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Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 D-4210/2008

1. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,681 Wörter·~8 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Mai 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4210/2008/sed Urteil   v om   1 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Robert Galliker,    Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren (…), Serbien,   vertreten durch lic. iur. Christian Koch, Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 29. Mai 2008 / N (…).

D­4210/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  den  Heimatstaat  am  12.  April  2008  und  gelangte  am  13.  April  2008  in  die  Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 7. Mai 2008  wurde  er  in  der  Empfangsstelle  (heute:  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  [EVZ])  B._______  summarisch  zu  den  Personalien,  Ausweispapieren  und  zum  Reiseweg  befragt.  Eine  summarische  Anhörung  zu  den  Gesuchsgründen  fand  nicht  statt.  Am  19.  Mai  2008  wurde  er  vom  BFM  direkt  zu  seinen  Asylgründen  angehört.  Im  Wesentlichen machte  er  bei  den Befragungen  geltend,  aus C._______,  der Gemeinde D._______,  in Südserbien  zu  stammen und Angehöriger  der  albanischen Ethnie  zu  sein.  In  den  Jahren  1987  und  1988  habe  er  seinen  Wehrdienst  als  Artillerie­Soldat  absolviert.  Danach  habe  er  bei  seinem auf privater Basis im Baugewerbe tätigen Bruder als Maurer und  Gipser  bis  zum 17. Februar  2008  (Unabhängigkeit Kosovos)  gearbeitet.  Er  sei  insgesamt  dreimal  (1989/90/91)  als  Tourist  in  der  Schweiz  gewesen.  Von  Januar  bis  Ende  März  2001  habe  er  am  Krieg  teilgenommen, ohne indessen in Kampfhandlungen verstrickt gewesen zu  sein.  Am  Tag  der  Unabhängigkeitserklärung  des  Kosovo  sei  er  zusammen mit anderen Personen nach E._______ zu den Feierlichkeiten  gereist. An der Grenze  zu Kosovo  seien  sie  von der  serbischen Polizei  registriert worden. Im Anschluss an die Feier habe er sich besuchshalber  mit anderen Leuten im Auto nach Bosnien und Herzegowina zu Freunden  begeben.  Danach  habe  er  seinen  Onkel  in  F._______  aufgesucht.  Bei  seiner  Rückkehr  habe  er  von  seiner  Familie  erfahren,  dass  die  Polizei  nach  ihm  gesucht  habe.  Diese  habe  wissen  wollen,  was  er  aus  dem  Kosovo mitgebracht habe. Sie hätten sein Zimmer durchsucht und Fotos  von ihm gefunden, worauf er mit einer albanischen Fahne bei der Feier in  E._______ zu sehen gewesen sei. In der Folge habe er Unterschlupf bei  seiner  Schwester  in  S.,  Gemeinde  D._______,  gefunden.  Um  der  seit  dem  Krieg  verschlechterten  Lage  zu  entgehen  und  nicht  Opfer  der  häufigen Provokationen und Verhaftungen seitens der Serben zu werden,  habe er sein Heimatland verlassen. Für den Inhalt der weiteren Aussagen  wird  auf  die  Akten  verwiesen.  Das  BFM  verzichtete  auf  weitere  Abklärungen. B.  Das BFM stellte mit Verfügung vom 29. Mai 2008 ­ eröffnet am 30. Mai  2008 ­ fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

D­4210/2008 und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Wegweisungsvollzug  an.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  weder  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) noch denjenigen an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  stand.  Der  Vollzug  der  Wegweisung sei zulässig und möglich; ihm stünden keine triftigen Gründe  entgegen.  In der Folge wurde der Beschwerdeführer  für die Dauer des Verfahrens  dem Kanton G._______ zugewiesen. C.  Mit  Eingabe  vom  23.  Juni  2008  liess  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gutheissung  des  Asylgesuchs  beantragen.  Eventuell  sei  die  Streitsache  zur  Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Auf eine Wegweisung  sei  zu  verzichten.  Dem  Beschwerdeführer  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  mit  Offizialverbeiständung  zu  gewähren.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. D.  Nach  erfolgter  Eingangsbestätigung  (27.  Juni  2008)  wurde  mit  Instruktionsverfügung vom 30. Juli 2008 das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  unter  Vorbehalt  des  Nachreichens  einer  Fürsorgebestätigung  sowie  unter  Vorbehalt  der  Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gutgeheissen.  Das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG (Rechtsverbeiständung)  wurde abgewiesen. E.  Mit  Eingabe  vom  11.  August  2008  wurde  eine  Mittellosigkeitserklärung  des  Durchgangsheims  für  Asylsuchende,  H._______,  vom  7.  August  2008 nachgereicht.

D­4210/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Das Bundesverwaltungsgericht  verzichtet  auf  die Durchführung des  Schriftenwechsels (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­4210/2008 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  sich  die  Nichtbefragung  des  Beschwerdeführers  zu  den  Gesuchsgründen  (Asylgründen)  im  EVZ  als  gesetzeskonform  erweist.  Gemäss  Art.  26  Abs.  2  AsylG  erhebt  die  Empfangsstelle  die  Personalien  und  erstellt  in  der  Regel  Fingerabdruckbogen  und  Fotografien.  Sie  kann  weitere  biometrische  Daten erheben und die Asylsuchenden summarisch zum Reiseweg und  zu  den Gründen  befragen, warum  sie  ihr  Land  verlassen  haben. Nebst  dieser Kann­Bestimmung wird sodann im näher konkretisierenden Art. 19  Abs.  2  letzter  Satz  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  explizit  aufgeführt,  dass  die  summarische Anhörung zu den Asylgründen nach Art.  29 AsylG ersetzt  werden kann.  4.2. Die vom Beschwerdeführer anlässlich der direkten Bundesanhörung  vorgebrachten  Ausreisegründe  respektive  Asylgründe  (allgemeine  Lage  in  Südserbien,  unerwünschte  Albaner)  stellen  noch  keine  individuelle  Betroffenheit  im Sinne  von Art.  3 AsylG dar. So  führt  er  unter  anderem  aus, er wäre nicht in die Schweiz gekommen, wenn die Situation seit der  Unabhängigkeit  des  Kosovo  nicht  schlechter  geworden  wäre.  Es  gäbe  Provokationen  und  Verhaftungen;  Verhaftungen  ohne  Spuren  über  die 

D­4210/2008 Verhafteten. Nebst diesen nicht näher substanziierten Ausführungen gab  er zudem zu Protokoll, nie Opfer solcher Benachteiligungen geworden zu  sein,  da  er  vorher  ausgereist  sei.  Damit  macht  der  Beschwerdeführer  aber  keine  konkret  und  gezielt  gegen  sich  gerichtete  nachteiligen  Massnahmen  staatlicher  Organe  geltend.  Vielmehr  bringt  er  mit  diesen  Vorbringen zum Ausdruck, dass die widrigen Lebensbedingungen, denen  eine Vielzahl der albanischen Bevölkerung  in Südserbien ausgesetzt  ist,  die  massgebenden  und  entscheidenden  Gründe  für  das  Verlassen  des  Heimatlandes  gewesen  sind.  Mithin  ist  seinem  Sachvortrag  die  Asylrelevanz abzusprechen.  4.3. In der Rechtsmitteleingabe bleibt der vom Beschwerdeführer geltend  gemachte Sachverhalt grundsätzlich der Gleiche. Die Feststellungen der  Vorinstanz,  wonach  ethnische  Albaner  unter  Repressionen  der  serbischen  Polizei  zu  leiden  haben  und  sämtliche  Angehörige  dieser  Minderheit  betreffe,  werden  als  zutreffend  bezeichnet.  Indessen  wird  argumentiert, die Vorinstanz verkenne dabei, dass der Beschwerdeführer  nicht einfach die allgemeinen Repressionen als Fluchtgrund angegeben,  sondern  sehr  wohl  ausgeführt  habe,  weshalb  er  persönlich  und  in  besonderem  Mass  gefährdet  sei.  Die  in  diesem  Zusammenhang  aufgestellten Behauptungen (u.a. der Beschwerdeführer sei in der Heimat  politisch aktiv gewesen; nach der Unabhängigkeitsfeier des Kosovo habe  er  einige  Tage  bei  Verwandten  verbracht,  bevor  er  in  die  Heimat  zurückgekehrt  sei;  die Polizei  habe nach  ihm gesucht,  als er abwesend  von  Zuhause  gewesen  sei  und  an  einer  Parteisitzung  teilgenommen  habe;  einige  Teilnehmer  an  besagter  Unabhängigkeitsfeier  seien  verhaftet  worden  oder  seien  verschwunden;  Kenntnis  von  massiven  Bedrohungen  gegenüber  Teilnehmern  an  der  Unabhängigkeitsfeier)  müssen  jedoch  als  unsubstanziierte  und  nachgeschobene  Vorbringen  gewertet werden, mit denen dem Asylgesuch mehr Nachdruck verliehen  werden  soll.  Politische  Aktivitäten  wurden  vom  Beschwerdeführer  im  vorinstanzlichen  Verfahren  zu  keinem  Zeitpunkt  geltend  gemacht  und  auch  in  der  Beschwerde  lediglich  pauschal  und  unsubstanziiert  behauptet.  Keine  Stütze  in  den  Akten  finden  auch  die  übrigen  Ausführungen.  Gemäss  seinen  Aussagen  habe  sich  der  Beschwerdeführer  nach  der  Unabhängigkeitsfeier  für  einen  Monat  zu  einem Freund nach Bosnien und Herzegowina begeben. Danach  sei  er  nach  Hause  zurückgekehrt,  wo  es  zwei  Wochen  lang  keine  Probleme  gegeben  habe  und  es  ruhig  gewesen  sei.  Von  der  polizeilichen  Suche  nach  ihm  habe  er  erfahren  als  er  von  seinem  in  F._______  lebenden  Onkel, den er besucht habe, nach Hause zurückgekehrt sei (Protokoll der 

D­4210/2008 direkten Bundesanhörung, Frage 23 ff. S. 4). Demgegenüber führte er an  der gleichen Anhörung etwas später aus, die Polizei habe erst, als er von  Bosnien und Herzegowina zurückgekehrt sei, nach ihm gesucht (Protokoll  der direkten Bundesanhörung, Frage 79 ff. S. 8). Gleichermassen verhält  es  sich  mit  den  Angaben  im  Zusammenhang  mit  den  Kenntnissen  hinsichtlich massiver Bedrohungen durch die serbische Polizei gegenüber  Personen,  die  an  der  Unabhängigkeitsfeier  teilgenommen  haben.  Zum  einen gab er zu Protokoll, nichts von Problemen gehört zu haben, welche  an  der  Feier  teilnehmenden  Leuten  widerfahren  wären,  um  gleich  anschliessend  zu  erklären,  er  habe  gehört,  dass  seine  Begleiter  Probleme bekommen hätten, wobei er nichts Genaues darüber wisse; sie  (Freunde/Begleiter)  seien  von  zu Hause weggegangen,  als  sie  von  der  polizeilichen  Suche  nach  ihm  (dem  Beschwerdeführer)  erfahren  hätten.  Dies  habe  er  von  der  Familie  erfahren  (Protokoll  der  direkten  Bundesanhörung Frage 68 f. S. 7 und 8). Zum anderen führte er aus, von  einer  ebenfalls  im  Zentrum  weilenden  Person  (M),  einem  Albaner  aus  Südserbien,  sowie  seinem Bruder erfahren  zu haben,  dass alle, welche  an  besagter  Feier  teilgenommen  hätten,  Probleme  bekommen  hätten  (Protokoll  der  direkten  Bundesanhörung  Frage  107  f.  S.  10  und  11).  Nähere  Hinweise  oder  Aufschlüsse  hinsichtlich  Art,  Umfang  und  Intensität,  insbesondere  der  gemäss  Rechtsmitteleingabe  massiven  Bedrohungen  jener  am  23. Mai  2008  verhafteten  Personen  aus  dem  Herkunftsort  des  Beschwerdeführers  unterbleiben  sodann,  was  in  Berücksichtigung  des  Umstandes,  dass  der  Beschwerdeführer  über  telefonischem  Kontakt  zu  seinem  am  gleichen  Ort  lebenden  Bruder  verfügt, erstaunen muss. Nach dem Gesagten sowie mangels Fallbezug  kann  dem  in  diesem  Zusammenhang  in  Kopie  eingereichten  Internetauszug  beweisrechtlich  keine  Bedeutung  beigemessen  werden.  Der  Beschwerdeführer  vermag  daraus  nichts  zu  seinen  Gunsten  abzuleiten. Nicht zuletzt braucht auch auf die dem Beschwerdeführer von  der  Vorinstanz  vorgeworfenen  Unglaubhaftigkeitselemente,  welchen  in  der  Rechtsmitteleingabe  nichts  entgegengesetzt  wird  und  welchen  bei  gesamtheitlicher  Betrachtung  lediglich  untergeordnete  Bedeutung  zukommt, nicht eingegangen zu werden. 4.4.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht darzutun vermochte, dass er einer Verfolgung  im Sinne von Art. 3  AsylG  ausgesetzt  war  oder  begründete  Furcht  hat,  einer  solchen  ausgesetzt  zu  werden.  Er  kann  daher  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  werden.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  demnach zu Recht abgelehnt. Bei dieser Sachlage erübrigen sich weitere 

D­4210/2008 Erörterungen  und  der  Eventualantrag  um  Rückweisung  der  Streitsache  zur Neubeurteilung an die Vorinstanz ist abzuweisen. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9; Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

D­4210/2008 Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4.  Lediglich  der  Vollständigkeit  halber  ist  festzuhalten,  dass  der  Bundesrat mit Beschluss vom 19. März 2009 Serbien zum sogenannten  verfolgungssicheren  Herkunftsstaat  (safe  country)  im  Sinne  von  Art.  6a  Abs. 2 AsylG erklärt hat und bisher von dieser Einschätzung im Rahmen  der periodischen Prüfung (vgl. Art. 6a Abs. 3 AsylG) nicht abgewichen ist.

D­4210/2008 6.5.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  Diese  Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das  heisst  Ausländerinnen  und  Ausländern,  die  mangels  persönlicher  Verfolgung weder  die Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch  jene  des  völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch  wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner  Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können (vgl. BVGE 2008  Nr.  5). In Serbien herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt aufgrund derer die  Bevölkerung  generell  als  konkret  gefährdet  betrachtet  werden  müsste.  Zwar  können  Übergriffe  von  Privatpersonen  und  teilweise  behördliche  Schikanen sowie Diskriminierungen nicht völlig ausgeschlossen werden,  indessen  erreichen  diese  im  Allgemeinen  nicht  ein  Ausmass,  das  den  Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen liesse. Auch ist nicht  ersichtlich  inwiefern  der  heute  fast  44­jährige,  alleinstehende  und –  soweit aktenkundig – gesunde Beschwerdeführer  im Falle der Rückkehr  nach  Serbien  aus  individuellen  Gründen  in  eine  existenzbedrohende  Situation geraten könnte. Nicht nur verfügt er über eine solide Schul­ und  Berufsbildung  (Mittelschulabschluss  mit  Diplom  als  Autoschlosser;  vgl.  Akte  A  1  S.  2  sowie  A  13  S.  3),  sondern  er  sammelte  auch  während  Jahren Erfahrung im Erwerbsleben bei seinem Bruder, der auf Privatbasis  als Gipser und Maler in D._______ tätig war (vgl. Akte A 1 S. 2). Ferner  kann  der  Beschwerdeführer  im  Falle  einer  Rückkehr  an  seinen  Herkunftsort,  wo  er  bis  zur  Ausreise  aus  Serbien  gelebt  hat,  auf  ein  familiäres  Beziehungsnetz  zurückgreifen  (Mutter  und  drei  Geschwister;  vgl. Akte A1 S. 1, 2 und 4), was ausserdem eine Reintegration erleichtern  dürfte. Ebenfalls kann davon ausgegangen werden, dass es ihm gelingt,  trotz  der  wirtschaftlich  schwierigen  Lage  in  Serbien,  eine  neue  Lebensgrundlage  aufzubauen.  In  Würdigung  sämtlicher  für  das  vorliegende  Verfahren  relevanter  Aspekte  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung demnach als zumutbar. 6.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 

D­4210/2008 und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 6.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Mit  Zwischenverfügung  vom  30.  Juli  2008  wurde  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen  Verhältnisse  des  Beschwerdeführers  gutgeheissen  (vgl.  Bst.  D  und  E  hiervor).  Da  der  Beschwerdeführer  gemäss  den  vorliegenden  Akten  aktuell  nach  wie  vor  nicht  erwerbstätig  ist,  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  prozessual  bedürftig  ist.  Auf  die  Auferlegung  von  Verfahrenskosten ist demnach zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­4210/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Alfred Weber Versand:  

D­4210/2008 Zustellung erfolgt an: – den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben) – das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit  den Akten N (…) (per Kurier; in Kopie) – das Migrationsamt des Kantons Thurgau ad (…) (in Kopie)

D-4210/2008 — Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 D-4210/2008 — Swissrulings