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Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 D-4028/2011

21. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,378 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Juli 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4028/2011 Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), alias  B._______, geboren (…),  alias A._______, geboren (…), Eritrea,  (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 6. Juli 2011 / N (…).

D­4028/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  ihr  Heimatland  eigenen  Angaben  zufolge  ungefähr  im  (…) 2010 verliess und nach  rund  (…) Aufenthalt  im Sudan  mit  einem  (möglicherweise  gefälschten)  Visum  für  Italien  am  (…)  2010  nach Rom reiste, dass  sie  am  5. Oktober  2010  von  Italien  kommend  in  die  Schweiz  gelangte, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  11. Januar  2011  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat und ihre  Wegweisung nach Italien anordnete, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde  vom  18. Januar  2011  mit  Urteil  vom  26. Januar  2011 abwies, dass  die  Beschwerdeführerin  am  (…) März  2011  nach  Italien  überstellt  wurde, dass sie am 24. März 2011 im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ)  C._______ ein zweites Asylgesuch einreichte, dass  das  Bundesamt  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  summarischen Befragung sowie der Nachbefragung  im EVZ C._______  vom  5. April  2011  das  rechtliche  Gehör  bezüglich  der  erneuten  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Asylverfahren,  zum  Nichteintretensentscheid und zu einer Wegweisung dorthin gewährte, dass das BFM mit Verfügung vom 6. Juli 2011 – eröffnet am 12. Juli 2011  – wiederum  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  auf  das  Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung nach Italien anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  seiner  Verfügung  anführte,  auf  ein  Asylgesuch  werde  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  könnten,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig sei,  dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Abkommens  vom  26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und 

D­4028/2011 der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.689) verpflichtet habe, die  Dublin­II­Verordnung  ([Dublin­II­VO]  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist) anzuwenden, dass die Beschwerdeführerin  zu Protokoll  gegeben habe,  sie  habe  sich  bis zu ihrer erneuten Einreise in die Schweiz immer in Italien aufgehalten, dass  die  italienischen  Behörden  innerhalb  der  festgelegten  Frist  zum  Übernahmeersuchen der Schweiz keine Stellung bezogen hätten, womit  gemäss DAA und unter Anwendung von Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO  die  Zuständigkeit  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens am 28. Juni 2011 an Italien übergegangen sei, dass  die  Überstellung  nach  Italien  ­  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung der Überstellungsfrist ­ bis spätestens  am 28. Dezember 2011 zu erfolgen habe, dass somit auf das Asylgesuch nicht eingetreten werde, dass die Folge eines Nichteintretensentscheides gemäss Art.  44 Abs. 1  AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sei  und  die  Beschwerdeführerin  in  einen Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  sie Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  AsylG  finden  würde,  weshalb das Non­Refoulement­Gebot nicht zu prüfen sei, und auch keine  Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR  0.101) im Falle einer Rückkehr nach Italien bestehen würden, dass  die Beschwerdeführerin  anlässlich  der Gewährung des  rechtlichen  Gehörs  im  EVZ  vorgebracht  habe,  sie  wolle  nicht  nach  Italien  zurückkehren, da sie auf der Strasse habe leben müssen und sie zudem  keine Hilfe erhalten habe, dass  diese  Situation  für  sie  als  Frau  gefährlich  gewesen  sei  und  sie  gehört habe, in Italien würden die Menschenrechte nicht respektiert,

D­4028/2011 dass das BFM hierzu anmerkte, diese Erklärung sei nicht geeignet, eine  Rückführung nach Italien zu verhindern, insbesondere sei Italien Mitglied  der Europäischen Union (EU) und habe als solcher den Acquis der EU im  Bereich  Menschenrechte  vollständig  übernommen,  zudem  sei  Italien  Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung  der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und des Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105), dass  somit  weder  die  in  Italien  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit  der Wegweisung nach  Italien  sprechen  würden und der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch  durchführbar sei, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  18. Juli  2011  gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  ihr  Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich für das vorliegende Asylgesuch zuständig zu erklären, dass  sie  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  Erlass  vorsorglicher  Massnahmen  ersuchte,  indem  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen  seien,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  bis  zu  einem  Entscheid  über  die  Beschwerde abzusehen, dass  sie  überdies  beantragte,  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  ihr  die  unentgeltliche  Prozessführung zu gewähren, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  19. Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 

D­4028/2011 Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme nicht vorliegt, dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen] 

D­4028/2011 Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34  E. 2.1.  S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides stellen, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass der vorinstanzlichen Feststellung, die Beschwerdeführerin habe sich  bis zu ihrer erneuten Einreise in die Schweiz immer in Italien aufgehalten,  auf Beschwerdeebene nichts entgegengehalten wird, dass das BFM ein Ersuchen um Übernahme der Beschwerdeführerin an  Italien gestellt hat, dass  dieses  bis  zum  Ablauf  der  festgelegten  Frist  unbeantwortet  geblieben  ist  und  demnach  die  Zuständigkeit  für  das  vorliegende  Verfahren durch Italien als akzeptiert gilt, dass  die  Beschwerdeführerin  somit  ohne  weiteres  in  einen  Drittstaat  (vorliegend  Italien)  ausreisen  kann,  welcher  für  die  Prüfung  ihres  Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist, dass  damit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitteleingabe geltend macht,  ein  Rücktransfer  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  sei  aufgrund  der  allgemeinen humanitären Situation für Asylsuchende in Italien insgesamt  als unzumutbar zu werten, dass  sie  zur  Begründung  auf  mehrere  Berichte  (Schweizerische  Be­ obachtungsstelle  für  Asyl­  und  Ausländerrecht,  Bericht  vom  Juni  2009;  Untersuchung  des  EU­Parlaments  zu  den  Aufenthaltsbedingungen  von 

D­4028/2011 Asylsuchenden aus dem Jahr 2007; Dokument des italienischen Ministro  dell'Interno,  Dipartimiento  per  le  Libertà  Civili  e  l'Immigrazione  vom  26. November 2009; Publikation des European Council on Refugees and  Exiles  vom Juni  2009; Bericht  des Consiglio  Italiano  per  i  rifugiati  [CIR]  vom  3. Dezember  2009;  Pro  Asyl,  Zur  Situation  von  Flüchtlingen  in  Italien,  vom  28. Februar  2011;  SFH­Medienbericht  vom  18. Juli  2011)  verweist, dass mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen ist, dass Italien Signatarstaat  sowohl  des Abkommens  vom 28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung  der  Flüchtlinge als auch der EMRK ist, dass  anders  als  bei  Griechenland  (vgl.  Urteil  des  EGMR  M.S.S.  vs.  Belgium  and  Greece,  Nr.  30696/09,  21.  Januar  2011,  Urteil  R.U.  vs.  Greece,  Nr.  2237/08,  7.  Juni  2011)  hinsichtlich  Italien  aufgrund  der  wiederholten  und  übereinstimmenden  Stellungnahmen  des  Amtes  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR),  des  Kommissars  für  Menschenrechte  des  Europarates  und  von  internationalen  Nichtregierungsorganisationen  (NGOs)  weder  davon  ausgegangen werden kann, die italienische Gesetzgebung zum Asylrecht  werde  nicht  angewendet,  noch  sei  das  Asylverfahrensrecht  in  diesem  Land in einer Art und Weise von strukturellen Unzulänglichkeiten geprägt,  dass  asylsuchende  Personen  kaum  Chancen  auf  eine  seriöse  Prüfung  ihrer  Asylgesuche  und  ihrer  Beschwerden  durch  die  italienischen  Behörden  haben,  oder  dass  sie  dort  mangels  wirksamer  Beschwerdemöglichkeit keinen Schutz vor willkürlicher Rückschiebung in  ihr Heimatland geniessen, dass  somit  keine  ernsthaften  Zweifel  daran  bestehen,  dass  Italien  die  Richtlinie  Nr.  2005/85/EG  des  Rates  vom  1.  Dezember  2005  über  Mindestnormen  für  Verfahren  in  den  Mitgliedstaaten  zur  Zuerkennung  und  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  (Amtsblatt  Nr.  L  326  vom  13/12/2005 S. 0013 – 0034) respektiert, dass  sich  das  italienische  Asylsystem  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum  verbunden  mit  erhöhtem  Zustrom  von  Asylsuchenden  zwar mit  erheblichen  Kapazitätsproblemen  konfrontiert sieht, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen 

D­4028/2011 Aufenthalts­  und Lebensbedingungen nicht  zum Schluss  gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG  des  Rates  vom  27. Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten (Amtsblatt Nr. L 031 vom 06/02/2003 S. 0018­0025),  dass  angesichts  dieser  Sachlage  keine  Veranlassung  besteht,  die  Regelvermutung  in  Frage  zu  stellen,  wonach  sich  Italien  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der FoK, hält (BVGE 2010/45 E. 7.5 und 7.7), dass  diese  Regelvermutung  umgestossen  werden  kann,  wenn  im  konkreten  Einzelfall  ernsthafte  Indizien  dafür  vorliegen,  dass  die  Behörden des betreffenden Signatarstaates Völkerrecht verletzen (BVGE  2010/45 a.a.O.), dass solche Indizien im vorliegenden Fall schon deshalb nicht ersichtlich  sind,  da  sich  die Beschwerdeführerin weder während  ihres  ersten  noch  während  ihres  zweiten  –  und  zwar  trotz  ausdrücklicher  Aufforderung –  Aufenthaltes nie an die italienischen Behörden gewendet hat, dass  sich  dieses  Verhalten  entgegen  der  Auffassung  in  der  Beschwerdeschrift  nicht  dadurch  rechtfertigen  lässt,  die  aufforderungsgemässe  Meldung  auf  der  Questura  hätte  sowieso  nichts  gebracht,  da  dieses  Verhalten  es  den  italienischen  Behörden  gerade  verunmöglichte, die notwendigen Massnahmen zu treffen, dass  für  den  Fall,  dass  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  der  Aufenthaltsbedingungen  tatsächlich  nicht  in  der  Lage  gewesen  sein  sollte, in Italien ein menschenwürdiges Leben zu führen, es an ihr liegen  wird,  ihre  Rechte  bei  den  italienischen  Behörden  respektive  beim  Europäischen Gerichtshof  oder  beim EGMR geltend  zu machen  (BVGE  2010/45 E. 7.6.4), dass  die  Beschwerdeführerin  im  Weiteren  geltend  macht,  sie  habe  während  ihres  ersten  Aufenthalts  in  der  Schweiz  einen  (…)  Asylsuchenden  kennengelernt,  mit  dem  sie  zusammenleben  wolle,  und  dass  sie  mittlerweile  schwanger  sei,  aber  möglicherweise  eine  (…)  vorliege,

D­4028/2011 dass  der  Beschwerde  ein  Zeugnis  der  Hausärztin  der  Beschwerdeführerin  vom  12. Juli  2011  beilag,  wonach  die  Beschwerdeführerin  vom  Universitätsspital  wegen  Verdachts  auf  (…)  respektive  (…)  betreut  werde  und  deswegen  spezielle  Medikamente  benötige, dass das Vorliegen einer (…) für die Beschwerdeführerin zweifellos keine  einfache  Situation  darstellt,  jedoch  aus  medizinischer  Sicht  eine  Überstellung  nach  Italien  nicht  ausschliesst,  nachdem  die  notwendige  Behandlung  offenbar  bereits  stattgefunden  hat  und  die  benötigten  Medikamente auch in Italien erhältlich sein dürften, dass es – soweit noch notwendig – vielmehr Sache des BFM sein wird,  die  italienischen Behörden anlässlich der Bekanntgabe des Datums der  Überstellung  schriftlich  über  den  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführerin zu informieren, dass  der  Wunsch  der  Beschwerdeführerin  nach  einem  Verbleib  in  der  Nähe  ihres  Freundes  zwar  verständlich  ist,  angesichts  des  Kennenlernens vor nur wenigen Monaten und des Umstandes, dass die  Beteiligten  noch  nie  zusammenlebten,  auf  Beschwerdeebene  zu  Recht  nicht geltend gemacht wird, beim Freund der Beschwerdeführerin handle  es sich um einen Familienangehörigen im Sinne von Art. 2 Bst. I Dublin­ II­VO, dass  sich  die  Beschwerdeführerin  bei  dieser  Sachlage  mangels  tatsächlich  gelebter,  intensiver  Beziehung  auch  nicht  auf  Art. 8  EMRK  berufen kann, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten  Einzelfall  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  bei  pflichtgemässem  Ermessen  eine  Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  problematisch erscheinen lassen, dass sich angesichts dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  erübrigt,  weil  diese  nicht  geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der  Beschwerdeführerin  nach  Italien  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre  Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung 

D­4028/2011 gelangt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2  Bst. d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs bereits Voraussetzung  (und nicht  erst Regelfolge)  des Nichteintretensentscheides  und  deshalb  vorliegend  nicht zu prüfen ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von  Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG, SR 142.20)  stellt,  sondern vor  der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbstein­ trittsrechts  (Art. 3  Dublin­II­VO)  oder  gegebenenfalls  bei  der  Ausübung  der sogenannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin­II­VO), dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung nach Italien zu bestätigen ist, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  ihrer  Beschwerde  nicht  darzutun  ver­ mag,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuwei­ sen ist, dass  die  in  der  Beschwerde  gestellten  Gesuche  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  (Art. 107a  AsylG)  und  Erlass  des  Kostenvorschusses angesichts des vorliegenden, direkten Entscheids  in  der Sache gegenstandslos geworden sind, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen ist, da die Beschwerdebegehren nach  dem Gesagten als aussichtslos zu bezeichnen sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  und 5 VwVG).

D­4028/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­4028/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

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