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Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-5230/2009

28. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,176 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Asylverfahren (Übriges) | Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Juni 2009 / D-5539/2006

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5230/2009 Urteil   v om   2 8 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Partei A._______, geboren (…), Kamerun,   vertreten durch Annelise Gerber, (…), Gesuchsteller,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern   Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  vom 3. Juni 2009 / D­5539/2006.

D­5230/2009 Sachverhalt: A.  Der  Gesuchsteller  reichte  am  17. Februar  2005  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch  ein.  Mit  Verfügung  vom  14. August  2006  lehnte  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Mit Urteil vom 3. Juni 2009  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  die  vom  Gesuchsteller  gegen  den  erstinstanzlichen  Entscheid  erhobene  Beschwerde  ab.  Zur  Begründung  führte  das  Gericht  im  Wesentlichen  aus,  das  BFM  habe  zu  Recht  festgestellt,  die  Vorbringen  des  Gesuchstellers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998   (AsylG, SR 142.31) nicht genügen. Zudem bestätigte  das Gericht den Entscheid des Bundesamtes in Bezug auf die Anordnung  des Vollzugs der Wegweisung. B.  Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 17. August 2009 ersuchte der  Gesuchsteller  das  Bundesverwaltungsgericht  um  Revision  des  Urteils  vom 3. Juni 2009. Dabei beantragte er  in materieller Hinsicht, es sei auf  das  Gesuch  einzutreten,  die  Vollzugsbehörden  seien  im  Sinn  vorsorglicher Massnahmen anzuweisen,  von Vollzugshandlungen bis  zu  einem  Entscheid  über  das  Revisionsgesuch  abzusehen,  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Juni 2009 sei aufzuheben und es sei  die Flüchtlingseigenschaft des Gesuchstellers festzustellen und ihm Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege.  Zur  Begründung  liess  der  Gesuchsteller  ausführen,  er  habe  von  seinem  Anwalt  in  Kamerun  ein  Urteil  vom  9. Oktober  2001  bezüglich  der  Ermordung  seines  Bruders  erhalten.  Daraus  gehe,  entgegen  der  vom  Bundesverwaltungsgericht  getroffenen  Annahme, hervor, dass die Behörden Personen nicht vor Verfolgung aus  religiösen  Gründen  schützen  könnten  und  wollten,  da  die  religiösen  Traditionen  offenbar  über  der  staatlichen  Justiz  stünden.  Vor  diesem  Hintergrund erhielten die  früher eingereichten und vom Gericht als nicht  asylrelevant  beurteilten  Dokumente  klaren  Beweiswert.  Der  Angriff  auf  den Gesuchsteller, welcher zu seiner Behandlung im Spital geführt habe,  sei dadurch erklärt. Als Beilagen zum Revisionsgesuches reichte der Gesuchsteller ein Urteil  des  "Tribunal de Grande  Instance de B._______" vom 9. Oktober 2001, 

D­5230/2009 einen  Briefumschlag,  ein  "Acte  de  décès",  ein  "Certificat Medico­Legal"  sowie zwei Vorladungen zu den Akten. C.  Die  Rechtsvertreterin  des  Gesuchstellers  reichte  mit  Eingabe  vom  21. August 2009 ein ärztliches Zeugnis der Universitären Psychiatrischen  Dienste C._______ (UPD) vom 18. August 2009 nach. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  2. September  2009  wies  der  Instruktionsrichter  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  ab  und  forderte  den  Gesuchsteller  auf,  bis  zum  16. September  2009  einen Kostenvorschuss von Fr. 1'200.­ einzuzahlen. Gleichzeitig wies er  das Gesuch um Anordnung vorsorglicher Massnahmen ebenfalls ab. E.  Am 15. September 2009 leistete der Gesuchsteller den Kostenvorschuss. F.  Mit  Mutationsmeldung  des  Migrationsdienstes  des  Kantons  C._______  vom  18. September  2009  wurde  dem  Bundesverwaltungsgericht  mitgeteilt,  dass  der  Gesuchsteller  seit  dem  31. Juli  2009  unbekannten  Aufenthalts  sei.  Aus  diesem  Grund  wurde  die  Rechtsvertreterin  des  Gesuchstellers  mit  Zwischenverfügung  vom  29. September  2009  aufgefordert,  innert  angesetzter  Frist  den  Aufenthaltsort  des  Gesuchstellers  bekanntzugeben  und  dessen  fortbestehendes  Rechtsschutzinteresse  zu  dokumentieren.  Mit  Eingabe  vom  3. Oktober  2009  teilte  die  Rechtsvertreterin  den  Aufenthaltsort  mit  und  reichte  die  Erklärung des Gesuchstellers über sein weiterbestehendes  Interesse an  der Behandlung seines Revisionsgesuches ein. G.  Der  Instruktionsrichter  gelangte  in  der  Folge  mit  Schreiben  vom  28. Oktober 2009 an die Schweizerische Botschaft in Yaoundé, Kamerun,  mit der Bitte um Beantwortung verschiedener Fragen. Am 8. Januar 2010  ging  der  von  der  Botschaft  veranlasste  Abklärungsbericht  beim  Bundesverwaltungsgericht ein. H.  Mit  Verfügung  vom  13. Januar  2010  wurde  dem  Gesuchsteller 

D­5230/2009 Gelegenheit eingeräumt, zur Botschaftsanfrage und zum entsprechenden  Abklärungsbericht  Stellung  zu  nehmen.  Die  Vertreterin  des  Gesuchstellers  machte  von  dieser  Möglichkeit  mit  Eingabe  vom  25. Januar 2010 Gebrauch.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  gemäss  Art. 105  AsylG  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen des BFM. Es ist ausserdem zuständig für die Revision von  Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl.  BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242). 1.2. Gemäss Art. 45 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  gelten  für  die  Revision  von  Urteilen  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Art. 121 ­ 128  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) sinngemäss. Nach Art. 47 VGG findet  auf  Inhalt,  Form  und  Ergänzung  des  Revisionsgesuches  Art. 67  Abs. 3  VwVG Anwendung. 1.3.  Mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  wird  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen  Beschwerdeentscheides  angefochten,  im  Hinblick  darauf,  dass  die  Rechtskraft  beseitigt  wird  und  über  die  Sache  neu  entschieden werden  kann  (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 269). 1.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  zieht  auf  Gesuch  hin  seine  Urteile  aus den in Art. 121 – 123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45  VGG). Nicht  als Revisionsgründe  gelten Gründe, welche  die Partei,  die  um  Revision  nachsucht,  bereits  im  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  hätte geltend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG). 2.  2.1. Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund  anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von  Art. 124 BGG darzutun.

D­5230/2009 2.2. Der Gesuchsteller macht den Revisionsgrund nachträglich erfahrener  erheblicher  Tatsachen  oder  nachträglich  aufgefundener  entscheidender  Beweismittel  (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG) geltend und  zeigt  ausserdem  die  Rechtzeitigkeit  des  Revisionsbegehrens  auf.  Auf  das  formgerecht  eingereichte Revisionsgesuch ist deshalb einzutreten. 3.  3.1.  Hinsichtlich  des  angerufenen  Revisionsgrundes  gemäss  Art. 123  Abs. 2  Bst. a  BGG  wurde  bereits  in  der  Zwischenverfügung  vom  2. September  2009  festgehalten,  das  eingereichte  Beweismittel  (Urteil  des  "Tribunal de Grande  Instance de B._______" vom 9. Oktober 2001)  sei  bereits  vor  Abschluss  des  ordentlichen  Verfahrens  entstanden  und  der  Gesuchsteller  habe  mit  keinem  Wort  dargelegt,  weshalb  er  das  Beweismittel bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt und  in Beachtung  der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG nicht bereits vor  Abschluss  des  ordentlichen  Verfahrens  hätte  beibringen  können.  Das  Kriterium  von  Art. 123  Abs. 2  Bst. a  BGG,  wonach  die  revisionsweise  vorgebrachten Beweismittel erst nachträglich aufzufinden gewesen seien  und somit im früheren Verfahren nicht hätten beigebracht werden können,  ist offensichtlich nicht erfüllt, zumal der Gesuchsteller sich dazu in keiner  seiner  Eingaben  äusserte.  Das  vom  Gesuchsteller  eingereichte  Beweismittel ist demnach als verspätet zu betrachten. Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass weder dargetan wird  noch  ersichtlich  ist,  inwiefern  das  im  Revisionsverfahren  nachgereichte  ärztliche  Zeugnis  vom  18. August  2009  im  Hinblick  auf  dieses  hängige  Verfahren von Relevanz wäre. Weitere Ausführungen dazu erübrigen sich  deshalb.  Dasselbe  gilt  auch  für  die  bereits  im  Beschwerdeverfahren  eingereichten  Beweismittel  (Vorladungen,  "Certificat  médico­légal",  Todesschein). 3.2.  Revisionsweise  Vorbringen,  die  verspätet  sind,  können  indessen  dennoch zur Revision eines rechtskräftigen Urteils führen, wenn aufgrund  dieser  Vorbringen  offensichtlich  wird,  dass  dem Gesuchsteller  oder  der  Gesuchstellerin  Verfolgung  oder  menschenrechtswidrige  Behandlung  droht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis besteht (vgl.  dazu Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1995  Nr. 9  E. 7,  insbes.  7f  und  g;  der  Entscheid bezieht sich zwar auf Art. 66 Abs. 3 VwVG, lässt sich indessen  auch  auf  den  sinngemäss  deckungsgleichen Art. 125 BGG übertragen).  Der  Grund  hierfür  ist  darin  zu  sehen,  dass  auch  bei  grundsätzlicher 

D­5230/2009 Unzulässigkeit der Revision kein Verstoss gegen zwingendes Völkerrecht  – worum es sich bei  den Garantien  von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30), Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze  der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) sowie Art. 3  des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) handelt –  resultieren darf. Allerdings hält der erwähnte  Grundsatzentscheid der ARK – dessen wesentliche Schlüsse auch für die  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  massgeblich  sind –  ausserdem auch  fest, dass ein Abweichen von der Verwirkungsfolge  im  Sinne  von Art. 125 BGG  (bzw. Art. 66 Abs. 3 VwVG) nur  in  sehr  engen  Grenzen zulässig  ist  (EMAKR 1995 Nr. 9 E. 7g;  vgl. dazu auch AUGUST  MÄCHLER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2008,  Rz. 26  zu  Art. 66).  So  ist  auch  auf  der  Grundlage  einer  völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 125 BGG (bzw. Art. 66 Abs. 3  VwVG)  vorauszusetzen,  dass  die  in  Frage  stehenden  zwingenden  Normen  des  Völkerrechts  bei  strikter  Anwendung  der  gesetzlichen  Revisionsbestimmungen  tatsächlich  verletzt  würden.  Es  genügt  daher  nicht,  dass  ein  Gesuchsteller  oder  eine  Gesuchstellerin  eine  drohende  Verletzung von Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK  lediglich  behauptet.  Vielmehr  muss  die  beachtliche  Wahrscheinlichkeit  einer  aktuellen,  ernsthaften  Gefahr  schlüssig  nachgewiesen  werden.  Ein  Abweichen vom Wortlaut von Art. 125 BGG (bzw. Art. 66 Abs. 3 VwVG)  rechtfertigt  sich  mit  anderen  Worten  nicht  bereits  bei  Vorliegen  von  Tatsachen  und  Beweismitteln,  welche  geeignet  sein  können,  zu  einem  anderen Ergebnis als im vorangegangenen ordentlichen Asylverfahren zu  führen, sondern lediglich dann, wenn die Tatsachen und Beweismittel bei  rechtzeitigem Bekanntwerden zu einem anderen Beschwerdeentscheid –  und  zwar  zu  einer  Gutheissung  zumindest  bezüglich  der  Frage  der  Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs – geführt hätten. 3.3.  Voraussetzung  für  die  Entkräftung  der  Verwirkungsfolge  gemäss  Art. 125  BGG  ist  somit,  dass  bereits  im  Rahmen  der  Prüfung  des  Vorliegens  des  geltend  gemachten  Revisionsgrundes  eine  vorweggenommene  materielle  Beurteilung  ergibt,  dass  die  genannten  völkerrechtlichen Wegweisungsschranken tatsächlich bestehen. 3.3.1. Der Gesuchsteller machte zur Begründung seines Asylgesuches im  Wesentlichen geltend, er gehöre der Ethnie der Bamiléké an und stamme 

D­5230/2009 aus  D._______  (Westprovinz).  Sein  Vater  habe  dort  animistische  Riten  praktiziert;  er  (der  Gesuchsteller)  und  seine  anderen  Familienangehörigen  seien  hingegen  katholische  Christen.  Nach  dem  Tod  seines  Vaters  im  Jahre  (…)  habe  die  überwiegend  animistische  Bevölkerung  von  D._______  beziehungsweise  hätten  deren  Würdenträger  vom  Gesuchsteller  (und  dessen  Brüder)  verlangt,  für  die  Ausübung  der  animistischen  Riten  die  Nachfolge  des  verstorbenen  Vaters  anzutreten.  Da  sie  sich  geweigert  hätten,  dieser  Aufforderung  nachzukommen,  seien  er  und  seine  Familie  zum  Verlassen  von  D._______  gezwungen  worden.  Er  habe  in  der  Folge  in  B._______,  E._______  und  F._______  gelebt.  Im  Jahr  (…)  sei  einer  seiner  Brüder  nach seiner Rückkehr nach D._______ dort ermordet, sechs Jahre später  sei  ein  weiterer  Bruder  umgebracht  worden.  Beide  Fälle  seien  von  der  Staatsanwaltschaft  den  aus  lokalen  (animistischen)  Würdenträgern  bestehenden  "tribunaux  coutumiers",  mithin  den  gleichen  Männern,  welche  für  die  Morde  an  seinen  Brüdern  verantwortlich  seien,  zur  Beurteilung übertragen worden. Etwa im Jahr (…) habe der Gesuchsteller  in  F._______  an  einer  Bamiléké­Versammlung  teilgenommen  und  sich  dort mit seinem Namen vorgestellt. Eine ihm unbekannte Person habe ihn  daraufhin tätlich angegriffen und ihn zum sofortigen Verlassen des Ortes  aufgefordert.  Im (…) 2004 habe seine Mutter schliesslich einen Brief mit  Todesdrohungen  erhalten  und  ein  weiterer  Bruder  sei  verschwunden,  weshalb der Gesuchsteller ausgereist sei. 3.3.2.  Der  Gesuchsteller  begründet  sein  Revisionsgesuch  mit  dem  Vorliegen  des Urteils  des  "Tribunal  de Grande  Instance  de  B._______"  vom  9. Oktober  2001.  Gemäss  dem  von  einer  Vertrauensperson  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Yaoundé  erstellten  Abklärungsbericht  handelt es sich um ein authentisches Urteil, da es auf der Gerichtskanzlei  des  "Tribunal  de  Grande  Instance  de  B._______"  registriert  sei.  Verfahrensgegenstand bildete ein dem Angeklagten J. N. vorgeworfener  Raubmord. Dabei soll sich folgender Sachverhalt zugetragen haben: Am  (…)  2000  hätten  sich  ein  gewisser  D.  sowie  weitere  Personen  in  der  Gaststätte von C.S. aufgehalten, als drei Personen hereingeplatzt  seien  und  die  Anwesenden  aufgefordert  hätten,  sich  hinzulegen.  Die  drei  Räuber  hätten  sich  daraufhin  auf  D.  gestürzt  und  ihn  verprügelt.  Nach  ihrer Untat  hätten  sie  sich  zurückgezogen und D.  dem Tod überlassen.  Auf dem Weg in das Spital sei D. verstorben. Bei seiner Befragung habe  C. S. angegeben, er habe K., den Sohn des Dorfchefs, unter den Tätern  erkannt. Die Untersuchung habe ergeben, dass die Tat durch den  "chef  du  quartier"  veranlasst  worden  sei,  welcher  seinen  Sohn  K.  geschickt 

D­5230/2009 habe, um eine Rechnung mit D. zu begleichen, da dieser es ebenso wie  seine  Brüder  ablehne,  die  Nachfolge  ihres  verstorbenen  Vaters  anzutreten.  Diese  offene  Nachfolgeregelung  sei  die  Grundlage  für  die  Zwietracht zwischen den traditionellen Autoritäten und den Nachkommen,  weshalb diese auch Drohungen und Aggressionen ausgesetzt seien. Der  Tod von D. sei eine Folge dieser Geschichte. Der "chef de quartier" habe  sich indessen dem Verfahren entzogen. Insgesamt kam das Gericht zum  Schluss,  dass  dem  Angeklagten  J.  N.  eine  Beteiligung  am  Raubmord  nicht nachgewiesen werden könne und er deshalb freizusprechen sei. 3.3.3.  Eine  Prüfung  des  vorgelegten  Beweismittels  führt  zum  Schluss,  dass  die  vorstehend  (E.  3.2.)  dargelegten  Voraussetzungen  für  die  Entkräftung  der  Verwirkungsfolge  des  Art. 125  BGG  nicht  erfüllt  sind.  Zwar werden im Urteil des Gerichts in B._______ Umstände geschildert,  welche  sich  mit  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers  im  Asylverfahren –  jedenfalls  was  den  Ursprung  der  behaupteten  Schwierigkeiten  im  Heimatland betrifft – decken. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass  die  diesbezüglich  Ausführungen  im  Entscheid  offenbar  auf  Zeugenaussagen beruhen, ohne dass sich indessen abschätzen lässt, ob  und inwiefern in dieser Hinsicht eine Würdigung stattgefunden hat. Weiter  ist  zu  beachten,  dass  das  Urteil  vor  mittlerweile  rund  zehn  Jahren  erlassen  wurde.  Damit  ist  das  Beweismittel  weder  geeignet,  den  vom  Gesuchsteller,  der  nach  eigenen  Angaben  erst  im  Januar  2005  aus  seinem  Heimatstaat  ausreiste,  geschilderten,  gegen  ihn  persönlich  gerichteten Angriff im Jahr 2002 zu belegen, noch vermag es den im (…)  2004 an die Mutter des Gesuchstellers gerichteten Drohbrief glaubhafter  erscheinen zu  lassen. Ebenso wenig sagt es etwas darüber aus, wie es  sich  seither  mit  der  angeblich  umstrittenen  Nachfolgeregelung  verhält.  Sodann  ist  dem  Urteil  zwar  zu  entnehmen,  dass  dem Gericht  offenbar  eine Handhabe fehlte, um den "chef de quartier" zu einer Mitwirkung am  Strafverfahren  zu  zwingen,  doch  bedeutet  dies  nicht,  dass  dem  Gesuchsteller  jeglicher staatlicher Schutz  im Heimatland beim Vorliegen  einer Bedrohung versagt würde.  3.3.4.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  aufgrund  des  vorliegenden  Beweismittels  nicht  mit  der  im  Sinn  der  geltenden  Praxis  (vgl.  vorstehend  E.  3.2.)  erforderlichen  Schlüssigkeit  nachgewiesen  ist,  dass in Bezug auf den Gesuchsteller die sinngemäss geltend gemachten  völkerrechtlichen Wegweisungsschranken tatsächlich bestehen. 

D­5230/2009 4.  Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  der  angerufene  Revisionsgrund  gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG nicht  gegeben  ist. Das Gesuch  um  Revision des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Juni 2009 ist  somit abzuweisen. 5.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1'200.– dem  Gesuchsteller  aufzuerlegen  (Art. 37  VGG  i. V. m.  Art. 63  Abs. 1  und  5  sowie Art. 68 Abs. 2 VwVG; Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  15. September  2009  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­5230/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2.  Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.­ werden dem Gesuchsteller auferlegt  und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Gesuchsteller,  das  BFM  und  die  zuständige  kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

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