlässlichen  Anhörung  gemachten  Aussagen  auch  im  mehrere  Hundert  Kilometer  entfernten  heimatlichen  Dorf  im  Imo  State  gesucht (Luftlinie Kano – N._______: 750 km), erfahrungswidrig sei, dass  es  bei  dieser  Sachlage  nicht  zu  erstaunen  vermöge,  wenn  der  Beschwerdeführer sehr wenig über Kano und die dortigen Begebenheiten  wisse,  weshalb  auch  der  geltend  gemachte,  halbjährige  Aufenthalt  in  Kano bezweifelt werden müsse, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und  7  AsylG  nicht  erfülle  und  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  aufgrund der Aktenlage nicht erforderlich seien, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  13.  Oktober  2011  gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei die Kassation der angefochtenen Verfügung und Rückweisung an  die Vorinstanz zu neuem Entscheid sowie Eintreten auf das Asylgesuch  beantragte,  eventualiter  sei  seine  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  anzuordnen, dass  er  schliesslich  in  prozessualer Hinsicht  das Gesuch  stellte,  es  sei  ihm die Bezahlung eines Kostenvorschusses zu erlassen,

D­5669/2011 dass auf  die Vorbringen  in  der Beschwerdeschrift,  soweit wesentlich,  in  den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  14.  Oktober  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde –  unter  Vorbehalt  nachstehender  Erwägungen  –  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

D­5669/2011 dass  indessen  im Falle  des Nichteintretens  auf  ein Asylgesuch gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  und  Abs.  3  AsylG  über  das  Nichtbestehen  der  Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit  dies  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE  2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.), dass  dementsprechend  in  einem  diesbezüglichen  Beschwerdeverfahren  ungeachtet  der  vorzunehmenden Überprüfung  eines  formellen Nichtein­  tretensentscheides  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand  bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den  Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs  Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder  sich auf Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  c  AsylG), dass  hinsichtlich  der  zur  Begründung  des  Asylgesuches  geltend  gemachten  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  vorweg  auf  dessen  im  EVZ M._______ am 19. Juli 2011 protokollierten Aussagen sowie auf das 

D­5669/2011 Protokoll  der  direkten  Bundesanhörung  vom  30.  September  2011  zu  verweisen ist, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerde  im  Wesentlichen  geltend macht,  die  Vorinstanz  habe  sein  Asylgesuch  abgelehnt,  weil  er  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  ein  Reise­  oder  Identitätspapier  abzugeben,  und  dies,  obschon  sich  seine  Vorbringen  zur  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  in  den  wesentlichen  Punkten  als  substanziiert  und  widerspruchsfrei  erwiesen  hätten  und  den  Tatsachen  entsprächen, dass  der  Konflikt  zwischen  Muslimen  und  Christen,  der  in  den  vergangenen  Jahren  Tausende  Tote  gefordert  habe,  gerichtsnotorisch  sei,  weshalb  die  Verneinung  dieser  Tatsachen  durch  die  zuständige  Behörde Erstaunen auslöse, dass dies umso mehr der Fall sei, als er die ihm gestellten Fragen auf die  bestmögliche Weise beantwortet habe, dass  die  Lebenserfahrung  in  europäischen  Breitengraden  nicht  mit  derjenigen in Afrika übereinstimme und die Vorinstanz bei der Würdigung  seines  Wissensstandes  über  Kano  und  die  dortigen  Begebenheiten  seinem  lediglich  sechsmonatigen  Aufenthalt  in  dieser  Stadt  keine  Rechnung getragen habe, dass er aus dem während des Asylverfahrens deklarierten Gründen nicht  in der Lage sei, ein Reise­ oder Identitätspapier abzugeben, dass diese Vorbringen  in der Beschwerdeschrift  indessen nicht zu einer  veränderten Betrachtungsweise zu führen vermögen, dass der Beschwerdeführer nämlich keine entschuldbaren Gründe für die  Nichtabgabe  eines  beweistauglichen  Identitätsdokuments  (vgl.  BVGE  2007/7 E. 4 ­ 6) innerhalb der Frist von 48 Stunden nach Einreichen des  Asylgesuchs glaubhaft zu machen vermag (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG;  vgl. BVGE 2010/2 E. 5 und 6 S. 23 ­ 29, BVGE 2007/8 E. 3.2), dass  er  in  diesem  Zusammenhang  geltend  machte,  er  habe  nie  einen  Reisepass gehabt und sich auch keine  Identitätskarte ausstellen  lassen,  weil  die  Ausstellung  eines  solchen  Dokuments  viel  Zeit  in  Anspruch  nehme,  sofern  die  Behörden  überhaupt  eine  Identitätskarte  ausstellten  (A4/10 Ziff. 13.2 S. 3),

D­5669/2011 dass er indessen geltend machte, er sei von Marokko aus mit dem Schiff  nach  Cadiz  (Spanien)  gelangt,  wo  es  keine  Einreisekontrolle  gegeben  habe (A4/10 Ziff. 16 S. 6), dass  dieses  Vorbringen  angesichts  der  strikten  Kontrollen  an  den  Aussengrenzen der Europäischen Union ebenso unglaubhaft  ist wie die  Behauptung,  er  sei  von  Nigeria  ausgehend  mehr  als  zwei  Jahre  unterwegs  gewesen  ohne  jemals  kontrolliert  zu werden  (A10/10  F20 S.  3), dass der Aufenthalt in Marokko, je nach Anhörung, einmal sechzehn und  ein anderes Mal sechs Monate gedauert haben soll  (A4/10 Ziff. 16 S. 7,  A10/10 F26 S. 4), dass  derartige Unstimmigkeiten  im Zusammenhang mit  der Schilderung  des  Reisewegs  Rückschlüsse  auf  die  Glaubhaftigkeit  einer  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  zulassen  (EMARK  1998  Nr.  17  E.  4b  S. 150), was sich auch in casu bestätigt, dass der Beschwerdeführer, obwohl er sechs Monate lang in Kano gelebt  und  gearbeitet  haben  will,  ausserstande  war,  sich  substanziiert  zur  Millionenstadt Kano und den dortigen lokalen Besonderheiten zu äussern  (A10/10 F38 – F52 S. 4 – 6), weshalb sein halbjähriger Aufenthalt in Kano  ebenso  wie  die  daran  anknüpfende  Verfolgungssituation  unglaubhaft  erscheint, dass  die  Schilderung  der  angeblichen  Verfolgungssituation  unsubstanziiert  erscheint  (A10/10  F62  S.  6),  was  auch  nicht  weiter  erstaunlich  ist,  gab  es  doch  zum  geltend  gemachten  Zeitpunkt  keine  Unruhen zwischen Muslimen und Christen in Kano, dass der Beschwerdeführer demnach bei seinen Schilderungen nicht auf  Erinnerungen  an  tatsächliche  Begebenheiten  zurückgreifen  konnte,  sondern eine Verfolgungssituation lediglich erfunden hat, dass  sodann  im  vorliegenden Fall  aufgrund  der Aktenlage, wie  sie  sich  nach  der  Direktanhörung  vom  30.  September  2011  präsentierte,  unter  Verzicht  auf  zusätzliche  tatbestandliche  oder  rechtliche  Abklärungen  im  Rahmen einer bloss summarischen Prüfung der Schluss gezogen werden  konnte,  er  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  offenkundig  nicht,  und  ebenso  offenkundig  stünden  einem  Vollzug  der  Wegweisung  keine  Hindernisse  entgegen  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  b  und  c  AsylG;  vgl.  BVGE 

D­5669/2011 2009/50 E. 6­8 S. 725 ­733 und E. 10 S. 733­737, BVGE 2007/8 E. 5.5.  und 5.6.), dass zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  offensichtlich  überflüssig  sind, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 

D­5669/2011 Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer in Nigeria droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage in Nigeria noch  individuelle Gründe auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass der  junge und den Akten zufolge gesunde Beschwerdeführer nach  seiner Rückkehr  in den Heimatstaat nicht damit zu rechnen braucht, mit  einer existenzgefährdenden Situation konfrontiert zu sein, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dem  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist,

D­5669/2011 dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses mit dem Entscheid  in der Hauptsache gegenstandslos wird, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1 ­  3  des Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­5669/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

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