Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 15.09.2011 D-4250/2009

15. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,042 Wörter·~15 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Mai 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4250/2009/sed Urteil   v om   1 5 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Bendicht Tellenbach,    Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A.______, geboren am _______, B._______, geboren am _______, C._______, geboren am _______, Serbien beziehungsweise Kosovo,   vertreten durch _______,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Mai 2009 / N (…).

D­4250/2009 Sachverhalt: A.  A.a.  Eigenen Angaben  zufolge  verliessen  die Beschwerdeführenden Serbien  am 19. Juli 2008 auf dem Landweg und gelangten über ihnen unbekannte  Länder  am  21.  Juli  2008  in  die  Schweiz,  wo  sie  gleichentags  um  Asyl  nachsuchten.  Am  _______  wurde  die  Beschwerdeführerin  von  ihrem  Sohn entbunden. Am 4.  respektive 12. August 2008 führte das BFM die  Summarbefragungen  durch.  Die  Anhörungen  fanden  am  11.  Dezember  2008 statt. A.b.  Der  Beschwerdeführer  machte  geltend,  serbischer  Staatsangehöriger  und  seit  Sommer  2007  nach  Brauch  verheiratet  zu  sein.  Er  gehöre  der  Ethnie  der  Ashkali/Äegypter/Majup  (Roma)  an.  Er  habe von Geburt an meist in _______ gelebt und unter Diskriminierungen  gelitten. Auch in Kosovo habe er Verwandte. Als Strassenhändler sei ihm  wiederholt die Ware behördlich beschlagnahmt worden. Im Sommer 2007  sei  er mit  einem anderen Händler  in Konflikt  geraten. Bei  einem Angriff  durch dessen Sohn sei  sein Bein verletzt worden.  Im Frühjahr 2008 sei  die  Ware  des  mit  ihm  verfeindeten  Strassenhändlers  beschlagnahmt  worden.  Tags  darauf  habe  er  versucht,  auf  dem  Markt  etwas  zu  verkaufen, und sei durch seinen Feind geschlagen worden. Dieser habe  ihn beschuldigt, bei den Behörden eine Anzeige gemacht zu haben, und  ihn  mit  dem  Tode  bedroht.  Zwei  Polizisten  hätten  seinen  Peiniger  aufgefordert, mit den Schlägen aufzuhören, ansonsten aber nichts gegen  diesen  unternommen.  Von  diesem  Zeitpunkt  an  habe  er  nicht  mehr  versucht,  auf  dem  Markt  etwas  zu  verkaufen.  Sein  Feind,  welcher  der  Mafia  zuzuordnen  sei,  habe  nach  ihm gesucht,  und  dessen Sohn  habe  seine Wohnung ausfindig gemacht und zusammen mit anderen Personen  während seiner Abwesenheit dort vorgesprochen. Er habe 3000 Euro von  seiner  Mutter  verlangt.  Ferner  legte  der  Beschwerdeführer  dar,  seine  Gattin stamme aus dem Kosovo und spreche kein Serbisch, weshalb sie  sich  ihrerseits  vor  Übergriffen  gefürchtet  habe.  Aus  den  genannten  Gründen und der gesundheitlichen Situation hätten sie sich zur Ausreise  entschlossen. In medizinischer Hinsicht machte er geltend, an Dystrophie  zu  leiden. Seine Krankheit  sei  nicht  adäquat  behandelt worden. Die  ihn  betreffenden  Anträge  auf  Sozialhilfe  seien  abgewiesen  worden;  man  habe  ihm  seine  Arbeits­  beziehungsweise  Gehfähigkeit  entgegengehalten.  Auch  Anträgen  für  verschiedene  Therapien  sei  nicht  entsprochen worden. Die Krankheit werde sich aber noch verschlimmern. 

D­4250/2009 Namentlich  im Winter  leide er an starken Schmerzen bei der Arbeit, auf  welche  er  für  den  Lebensunterhalt  angewiesen  sei.  Durch  die  Behandlung  in  der  Schweiz  ergebe  sich  möglicherweise  eine  Verbesserung seiner gesundheitlichen Situation.  A.c. Die  Beschwerdeführerin  –  ebenfalls  eine  Ashkali  beziehungsweise  Roma  –  machte  geltend,  aus  _______  (Kosovo)  zu  stammen.  Sie  sei  serbische  Staatsangehörige.  Im  Sommer  2007  sei  sie  zu  ihrem Gatten  nach _______ gezogen. Bei einer Busfahrt habe ein Unbekannter sie und  ihren Mann beschimpft, weil  sie  albanisch gesprochen hätten.  Ihr Gatte  sei  wegen  einer  angeblichen  Anzeige  gegen  einen  anderen  Strassenhändler  bei  der  Polizei  durch  diesen  zusammengeschlagen  worden.  Es  seien weitere Racheakte  zu  befürchten.  Sie  selbst  spreche  kein  Serbisch  und  habe  deshalb  in  _______  keine  Schwangerschaftskontrollen  durchführen  können.  Eine  schwangere  Ashkali  ohne Serbischkenntnisse  sei  in einem Krankenhaus  in _______  wegen mangelnder Behandlung zusammen mit ihrem Kind gestorben. Sie  habe  befürchtet,  im  Falle  eines  Spitaleintritts  dasselbe  Schicksal  zu  erleiden. Ausserdem habe sie eine schwergradige Skoliose. Sie sei aus  finanziellen  Gründen  nicht  in  der  Lage  gewesen,  sich  eine  allfällige  medizinische Behandlung zu leisten.  A.d.  Für  die  im  vorinstanzlichen  Verfahren  eingereichten  ärztlichen  Unterlagen  wird  auf  die  Akten  verwiesen  (vgl.  die  Auflistung  auf  dem  vorinstanzlichen Beweismittelumschlag A 25/1).  B.  Mit Verfügung vom 29. Mai 2009 – eröffnet am 2. Juni 2009 – stellte das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  die  Asylgesuche  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Wegweisungsvollzug.  Die  Vorinstanz  erwog,  der  angeblich  mafiöse  Hintergrund  des  mit  dem  Beschwerdeführer verfeindeten Strassenhändlers sei nicht glaubhaft. Es  könne  nicht  nachvollzogen  werden,  dass  seine  Waren  beschlagnahmt  worden  wären,  wenn  tatsächlich  mafiöse  Verbindungen  zur  Polizei  bestanden hätten. Beim geltend gemachten Angriff handle es sich mithin  um  ein  gemeinrechtliches  Delikt,  das  in  Serbien  zur  Anzeige  gebracht  werden  könne  und  strafrechtlich  verfolgt  würde.  Festzuhalten  sei,  dass  sich  die  Lage  der  ethnischen  Minderheiten  in  Serbien  im  Rahmen  des  demokratischen  Wandels  entspannt  habe.  Vereinzelte  Übergriffe  durch  Drittpersonen  auf  Roma  könnten  zwar  nicht  restlos  ausgeschlossen 

D­4250/2009 werden. Solchen Vorfällen komme in der Regel indes keine asylrelevante  Intensität  zu. Die  vom Beschwerdeführer  geschilderten Übergriffe  durch  Dritte  würden  in  Serbien  staatlich  weder  gebilligt  noch  unterstützt  und  grundsätzlich strafrechtlich geahndet. Ein allfälliges Fehlverhalten lokaler  Behörden  (Nichteinleitung  von  Untersuchungsmassnahmen)  könne  auf  dem  Rechtsweg  geltend  gemacht  werden.  Es  könne  von  einem  adäquaten Schutz durch den Heimatstaat ausgegangen werden, weshalb  die Asylrelevanz besagter Vorbringen zu verneinen sei. Ausserdem gebe  es  keine  Hinweise  darauf,  dass  Personen,  die  ursprünglich  aus  dem  Kosovo  stammten,  in  Serbien  mit  asylrelevanten  Verfolgungsmassnahmen  zu  rechnen  hätten.  Der  von  den  Beschwerdeführenden  erwähnte  Todesfall  im  Spital  sei  als  blosse  Behauptung  nicht  geeignet,  systematische  Übergriffe  auf  albanischsprachige  Personen  in  Serbien  glaubhaft  zu  machen.  Schliesslich  stelle  die  geltend  gemachte  generell  schlechte  Lage  in  Serbien verbunden namentlich mit finanziellen Problemen ebenfalls keine  asylbeachtliche  Verfolgung  dar.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  Heimatstaat  erachtete  das  BFM  für  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Namentlich  gäbe  es  keine  individuellen  Gründe,  welche  gegen  eine  Wegweisung  nach  Serbien  sprechen  würden.  Der  Beschwerdeführer  verfüge  dort  über  ein  tragfähiges  soziales  Netz  und  könne  als  Händler  eine neue Existenz aufbauen. Auch eine Unterstützung von Verwandten  aus dem Ausland komme in Betracht. Die gesundheitlichen Probleme der  Beschwerdeführenden  hätten  schon  vor  der  Flucht  bestanden.  Das  Leiden des Beschwerdeführers sei schon vor dessen Ausreise behandelt  worden, und es sei von einer nach der Rückkehr dort weiterhin möglichen  Therapie  auszugehen.  Die  Beschwerdeführerin  spreche  eigenen  Angaben  zufolge  zwar  kein  Serbisch,  sei  aber  in  Serbien  legal  angemeldet  gewesen  und  habe  rund  ein  Jahr  in  _______  gelebt.  Entsprechend sei auch ihr die Rückkehr dorthin zuzumuten.  C.  C.a.  Mit  Eingabe  vom  1.  Juli  2009  beantragten  die  Beschwerdeführenden  beim  Bundesverwaltungsgericht  durch  ihre  Rechtsvertretung  die  Aufhebung der angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 3 bis 5,  die Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs  verbunden  mit  der  vorläufigen  Aufnahme  in  der  Schweiz sowie in prozessualer Hinsicht für den Fall des Unterliegens die  unentgeltliche  Rechtspflege  (Art. 65  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  [VwVG, 

D­4250/2009 SR 172.021])  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht.  Sie  machten  geltend,  die  ökonomische,  soziale  und  kulturelle  Situation  der  Roma  in  Serbien  sei  gemäss  übereinstimmenden  Quellen  nach  wie  vor  sehr  prekär. Ein Hauptproblem der Roma sei  die Beschaffung  von Papieren,  welche  ihnen  Zugang  zu  den  Sozialversicherungssystemen  verschaffen  würden. In zwei Publikationen der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH)  aus  dem  Jahr  2003  beziehungsweise  2005  werde  darauf  hingewiesen,  dass deshalb und wegen der extremen Armut vieler Roma deren Zugang  zu medizinischer Versorgung praktisch ausgeschlossen sei. Komplexere  Fälle,  welche  eine  eingehendere  Behandlung  bedingten,  seien  bei  unversicherten Personen mit  enorm hohen Kosten  verbunden. De  facto  würden  Behandlungskosten  von  Bedürftigen  wie  der  Roma  allenfalls  in  der  Primärversorgung  übernommen,  nicht  aber,  wenn  es  sich  um  komplexe  und  kostspielige  Therapien  handle.  Das  öffentliche  Kliniksystem  werde  ebenfalls  weitgehend  durch  Barzahlungen  der  Patienten  an  Ärzte  und  anderes  Personal  finanziert.  Die  Beschwerdeführenden  hätten  gesundheitliche  Beschwerden,  welche  operative  Eingriffe  bedingten.  Der  Beschwerdeführer  leide  unter  einer  beidseitigen  senso­motorischen  Neuropathie  ("Charcot­Marie­Tooth­ Erkrankung"), also an einer Erkrankung der periphären Nerven, und zwar  mit ungewöhnlich schwerem Verlauf. Neuromuskuläre Krankheiten dieser  Art  seien  chronisch  voranschreitender  Natur;  der  Muskelschwund  sei  nicht  heilbar. Mit  der Zeit  sei  eine weiter  zunehmende Beeinträchtigung  der Bewegungsfreiheit zu erwarten. Die Symptome der Krankheit könnten  hingegen mehr oder weniger erfolgreich behandelt werden, so etwa wie  erwähnt  durch  operative  Eingriffe  oder  auch  eine  Kombination  von  ärztlicher  Behandlung,  Physiotherapie  und  Pflege.  Die  Beschwerdeführerin  leide  an  einer  massiven  idiopathischen  Skoliose  (schwere Verkrümmung  der Wirbelsäule).  Diese  könne  nur  durch  einen  operativen Eingriff korrigiert werden, was zur Zeit wegen des Kleinkindes  indes  nicht  empfohlen  werde.  Nach  dem  Gesagten  litten  beide  Beschwerdeführenden  unter  starken  körperlichen  Beschwerden,  welche  nicht  durch  einfache  Therapien  behandelt  werden  könnten,  sondern  kostspielige  Eingriffe  und  eine  langjährige  medizinische  Begleitung  erforderten. Die Beschwerdeführenden hätten gemäss ihren Angaben pro  Monat  300  bis  500  Euro  verdient.  In  ihrem  Heimatland  seien  sie  nicht  versichert gewesen und hätten entsprechend auch keinen Anspruch auf  eine IV­Rente. Ausserdem seien die mehrmaligen Anträge auf Sozialhilfe  sowie  verschiedene  Therapien  zur  Behandlung  der  Krankheit  ohne  konkrete Begründung abgewiesen worden. Der Beschwerdeführer sei  in  Serbien  nie  adäquat  medizinisch  behandelt  worden.  Die  einzige 

D­4250/2009 Behandlung,  die  er  erhalten  habe,  seien Spritzen  zur Minderung  akuter  Rückenschmerzen gewesen. Besagte Spritzen habe er  selber  bezahlen  müssen. Die einzigen Kosten, welche die serbischen Sozialeinrichtungen  übernommen  hätten,  seien  die  bei  der  Diagnose  der  Krankheit  entstandenen.  Seine  wiederholten  Anträge  auf  eine  therapeutische  Behandlung  wie  namentlich  Physiotherapie  seien  trotz  ärztlicher  Empfehlung  immer  abgelehnt  worden.  Im  Weiteren  seien  ihm  zwar  Tabletten verschrieben worden, die er sich aber aus finanziellen Gründen  nicht habe beschaffen können. Auch eine Operation der Hände (wie von  einem  Arzt  in  der  Schweiz  vorgeschlagen)  wäre  in  Serbien  privat  zu  bezahlen,  was  unter  anderem  auch  durch  die  eine,  bereits  zitierte  Publikation  der  SFH  bestätigt  werde.  Im  Weiteren  verkenne  das  BFM,  dass es dem Beschwerdeführer in Serbien nicht möglich sein werde, eine  neue  Existenz  aufzubauen.  Er  sei  auf  dem Markt  durch  einen  anderen  Händler  tätlich  angegriffen  worden.  Dessen  Sohn  habe  sein  Haus  aufgesucht.  Es  sei  ihm  danach  nicht  mehr  möglich  gewesen,  auf  dem  Markt  zu  arbeiten.  Das  BFM  erachte  dieses  Vorbringen  zwar  nicht  als  asylrelevant,  ziehe  es  aber  nicht  in  Zweifel.  Vor  diesem  Hintergrund  würde sich auch seine ökonomische Situation  im Falle der Rückkehr als  prekär darstellen. Er verfüge lediglich über eine bescheidene Schul­ und  keine  Berufsausbildung.  Die  Beschwerdeführerin  sei  Analphabetin  und  aufgrund  ihrer  starken  Behinderung  arbeitsunfähig.  Zudem  spreche  sie  kein Serbisch. Das am _______ in der Schweiz geborene Kind erschwere  die  Arbeitsintegration  zusätzlich.  Der  Beschwerdeführer  müsse  nun  für  ein  weiteres  Familienmitglied  aufkommen.  Da  aufgrund  seiner  voranschreitenden Krankheit die Arbeitsfähigkeit in zunehmendem Masse  eingeschränkt  sei  und der  finanzielle Bedarf  durch das älter werdenden  Kind wachse, werde dies zu einer  immer prekäreren und schlussendlich  existenziell  bedrohlichen  Situation  führen.  Ausserdem  sei  das  soziale  Netz  vor  Ort  nicht  als  tragfähig  zu  erachten.  Der  in  _______  lebende  Vater  des  Beschwerdeführers  arbeite  nicht  mehr;  die  Mutter  leide  an  Diabetes. Der ältere Bruder  sei  verheiratet,  habe zwei Kinder,  finde nur  temporär  Arbeit  und  könne  seine  eigene  Familie  kaum  versorgen.  Der  jüngere  Bruder  sei  ebenfalls  verheiratet  und  habe  zwei  Kinder;  als  Arbeitsloser  sei  auch  er  nicht  in  der  Lage,  die  Familie  der  Beschwerdeführenden  zu  unterstützen.  Ein  Onkel  des  Beschwerdeführers  sei  zwar  erwerbstätig,  müsse  aber  für  eine  vierköpfige Familie sorgen und habe den Beschwerdeführer bisher noch  nie  unterstützt.  Zu  den Tanten  im Ausland, welche  keine Unterstützung  leisten könnten, habe er keinen Kontakt. Auch zu den Verwandten in der  Schweiz  bestünden  kaum  Kontakte.  Zusätzlich  sei  fraglich,  ob  der 

D­4250/2009 Wegweisungsvollzug  mit  dem  Kindswohl  zu  vereinbaren  wäre.  Wegen  des  Lebens  seiner  Eltern  in  schwerer  Armut  wäre  ihr  Sohn  mit  entsprechenden  Konsequenzen  wie  sozialem  Ausschluss,  prekärer  Gesundheit,  psychischer  Belastung  und  mangelhafter  Ernährung  konfrontiert.  Später  wäre  wegen  der  dargelegten  Situation  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen,  dass  keine  Einschulung  erfolgen  könne.  Zusammenfassend  sei  festzuhalten,  dass  die Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr nach Serbien mangels  existenzsichernder Perspektive  (progredient  verlaufende Krankheit  ohne  Therapiemöglichkeit;  keine  Berufsausbildung;  unqualifizierte  Erwerbstätigkeit  mit  minimalem  Lohn;  schwere  Behinderung  der  Beschwerdeführerin, was  ihr  praktisch  verunmögliche,  einen Beitrag  zur  beruflichen  und  sozialen  Unterstützung  der  Familie  zu  leisten)  einer  konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG,  SR 142.20) ausgesetzt wären.  C.b.  Der  Eingabe  lagen  drei  Arztberichte  (datierend  vom  31.  Oktober  2008, 19. Dezember 2008 und 11. Februar 2009) bei.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Juli  2009  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  sei einzig die Frage, ob die Wegweisung zu vollziehen oder ob anstelle  des Vollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. Auf die Erhebung  eines Kostenvorschusses wurde verzichtet und betreffend Entscheid über  das  Gesuch  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  auf  einen  späteren  Zeitpunkt verwiesen.  Im Weiteren setzte der damalige  Instruktionsrichter  Frist zur Nachreichung von weiteren Arztzeugnissen an. E.  Am  22.  Juli  2009  ersuchte  die  Rechtsvertretung  der  Beschwerdeführenden  um  Fristerstreckung  zur  Einreichung  eines  den  Beschwerdeführer betreffenden Arztberichts. Dem Gesuch entsprach das  Bundesverwaltungsgericht am 23. Juli 2009.  F.  Am  4.  August  2009  wurde  ein  die  Beschwerdeführerin  betreffender  Arztbericht  vom  19.  Dezember  2008  (erneut)  eingereicht.  Im  Begleitschreiben  wies  die  Rechtsvertretung  darauf  hin,  dass  ihre  Mandantin seit dem       19. Dezember 2008 nicht mehr in Behandlung sei 

D­4250/2009 und das vorgeschlagene Procedere – die Operation – keiner Dringlichkeit  unterliege.  Aus  diesem  Grund  seien  die  verantwortlichen  Ärzte  nicht  bereit  gewesen,  einen  ausführlicheren  Bericht  zu  schreiben.  Trotzdem  werde ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig und in der  Betreuung  des  Kleinkinds  stark  eingeschränkt  sei.  Ihr  Mann  sei  alleine  verantwortlich für das Erwerbseinkommen der Familie.  G.  Mit Eingabe vom 17. August 2009 gab die Rechtsvertretung einen  ihren  Mandanten betreffenden Arztbericht vom 13. August 2009 (und erneut die  unter Bst. C erwähnten Berichte vom 31. Oktober 2008 sowie 11. Februar  2009)  zu  den  Akten.  Die  Resultate  zur  genetischen  Prädisposition  als  Grundlage  für die angemessene Behandlung  lägen zwar noch nicht vor.  Gemäss Bericht vom 13. August 2009 bestehe aber die Möglichkeit einer  orthopädischen  Korrekturoperation.  Der  behandelnde  Arzt  gehe  von  einem  chronischen  Leiden  aus.  Wie  in  der  Beschwerdeschrift  bereits  erwähnt,  sei  die  Behandlung  komplexer  gesundheitlicher  Probleme  in  Serbien  für  den  mittellosen  Beschwerdeführer  nicht  möglich,  da  die  Therapien  privat  finanziert  werden  müssten.  Die  im  erwähnten  Bericht  erneut  festgehaltene  Prognose,  wonach  die  Krankheit  chronischer  und  progredienter  Natur  sei  und  sich  der  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  entsprechend  zunehmend  verschlechtern  werde,  bestätige die Beschwerdevorbringen.  H.  Mit Vernehmlassung vom 15. September 2009 beantragte das BFM die  Abweisung der Beschwerde. Die Krankheit des Beschwerdeführers habe  schon  in  Serbien  bestanden  und  könne  dort  weiterbehandelt  werden.  Zudem  sei  er  offenbar  in  der  Lage  gewesen,  die  Behandlung  zu  bezahlen.   Es  sei  davon  auszugehen,  dass  er  dies  auch  nach  der  Rückkehr noch könne. Die Beschwerdeführenden hätten für die Ausreise  3000  Euro  –  eine  für  serbische  Verhältnisse  sehr  hohe  Geldsumme –  beschaffen  können.  Dieses  Geld  hätte  der  Beschwerdeführer  auch  für  medizinische Belange einsetzen können. Es sei mithin zu erwarten, dass  er auch für gesundheitliche Zwecke Geld zu beschaffen in der Lage sein  werde. Schliesslich sei den Beschwerdeführenden unbenommen, bei der  Rückkehrhilfe des BFM ein Gesuch einzureichen. I.  Mit Replik vom 28. September 2009 hielten die Beschwerdeführenden an  den  bisherigen  Vorbringen  fest.  Das  BFM  verkenne  den  progredienten 

D­4250/2009 Charakter  des  Leidens  des  Beschwerdeführers.  Mit  der  Zeit  werde  die  schon  jetzt  stark  eingeschränkte  Bewegungsfähigkeit  weiter  beeinträchtigt  sein.  Operative  Eingriffe  und  eine  Kombination  von  verschiedenen  permanenten  Therapien  vermöchten  die  Symptome  der  Krankheit  teilweise  zu  bekämpfen  und  den  Verlauf  etwas  zu  verlangsamen, auch wenn es keine Chance auf vollumfängliche Heilung  gebe.  In  Serbien  habe  er  keine  angemessene  Behandlung  erhalten.  Vielmehr seien Anträge auf entsprechende Therapien abgelehnt worden.  Die Symptombehandlung der Krankheit  in Serbien wäre mit  sehr hohen  Kosten  verbunden. Da der Erwerbsfähigkeit  des Beschwerdeführers mit  der  Zeit  noch  eingeschränkter  sein  werde  und  die  Kosten  wegen  des  heranwachsenden  Kindes  steigen  würden,  sei  die  längerfristige  Existenzsicherung  deutlich  in  Frage  gestellt.  Aufgrund  seiner  Herkunft  und der Tatsache, dass er  in Serbien nie Versicherungsbeiträge gezahlt  habe,  könne  er  keine  staatliche  Hilfe  erwarten,  was  die  erwähnte  Ablehnung  mehrmaliger  Anträge  auf  Sozialhilfe  belege.  Auch  mit  dem  Geld, mit  welchem  die  Beschwerdeführenden  die  Reise  in  die  Schweiz  bezahlt  hätten,  wäre  keine  längerfristige  Existenzsicherung  möglich  gewesen. Das Geld stamme aus dem vom Beschwerdeführer über Jahre  Gesparten  und  sei  von  ihm  nicht  kurzfristig  beschafft  worden.  Diese  Reserve  sei  nun  aufgebraucht,  was  die  ökonomische  Situation  der  Beschwerdeführenden  weiter  schwäche.  Entgegen  der  Sichtweise  der  Vorinstanz sei mithin von der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  auszugehen.  J.  Am _______ heirateten die Beschwerdeführenden in der Schweiz. In der  Trauungsmitteilung  der  Schweizer  Behörden  wurde  im  Hinblick  auf  die  Staatsangehörigkeit  beim  Beschwerdeführer  Serbien,  bei  der  Beschwerdeführerin und dem gemeinsamen Sohn Kosovo vermerkt.  K.  Mit Schreiben vom 7. Dezember 2010 ersuchte die Beschwerdeführerin  das  BFM,  ihre  Staatsangehörigkeit  von  Serbien  auf  Kosovo  zu  korrigieren. Das BFM entsprach diesem Gesuch. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

D­4250/2009 gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Wie das Bundesverwaltungsgericht mit der Zwischenverfügung vom  16. Juli  2009  festgestellt  hat,  sind  die  Ziff.  1­3  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  in  Rechtskraft  erwachsen.  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens bildet im Folgenden einzig die Frage, ob das BFM  den Wegweisungsvollzug zu Recht angeordnet hat oder ob anstelle des  Vollzugs  die  vorläufige Aufnahme anzuordnen  ist  (Art.  44 Abs.  2 AsylG  i.V.m. Art. 83 AuG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Im  Hinblick  auf  die  Frage,  ob  der  Vollzug  der Wegweisung  in  den  Heimat­  oder  in  den Herkunftsstaat  beziehungsweise  in  einen Drittstaat 

D­4250/2009 möglich,  zulässig  oder  zumutbar  ist,  muss  zunächst  die  Herkunft  respektive  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  geklärt  werden.  Diesbezüglich  erklärte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Summarbefragung,  von  Geburt  an  in  _______  gelebt  zu  haben.  Unter  Staatsangehörigkeit  wurde  "Republik"  Serbien  vermerkt  (A  1/9  S.  1).  Seine Familie  stammt  aber  offenbar  aus  dem Kosovo  (A  37/15 Antwort  86;  A  38/9  Antwort  33).  Die  Beschwerdeführerin  legte  dar,  bis  August  2007  in  _______  (Kosovo)  gelebt  zu  haben  und  in  der  Folge  zu  ihrem  Gatten  nach  _______  gezogen  zu  sein.  Dort  war  sie  offenbar  regulär  angemeldet.  Gemäss  Protokoll  der  Summarbefragung  wurde  sie  zunächst  ebenfalls  als  serbische  Staatsbürgerin  erfasst  (A  2/9  S.  1;  A  37/15 Antwort 97). Im Rahmen der in der Schweiz erfolgten Heirat wurde  in  der  Trauungsmitteilung  der  Schweizer  Behörden  im  Hinblick  auf  die  Staatsangehörigkeit  bei  ihr  und  ihrem  Sohn  indes  Kosovo  vermerkt.  Ihrem  Ersuchen  an  das  BFM,  die  Staatsangehörigkeit  von  Serbien  auf  Kosovo zu korrigieren, entsprach die Vorinstanz in der Folge.  3.2.  Gemäss  dem  kosovarischen  Gesetz  über  die  Staatsbürgerschaft  Nr. 03/L­034  vom  20. Februar 2008  wird  als  kosovarische  Staatsangehörige  eine  Person  anerkannt,  die  am  1.  Januar  1998  die  jugoslawische  Nationalität  besass  und  zu  diesem  Zeitpunkt  im  Kosovo  ihren Wohnsitz hatte. Dies trifft auf die Beschwerdeführerin gemäss ihren  Angaben  offensichtlich  zu,  weshalb  sie  zum  einen  als  kosovarische  Staatsangehörige  anzusehen  ist. Gemäss  dem  serbischen Gesetz  über  die  Staatsbürgerschaft  Nr. 135/04  vom  21.  Dezember  2004  werden  Personen,  die  serbischer Abstammung  sind oder  auf  dem  (ehemaligen)  Staatsgebiet der Republik Serbien geboren wurden,  indes als serbische  Staatsangehörige  aufgefasst.  Die  Beschwerdeführerin  ist  offensichtlich  auf dem (ehemaligen) Staatsgebiet der Republik Serbien geboren. Zwar  ist sie nicht serbischer Ethnie, war aber gemäss Aussagen ihres Gatten in  _______  registriert  worden.  Dies  dürfte  ihr  ermöglichen,  auch  die  serbische  Staatsangehörigkeit  zu  erlangen  (vgl.  BVGE  2010/41).  Der  Beschwerdeführer  war  im  für  die  kosovarische  Staatsbürgerschat  relevanten  Zeitpunkt  indes  ausserhalb  von  Kosovo  wohnhaft;  er  bezeichnete sich als serbischen Staatsbürger (was gemäss Gesetzeslage  zutreffen  dürfte)  und  legte  nie  dar,  auch  die  kosovarische  Staatsbürgerschaft  zu  besitzen.  Allerdings  dürfte  für  ihn  als  Ehemann  einer Kosovarin ein  legaler Aufenthalt  in Kosovo grundsätzlich ebenfalls  in Frage kommen. Zu prüfen ist im Folgenden demnach grundsätzlich ein  Vollzug der Wegweisung nach Serbien wie auch nach Kosovo.

D­4250/2009 4.  4.1.  Ist der Vollzug nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so  regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländerinnen  und  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 4.2. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug  der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006 Nr.  6  E.  4.2.  S.  54  f.,  wobei  zu  berücksichtigen  ist,  dass  die  Bestimmung  über  die  vorläufige  Aufnahme  zufolge  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  i.S.  von  Art.  44  Abs.  3  AsylG  per  1.  Januar  2007  aufgehoben  worden  ist).  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  steht der (ab­ und weggewiesenen) Asyl suchenden Person wiederum die  Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen (vgl. Art. 112 Abs. 1  AuG  i.V.m.  Art.  31  ff.  VGG),  wobei  in  jenem  Verfahren  sämtliche  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  und  nach  Massgabe  der  dannzumal  herrschenden  Verhältnisse  von  Neuem  zu  prüfen  sind  (vgl.  EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f., EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.). 4.3. Gemäss Art.  83 Abs.  4 AuG  ist  der Vollzug  der Wegweisung  nicht  zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende Person  bei  einer Rückkehr  in  ihren  Heimatstaat  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese  Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das  heisst  bei  Ausländerinnen  und  Ausländern,  die  mangels  persönlicher  Verfolgung weder  die Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch  jene  des  völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch  wegen  den  Folgen  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation  allgemeiner Gewalt  nicht  in  ihren Heimatstaat  zurückkehren  können.  Im  Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die  absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder  – aus  objektiver  Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser Wahrscheinlichkeit  unwiederbringlich  in  völlige Armut gestossen  würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres  Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert 

D­4250/2009 wären (EMARK 2005 Nr. 12 E. 10.3 S. 114; 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215,  jeweils mit weiteren Hinweisen). 4.4. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so  bildet  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen  Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt  aus einer  völkerrechtskonformen Auslegung des Art.  83 Abs.  4 AuG  im  Licht von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die  Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls  sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die  im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen (BVGE 2009/51  E. 5.6 S. 749, BGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f). 5.  5.1. Zuerst  ist – wie vom BFM vorgenommen – insbesondere zu prüfen,  ob  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Serbien,  wo  sich  der  Beschwerdeführer  seit  seiner  Kindheit  und  seine  Gattin  seit  der  Heirat  aufgehalten haben, zumutbar erscheint.  5.1.1. Auch in Serbien leben Roma unter schwierigen Bedingungen, was  umso  mehr  gelten  muss,  wenn  es  sich  um  Angehörige  der  Minderheit  handelt,  die  ursprünglich  aus  Kosovo  stammen.  Die  Situation  ist  von  extrem  hoher  Arbeitslosigkeit  (ca.  60%)  und  dem  allgemeinen  Zusammenbruch  der  Sicherungssysteme  geprägt.  Die  Hälfte  der  Roma  lebt  unter  der  Armutsgrenze,  hat  Unterschlupf  in  improvisierten,  informellen  Siedlungen,  wo  sie  unter  sehr  harten  Bedingungen  ohne  Elektrizität,  fliessendes  Wasser  oder  Abwassersystem  leben.  Gemäss  UNHCR existierten in Serbien und Montenegro im Jahre 2004 586 solche  inoffizielle  Siedlungen  der  Roma,  Ashkali  und  Ägypter.  Diese  Ethnien  waren  in  der  Vergangenheit  auch  immer  wieder  Opfer  von  Zwangsräumungen  nach  Privatisierungsprozessen,  was  regelmässig  Obdachlosigkeit, Schulabbruch und – sofern vorhanden – den Verlust der  Arbeitsstelle  zur  Folge  hatte.  Neben  den  Problemen,  die  mit  der  Erlangung  eines  gesicherten  rechtlichen  Status  verbunden  sind,  sehen  sich  die  Roma,  Ashkali  und  Ägypter  generell  einem  Klima  der  behördlichen  Diskriminierung  einerseits  und  der  Feindseligkeiten  und  Angriffe eines Teils der Gesellschaft andererseits ausgesetzt. So werden  sie  regelmässig  Opfer  physischer  und  verbaler  Gewalt  und  von  Sachbeschädigung.  Der  Zugang  zur  Gesundheitsfürsorge  und  anderen  sozialen Diensten  ist wesentlich erschwert. Zahlreiche Quellen berichten  auch  von  aktiver  polizeilicher  Gewalt  oder  von  deren  Passivität  und 

D­4250/2009 mangelndem Schutzwillen  (BVGE  2009/51 E.  5.7.2  S.  751  f.;  vgl.  auch  die Publikation "analysis of  the main problems in access of Roma to the  rights  to  health  and  health  care"  einer  in  Serbien  tätigen  Nichtregierungsorganisation vom Juli 2011 [www.praxis.org.rs]). 5.1.2. Neben den Ausführungen zur allgemeinen Situation, in welcher die  Roma in Serbien leben, sind bei der Prüfung der Frage der Zumutbarkeit  im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  individuelle  Faktoren  –  namentlich  das  Vorhandensein  beziehungsweise  Fehlen  eines  familiären  oder  sozialen Netzes und von Wohneigentum, das Alter, die Gesundheit, das  Geschlecht und allfällige familiäre Verpflichtungen – zu gewichten. 5.1.3. Die Beschwerdeführerin stammt aus _______. Von August 2007 an  lebte  sie  in  _______  bei  ihrem  Gatten  und  war  ordnungsgemäss  behördlich  registriert.  Der  Beschwerdeführer  lebte  gemäss  seinen  Angaben  Zeit  seines  Lebens  meist  in  _______.  Eine  Rückkehr  dorthin  kommt mithin  für beide Beschwerdeführenden grundsätzlich  in Betracht,  zumal  der  Beschwerdeführer  vor  Ort  über  ein  gewisses  soziales  Netz  verfügt und die Wohnfrage offenbar befriedigend gelöst werden konnte.  5.1.4.  Unbestritten ist aber auch die Erkrankung des Beschwerdeführers.  Er  leidet  gemäss  Beschwerdevorbringen,  welche  sich  auf  die  eingereichten und nicht zu beanstandenden Arztzeugnisse stützen, unter  einer  beidseitigen  senso­motorischen  Neuropathie  ("Charcot­Marie­ Tooth­Erkrankung"),  also  an  einer  Erkrankung  der  periphären  Nerven,  und zwar mit ungewöhnlich schwerem Verlauf (vgl. Arztberichte _______  vom  31.  Oktober  2008  und  13.  August  2009  _______;  Bericht  _______vom  11.  Februar  2009  _______  ).  Die  reduzierte  Nervenleitgeschwindigkeit  hat  einen  starken Muskelschwund  zur  Folge,  was  sich  bei  ihm  vor  allem  bei  der  intrinsischen  Fuss­  und  Handmuskulatur  mit  Einbezug  der  Unterschenkel­  und  Unterarmmuskulatur  zeigt.  Insbesondere  seine  Hände  sind  in  zunehmendem  Masse  nicht  mehr  funktionell.  Neuromuskuläre  Krankheiten  dieser  Art  sind  chronisch  voranschreitender  Natur;  der  Muskelschwund ist nicht heilbar. Mit der Zeit ist eine weiter zunehmende  Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit zu erwarten. Die Symptome der  Krankheit  können  hingegen  mehr  oder  weniger  erfolgreich  behandelt  werden.  Die  Resultate  zur  genetischen  Prädisposition  (im  Hinblick  auf  eine  allfällige  Operation)  lagen  im  Zeitpunkt  der  letzten  Eingabe  der  Beschwerdeführenden  noch  nicht  vor.  Ein  Abwarten  dieser  Ergebnisse  erübrigt  sich  aber  aus  den  nachfolgenden  Gründen.  So  wurde  bereits 

D­4250/2009 festgehalten,  dass  der  Zugang  zur  Gesundheitsfürsorge  und  andere  soziale Dienste  für Roma  in Serbien wesentlich erschwert  ist. Soweit  in  der Beschwerde unter Bezugnahme auf eine – mittlerweile einige Jahre  alte  –  SFH­Publikation  die  Papierlosigkeit  der  Roma  als  Grund  für  Diskriminierungen  erwähnt  wird,  ist  aber  festzuhalten,  dass  dem  Beschwerdeführer im Juni 2008 durch die serbischen Behörden ein zehn  Jahre  lang  gültiger  Pass  ausgestellt  wurde  (A  1/9  S.  3  unten  f.).  Im  Weiteren  wurden  gemäss  Anamnese  im  Arztbericht  vom  11.  Februar  2009  seine  Füsse  in  Serbien  wiederholt  operiert.  Wegen  der  Rückenschmerzen  begab  er  sich  immer  wieder  zum  Arzt  und  erhielt  Spritzen.  Gewisse  Therapien wurden  offenbar  durchgeführt  und  andere  nicht  bewilligt  (vgl.  A  37/15  Antworten  1  ff.).  Insgesamt  entsteht  so  der  Eindruck, dass der Beschwerdeführer  in Serbien zumindest ansatzweise  die benötigte medizinische Hilfe erhielt. In diesem Zusammenhang und in  Berücksichtigung  der  dortigen  Situation  erscheint  aber  auch  die  weitgehende  Abhängigkeit  benötigter  Massnahmen  von  seiner  Finanzkraft  als  glaubhaft,  wobei  vorab  weitgehend  auf  die  Beschwerdevorbringen verwiesen werden kann. Auch aus den  in diesen  Punkten glaubhaften Aussagen des Anhörungsprotokolls ergibt sich, dass  die  Anträge  auf  Sozialhilfe  abgewiesen  worden  seien;  man  habe  dem  Beschwerdeführer  seine  Arbeitsfähigkeit  beziehungsweise  sogar  die  Gehfähigkeit vorgehalten. Er sei angewiesen worden, nicht mehr auf dem  entsprechenden Amt  vorzusprechen  (A  37/15  Antworten  31,  42  und  78  ff.). Ein Beschreiten des Rechtswegs durch den Beschwerdeführer wäre  zwar wohl möglich, aber  innert nützlicher Frist kaum erfolgversprechend  gewesen. Demzufolge wäre er für die benötigte medizinische Versorgung  auch  in Zukunft  auf  die  eigene oder  die Finanzkraft  ihn unterstützender  Personen angewiesen. Trotz seiner Behinderung war er vor der Ausreise  in der Lage, als Strassenhändler ein gewisses Auskommen zu erzielen.  Der Streit mit  einem anderen Strassenhändler mag  ihn dabei  zusätzlich  eingeschränkt haben; dass er aus diesem Grund generell nicht mehr als  Verkäufer hätte  in Erscheinung treten können, vermag in Anbetracht der  in  diesem  Punkt  nachvollziehbaren  Erwägungen  des  BFM  zur  Vorgehensweise  der  staatlichen  Behörden  im  Falle  von  Repressalien  durch Drittpersonen indes nicht zu überzeugen. Ins Gewicht fällt aber die  aufgrund der Krankheit fortschreitende Erschwernis bei der Ausübung der  Erwerbstätigkeit.  So  legte  der  Beschwerdeführer  dar,  sich  an  gewissen  Tagen  so  schlecht  zu  fühlen,  dass  er  nicht  arbeiten  könne.  Seine  Existenzgrundlage  werde  zunehmend  unsicher  (A  37/15  Antworten  67  und  107).  Diese  Einschätzung  wird  durch  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  bestätigt  (A  38/9  Antwort  22).  Eine  medizinische 

D­4250/2009 Massnahme  wie  allenfalls  eine  (in  der  Schweiz  durchgeführte)  Handoperation  würde  zwar  möglicherweise  eine  gewisse  Entlastung,  aber  in  Anbetracht  des  fortschreitenden  Charakters  des  Leidens  keine  Änderung  der  Grundsituation  herbeiführen.  In  Berücksichtigung  dieser  Faktoren ist davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführer, welcher  über  keine  Berufsausbildung  verfügt,  in  absehbarer  Zukunft  nicht  mehr  schaffen  wird,  in  Serbien  für  seine  Familie  aus  eigener  Kraft  eine  genügende Existenzgrundlage zu schaffen.  5.1.5. Die Beschwerdeführerin  leidet  an  einer  schwergradigen Skoliose.  Eine  Operation  scheint  indes  –  so  auch  mangels  erheblicher  Beschwerden ­ nicht  im Vordergrund zu stehen (vgl. Arztbericht vom 19.  Dezember 2008). Hingegen ist sie offensichtlich kaum in der Lage, einen  Beitrag  für  die  Existenzgrundlage  der  Familie  zu  leisten  und  möglicherweise  schon  durch  die  Betreuung  ihres  Kindes  überfordert.  Ausserdem soll sie kein Serbisch sprechen.  5.1.6. Schliesslich  trifft  wie  erwähnt  zu,  dass  der  Beschwerdeführer  vor  Ort über soziale Anknüpfungspunkte verfügt. Eine gewisse Unterstützung  – so etwa auch bei der Betreuung des Sohnes der Beschwerdeführenden  – dürfte  realistisch  sein.  Hingegen  erscheint  eine  erhebliche  finanzielle  Unterstützung  der  Beschwerdeführenden  namentlich  auch  in  Bezug  auf  kostspielige  ärztliche  Massnahmen  als  kaum  realistisch.  In  der  Beschwerde  werden  diesbezüglich  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Verwandten ausführlich dargelegt. Anhaltspunkte, dass diese Vorbringen  tatsachenwidrig sein könnten, sind in Berücksichtigung der Aktenlage und  der Gesamtumstände des Falles nicht auszumachen.  5.1.7. Zudem gilt es zu bedenken, dass die Beschwerdeführenden einen  Sohn  im Alter  von  _______  Jahren,  der  ausschliesslich  in  der  Schweiz  aufgewachsen  ist,  haben.  Allgemein  zugänglichen  Quellen  zufolge  besuchen nur gerade 40 Prozent der Kinder der erwähnten Minderheiten  die  Primarschule,  wobei  gemäss  offiziellen  Erhebungen  wiederum  nur  zirka 40 Prozent einen Primarschulabschluss erreichen. Ein Vollzug der  Wegweisung würde  aufgrund  der  gegebenen Umstände wie  namentlich  auch der erheblichen gesundheitlichen Probleme der Eltern sowie deren  finanziellen  Schwäche  zu  grossen  Zweifeln  an  einer  kindgerechten  Entwicklung des Sohnes in Serbien führen.  5.1.8. Aufgrund  der  sich  für  Roma  in  Serbien  generell  präsentierenden  Lage,  der  dargestellten  persönlichen  Voraussetzungen  des 

D­4250/2009 beschwerdeführenden  Ehepaares  sowie  in  Anbetracht  der  Gefährdung  des  Wohles  des  Kindes  muss  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Familie  im  Falle  des  Vollzugs  der  Wegweisung  in  eine  existenzgefährdende  Lage  geraten  würde.  In  Würdigung  dieser  Umstände gelangt das Bundesverwaltungsgericht deshalb zum Schluss,  dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  und  ihres Sohnes nach Serbien als nicht zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs.  4 AuG erweist. 5.2.  Im  Folgenden  ist  noch  zu  prüfen,  ob  der  Vollzug  der Wegweisung  nach Kosovo als zumutbar erscheint.  5.2.1. Die Vorinstanz hat eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den  Kosovo  nicht  geprüft,  obwohl  –  wie  oben  aufgeführt  –  die  Beschwerdeführerin  vor  der  Heirat  in  _______  lebte  und  ihr  Gatte  als  Ehemann einer Kosovarin mutmasslich ebenfalls legal dort leben könnte.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  von  albanischsprachigen  Roma,  Ashkali  und Ägyptern in den Kosovo ist in der Regel zumutbar, sofern auf Grund  einer  Einzelfallabklärung  (insbesondere  durch  vor  Ort­Untersuchungen  durch  das  Verbindungsbüro  im  Kosovo)  feststeht,  dass  bestimmte  Reintegrationskriterien  –  wie  berufliche  Ausbildung,  Alter,  ausreichende  wirtschaftliche Lebensgrundlage und Beziehungsnetz im Kosovo – erfüllt  sind.  Auch  dem  Gesundheitszustand  der  Betroffenen  ist  Rechnung  zu  tragen  (BVGE  2007/10).  Diese  Einzelfallabklärung  vor  Ort  hat  das  Bundesamt nicht vorgenommen.  Insofern besteht Ungewissheit darüber,  welche  Lebensbedingungen  die  Beschwerdeführenden  bei  einem  Wegweisungsvollzug nach Kosovo antreffen würden, auch wenn gewisse  Familienangehörige  der  Beschwerdeführerin  noch  im  Kosovo  unter  offenbar erträglichen Bedingungen leben sollen (A 38/9 Antworten 12 ff.).  Auch  Verwandte  des  Beschwerdeführers  sollen  sich  noch  in  Kosovo  aufhalten  (A 37/15 Antworten 19, 27  ff.,  86 und 89). Den Ausführungen  des  Beschwerdeführers,  welcher  offenbar  nur  mässige  Kenntnisse  der  albanischen  Sprache  hat,  ist  aber  zu  entnehmen,  dass  keine  grossen  Kontakte zu diesen Verwandten bestehen. Letztlich kann jedoch aufgrund  der  Akten  auf  eine  Abklärung  vor  Ort  ohnehin  verzichtet  werden.  Die  Anknüpfungspunkte der Beschwerdeführerin im Kosovo erscheinen zwar  eher als tragfähig im Vergleich zu denjenigen ihres Gatten, welcher ja in  Serbien  lebte.  Hingegen  stünde  nach  dem  Gesagten  namentlich  der  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  verbunden  mit  dem  drohenden Abgleiten der Familie in eine existenzgefährdende Lage einer  Wohnsitznahme  in  Kosovo  unter  den  gemäss  Praxis  erforderlichen 

D­4250/2009 strengen  Bedingungen  offensichtlich  entgegen.  Aufgrund  der  gesamten  Aktenlage ist angesichts der schwierigen Verhältnisse von Roma auch in  Kosovo  entsprechend  nicht  davon  auszugehen,  die  Beschwerdeführenden  mit  ihrem  Kleinkind  vermöchten  dort  eine  neue  Existenz aufzubauen.  5.3.  Demnach  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  nach  Serbien  wie  auch  nach  Kosovo  als  unzumutbar  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG.  Ausschlussgründe  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  sind  nicht  ersichtlich.  Deshalb  sind  die  Voraussetzungen für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme erfüllt. Bei  dieser  Sachlage  kann  davon  abgesehen  werden,  auf  weitere  Beschwerdevorbringen einzugehen.  6.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen.  Die  vorinstanzliche  Verfügung  vom  29.  Mai  2009  wird  demnach  soweit  die  Frage  des  Wegweisungsvollzuges  betreffend  (Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs)  aufgehoben  und  die  Vorinstanz  angewiesen,  die  Beschwerdeführenden  und  ihren  Sohn  in  der  Schweiz  wegen  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen. 7.  7.1.  Den  Beschwerdeführenden  werden  infolge  des  Obsiegens  keine  Verfahrenskosten  auferlegt  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  somit  gegenstandslos. 7.2. Die Rechtsvertretung machte mit Eingabe vom 1. Juli 2009 Kosten in  der Höhe von Fr. 760.— geltend. Auf die Nachreichung einer Kostennote  für  das  ganze  Verfahren  kann  verzichtet  werden,  da  sich  der  Vertretungssaufwand  hinreichend  zuverlässig  abschätzen  lässt.  In  Berücksichtigung der massgeblichen Faktoren  ist die Entschädigung auf  Fr. 1'200.­­  (inkl. Spesen und allfällige MWST)  festzusetzen  (vgl. Art. 10  und 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite)

D­4250/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Ziffern  4  und  5  der  vorinstanzlichen Verfügung vom 29. Mai 2009 werden aufgehoben. Das  BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführenden vorläufig aufzunehmen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung von Fr. 1'200.­­ zu entrichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

D-4250/2009 — Bundesverwaltungsgericht 15.09.2011 D-4250/2009 — Swissrulings