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Bundesverwaltungsgericht 18.07.2011 D-371/2010

18. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,186 Wörter·~11 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­371/2010/sed Urteil   v om   1 8 .   Juli   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Thomas Wespi,    Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien X._______, geboren am _______, Türkei,   vertreten durch Dieter Gysin, _______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2009 / N _______.

D­371/2010 Sachverhalt: A.  A.a.  Eigenen Angaben  zufolge  verliess  der Beschwerdeführer  die Türkei  am  23.  September  2009  und  gelangte  von  ihm  unbekannten  Ländern  her  kommend  am  29.  September  2009  in  die  Schweiz,  wo  er  am  gleichen  Tag  um  Asyl  nachsuchte.  Am  2.  Oktober  2009  führte  das  BFM  eine  Summarbefragung  durch.  Die  Anhörung  fand  am  10.  November  2009  statt. A.b.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  Kurde  aus  der  Provinz  _______ –  machte  geltend,  wegen  seiner  ethnischen  Zugehörigkeit  sei  er  nach  einem Jahr Gymnasium von der Schule ausgeschlossen worden. Er habe  mit der DTP sympathisiert und an deren Kundgebungen teilgenommen. In  _______ habe er sich häufig  im  Internetlokal eines Cousins aufgehalten  und sich auf kurdischen Websites eingeloggt. Bei einer Razzia der Polizei  sei  er  deswegen  im  Dezember  2005  heftig  geschlagen  worden.  Der  erwähnte  Cousin,  welcher  mit  der  DTP  und  der  PKK  Verbindungen  gehabt  habe,  sei  vor  etwa  zwei  oder  zweieinhalb  Jahren  untergetaucht  und  in  die  Schweiz  geflohen.  Die  Polizei  habe  sich  bei  ihm  (dem  Beschwerdeführer)  unter  Drohungen  und  Schlägen  immer  wieder  nach  dessen Aufenthalt  erkundigt.  Zudem sei  er  etwa  fünfmal  festgenommen  worden.  Er  habe  Folterungen  erlitten.  Das  elterliche  Haus  sei  einmal  durchsucht  worden.  Angehörige,  die  ihn  hätten  schützen  wollen,  seien  misshandelt  worden.  In  Anbetracht  dieser  Sachlage  und  wegen  des  bevorstehenden Militärdienstes sei er ebenfalls ausser Landes geflüchtet.  Sein  Vater  sei  seit  seiner  Flucht  seinetwegen  einige  Male  polizeilich  mitgenommen  worden.  Sein  Bruder  sei  während  der  Militärdienstzeit  gefoltert worden.  B.  Mit Verfügung vom 15. Dezember 2009 – eröffnet am 21. Dezember 2009  – stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Wegweisungsvollzug. Die Vorinstanz erwog,  in Anbetracht  der Situation  vor  Ort  sei  zwar  nicht  zum  Vorneherein  ausgeschlossen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  Kundgebungsteilnahmen  Zeuge  oder  gar  Opfer  von  Gewalt  gewesen  oder  beim  Surfen  auf  kurdischen  Homepages  behördlich  angegangen  worden  sei.  Er  sei  aber  nicht  in  exponierter 

D­371/2010 Stellung politisch tätig gewesen beziehungsweise aus den Akten ergäben  sich keine Anhaltspunkte dafür,  dass damit  verbundene Tätigkeiten und  Ereignisse  irgendwelche  Konsequenzen  für  ihn  gehabt  hätten.  Die  vorgebrachten  Nachteile  im  Zusammenhang  mit  den  behördlichen  Nachforschungen  wegen  eines  entfernten  Verwandten  wirkten  sodann  nicht  glaubhaft.  So  habe  der  Beschwerdeführer  erst  bei  der  Anhörung  dargelegt, seit 2006 von der Polizei insgesamt fünf Mal bis zu zwei Tagen  mitgenommen und dabei auch einmal an einem unbekannten Ort gefoltert  worden  zu  sein.  Aufgrund  der  Verspätung  des  Vorbringens  kämen  Zweifel  am  Wahrheitsgehalt  auf.  Zudem  habe  er  den  Namen  des  Verwandten  nicht  korrekt  wiedergeben  können.  Eine  Durchsicht  der  Akten dieses Verwandten  (_______) und eines weiteren, seit über zehn  Jahren  in  der  Schweiz  wohnhaften  Verwandten  (_______)  habe  im  Übrigen keine Hinweise auf die Person des Beschwerdeführers ergeben.  Ferner  sei  unwahrscheinlich,  dass  sich  die  Behörden  der  Türkei  nach  einer gesuchten Person ausschliesslich bei einem entfernten Verwandten  wie dem Beschwerdeführer erkundigen sollten. Dies umso mehr, als der  Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  des  Cousins  erst  _______Jahre  alt  gewesen  sein  soll.  Überdies  habe  er  die  für  ihn  angeblich  ausreiserelevanten  Ereignisse  äusserst  vage  und  unsubstanziiert  zu  Protokoll  gegeben.  Die  entsprechenden  Aussagen  liessen  eine  subjektiv  geprägte  Wahrnehmung  vermissen.  Demzufolge  sei  nicht  von  tatsächlich  Erlebtem  auszugehen.  Überdies  hätte  er  im  Bedarfsfall über eine  innerstaatliche Fluchtalternative verfügt. Betreffend  Militärdienst  in der Türkei hielt  das BFM  fest,  eine allfällige Einberufung  wie  auch  ein  allfälliges  militärstrafrechtliches  Verfahren  wegen  Dienstversäumnis  stellten  vorliegend  keine  ernsthafte  Verfolgung  im  Sinne  des Asylgesetzes  dar.  Schliesslich  seien  auch  die  vorgebrachten  Schikanen  wegen  der  ethnischen  Zugehörigkeit  nicht  als  asylrelevante  Verfolgung zu werten. Die Situation der Kurden  in der Türkei  habe sich  aufgrund  von  Reformen  verbessert.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. C.  Mit Eingabe vom 20. Januar 2010 beantragte der Beschwerdeführer beim  Bundesverwaltungsgericht  durch  seine  Rechtsvertretung  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Feststellung  seiner  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung,  eventualiter  die  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  Neubeurteilung,  subeventualiter  das  Absehen  vom  Wegweisungsvollzug  verbunden  mit  der  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  in  der  Schweiz  sowie  in 

D­371/2010 prozessualer  Hinsicht  für  den  Fall  des  Unterliegens  die  unentgeltliche  Rechtspflege  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht  (Art. 65  Abs.  1  und  2  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  [VwVG,  SR 172.021]).  Ausserdem  beantragte  er  die  vorsorgliche  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs  verbunden  mit  einer  entsprechenden Anweisung der kantonalen Behörde. Im Weiteren sei zu  allfälligen  Stellungnahmen  des  BFM  ein  Replikrecht  einzuräumen.  Die  Nachreichung  einer  Honorarnote  nach  entsprechender  Aufforderung  wurde in Aussicht gestellt. In der Eingabe machte der Beschwerdeführer  geltend,  er  sei  wegen  seiner  kurdischen  Ethnie  und  der  Zugehörigkeit  eines  Cousins  zur  DTP  und  PKK  knapp  vier  Jahre  lang  regelmässig  durch  Polizisten  eingeschüchtert,  bedroht  und  misshandelt  worden.  Bereits zuvor in der Schulzeit habe er Behelligungen erlitten. Der Cousin,  dessen Internetlokal er frequentiert habe, und ein anderer Cousin hätten  in der Schweiz Asyl erhalten. Weitere Verwandte seien nach Deutschland  geflohen.  Im  Dezember  2005  sei  er  bei  einer  Razzia  im  erwähnten  Internetlokal  des  Cousins  erheblich  verletzt  worden.  Nach  dem  Untertauchen dieses Cousins  sei  er  von Ende 2005 bis Mitte  2009  von  Polizeibeamten  aufgesucht,  über  dessen  Verbleib  ausgefragt  und  misshandelt  worden.  Nach  dem  Gesagten  sei  er  Opfer  einer  asylrelevanten  Reflexverfolgung  geworden.  Entgegen  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  habe  er  die  fluchtrelevanten  Ereignisse  glaubhaft  dargelegt.  Aus  den  Akten  ergebe  sich  ein  grundsätzlich  vollständiges  und widerspruchloses Bild  der  Erlebnisse. Das BFM wäre  gehalten  gewesen,  allfällige  Unklarheiten  durch  Nachfragen  zu  beseitigen. Dessen Sichtweise,  beim  in  die Schweiz  geflohenen Cousin  handle  es  sich  lediglich  um  einen  entfernten  Verwandten,  könne  nicht  nachvollzogen werden. Die Vorinstanz habe es sodann unterlassen, die  Beziehungen  dieses  Cousins  zur  DTP  und  PKK  im  Entscheid  festzuhalten;  auch  mit  der  Problematik  der  Reflexverfolgung  von  Verwandten von PKK­Mitgliedern habe sie sich nicht auseinandergesetzt.  Im Weiteren falle die ungleiche Wiedergabe des Vornamens des Cousins  durch  den  Beschwerdeführer  nicht  entscheidend  ins  Gewicht,  zumal  diesbezüglich  auch  aus  amtlicher  Sicht  (N­Ausweis  des  besagten  Cousins)  offenbar  keine  Klarheit  bestehe.  Schliesslich  komme  hinzu,  dass  er  auch  als  Dienstverweigerer  im  Heimatland  mit  asylrelevanten  Nachteilen zu rechnen habe. Im Weiteren würde ein allfälliger Vollzug der  Wegweisung  gegen  die  relevanten  gesetzlichen  Bestimmungen  verstossen.  Der  Eingabe  lagen  Ausweiskopien  von  Verwandten,  medizinische  Unterlagen  aus  der  Türkei,  Auszüge  aus  zwei  SFH­

D­371/2010 Berichten von Oktober 2007 und Oktober 2008 zur Situation vor Ort und  zwei Zeitungsberichte bei.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  25.  Januar  2010  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  fest,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  hiess  das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Das Gesuch gemäss  Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. E.  Mit  Vernehmlassung  vom  10.  Februar   2010  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Den  Akten  des  Cousins  des  Beschwerdeführers  (_______)  sei  zu  entnehmen,  dass  dieser  noch  bis  Ende 2006 in _______ wohnhaft gewesen sei und in seinem Internetlokal  gearbeitet  habe.  Anschliessend  habe  noch  bis  im April  2007  in  seinem  Dorf  gelebt.  Die  Türkei  habe  er  erst  _______  2007  verlassen.  Entsprechend  könne  nicht  nachvollzogen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer seit Ende 2005 immer wieder  in der geschilderten Art  wegen  des Cousins  behördliche Behelligungen  erlitten  habe,  zumal  der  Cousin  noch  bis  Ende  2006  zuhause  oder  in  seinem  Internetlokal  anzutreffen gewesen sei. Die nachgereichten ärztlichen Berichte belegten  lediglich  erlittene  Gewalt,  was  in  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  bestritten worden sei.  F.  Nach  gewährter  Fristerstreckung  hielt  der  Beschwerdeführer  mit  Replik  vom 15. März 2010 an seinen bisherigen Vorbringen fest. Es bestünden  keine  Widersprüche  zwischen  seinen  und  den  Aussagen  des  Cousins.  Die  vom  BFM  erwähnten  Punkte  liessen  sich  durch  Verständigungsschwierigkeiten  und  Übersetzungsprobleme  erklären.  Zudem sei dem unterschiedlichen Umgang mit Zeitangaben und Daten im  kulturellen  Umfeld  des  Beschwerdeführers  und  dessen  Cousins  Rechnung zu  tragen.  Im Verfahren des Cousins habe die Vorinstanz  im  Übrigen  ebenfalls  festgehalten,  dessen  zeitliche  Angaben  seien  unglaubhaft.  Der  Eingabe  lag  ein militärisches  Aufgebot  vom  5.  Januar  2010 aus der Türkei samt deutschsprachiger Übersetzung bei.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

D­371/2010 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

D­371/2010 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Der  Beschwerdeführer  beantragt  eventualiter  die  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  Neubeurteilung.  Das  BFM  habe  es  unterlassen,  alle  für  die  Entscheidfindung  relevanten  Umstände  zu  berücksichtigen.  Über  diesen  Antrag  ist  sachlogisch  an  erster  Stelle  zu  befinden.  4.2. Das BFM hat den Beschwerdeführer summarisch befragt und in der  Folge  angehört.  Am  Schluss  der  Anhörung  erklärte  der  Beschwerdeführer,  seine  Fluchtgründe  abschliessend  vorgebracht  zu  haben (A 10/14 Antwort 105). Im angefochtenen Entscheid ging das BFM  auf  den  bevorstehenden  Militärdienst,  das  politische  Engagement  des  Beschwerdeführers  und  auch  auf  die  ethnische  Zugehörigkeit  ein.  Die  geltend gemachten Behelligungen wegen des in die Schweiz geflohenen  Cousins  erachtete  das  BFM  in  der  geltend  gemachten  Form  für  nicht  glaubhaft.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  nicht  nachvollziehbar,  welche  Sachverhaltselemente  vom  BFM  nicht  respektive  nicht  hinreichend  berücksichtigt worden  sein  sollten. Es  trifft  zwar  zu,  dass das BFM das  politische Profil des in die Schweiz geflohenen Cousins in der Verfügung  nicht  näher  darlegte.  Dessen  Profil  erscheint  bei  der  geprüften  Reflexverfolgung  hinsichtlich  des  Beschwerdeführers  aber  nicht  als  entscheidwesentlich,  da  das  BFM  die  angebliche  Reflexverfolgung  ausführlich  prüfte  und  –  wie  nachfolgend  dargelegt  –  aufgrund  der  Darlegungen  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  für  ohnehin  unglaubhaft  erachtete; eine nähere Auseinandersetzung mit dem Persönlichkeitsprofil  des  Cousins  in  der  Verfügung  erschien  demnach  nicht  als  entscheidwesentlich.  Den  Gehörsansprüchen  des  Beschwerdeführers  betreffend  weitere  Feststellungen  in  der            vorinstanzlichen  Vernehmlassung  wurde  im  Übrigen  mit  Einräumung  eines  Replikrechts  hinreichend  Rechnung  getragen;  eine  in  diesem  Zusammenhang  beantragte  Neubefragung  erschien  nicht  als  erforderlich.  Mangels 

D­371/2010 ersichtlicher Gehörsverletzungen  ist  der Antrag  auf Rückweisung mithin  abzuweisen. 5.  5.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe im Falle der Rückkehr  in  die  Türkei  begründete  Furcht  vor  ernsthaften  Nachteilen.  Dies  erscheint  in  Anbetracht  seiner  Vorbringen  indes  nicht  als  beachtlich  wahrscheinlich. 5.2.  Die  Vorinstanz  hat  eingeräumt,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem Heimatland beim Surfen im Internet oder  im Zusammenhang mit  Kundgebungsteilnahmen  möglicherweise  Zeuge  oder  auch  Opfer  von  Gewalt  wurde.  Es mag  in  der  Tat  zutreffen,  dass  er  bei  einem  solchen  polizeilichen  Eingriff  Verletzungen  erlitt.  Derartigen  Nachteilen  wie  Schlägen und kurzzeitigen Festnahmen oder Anhaltungen kommt aber im  Allgemeinen  keine  Asylrelevanz  zu.  Diese  Einschätzung  erweist  sich  auch beim Beschwerdeführer als berechtigt. So gab er an,  in der Türkei  sei kein Verfahren gegen ihn hängig (A 10/14 Antwort 77). Zudem wurde  ihm vor der Ausreise ein türkischer Reisepass ausgestellt, dessen Verlust  er in keiner Weise überzeugend zu schildern vermochte (A 1/8 Antwort 3;  A 10/14 Antworten 11 ff.). Dass er  im Zeitpunkt der Ausreise  landesweit  mit Verfolgung hätte  rechnen müssen, erscheint mithin schon  in diesem  Lichte  besehen  als  unglaubhaft.  Im  Weiteren  mag  zutreffen,  dass  die  Behörden  wegen  des  in  die  Schweiz  geflohenen  Cousins  zumindest  vorübergehend Nachforschungen bei Verwandten  tätigten.  Im Sinne der  vorinstanzlichen  Erwägungen  und  entgegen  den  nicht  stichhaltigen  Beschwerdevorbringen  kann  aber  nicht  nachvollzogen  werden,  wieso  ausgerechnet der damals noch sehr  junge Beschwerdeführer als Cousin  davon  primär  betroffen  gewesen  sein  sollte.  Allein  seine  allfälligen  Aufenthalte  in  dessen  Internetlokal  erscheinen  in  keiner  Weise  als  hinreichende Begründung  für  diese angebliche behördliche Fixierung  (A  10/14  Antworten  65  und  79).  Im  Übrigen  ist  das  Verwandtschaftsverhältnis  nicht  bestritten,  weshalb  sich  die  eventualiter  in  Aussicht  gestellte  Nachreichung  eines  Familienregisterauszugs  erübrigt.  Die  angebliche  Nähe  des  Beschwerdeführers  zum  erwähnten  Cousin erscheint aber auch deswegen und entgegen den eher konstruiert  wirkenden Beschwerdevorbringen als fraglich, weil er dessen Namen bei  den  Befragungen  nicht  übereinstimmend  angab  (A 10/14  Antwort  66).  Auch  wenn  aus  amtlicher  Sicht  Unklarheiten  beim  Namen  bestehen  sollten, wäre von einer Person mit engem Kontakt zum besagten Cousin  zu erwarten gewesen, dass er  jeweils denselben Namen genannt hätte. 

D­371/2010 Unbesehen allfälliger Artikulationsprobleme wäre beim Beschwerdeführer  sodann  davon  auszugehen  gewesen,  dass  er  tatsächlich  erlebte  Festnahmen und Folterungen mit Realkennzeichen versehen geschildert  hätte.  Solche  lassen  sich  dem  Anhörungsprotokoll  indes  kaum  entnehmen.  Ob  die  Glaubhaftigkeit  der  angeblichen  Folterungen  beziehungsweise  Misshandlungen  auch  wegen  der  gemäss       vorinstanzlicher  Verfügung  verspäteten  Erwähnung  zu  verneinen  ist,  erscheint  in  Anbetracht  des  Summarcharakters  der  Erstbefragung  zwar  nicht  als  zwingend,  hatte  er  dort  doch  angegeben,  schwerer  Gewalt  ausgesetzt  gewesen  zu  sein  (A  1/8  S.  4).  Ins  Gewicht  fällt  demgegenüber,  dass  der  besagte  Cousin,  dessen  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht noch hängig ist (_______), die Türkei offenbar  erst  _______  2007  verliess.  Die  vorinstanzliche  Einschätzung  in  der  Vernehmlassung,  die  angebliche  Reflexverfolgung  sei  auch  deshalb  unglaubhaft,  weil  der  besagte  Cousin  im  Zeitpunkt  angeblicher  Verfolgungshandlungen  gegen  den  Beschwerdeführer  noch  für  die  Behörden greifbar gewesen sei, erfährt so ihre Berechtigung. Anzufügen  ist,  dass  der  erwähnte  Cousin  auch  gemäss  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  16. Juni  2008  die  Türkei  erst  _______  2007  verliess._______.  Entgegen  den  Beschwerdevorbringen  besteht  im  vorliegenden  Verfahren  somit  grundsätzlich  kein  Anlass,  am  erwähnten  Ausreiseizeitpunkt des Cousins zu zweifeln. Insbesondere die Vorbringen  des Beschwerdeführers,  im  Jahre  2006 wegen  seines Cousins  zweimal  mitgenommen worden zu sein, wirken nach dem Gesagten konstruiert (A  10/14 Antworten 71 f.). Die Behauptung in der Beschwerde, er sei wegen  des Untertauchens des Cousins von Ende 2005 bis Mitte 2009 polizeilich  behelligt  worden,  wird  durch  die  Aktenlage  mithin  nicht  gestützt.  Schliesslich  ist  dem  BFM  auch  insoweit  beizupflichten,  als  die  eingereichten  medizinischen  Unterlagen  vom  Dezember  2005  auf  erlittene  Verletzungen  respektive  Beschwerden  im  genannten  Zeitpunkt  hindeuten,  über  deren  Ursache  respektive  Täterschaft  indes  keine  schlüssigen  Hinweise  zu  geben  vermögen.  Die  angebliche  Reflexverfolgung  in  der  geschilderten  Form  und  im  geltend  gemachten  Zeitraum belegen sie indes nicht. Dass der Beschwerdeführer knapp vier  Jahre  lang  regelmässig  durch  Polizisten  eingeschüchtert,  bedroht  und  misshandelt worden wäre, ist demzufolge nicht glaubhaft. 5.3. Der  Beschwerdeführer  hat  eine  militärische  Vorladung  eingereicht.  Allfällige  strafrechtliche  Konsequenzen  wegen  Refraktion,  Dienstverweigerung  oder  Desertion  bei  einer  Rückkehr  ins  Heimatland  stellen  indes grundsätzlich keine Verfolgung  im Sinne des Asylgesetzes 

D­371/2010 dar.  Allerdings  ist  eine  wegen  Missachtung  der  Dienstpflicht  drohende  Strafe  dann  asylrelevant,  wenn  der  Wehrpflichtige  wegen  seines  Verhaltens  mit  einer  Strafe  zu  rechnen  hat,  welche  entweder  aus  Gründen  nach  Art.  3  AsylG  diskriminierend  höher  ausfällt  oder  an  sich  unverhältnismässig hoch ist, oder wenn die Einberufung zum Wehrdienst  darauf  abzielt,  einem  Wehrpflichtigen  aus  einem  der  in  Art.  3  AsylG  genannten  Gründe  erhebliche  Nachteile  zuzufügen  oder  diesen  in  völkerrechtlich verpönte Handlungen zu verstricken (EMARK 2004 Nr. 2).  Beim  Beschwerdeführer,  dessen  politisches  Profil  als  bescheiden  zu  werten  ist  und  dessen  Vater  sich  keiner  politischen  Organisation  angeschlossen  haben  soll,  bestehen  indes  keine  konkreten  Anhaltspunkte für drohende asylrelevante Massnahmen (A 10/14 Antwort  20  und  43  ff.).  Allein  die  Umstände,  wonach  sein  Bruder  im  Militär  geschlagen  worden  sei  und  er  im  Einwohneramt  unter  Angabe  eines  politisch  belasteten  Herkunftsorts  vermerkt  sein  soll,  führen  noch  zu  keiner anderen Beurteilung (A 10/14 Antworten 57 und 59).  5.4.  Aufgrund  des  wie  erwähnt  bescheidenen  politischen  Profils  des  Beschwerdeführers  bestehen  ferner  keine  Hinweise  für  begründete  Furcht  vor  ernsthaften  Nachteilen  wegen  der  Sympathie  für  die  (damalige) DTP. Auch die ferner vorgebrachten Diskriminierungen wegen  der  kurdischen  Ethnie  sind  mangels  Verfolgungsintensität  nicht  als  asylrelevant  zu  werten.  Entgegen  den  Beschwerdevorbringen  bestehen  auch  keine  konkreten  Anhaltspunkte  für  begründete  Furcht  vor  asylrelevanten Nachteilen.  5.5.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte.  Die  eingereichten  Beweismittel  –  darunter  Zeitungsartikel  und  zwei  SFH­Berichte  –  rechtfertigen  keine  andere  Einschätzung. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft demnach zu  Recht  verneint  und  das  Asylgesuch  abgelehnt.  An  dieser  Beurteilung  vermögen  die  weiteren  Ausführungen  in  den  Eingaben  mangels  Stichhaltigkeit nichts zu ändern. Nach dem Gesagten erübrigt sich auch  ein  vertiefteres  Eingehen  auf  die  Akten  der  erwähnten  Cousins  in  der  Schweiz.  6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 

D­371/2010 ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 

D­371/2010 (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5  AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  gemäss  obenstehenden  Ausführungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  der  Türkei  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 8.  8.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.2. 

D­371/2010 8.2.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  davon  aus,  dass  die  allgemeine Lage  in der Türkei nicht durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch  eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist, aufgrund derer die  Zivilbevölkerung  als  konkret  gefährdet  bezeichnet  werden  müsste.  Der  Vollzug  der Wegweisung  ist  unter  diesen Umständen  nicht  generell  als  unzumutbar zu bezeichnen. 8.2.2. Der Beschwerdeführer stammt aus der Provinz _______, wo seine  Angehörigen  leben.  Er  arbeitete  als  Schuhmacher.  Die  finanzielle  Situation der Familie  soll  gut  sein  (A 1/8 S. 2; A 10/14 Antworten 36  ff.  und  103).  Es  ist  entsprechend  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  nach  seiner Rückkehr  in die Türkei dort  in eine existenzgefährdende Situation  gerät. 8.2.3.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch als zumutbar. 8.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.4. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 24. März  2010 gutgeheissen wurde, ist von der Kostenauflage abzusehen. (Dispositiv nächste Seite)

D­371/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

D-371/2010 — Bundesverwaltungsgericht 18.07.2011 D-371/2010 — Swissrulings