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Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 D-1986/2008

21. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,971 Wörter·~15 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Februar 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1986/2008 Urteil   v om   2 1 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Anna Kühler. Parteien A._______, geboren B._______, dessen Ehefrau C._______, geboren D._______, und deren Kinder E._______, geboren F._______, G._______, geboren H._______, Iran,  alle vertreten durch Peter Huber, Fürsprecher,  (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Anerkennung als Flüchtling und Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 19. Februar 2008 / N _______.

D­1986/2008 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden  verliessen  den  Iran  im  Jahr  2003  und  gelangten am 18. November 2003  illegal  in die Schweiz, wo sie am 21.  November 2003 ein erstes Mal um Asyl nachsuchten. Das BFM stellte mit  Verfügung  vom  16. März  2005  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die Flüchtlingseigenschaft  nicht. Es  lehnte die Gesuche ab und ordnete  die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an.  Mit  Eingabe  vom 18.  April  2005  erhoben  die Beschwerdeführenden  bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung.  Das  ab  1.  Januar  2007  für  die  Beurteilung  der  bei  der  ehemaligen  ARK  hängigen  Rechtsmittel  zuständige Bundesverwaltungsgericht lehnte diese Beschwerde mit Urteil  vom 14. November 2007 ab.  B.  Am  10.  Dezember  2007  führte  der  X._______  mit  den  Beschwerdeführenden  das  Ausreisegespräch  durch.  Am  20.  Dezember  2007  liessen  sie  durch  ihren  Rechtsvertreter  ein  zweites  Mal  um  Asyl  nachsuchen.  Sie  beantragten,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Eventualiter  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Zudem  sei  auf  die  Erhebung  eines  Gebührenvorschusses  zu  verzichten.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Die Beschwerdeführenden reichten eine Bestätigung des Präsidenten der  I._______ vom 13. Dezember 2007, wonach der Beschwerdeführer und  seine  Frau  seit  2005 Mitglied  der  I._______  seien,  ein  entsprechendes  Bestätigungsschreiben  von  J._______  vom  19.  Dezember  2007  und  zahlreiche  Dokumente  zu  den  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  zwischen  Dezember  2006  und  Dezember  2007  zu  den  Akten.  Zudem  legten  sie  dem  zweiten  Asylgesuch  einen  Bericht  von  amnesty  international und verschiedene Pressemeldungen bei.  Am 8. Februar 2008 hörte das BFM die Beschwerdeführenden zu  ihrem  zweiten  Asylgesuch  an.  Der  Beschwerdeführer  reichte  bei  dieser  Gelegenheit weitere Unterlagen ein, um seine exilpolitischen Tätigkeiten  zu  untermauern.  Er  machte  geltend,  aufgrund  dieser  Tätigkeiten  in  der  Schweiz könne er nicht  in sein Land zurückkehren. Er habe Aufrufe und  Kundgebungen organisiert, habe bei  Informationsständen gearbeitet und 

D­1986/2008 sei  seit  2006  im  Zusammenhang  mit  Aufrufen  und  Kundgebungen  zuständig  für  die  Logistik  im  Kanton  U._______.  Seit  (…)  sei  er  in  Zusammenarbeit  mit  dem  Dachverband  der  I._______  für  die  Stadt  Z._______  zuständig.  In  dieser  Funktion  müsse  er  die  monatlichen  Versammlungen  der  Mitglieder  der  I._______  in  der  Stadt  Z._______  organisieren und koordinieren. Seine Aufgabe sei es, die Räumlichkeiten  für  die  Versammlungen  zu  reservieren  und  die  Traktanden  sowie  Informationen  vorzubereiten,  die  während  der  Versammlung  an  die  Mitglieder  verteilt  würden.  Er  sei  seit  April  2005  in  der  Schweiz  exilpolitisch  tätig  und  habe  aufgrund  dessen  im  Fall  einer  Rückkehr  in  sein Heimatland Nachteile durch die iranischen Behörden zu befürchten,  denn  die Mitarbeiter  der  iranischen Botschaft  in  Bern  seien  verpflichtet,  die Oppositionsmitglieder zu identifizieren. Die Beschwerdeführerin brachte  vor,  sie  sei  seit April  2005 Mitglied der  I._______ und nehme an Kundgebungen, Demonstrationen und Aktionen  teil. Sie übe  in der  I._______ keine spezielle Funktion aus,  sondern sei  einfaches Mitglied. C.  Das  BFM  lehnte  die  Gesuche  der  Beschwerdeführenden  mit  –  am  28. Februar  2008  eröffneter  –  Verfügung  vom  19.  Februar  2008  ab,  ordnete die Wegweisung sowie deren Vollzug an und erhob eine Gebühr  von Fr. 1200.­. D.  Mit Eingabe vom 25. März 2008 liessen die Beschwerdeführenden durch  ihren  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben.  Sie  beantragten,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  vollumfänglich  aufzuheben,  es  sei  ihre  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihnen  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer Hinsicht  beantragten  sie  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  Zudem wurden folgende Dokumente betreffend die politischen Aktivitäten  der Beschwerdeführenden zu den Akten gereicht:

D­1986/2008 ­ Verschiedene Kopien von Flugblättern der I._______ in Deutsch und in  Persisch datierend vom (…) ­ Kopien  von  Fotografien  der  Beschwerdeführenden  an  Protestkundgebungen ­ Kopien von Flugblättern der  I._______ vom  (…) und vier Fotografien  von  einer  Protestkundgebung  in  O._______  zum  Thema  "Missachtungen der Menschenrechte im Iran" ­ Kopien von Flugblättern einer Kundgebung vom (…) vor der iranischen  Botschaft in Bern ­ Kopien  von  Flugblättern  der  I._______  für  eine  Kundgebung  in  W._______ vom (…). E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  23.  April  2008  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab,  da  es  die  Beschwerde  als  aussichtlos  beurteilte.  Es  forderte  die  Beschwerdeführenden  auf,  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­ zu leisten. Die Beschwerdeführenden zahlten den Kostenvorschuss  am 5. Mai 2008 ein. F.  Mit Eingabe vom 10. November 2008  liessen die Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  neue  Beweismittel  zu  den  Akten  reichen,  insbesondere: ­ Kopie eines Aufrufs zu einer Demonstration vom (…) vor der Botschaft  der  Islamischen  Republik  Iran  in  Bern  und mehrere  Fotografien  des  Beschwerdeführers ­ Bericht von news.ch über die Demonstration vom (…) in Z._______ ­ Monatszeitschrift  Y._______  der  I._______  vom  (…),  in  welcher  der  Beschwerdeführer  als  deren  Verantwortlicher  für  Aktivitäten  in  der  Stadt Z._______ bezeichnet wird ­ Verschiedene  Fotografien  von  Demonstrationen  und  Verteilung  von  Flugblättern sowie Zeitschriften

D­1986/2008 ­ Kopie  eines  Aufrufs  zu  einer  Kundgebung  in  S._______  vom  (…)  anlässlich  des  20.  Jahrestages  der  Massenhinrichtung  politischer  Gefangener im Iran ­ Unterlagen  zu  einer  Protestkundgebung  in R._______  vom  (…)  zum  Thema "Missachtung der Menschenrechte im Iran" ­ Kopie  der  "Personalkarte"  der  I._______  des  Beschwerdeführers  (gültig bis Ende 2008).  G.  Am  31.  August  2009  liessen  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter eine weitere Dokumentation der exilpolitischen Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  zu  den  Akten  reichen.  Der  Rechtsvertreter  informierte am 9. Februar 2010 über die Beendigung seines Mandates. H.  Am  18.  Februar  2010  zeigte  der  neu  mandatierte  Rechtsvertreter  die  Interessenwahrung  der  Beschwerdeführenden  an.  Am  9.  März  2010  liessen  diese  weitere  Dokumente  zu  ihren  exilpolitischen  Aktivitäten  zu  den Akten reichen, insbesondere: ­ Kopien  der  Mitgliederausweise  der  Beschwerdeführenden  (gültig  bis  Ende 2010) ­ Fotografien des Beschwerdeführers anlässlich verschiedener Aktionen  in  diversen  Schweizer  Städten  unter  Beilage  von  verteiltem  Dokumentationsmaterial. I.  Am  16.  September  2010  liessen  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  weitere  Dokumente  betreffend  die  exilpolitischen  Aktivitäten des Beschwerdeführers zu den Akten reichen: ­ Dokumentation der Protestkundgebung vor der iranischen Botschaft in  Bern vom (…) ­ Dokumentation der Protestkundgebung in S._______ vom (…). J.  Mit  Eingabe  vom  27.  Januar  2011  liessen  die  Beschwerdeführenden 

D­1986/2008 durch  ihren  Rechtsvertreter  weitere  Beweisunterlagen  zu  Protestkundgebungen  in  Z._______,  T._______  und Q._______  zu  den  Akten reichen: ­ Dokumentation  der  Protestkundgebung  in  Z._______  vom  (…)  inklusive Veranstaltungsbewilligung vom (…) ­ Dokumentation der Protestkundgebung in T._______ vom (…)  ­ Dokumentation der Protestkundgebung in Q._______ vom (…). Mit  gleicher  Eingabe  wurde  mitgeteilt,  der  Beschwerdeführer  sei  im  Frühjahr 2010 aus der  I._______ ausgetreten, nehme indessen noch an  deren Protestkundgebungen teil. Er wolle vermehrt "selbständig stehende  Protestkundgebungen  durchführen,  wie  diejenige  vom  30.  September  2010 in Z._______". K.  Mit Eingabe vom 13. September 2011 wurden Dokumentationen zu vom  Verteidigungskomitee  von Kämpfern des  iranischen Volkes und von der  I._______  organisierten  Veranstaltungen  (S._______  vom  […],  Z._______ vom  […] und  […]  sowie V._______ vom  […]),  an denen der  Beschwerdeführer teilgenommen habe, eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  liegt  in  casu  nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet demnach endgültig.

D­1986/2008 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf  die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Einleitend  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführenden  zwar  das  Rechtsbegehren  betreffend  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  Gewährung der vorläufigen Aufnahme stellten, nicht aber die Gewährung  von  Asyl  beantragten.  Deshalb  ist  mit  Ablauf  der  Beschwerdefrist  die  Dispositivziffer 2 der vorinstanzlichen Verfügung vom 19. Februar 2008 in  Rechtskraft erwachsen. Da die Folge eines negativen Asylentscheides in  der Regel die Wegweisung ist und die Beschwerdeführenden weder über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügen  (vgl. BVGE 2009/50 E. 9  S. 733,  BVGE  2008/34  E.  9.2  S.  510),  ist  Dispositivziffer  3  der  angefochtenen  Verfügung  ebenfalls  in  Rechtskraft  erwachsen.  Beschwerdegegenstand  sind  somit  einzig  noch  die  Fragen,  ob  die  Beschwerdeführenden  als  Flüchtlinge  anzuerkennen  und  ob  die  Voraussetzungen des Wegweisungsvollzuges erfüllt sind. 4.  4.1. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität, 

D­1986/2008 Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen  ist  Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2. Als Flüchtling  im Sinne von Art. 3 AsylG gelten auch Personen, die  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach  der  Ausreise  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt sind  (sog. subjektive Nachfluchtgründe). Massgebend  für die  Annahme subjektiver Nachfluchtgründe ist, ob die heimatlichen Behörden  das  Verhalten  der  asylsuchenden  Person  als  staatsfeindlich  einstufen  und  diese  deswegen  bei  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  eine  Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit  die  Anforderungen  an  den  Nachweis  einer  begründeten  Furcht  massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG).  Personen  mit  subjektiven  Nachfluchtgründen  erhalten  gemäss  Art.  54  AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtling vorläufig aufgenommen, da  die Ausschaffung in ihr Heimat­ oder Herkunftsland unzulässig ist (Art. 44  Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]).  Der  Asylausschlussgrund  von  Art.  54  AsylG  ist  absolut  zu  verstehen  und  mithin  unabhängig  davon  anzuwenden,  ob  Nachfluchtgründe missbräuchlich  gesetzt worden  sind  oder  nicht. Es  ist  daher  nicht  entscheidend,  welchen  mutmasslichen  Zweck  die  asylsuchende Person durch  ihre  exilpolitischen Tätigkeiten  zu  erreichen  versucht hat (vgl. auch BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352).  5.  5.1.  Die  Beschwerdeführenden  machen  geltend,  aufgrund  ihrer  exilpolitischen Aktivitäten  in der Schweiz bei einer Rückkehr  in den  Iran  einer  flüchtlingsrelevanten  Verfolgung  durch  die  iranischen  Behörden  ausgesetzt zu sein.  5.2.  5.2.1. Bezüglich der Gefährdung exilpolitisch aktiver Personen aus dem  Iran  ist  festzuhalten,  dass  die  politische  Betätigung  für  staatsfeindliche  Organisationen  im  Ausland  seit  der  Neufassung  des  iranischen 

D­1986/2008 Strafrechts  im  Jahr  1996  unter  Strafe  gestellt  ist.  Iranische  Sicherheitsdienste  beobachten  und  erfassen  die  politischen  Aktivitäten  von  Iranerinnen  und  Iranern  im  Ausland,  insbesondere  von  führenden  Mitgliedern  regierungskritischer  Organisationen.  Umfang  und  Intensität  der  Überwachung  sind  nur  schwer  abzuschätzen;  seit  den  Unruhen  im  Anschluss an die Präsidentschaftswahlen 2009 scheint die Überwachung  aber  eher  zugenommen  zu  haben.  Mittels  Einsatz  moderner  Software  dürfte  es  den  iranischen Behörden  technisch  auch möglich  sein,  die  im  Internet  vorhandenen  grossen  Datenmengen  ohne  allzu  grossen  Aufwand  in  einem  gewissen  Ausmass  zu  überwachen  (vgl.  FIORENZA  KUTHAN,  Iran:  Illegale  Ausreise  /  Situation  von  Mitgliedern  der  PDKI  /  Politische  Aktivitäten  im  Exil,  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse,  16. November  2010,  S. 10 ff.;  MICHAEL  KIRSCHNER,  Iran:  Rückkehrgefährdung  für  AktivistInnen  und  Mitglieder  exilpolitischer  Organisationen  –  Informationsgewinnung  iranischer  Behörden,  Auskunft  der SFH­Länderanalyse, 4. April 2006, S. 9 f.). 5.2.2. Die iranischen Geheimdienste scheinen sich auf die Erfassung von  Personen  zu  konzentrieren,  die  über  die  massentypischen  und  niedrig  profilierten  Erscheinungsformen  exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen wahrnehmen und/oder Aktivitäten entwickeln, die sie aus der  Masse  der  mit  dem  Regime  Unzufriedenen  herausheben  und  als  ernsthafte  und  potenziell  gefährliche  Regimegegner  erscheinen  lassen.  Gemäss  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  unterliegen  Mitglieder  in  Exilorganisationen  von  im  Iran  verbotenen  oppositionellen  Parteien,  Teilnehmer  an  Veranstaltungen  dieser  Organisationen,  Mitwirkende  an  regimekritischen  Demonstrationen,  welche  die  dabei  üblichen  Plakate  tragen  und  Parolen  rufen,  Teilnehmer  von  sonstigen  regimekritischen  Veranstaltungen  und  Personen,  die  Büchertische  betreuen und Informations­ und Propagandamaterial in Fussgängerzonen  verteilen,  keiner  allgemeinen  Überwachungsgefahr  durch  iranische  Exilbehörden  (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). Keine Rolle spielt dabei die  Quantität der exilpolitischen Aktivitäten, entscheidend  ist  vielmehr deren  Qualität:  So  sind  insbesondere  exponierte  Positionen  in  exilpolitischen  Gruppen  und  Vereinigungen  (Führungs­  und  Funktionsaufgaben)  sowie  die  Form  (z.B.  gewaltsame  Proteste)  und  der  Einfluss  (öffentliche  Wirkung) von Aktionen bei der Beurteilung der Gefährdung einer Person  von Bedeutung (vgl. KIRSCHNER, a.a.O., S. 7 f.). 5.3.  Die  Beschwerdeführenden  begründen  ihre  Gefährdung  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  im  Wesentlichen  damit,  dass  sie  zwischen 

D­1986/2008 Dezember  2006  und  November  2010  als  Mitglied  der  I._______  an  zahlreichen  gegen  das  Regime  in  Teheran  gerichteten  politischen  Aktionen,  Protestkundgebungen,  Demonstrationen  und  Standaktionen  teilgenommen  hätten.  Von  2006  bis  2007  sei  der  Beschwerdeführer  für  die  Logistik  der  I._______  der  Sektion  Z._______  verantwortlich  gewesen. Von September 2007 bis Frühling 2010 habe er das Amt des  Verantwortlichen  für Aktivitäten  in der Stadt Z._______ wahrgenommen.  Er  sei  damit  einer  der  Hauptverantwortlichen  für  die  zahlreichen  Demonstrationen – vor allem vor der  iranischen Botschaft –  in der Stadt  Bern. 5.4.  Das  BFM  stellt  sich  in  der  angefochtenen  Verfügung  auf  den  Standpunkt,  den  Akten  könnten  keine  Hinweise  darauf  entnommen  werden,  dass  die  iranischen  Behörden  von  der  Mitgliedschaft  in  der  I._______  Kenntnis  genommen  oder  gar  gestützt  darauf  irgendwelche  Massnahmen zum Nachteil der Beschwerdeführenden eingeleitet hätten.  Es  gebe  in  den  Akten  auch  keine  Hinweise  darauf,  dass  sich  die  Aktivitäten  der  Beschwerdeführenden  seit  dem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  November  2007  wesentlich  verändert  hätten.  Daran  könne  auch  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  September  2007  Verantwortlicher  der  I._______  für  Aktivitäten  in  der  Stadt  Z._______  sei,  nichts  ändern,  da  er  sich  dadurch  nach  wie  vor  nicht  in  einer  hohen  und  in  der  Öffentlichkeit  exponierten  politischen  Kaderstelle  einer  regimekritischen  iranischen  Organisation  befinde.  Aus  den  neu  seit  dem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  November  2007  zu  berücksichtigenden  Dokumenten  gehe  nach  wie  vor  lediglich  eine  untergeordnete Beteiligung an exilpolitischen Aktivitäten hervor, die nicht  geeignet  seien,  ein  ernsthaftes  Verfolgungsinteresse  der  iranischen  Behörden zu wecken. Die Aktivitäten der Beschwerdeführenden würden  daher  keine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Iran  begründen. Das Verhalten der Beschwerdeführenden sei nicht geeignet,  ein  ernsthaftes  Vorgehen  der  iranischen  Behörden  zu  bewirken,  zumal  auch  keine  Anhaltspunkte  für  die  Annahme  bestehen  würden,  im  Iran  seien gegen sie aufgrund der geltend gemachten Aktivitäten behördliche  Massnahmen  eingeleitet  worden.  Das  politische  Profil  der  Beschwerdeführenden  sei  daher  nicht  geeignet,  im  Fall  einer  Rückkehr  eine  konkrete  Gefährdung  zu  bewirken.  Daher  seien  die  Voraussetzungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht erfüllt.

D­1986/2008 5.5. Die Beschwerdeführenden entgegnen in ihrer Beschwerde, sie seien  seit  Januar  2005  aktive  Mitglieder  der  I._______,  einer  der  aktivsten  iranischen Exilorganisationen in der Schweiz, die das aktuelle Regime im  Iran  bekämpfe.  Aufgrund  seines  grossen  Engagements  sei  dem  Beschwerdeführer  im  September  2006  die  Funktion  des  Logistikverantwortlichen  für  den  Kanton  Z._______  übertragen  worden.  Da  er  diese  Aufgabe  gewissenhaft  wahrgenommen  habe,  sei  ihm  anlässlich  der  Generalversammlung  der  I._______  im  September  2007  die  Hauptverantwortung  für  deren  Aktivitäten  in  der  Stadt  Z._______  zugesprochen  worden.  Er  sei  verantwortlich  für  die  Organisation  der  mindestens  zwei  Mal  jährlich  stattfindenden  Kundgebungen  der  I._______ vor der iranischen Botschaft  in der Stadt Bern. Zudem nehme  er regelmässig an Sitzungen der Führungsebene der Vereinigung teil und  arbeite  eng  mit  dem  Exekutivkomitee  und  dem  Vorsitzenden  der  I._______ zusammen.  Er zähle mit diesen beiden Aufgaben zur Führung der  I._______.  In der  kantonal  strukturierten  I._______  komme  den  Kantonsverantwortlichen  und  dem  Verantwortlichen  für  (…),  eine  tragende  Rolle  zu.  Dies  insbesondere deshalb, weil die wichtigsten Protestaktionen der I._______  – mit  mehreren  hundert  Teilnehmern  und  einem  beträchtlichen  Echo  in  den Medien – jeweils vor dem iranischen Botschaftsgebäude stattfänden.  Die  Kantons­  respektive  Städteverantwortlichen  stünden  sodann  in  engem  Kontakt  zum  Exekutivkomitee  der  I._______  und  zu  den  Verantwortlichen  anderer  Kantone.  Hierarchisch  unterstehe  der  Beschwerdeführer  direkt  dem  Exekutivkomitee  und  stehe  somit  unbestreitbar  in  einer  hohen Kaderstelle.  So  sei  er  bei  einer Aktion  vor  der  iranischen Botschaft  in Bern  in  seiner  Funktion  als Verantwortlicher  für  (…) Aktivitäten  in der Stadt Z._______ zusammen mit dem aktuellen  und  dem  vormaligen  Präsidenten  der  I._______  an  die  Öffentlichkeit  getreten, vor der er zusammen mit den Hauptakteuren der Organisation  das  Wort  ergriffen  und  die  in  Persisch  verfasste  Erklärung  zur  Demonstration vorgelesen habe. Dadurch habe er sich deutlich exponiert.  Die Gefahr,  von  iranischen Botschaftsmitarbeitern  oder  von Spitzeln  als  einer  der  Anführer  oder  Hauptverantwortlichen  dieser  Organisation  erkannt zu werden, müsse daher als virulent erachtet werden.  Gesamthaft  betrachtet hätten die Aktivitäten des Beschwerdeführers ein  Ausmass  erreicht,  das  geeignet  sei,  ein  ernsthaftes  Vorgehen  der  iranischen  Behörden  zu  bewirken  beziehungsweise  eine  konkrete 

D­1986/2008 Gefährdung  der  Beschwerdeführenden  im  Falle  einer  Rückkehr  in  ihr  Herkunftsland zu begründen. 6.  6.1.  Es  sind  vorliegend  keine  Gründe  ersichtlich,  am  exilpolitischen  Engagement  des  Beschwerdeführers  zu  zweifeln,  zumal  dieses  umfassend dokumentiert ist. Es ist deshalb als erstellt zu erachten, dass  der Beschwerdeführer Mitglied  der  I._______ war,  er  an  verschiedenen  Demonstrationen  und  Standaktionen  dieses  Vereins  teilnahm  und  innerhalb  des  Vereins  zuerst  das  Amt  des  Logistikverantwortlichen  und  später das Amt des Verantwortlichen  für die Stadt Z._______  innehatte.  Diesbezüglich  ist  jedoch  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  Schreiben  vom  27.  Januar  2011  im  Frühjahr  2010  aus  der  I._______  austrat,  und  er  daher  auch  seine  geltend  gemachte  "Kader"­ Tätigkeit aufgab.  6.2.  6.2.1. Es stellt sich in diesem Zusammenhang zunächst die Frage, ob der  Beschwerdeführer  bereits  in  seinem  Heimatland  politisch  aktiv  war.  Hierzu  ist  festzuhalten,  dass  er  im  ersten  Asylgesuch  im  Jahr  2003  geltend machte,  im  Iran Probleme mit  den Sicherheitskräften gehabt  zu  haben,  da  er  im  Anschluss  an  eine  Kundgebung  festgenommen  und  verurteilt worden sei. Bei der Anhörung zum ersten Asylgesuch vom 24.  November 2003 gab er allerdings an, in L._______ "nur gelegentlich" an  Kundgebungen teilgenommen zu haben (vgl. BFM act. A 1/10 S. 5). Als  die Frage wiederholt wurde, antwortete er, dass er zwei oder drei Mal an  einer Kundgebung  teilgenommen habe  (vgl.  a.a.O.). Bereits dem ersten  rechtskräftig  abgeschlossenen Asylverfahren  des Beschwerdeführers  ist  zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden weder eine Vorverfolgung  noch  eine  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise  aktuell  bestehende  flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu  machen  vermochten.  Anlässlich  der  Anhörung  zu  ihrem  zweiten  Asylgesuch  im  Jahr  2008  erwähnte  weder  der  Beschwerdeführer  noch  seine  Frau  eine  entsprechende  politische  Aktivität  in  ihrem  Heimatland  (vgl. hierzu act. B 7/13 je S. 3­5). Sie machten diesbezüglich auch keine  in  einem  politischen  Kontext  stehende  Verfolgung  durch  die  iranischen  Behörden geltend. Es kann daher ausgeschlossen werden, dass sie vor  dem  Verlassen  ihres  Heimatlandes  als  regimefeindliche  Personen  ins  Blickfeld der  iranischen Behörden oder Nachrichtendienste gerieten und  als  staatsgefährdender  Politaktivisten  registriert  wurden  (vgl.  die  Praxis  des Bundesverwaltungsgerichts in BVGE 2009/28 E. 7.4.3 S. 364 f.).

D­1986/2008 Es  ist  zudem  anerkannt,  dass  nicht  jede  Exilaktivität  zur  Flüchtlingseigenschaft  führt.  Der  Beschwerdeführer  nahm  –  so  seine  eigenen  Aussagen  –  gut  drei  Jahre  nach  Einreichung  des  ersten  Asylgesuchs  erstmals  an  einer  politischen  Versammlung  teil.  Seit  2005  sei er Mitglied des  I._______. Auf die Frage, warum er erst seit diesem  Datum  tätig  geworden  sei,  antwortete  er,  in  der  Schweiz  seien  viele  Oppositionsorganisationen  aktiv.  Er  habe  zuerst  deren  Ideologie  prüfen  wollen,  bevor  er  sich  entscheide,  einer  von  ihnen  beizutreten.  Die  diesbezüglichen  Aussagen  anlässlich  seiner  Anhörung  sind  indessen  sehr  pauschal  und  allgemein  gehalten  und  können  nicht  überzeugen.  Zudem ist festzuhalten, dass die Aktivitäten des Beschwerdeführers zwar  ab  2006  über  die  blosse Mitgliedschaft  in  der  I._______  hinausgingen.  Allerdings sind die geltend gemachten Aufgaben des Beschwerdeführers  in  der  I._______  nicht  geeignet,  die  Aufmerksamkeit  der  iranischen  Behörden  auf  sich  zu  ziehen.  Gemäss  seinen  Aussagen  war  er  als  Zuständiger  für  die  Aktivitäten  in  der  Stadt  Z._______  dafür  verantwortlich, die Räumlichkeiten für die Versammlungen zu reservieren  und  die  Traktanden  sowie  Informationen  vorzubereiten,  die  an  der  Versammlung  an  die  Mitglieder  verteilt  wurden.  Zudem  habe  er  Demonstrationen  organisiert  und  sei  dafür  zuständig  gewesen,  die  Zeitschrift  Y._______  zu  verteilen.  Als  Vertreter  der  I._______  für  die  Stadt  Z._______  sei  sein  Name  jeweils  mit  Angabe  seiner  privaten  Telefonnummer auf der letzten Seite jeder Ausgabe der Zeitschrift  in der  Liste  der  Organisationsverantwortlichen  der  I._______  für  die  Schweiz  und das Ausland vermerkt gewesen. Es ist aber nicht davon auszugehen,  dass  die  iranischen  Behörden  aufgrund  dieser  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  für  die  I._______  und  seiner  Teilnahme  an  den  friedlichen  Demonstrationen  und  Standaktionen  gegen  das  iranische  Regime  in  der  Schweiz  auf  ihn  aufmerksam  wurden,  auch  wenn  von  diesen  Veranstaltungen  Berichte  und  Fotos  im  Internet  veröffentlicht  wurden  und  ein  Interview  mit  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  einer  Demonstration  in  Z._______  in  einer  Sendung  des  Regionalfernsehsenders  (…) ausgestrahlt wurde. Zwar wurde der Name  des Beschwerdeführers im in Dialekt geführten Interview einmal erwähnt,  die Demonstration spielte sich  jedoch  in einem kleinen Rahmen ab und  fand  weder  in  den  nationalen  noch  in  den  internationalen  Medien  ein  Echo. Zudem wurde der Beschwerdeführer  in diesem Interview nicht als  ein  führendes Mitglied  der  I._______  dargestellt.  Ebenso  ist  den  Akten  nicht  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  selber  kritische  Äusserungen  über  das  iranische  Regime  publizierte,  die  unter  seinem  Namen  erschienen  wären.  Dies  wird  in  der  Beschwerde  auch  nicht 

D­1986/2008 geltend gemacht. Seine exilpolitischen Tätigkeiten lassen ihn daher nicht  als  ernsthaften  und  potenziell  gefährlichen  Regimegegner  erscheinen.  Zudem  trat  er  im  Frühjahr  2010  aus  der  I._______  aus.  Die  in  der  Eingabe vom 27. Januar 2011 dargestellte Absicht, "vermehrt selbständig  stehende  Protestkundgebungen"  zu  veranstalten,  wurde  nicht  weiter  konkretisiert.  Es wird  zudem nicht  substanziiert,  inwiefern  die  einmalige  Bewilligung  vom  (…)  für  eine  vom  Beschwerdeführer  veranstaltete  Kundgebung  vom  (…)  den  iranischen  Behörden  bekannt  wurde.  Im  Ergebnis  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  keinen  Bekanntheitsgrad  erreicht,  bei  dem  angenommen werden müsste,  dass  die  iranischen  Behörden  auf  ihn  aufmerksam  geworden  seien  und  er  dadurch konkret gefährdet würde.  Das politische Engagement der Beschwerdeführerin beschränkt sich auf  die  Teilnahme  an  Kundgebungen  und  lässt  sie  nicht  als  exponierte  Führungsperson  erscheinen,  weshalb  nicht  davon  auszugehen  ist,  sie  habe  das  Interesse  der  iranischen  Behörden  an  ihrer  Person  auf  sich  gezogen. 6.2.2.  Sodann  sind  weder  den  Akten  noch  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  Hinweise  darauf  zu  entnehmen,  dass  die  iranischen  Behörden  tatsächlich  auf  sie  aufmerksam  geworden  wären  oder  ihre  im  Iran  verbliebenen  Familienangehörigen  irgendwelchen  Verfolgungshandlungen  seitens  der  iranischen  Behörden  ausgesetzt  gewesen  wären.  Der  Hinweis  auf  ein  Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht,  mit  welchem  die  betreffenden  Beschwerdeführenden  infolge  exilpolitischer  Tätigkeit  von  weit  geringerem  Umfang  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden  seien,  ist  unbehelflich,  weil  ein  mit  dem  vorliegenden  Verfahren  nicht  vergleichbarer Sachverhalt vorlag. Das Gebot rechtsgleicher Behandlung  ist somit nicht verletzt. Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachten  exilpolitischen  Aktivitäten  –  auch  kumuliert  –  nicht  geeignet  sind,  eine  flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht der Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  zu  begründen.  Das  BFM  hat  damit  zu  Recht  festgestellt,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft nicht.  7. 

D­1986/2008 7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG  und  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 

D­1986/2008 AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden  in  den  Iran  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Iran  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Iran  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.  Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen  als  zulässig  zu  beurteilen. 7.4.  7.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.2.  Im  Iran besteht  keine Situation  allgemeiner Gewalt,  die  sich über  das  ganze  Staatsgebiet  oder  weite  Teile  desselben  erstrecken würden.  Es  besteht  mit  anderen  Worten  keine  gänzlich  unsichere,  von  bewaffneten  Konflikten  oder  permanent  drohenden  Unruhen  dominierte  Lage, aufgrund derer die Beschwerdeführenden sich bei einer Rückkehr  unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt sehen würden. 7.4.3. Aufgrund der Aktenlage besteht zudem kein Grund zur Annahme,  die Beschwerdeführenden gerieten im Fall einer Rückkehr in den Iran aus 

D­1986/2008 individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  die  den  Vollzug  der  Wegweisung  unzumutbar  erscheinen  lassen. Die Beschwerdeführenden  führen  insbesondere  keine  gesundheitlichen  Beschwerden  an.  Der  Beschwerdeführer  absolvierte  ein  Architekturstudium  an  der  (…)  Universität  in  P._______  und  verfügt  über  einen  akademischen  Abschluss. Gemäss eigenen Angaben führte er in L._______ ein eigenes  Geschäft.  Es  ist  nicht  in  Abrede  zu  stellen,  dass  die  Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr  in  ihren Heimatstaat aufgrund  der  langen  Landesabwesenheit  mit  Schwierigkeiten  konfrontiert  sein  könnten.  Indessen  verfügen  sie  sowohl  in  L._______  als  auch  in  M._______  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz.  Gemäss  Angaben  des  Beschwerdeführers  wohnen  seine  Eltern,  sein  Bruder  und  seine  Schwester in L._______. Die Eltern, zwei Brüder und eine Schwester der  Beschwerdeführerin wohnen in M._______. 7.4.4. Sind  von  einem  allfälligen Wegweisungsvollzug  Kinder  betroffen,  bildet  das  Kindeswohl  einen  zentralen  Gesichtspunkt  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung.  Dies  ergibt  sich  nicht  zuletzt  aus  einer  völkerrechtskonformen Auslegung  von Art.  83 Abs.  4 AuG  im  Licht  von  Art.  3  Abs.  1  KRK.  Unter  dem  Aspekt  des  Kindeswohls  sind  demnach  sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf  eine Wegweisung wesentlich  erscheinen.  In  Bezug  auf  das  Kindeswohl  können  für  ein  Kind  namentlich  folgende  Kriterien  im  Rahmen  einer  gesamtheitlichen  Beurteilung  von  Bedeutung  sein:  Alter,  Reife,  Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen,  Eigenschaften  seiner  Bezugspersonen  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft und ­fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich  Entwicklung/Ausbildung,  sowie  der  Grad  der  erfolgten  Integration  bei  einem  längeren Aufenthalt  in  der Schweiz. Gerade  letzterer Aspekt,  die  Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der  Chancen  und Hindernisse  einer Reintegration  im Heimatland  bei  einem  Kind als gewichtiger Faktor  zu werten, da Kinder nicht ohne Grund aus  einem einmal vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist  aus  entwicklungspsychologischer  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare  persönliche  Umfeld  des  Kindes  (d.h.  dessen  Kernfamilie)  zu  berücksichtigen,  sondern  auch  dessen  übrige  soziale  Einbettung.  Die  Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke  Assimilierung in der Schweiz eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge  haben  kann,  welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als 

D­1986/2008 unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  BVGE  2009/28  E. 9.3.2  S.  367;  EMARK 2005 Nr. 6 E. 6 S. 55 ff. mit weiteren Hinweisen).  Die  Beschwerdeführenden  halten  sich  seit  ihrer  Einreise  am  18.  November  2003  in  der  Schweiz  auf.  Die  Kinder  der  Beschwerdeführenden sind beide noch minderjährig. Der am F._______  geborene Sohn E._______ verbrachte zwar fast sein ganzes Leben in der  Schweiz;  aufgrund  seines  Alters  und  der  damit  verbundenen  engen  Bezogenheit  auf  die  nächsten  Familienmitglieder  ist  aber  nicht  davon  auszugehen, dass er  sich  in der Schweiz bereits derart  stark assimiliert  hätte, dass eine Rückkehr in den Iran als unzumutbar erscheinen würde.  Dabei  ist  anzufügen,  dass  die  anwaltlich  vertretenen  Beschwerdeführenden  hierzu  nichts  Näheres  vorbrachten  und  insbesondere  auch  nicht  geltend machten,  ihr  Sohn  sei  in  der  Schweiz  bereits  derart  stark  verwurzelt,  dass  eine  Rückkehr  in  den  Iran  ihn  in  unzumutbarer Weise belasten würde. Dasselbe gilt für die am H._______  geborene,  nunmehr  (…)­jährige  Tochter  G._______.  Sie  hat  aufgrund  ihres  Alters  noch  nicht  die  für  ihre  Persönlichkeit  prägenden  Lebensabschnitte  in der Schweiz verbracht und  ist  im Wesentlichen von  ihren  Eltern  abhängig.  Es  liegen  zudem  insbesondere  auch  keine  Hinweise darauf vor, dass die Kinder der Beschwerdeführenden mit ihrer  Muttersprache nicht vertraut wären. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 7.5.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

D­1986/2008 vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), in Anbetracht  des  ausserordentlichen  Umfanges  der  Akten  auf  insgesamt  Fr. 900.­  festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]) und mit dem am 5. Mai 2008  in der Höhe von Fr. 600.­  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen.  Der  Saldobetrag  von  Fr.  300.­ ist nachzuzahlen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1986/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 900.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt  und  mit  dem  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. Der Saldobetrag von Fr. 300.­  ist  innert 30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu  überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Anna Kühler Versand:

D-1986/2008 — Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 D-1986/2008 — Swissrulings