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Bundesverwaltungsgericht 22.08.2011 D-4424/2009

22. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,102 Wörter·~11 min·2

Zusammenfassung

Asylwiderruf | Widerruf des Asyls; Verfügung des BFM vom 2. Juni 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4424/2009 Urteil   v om   2 2 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, alias B._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Eduard M. Barcikowski, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz. Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylwiderruf;  Verfügung des BFM vom 2. Juni 2009 / N _______.

D­4424/2009 Sachverhalt: A.  A.a. Der  Beschwerdeführer  –  ein  türkischer  Staatsangehöriger  –  reiste  am  28.  März  1989  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  gleichentags  um  Asyl  nachsuchte. Mit Verfügung vom 5. Dezember 1991 stellte das BFF  fest,  er  erfülle  die Flüchtlingseigenschaft  nicht, wies  sein Asylgesuch ab und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug an. Mit Eingabe vom 30. Dezember 1991  liess der  Beschwerdeführer  gegen  diese  Verfügung  beim  vormals  zuständigen  Eidgenössischen Justiz­ und Polizeidepartement Beschwerde erheben. A.b.  Mit  Verfügung  vom  22.  Oktober  1993  hob  das  BFF  wiedererwägungsweise  den  negativen  Asylentscheid  vom  5.  Dezember  1991 auf, anerkannte den Beschwerdeführer als Flüchtling und gewährte  ihm  Asyl,  woraufhin  die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission die Beschwerde mit Beschluss vom 3. November  1993 als gegenstandslos geworden abschrieb. B.  Mit  Zwischenverfügung  vom  5.  Februar  2009  teilte  das  BFM  dem  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit,  angesichts  des  Umstands,  wonach  sich  der  Beschwerdeführer  etwa  von März  bis  Juli  2007  in  der  Türkei  aufgehalten  habe,  werde  ein  Widerruf  des  Asyls  und  eine  Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft in Anwendung von Art. 63 Abs. 1  Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) i.V.m. Art.  1 C Ziff. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der  Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30) geprüft. Da der Beschwerdeführer zudem  in der Schweiz eine beträchtliche Zahl strafbarer Handlungen begangen  habe,  sei  ein  Asylwiderruf  auch  gestützt  auf  Art.  63  Abs.  2  AsylG  zu  prüfen. Es werde darauf hingewiesen, dass eine Anwendung von Art. 63  Abs. 2 AsylG gegenüber der Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG  subsidiär erfolgen würde. Im  Hinblick  auf  einen  möglichen  Widerruf  des  Asyls  und  eine  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  wurde  dem  Beschwerdeführer  das rechtliche Gehör gewährt. C.  In  seiner Stellungnahme vom 9. März  2009  liess  der Beschwerdeführer  zusammenfassend  geltend  machen,  dass  vorliegend  weder  die 

D­4424/2009 Voraussetzungen von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 1 FK  noch von Art. 63 Abs. 2 AsylG für einen Asylwiderruf erfüllt seien. D.  Mit  Verfügung  vom  2.  Juni  2009  aberkannte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 C  Ziff.  1  FK  die  Flüchtlingseigenschaft  und  widerrief  das  ihm  am  22.  Oktober 1993 gewährte Asyl. E.  Mit  Eingabe  vom  8.  Juli  2009  liess  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen,  es  sei  die angefochtene Verfügung vollständig aufzuheben. Zur  Untermauerung  der  Vorbringen  wurden  folgende  Beweismittel  eingereicht: – Der  auf  den  Namen  A._______  lautende  türkische  Pass  Nr.  C._______ im Original, – ein Schreiben von D._______ vom 3. Juli 2009 und – zwei Schreiben von E._______ und F._______ vom 6. Juli 2009. Auf die Beschwerdebegründung wird – soweit entscheidrelevant – in den  Erwägungen eingegangen. F.  Mit  Verfügung  vom  15.  Juli  2009  forderte  der  vormals  zuständige  Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts den Beschwerdeführer  unter  Hinweis  auf  die  Säumnisfolge  auf,  innert  Frist  einen  Kostenvorschuss von Fr. 600.­ zu leisten. G.  Der Kostenvorschuss wurde am 24. Juli 2009 fristgerecht einbezahlt. H.  In seiner Vernehmlassung vom 12. August 2009 beantragte das BFM die  Abweisung  der  Beschwerde.  Zur  Begründung  führte  es  aus,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  könnten. An den Erwägungen werde vollumfänglich festgehalten.

D­4424/2009 I.  Am  17.  August  2009  brachte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer die Vernehmlassung zur Kenntnis. J.  Mit  Verfügung  vom  31.  Mai  2011  forderte  der  inzwischen  zuständige  Instruktionsrichter  das  BFM  auf,  den  auf  Beschwerdeebene  im Original  eingereichten  türkischen  Pass  Nr.  C._______  innert  Frist  auf  seine  Echtheit überprüfen zu lassen. K.  Mit  Eingabe  vom  21.  Juni  2011  reichte  das  BFM  dem  Bundesverwaltungsgericht das Untersuchungsergebnis des Forensischen  Instituts Zürich vom 4. Juni 2011 zu den Akten. L.  Mit Verfügung vom 28. Juni 2011 gab der zuständige  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  Gelegenheit,  sich  bis  zum  13.  Juli  2011  zum  Untersuchungsergebnis  zu  äussern  und  wies  darauf  hin,  dass  das  Verfahren  bei  ungenutzter  Frist  aufgrund  der  bestehenden  Aktenlage  fortgeführt  werde. Der  Beschwerdeführer  unterliess  es,  eine  Stellungnahme  einzureichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

D­4424/2009 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG  i.V.m. Art. 48  Abs. 1  VwVG  und  Art. 52  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gemäss  Art.  63  Abs.  1  Bst.  b  AsylG  wird  die  Flüchtlingseigenschaft  aberkannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art. 1 C Ziffn. 1­6  FK vorliegen. Art. 1 C FK beinhaltet die Beendigungsklauseln betreffend  den Flüchtlingsstatus. Namentlich  fällt  eine Person nicht mehr unter  die  Bestimmungen  der  FK  und  endet  ihr  Flüchtlingsstatus,  wenn  sie  sich  freiwillig  wieder  unter  den  Schutz  des  Landes,  dessen  Staatsangehörigkeit sie besitzt, gestellt hat (Art. 1 C Ziff. 1 FK). 4.  4.1.  In  der  Stellungnahme  vom  9.  März  2009  wurde  hinsichtlich  der  Bestimmung  von Art.  63 Abs.  1  Bst.  b  AsylG  i.V.m.  Art.  1 C  Ziff.  1  FK  zunächst  ausgeführt,  der  zentrale  Punkt  bestehe  darin,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  nicht  unter  den  Schutz  seines  Heimatstaates  gestellt  habe,  sondern  vielmehr  seine  wahre  Identität  den  heimatlichen  Behörden  verborgen  gehalten  habe.  Sein  Vorgehen  und  die  Tatsache,  unentdeckt  geblieben  zu  sein,  beweise,  dass  er  eine  konkrete  Angst  gehabt  habe,  entdeckt  zu  werden  und  aufgrund  dieser  Angst  die  nach  seinem  Wissen  bestmöglichen  Vorkehrungen  getroffen  habe,  um  eine  Entdeckung  zu  vermeiden.  Aus  seinem  Vorgehen  könne  infolgedessen  nicht  von  einer  fehlenden  Verfolgungsfurcht  ausgegangen  werden.  Die  Gefährdungssituation habe sich nicht geändert. Bei einer Ausschaffung in  die Türkei müsste er mit Folter und unmenschlicher Behandlung im Sinne 

D­4424/2009 von  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  sowie  bleibendem Schaden an Leib und Leben rechnen. Die Voraussetzungen  von Art.  1 C Ziff.  1 FK seien  in  casu nicht  erfüllt.  Der  Beschwerdeführer  habe  nie  die  Absicht  gehabt,  den  Schutz  des  Heimatlandes  in  Anspruch  zu  nehmen.  Da  er  unter  falscher  Identität  aufgetreten sei, habe er als "B._______" auch nicht freiwillig Kontakt mit  den  heimatlichen  Behörden  aufgenommen.  Er  habe  aufgrund  des  hängigen  Strafverfahrens  und  der  persönlichen  Krise  die  Schweiz  verlassen.  In  der  Türkei  habe  er  das  Grab  seines  Vaters  besucht  und  auch  in  Erwägung  gezogen,  sich  den  kurdischen  Rebellen  anzuschliessen,  habe  sich  jedoch  für  eine  Rückkehr  in  die  Schweiz  entschlossen,  da  er  als  Christ  nicht  genügend  akzeptiert  worden  sei.  Auch  aus  der  Aufenthaltsdauer  könne  nichts  gegen  den  Beschwerdeführer  abgeleitet  werden.  Er  sei  zwar  einige Monate  in  der  Türkei geblieben, habe das Land dann aber definitiv verlassen. Schliesslich  wurde  festgehalten,  der  Beschwerdeführer  gefährde  weder  die  innere und äussere Sicherheit der Schweiz noch habe er besonders  verwerfliche  strafbare  Handlungen  begangen,  weshalb  die  Voraussetzungen  von  Art.  63  Abs.  2  AsylG  nicht  gegeben  seien.  Da  vorliegend  zur Begründung  der Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und des Asylwiderrufs die Bestimmung von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG  i.V.m. Art. 1 C Ziff.  1 FK herangezogen wird  (vgl. E. 5),  kann an dieser  Stelle auf eine detaillierte Darlegung der  im Zusammenhang mit Art.  63  Abs. 2 AsylG geltend gemachten Vorbringen verzichtet werden. 4.2. Das BFM begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit, dass  die  vorübergehende  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  die  Türkei  offenkundig  aus  eigenem  Antrieb,  mithin  freiwillig  erfolgt  sei.  Wie  der  Sachverhaltsdarstellung zu entnehmen sei, habe er sich sodann faktisch  dem  Schutz  des  Heimatstaates  unterstellt.  Unter  Benützung  eines  auf  einen  Drittnamen  lautenden,  jedoch  mit  seinem  Lichtbild  versehenen,  türkischen  Reisepasses  sei  er  auf  ordentlichem  Wege  über  den  Flughafen G._______ in die Türkei zurückgekehrt. In G._______ habe er  sich sodann am 13. März 2007 einen neuen Reisepass ausstellen lassen,  lautend  wiederum  auf  jene  Drittperson.  Zu  diesem  Zweck  habe  er  sich  offenbar persönlich an die zuständige Passbehörde gewandt. Schliesslich  habe  er  die  Türkei  am  18.  Juli  2007  ebenfalls  wieder  auf  ordentlichem  Wege  über  den  Flughafen  G._______  verlassen,  diesmal  unter 

D­4424/2009 Vorweisung des neu ausgestellten türkischen Reisepasses, versehen mit  einem neu  beschafften  französischen Visum.  Insbesondere  durch  seine  Vorsprache  beim  (…)  Passamt  und  seine  Beantragung  eines  neuen  Reisepasses  habe  der  Beschwerdeführer  einen  direkten  Behördenkontakt  gepflegt.  Durch  seine  Vorgehensweise  gegenüber  der  türkischen  Passbehörde  mittels  Vorspiegelung  einer  falschen  Identität  habe er  sich  spezifisch exponiert. Er habe dadurch  in Kauf genommen,  allenfalls  entlarvt  und  mit  daraus  folgenden  Unannehmlichkeiten  konfrontiert  zu  werden.  Zu  denken  sei  dabei  etwa  an  eine  mögliche  vertiefte  Prüfung  seiner  Personalien  oder  an  eine  Registrierung  des  Erstpasses als verloren oder gestohlen, was wohl mit einer umgehenden  Anhaltung  seitens  der  türkischen  Polizei  verbunden  gewesen  wäre.  Dieses  gezielte  Verhalten  des  Beschwerdeführers  sei  unter  die  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1996  Nr. 7  E. 9  aufgeführten  und  teilweise offen formulierten Anwendungsfälle zu subsumieren. In  diesem  Licht  vermöchten  die  Argumente  des Rechtsvertreters  in  der  Stellungnahme  vom  9.  März  2009  (vgl.  Akte  B20)  und  den  früheren  Eingaben (vgl. Akten B5, B11) nicht zu überzeugen. Denn gerade wenn  der  Beschwerdeführer  in  der  Türkei  tatsächlich  eine  so  ausgeprägte  Furcht vor einer aktuellen politischen Verfolgung gehabt hätte, wie in der  Stellungnahme  geltend  gemacht  werde,  hätte  er  sich  bei  nüchterner  Betrachtung offensichtlich davor gehütet, eine derartige Rückreise  in die  Türkei  zu  unternehmen  und  insbesondere,  sich  auf  die  geschilderten  Behördenkontakte einzulassen. Durch seine spezifische Vorgehensweise  gegenüber der  türkischen Passbehörde habe er zudem ein zusätzliches  Risiko geschaffen. Angesichts dessen könne es nicht angehen, bei einer  sich  falscher Papiere bedienenden und sogar einen  falschen Reisepass  beschaffenden Person eine Unterschutzstellung zu verneinen. Nüchtern betrachtet, habe der Beschwerdeführer mit dem immerhin rund  fünf  Monate  dauernden  Aufenthalt  im  ursprünglichen  Verfolgerstaat  vielmehr in erster Linie bezweckt, sich einer strafrechtlichen Verfolgung in  der  Schweiz  zu  entziehen.  Für  die  geltend  gemachten,  jedoch  unsubstanziiert geschilderten PKK­Kontakte  im Jahre 2007  in der Türkei  und  die  ebenfalls  nicht  näher  dargelegte  Furcht  vor  einer  aktuellen  politischen  Verfolgung  in  der  Türkei  ergäben  sich  weder  aus  den  Eingaben  des  Rechtsvertreters  noch  in  Berücksichtigung  der  gesamten  Aktenlage greifbare Hinweise. Für diese Schlussfolgerung spreche auch,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  nach  seiner  Rückkehr  in  die  Schweiz 

D­4424/2009 nicht angemeldet habe sowie eine verfälschte bulgarische Identitätskarte  und  einen  verfälschten  bulgarischen  Führerschein  verwendet  habe,  offenkundig  um  sich  auch  weiterhin  einer  strafrechtlichen  Verfolgung  in  der  Schweiz  zu  entziehen,  wie  ja  auch  der  Rechtsvertreter  selbst  eingeräumt habe (vgl. Akte B11). Weil nach dem Gesagten die Bedingungen von Art. 1 C Ziff. 1 FK erfüllt  seien, werde das dem Beschwerdeführer  gewährte Asyl widerrufen und  seine Flüchtlingseigenschaft aberkannt. Sodann  hielt  das  BFM  fest,  angesichts  des  Verfahrensausgangs  könne  offenbleiben,  ob  die  vom  Beschwerdeführer  begangenen  strafbaren  Handlungen vom Ausmass her zu einem Widerruf des Asyls im Sinne von  Art.  63  Abs.  2  AsylG  führen  würden.  Das  diesbezügliche  Gesamtbild  spreche  indessen  eine  deutliche  Sprache  und  lasse  den  Eindruck  entstehen,  dass  der  Beschwerdeführer  zur  hiesigen  Rechts­  und  Gesellschaftsordnung insgesamt ein gespanntes Verhältnis aufweise. Vor  diesem Hintergrund könne auch dahingestellt bleiben, ob inzwischen von  einer  Resozialisierung  des  Beschwerdeführers  ausgegangen  und  ihm  eine  gute  Prognose  gestellt  werden  könne,  wie  in  der  Stellungnahme  vorgebracht worden sei (vgl. Akte B20, S. 3­5). Schliesslich  wurde  in  der  angefochtenen  Verfügung  ausgeführt,  es  sei  ohnehin  fraglich,  ob  und  inwiefern  der  Asyl­  und  Flüchtlingsstatus  des  Beschwerdeführers  noch  materiell  begründet  sei.  Die  Asylgewährung  datiere aus dem Jahre 1993, nachdem der Beschwerdeführer die Türkei  bereits  im  Jahr  1989  verlassen  habe.  Der  damaligen  Asylgewährung  hätten  politische  Aktivitäten  während  der  Gymnasialzeit  zugrunde  gelegen,  welche  bereits  seinerzeit  keine  strafrechtliche  Untersuchung  gegen den Beschwerdeführer zur Folge gehabt hätten. Jedenfalls liessen  sich  den  damaligen  Akten  keine  konkreten  Hinweise  auf  eine  in  der  Stellungnahme vom 9. März 2009 geltend gemachte aktuelle behördliche  Suche und politische Verfolgung des Beschwerdeführers in seiner Heimat  entnehmen. 4.3.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wurde  insbesondere  festgehalten,  die  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der Asylwiderruf  verletzten  Art.  63  Abs.  1  Bst.  b  AsylG  und  Art.  1  C  Ziff.  1  FK,  da  die  Voraussetzungen  nicht  erfüllt  seien.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  nicht unter den Schutz des Heimatstaates gestellt, sondern habe vielmehr  alles  getan,  um  dies  zu  vermeiden.  Zwar  habe  er  sich  durch  sein 

D­4424/2009 Verhalten, sich ins Heimatland zu begeben, grundsätzlich dem Zugriff des  Verfolgerstaates  ausgesetzt.  Da  er  dies  jedoch  unter  einer  anderen  Identität  getan  habe,  die  vor  einer  Entdeckung  faktisch  sicher  gewesen  sei, sei er nur ein sehr geringes Restrisiko eingegangen, welches derart  gering  gewesen  sei,  dass  er  effektiv  habe  sicher  sein  können,  nicht  entdeckt  zu  werden. Der Beschwerdeführer  sei  zwar  ohne Zwang des Heimatstaates  dorthin  zurückgekehrt,  habe  indessen den Kontakt  zu den  türkischen Behörden  unter  einer  fremden  Identität  aufgenommen,  weshalb  sich  die  Frage  stelle, ob das Kriterium der Freiwilligkeit vorliegend erfüllt sei. Der  vom  BFM  dargelegte  Sachverhalt  betreffend  Benutzung  und  nachträgliche  Erneuerung  eines  auf  eine  Drittperson  lautenden,  jedoch  mit dem eigenen Lichtbild versehenen,  türkischen Reisepasses sei zwar  zutreffend, aber unvollständig. Das Verhalten des Beschwerdeführers als  Unterschutzstellung  zu  beurteilen,  verletze  somit  Art.  63  Abs.  1  Bst.  b  AsylG und Art. 1 C Ziff. 1 FK. Zu ergänzen sei der Sachverhalt einerseits  durch  die  vom  Beschwerdeführer  in  seiner  Eingabe  an  das  BFM  geschilderten  Umstände  der  ersten  Passbeschaffung  und  andererseits  durch  die  Sachlage  bezüglich  des  Passes  selbst,  welche  für  das  Verhalten des Beschwerdeführers entscheidend gewesen sei, da dadurch  die Entdeckungsgefahr  faktisch eliminiert worden sei. Er hätte sich nicht  in  seine  Heimat  begeben,  wären  diese  Voraussetzungen  nicht  erfüllt  gewesen. Demnach sei erstellt, dass die Gefahr, bei der ersten Einreise,  der  späteren  Erneuerung  des  Passes  und  beim  Erhalten  des  Schengenvisums  entdeckt  zu  werden,  objektiv  nicht  bestanden  habe.  Sodann  habe  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  Sachlage  auch  in  subjektiver  Hinsicht  soweit  beruhigt  sein  können,  dass  er  sich  trotz  der  Angst vor Verfolgung in die Türkei begeben habe und sich dort während  einer  gewissen  Zeit  habe  aufhalten  können.  Bei  korrekter  Berücksichtigung  und Würdigung dieser Tatsachen hätte  die Vorinstanz  zum  Schluss  gelangen  müssen,  dass  der  Beschwerdeführer  nur  unter  falscher  Identität mit  den  Behörden  in  Kontakt  getreten  sei  und  er  sich  erst in die Türkei begeben habe, nachdem ihm ein Pass beschafft worden  sei,  der  ihn  faktisch  gänzlich  vor  einer  Entdeckung  geschützt  habe,  so  dass er kein besonderes Risiko eingegangen sei und sich auch subjektiv  in Sicherheit habe wiegen dürfen. Angesichts dessen könne aus seinem  Verhalten nicht auf eine fehlende Verfolgungsfurcht geschlossen werden.  Die  Vorinstanz  habe  mit  ihrer  Behauptung,  der  Beschwerdeführer  sei  durch  sein  Verhalten  ein  besonderes  Risiko  eingegangen,  den 

D­4424/2009 Sachverhalt  unvollständig  oder  falsch  festgestellt  und  durch  die  daraus  gezogenen  Schlussfolgerungen  ihr  Ermessen  überschritten  beziehungsweise missbraucht. Der Beschwerdeführer habe sich dadurch, dass er eine andere  Identität  verwendet  habe,  nur  als  diese  Drittperson  unter  den  Schutz  des  Heimatstaates gestellt, nicht jedoch als die Person, die er tatsächlich sei.  Soweit  die  Vorinstanz  davon  ausgehen  sollte,  die  Schutzgewährung  gegenüber der zwecks Geheimhaltung verwendeten Drittidentität  sei als  tatsächliche  Schutzgewährung  gegenüber  dem  Beschwerdeführer  zu  beurteilen, verletze sie Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG und Art. 1 C Ziff. 1 FK.  Soweit  sie  das Kriterium der  tatsächlichen Schutzgewährung  durch  den  Heimatstaat  dadurch  als  erfüllt  betrachte,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  ausgeprägte  Furcht  vor  Verfolgung  gehabt  und  sich  durch  spezifische  Behördenkontakte  dem Risiko  einer  Entdeckung  ausgesetzt  habe,  lasse  sich  daraus  keine  "tatsächliche  Schutzgewährung"  ableiten  oder unterstellen. Es würde sich bei einer solchen Schlussfolgerung um  eine reine Fiktion handeln. Verlangt sei, dass der Staat der tatsächlichen  Person  Schutz  gewähre,  nicht  aber  der  Drittidentität  betreffend  der  er  getäuscht werde. 5.  5.1.  5.1.1. Vorliegend gilt es zu prüfen, ob das BFM gestützt auf Art. 63 Abs. 1  Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 1 FK zu Recht die Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  aberkannt  und  das  ihm  am  22.  Oktober  1993  gewährte Asyl widerrufen hat. Damit Art. 1 C Ziff. 1 FK zur Anwendung  gelangt,  müssen  –  wie  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  ausgeführt  wurde  –  kumulativ  drei  Voraussetzungen  erfüllt  sein:  Der  Beschwerdeführer  muss  freiwillig  in  Kontakt  mit  seinem  Heimatland  getreten sein, in der Absicht, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch  zu nehmen, und dieser muss  ihm  tatsächlich gewährt worden sein  (vgl.  BVGE 2010/17 E. 5.1.1 S. 202 mit Verweis auf EMARK 2002 Nr. 8 E. 8  S.  65).  Nach  dem  Gesagten  muss  der  Beschwerdeführer  –  als  Grundvoraussetzung für die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und  den Widerruf des Asyls – mit seinem Heimatland in Kontakt getreten sein,  was  in casu mit dem vom Beschwerdeführer anerkannten,  im Jahr 2007  in der Türkei verbrachten mehrmonatigen Aufenthalt geschehen ist. 5.1.2. Heimatreisen  von Flüchtlingen müssen  restriktiv  beurteilt  werden.  Grundsätzlich  stellt  der  Umstand,  dass  sich  jemand  zurück  in  den 

D­4424/2009 Verfolgerstaat  begibt,  ein  starkes  Indiz  dafür  dar,  dass  die  frühere  Verfolgungssituation oder die Furcht vor Verfolgung nicht mehr bestehen.  Trotzdem  dürfen  eine  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  ein  Widerruf  des  Asyls  erst  dann  ausgesprochen  werden,  wenn  die  erwähnten Voraussetzungen in ihrer Gesamtheit erfüllt sind. Entfällt eine  der  Voraussetzungen,  ist  von  der  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  vom  Widerruf  des  Asyls  abzusehen  (vgl.  BVGE  2010/17  E.  5.1.2 S. 202 mit Verweis auf EMARK 1996 Nr. 12 E. 7 S. 101 f.) 5.2.  Bevor  nachstehend  abgeklärt  wird,  ob  die  Voraussetzungen  von Art. 1 C Ziff. 1 FK gegeben sind, ist vorab auf den vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Sachverhalt  hinzuweisen,  wonach  er  sich  für  seine  Reise  in  die  Türkei  eines  verfälschten  türkischen  Reisepasses,  lautend  auf den Namen einer Drittperson, versehen mit einem Lichtbild von sich  selbst,  bediente  und  diesen während  seines Aufenthalts  erneuern  liess.  Diesen  Ausführungen  ist  in  Berücksichtigung  des  Untersuchungsergebnisses des Forensischen Instituts Zürich vom 4. Juni  2011 entgegenzuhalten, dass sich der besagte, auf Beschwerdeebene im  Original  eingereichte  türkische  Pass  Nr.  C._______,  lautend  auf  den  Namen "A._______", als echt erwiesen hat, weshalb den Vorbringen des  Beschwerdeführers  (Einreise  in  die  Türkei  und  Passerneuerung  unter  falscher  Identität)  jegliche  Grundlage  entzogen  ist.  In  Anbetracht  der  Echtheit  des  Passes  steht  vielmehr  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  unter  seiner eigenen  Identität  (A._______, geboren  […]) aufgetreten  ist.  Daraus ergibt sich gleichzeitig, dass es sich bei der am 15. Juli 1988  in  H._______ auf den Namen "B._______" ausgestellten Identitätskarte Nr.  I._______  (vgl. Akte A3) um ein Falsifikat handelt, welches gemäss Art.  10 Abs. 4 AsylG einzuziehen ist. 5.3.  5.3.1.  5.3.1.1  Das  Kriterium  der  Freiwilligkeit  bedingt,  dass  der  Akt  des  Flüchtlings  (welcher  auf  eine  Unterschutzstellung  hinweist)  ohne  äusseren Zwang, weder durch die Umstände im Asylland noch durch die  Behörden des Heimatstaates, geschieht. Es fehlt daher beispielsweise an  der  Freiwilligkeit  des  Kontaktes  mit  den  Behörden  des  Heimatstaates,  wenn  der  Flüchtling  auf  Geheiss  der  Behörden  des  Asyllandes  bei  der  Vertretung seines Heimatstaates die Ausstellung oder Erneuerung seines  Reisepasses beantragt (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.2.1 S. 202 f. mit Verweis  auf EMARK 1996 Nr. 12 E. 8a S. 103).

D­4424/2009 5.3.1.2  Der  Beschwerdeführer  machte  geltend,  er  habe  die  Schweiz  aufgrund  des  hängigen  Strafverfahrens  und  einer  persönlichen  Krise  verlassen.  Sodann  habe  er  sich  gewünscht,  das Grab  seines  Vaters  in  der Türkei zu besuchen, was er auch tatsächlich getan habe. Ausserdem  habe  er  überlegt,  sich  den  Freiheitskämpfern  anzuschliessen  (vgl.  Stellungnahme  vom  9.  März  2009,  B20,  S.  3).  Da  den  Akten  keine  Hinweise  auf  einen  äusseren  Zwang  zu  entnehmen  sind,  ist  vorliegend  davon  auszugehen,  dass  der Beschwerdeführer  die Reise  in  die  Türkei  freiwillig  unternommen  hat  und  ebenso  aus  eigenem  Antrieb  mit  den  heimatlichen Behörden in Kontakt getreten ist. 5.3.2.  Für  die  Erfüllung  des  Kriteriums  der  beabsichtigten  Unterschutzstellung  genügt  in  der  Regel  die  Inkaufnahme  von  Schutzgewährung durch den Heimatstaat. Bei der Beurteilung, ob dieses  Kriterium gegeben ist, kommt es auch auf die Motive für die Heimatreise  an.  Einfache  Urlaubs­  und  Vergnügungsreisen  werden  eher  auf  eine  Inkaufnahme einer Unterschutzstellung schliessen lassen als Reisen aus  Gründen,  welche,  ohne  gleich  die  Freiwilligkeit  auszuschliessen,  immerhin  ein  gewisses  Mass  an  psychischem  Druck  zur  Heimatreise  ausüben  (vgl.  BVGE  2010/17  E.  5.2.3  S.  203 mit  Verweis  auf  EMARK  1996  Nr.  12  E.  8b S.  103).  Wie  vorstehend  ausgeführt  wurde,  kann  davon  ausgegangen  werden, dass der Beschwerdeführer freiwillig in die Türkei gereist ist. Mit  der  Beschaffung  des  für  die  Heimatreise  benötigten  Passes,  dem  Grenzübertritt,  dem  rund  fünfmonatigen  Aufenthalt  und  der  Kontaktaufnahme mit den  türkischen Behörden zwecks Passerneuerung  hat  er  darüber  hinaus  klar  seine  Absicht  zum  Ausdruck  gebracht,  sich  unter den Schutz des Landes zu stellen, dessen Staatsangehörigkeit  er  besitzt.  Angesichts  der  Echtheit  des  Passes  hat  er  sich  –  entgegen  anderslautender  Sachverhaltsdarstellung  in  der  Stellungnahme  vom  9.  März 2009 sowie der Beschwerde – unter seiner richtigen Identität, mithin  ohne die Behörden zu täuschen, unter den Schutz der Türkei gestellt. Vor  diesem  Hintergrund  ist  davon  auszugehen,  dass  er  seitens  der  heimatlichen Behörden keinerlei Behelligungen befürchtete, ansonsten er  jeglichen  Kontakt  gescheut  hätte  beziehungsweise  ihnen  gegenüber  zweifelsohne  nicht  unter  seiner  wahren  Identität  aufgetreten  wäre.  Infolgedessen vermag er aus der Argumentation, wonach sein Vorgehen  nicht  auf  fehlende  Verfolgungsfurcht  schliessen  lasse,  nichts  zu  seinen  Gunsten abzuleiten.

D­4424/2009 5.3.3. Als drittes Kriterium muss der Heimatstaat dem Beschwerdeführer  effektiv Schutz gewährt haben. Dieses Kriterium ist erfüllt, wenn objektive  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  die  betreffende  Person  tatsächlich  nicht  mehr  gefährdet  ist.  Diese  Anhaltspunkte  können  vorwiegend  in  entsprechenden  Handlungen  des  Heimatstaates  gesehen  werden  (vgl.  BVGE 2010/17 E. 5.3 S. 204 mit Verweis auf EMARK 1996 Nr. 12 E. 8c  S. 104). In Anbetracht der Umstände, wonach der Beschwerdeführer mit  seinem echten Pass (vgl. E. 5.2. vorstehend) offenbar problemlos  in die  Türkei einreisen, sich dort von zirka März bis Juli 2007 aufhalten und  in  der  Folge  wieder  ungehindert  aus  dem  Land  ausreisen  konnte  (vgl.  Ausreisestempel  vom  18.  Juli  2007),  bestehen  objektive  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  in  der  Türkei  bereits  damals  nicht  mehr  gefährdet  beziehungsweise  effektiv  geschützt war. Dies  umso mehr,  als  der Pass  am 13. März 2007 von den türkischen Behörden erneuert wurde und dem  Beschwerdeführer  im Übrigen  am  13.  Juli  2007  ein  Schengenvisum  für  Frankreich  ausgestellt  wurde  (vgl.  Passeinträge).  Angesichts  dieser  Sachlage  ist  nicht  anzunehmen,  dass  er  als  PKK­Sympathisant  seitens  der  türkischen Behörden  in der Schweiz unter besonderer Beobachtung  stand beziehungsweise steht. Aus denselben Gründen  ist ebenso wenig  davon  auszugehen,  dass  sich  die  in  der  Rechtsmitteleingabe  erwähnte  Denunziation,  unbesehen  deren  Glaubhaftigkeit,  nachteilig  auf  den  Beschwerdeführer  auswirken  würde.  Die  als  Beweismittel  eingereichten  Schreiben vom 6. Juli 2009 sind somit nicht geeignet,  zu einer anderen  Auffassung  zu  führen.  Entgegen  anderslautender  Einschätzung  auf  Beschwerdeebene erübrigt  es  sich nach dem Gesagten,  entsprechende  Abklärungen zur Registrierung des Beschwerdeführers als Sympathisant  der PKK über die schweizerische Vertretung zu veranlassen. Schliesslich  ist  gestützt  auf  vorstehende  Ausführungen  kein  Grund  ersichtlich,  weshalb  die  heimatlichen  Behörden  den  Beschwerdeführer  in  seiner  Glaubensbetätigung  überwachen  sollten,  so  dass  davon  ausgegangen  werden  kann,  er  habe  auch  wegen  der  angeblichen  Konversion  zum  Christentum keine negativen Konsequenzen zu fürchten. 5.4. Somit ist zusammenfassend festzustellen, dass vorliegend sämtliche  in Art.  1 C Ziff.  1  FK  respektive Art.  63 Abs.  1 Bst. b AsylG  statuierten  Voraussetzungen  für  eine  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  den damit verbundenen Asylwiderruf erfüllt sind. Das BFM hat demnach  gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 1 FK zu Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  aberkannt  und  das  ihm am 22. Oktober 1993 gewährte Asyl widerrufen.

D­4424/2009 Angesichts  der  klaren  Rechtslage  erübrigt  es  sich,  einen  Asylwiderruf  zusätzlich  gestützt  auf  Art.  63  Abs.  2  AsylG  zu  prüfen.  Auf  die  diesbezüglich  geltend  gemachten  Vorbringen  sowie  das  mit  der  Beschwerde als Beweismittel eingereichte Schreiben vom 3. Juli 2009 ist  infolgedessen nicht näher einzugehen. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  am  24.  Juli 2009 in gleicher Höhe einbezahlten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­4424/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die Identitätskarte Nr. I._______ vom 15. Juli 1988 wird eingezogen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  am  24.  Juli  2009  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand:

D-4424/2009 — Bundesverwaltungsgericht 22.08.2011 D-4424/2009 — Swissrulings