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Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 D-4541/2008

11. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,094 Wörter·~15 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Juli 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4541/2008 Urteil   v om   1 1 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Nina Spälti Giannakitsas,    Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren […], Somalia, vertreten durch Silvia Maag,  Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Juli 2008 / N […].

D­4541/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  somalischer  Staatsangehöriger  mit  letztem  Wohnsitz  in  Z._______  bei  Y._______,  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen Angaben zufolge am 8. Mai 2002 und stellte am 28. Juni 2002  am Flughafen X._______ ein Asylgesuch, welches das BFM nach seiner  Einreise  mit  Verfügung  vom  28.  Juni  2002  abwies.  Infolge  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde indessen die vorläufige  Aufnahme  angeordnet.  Diese  Verfügung  erwuchs  am  4. Januar  2003  unangefochten in Rechtskraft. Für den Inhalt dieses Verfahrens ist auf die  Akten zu verweisen. B.  Mit  einer  als  „Wiedererwägungsgesuch“  bezeichneten  Eingabe  vom  28. Dezember  2006  ersuchte  der  Beschwerdeführer  erneut  um  Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl. Zudem  stellte er das Gesuch, die erlassene Wegweisungsverfügung aufzuheben.  Zur Begründung  legte er  im Wesentlichen dar, dass die Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  in  ihrem  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission  (EMARK) 2006  Nr.  18  veröffentlichten  Grundsatzurteil  –  ebenfalls  Somalia  betreffend –  ihre  Praxis  hinsichtlich  der  asylrechtlichen  Relevanz  nichtstaatlicher  Verfolgung  geändert  habe,  indem  sie  von  der  Zurechenbarkeits­  zur  Schutztheorie  gewechselt  habe.  Dabei  handle  es  sich  um  eine  wesentliche  Praxisänderung  und  es  widerspreche  dem  Gleichbehandlungsgebot,  wenn  die  geänderte  Praxis  nicht  auch  auf  bereits rechtskräftige Entscheide wie denjenigen des Beschwerdeführers  angewendet  würde.  Aus  diesem  Grund  bestehe  ein  Anspruch  auf  Behandlung des Gesuchs. Der Beschwerdeführer sei Angehöriger eines  Minderheitsclans und habe in Somalia Nachteile  im Sinne des Gesetzes  erleiden müssen.  Im  Fall  einer Rückkehr müsse  er  auch  in  Zukunft mit  asylrelevanter  Verfolgung  rechnen,  dies  insbesondere  mit  Blick  auf  die  aktuelle Situation in Somalia. Als Angehöriger eines Minderheitsclans sei  er besonders verletzlich und verfolgungsgefährdet. Die Möglichkeit einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  müsse  verneint  werden.  Sein  Schutz  wäre  im  Fall  einer  Rückkehr  nach  Somalia  nicht  gewährleistet.  Dem  Beschwerdeführer sei daher Asyl zu gewähren; dies nicht zuletzt auch mit  Blick  auf  die  neue  Entscheidpraxis  des  BFM  bezüglich  abgewiesener  eritreischer  Asylsuchender,  welche  auf  Grund  von  EMARK  2006  Nr.  3 

D­4541/2008 wiedererwägungsweise  und  hinlänglich  begründet  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft beantragt hätten.  Mit Verfügung vom 26. Januar 2007 – eröffnet am 29. Januar 2007 – trat  das  BFM  auf  die  als  Wiedererwägungsgesuch  entgegengenommene  Eingabe nicht ein, erklärte seine Verfügung vom 29. November 2002 als  rechtskräftig und vollstreckbar. Zudem stellte es fest, dass einer allfälligen  Beschwerde  keine  aufschiebende  Wirkung  zukomme.  Dem  Beschwerdeführer  wurden  die  Verfahrenskosten  auferlegt.  Zur  Begründung  ihres  Entscheides  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  nach  gängiger  Praxis  der  schweizerischen  Asylbehörden  stellten  Praxisänderungen keine qualifizierten Wiedererwägungsgründe dar. Eine  Praxisänderung  gelte  nämlich  nicht  als  neue  Tatsache  im  revisionsrechtlichen Sinn, da dabei nicht die Sach­, sondern vielmehr die  Rechtslage verändert werde. Die Frage der materiellen Richtigkeit eines  Entscheids  als  solche  könne  jedoch  nicht  Gegenstand  eines  Wiedererwägungsverfahrens  sein,  wenn  nicht  zugleich  auch  ein  qualifizierter Mangel im Sinn von Art. 66 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  gerügt  werde.  Eine  Praxisänderung  genüge  demnach  zur  Begründung  einer  Behandlungspflicht  grundsätzlich  nicht,  weshalb  auf  das  Gesuch  nicht einzutreten sei. Im  Urteil  vom  25.  Mai  2007  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  das BFM die Eingabe des Beschwerdeführers  vom 28. Dezember  2006  zu Unrecht  als Wiedererwägungsgesuch  entgegengenommen und  damit  Bundesrecht  verletzt  habe,  weshalb  die  Beschwerde  insofern  gutzuheissen sei, als die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und  die  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zwecks  Prüfung  als  zweites  Asylgesuch  beantragt  worden  sei.  Das  Dispositiv  der  angefochtenen  Verfügung  sei  vollumfänglich  aufzuheben  und  allenfalls  bereits  bezahlte  Verfahrenskosten  müssten  dem  Beschwerdeführer  zurückvergütet  werden.  Das  Bundesverwaltungsgericht  merkte  zudem  an,  dass  eine  Anpassung  rechtskräftiger  Verfügungen  an  eine  Praxisänderung zwecks Verhinderung krasser Rechtsungleichheiten nicht  von  vorneherein  ausgeschlossen  sei.  Für den weiteren Inhalt dieses Verfahrens ist auf die Akten zu verweisen. C.  Mit Verfügung vom 3.  Juli  2008 – eröffnet am  folgenden Tag –  trat das 

D­4541/2008 BFM  auf  die  nunmehr  als  zweites  Asylgesuch  entgegengenommene  Eingabe des Beschwerdeführers vom 28. Dezember 2006 nicht ein und  wies den Beschwerdeführer aus der Schweiz weg. Es erklärte, dass die  am  29.  November  2002  verfügte  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  weiterhin bestehen bleibe. Dem Beschwerdeführer wurde eine Gebühr in  der  Höhe  von  Fr.  600.­­  auferlegt.  Ausserdem  wurden  ihm  die  editionspflichtigen  Akten  ausgehändigt.  Zur  Begründung  legte  das  BFM  insbesondere dar, dass mit dem in Art. 32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  enthaltenen  Begriff  „Ereignisse“  nur  eine  nachträgliche  Veränderung  der  Sachlage  gemeint  sein  könne.  Vorliegend  werde  indessen  eine  Praxisänderung  geltend  gemacht,  welche  nur  die  Rechtslage,  nicht  jedoch  die  Sachlage  ändere.  Unter  diesen  Umständen  könne  die  erfolgte  Praxisänderung  nicht  unter  den  Begriff  der  „Ereignisse“  subsumiert werden, weshalb  es  keine Hinweise  gebe, gestützt auf welche seit dem rechtskräftigen Abschluss des ersten  Asylverfahrens Ereignisse eingetreten seien, welche geeignet  seien, die  Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder welche für die Gewährung des  vorübergehenden Schutzes relevant seien. D.  Gegen diese Verfügung  reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom  4.  Juli  2008  Beschwerde  ein  und  beantragte  die  Rückweisung  der  Streitsache an die Vorinstanz zur Prüfung des vollständigen Sachverhalts  sowie  die  Anweisung  der  Vorinstanz,  den  Weisungen  des  Bundesverwaltungsgerichts in seinem Urteil vom 25. Mai 2007 vollständig  zu entsprechen.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung  der unentgeltlichen Rechtspflege und um Erlass des Kostenvorschusses  ersucht.  Zur  Begründung  brachte  der  Beschwerdeführer  insbesondere  vor, die Vorinstanz habe sich geweigert, die Frage, ob durch die geltend  gemachte Praxisänderung ein Anspruch auf Neubeurteilung der Sachlage  im  Sinne  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  bestehe,  vertieft  zu  prüfen.  Vielmehr  falle  die  Begründung  praktisch  identisch  mit  der  in  der  Verfügung  vom  26. Januar  2007  vorgenommenen  Argumentation  aus.  Die  durch  die  Praxisänderung  entstandene  Rechtsungleichheit  sei –  insbesondere hinsichtlich Personen aus Somalia – dermassen stossend,  dass eine vertiefte Prüfung der Frage, ob eine generelle Anpassung der  bereits  rechtskräftigen Verfügungen bei gesuchstellenden Personen aus  Somalia  zur  Verhinderung  krasser  Rechtsungleichheiten  zwingend  sei,  nicht  unterbleiben  könne.  Dieser  Auffassung  habe  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Urteil  vom  25.  Mai  2007  insofern  angeschlossen,  als  es  dort  ausgeführt  habe,  eine  Anpassung 

D­4541/2008 rechtskräftiger  Verfügungen  an  eine  Praxisänderung  zwecks  Verhinderung krasser Rechtsungleichheiten sei entgegen der Auffassung  der Vorinstanz nicht von vorneherein ausgeschlossen (vgl. Erw. 5.2.). Er  sei  der  Meinung,  dass  sich  die  Rechtsstellung  von  anerkannten  Flüchtlingen  mit  Asyl  von  derjenigen  von  vorläufig  aufgenommenen  Ausländern  rechtlich  fundamental  und  faktisch  existentiell  unterscheide.  Während Flüchtlinge völkerrechtlichen Rechtsschutz geniessen könnten,  seien  vorläufig  Aufgenommene  nur  nach  innerstaatlichem  Recht  geschützt.  Mit  der  Asylgewährung  habe  die  als  Flüchtling  anerkannte  Person  ein  dauerndes Bleiberecht;  die  vorläufig  aufgenommene Person  indessen  sei  grundsätzlich  weggewiesen  und  Vollzugshindernisse  könnten  jederzeit  wegfallen,  da  sie  jährlich  überprüft  würden.  Den  Flüchtlingen werde in der Regel fünf Jahre nach der Asylgesuchsstellung  die Niederlassungsbewilligung erteilt, während bei Ausländern dafür eine  zehnjährige Aufenthaltsbewilligung erforderlich sei. Vielerorts sei mit der  F­Bewilligung  keine  Einbürgerung  zugelassen,  während  dies  für  Flüchtlinge mit einer B­ oder C­Bewilligung kein Hindernis sein könne, da  die Schweiz gestützt auf Art. 34 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  die  Einbürgerung  von  Flüchtlingen  zu  begünstigen  habe.  Anerkannte  Flüchtlinge  könnten  mit  dem  Flüchtlingspass  jederzeit  ins  Ausland  reisen  und  den  konsularischen  Schutz  der  Schweiz  geniessen;  für  vorläufig  Aufgenommene  seien  indessen  Auslandreisen  nur  ausnahmsweise  zulässig. Zudem seien die Fürsorgeansätze für vorläufig Aufgenommene  markant  tiefer  als  für  anerkannte  Flüchtlinge,  welche  fürsorgerechtlich  den  Einheimischen  gleichgestellt  seien.  Flüchtlinge  könnten  mit  der  Asylgewährung  sofort  einer  selbständigen  Erwerbstätigkeit  nachgehen  und  seien  hinsichtlich  der  unselbständigen  Tätigkeit  und  sozialen  Sicherheit  der  einheimischen Bevölkerung weitgehend  gleichgestellt.  Im  Gegensatz  zu  vorläufig  Aufgenommen  würden  Flüchtlinge  zudem  bezüglich  illegaler  Einreise  und  Aufenthalt  unter  Umständen  straffrei  bleiben.  Zudem  könnten  Flüchtlinge  ihre  Familienangehörigen  nach  der  Asylgewährung  sofort  nachziehen,  während  dies  bei  vorläufig  Aufgenommenen erst nach drei Jahren möglich sei. Angesichts dieser tief  greifenden  und  zahlreichen  Unterschiede  verstosse  es  gegen  die  Rechtsgleichheit,  die  in  EMARK  2006  Nr.  18  vorgenommene  Praxisänderung  nur  für  Personen  gelten  zu  lassen,  die  nach  diesem  Grundsatzentscheid  ein  Asylgesuch  eingereicht  hätten,  weshalb  beantragt werde, dass die Vorinstanz den Sachverhalt vollständig erhebe  und sich eingehend mit der Frage befasse, ob die zitierte Praxisänderung  unter  den  Begriff  des  zwischenzeitlich  eingetretenen  Ereignisses  im 

D­4541/2008 Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG falle. Zudem werde beantragt, dass  sich die Vorinstanz mit dem Papier der Schweizerischen Flüchtlingshilfe  (SFH) „Fragen und Antworten zur vorläufigen Aufnahme als Ausländerin  (F­Ausweis)  und  zur  Asylgewährung  (B­Ausweis)“  auseinandersetze.  Der Beschwerde lagen Kopien des zuvor erwähnten Schreibens der SFH,  des  Wiedererwägungsgesuchs  vom  28.  Dezember  2006,  der  Fürsorgebestätigung vom 4. Juli 2008 und der Vollmacht bei. E.  Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2008 teilte der Instruktionsrichter des  Bundesverwaltungsgerichts  dem  Beschwerdeführer  mit,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) wurde gutgeheissen und auf  die Erhebung  eines Kostenvorschusses  verzichtet.  Das BFM wurde  zur  Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. F.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  12.  August  2008  vollumfänglich  an  seinen  Erwägungen  fest  und  führte  aus,  dass  die  Beschwerdeschrift  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  könnten, enthalte. Da die Eingabe vom 28. Dezember 2006 gestützt auf  das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Mai 2007 als zweites  Asylgesuch  zu  behandeln  sei,  könne  die  Frage,  ob  und  allenfalls  unter  welchen  Umständen  eine  Praxisänderung  einen  qualifizierten  Wiedererwägungsgrund  für  in  Rechtskraft  erwachsene  Entscheide  darstellen  könne,  nicht  beurteilt  werden.  Vielmehr  müsse  diese  Frage  nach der Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG beurteilt werden.  Die  Prüfung,  ob  die  angerufene  Praxisänderung  unter  den  Begriff  des  zwischenzeitlich  eingetretenen Ereignisses  im Sinne  von Art.  32 Abs.  2  Bst. e AsylG zu subsumieren sei, habe das BFM in seiner Verfügung vom  3. Juli 2008 vorgenommen. Dabei sei es zum Schluss gekommen, dass  vorliegend kein zwischenzeitlich eingetretenes Ereignis vorliege, weshalb  auf die Eingabe vom 28. Dezember 2006 nicht eingetreten worden sei. G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  15.  August  2008  wurde  dem 

D­4541/2008 Beschwerdeführer  eine  Kopie  der  Vernehmlassung  –  verbunden  mit  einem Replikrecht – zugestellt. H.  Mit Eingabe vom 29. August 2008 nahm der Beschwerdeführer zur vor­ instanzlichen  Vernehmlassung  Stellung.  Insbesondere  wurde  geltend  gemacht, dass das Bundesgericht  vom Grundsatz, eine Praxisänderung  rechtfertige  keine  Revision  früherer  rechtskräftiger  Entscheide,  dann  ausnahmsweise abweiche, wenn das Ergebnis zu einem stossenden und  dem Gerechtigkeitsgefühl  zuwiderlaufenden Ergebnis  führen würde  (vgl.  BGE  98  Ia  573).  Dies  sei  vorliegend  der  Fall.  Es werde  erneut  auf  die  Praxis  des  BFM  hinsichtlich  Eritrea  nach  dem  Grundsatzentscheid  der  ARK (vgl. EMARK 2006 Nr. 3) verwiesen. Damals habe das BFM seine  Entscheidpraxis der geänderten Rechtsprechung der ARK angepasst und  denjenigen  eritreischen  Gesuchstellern,  die  ein  zweites  Asylgesuch  gestellt  und  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  begründet  beantragt  hätten,  Asyl  gewährt.  Vorliegend  handle  es  sich  um  eine  analoge Situation. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  Bundesamt  für  Migration  (BFM)  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht  (Art. 105 AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG).

D­4541/2008 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2  AsylG, Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer ist durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.   Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen  (Art. 32  ­  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist.  Die  Beschwerdeinstanz enthält sich – sofern sie den Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung,  hebt  die  angefochtene  Verfügung  auf  und  weist  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurück  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.).  4.  4.1. Auf ein Asylgesuch wird nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in der  Schweiz  bereits  ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  haben  oder  während  des  hängigen  Asylverfahrens  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat zurückgekehrt sind. Diese Bestimmung findet jedoch keine  Anwendung,  wenn  es  Hinweise  auf  zwischenzeitlich  eingetretene  Ereignisse  gibt,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes  relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG). 4.2. Der Prüfung,  ob Ereignisse eingetreten  sind,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  ist  der  Flüchtlingsbegriff  gemäss  Art.  3  AsylG  zugrunde  zu  legen.  Bedeutsam  sind  in  dieser  Hinsicht  deshalb  nur  Hinweise  auf  Ereignisse,  die  sich  zur  Begründung  der 

D­4541/2008 Flüchtlingseigenschaft  eignen.  Auf  das  Asylgesuch  ist  daher  nicht  einzutreten, wenn eines der Elemente des Flüchtlingsbegriffs gemäss Art.  3  AsylG  offensichtlich  nicht  erfüllt  ist.  Dabei  ist  ein  gegenüber  der  Glaubhaftmachung  reduzierter  Beweismassstab  anzusetzen;  auf  das  Asylgesuch  ist einzutreten, wenn sich Hinweise auf ernsthafte Nachteile  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  ergeben,  die  nicht  zum  Vorneherein  haltlos  sind (vgl. BVGE 2009/53 E. 4.2 S. 769 mit weiteren Hinweisen).  4.3.    Der  Beschwerdeführer  hat  unbestrittenermassen  in  der  Schweiz  bereits erfolglos ein Asylverfahren durchlaufen, wobei mit Verfügung des  BFM  vom  28.  Juni  2002  materiell  über  seine  Flüchtlingseigenschaft  befunden und diese  verneint wurde. Zudem  ist  er  unbestrittenermassen  nicht in sein Heimatland zurückgekehrt, da er mit gleicher Verfügung der  Vorinstanz  vorläufig  aufgenommen  worden  war  und  in  der  Schweiz  verbleiben  durfte.  Diese  Verfügung  erwuchs  unangefochten  in  Rechtskraft  (vgl.  Bst.  A  dieses  Urteils).  Das  formelle  Erfordernis  des  Nichteintretensgrundes  von Art.  32 Abs.  2 Bst.  e AsylG  ist  somit  erfüllt.  Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob im Sinne der erwähnten  Bestimmung  in  der  Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen.  5.  5.1.  Der  Beschwerdeführer  ersuchte  in  seiner  als  "Wiedererwägungsgesuch"  bezeichneten  Eingabe  vom  28.  Dezember  2006  aufgrund  der  unter  EMARK  2006  Nr.  18  publizierten  Praxisänderung  der  ARK  um  wiedererwägungsweise  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft und um Asylgewährung. Die Vorinstanz trat in der  Folge auf das Gesuch mit Verfügung vom 26. Januar 2007 nicht ein mit  der  Begründung,  eine  Praxisänderung  stelle  gemäss  geltender  Praxis  keinen  qualifizierten  Wiedererwägungsgrund  dar.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hiess mit Urteil  vom 25. Mai  2007 die  gegen  die Verfügung des BFM gerichtete Beschwerde gut mit der Begründung,  das  BFM  hätte  das  Ersuchen  des  Beschwerdeführers  nicht  als  Wiedererwägungsgesuch,  sondern  als  zweites  Asylgesuch  entgegen  nehmen müssen. Es hob die angefochtene Verfügung auf und wies die  Sache zur Neubeurteilung mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz  zurück. 5.2.  In  der  Nichteintretensverfügung  vom  3.  Juli  2008  führte  die  Vorinstanz aus, mit dem in Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG enthaltenen Begriff 

D­4541/2008 "Ereignisse"  könne  nur  eine  nachträgliche  Veränderung  der  Sachlage  gemeint sein und nicht – wie vorliegend – eine Praxisänderung, da diese  nur die Rechtslage,  nicht  jedoch die Sachlage ändere. Somit  könne die  erfolge Praxisänderung nicht unter den Begriff der "Ereignisse" nach Art.  32 Abs. 2 Bst.  e AsylG subsumiert werden, weshalb es keine Hinweise  gebe, gestützt auf welche seit dem rechtskräftigen Abschluss des ersten  Asylverfahrens Ereignisse eingetreten seien, welche geeignet  seien, die  Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder welche für die Gewährung des  vorübergehenden  Schutzes  relevant  seien.  Auf  das  zweite  Asylgesuch  des Beschwerdeführers sei daher gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG  nicht einzutreten. 5.3.  In  seiner  Beschwerde  führte  der  Beschwerdeführer  aus,  im  Gegensatz zum BFM würden sowohl Lehre als auch Rechtsprechung aus  Gründen  der  Rechtssicherheit  von  der  Regel  abweichen,  wonach  eine  Praxisänderung grundsätzlich nicht dazu führen könne, auf einen bereits  in  Rechtskraft  erwachsenen  Entscheid  zurückzukommen.  Die  durch  die  Praxisänderung  in  EMARK  2006  Nr.  18  hervorgerufenen  Rechtsungleichheiten  seien  –  insbesondere  betreffend  die  Gesuchstellenden  aus  Somalia  –  dermassen  stossend,  dass  eine  vertiefte  Prüfung  der  Frage,  ob  eine  generelle  Anpassung  der  bereits  rechtskräftigen  Verfügungen  bei  Gesuchstellenden  aus  Somalia  zur  Verhinderung krasser Rechtsungleichheiten nunmehr zwingend sei, nicht  mehr  unterbleiben  könne.  Seit  Erlass  des  unter  EMARK  2006  Nr.  18  publizierten  Urteils  der  ARK  würden  Sachverhalte,  die  zuvor  zu  einer  vorläufigen Aufnahme geführt hätten, die Anerkennung als Flüchtling und  die  Asylgewährung  bewirken.  Da  indessen  die  Situation  der  vorläufig  aufgenommenen Gesuchstellenden ungleich schlechter sei als diejenige  von anerkannten Flüchtlingen, sei das BFM anzuweisen, auf das zweite  Asylgesuch  des Beschwerdeführers materiell  einzutreten  und  die  Frage  einer nachträglichen Anpassung des Asylentscheides unter  dem Aspekt  der  Rechtsgleichheit  sowie  in  Beachtung  des  beigelegten  Papiers  der  SFH vertieft zu prüfen. 5.4.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  12.  August  2008  stellte  sich  die  Vorinstanz  auf  den  Standpunkt,  die  Beschwerde  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  des  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Die  Beschwerde  setze  sich  namentlich mit  der  Frage  auseinander,  ob  und  allenfalls  unter  welchen  Umständen  eine  Praxisänderung  einen  qualifizierten  Wiedererwägungsgrund  für  in  Rechtskraft  erwachsene  Entscheide 

D­4541/2008 darstellen könne. Diese Frage sei vorliegend  jedoch nicht zu beurteilen,  weil  die  Eingabe  des  Beschwerdeführers,  auch  wenn  sie  als  "Wiedererwägungsgesuch" bezeichnet worden sei, gestützt auf das Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  25.  Mai  2007  als  zweites  Asylgesuch zu behandeln sei und folglich nach der Bestimmung von Art.  32 Abs. 2 Bst. e AsylG beurteilt werden müsse. Dabei sei  insbesondere  zu untersuchen, ob die angerufene Praxisänderung unter den Begriff des  zwischenzeitlich  eingetretenen Ereignisses  im Sinne  von Art.  32 Abs.  2  Bst. e AsylG zu subsumieren sei. Eine entsprechende Prüfung sei in der  Verfügung vom 3. Juli 2008 vorgenommen worden, wobei das BFM zum  Schluss gekommen sei, dass diese Frage zu verneinen sei. Folglich habe  auf  die  Eingabe  vom  28.  Dezember  2006  nicht  eingetreten  werden  können.  5.5.  In  seiner  Stellungnahme  hält  der  Beschwerdeführer  fest,  dass  das  Bundesgericht  vom  Grundsatz,  eine  Praxisänderung  rechtfertige  keine  Revision  früherer  rechtskräftiger  Entscheide,  dann  ausnahmsweise  abweiche,  wenn  das  Ergebnis  zu  einem  stossenden  und  dem  Gerechtigkeitsgefühl zuwiderlaufenden Ergebnis  führen würde (vgl. BGE  98  Ia  573),  was  vorliegend  der  Fall  sei.  Zudem  werde  erneut  auf  die  Praxis  des  BFM  hinsichtlich  Eritrea  nach  dem  Grundsatzentscheid  der  ARK  (vgl.  EMARK  2006 Nr.  3)  verwiesen,  worauf  das  BFM  denjenigen  eritreischen Gesuchstellern,  die  ein  zweites Asylgesuch gestellt  und die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  begründet  beantragt  hätten,  gestützt auf die Praxisänderung Asyl gewährt habe. Vorliegend handle es  sich um eine analoge Situation. 6.  6.1.  Es  stellt  sich  vorab  grundsätzlich  die  Frage,  ob  die  Behörde  sich  veranlasst  sehen  kann,  auf  formell  rechtskräftige  Verfügungen  zurückzukommen  und  sie  nötigenfalls  zu  ändern.  Anstoss  zu  einem  Rückkommens­  und  Änderungsverfahren  können  die  Behörden  (von  Amtes  wegen)  oder  Private  (aufgrund  eines  Gesuches)  geben.  Gegenstand eines Rückkommens und einer allfälligen Änderung können  urteilsähnliche Verfügungen oder Dauerverfügungen bilden. Dabei erfolgt  die Prüfung der Frage zuerst in einem verfahrensrechtlichen und alsdann  in  einem  materiellrechtlichen  Schritt.  Spezialgesetzliche  Regelungen  gehen  in  jedem  Fall  vor  (vgl.  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLAMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  Aufl.,  Zürich/St.  Gallen 

D­4541/2008 2010,  Rz  1046;  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 267 ff.).  6.2.  Verfügungen  über  Dauerrechtsverhältnisse  können  wegen  einer  Änderung  der  tatsächlichen  oder  rechtlichen  Verhältnisse  nachträglich  fehlerhaft  und  unter  bestimmten  Voraussetzungen  widerrufen  werden.  Liegt  keine  gesetzliche  Regelung  vor,  so  ist  eine  Abwägung  zwischen  dem  Interesse  an  der  richtigen  Anwendung  des  objektiven  Rechts  einerseits  und  dem  Interesse  an  der  Rechtssicherheit  beziehungsweise  dem Vertrauensschutz andererseits vorzunehmen. Besteht die Änderung  lediglich in einer neuen Verwaltungspraxis oder Rechtsprechung, so darf  die  Verfügung  über  ein  Dauerrechtsverhältnis  nur  ausnahmsweise  angepasst werden. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die neue Praxis  in einem solchen Mass allgemeine Verbreitung gefunden hat, dass deren  Nichtbefolgung  als  Verstoss  gegen  das  Gleichheitsgebot  erschiene  (ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  999  mit  Hinweisen auf die Rechtsprechung; PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI,  a.a.O., S. 275).  7.  7.1.  Der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 1999  [BV;  SR 101],  Art.  29  VwVG,  Art.  32  Abs.  1  VwVG)  verlangt,  dass  die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des  Betroffenen  tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung  niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG; EMARK 2004 Nr. 38 E.  6.3.  S.  264).  Ferner  soll  die  Abfassung  der  Begründung  dem  oder  der  Betroffenen  ermöglichen,  den  Entscheid  gegebenenfalls  sachgerecht  anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl die betroffene Person  als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein  Bild machen können. Dabei ist die verfügende Behörde nicht verpflichtet,  sich  mit  jedem  Detail  des  Sachverhalts  oder  mit  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinander  zu  setzen.  Vielmehr  kann  sie  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken.  Die  Begründungsdichte  richtet sich nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen  und  den  Interessen  des  Betroffenen,  wobei  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in die  rechtlich geschützten  Interessen des Betroffenen – und  um  solche  geht  es  bei  der  Frage  der  Gewährung  des  Asyls  –  eine  sorgfältige Begründung verlangt (EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1. S. 256).

D­4541/2008 7.2.  Die  Glaubhaftigkeit  der  Aussagen  des  Beschwerdeführers,  er  stamme  aus  Z._______  und  sei  als  Angehöriger  des  kleinen Clans  der  W._______ vom grossen Clan der V._______  in asylrechtlich  relevanter  Weise  verfolgt  worden,  wurde  anlässlich  der  ersten  Verfügung  der  Vorinstanz  vom  29.  November  2002  nicht  überprüft.  Das  erste  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  wurde  –  gestützt  auf  die  damals  geltende  Zurechenbarkeitstheorie  –  mangels  Asylrelevanz  abgewiesen.  An  dieser  grundsätzlichen  Feststellung  vermag  die  Tatsache,  dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  ersten  Verfügung  die  behauptete  zehntägige  Festhaltung  durch  Angehörige  des  V._______  Clans  als  unglaubhaft  erachtete,  nichts  zu  ändern.  Weder  seine  Herkunft  noch  seine  clanmässige  Zugehörigkeit  und  die  geltend  gemachte  Verfolgung  durch  einen  andern  Clan  sind  als  unglaubhaft  qualifiziert  worden.  Zur  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  wurde  zudem  auch  in  der  Vernehmlassung vom 12. August 2008 nicht Stellung genommen. Unklar  ist  ferner,  was  die  Vorinstanz  genau  zum  Ausdruck  bringen  wollte  mit  ihrer Bemerkung in der angefochtenen Verfügung, im Übrigen sei darauf  hinzuweisen,  dass  für  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  nur  die  Anforderungen  von  Art.  3  AsylG  erfüllt  sein  müssten,  sondern  dass  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art.  7  AsylG  auch  nachgewiesen  oder  glaubhaft  gemacht  werden müsse.  Als  Hinweis  auf  eine  zweifelhafte  Glaubhaftigkeit  der  gesamten  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  kann  dieser  Satz  im  Sinne  einer  rechtsgenüglichen  Begründung  nicht  gelten.  Damit  ist  der  Beschwerdeführer  grundsätzlich  dem  Personenkreis  zuzuordnen,  der  von  den  Überlegungen  der  ARK,  welche  im  Grundsatzurteil  EMARK  2006  Nr.  18  festgehalten  sind,  betroffen ist. 7.3. Die Vorinstanz  stützt  sich  in  ihrem auf Art.  32 Abs.  2 Bst.  e AsylG  basierenden  Nichteintretensentscheid  auf  das  Begriffsmerkmal  des  Ereignisses  und  hält  fest,  dass  dieses  eine  Veränderung  des  Sachverhalts,  das  heisst  der  Sachlage  voraussetze,  wogegen  eine  Praxisänderung nur die Rechtslage, nicht jedoch die Sachlage verändere.  Sie  stellt  sich  auf  den  Standpunkt,  dass  die  im  zweiten  Asylgesuch –  gegenüber dem ersten Asylgesuch unverändert – vorgebrachten Gründe  keine  im  Sinne  der  erwähnten  gesetzlichen  Bestimmung  eingetretene  Ereignisse  darstellten,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  begründen  könnten oder die für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant  seien,  und  verzichtet  –  wie  bereits  erwähnt  –  sowohl  in  der  angefochtenen  Verfügung  als  auch  in  der  Vernehmlassung  auf  die  Prüfung der Glaubhaftigkeit. Die diesbezügliche Argumentation des BFM 

D­4541/2008 greift  indessen  zu  kurz  und  erweist  sich  als  unzutreffend.  Der  Beschwerdeführer  berief  sich  stets  auf  dieselben  (Asyl)­Gründe, welche  zwischenzeitlich  von  der  Praxisänderung  erfasst  werden.  Vom  BFM  wurden diese Sachverhaltselemente anlässlich des zweiten Asylgesuchs  aber  nie  einer  Würdigung  unterzogen.  Mit  seiner  Eingabe  vom  28.  Dezember  2006  reichte  der  Beschwerdeführer  ein  Urteil  des  obersten  britischen  Asylgerichts,  das  bei  einem  vergleichbaren  Sachverhalt  wie  dem vom Beschwerdeführer vorgebrachten die W._______ als besonders  verletzliche Gruppe darstellt, ein. Zudem wies er in der gleichen Eingabe  auf das unter EMARK 2006 Nr. 18 publizierte Urteil der ARK hinsichtlich  der Situation in Somalia ebenso hin wie auf das unter EMARK 2006 Nr. 3  veröffentlichte Urteil der ARK betreffend Eritrea, gestützt auf welches das  BFM  seine  Entscheidpraxis  der  Rechtsprechung  der  ARK  nachträglich  anpasste und die vorgenommene Praxisänderung im Fall von Gesuchen  um  Änderung  der  rechtskräftigen  Verfügung  berücksichtigte.  Das  BFM  setzte sich  indessen  im vorliegenden Verfahren mit den Vorbringen des  Beschwerdeführers nicht auseinander, obwohl nicht auszuschliessen  ist,  dass  sich  aus  der  Eingabe  vom  28.  Dezember  2006  Hinweise  auf  Verfolgung  ergeben  könnten.  Ebenso  unterliess  es  die  Vorinstanz,  Ausführungen  zu  ihrer  Wiedererwägungspraxis  hinsichtlich  Asylbewerbern  aus  Eritrea  zu  machen,  denen  sie  auf  Gesuch  hin  die  Flüchtlingseigenschaft  zuerkannte  und  Asyl  gewährte,  was  eine  rechtsungleiche  Behandlung  darstellen  könnte.  Auch  wenn  eine  neue  Praxis  aus  Gründen  der  Rechtssicherheit  und  Gleichbehandlung  grundsätzlich sofort, mithin auch in hängigen Verfahren, anzuwenden ist,  während  in der Regel keine  rückwirkende Anwendung erfolgt,  stellt  sich  vorliegend  trotzdem  die  Frage,  ob  und  unter  welchen  Umständen  eine  rückwirkende  Anwendung  ausnahmsweise,  so  beispielsweise  im  Fall  eines Verstosses  gegen das Gleichheitsgebot  (vgl. Ulrich Häfelin/Georg  Müller/Felix Uhlmann,  a.a.O.  Fn.  999), was  vorliegend  geltend  gemacht  wird, geboten wäre. In diesem Zusammenhang ist auch der Hinweis des  Bundesverwaltungsgerichts  im  Urteil  vom  25.  Mai  2007,  den  Beschwerdeführer  betreffend,  zu  erwähnen;  danach  ist  die  Anpassung  einer  formell  rechtskräftigen  und  ursprünglich  fehlerfreien  Verfügung  unter  bestimmten  Voraussetzungen  nicht  von  vorneherein  ausgeschlossen  (vgl.  Erw.  5.2  des  erwähnten  Urteils).  Das  BFM  geht  weder in der angefochtenen Verfügung noch in der Vernehmlassung auf  dieses Thema ein. In der angefochtenen Verfügung hält es lediglich fest,  dass  eine  Praxisänderung  nur  die  Rechtslage  und  nicht  die  Sachlage  betreffe, weshalb sie nicht unter den Begriff des Ereignisses im Sinne von  Art.  32 Abs.  2 Bst.  e AsylG  subsumiert werden  könne.  Zur  Frage  einer 

D­4541/2008 allenfalls  stossenden  Rechtsungleichheit  fehlen  in  der  angefochtenen  Verfügung  Erwägungen  ebenso  wie  zur  Frage  der  Rechtssicherheit.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  12.  August  2008  wies  das  BFM  diesbezüglich  –  ebenfalls  ohne  sich  mit  dem  Thema  der  Rechtsungleichheit und der Rechtssicherheit auseinanderzusetzen – auf  die angefochtene Verfügung vom 3. Juli 2008 hin.  7.4.  Damit  fehlt  eine  vertiefte  Auseinandersetzung  der  Vorinstanz  im  Zusammenhang mit den sich  im vorliegenden Verfahren  rund um die  in  EMARK  2006  Nr.  18  publizierte  Praxisänderung  stellenden  Fragen.  Zudem  erweist  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  aufgrund  der  unterlassenen Prüfung  von möglichen Verfolgungshinweisen  hinsichtlich  der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgung durch Dritte –  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  vorausgesetzt  (vgl.  Ziff.  7.2  der  vorangehenden  Erwägungen)  –  als  unvollständig  erstellt,  weil  sich  das  BFM bis heute nicht dazu geäussert hat, ob die vom Beschwerdeführer  geltend gemachte Clanzugehörigkeit,  seine Herkunft und die Verfolgung  durch den V._______ Clan als glaubhaft zu erachten ist, was indessen für  die Beurteilung, ob vorliegend die Praxisänderung nach EMARK 2006 Nr.  18 überhaupt zum Zug käme, massgeblich ist. Mit der Feststellung in der  angefochtenen Verfügung, die Praxisänderung vermöge nicht als Ereignis  im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu gelten, weil sie die Rechts­  und nicht die Sachlage betreffe, wird das BFM dem vorliegenden Fall im  Hinblick auf die eigene Praxis hinsichtlich eritreischer Staatsangehöriger,  die  nach  einer  erfolgten  Praxisänderung  erneut  ein  Gesuch  um  Gewährung  von  Asyl  einreichten,  und  im  Hinblick  auf  die  in  der  Lehre  vertretene  Meinung,  Praxisänderungen  könnten  unter  gewissen  Voraussetzungen zwecks Verhinderung krasser Rechtsungleichheiten zu  einer Änderung von rechtskräftigen Verfügung führen, nicht gerecht. Zwar  ist  es  nicht  Aufgabe  der  Asylbehörden,  alle  vorgebrachten  Details  zu  würdigen,  und  Nichteintretensentscheide  sind  nur  summarisch  zu  begründen;  indessen  ist  das  BFM  im  Sinne  eines  fairen  Verfahrens  gestützt  auf  die  ihm obliegende Begründungspflicht  gehalten,  sich  auch  im Rahmen eines Nichteintretensentscheides nach Art. 32 Abs. 2 Bst. e  AsylG  zu  den  wesentlichen  Aspekten  zu  äussern  und  diese  in  nachvollziehbarer Weise zu begründen, wobei es bei Bedarf auch für und  gegen  den  Nichteintretensentscheid  sprechende  Sachverhaltselemente  gegeneinander  abzuwägen  hat,  um  in  diesem  Sinne  zu  einer  Schlussfolgerung  zu gelangen. Es  vermag keineswegs  zu genügen, mit  einem einzigen Argument festzustellen, eine Praxisänderung könne nicht  als Ereignis im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG gelten, weil sie nur 

D­4541/2008 die  Rechtslage  und  nicht  die  Sachlage  betreffe,  ohne  dazu  erklärende  Ausführungen, welche auch zum konkreten, zu beurteilenden Fall Bezug  nehmen,  zu  geben,  und  ohne  sich  –  mit  Bezug  auf  die  vorliegende  Konstellation – mit dem Thema der Rechtsgleichheit und demjenigen der  Rechtssicherheit  auseinanderzusetzen.  Diese  Teile  der  Auseinandersetzung  hätten  im  vorliegenden  Fall  in  die  Entscheidung  miteinbezogen  werden  müssen.  Aus  diesem  Grund  hat  das  BFM  die  Pflicht,  seine  Entscheidungen  nachvollziehbar  und  unter  Einbezug  der  wesentlichen  Sachverhaltselemente  zu  begründen,  vorliegend  verletzt.  Die  angefochtene Verfügung  ist  damit weder  für  den Beschwerdeführer  selber  noch  für  die  Rechtsmittelinstanz  nachvollziehbar.  Somit  ist  festzuhalten, dass die Würdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers  in  der  Nichteintretensverfügung  der  Vorinstanz  aufgrund  der  vorangehenden  Erwägungen  ungenügend  ist.  Sie  lässt  das  geforderte  Mass  an  Begründungsdichte  vermissen,  womit  das  BFM  die  ihm  obliegende  Prüfungs­  und  Begründungspflicht  und  damit  den  Anspruch  der Beschwerdeführer auf rechtliches Gehör verletzt hat. Die Vorbringen  des Beschwerdeführers wären  – mit  Bezug  auf  die  Praxis  des BFM  zu  Eritrea  und  unter  Abwägung  der  Interessen  für  oder  gegen  die  Rechtsgleichheit beziehungsweise für oder gegen die Rechtssicherheit –  eingehender  zu  prüfen  gewesen,  und  diese  Prüfung  hätte  in  die  Entscheidfindung  erkennbar  einfliessen  müssen.  Zudem  ist  der  Sachverhalt  für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers nicht genügend abgeklärt worden. 7.5.  Infolge des nur unvollständig festgestellten Sachverhalts  ist die vom  BFM  dargestellte  Begründung  nicht  nachvollziehbar,  wie  bereits  festgehalten worden ist. Seine Schlussfolgerung, die Praxisänderung sei  nicht als Ereignis im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu werten, weil  sie nur die Rechts­ und nicht die Sachlage verändere, vermag angesichts  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  das  BFM  sei  im  Fall  von  eritreischen  Asylsuchenden  nach  einer  Praxisänderung  auf  seine  rechtskräftigen Verfügungen zurückgekommen, was mit der vorliegenden  Konstellation  vergleichbar  sei,  und  Praxisänderungen  würden  im  Fall  einer  krassen Verletzung  des Gleichheitsgebotes  von  Lehre  und Praxis  als  Grund  eines  Zurückkommens  auf  eine  rechtskräftige  Verfügung  anerkannt, nicht zu überzeugen.  7.6.  Aufgrund  des  Gesagten  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  den  rechtserheblichen Sachverhalt nicht genügend erstellt hat und damit ihrer  Abklärungs­ und Begründungspflicht nicht genügend nachgekommen ist, 

D­4541/2008 womit  der Anspruch  auf  rechtliches Gehör  verletzt  ist. Mithin  sind  unter  diesem Gesichtspunkt Hinweise für in der Zwischenzeit eingetretene und  für die Flüchtlingseigenschaft relevante Ereignisse nicht von vorneherein  auszuschliessen.  Für  die  Beurteilung  sämtlicher  für  das  vorliegende  Verfahren relevanter Aspekte würde sich ein Nichteintretensentscheid nur  dann  eignen, wenn  die Clanzugehörigkeit,  die Herkunft  und  die  geltend  gemachten  Verfolgung  durch  den  V._______  Clan  als  unglaubhaft  feststünde  oder  das  BFM  –  mit  eingehender  Begründung  unter  Abwägung  der  Interessen  zwischen  Rechtsgleichheit  und  Rechtssicherheit – zum Schluss käme, vorliegend sei die Praxisänderung  kein  Ereignis,  das  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  erfasst  werde. Wie  bereits  erwähnt,  hat  sich  das  BFM  indessen  weder  zur  Glaubhaftigkeit  der  Clanzugehörigkeit  beziehungsweise  der  Herkunft  des  Beschwerdeführers  und  dessen  vorgebrachter  Verfolgung  durch  den  V._______  Clan  geäussert  noch  hat  es  die  erwähnte  Interessensabwägung  vorgenommen.  Damit  fehlen  wesentliche  Sachverhaltselemente,  welche  nicht  in  zweiter  Instanz  zu  klären  sind.  Eine  Heilung  dieser  Mängel  auf  Beschwerdeebene  ist  somit  ausgeschlossen. Allenfalls wird die Vorinstanz vor einem Entscheid über  das  erneute  Begehren  um  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  im  Rahmen  eines  ordentlichen  zweiten  Asylverfahrens  eine  Anhörung  gemäss  Art.  29  und  30  AsylG  durchführen  und  anschliessend  eine  materielle Entscheidung  fällen müssen.  7.7.  Eine  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  führt  grundsätzlich  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  ohne  Rücksicht darauf, ob diese bei  korrekter Verfahrensführung  im Ergebnis  anders  ausgefallen  wäre  (vgl.  EMARK  2004  Nr.  38  E. 7.1  S. 265  und  gestützt  darauf Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts D­5409/2006  vom  22. August  2008),  und  sie  kann  von Amtes wegen  als  Kassationsgrund  berücksichtigt  werden,  wenn  die  Mängel  schwerwiegend  sind  und  eine  vernünftige  Prozesserledigung  in  der  Rechtsmittelinstanz  verunmögli­ chen  (vgl.  EMARK  1993  Nr.  35  E. 3.c  S.  246  f.).  Aufgrund  der  umfassenden  Kognition  des  Bundesverwaltungsgerichts  im  Asylbeschwerdeverfahren  (vgl. Art. 106 AsylG) kann die Verletzung des  Anspruch auf rechtliches Gehör in bestimmten Schranken geheilt werden  (vgl.  EMARK  2004 Nr.  38  E.  7.1  S.  265  und  gestützt  darauf  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5409/2006  vom  22. August  2008).  Im  vorliegenden  Fall  ist  die  fehlende  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  bei  der  Prüfung  seines  zweiten  Asylgesuchs  seitens  des  BFM als schwerer Mangel zu bezeichnen. Dieses Versäumnis des BFM 

D­4541/2008 ist  nicht  auf  Beschwerdeebene  zu  beheben,  da  dem Beschwerdeführer  dadurch  eine  Instanz  verloren  ginge.  Eine  Heilung  der  festgestellten  Mängel  in  der  angefochtenen  Verfügung  aus  prozessökonomischen  Gründen fällt vorliegend mithin nicht in Betracht. Unter diesen Umständen  ist  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  7.8. Anbei ist noch festzuhalten, dass auch der ungerechtfertigte Verzicht  des BFM auf die Gewährung des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 36  Abs.  2  AsylG  vor  Erlass  seines  Nichteintretensentscheides  eine  schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellt, welche auf  Beschwerdeebene nicht geheilt werden könnte und deshalb ebenfalls zu  einer  Rückweisung  führen  würde,  zumal  die  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  28.  Dezember  2008  nicht  als  abschliessend  betrachtet werden kann, was sich aus den vorangehenden Erwägungen  ergibt. Ferner steht nicht fest, ob die geltend gemachte Clanzugehörigkeit  und die Herkunft des Beschwerdeführers als glaubhaft zu erachten sind.  Damit ist der Sachverhalt nicht rechtsgenüglich erstellt. Auch wenn dieser  Verfahrensfehler  im Beschwerdeverfahren nicht explizit gerügt wurde,  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  der  ihm  obliegenden  Prüfungspflicht  gehalten,  bei  schweren  Verfahrensfehler  das  Verfahren  von Amtes wegen an die Vorinstanz zurückzuweisen.  7.9.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  zu  Unrecht  gestützt  auf  Art.  32 Abs.  2 Bst.  e AsylG  einen Nichteintretensentscheid  gefällt hat. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene  Verfügung  des  BFM  vom  3.  Juli  2008  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  im  Sinne  der  Erwägungen  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Demzufolge  ist  das  Dispositiv  der  angefochtenen  Verfügung  vollumfänglich  (das  heisst  Ziff.  1­4)  aufzuheben.  Vom  Beschwerdeführer  allenfalls  bereits  bezahlte  Verfahrenskosten  (Ziff.  4  des Dispositivs der angefochtenen Verfügung)  sind  ihm durch das BFM  zurückzuerstatten.  Vor  diesem  Hintergrund  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorbringen,  Rügen  und  Anträge  einzugehen. 8.  Obsiegende Parteien  haben Anspruch  auf  eine Parteientschädigung  für  die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten 

D­4541/2008 (Art.  64  VwVG,  Art.  7  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2]).  Die  Rechtsvertretung  des  Beschwerdeführer  hat  mit  Eingabe  vom  6.  August  2010  eine  Kostennote  zu  den  Akten  gereicht,  gestützt auf welche bei einem Stundenansatz von Fr. 180.­­ insgesamt 14  Stunden und Barauslagen in der Höhe von Fr. 250.­­ in Rechnung gestellt  wurden,  was  einem  Totalbetrag  von  Fr.  2'680.­­  entspricht.  Angesichts  der  kurzen  Beschwerde  von  vier  Seiten  und  der  einmaligen  Stellungnahme  zur  Vernehmlassung  von  eineinhalb  Seiten  sowie  des  insgesamt  geringen  Aktenumfangs  auf  Beschwerdeebene  erscheint  dieser  Aufwand  als  zu  hoch.  Insbesondere  sind  die  in  der Honorarnote  aufgeführten Posten "Kontaktpflege mit dem Mandanten" (2 Stunden, Fr.  360.­­)  und  "Abklärungen  Härtefall“  (1  Stunde,  Fr.  180.­­)  ganz  zu  streichen.  Einerseits  ist  nicht  klar,  was  unter  "Kontaktpflege  mit  dem  Mandanten"  konkret  gemeint  ist  und  inwiefern  dieser  Posten  für  das  vorliegende  Verfahren  erforderlich  gewesen  wäre;  andererseits  hat  die  Härtefallprüfung  seit  der  Gesetzesrevision  vom  16. Dezember  2005  (in  Kraft seit 1. Januar 2007, vgl. AS 2006 4745 und 4767 sowie BBl 2002  6845)  vom  Kanton  auszugehen,  wobei  der  Beschwerdeführer  erst  im  Zustimmungsverfahren  des  BFM  Parteistellung  einnimmt  (vgl.  Art.  14  Abs.  2  bis  4  AsylG)  und  vorliegend  beim  Bundesverwaltungsgericht  weder das Eine noch das Andere aktenkundig  ist. Ferner  ist der Posten  "Verfahrensstandanfrage" von einer halben Stunde zu hoch, zumal nicht  ersichtlich ist, warum dafür eine halbe Stunde notwendig gewesen wäre.  Insgesamt  erscheint  es  somit  gerechtfertigt,  den  in  der  Honorarnote  ausgewiesenen Aufwand um Fr. 580.­­ (Fr. 360.­­, Fr. 180.­­ und Fr. 40.­­)  zu  reduzieren,  was  einer  Entschädigung  von  Fr. 1'850.­­  entspricht.  Zu  diesem  Betrag  sind  die  aufgeführten  Barauslagen  in  der  Höhe  von  Fr.  250.­­  hinzuzurechnen.  Die  von  der  Vorinstanz  zu  entrichtende  Parteientschädigung  ist  demnach  auf  Fr. 2'100.­­  (inklusive  Auslagen)  festzusetzen (Art. 14 VGKE). (Dispositiv nachfolgende Seite)

D­4541/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  3. Juli 2008  wird  aufgehoben.  Die  Sache  wird zur neuen Entscheidfindung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3.  Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe von Fr. 2'100.­­ zu entrichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand:

D-4541/2008 — Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 D-4541/2008 — Swissrulings