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Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 D-2128/2009

10. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,652 Wörter·~13 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Februar 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2128/2009 law/auj Urteil   v om   1 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),  Richterin Muriel Beck Kadima, Richterin Contessina Theis;  Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […], Sri Lanka,  vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  […] Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 25. Februar 2009 / N […].

D­2128/2009 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  –  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie aus Z._______  (Nordprovinz) mit  letztem Wohnsitz  in Y._______  (Jaffna)  –  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  am  3. September  2007  auf  dem  Luftweg  und  reiste  über  Italien  am  4. September  2007  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  am  selben  Tag  um  Asyl  nachsuchte.  Am  19.  September  2007  erhob  das  BFM  im  damaligen  Transitzentrum  Altstätten  seine  Personalien  und  befragte  ihn  zum  Reiseweg  sowie  –  summarisch  –  zu  den  Asylgründen.  Mit  Zwischenverfügung vom 9. Oktober 2007 wies ihn das BFM für die Dauer  des Asylverfahrens dem Kanton X._______ zu. Am 14. November 2007  hörte das BFM den Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen an.  B.  Zur  Begründung  des  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  als  Inhaber  eines Coiffeursalons  sowohl  Angehörige  der  srilankischen  Armee  als  auch  solche  der  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  zu  seinen  Kunden  gezählt.  In  der  relativ  friedlichen  Zeit  während  des  Waffenstilltandes  sei  er  zum  Haareschneiden auch in die Camps der Armee und der LTTE gegangen.  Als  der  Krieg  im  Jahr  2007  wieder  ausgebrochen  sei,  sei  er  aus  Sicherheitsgründen nicht mehr  in die Camps gegangen. Soldaten hätten  ihn mehrmals aufgefordert, wieder  in  ihr Camp zum Haareschneiden zu  kommen,  doch  er  habe  sich  jeweils  geweigert  und  ihnen  gesagt,  sie  sollten zu ihm ins Geschäft kommen. Im Juli 2007 hätten sie ihn deshalb  einmal  geschlagen.  Als  er  sich  immer  noch  geweigert  habe,  hätten  sie  ihm  seine  Identitätskarte  weggenommen  und  ihn  aufgefordert,  diese  im  Soldatencamp  W._______  abzuholen,  was  er  aus  Angst  nicht  getan  habe.  In  der Nacht  vom  9.  auf  den  10. Juli  2007  hätten Unbekannte  in  Polizeiuniform  ihn  in einem weissen Lieferwagen mitgenommen und  ihn  bis zum nächsten Morgen festgehalten. Sie hätten ihn verprügelt und ihm  vorgeworfen, die LTTE zu unterstützen und der Armee über diese keine  Informationen  zu geben. Er  habe den Soldaten  gesagt,  die  LTTE­Leute  kämen in sein Geschäft, um sich die Haare schneiden zu lassen, wie die  Soldaten auch. Sie hätten gedroht, ihn umzubringen, wenn er jemandem  von  diesem  Vorfall  erzähle.  Wegen  dieser  Drohung,  weil  er  keine  Identitätskarte  gehabt  habe  und  der  Polizeiposten  im  Militärcamp  W._______ liege, habe er keine Anzeige bei der Polizei erstattet, sondern  sich am 12. Juli 2007  lediglich bei der Human Rights Commission of Sri 

D­2128/2009 Lanka  (HRCSL)  in  Jaffna  gemeldet.  Am  16. Juli  2007  sei  er  von  V._______  nach  Colombo  geflogen  und  habe  sich  dort  bis  am  3. September  2007  bei  seiner  Ehefrau  aufgehalten,  welche  im  Februar  2007  nach  Colombo  gereist  sei  und  dort  am  2. Juni  2007  ihr  gemeinsames  Kind  geboren  habe.  Ihm  sei  in  Colombo  zwar  nichts  passiert,  doch würden  dort  öfters  Tamilen  verhaftet  und  nach Vavuniya  geschickt oder zwecks Lösegelderpressung entführt. Aus Angst, dass ihm  auch  so  etwas  passieren  könnte,  habe  er  das  Land  schliesslich  am  3. September 2007 verlassen. Nach seiner Ausreise seien fremde Leute  zu  seinem  Haus  gekommen  und  hätten  nach  ihm  gefragt.  Er  werde  in  Jaffna wegen seines Problems mit der Identitätskarte gesucht und würde  bei einer Rückkehr sogleich verhaftet. Seine Ehefrau habe geplant, nach  der  Niederkunft  ins  Dorf  zurückzukehren,  doch  da man  ihn  dort  suche,  könne  sie  nicht  zurück,  und  die  Polizei  habe  sich  geweigert,  ihre  Anmeldung in Colombo entgegenzunehmen.  C.  Mit Verfügung vom 25. Februar 2009 – eröffnet am 2. März 2009 – stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das Asylgesuch  ab. Gleichzeitig  verfügte  das Amt  die  Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den  Vollzug der Wegweisung an. Eine Rückkehr  in den Norden des Landes  erachtete  das  Bundesamt  als  unzumutbar;  zumutbar  sei  hingegen  die  Rückkehr  nach Colombo,  habe der Beschwerdeführer  sich doch bereits  vor der Ausreise in der srilankischen Hauptstadt aufgehalten und verfüge  er  dort  mit  seiner  Ehefrau,  dem  gemeinsamen  Kind  und  einem  Bruder  über ein familiäres Beziehungsnetz.  D.   Gegen diesen Entscheid  liess der Beschwerdeführer mit Eingabe seines  Rechtsvertreters  vom  1. April  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erheben und beantragen, die vorinstanzliche Verfügung vom  25. Februar 2009 sei aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung und  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen  Sachverhaltes  an  das  BFM  zurückzuweisen;  eventuell  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren;  eventuell  seien  die  Dispositivziffern  3  und  4  der  Verfügung  aufzuheben  und  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er um vollumfängliche Akteneinsicht –  insbesondere  in  die  Akte  A13  –  sowie  um  die  Ansetzung  von 

D­2128/2009 angemessenen Fristen zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung und  von neuen Beweismitteln ersuchen. Schliesslich  liess er beantragen, es  sei dem unterzeichnenden Anwalt vor Gutheissung der Beschwerde eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung  einer  detaillierten  Kostennote  zur  Bestimmung der Parteientschädigung einzuräumen.  E.  Mit  Verfügung  vom 15. April  2009  verzichtete  der  Instruktionsrichter  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses und verwies die Behandlung der  Anträge  um  Fristansetzung  zwecks  Einreichens  einer  Beschwerdeergänzung und von neuen Beweismitteln auf einen späteren  Zeitpunkt.  Gleichzeitig  lud  er  das  BFM  ein,  innert  Frist  eine  Stellungnahme  zur  Beschwerde,  namentlich  auch  zum  Akteneinsichtsgesuch, einzureichen.  F.  Mit Eingabe vom 20. April 2009 liess der Beschwerdeführer dem Gericht  Kopien  des  Reisepasses  seines  Bruders  sowie  einer  am  2. April  2009  ausgestellten  Wohnsitzbestätigung  des  Divisional  Secretariat,  U._______,  Z._______  zukommen  und  ersuchte  um  Weiterleitung  derselben  ans  BFM  zur  Berücksichtigung  in  der  laufenden  Vernehmlassung.  Er  machte  geltend,  aus  der  Passkopie  gehe  hervor,  dass  der  Bruder  sich  in  Malaysia  aufhalte,  und  der  Wohnsitzbescheinigung  sei  zu  entnehmen,  dass  die  Eltern  des  Beschwerdeführers,  seine  Ehefrau  sowie  sein  Kind  in  T._______,  S._______, Y._______  (Jaffna) angemeldet seien und auch dort  lebten.  Daraus  sei  zu  schliessen,  dass  das  vom  BFM  im  angefochtenen  Entscheid aufgeführte Beziehungsnetz in Colombo nicht bestehe.  G.  Mit  Eingabe  vom  23. April  2009  wurde  das  Original  der  Wohnsitzbestätigung nachgereicht.  H.  Im  Rahmen  des  Schriftenwechsels  hob  das  BFM  mit  Verfügung  vom  6. Mai 2009 die Dispositivziffern 4 und 5 des angefochtenen Entscheids  vom  25. Februar  2009  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffend  wiedererwägungsweise  auf  und  nahm  den  Beschwerdeführer  wegen  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig auf. 

D­2128/2009 I.  Mit  Verfügung  vom  14. Mai  2009  stellte  der  Instruktionsrichter  fest,  die  Beschwerde  vom  1. April  2009  sei  hinsichtlich  des  Vollzugs  der  Wegweisung  gegenstandslos  geworden  und  fragte  den  Beschwerdeführer  an,  ob  er  an  den  Begehren  betreffend  Flüchtlingseigenschaft,  Asylgewährung  und  Wegweisung  festhalte  oder  die  Beschwerde  zurückziehe.  Gleichzeitig  hiess  er  das  Akteneinsichtsgesuch gut,  gewährte dem Rechtsvertreter Einsicht  in die  vorinstanzliche  Akte  A13  und  setzte  eine  Frist  zu  Stellungnahme  zu  dieser Akte an.  J.  Mit Eingabe vom 28. Mai 2009 liess der Beschwerdeführer mitteilen, dass  er  an  der  Beschwerde  festhalte,  und  nahm  innert  Frist  zur  Akte  A13  Stellung.  Unter  Beilage  der  UNHCR­Eligibility  Guidelines  for  assessing  the  International  Protection  Needs  of  Asylum­Seekers  from  Sri  Lanka  vom  April  2009  äusserte  er  sich  auch  zur  Entwicklung  der  Lage  in  Sri  Lanka und zu seiner Gefährdungssituation.  K.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  24. August  2010  nahm  der  Beschwerdeführer  nochmals  Stellung  zur  aktuellen  politischen  Situation  in Sri Lanka und zur Gefährdungslage und reichte weitere Unterlagen ein  (unter  anderen  die  aktuellen  UNHCR­Richtlinien  zur  Beurteilung  der  Schutzbedürftigkeit  von Asylsuchenden aus Sri  Lanka vom 5. Juli  2010,  den Bericht 2010 zu Sri Lanka von Amnesty International, die Position der  Schweizerischen Flüchtlingshilfe  [SFH] zu Asylsuchenden aus Sri Lanka  vom  8. Dezember  2009,  Auszüge  aus  Websites  von  srilankischen  Regierungsstellen sowie diverse Medienberichte und ­mitteilungen).  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.   1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist somit eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 

D­2128/2009 Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  Beschwerde  führende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist daher zur Einreichung der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1  VwVG). Auf die frist­ und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1  VwVG) ist einzutreten.  2.  Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.   3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG).  3.2.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 

D­2128/2009 flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in  ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE  2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38  f.,  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 3.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  4.  4.1. Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheides  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  stand.  Im  Einzelnen  führt  es  aus,  bei  den  Problemen,  welchen  der  Beschwerdeführer in Y._______ (Jaffna) ausgesetzt gewesen sei, handle  es  sich  um  lokal  oder  regional  beschränkte  Verfolgungsmassnahmen,  denen er sich durch Wegzug nach Colombo habe entziehen können. Er  verfüge somit über eine innerstaatliche Fluchtalternative und sei nicht auf  den Schutz  der Schweiz  angewiesen.  In  dieser Einschätzung  sieht  sich  das  Bundesamt  dadurch  bestätigt,  dass  der  Beschwerdeführer  am  16.  Juli  2007  von  V._______  nach  Colombo  geflogen  sei;  da  solche  Flüge  strengen  Sicherheitskontrollen  unterstünden  und  eine  behördliche  Bewilligung  voraussetzten,  könne  ein  landesweit  bestehendes  Verfolgungsinteresse  der  srilankischen  Behörden  am  Beschwerdeführer  mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.  Hätte  dieser  tatsächlich  befürchtet,  dass  seitens  der  Behörden  etwas 

D­2128/2009 gegen  ihn vorliege, wäre er zudem nicht mit einem legal erhaltenen, auf  seine wahre  Identität ausgestellten Reisepass aus Sri Lanka ausgereist.  Die  Befürchtung  des  Beschwerdeführers,  künftig  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt  zu  sein,  bezeichnete  das BFM bei  einer objektiven Betrachtungsweise als nicht begründet im Sinne von Art.  3  AsylG.  Das  Wiederaufflammen  des  bewaffneten  Konfliktes  zwischen  der  srilankischen Armee und der  LTTE  im Sommer 2006 habe  zwar  zu  einer  erheblichen  Verschlechterung  der  Lage  zunächst  im  Osten  des  Landes und später im Norden geführt, und die Situation präsentiere sich  auch  im Süden als  schwierig. Die häufigen behördlichen Kontrollen  von  Personen  tamilischer  Ethnie  in  Colombo  stellten  in  der  Regel  jedoch  keine  Massnahmen  dar,  welche  ein  asylrechtlich  relevantes  Ausmass  erreichen würden. Da gegen den Beschwerdeführer offensichtlich nichts  vorliege,  könne  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  ausgeschlossen  werden,  dass  er  anlässlich  derartiger  Kontrollen  von  einem  ernsthaften  Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG betroffen würde.  4.2.  In  der  Beschwerde  vom  1.  April  2009  wird  demgegenüber  ausgeführt,  die  Einschätzung  des  BFM,  es  bestehe  kein  landesweites  Verfolgungsinteresse  am  Beschwerdeführer,  da  er  unbehelligt  nach  Colombo  habe  fliegen  können,  sei  willkürlich.  Dieser  habe  bereits  anlässlich der Anhörung erklärt, dass er die Bewilligung für die Reise und  den  Flug  nach  Colombo  im  Hinblick  auf  die  Geburt  seines  Kindes  in  einem  dortigen  Spital  schon  vor  den  geltend  gemachten  Verfolgungsereignissen  erhalten  habe.  Er  habe  plausibel  und  substanziiert  geschildert,  dass  er  Jaffna  aufgrund  von  asylrechtlich  relevanter Verfolgung habe verlassen müssen und sich in Colombo nicht  legal  aufgehalten,  sondern  beim  Onkel  seiner  Ehefrau  versteckt  gelebt  und  das Haus  aus Angst  vor  einer  Festnahme wegen  seiner  fehlenden  Identitätspapiere  nie  verlassen  habe.  Eine  legale  Wohnsitznahme  und  Erwerbstätigkeit in Colombo sei ihm im Jahr 2007 nicht möglich gewesen,  weil eine Anmeldung ohne Identitätskarte eine Anfrage bei den Behörden  des  Heimatortes  ausgelöst  und  damit  unweigerlich  die  Verdachtsmomente der Behörden von Jaffna zu Tage gebracht und nicht  nur  den  Beschwerdeführer  selbst  gefährdet  hätte,  sondern  auch  seine  Familie.  Auch  die  Behauptung  des  BFM,  der  Beschwerdeführer  sei  mit  seinem  eigenen  Pass  ausgereist,  widerspreche  klar  dessen  Aussagen,  habe  er  doch  anlässlich  der  Anhörung  dargelegt,  nicht  zu  wissen,  mit  welchem Pass er ausgereist sei, da er seinen Pass aus dem Jahr 2003  zusammen mit  vier  Fotos  habe  abgeben müssen;  die  Erfahrung  zeige,  dass  die  Schlepper  mit  solchen  Fotos  gefälschte  Pässe  anfertigen 

D­2128/2009 würden.  Wie  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Grundsatzurteil  vom 14. Februar 2008 festgehalten habe, habe sich die allgemeine Lage  auch  im  Grossraum  Colombo  dramatisch  verschlechtert.  Die  dortige  Polizei  verweigere  die  Registrierung  von  Tamilen  aus  dem  Osten  und  Norden, wodurch sie diese zwinge, in ihre Heimatregion zurückzukehren.  In  der  Eingabe  vom  28.  Mai  2009  wird  ausgeführt,  die  unbekannten  Gruppen,  welche  im  Norden  des  Landes  gegen  Tamilen  vorgingen,  welche  der  Unterstützung  der  LTTE  verdächtigt  würden,  seien  mit  den  srilankischen Sicherheitskräften verbunden oder gar Teil derselben; dies  bedeute,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  dieser  Verdächtigungen  "wegen einer Mitarbeit zu Gunsten der LTTE" bei den Sicherheitskräften  registriert  sei  (Seite  1  f.  der  Eingabe).  Seit  dem militärischen  Sieg  der  srilankischen  Armee  über  die  LTTE  habe  sich  die  Gefährdungslage  für  den  Beschwerdeführer  verstärkt,  weil  die  Sicherheitskräfte  im  Unterschied  zu  früher  die  Informationen  über  mögliche  Aktivitäten  von  Tamilen  zu  Gunsten  der  LTTE  zentral  registriert  hätten  und  entsprechende Listen mit Verdächtigen  führten;  aufgrund der  gegen  ihn  im Jahr  2007 erhobenen Verdächtigungen  sei  davon auszugehen,  dass  er  auf  den  genannten  Listen  erscheine.  Personen,  welche  früher  im  Zusammenhang mit Aktivitäten  für  die  LTTE  registriert wurden,  stünden  unter besonderer Beobachtung und riskierten bei einer Festnahme in Sri  Lanka  unabhängig  von  ihrem  Aufenthaltsort  eine  Inhaftierung  ohne  Gerichtsverfahren  auf  unbestimmte  Dauer.  Dies  entspreche  einer  Verfolgung  aus  politischen  und  ethnischen  Gründen.  Der  Beschwerdeführer  erfülle  gleich  mehrere  Punkte  des  im  beigelegten  UNHCR­Bericht  vom  April  2009  aufgelisteten  Risikoprofils  von  in  einen  Zusammenhang mit der LTTE gebrachten Tamilen aus dem Norden und  müsse deshalb in Sri Lanka mit einer landesweiten Verfolgung rechnen.  In  der  Eingabe  vom  24. August  2010 wird  unter  Hinweis  auf  öffentlich  zugängliche  Quellen  im  Wesentlichen  vorgebracht,  grundsätzlich  seien  alle  Personen,  die  von  den  srilankischen  Sicherheitskräften  verdächtigt  würden,  Aktivisten,  Spione  oder  Sympathisanten  der  LTTE  zu  sein  beziehungsweise  gewesen  zu  sein,  gefährdet.  Im Hinblick  auf  das  Ziel,  eine  Neuformierung  der  LTTE  zu  verhindern,  werde  die  gesamte  tamilische  Bevölkerung  einem  Screening­Prozess  unterzogen  und  zunächst  in  von  der  Armee  geführten  Lagern  untergebracht.  Wer  verdächtigt  werde,  ein  Tamil  Tiger  zu  sein,  werde  in  Sicherheitslager  verlegt  und  dort  auf  unbestimmte  Dauer  inhaftiert.  Aus  dem  Norden  stammende,  junge  Tamilen  würden  bei  Checkpoints  besonders  häufig 

D­2128/2009 kontrolliert.  Die  Gefahr  einer  Verschleppung  steige  deutlich,  wenn  sich  Verbindungen  zur  LTTE  oder  eine  LTTE­Vergangenheit  nachweisen  liessen. Willkürliche Verhaftungen und Verschleppungen von Tamilen aus  dem  Norden  seien  auch  wahrscheinlich,  wenn  diese  keine  Identitätsdokumente vorweisen könnten, sich ohne offizielle Adresse oder  nachvollziehbare  Gründe  in  Colombo  aufhielten  und  dort  über  kein  familiäres  Netz  verfügten.  Dem  Screening­Prozess  würden  auch  die  Familienmitglieder  vermeintlicher  LTTE­Aktivisten  unterzogen.  Für  Tamilen  aus  dem  Norden,  welche  für  die  LTTE  tätig  waren  oder  im  Verdacht  stünden,  mit  diesen  sympathisiert  oder  für  sie  spioniert  zu  haben,  bestehe  aufgrund  der  landesweiten  Suche  keine  inländische  Fluchtalternative.  Eine  solche  müsse  gemäss  völkerrechtlichen  Bestimmungen  bereits  bei  der  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft –  und nicht erst im Rahmen des Wegweisungsverfahrens – geprüft werden,  da Betroffenen sonst eine vorläufige Aufnahme erteilt werde, obwohl gar  keine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe.  Der  Beschwerdeführer  habe  das  Misstrauen  der  srilankischen  Sicherheitskräfte erregt und den Verdacht auf sich gezogen, die LTTE zu  unterstützen, weil er einerseits die Weisung von Armeeangehörigen nicht  befolgt  habe,  seine  Dienste  als  Coiffeur  auch  nach  Beendigung  des  Waffenstillstandes  weiterhin  im Militärcamp W._______  anzubieten  und  dort  seine  Identitätskarte  abzuholen,  und  andererseits  wegen  seiner  Tätigkeit als Coiffeur, aufgrund welcher er  in  regelmässigem Kontakt  zu  aktiven Mitgliedern der Tamil Tigers gestanden habe. Zudem habe man  ihm  vorgeworfen,  keine  Informationen  über  diese  LTTE­Leute  preiszugeben  und  die  LTTE  finanziell  zu  unterstützen.  Nach  seiner  Ausreise  hätten  Unbekannte  vor  seinem  Haus  nach  ihm  gesucht,  und  auch seine Ehefrau habe seinetwegen Probleme bekommen, als sie von  Colombo  weggezogen  sei  und  sich  in  ihrem  Dorf  habe  niederlassen  wollen. Der Beschwerdeführer sei überzeugt, dass man ihn im Falle einer  Rückkehr nach Sri Lanka "sofort" verhaften würde, weil "sein ID­Problem  in  Jaffna  registriert"  sei  und er  deswegen gesucht werde,  respektive  es  sei  anzunehmen,  dass  er  auf  einer  schwarzen  Liste  der  srilankischen  Sicherheitskräfte  aufgeführt  sei  und  deshalb  bei  einer  Rückkehr  "früher  oder später" festgenommen würde (Seite 9 der Eingabe vom 24. August  2010)  5.  5.1.  

D­2128/2009 5.1.1.  Einleitend  ist  festzuhalten,  dass  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  er  habe  sich  nach  dem  Wiederaufflammen  des  Krieges  im  Jahr  2007 aus Sicherheitsgründen  nicht mehr  in  die Camps  des Militärs und zu den LTTE begeben, sondern sei seiner Tätigkeit als  Coiffeur  nur  noch  im  eigenen  Geschäft  nachgegangen,  durchaus  nachvollziehbar  ist.  Den  Soldaten,  welche  ihn  aufforderten,  wieder  zu  ihnen  ins  Camp  zum Haareschneiden  zu  kommen,  und  ihm  vorwarfen,  einer  entsprechenden  Aufforderung  der  LTTE  würde  er  auch  nachkommen, entgegnete er klar, er komme nicht mit, und zu den LTTE  ginge  er  auch  nicht.  "Dann  habe  ich  gesagt,  alle  dürfen  zu  mir  in  den  Salon  kommen,  und  wenn  man  zahlt,  dann  mache  ich  das"  (vgl.  act.  A11/17 S. 7). Den Unbekannten  in Polizeiuniform, welche  ihn am 9. Juli  2007  in  einem  weissen  Lieferwagen  mitnahmen,  ihn  festhielten  und  schlugen  und  ihm  vorwarfen,  die  LTTE  zu  unterstützen,  antwortete  er  eigenen  Angaben  zufolge:  "Nein,  ich  habe  die  LTTE  nicht  unterstützt.  Auch in meiner Familie hat niemand mit den LTTE etwas zu tun." Als sie  ihm vorhielten,  LTTE­Leute  kämen  immer  zu  ihm zum Haareschneiden,  entgegnete  er  ihnen,  die  Armeeangehörigen  kämen  auch.  "Ich  frage  niemanden,  wer  er  ist.  Ich  schneide  die  Haare,  und  ich  verlange  mein  Geld"  (vgl.  act.  A11/17  S.  8).  Aus  seinen  anlässlich  der  Anhörung  protokollierten Aussagen ist zu schliessen, dass es sich bei ihm um einen  apolitischen  Inhaber  eines  Coiffeursalons  handelt,  welcher  Kunden  jeglicher  Couleur  die  Haare  schnitt  und  sich  aus  wirtschaftlichem  Interesse  im  bewaffneten  Konflikt  zwischen  den  Sicherheitskräften  und  den  LTTE  bewusst  jeglicher  Parteinahme  enthielt.  Anlässlich  der  Anhörung verneinte der Beschwerdeführer denn auch ausdrücklich, in Sri  Lanka  jemals  politisch  aktiv  gewesen  zu  sein  (vgl.  act.  A11/17  S.  3).  Ferner  erklärte  er,  die  LTTE  hätten  ihn  zwar  aufgefordert,  an  Kampfhandlungen  teilzunehmen;  er  habe  sich  aber  geweigert  und  er  habe deswegen keine Probleme gekriegt (vgl. act. A11/17 S. 6). Somit ist  mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er aufgrund seiner  Tätigkeit  als  Coiffeur  trotz  der  beruflich  bedingten  Kontakte  zu  beiden  Konfliktparteien kein besonderes Gefährdungsprofil aufweist.  5.1.2.  Aus  dem  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  der  nächtlichen  Mitnahme  im  weissen  Van  bereits  am  nächsten  Morgen  wieder vor seinem Haus abgesetzt wurde, ist – die Glaubhaftigkeit dieses  Vorkommnisses  vorausgesetzt  –  zu  schliessen,  dass  gegen  ihn  nichts  vorlag  und  die  nächtliche  Mitnahme  im  Van  lediglich  eine  Schikane  darstellte,  weil  er  nach  dem  Wiederaufflammen  des  bewaffneten  Konfliktes  nicht  mehr  ins  Soldatencamp  zum  Haareschneiden  ging. 

D­2128/2009 Hätten  ihn  die  srilankischen  Sicherheitskräfte  tatsächlich  ernsthaft  verdächtigt, die LTTE in irgendeiner Form zu unterstützen, hätten sie ihn  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  nicht  bereits  am  folgenden  Tag  wieder freigelassen.  5.1.3.  Dem  eingereichten  Bestätigungsschreiben  der  srilankischen  Menschenrechtskommission  (HRCSL)  vom  16.  Juli  2007  ist  zu  entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei dieser Institution am 12. Juli  2007  eine  Beschwerde  "regarding  torture  and  threaten  of  his  life  by  Unknown Group" deponiert hat. Aus dem Umstand, dass sich der  Inhalt  des  Bestätigungsschreibens  der  HRCSL  vom  16. Juli  2007  mit  den  Schilderungen  der  Ereignisse  bezüglich  der  Mitnahme  am  9. Juli  2007  durch  den  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  deckt,  vermag  dieser  nichts  zu  seinen  Gunsten  abzuleiten,  beruhen  die  Aussagen  im  Bestätigungsschreiben  doch  offensichtlich  auf  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  selbst.  Entgegen  der  in  der  Eingabe  vom  28. Mai  2009  vertretenen  Ansicht  ist  das  Schreiben  der  HRCSL  nicht  geeignet,  eine  Registrierung  des  Beschwerdeführers  bei  den  srilankischen  Sicherheitskräften  "wegen  seiner  Mitarbeit  zu  Gunsten  der  LTTE"  und  eine entsprechende Verfolgungssituation oder  ­gefahr zu belegen  (Seite  1 f. der Eingabe). Die in der Anhörung vom Beschwerdeführer geäusserte  Vermutung, er werde in Jaffna gesucht (vgl. act. 11/17 S. 15), wird auch  auf  Beschwerdeebene  nicht  substanziiert  und  mit  keinem  Beweismittel  untermauert.  Ebenso  verhält  es  sich  mit  dem  vage  formulierten  Vorbringen, seine Ehefrau habe im Dorf Probleme gekriegt, weil man den  Beschwerdeführer dort gesucht habe (vgl. act. A11/17 S. 3, 11). Gemäss  der eingereichten Wohnsitzbestätigung vom 2. April 2009 lebt die Ehefrau  zusammen mit ihrem Sohn und den Schwiegereltern – mangels konkreter  anderslautender  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  –  offenbar  unbehelligt seit mindestens zwei Jahren wieder an der früheren Adresse  in Y._______.  5.2.  Aufgrund  dieser  Erwägungen  bestehen  keine  konkreten  Hinweise  dafür,  dass  die  Behörden  den  Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise aus der Heimat  beziehungsweise  zu einem  früheren Zeitpunkt  konkreter  Verbindungen  zu  den  LTTE  oder  einer  anderen  verbotenen  militanten  tamilischen Organisation verdächtigt hätten. Ferner sind keine  genügend  konkreten Anhaltspunkte  ersichtlich, welche darauf  hindeuten  würden,  der  Beschwerdeführer  habe  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  damit  zu  rechnen,  in  absehbarer  Zukunft  seitens  der  heimatlichen  Behörden 

D­2128/2009 Verfolgungsmassnahmen  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  ausgesetzt  zu  werden.  Die  in  den  ergänzenden  Eingaben  vertretene  Ansicht,  die  Gefährdungslage  für  den  Beschwerdeführer  habe  sich  seit  dem  militärischen  Sieg  der  srilankischen  Armee  über  die  LTTE  verstärkt,  ist  einerseits  deshalb  nicht  plausibel,  weil  sich  die  Situation  in  Sri  Lanka  seither  stabilisiert  hat,  und  andererseits  deshalb,  weil  eine  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  bereits  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  nicht  bestand.  Einer  allfälligen  Sicherheitsüberprüfung  am  Flughafen  nach  einer –  im vorliegenden Fall derzeit ohnehin hypothetischen – Rückkehr  nach Sri Lanka käme ebenso wenig wie späteren Personenkontrollen im  Lande  selbst  asylrechtlich  erheblicher  Charakter  zu,  da  die  entsprechenden  Massnahmen  a  priori  nicht  darauf  abzielen,  den  Beschwerdeführer  aus  einem  der  in  Art. 3  Abs. 1  AsylG  genannten  Gründe  einem  ernsthaften  Nachteil  auszusetzen,  sondern  im  srilankischen  Kontext  primär  bezwecken,  die  letzten  verbleibenden  tamilischen  Rebellen  aufzuspüren,  zu  welchen  der  Beschwerdeführer  allerdings  auch  in  den  Augen  der  Behörden  offensichtlich  nicht  gehört  (vgl. E. 5.1.2).  5.3. Zum Vorbringen,  inländische Fluchtalternativen müssten bereits bei  der Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft geprüft werden und nicht erst  im Rahmen eines Wegweisungsverfahrens, ist festzuhalten, dass es sich  im vorliegenden Fall  erübrigt  zu prüfen,  ob dem Beschwerdeführer  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  zur  Verfügung  stünde.  Die  Frage  nach  der Existenz einer innerstaatlichen Fluchtalternative stellt sich erst, wenn  eine erlittene Verfolgung respektive eine begründete Furcht vor künftiger  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  nachgewiesen  oder  glaubhaft  gemacht ist, was vorliegend nicht der Fall ist.  5.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  dass  er  im  Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG  ausgesetzt war oder begründete Furcht hat, solche Nachteile im Falle der  Rückkehr  in  absehbarer  Zukunft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  erleiden zu müssen. Es erübrigt sich daher, auf weitere Vorbringen in der  Beschwerde  und  die  eingereichten Beweismittel  einzugehen,  da  sie  am  Ergebnis nichts ändern können. Das Bundesamt hat das Asylgesuch des  Beschwerdeführers  im  Ergebnis  zu  Recht  abgelehnt.  Ergänzend  festzuhalten  bleibt,  dass  sich  aus  den  Erwägungen  zur  fehlenden  asylrechtlichen  Relevanz  der  Verfolgungsvorbringen  ergibt,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  bezüglich  der  Asylgründe  des 

D­2128/2009 Beschwerdeführers hinreichend erstellt ist. Der Beschwerdeführer konnte  mit Eingaben vom 20. April 2009, 23. April 2009, 28. Mai 2009 und vom  24. August  2010  diverse  Beweismittel  nachreichen.  Es  besteht  deshalb  auch  kein  Anlass,  ihm  zur  Einreichung  weiterer  Beweismittel  Frist  anzusetzen.  Die  Rüge  der  unvollständigen  und  unrichtigen  Sachverhaltserstellung  erweist  sich  daher  als  unbegründet  und  der  diesbezügliche Kassationsantrag ist folgerichtig abzuweisen. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  (Art. 32  Bst. a  der  Asylverordnung  1  vom  11. August  1999  [AsylV 1,  SR  142.311])  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510, EMARK 2001  Nr. 21). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht verfügt.  6.3. Nachdem das BFM im Rahmen des Schriftenwechsels mit Verfügung  vom 6. Mai 2009 die angefochtene Verfügung vom 25. Februar 2009 den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffend  teilweise  in  Wiedererwägung  gezogen  und  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  angeordnet hat, ist die Beschwerde gegenstandslos geworden, soweit im  Subeventualbegehren  beantragt  wird,  es  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen.  Die  Beschwerde  ist  daher  diesbezüglich  zufolge  Wegfalls  des  Streitgegenstandes  als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben.  Damit  erübrigen  sich  weitere  Ausführungen  zur  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  stünde  dem  Beschwerdeführer  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  (Art. 112  Abs. 1  AuG  i.V.m.  Art. 31  ff.  VGG). In diesem Verfahren wäre dann der Wegweisungsvollzug vor dem  Hintergrund  sämtlicher  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen.  7.   Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  bezüglich der Frage der Anerkennung als Flüchtling und der Gewährung  von  Asyl  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene 

D­2128/2009 Verfügung  Bundesrecht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig und unvollständig feststellen und unangemessen sein sollte. Die  Beschwerde  ist  demnach  abzuweisen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos geworden abzuschreiben ist.  8.  8.1. Im Hinblick auf die Kostenliquidation ist der Ausgang des Verfahrens  im  Asylpunkt  als  teilweises  Unterliegen  zu  werten,  wobei  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  seiner  Praxis  im  Asylbeschwerdeverfahren  bei  Konstellationen  wie  der  vorliegenden  den  partiellen  Misserfolg  mit  der  Hälfte  veranschlagt.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  sind  dessen  Kosten  dem  Beschwerdeführer  somit  in  ermässigtem  Umfang  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1,  Satz  2  VwVG) und auf insgesamt Fr. 300.– festzulegen (Art. 1­3 des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  8.2. Sodann  sind  bei  einem  gegenstandslos  gewordenen Verfahren  die  Kosten  jener  Partei  aufzuerlegen,  deren  Verhalten  die  Gegenstandslosigkeit bewirkt hat (Art. 5 VGKE). Im vorliegenden Fall hat  das BFM die  teilweise Gegenstandslosigkeit  des Beschwerdeverfahrens  durch  die  wiedererwägungsweise  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  im Rahmen des Schriftenwechsels bewirkt. Dem BFM als Vorinstanz oder  unterliegender  Bundesbehörde  sind  jedoch  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).  8.3.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  hinsichtlich  des  Wegweisungsvollzugs – und insofern teilweise – obsiegt hat, ist ihm eine  angemessene,  um  die  Hälfte  reduzierte  Entschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zu  entrichten  (Art. 64  Abs.  1  VwVG  und  Art.  7  Abs.  2  VGKE).  Gemäss  Art. 14  Abs. 1  VGKE  haben  die  Parteien,  die  Anspruch  auf  Parteientschädigung  erheben,  und  die  amtlich  bestellten  Anwälte  und  Anwältinnen dem Gericht vor dem Entscheid eine detaillierte Kostennote  einzureichen.  Vorliegend  hat  der  Rechtsvertreter  keine  Kostennote  eingereicht,  obschon  ihm  dies  im  Rahmen  der  Eingaben  vom  28. Mai  2009 beziehungsweise vom 24. August 2010 möglich gewesen wäre. Der  Antrag  auf  angemessene  Fristansetzung  zur  Einreichung  einer  detaillierten  Kostennote  ist  deshalb  abzuweisen  und  die  Entschädigung  auf Grund der Akten (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE) unter Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art.  8  ff.  VGKE)  auf 

D­2128/2009 Fr. 800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Das BFM ist  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  diesen  Betrag  als  reduzierte  Parteientschädigung  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­2128/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird.  2.  Die  ermässigten  Verfahrenskosten  von  Fr.  300.–  werden  dem  Beschwerdeführer auferlegt.  3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  reduzierte  Parteientschädigung von Fr. 800.– auszurichten.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-2128/2009 — Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 D-2128/2009 — Swissrulings