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Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-2635/2011

6. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,476 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 5. April 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­2635/2011 Urteil   v om   6 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Daniele Cattaneo, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Bruno D'Amaro. Parteien A._______, geboren am (…),  und deren Sohn, B._______, geboren am (…), Kolumbien, Schweizer Botschaft in Bogotá, Kolumbien, Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 5. April 2011 / N […].

D­2635/2011 Sachverhalt: A.  Mit  an  die  Schweizer  Vertretung  in  Bogotá  gerichteter  Eingabe  vom  21. Dezember 2009  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  –  kolumbianische  Staatsangehörige aus C._______ (aktueller Wohnsitz in D._______) – für  sich  und  ihren  Sohn  um  Gewährung  von  Asyl  in  der  Schweiz.  Zur  Begründung machte sie geltend, dass sie vom Vater  ihres Kindes, Herr  E._______,  im  Juni  2008  vergewaltigt  worden  sei.  Als  Folge  des  sexuellen Übergriffs, welcher der ehemalige Freund  ihr gegenüber nicht  bestritten  haben  soll,  sei  sie  schwanger  geworden.  Während  der  Schwangerschaft  sei  sie  vom  Vater  des  Kindes  konstant  bedroht  und  bedrängt  worden.  Dieser  habe  sie  auch  davor  gewarnt,  jemanden  darüber  zu  informieren.  Nichts  desto  trotz  hat  sie  sich  mit  diversen  Schreiben  an  die  F._______,  die  G._______  und  die  H._______  gewendet,  jedoch ohne  irgendeine Unterstützung erhalten zu haben. Da  seit  der  Geburt  des  Kindes  Unbekannte  in  der  Wohnregion  der  Beschwerdeführerin  nach  ihr  gefragt  hätten,  sei  die  Betroffene  aus  Sicherheitsgründen  zu  ihrer  Mutter  umgezogen,  wobei  sie  auch  ihr  Festnetztelefonanschluss  gekündigt  habe.  Die  Betroffene  habe  jedoch  weiterhin  Angst  vor  der  Verfolgung  durch  E._______,  da  die  Familie  dieser Person über viele Beziehungen, insbesondere auch zu kriminellen  Gruppierungen,  verfüge.  Zusammen  mit  ihrem  Asylgesuch  reichte  die  Gesuchstellerin diverse Dokumente als Beweismittel ein.  B.  Die  Schweizer  Botschaft  in  Kolumbien  übermittelte  das  Asylgesuch mit  den  Akten  am  20. Januar 2010  zuständigkeitshalber  an  das  BFM  (Eingang beim BFM: 28. Januar 2010). C.  Mit  Zwischenverfügung  vom  6. Oktober 2010  teilte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden mit, dass es den entscheidrelevanten Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  des  Asylgesuchs  und  der  eingereichten  ausführlichen Dokumentation  als  erstellt  erachte, weshalb  eine Anhörung auf der Botschaft nicht notwendig erscheine. Im Weiteren  erwäge  das  Bundesamt  –  unter  Berücksichtigung  der  Akten,  der  zu  beachtenden Aspekte und des ihm zukommenden Ermessenspielraumes  – das  Asylgesuch  abzuweisen  und  den  Beschwerdeführenden  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  verweigern.  Insbesondere  erachte  es  die  Möglichkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  als  gegeben.  Das  BFM 

D­2635/2011 eröffnete  den  Beschwerdeführenden  im  Rahmen  ihres  rechtlichen  Gehörs  die  Gelegenheit, sich innert 30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung dazu  zu äussern. D.  Mit  Verfügung  vom  5. April 2011  hat  das  BFM  das  Asylgesuch  abgewiesen und den Beschwerdeführenden die Einreise  in die Schweiz  verweigert.  In  der Verfügung hielt  das Bundesamt  zunächst  in  formeller  Hinsicht fest, dass die Betroffenen von dem ihnen gewährten rechtlichen  Gehör  gemäss  Zwischenverfügung  vom  6. Oktober 2010  keinen  Gebrauch gemacht hatten. Es kam somit zum Schluss, dass gestützt auf  die  Eingabe  der  Beschwerdeführenden  sowie  der  damaligen  Aktenlage  die  Gefährdungssituation  abschliessend  beurteilt  werden  könne.  In  materieller Hinsicht  führte das BFM zur Begründung der Abweisung des  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  aus,  dass  die  Beschwerdeführerin  den  geltend  gemachten  sexuellen  Missbrauch  gegenüber  den  lokalen  Behörden  nicht  erwähnt  habe.  Sodann  ergehe  aus  den  eingereichten  Beweismitteln (Schreiben an die F._______ vom 12. Mai 2009, Schreiben  an  die  G._______  vom  15. Mai 2009  und  Schreiben  an  die  H._______  vom  7. Januar 2010)  klar  hervor,  dass  es  sich  bei  der  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  Verfolgung  hauptsächlich  um  einen  Alimente­Streit  handeln  würde,  da  der  Vater  des  Kindes  sich  weigere  sie  finanziell  oder  emotional  zu  unterstützen.  Zudem würde  es  sich  bei  der  Verfolgung  ohnehin  nicht  um  eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  handeln,  angesichts  der  Tatsache,  dass  der  im  Asylgesuch  geltend  gemachten  Verfolgung  ein  privater  Streit  zu  Grunde  liegt.  Des  Weiteren  sei  davon  auszugehen,  dass  ihnen  innerstaatliche  Fluchtvarianten offen stünden und sie sich mithin in einer anderen Region  Kolumbiens  niederlassen  könnten,  da  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden  nicht  um  landesweit  bekannte  Personen  handle.  Zudem  sei  nicht  anzunehmen,  dass  der  Vater  des  Sohnes  oder  die  Gruppierungen,  zu  denen  er  Verbindungen  habe,  die  Betroffenen  an  einem beliebigen Ort in Kolumbien ausfindig machen könnten. Ferner sei  es  für  sie  möglich  und  insbesondere  aufgrund  der  fehlenden  nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  zumutbar,  gegebenenfalls  in  einem  anderen  Land als der Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise in einem  der  Nachbarstaaten  Kolumbiens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom  28. Juli 1951  über  die Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als auch das entsprechende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 1967  ratifiziert 

D­2635/2011 hätten;  namentlich  die Nachbarstaaten Brasilien, Ecuador, Panama und  Peru.  E.  Mit  spanischsprachiger  Eingabe  vom  30. April 2011  an  die  Schweizer  Botschaft  (Eingang  bei  der  Schweizer  Botschaft:  2. Mai 2011),  welche  ebenfalls  am  2. Mai 2011  von  der  Botschaft  dem  Bundesverwaltungsgericht  (Eingang:  9. Mai 2011)  weitergeleitet  wurde,  beantragten  die  Beschwerdeführenden  sinngemäss,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  ihnen  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen  beziehungsweise  Asyl  zu  gewähren.  Auf  die  Begründung  und  die  eingereichten  Beweismittel  wird,  soweit  für  den  Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.    Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  im  Bereich  des  Asyls  endgültig  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anders bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Amtssprachen des Bundes sind das Deutsche, Französische und  Italienische  (vgl.  Art.  70  Abs.  1  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR  101]) 

D­2635/2011 Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  abgefasst.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  folglich  aus  prozessökonomischen  Gründen ohne präjudizielle Wirkung vorliegend auf eine Rückweisung der  Beschwerde  und  das  Einfordern  einer  Beschwerdeverbesserung  beziehungsweise Übersetzung der zweiseitigen Eingabe vom 9. Februar  2011  verzichtet.  Nach  erfolgter  amtlicher  Übersetzung  der  spanischsprachigen  Eingabe  sind  die  Rechtsmittelanträge  bekannt  und  hinreichend  begründet.  Der  vorliegende  Entscheid  ergeht  in  deutscher  Sprache (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).  1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  –  mit  Ausnahme  des  genannten  sprachlichen Mangels –  formgerecht eingereicht  (Art. 108 Abs. 1 AsylG,  Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Die Beschwerdeführenden sind durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a  Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  In  formeller Hinsicht  ist zunächst  festzuhalten, dass gemäss Art. 19  AsylG  ein Asylgesuch  im Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung  gestellt  werden  kann,  welche  es  mit  einem  Bericht  an  das  Bundesamt  überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertretung führt mit 

D­2635/2011 der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art.  10  Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.311]).  Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bundesverwaltungsgericht hat  in Auslegung dieser Bestimmungen in BVGE 2007/30 erkannt, dass sich  die  Unmöglichkeit  einer  Befragung  aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen  Gründen  bei  der  jeweiligen  Vertretung,  aus  faktischen  Hindernissen  im  betreffenden  Land  oder  aus  bei  der  asylsuchenden  Person  liegenden  persönlichen  Gründen  ergeben  kann  (vgl.  BVGE  a.a.O.  E.  5.2  und  5.3).  Da  die  Anhörung  der  Sachverhaltserstellung  sowie  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  dient  (vgl.  BVGE  a.a.O.  E.  5.5),  ist  die  asylsuchende  Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit  einer  Anhörung  unter  Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungspflicht  in einem  individualisierten Schreiben mittels konkreter  Fragen  aufzufordern,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardisiertes  Schreiben  vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller  Regel nicht zu genügen  (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich  eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt  bereits  aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden  Person  ist  aber  diesfalls  immerhin  im Sinne des  rechtlichen Gehörs  die  Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid  zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist  das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung  in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen  (vgl. BVGE a.a.O.  E. 5.6 sowie 5.7). 4.2.  Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der  schweizerischen  Vertretung  in  Bogotá  zu  ihrem  Asylgesuch  vom  21. Dezember 2009  nicht  befragt.  Eine  Anhörung  fand  nicht  statt,  da  einerseits das BFM aufgrund der Aktenlage, namentlich der schriftlichen  Begründung  des  Asylgesuchs  sowie  der  beigelegten  ausführlichen  Dokumentation,  den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  als  erstellt  und  folglich eine Anhörung als nicht notwendig erachtete sowie andererseits,  weil die Botschaft aus gerichtsnotorischen und mithin nachvollziehbaren  Kapazitätsgründen  dazu  nicht  in  der  Lage  war.  Den  Beschwerdeführenden wurde  indessen mit Zwischenverfügung des BFM  vom  6. Oktober 2010  Gelegenheit  zur  weiteren  Konkretisierung  ihrer  Asylgründe  sowie  das  rechtliche  Gehör  im  Hinblick  auf  die  vom  Bundesamt in Erwägung gezogene Abweisung des Asylgesuchs gewährt; 

D­2635/2011 die  Beschwerdeführenden  haben  gestützt  darauf  keine  weitere  Stellungnahme  abgegeben  und  mithin  auf  diesen  Anspruch  verzichtet.  Aufgrund  der  einlässlichen  Ausführungen  der  Beschwerdeführenden  in  ihrem  schriftlichen  Asylgesuch  und  den  weiteren  Eingaben  sowie  der  zahlreichen  von  ihnen  eingereichten  Beweismittel  erscheint  sodann  der  etscheidwesentliche  Sachverhalt  –  wie  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu Recht  ausführt  – als genüglich abgeklärt. Schliesslich hat  das  BFM  in  seiner  Zwischenverfügung  vom  6. Oktober 2010  sowie  der  angefochtenen  Verfügung  vom  5. April 2011  das  Absehen  von  persönlichen  Anhörungen  begründet.  Bei  dieser  Sachlage  ist  festzuhalten,  dass  das  BFM  den  verfahrensrechtlichen  Anforderungen  Genüge getan hat. 5.  5.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 5.2. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn  die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können  oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl.  Art.  3,  Art.  7  und Art.  52 Abs.  2 AsylG). Gemäss Art.  20 Abs.  2 AsylG  bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes, wenn  ihnen nicht  zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen.  5.3. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und 

D­2635/2011 Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  die  weiterhin  zutreffende  Praxis  gemäss  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr.  15,  insbesondere  S.  131  ff.,  welche  angesichts  bloss  redaktioneller  Änderungen bei der  letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor  Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung  ist dabei die Schutzbedürftigkeit  der betroffenen Personen  (vgl. EMARK  1997  Nr.  15  E.  2c  S.  130),  mithin  die  Prüfung  der  Fragen,  ob  eine  Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet werden kann. 6.  6.1. Nach der Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht  zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, die  Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrem  Gesuch  keine  besonders  nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht.  Im  Weiteren  hat  das  Bundesamt  zu  Recht  erwogen,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  zuzumuten  sei,  in  einem  anderen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen  (vgl.  Art.  52  Abs.  2  AsylG).  So  sind  beispielsweise  die  Nachbarstaaten  Brasilien,  Ecuador,  Panama  und  Peru  Vertragsparteien  sowohl  der  FK  als  auch  des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31.  Januar 1967; Venezuela wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht  ratifiziert, wohl aber das Protokoll. Diese Länder verfügen mit Ausnahme  Venezuelas  über  ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von  Flüchtlingen.  Zudem  halten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non­Refoulements  von  Art.  33  FK,  auch  wenn  als  Einschränkung festgestellt werden muss, dass es in den Grenzgebieten –  insbesondere  denjenigen  zu  Panama  und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu  unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die  Grenzbehörden  gekommen  ist.  Für  die  praktische Möglichkeit  und  die  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  spricht  im  Weiteren  die  Möglichkeit  der  visumsfreien  Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und  Peru  sowie  der  Umstand,  dass  jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staatsangehörige  in den Nachbarländern – namentlich  in Ecuador – um  Asyl nachsuchen und dort zu einem beträchtlichen Teil auch  tatsächlich  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden.  Insgesamt  ergeben  sich  demnach  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen  liessen,  es  sei  den  Beschwerdeführenden  praktisch  unmöglich  oder  objektiv  unzumutbar,  sich  in  einen  anderen  Staat,  insbesondere  einen  der  Nachbarstaaten 

D­2635/2011 Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20; 1997 Nr. 15 E. 2f S.  132). Dies gilt umso mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, dass es sich  bei  den  Beschwerdeführenden  nicht  um  landesweit  bekannte  Persönlichkeiten  handelt,  die  aufgrund  ihrer  besonders  exponierten  Stellung  auch  bei  einer  Flucht  ins  nahe  Ausland  allenfalls  befürchten  müssten, weiterhin verfolgt zu werden. 6.2. In der Beschwerde vom 30. April 2011 macht die Beschwerdeführerin  eine  schwerwiegende  Angstsituation  geltend,  verbunden  mit  der  ständigen Furcht,  in Kolumbien verfolgt und  lebensgefährlich bedroht zu  werden. Um ihr Leben und dasjenige ihrer Familie vor der intensiven und  brutalen  Verfolgung  durch  ihren  ehemaligen  Freund  zu  schützen,  sah  sich die Beschwerdeführerin demnach schon mehrere Male gezwungen,  für  sich  und  ihre  Familie  auch  ausserhalb  ihres  Wohnsitzortes,  dauerhaften Schutz zu suchen.  Zu  den  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemachten  Vorbringen  ist  zu  sagen,  dass  sie  den  bereits  von  der  Vorinstanz  beurteilten  Sachverhalt  nicht  zu  ändern  vermögen.  Bei  dieser  Sachlage  kann  letztlich  offen  bleiben,  ob  sich  die  Beschwerdeführenden  der  geltend  gemachten  Verfolgung  –  welcher  letztendlich,  wie  von  der  Vorinstanz  korrekt  ausgeführt, ein privater Streit ohne asylrechtliche Relevanz im Sinne von  Art  3  AsylG  zu  Grunde  liegt  –  in  Kolumbien  allenfalls  durch  eine  innerstaatliche Wohnsitzverlegung dauerhaft entziehen können. 6.3. Nach  dem  Gesagten  ist  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführenden  aufgrund  der  Akten  über  keine  konkrete  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  verfügen,  hingegen  aber  die  Möglichkeit  der anderweitigen Schutzsuche haben. Unter diesen Umständen hat die  Vorinstanz zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und  die Asylgesuche abgewiesen. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen.  8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  an  sich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG);  aus 

D­2635/2011 verwaltungsökonomischen Gründen wird indessen in Anwendung von Art.  6  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf das Erheben von Verfahrenskosten verzichtet. (Dispositiv nächste Seite)  

D­2635/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Kosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  die  Schweizer  Vertretung in Bogotá und das BFM. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Daniele Cattaneo Bruno D'Amaro Versand:

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