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Bundesverwaltungsgericht 11.10.2011 D-5506/2011

11. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,464 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 16. September 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5506/2011 Urteil   v om   1 1 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;    Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, Tunesien,  und dessen Ehegattin C._______, geboren D._______, alias E._______, geboren D._______, Tunesien,  F._______, Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 16. September 2011 / N _______.

D­5506/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden,  ein  tunesisches  Ehepaar,  eigenen  Angaben zufolge Tunesien am 26. März 2011 verliessen und am 23. Juli  2011  via  Italien  illegal  in  die  Schweiz  gelangten,  wo  sie  gleichentags  Asylgesuche stellten, dass  die  Beschwerdeführenden  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  in  G._______  am  2.  August  2011  zur  Begründung  ihrer  Asylgesuche  im  Wesentlichen  geltend  machten, sie hätten ihre Heimat aus familiären Gründen verlassen, dass die Beschwerdeführerin dazu ausführte,  ihr Stiefvater habe sie und  ihre Mutter schlecht behandelt und die Mutter manchmal geschlagen, dass  der  Stiefvater  auch  ihr  gegenüber  handgreiflich  geworden  sei,  worauf  sie  ihn  bei  der  tunesischen  Polizei  angezeigt,  diese  ihr  jedoch  nicht geglaubt habe, dass  sie  bei  ihrem  Ehemann  Unterstützung  gefunden  habe  und  sie  zusammen beschlossen hätten fortzugehen, dass  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich  erklärte,  die  Eltern  seiner  Gattin seien mit ihrer Beziehung nicht einverstanden gewesen, dass  der Stiefvater  der Beschwerdeführerin  ihn  geschlagen  und  ihn mit  der  Behauptung  bei  der  Polizei  angezeigt  habe,  er  schlage  dessen  Stieftochter, worauf er verhaftet worden sei, dass  die  Cousins  der  Beschwerdeführerin  versucht  hätten,  ihn  umzubringen, dass  sie  in  Italien  im  Besitz  eines  bis  Mai  2012  gültigen  "permesso  di  soggiorno" gewesen seien, dass  ein  Abgleich  mit  der  Zentraleinheit  Eurodac  ergab,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  30.  März  2011  in  H._______  (Italien)  daktyloskopiert worden waren und dort am 5. Juli 2011 um Asyl ersucht  hatten,

D­5506/2011 dass die Beschwerdeführenden mit Entscheid des BFM vom 11. August  2011  für  den weiteren  Aufenthalt  während  des  Verfahrens  dem Kanton  I._______ zugewiesen wurden, dass  das  BFM  am  19.  August  2011  Italien  um  Übernahme  der  Beschwerdeführenden ersuchte, dass  Italien  das  Ersuchen  des  BFM  bis  zum  Ablauf  der  Frist  am  3.  September 2011 unbeantwortet liess, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  16.  September  2011  –  eröffnet  am  19. September  2011  –  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche  nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien sowie den  Vollzug  bis  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  anordnete, dass gleichzeitig festgehalten wurde, einer allfälligen Beschwerde komme  keine aufschiebende Wirkung zu, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  22.  September  2011  (Poststempel: 23. September 2011) gegen die Verfügung der Vorinstanz  via  BFM  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  in  materieller Hinsicht beantragten, diese Verfügung sei aufzuheben, es sei  festzustellen,  dass  die  vorsorgliche  Wegweisung  in  einen  Drittstaat  undurchführbar  sei  und  die  Beschwerdeführenden  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könnten,  es  sei  ihnen  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren  und  es  sei  ihnen  die  vorläufige  Aufnahme  infolge  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges zu gewähren,  dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021),  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  eventualiter  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde ersuchten, dass die Beschwerdeführerin eine Kopie ihrer Terminvereinbarung für die  nächste Konsultation im J._______ der Rechtsmittelschrift beilegte,

D­5506/2011 dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  5.  Oktober  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen  Verfügungen  (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  in  casu nicht vorliegt und das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig  entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde –  unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden  Erwägungen  –  einzutreten  ist  (Art.  108 Abs.  2 AsylG  sowie Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art.  52  Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt –  offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),

D­5506/2011 dass  gleichzeitig  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1  und 2 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl.  BVGE  2007/8  E.  2.1  S.  73  mit  Hinweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass deshalb auf den Antrag auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  und auf Gewährung von Asyl nicht einzutreten ist, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs.  1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), dass  eine  entsprechende Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 10.2 S. 645), dass  dementsprechend  die  Anordnung  von  Ersatzmassnahmen  respektive  die  Feststellung  von  diesen  zugrundeliegenden  Vollzugshindernissen  auch  nicht  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens sein kann, dass  deshalb  auf  die  Beschwerde  nicht  einzutreten  ist,  soweit  darin  beantragt wird, es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen,

D­5506/2011 dass  die  Vorinstanz  keine  vorsorgliche  Wegweisung  in  einen  Drittstaat  verfügte,  weshalb  mangels  Anfechtungsgegenstandes  auf  den  diesbezüglichen Antrag nicht einzutreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  anführte,  daktyloskopische  Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführenden am 5. Juli  2011 in Italien  Asylgesuche eingereicht hätten, dass gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der  für die Prüfung eines  Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in  einem Mitgliedstaat gestellt hat (Dublin­II­VO), Italien für die Prüfung der  am  23.  Juli  2011  in  der  Schweiz  eingereichten  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden als zuständig zu erachten sei, dass die Beschwerdeführenden im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom  2.  August  2011  die  Abklärungsresultate  des  BFM  bestätigt  und  hinzugefügt  hätten,  in  Italien weder eine Arbeit  noch eine Unterkunft  zu  haben,  dass  die  Vorinstanz  gleichzeitig  ausführte,  diese  Aussagen  der  Beschwerdeführerenden  würden  kein  Hindernis  für  eine  Wegweisung  nach Italien darstellen, zumal es sich um logistische Probleme handle, die  die  Beschwerdeführenden  mit  den  Behörden  des  zuständigen  Dublin­ Staates  regeln  müssten,  weil  Italien  seinen  rechtsstaatlichen  Verpflichtungen nachkomme, dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des  Vollzugs  nach  Italien zu bejahen seien, dass  die  Beschwerdeführenden  in  der  Beschwerdeschrift  im  Wesentlichen  vorbrachten,  weder  in  Tunesien  noch  in  Italien  ein  normales Leben führen zu können,

D­5506/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  (…)  erfahren  habe,  ihr  Vater  sei  nicht  ihr  leiblicher Vater, und es regelmässig zu Auseinandersetzungen zwischen  ihnen gekommen sei, dass sie vom Stiefvater gezwungen worden sei,  für die Familie arbeiten  zu gehen, und sie  im Unterlassungsfall von  ihm geschlagen worden sei,  weshalb  sie  auf  der  Strasse  oder  im  Park  gewohnt  habe,  um  nicht  zu  Hause sein zu müssen,  dass ihre Mutter nichts habe einwenden können, da diese an (…) leide, dass sich die Beschwerdeführenden währenddessen kennengelernt und  geheiratet hätten,  ihr Stiefvater  jedoch gegen diese Beziehung gewesen  sei  und  Verwandte  beauftragt  habe,  ihren  Ehegatten  zusammenzuschlagen, und (…), dass  sich  die  Beschwerdeführerin  mit  ihren  Anliegen  an  soziale  Einrichtungen  gewandt  habe,  jedoch  nichts  von  den  tunesischen  Behörden unternommen worden sei, um ihr zu helfen, dass sie  in  Italien auch  im Park habe übernachten müssen, weshalb sie  nicht dorthin zurückkehren wolle, da es ihr in Italien weder möglich sei zu  arbeiten noch ein normales Leben zu führen, dass die Beschwerdeführenden seit drei Jahren verheiratet seien, (…) sie  sich möglicherweise einer Operation unterziehen müsse und die Sorgen  um ihren Gesundheitszustand an ihr zehren würden, dass sie am 31. Oktober 2011 einen Arzttermin im J._______ habe, dass sie zudem darum bittet, bis zur Operation in der Schweiz bleiben zu  dürfen, dass der Aufenthalt der Beschwerdeführenden in Italien unbestritten ist, dass die  italienischen Behörden das Ersuchen der Schweizer Behörden  um  Rückübernahme  der  Beschwerdeführenden  bis  zum  3.  September  2011  nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italien  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung  definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO),

D­5506/2011 dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist und keine konkreten Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  Verpflichtungen halten, dass  Italien  die  Mindestnormen  der  EU  für  die  Aufnahme  von  Asylsuchenden  anwendet  und  demzufolge  Aufnahmestrukturen  zur  Verfügung stellt, dass  die  medizinische  Grundversorgung  in  Italien  grundsätzlich  gewährleistet ist, dass  hierzu  festzuhalten  ist,  dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt sein können, dass  die  italienischen  Behörden  seit  geraumer  Zeit  mit  einer  grossen  Anzahl  von  Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen  bei  den  Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und Lebensbedingungen nicht  zum Schluss  gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 (Aufnahmerichtlinie), dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber  insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­ Rückkehrende  und  verletzliche  Personen,  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich –  neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen  annehmen,

D­5506/2011 dass  vor  diesem  Hintergrund  die  allgemeine  Kritik  am  italienischen  Asylverfahren  sowie  das  Vorbringen,  es  fehle  an  staatlicher  Unterstützung, nicht zu überzeugen vermögen, dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  erstmals  darauf  hinweist,  an  (…)  zu  leiden,  diese  jedoch  weder  belegt  noch  präzisiert wird und aus der Beschwerdeschrift  nicht  ersichtlich  ist, wann  sie von diesem Befund Kenntnis erhielt,  dass sie bei der Befragung vom 2. August 2011 im EVZ in G._______ –  nach  den  Gründen,  die  gegen  die  Wegweisung  nach  Italien  sprechen  könnten,  gefragt  –  keine  diesbezüglichen  Einwendungen  vorbrachte,  sondern lediglich geltend machte, sie wolle nicht nach Italien zurück, weil  sie dort  keine Arbeit finde, dass  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  der  Beschwerdeführerin im erstinstanzlichen Verfahren nicht erwähnt wurden,  sie  indessen  einen  in  einem  Spital  in  H._______  erstellten  Arztbericht  vom  30.  Juni  2011  bei  der  Vorinstanz  abgab  (vgl.  A9/S.  4),  der  Arzt  jedoch nur bestätigt, dass die Beschwerdeführerin einen (...) habe,  dass  sich  unter  den  vorinstanzlichen  Akten  zudem  ein  Arztbericht  vom  5. August  2011  (A12/2)  befindet,  welcher  auf  einen  Spitalbesuch  aufgrund (...) schliessen lässt,  dass die Beschwerdeführerin  in der Rechtsmitteleingabe darauf hinweist  und belegt,  für Ende Oktober 2011 einen Arzttermin beim J._______ zu  haben, jedoch nicht weiter darauf einzugehen ist, da die gesundheitlichen  Probleme  der  Beschwerdeführerin  –  wie  bereits  erwähnt  –  nicht  weiter  substanziiert  wurden  und  auch  bei  einer  Verschlechterung  ihres  Gesundheitszustandes  die  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  nicht  angezeigt wäre, da nach Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts die  medizinische Versorgung in Italien gewährleistet ist, dass Italien die Aufnahmerichtlinie ohne Beanstandungen von Seiten der  Europäischen  Kommission  umsetzte  und  nebst  den  staatlichen  Strukturen  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen,  welche  Asylsuchende  betreuten, existieren, dass  deshalb  die  Beschwerdeführerin  gehalten  ist,  sich  betreffend  eine  allfällige  medizinische  Betreuung  an  eine  medizinische  Einrichtung  in 

D­5506/2011 Italien zu wenden, was sie nachgewiesenermassen bereits während ihres  Aufenthaltes in Italien tat, dass  die Beschwerdeführenden  auch  keine  anderen Gründe  vorbringen  können,  die  die  Zuständigkeit  der  Schweiz  zur  Durchführung  des  Asyl­  und Wegweisungsverfahrens nach sich ziehen würden beziehungsweise  die der Ausreise in den Drittstaat entgegen stünden, dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  weder  angesichts  der  Verhältnisse  in  Italien  noch  zufolge  der  individuellen  Situation  der  Beschwerdeführenden Anlass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts  im  Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO besteht, dass die Beschwerdeführenden weder  im Rahmen des  ihnen gewährten  rechtlichen Gehörs  noch  auf  Beschwerdeebene  hinreichend  berechtigte  Vorbehalte gegen eine Rückkehr nach  Italien geltend machten, weshalb  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  dass  sie  im  Falle  einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten würden, dass  das  BFM  aufgrund  dieser  Sachlage  –  entgegen  der  in  der  Beschwerdeschrift geäusserten Ansicht – richtig folgerte, Italien habe die  Beschwerdeführenden zurück zu übernehmen, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten Einzelfall keine Gründe ersichtlich sind, die eine Wegweisung  aus humanitärer Sicht im Sinne von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  als  unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­7221/2009  vom  10.  Mai  2011  E.  8.2  und  8.3, mit weiteren Hinweisen), dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der  Beschwerdeführenden  nach  Italien  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt  und  folglich  das BFM  zu Recht  in  Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist, dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem kein Anspruch auf Erteilung einer  solchen besteht  (vgl. BVGE 

D­5506/2011 2008/34  E.  9.2  S.  510,  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  EMARK  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass  – wie  bereits  erwähnt  –  im Rahmen  des Dublin­Verfahrens,  bei  dem es sich um ein Überstellungsverfahren in den für die Prüfung des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m.  Art. 83 Abs. 1 AuG, dass  eine  entsprechende  Prüfung  –  soweit  notwendig  –  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende Erwägungen, BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645), dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass  die  Beschwerdeführenden  demnach  nicht  darzutun  vermögen,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist, dass  das  Gesuch  um  Erstreckung  der  Ausreisefrist  zur  Vornahme  einer Operation abzuweisen  ist,  da aufgrund der Akten einerseits gar  nicht  feststeht,  ob  eine  solche  vorzunehmen  ist,  und  anderseits  eine  solche auch in Italien durchgeführt werden könnte, dass  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  der  Antrag  auf  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  mit  vorliegendem  Urteil  gegenstandslos werden, dass  die  Beschwerde  angesichts  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos zu bezeichnen war, weshalb das Gesuch um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG  –  unabhängig  von  der  Frage  der  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden – abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art.  16 Abs.  1 Bst.  a VGG  i.V.m. Art.  2  und  3  des Reglements  vom 

D­5506/2011 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­5506/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand:

D-5506/2011 — Bundesverwaltungsgericht 11.10.2011 D-5506/2011 — Swissrulings