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Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-4439/2011

17. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,109 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Juli 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4439/2011 Urteil   v om   1 7 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter François Badoud;   Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau  B._______, geboren am (…), und deren Kind C._______, geboren am (…), Afghanistan,    Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuche und Wegweisungen (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 29. Juli 2011 / N (…).

D­4439/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführenden am 23. Mai 2011 in der Schweiz um Asyl  nachsuchten, dass  sie  anlässlich  der  Kurzbefragungen  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  D._______  vom  26. Mai  2011  im  Wesentlichen  vorbrachten, der Beschwerdeführer habe sich vom  islamischen Glauben  abgewendet, weshalb sein Leben in Afghanistan in Gefahr gewesen sei,  dass die Beschwerdeführerin zudem von der Schwiegermutter und ihrem  Schwager schlecht behandelt und geschlagen worden sei,  dass sie sich deshalb zur Ausreise entschlossen hätten, wobei ihr Ziel als  Asylland die Schweiz gewesen sei, dass sie zirka Mitte/Ende September 2010 mit Hilfe eines Schleppers via  den  Iran  und  die  Türkei  nach  Griechenland  gelangt  seien,  wo  sie  registriert worden seien,  dass  sie  nach  rund  drei Monaten  weitergereist  seien,  wobei  sie  erst  in  Ungarn und dann auch in Österreich festgenommen worden seien, bevor  sie schliesslich in die Schweiz gelangt seien,  dass sie nicht bereit seien,  in eines der genannten europäischen Länder  zurückzukehren, zumal ihr Ziel von Anfang an die Schweiz gewesen sei,  dass bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten  verwiesen wird (vgl. Akten Vorinstanz A5 und A6),  dass  das  BFM  aufgrund  der  Angaben  der  Beschwerdeführenden  und  dem  Abgleich  der  Fingerabdrücke  mit  der  Zentraleinheit  Eurodac  (Asylgesuchseinreichung  in  Ungarn  am  […]  und  in  Österreich  am  […],  keine  solche  in Griechenland)  am  1. Juli  2011  ein Übernahmeersuchen  an die ungarischen Behörden (Erstasylstaat) stellte, welchem am 13. Juli  2011 zugestimmt wurde,  dass das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  mit  Verfügung  vom  29. Juli  2011  –  eröffnet  am  10. August  2011  –  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  nach  Ungarn  und  den  Wegweisungsvollzug 

D­4439/2011 anordnete  und  gleichzeitig  feststellte,  dass  einer  allfälligen  Beschwerde  keine aufschiebende Wirkung zukomme,  dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  Ungarn  sei  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA],  SR 0.142.392.689)  und  das Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung  und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und  Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004,  SR 0.362.32)  für  die  Durchführung des Asylverfahrens zuständig,  dass  die  ungarischen  Behörden  der  Rückübernahme  der  Beschwerdeführenden gestützt  auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c  der Verordnung  [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO), zugestimmt hätten,  dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung gemäss Art. 19 f. Dublin­II­VO – bis am 13. Januar 2012 zu  erfolgen habe, dass  daher  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  einzutreten und deren Wegweisung aus der Schweiz anzuordnen sei,  dass die Beschwerdeführenden in einen Drittstaat reisen könnten, in dem  sie Schutz vor Rückschiebung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG fänden,  weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaats  nicht  zu  prüfen  sei,  und  ferner  für  den  Fall  einer  Rückkehr nach Ungarn keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) bestehen würden,

D­4439/2011 dass weder die in Ungarn herrschende allgemeine Situation noch andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diesen  Staat sprechen würden,  dass  hinsichtlich  der  Einwände  der  Beschwerdeführenden,  sie  seien  in  Ungarn  wegen  illegaler  Einreise  festgenommen  und  der  Beschwerdeführer  sei  zu  einer  dreimonatigen  Haftstrafe  verurteilt,  mit  Hilfe  eines  Anwalts  jedoch  bedingt  freigesprochen  worden,  darauf  hinzuweisen  sei,  dass  es  den  ungarischen  Behörden  obliege,  die  Befolgung der ungarischen Gesetze sicherzustellen,  dass keine konkreten Hinweise vorlägen, dass die ungarische Justiz kein  korrektes Verfahren durchgeführt hätte, dass es den Beschwerdeführenden obliege, bei einer allfälligen erneuten,  in  ihren  Augen  nicht  gerechtfertigten  Anordnung  einer  Haftstrafe  wiederum eine Rechtsvertretung aufzusuchen und Berufung einzulegen,  dass  der  Wegweisungsvollzug  zudem  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar sei, dass  die  Beschwerdeführenden  dagegen  mit  französischsprachiger  Eingabe  vom  11. August  2011  (Datum  Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben,  worin  um  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  um  Eintreten  auf  das  Asylgesuch  ersucht wurde, dass  in  prozessualer  Hinsicht  beantragt  wurde,  der  Beschwerde  sei  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen  die  aufschiebende  Wirkung  zuzuerkennen,  dass  zudem um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht wurde,  dass  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  vorbrachten,  nicht  Ungarn,  sondern  Griechenland  sei  das  erste  "Dublin­Land",  das  sie  betreten hätten, und eine Rückführung dorthin sei nicht zumutbar, dass  bei  einer Rückführung  nach Ungarn  die Gefahr  bestehe,  dass  sie  von  dort  nach  Afghanistan  ausgewiesen  würden,  zumal  sie  in  Ungarn  bereits wegen illegaler Einreise inhaftiert gewesen seien,

D­4439/2011 dass ihr Ziel die Schweiz gewesen sei, wo seit  langem ein (Verwandter)  lebe,  dass  auf  die  weitere  Begründung  der  Beschwerde  –  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  einzugehen  ist,  dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 16. August 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),  und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführenden  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind,  weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  der  vorliegende  Entscheid  in  deutscher  Sprache  ergeht,  da  im  Beschwerdeverfahren  die  Sprache  der  angefochtenen  Verfügung  massgebend ist (Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG),  dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt – um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

D­4439/2011 dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftwechsel  verzichtet wurde,  dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als  zutreffend erweisen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,  dass der vorgängige Aufenthalt  in Ungarn und die Zustimmung Ungarns  zur  Rückübernahme  der  Beschwerdeführenden  aufgrund  der  Aktenlage  feststehen,  dass die in der Schweiz geltend gemachten Asylgründe daher in Ungarn,  das  staatsvertraglich  für  das  vorliegende  Verfahren  zuständig  ist,  zu  prüfen sein werden,  dass  eine  Rückführung  der  Beschwerdeführenden  nach  Griechenland  nicht zur Diskussion steht,  dass  daran  auch  die  in  Kopie  eingereichten,  offenbar  von  griechischen  Behörden  ausgestellten  Dokumente  nichts  zu  ändern  vermögen,  zumal  die  Beschwerdeführenden  gemäss  Eurodac  in  Griechenland  ohnehin  nicht als Asylbewerber registriert worden sind,  dass  sich  Ausführungen  zur  Situation  Asylsuchender  in  Griechenland  daher erübrigen, dass  hinsichtlich  der  geäusserten  Furcht  der  Beschwerdeführenden  vor  einer Rückschiebung von Ungarn nach Afghanistan festzuhalten ist, dass  Ungarn  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30),  der  EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 

D­4439/2011 grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105)  ist, und keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen,  wonach Ungarn sich nicht an die daraus resultierenden völkerrechtlichen  Verpflichtungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot,  halten  würde,  dass  das  geltend  gemachte  Strafverfahren  wegen  illegaler  Einreise  in  Ungarn nicht auf eine geplante Rückführung nach Afghanistan schliessen  lässt,  dass keine Hinweise dafür vorliegen, Ungarn würde eine Inhaftierung der  Beschwerdeführenden  anordnen,  die  rechtsstaatlich  nicht  legitim  wäre,  und  diesbezügliche  Beanstandungen  bei  den  zuständigen  ungarischen  Behörden vor Ort vorzubringen sind,  dass  diesbezüglich  anzumerken  ist,  dass  Verstösse  gegen  die  ausländerrechtliche  Gesetzgebung  –  beispielsweise  illegale  Einreise –  auch in der Schweiz strafrechtlich geahndet werden,  dass  auch  kein  Grund  zur  Annahme  besteht,  Personen,  die  sich  im  Rahmen eines Asylverfahrens in Ungarn aufhalten, würden aufgrund der  dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage versetzt,  dass bezüglich des Einwands der Beschwerdeführenden, in der Schweiz  über  einen  Verwandten  zu  verfügen,  festzuhalten  ist,  dass  es  sich  bei  einem  (Verwandten)  nicht  um  einen  Familienangehörigen  im Sinne  von  Art. 2  Bst. i  Dublin­II­VO  (Ehegatten,  minderjährige  Kinder)  handelt,  weshalb die Beschwerdeführenden aus Art. 7 Dublin­II­VO nichts zu ihren  Gunsten abzuleiten vermögen,  dass  gemäss  Art. 8  EMRK  auch  über  die  Kernfamilie  hinausgehende  verwandtschaftliche  Bande  unter  den  Schutz  der  Einheit  der  Familie  fallen,  sofern  eine  nahe,  echte  und  tatsächlich  gelebte  Beziehung  zwischen den Angehörigen besteht (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1),  dass die Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit bei Verwandten  ausserhalb  der  Kernfamilie  jedoch  nicht  nur  eine  nahe,  echte  und  tatsächlich  gelebte  Beziehung,  sondern  ein  darüber  hinausgehendes  besonderes Abhängigkeitsverhältnis voraussetzt (vgl. BGE 129 II 11 E. 2  S. 14),  dass  zwischen  den  –  soweit  aktenkundig  –  gesunden  Beschwerdeführenden  (vgl.  A9  [medizinische  Behandlung  der 

D­4439/2011 Beschwerdeführerin  am  31. Mai  2011  wegen  nicht  gravierender  Beschwerden])  und  dem  (Verwandten)  in  der  Schweiz  keine  derartige,  durch  ein  besonderes  Abhängigkeitsverhältnis  gekennzeichnete  Beziehung  ersichtlich  ist,  zumal  die  Beschwerdeführenden  diesen  anlässlich  der  Befragungen  vom  26. Mai  2011  nicht  einmal  erwähnten,  sondern  angaben,  in  der  Schweiz  über  keine  Verwandten  zu  verfügen  (vgl. A5, S. 4; A6 S. 3),  dass somit entgegen der Beschwerdevorbringen nicht davon auszugehen  ist,  das  BFM  hätte  Veranlassung  zu  einem  Selbsteintritt  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO) gehabt,  dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten  ist,  dass  die Anordnung  der Wegweisung  nach Ungarn  der Systematik  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  handelt –  entspricht und im Einklang mit der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG  steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach  der Zulässigkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheids ist, und hier nicht mehr zu prüfen ist,  dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  einem  Dublin­Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20)  stellt,  sondern  eine  entsprechende  Prüfung,  soweit  notwendig,  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der  Ausübung des Selbsteintrittsrechts stattfinden muss,  dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  BFM verfügte Vollzug der Wegweisungen zu bestätigen ist,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist,

D­4439/2011 dass sich sowohl das Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen als  auch  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses mit  vorliegendem Urteil  ohne  vorgängige  Instruktion  als gegenstandslos erweisen,  dass  die  Beschwerde  aufgrund  obiger  Erwägungen  als  aussichtslos  zu  qualifizieren  ist  und  daher  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG –  ungeachtet  der  allfälligen  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden –  abzuweisen ist,  dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4439/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30 Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand:

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