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Bundesverwaltungsgericht 07.10.2011 D-1904/2010

7. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,523 Wörter·~18 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Februar 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1904/2010 Urteil   v om   7 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am …, Irak,   vertreten durch lic. iur. Johan Göttl,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 19. Februar 2010 / N … .

D­1904/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  Staatsangehöriger  des  Irak  –  reichte  am  8. August 2008  in der Schweiz ein Asylgesuch ein, worauf er vom BFM  am 27. August 2008 summarisch befragt und am 31. Juli 2009 einlässlich  zu seinen Gesuchsgründen angehört wurde (vgl. BFM­Akten; act. A1 und  A12).  Dabei gab er zu seiner Person und seinen persönlichen Verhältnissen an,  er  sei  Kurde,  er  sei  aber  in  W._______  [eine  zentralirakische  Stadt]  geboren  und  aufgewachsen,  wo  er  bis  Juli  2008,  respektive  nur  bis  Anfang Januar 2008, respektive nur bis 2005, respektive vielmehr nur bis  zum März 2004 gelebt habe, weil er von da an als Lastwagenfahrer jeden  Tag  woanders  gewesen  sei  respektive  bereits  damals  nach  X._______  [eine nordirakische Stadt] geflüchtet sei (vgl. dazu A1 Ziff. 3 und 16 sowie  A12  F. 16,  46  und  256).  Sein  Vater,  seine  vier  leiblichen  Brüder,  drei  seiner vier leiblichen Schwestern und seine sieben Halbgeschwister seien  aber  weiterhin  in  W._______  wohnhaft.  Die  Familie  seines  Vaters  stamme aus W._______, weshalb dort noch vier Onkel und zwei Tanten  väterlicherseits  lebten.  Nachdem  seine  Eltern  bereits  seit  1995  geschieden seien, lebe seine Mutter wiederverheiratet in X._______. Die  Familie  seiner  Mutter  stamme  aus  X._______,  weshalb  dort  noch  zwei  Onkel  mütterlicherseits  lebten.  Schliesslich  lebe  seine  vierte  leibliche  Schwester  verheiratet  in  Y._______  [eine  nordirakische  Stadt].  Aus  finanziellen Gründen habe er die Schule bereits  im Verlauf der sechsten  Klasse abgebrochen, worauf er Gelegenheitsarbeiten nachgegangen sei.  Danach  habe  er  von  Ende  2002  bis  Ende  2004  für  seinen  Vater  als  Schreiner  gearbeitet,  respektive  von  Januar  bis März  2004  sei  er  noch  Dolmetscher  für  die  Amerikaner  gewesen.  Im  Jahre  2005  habe  er  schliesslich  von  einem  Kurden  aus  X._______  eine  Stelle  als  Lastwagenfahrer erhalten. Von da an und noch bis zum 2. Januar 2008  habe  er  für  diesen  Mann,  später  auch  für  andere  Arbeitgeber  aus  X._______,  als  Fahrer  LKW­Transporte  für  die  Amerikaner  ausgeführt.  Ab  dieser  Zeit  habe  er  sich  aufgrund  seiner  Tätigkeit  als  Fahrer  überwiegend  auf  den  Militärbasen  bei  den  Flughäfen  von  …  [diversen  irakischen Städten] und W._______ aufgehalten und er sei nie mehr zu  seiner  Familie  nach W._______  zurückgekehrt  (A12  F. 46  und  F. 170).  Zwar  habe  er  auch  regelmässig  ein  oder  zwei  Tage  in  seiner  Firma  in  X._______  verbracht, mit  seiner  in X._______  lebenden Mutter  habe er  aber nur heimlich in Kontakt gestanden, da sich sein Vater sonst über ihn 

D­1904/2010 geärgert  hätte.  Mit  seinem  Vater  habe  er  demgegenüber  regelmässig  telefoniert  (A 12  F.  176  ­  181). Mit  seinem Vater,  aber  auch mit  seiner  Mutter  und  seinen Geschwistern,  stehe  er  bis  heute  in Kontakt  (A12 F.  212 ff.). Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer zur  Hauptsache geltend, da er als Lastwagenfahrer  für die Amerikaner  tätig  gewesen sei, werde er von den Terroristen, beispielsweise der Al­Kaida,  als Verräter angesehen, weshalb er  im  Irak an Leib und Leben bedroht  sei.  Nachdem  er  am  2.  Januar  2008  auf  einer  Lastwagenfahrt  in  einen  Hinterhalt  geraten  sei,  habe  er  sich  zur  Ausreise  aus  dem  Irak  entschlossen.  Betreffend  den  Vorfall  vom  2.  Januar  2008  führte  er  im  Wesentlichen  das  Folgende  an:  An  jenem  Tag  habe  er  sich  mit  zwei  anderen  Fahrern  von  der  US­Basis  in  …  über  W._______  nach  X._______ auf den Weg gemacht, wobei sie – um Zeit zu sparen – auf  amerikanischen  Begleitschutz  verzichtet  hätten.  Zwar  seien  sie  zur  Tarnung  mit  abmontierten  Nummernschildern  unterwegs  gewesen,  auf  ihrem Weg durch W._______ jedoch an einem Kontrollposten der Polizei  auf eine Nebenstrasse umgeleitet worden. Auf diesem Weg seien sie  in  einen  Hinterhalt  maskierter  Männer  geraten,  welche  den  Fahrer  des  ersten Lastwagens erschossen und den Fahrer des zweiten Lastwagens  verletzt hätten. Er selbst habe sich mit seinem Lastwagen an dritter Stelle  befunden und er habe mit seinem Fahrzeug ausbrechen können. Er sei  auf seiner Flucht fortwährend beschossen worden, jedoch habe er einen  Kontrollposten  der  Nationalgarde  erreichen  können.  Dort  wäre  er  allerdings  beinahe  von  den  Nationalgardisten  erschossen  worden.  Nachdem  er  sich  jedoch  als  Fahrer  der  Amerikaner  habe  erkennbar  machen  können,  sei  er  bei  der  Nationalgarde  in  Sicherheit  gewesen.  Anlässlich  einer  Befragung  durch  die  Nationalgarde  habe  man  ihn  darüber  aufgeklärt,  dass  die  Polizei  gelegentlich  mit  den  Terroristen  zusammenarbeite.  Er  habe  nie  erfahren,  was  mit  dem  zweiten  Fahrer  geschehen  sei  (A1 Ziff.  15  [erster Absatz]),  respektive  er  sei  nach dem  Vorfall von der Nationalgarde zur Kaserne der irakischen Armee gebracht  worden, wo er den Fahrer des zweiten Lastwagens wiedergetroffen habe  (A12  F.  141  [letztes  Drittel]).  Am  nächsten  Tag  sei  er  nach  Hause  gegangen  und  habe  das  Land  verlassen  (A1  Ziff.  15  [erster  Absatz]),  respektive  er  sei  am  nächsten  Tag  –  begleitet  von  Fahrzeugen  der  Nationalgarde  – mit  seinem  Lastwagen  nach X._______  gefahren  (A12  F. 167 und 185). Am Tag zuvor sei der Polizist verhaftet worden, welcher  sie  in den Hinterhalt gelenkt habe  (A12 F. 141  [am Ende]). Nach seiner  Ankunft  habe  er  gewusst,  dass  ihm  nun  der  Tod  drohe  und  deswegen 

D­1904/2010 seinen Arbeitgeber gebeten, ihm bei der Ausreise aus dem Irak behilflich  zu sein. Er habe daraufhin noch während sechs Monaten an einem  ihm  unbekannten Ort an der syrischen Grenze respektive im Dorf Z._______  bei  X._______  warten  müssen.  In  X._______  habe  er  nicht  bleiben  können,  da  ihm dort  aufgrund  seiner Herkunft  aus W._______ niemand  ein Zimmer vermietet habe (A12 F. 192 f.). Schliesslich habe er den Irak  im Juli 2008 mit Hilfe eines Schleppers in Richtung der Türkei verlassen.  Nach zirka einem Monat in der Türkei habe er auf dem Landweg über ihm  unbekannte Länder die Schweiz erreicht.  Im Rahmen der  einlässlichen Anhörung  legte der Beschwerdeführer  als  Beweismittel  –  je  in  der  Form  einer  Telefaxkopie  (vom  22.  Juli  2009) –  drei  Visitenkarten  von  Transportunternehmen,  ein  LKW­ Erkennungspapier  (A4­Format),  eine  amerikanische  Transportgenehmigung  vom  17. Juni  2007  und  ein  Warenbegleitschein  vom 12. Mai  2007  (alle  in Englisch)  sowie  eine  Lebensmittelkarte,  zwei  Spitalschreiben  und  ein  Arztzeugnis  (alle  in  Arabisch)  vor.  Im  Zusammenhang mit den  letztgenannten Beweismitteln machte er gegen  Ende  der  Anhörung  geltend,  sein  Vater  sei  seinetwegen  von  einer  terroristischen Gruppierung zweimal bedroht und schliesslich im Mai 2009  durch drei Schüsse  in die Brust und den Bauch schwer verletzt worden.  Wahrscheinlich  sei  er  (der Beschwerdeführer) während der  ganzen Zeit  seit  seiner  Ausreise  aus  dem  Irak  von  den  Terroristen  gesucht  worden  (A12 F. 196 ­ F. 208). Auf die Frage des BFM nach allfälligen weiteren Gesuchsgründen führte  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  an,  im  Jahre  1999  sei  einer  seiner  Brüder  in  X._______  ermordet  worden,  was  zu  einer  Familienfehde  geführt  habe  (A1  S.  6  Mitte).  Diesbezüglich  führte  er  im  Rahmen  der  einlässlichen  Anhörung  auf  Nachfrage  hin  aus,  er  persönlich  habe  in  X._______  wegen  dieses  Ereignisses  keine  Probleme  gehabt,  denn  es  gebe  keine  Feindschaft  mehr,  da  zwischen  den  Familien  durch  Vermittlung der Barzani­Gruppe eine Versöhnung erreicht worden sei. So  lebe  der Mörder  seines Bruders weiterhin  im  kurdischen  Irak  (vgl.  dazu  A12  F.  238  ff.  und  F.  245).  Gegen  Ende  der  einlässlichen  Anhörung  machte der Beschwerdeführer zusätzlich geltend, er sei an sich bereits im  Frühjahr 2004 von Verfolgung bedroht gewesen, da er damals – im Alter  von  rund  …  Jahren  [als  Jugendlicher]  –  für  die  Amerikaner  als  Dolmetscher gearbeitet habe. Nachdem er aufgrund seiner Tätigkeit von  Terroristen verletzt worden sei, sei er  in W._______ in Gefahr gewesen,  weshalb er sich 2004 nach X._______ begeben habe, wo er schliesslich 

D­1904/2010 2005  seine  Anstellung  als  Lastwagenfahrer  gefunden  habe  (vgl.  dazu  A12 F. 248 ff.).  B.  Mit  Verfügung  vom  19. Februar  2010  –  eröffnet  am  23. Februar  2010 –  lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  an.  In  seinem  Entscheid  erkannte  das  BFM  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  insgesamt  als  unglaubhaft  und  den  Vollzug  der  Wegweisung in den Nordirak als zulässig, zumutbar und möglich. Auf die  Begründung im Einzelnen wird nachfolgend eingegangen.  C.  Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 24. März 2010  Beschwerde,  indem  er  angab,  er  sei  mit  dem  Entscheid  nicht  einverstanden.  D.  Da  die  vorgenannte  Eingabe  den  Anforderungen  an  eine  ordentliche  Beschwerde (im Sinne von Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  mangels  konkreter  Anträge  und  sachbezogener  Begründung  nicht  genügte,  wurde  der  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 29. März  2010  –  unter  Androhung  des  Nichteintretens  im  Unterlassungsfall  –  zur  Verbesserung  aufgefordert  (Art. 52 Abs. 2 und 3 VwVG). Gleichzeitig wurde vom Beschwerdeführer  – unter  Androhung  des  Nichteintretens  im  Unterlassungsfall  –  ein  Kostenvorschuss von Fr. 600.– einverlangt (Art. 63 Abs. 4 VwVG).  E.  Mit  Eingabe  vom  13.  April  2010  (Poststempel)  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  fristgerecht  eine  Beschwerdeverbesserung  nachreichen.  Dabei  beantragte  er  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges und die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in  der Schweiz. Gleichzeit ersuchte er um Erlass der Verfahrenskosten (im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG)  und  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht sowie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als  unentgeltlicher Rechtsbeistand  (im Sinne  von Art.  65 Abs.  2 VwVG).  In 

D­1904/2010 seiner Eingabe hielt er an seinen Gesuchsvorbringen fest, welche er als  flüchtlingsrechtlich  relevant  erklärte.  Auf  die  Beschwerdebegründung  im  Einzelnen,  sowie  auf  die mit  der Beschwerde  vorgelegten Beweismittel,  wird nachfolgend eingegangen. F.  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  16. April  2010  wurde  für  den  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen.  Auf  einen  Kostenvorschusses  wurde  wiedererwägungsweise  verzichtet.  Das  Gesuch  um  Beiordnung  eines  unentgeltliche  Rechtseistandes  wurde  demgegenüber  abgewiesen.  Schliesslich  wurde  das  BFM  unter  Zustellung  der  Akten  zur  Vernehmlassung  eingeladen  (Art.  57  Abs.  1  VwVG).  G.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  21.  April  2010  hielt  das  BFM  unter  Verweis auf seine bisherigen Erwägungen am angefochtenen Entscheid  fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die vorinstanzliche  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  nächsten  Tag  zur  Kenntnisnahme zugestellt.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die  Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl.  dazu Art. 105 des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG,  soweit  das VGG oder  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG).  1.3. Auf dem Gebiet des Asyls kann mit Beschwerde die Verletzung von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 

D­1904/2010 rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4.  Auf  die  frist­  und  nach  erfolgter  Verbesserung  auch  formgerechte  Beschwerde des legitimierten Beschwerdeführers ist einzutreten (Art. 108  Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs.1 VwVG). 2.  2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  3.  3.1.  In  der  angefochtenen  Verfügung  erkennt  das  BFM  die  Gesuchsvorbringen  des  Beschwerdeführers  als  insgesamt  unglaubhaft,  da  dessen  Schilderungen  in  entscheidrelevanter  Hinsicht  mit  nicht  nachvollziehbaren Elementen und mit Widersprüchen behaftet und seine  Angaben in zentralen Punkten lückenhaft seien. Als nicht nachvollziehbar  erklärt  das  Bundesamt  vorab  die  geltend  gemachte  Tätigkeit  als  Dolmetscher  für  die Amerikaner  im Alter  von angeblich bloss … Jahren  [als  Jugendlicher].  Die  daraus  angeblich  folgende  Gefährdung  in  W._______  erklärt  es  als  unvereinbar  mit  der  geltend  gemachten  Tätigkeit  als  Lastwagenfahrer,  habe  doch  diese  Tätigkeit  den  Beschwerdeführer in den folgenden Jahren regelmässig nach W._______  gebracht.  Nicht  nachvollziehbar  sei  ferner,  dass  der  Beschwerdeführer 

D­1904/2010 trotz  einer  angeblich  ab  dem  2. Januar  2008  akuten  Gefährdungslage  noch sechs Monate mit seiner Ausreise aus dem Irak zugewartet habe. In  dieser  Hinsicht  habe  er  sich  zudem  in  seinen  Angaben  zu  seinem  Aufenthaltsort  bis  zur  Ausreise  widersprochen,  indem  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  einen  Aufenthalt  an  einem  ihm  unbekannten  Ort  behauptet,  im Rahmen der einlässlichen Anhörung hingegen über einen  Aufenthalt  im  Dorf  Z._______  bei  X._______  berichtet  habe.  Vor  dem  Hintergrund der  geltend gemachten Tätigkeit  als Berufschauffeur  erklärt  das  Bundesamt  als  ebenfalls  nicht  nachvollziehbar,  dass  der  Beschwerdeführer weder detailliert über die Stationen seiner Reise in die  Schweiz  habe  berichten  können  noch  in  der  Lage  gewesen  sei,  den  exakten  Ausreisezeitpunkt  zu  benennen.  Schliesslich  habe  sich  der  Beschwerdeführer auch in der Beschreibung seines Verhaltens nach dem  geltend gemachten Ereignis vom 2. Januar 2008 widersprochen. So habe  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  vorgebracht,  er  sei  nach  dem Ereignis  erst  nach  Hause  gegangen,  wogegen  er  im  Rahmen  der  einlässlichen  Anhörung versichert habe, er sei nicht mehr nach Hause zurückgekehrt,  sondern  er  habe  sich  direkt  nach  X._______  begeben.  Als  nicht  nachvollziehbar  erklärt  das BFM  letztlich das Vorbringen,  der Vater  des  Beschwerdeführers sei  (erst) ein Jahr nach der Ausreise seines Sohnes  von  Terroristen  aufgesucht  und  angeschossen  worden.  Nach  diesen  Feststellungen  hält  das  Bundesamt  fest,  die  vorgelegten  Beweismittel  seien nicht  geeignet,  die geltend gemachte Tätigkeit  für  die Amerikaner  und den geltend gemachten Vorfall  vom 2. Januar 2008 zu belegen.  Im  Gegenteil  werde  in  einem  der  Dokumente  nicht  der  Beschwerdeführer,  sondern  eine  andere  Person  namentlich  genannt.  Zudem  habe  der  Beschwerdeführer  weitere  Beweismittel  betreffend  seine  angebliche  Tätigkeit  für  die Amerikaner  und  den  geltend  gemachten Vorfall  vom 2.  Januar 2008 in Aussicht gestellt, diesbezüglich aber nichts nachgereicht.  Dieses Verhalten entspreche ebenfalls nicht demjenigen einer tatsächlich  verfolgten Person.  3.2. Im Beschwerdeverfahren hält der Beschwerdeführer vorab an seinen  Gesuchsvorbringen  fest,  wobei  er  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  betreffend  Widersprüche  und  Ungereimtheiten  in  seinem  Sachverhaltsvortrag als in allen Punkten unbegründet erklärt. So führt er  namentlich  an,  er  habe  sich  tatsächlich  bereits  ab  dem  Alter  von  …  Jahren [als Jugendlicher] für die Amerikaner betätigt und er sei deswegen  ab  dem  Jahre  2004  in  W._______  seines  Lebens  nicht  mehr  sicher  gewesen. Kinderarbeit sei  im  Irak schliesslich durchaus üblich, was sich  mit  Quellen  belegen  lasse.  Wenn  er  sich  in  den  folgenden  Jahren 

D­1904/2010 aufgrund  seiner  Tätigkeit  als  Chauffeur  dennoch  hin  und  wieder  in  W._______  aufgehalten  habe,  so  sei  dies  jeweils  nur  für  die  kurze Zeit  des Ent­ und Beladens gewesen. Zudem habe er sich normalerweise nur  Nachts  und  mit  Begleitschutz  durch  W._______  bewegt,  weshalb  die  Gefahr von Übergriffen kleiner als vor 2004/2005 gewesen sei. Nach dem  Ereignis vom 2. Januar 2008 sei er tatsächlich noch für sechs Monate in  seiner  Heimat  geblieben,  was  sich  aber  entgegen  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  durchaus  mit  der  Ausreiseorganisation  erklären  lasse.  So  habe  er  beim  Bundesamt  plausibel  dargelegt,  dass  der  Schlepper  die  Ausreise  immer wieder verschoben habe. Zudem habe er sich während  der  ganzen  Zeit  versteckt  gehalten,  um  allfälligen  Übergriffen  zu  entgehen.  Den  vorinstanzlichen Vorhalt,  er  habe  sich  betreffend  seinen  Aufenthaltsort  während  der  letzten  sechs  Monate  vor  seiner  Ausreise  widersprochen, erklärte er vor dem Hintergrund des bloss summarischen  Charakters der Kurzbefragung als unzulässig. Richtig sei vielmehr, dass  er  im Rahmen der einlässlichen Anhörung keine von der Kurzbefragung  diametral  abweichenden  Angaben  gemacht  habe,  und  er  habe  bei  der  Anhörung  auch  keine  Gründe  vorgebracht,  welche  er  nicht  bereits  anlässlich  der  Kurzbefragung  erwähnt  habe.  Soweit  Unterschiede  beständen, beträfen diese bloss Details. Bei der Kurzbefragung habe er  sich tatsächlich nicht mehr an alle Orte und Namen erinnern können, ihm  sei  jedoch  bei  dieser  Gelegenheit  nicht  genügend  Zeit  eingeräumt  worden,  was  sich  im  Übrigen  aus  einem  entsprechenden  Vermerk  im  Protokoll ergebe.  Im Hinblick auf die einlässliche Anhörung habe er sich  jedoch wieder alles vor Augen geführt und zudem Landsleute angefragt,  welche  ihn über seinen  tatsächlichen Aufenthaltsort während der  letzten  sechs  Monate  aufgeklärt  hätten.  Völlig  haltlos  sei  der  vorinstanzliche  Vorhalt, dass er als Chauffeur seinen Reiseweg in die Schweiz nicht habe  beschreiben können, seien ihm doch die Gegebenheiten ausserhalb des  Irak nicht bekannt und er sei zudem während seiner gesamten Reise  in  einem  geschlossenen  Lastwagen  eingesperrt  gewesen.  Ebenfalls  nicht  stichhaltig  erweise  sich der Vorhalt  betreffend eine angeblich ungenaue  Angabe seines Ausreisezeitpunktes, da man sich leicht um ein paar Tage  täuschen könne. Im Übrigen halte er daran fest, dass er – entgegen den  vorinstanzlichen Erwägungen – nach dem Ereignis  vom 2.  Januar 2008  nicht mehr  nach Hause,  sondern  direkt  nach X._______  gegangen  sei.  Die  anders  lautende  Protokollstelle  der  Kurzbefragung  sei  falsch,  und  zudem  sei  damit  kein  relevanter  Punkt  betroffen.  Es  möge  schliesslich  erstaunen, dass sein Vater erst ein Jahr nach seiner Ausreise das Opfer  eines  Übergriffs  geworden  sei,  vor  dem  Hintergrund  der  im  Irak  herrschenden Verhältnisse sei dies jedoch nicht undenkbar. Nach diesen 

D­1904/2010 Ausführungen  hielt  der  Beschwerdeführer  unter  Vorlage  der  bereits  bekannten  Beweismittel  im  Original  (Transportbewilligung,  Frachtbrief  und  LKW­Erkennungspapier)  sowie  unter  Vorlage  neuer  Beweismittel  (zwei  Fotos)  sowohl  an  der  geltend  gemachten  Tätigkeit  als  Lastwagenfahrer  als  auch  an  der  geltend  gemachten  Tätigkeit  als  jugendlicher  Übersetzer  für  die  Amerikaner  fest.  Unter  Vorlage  seiner  Identitätskarte  im Original  führte er an, damit dürften allfällige Zweifel an  seiner  Identität ausgeräumt sein. Nachdem sein Sachverhaltsvortrag mit  Dokumenten belegt und zudem im Wesentlichen schlüssig, substanziiert  und bis auf einige erklärbare Punkte auch widerspruchsfrei sei, seien die  Anforderungen an die Glaubhaftmachung erfüllt.  Nach  seinen  Ausführungen  zur  Glaubhaftigkeit  erklärt  der  Beschwerdeführer  seine  Vorbringen  als  flüchtlingsrechtlich  relevant,  mithin er im Irak keinen Schutz vor der Verfolgung finden könne, welche  ihm  von  Seiten  der  Terroristen  –  bei  welchen  es  sich  vermutlich  um  Islamisten  handle  –  drohe.  Im  Sinne  der  publizierten  Praxis  der  Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) sei er schutzbedürftig, da  er im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Irak akut von Seiten nichtstaatlicher  Akteure  verfolgt  gewesen  sei  und  diese  Verfolgungslage  weiterhin  landesweit  akut  sei.  So  sei  er,  aber  auch  sein  Vater,  das  Ziel  von  Mordversuchen geworden,  und er  sei  überzeugt,  dass er  im Falle  einer  Rückkehr  in  den  Irak  wegen  seiner  Tätigkeit  für  die  Amerikaner  umgebracht würde. Damit erfülle er das Profil einer potentiell gefährdeten  Person,  wie  vom  Bundesverwaltungsgericht  im  Grundsatzurteil  BVGE  2008/12  in  E.  6.4.2  beschrieben.  Mit  einer  Schutzgewährung  im  kurdischen  Nordirak  respektive  im  Gebiet  der  drei  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya  –  wie  in  BVGE  2008/4  beschrieben – könne er nicht rechnen, da er nicht von dort, sondern aus  W._______  und  damit  aus  dem  Zentralirak  stamme.  Anders  als  im  Nordirak  seien  in  W._______  die  Verhältnisse  viel  schlechter.  Auf  der  anderen  Seite  könne  er  sich  auch  nicht  auf  eine  Schutzgewährung  im  Norden verlassen, weil  dort  schliesslich nicht  jedermann Zuflucht  finden  könne.  Er  selbst  habe  weder  Bindungen  zu  den  grossen  kurdischen  Parteien noch ein familiäres Netzwerk im Norden, da er mit seiner Mutter  in X._______ nur versteckt gelebt und zu seiner Schwester in Dohuk gar  keinen Kontakt gehabt habe. Da alle weiteren Verwandten in W._______  seien, stelle der Nordirak keine innerstaatliche Fluchtalternative dar.   4. 

D­1904/2010 4.1. Der  Beschwerdeführer  hat  sich  –  wie  vorstehend  aufgezeigt  –  mit  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  sehr  umfassend  auseinandergesetzt,  indem  er  die  Feststellungen  des  Bundesamtes  betreffend  die  Unglaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen  Punkt  für  Punkt  zu  entkräften  versucht. Aufgrund der Akten  ist  jedoch  festzustellen,  dass er entgegen  seinen  Beschwerdevorbringen  nicht  zu  in  sich  schlüssigen  und  in  den  zentralen Punkten auch widerspruchsfreien Schilderungen der angeblich  ausreiserelevanten  Ereignisse  in  der  Lage  war.  Aufgrund  markanter  Mängel im Sachverhaltsvortrag kann kein Anlass zur Annahme bestehen,  er  sei,  wie  von  ihm  behauptet,  ab  dem  Jahre  2004  und  bis  zu  seiner  Ausreise  im Sommer 2008 gezielt  von Nachstellungen von  "Terroristen"  bedroht  gewesen.  Seine  Vorbringen  sind  in  den  zentralen  Punkten  als  unglaubhaft  zu  erkennen,  womit  der  behaupteten  Furcht  vor  Nachstellungen im Irak die Grundlage entzogen ist: 4.1.1.  Im  Zusammenhang  mit  den  Sachverhaltsangaben  des  Beschwerdeführers fällt vorab auf, dass er sich bereits betreffend die sehr  einfache  Frage  nach  seinem  Lebensmittelpunkt  in  relevante  Widersprüche verstrickt hat, indem er seine Angaben zu seinem Wohnort  vor  seiner  Ausreise mehrfach massgeblich  revidiert  hat.  Hat  er  bei  der  Kurzbefragung  noch  geltend  gemacht,  er  sei  bis  zum  Sommer  2008  respektive  bis  exakt  zum  2.  Januar  2008  bei  seiner  Familie  im  W._______ wohnhaft  gewesen,  so  hat  er  im Rahmen  der  einlässlichen  Anhörung  auf  mehrfache  Nachfrage  vorgebracht,  er  habe  W._______  bereits 2005 respektive vielmehr bereits 2004 endgültig verlassen und er  sei  danach  nie  mehr  nach  Hause  zurückgekehrt.  Aufgrund  seiner  Ausführungen  ist  letztlich  davon  auszugehen,  sein  Lebensmittelpunkt  habe  sich  spätestens  ab  dem  Jahre  2005  ausschliesslich  im  nordirakischen  X._______  befunden.  Alleine  der  Umstand,  dass  er  während  der  folgenden  Jahre  als  Lastwagenfahrer  viel  unterwegs  gewesen  sein  will,  ändert  daran  nichts.  Auf  die  Frage  des  Lebensmittelpunktes,  welche  von  Bedeutung  ist,  ist  nachfolgend  wiederholt zurückzukommen.  4.1.2.  Der  Beschwerdeführer  will  bereits  vor  seinem  Umzug  von  W._______ nach X._______ –  im Frühjahr 2004 und damit als  lediglich  …­jähriger  [Jugendlicher]  –  als  Dolmetscher  für  die  Amerikaner  tätig  gewesen  und  deshalb  von  den  Islamisten  verfolgt  worden  sein.  Seine  diesbezüglichen  Ausführungen  können  indes  – wie  vom BFM  zu Recht  erkannt  –  nicht  überzeugen,  zumal  der  Beschwerdeführer  nicht  einmal  über  relevante  Englischkenntnisse  verfügt  (A12  F.  254  f.).  Wäre  das 

D­1904/2010 behauptete  Engagement  für  den  Beschwerdeführer  von  Bedeutung  gewesen und hätte tatsächlich zu ernsthaften Nachteilen geführt, so hätte  dieses mit Sicherheit einen Niederschlag im Protokoll zur Kurzbefragung  gefunden und wäre vom Beschwerdeführer auch nicht erst gegen Ende  der einlässlichen Anhörung geltend gemacht worden. Dort hat er  jedoch  auf  die  Fragen  nach  seiner  Beschäftigung  nach  dem  Schulabbruch  ausschliesslich  auf  seine  Tätigkeit  auf  dem  Bau  und  seine  spätere  Tätigkeit für seinen Vater verwiesen. Die erst gegen Ende der Anhörung  gemachten  Ausführungen  über  angeblich  bedeutende  Verbindungen  zu  den  Amerikanern  erweisen  sich  von  daher  sowie  aufgrund  einer  klar  mangelhaften  Substanziierung  –  dies  gerade  auch  hinsichtlich  der  Umstände seiner angeblichen Verletzung aufgrund seiner Tätigkeit  (A12  F.  256)  –  als  offenkundig  nachgeschoben.  Zwar  legt  der  Beschwerdeführer  ein  Foto  vor,  welches  ihn  als  Jugendlichen  im  Kreis  von  Amerikanern  zeigen  soll.  Alleine  dieses  Foto  ist  jedoch  nicht  geeignet,  das  geltend  gemachte  Engagement  und  namentlich  die  behauptete,  darauf  beruhende  Gefährdungslage  zu  plausibilisieren.  Schliesslich dürften vielerorts gerade kurdische Jugendliche den Kontakt  zu  den  im  Irak  anwesenden  Amerikanern  gesucht  haben,  da  die  Amerikaner  bei  den  kurdischen  Irakern  aufgrund  der  Niederschlagung  des Regimes von Saddam Hussein willkommen waren. Zudem dürften für  die kurdischen Jugendlichen die Kontakte mit den Amerikanern stets mit  der Aussicht auf einen kleinen Nebenverdienst verbunden gewesen sein,  woraus sich  jedoch noch nicht ein ernstzunehmendes Gefährdungsprofil  ergibt.  4.1.3. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er sei  im Jahre 2005  von  einem  Transportunternehmer  in  X._______  als  Lastwagenfahrer  angestellt  worden.  Aufgrund  des  damaligen  Alters  des  Beschwerdeführers von lediglich … Jahren wirft dieses Vorbringen jedoch  Zweifel  auf.  Ein  Transportunternehmer  würde  wohl  kaum  einem  Jugendlichen  einen  LKW  überantworten.  Vorstellbar  ist  immerhin,  dass  der  Beschwerdeführer  als  Hilfskraft  auf  nordirakischen  Lastwagen  tätig  und  später  auch  selber  als  Lastwagenfahrer  angestellt  war.  Der  Beschwerdeführer verweist in diesem Zusammenhang namentlich auf die  vorgelegte  Transportgenehmigung  vom  17. Juni  2007  und  den  Warenbegleitschein  vom  12. Mai  2007.  Diesbezüglich  ist  zwar  festzustellen, dass der Warenbegleitschein im Original­Ausdruck auf "…"  lautet. Erst nach einer handschriftlichen Überschreibung lautet er auf "…",  also  auf  die  im  Irak  durchaus  gebräuchliche  Verbindung  von  Eigen­ Vornamen mit dem Vater­Vornamen. Das zweite vom Beschwerdeführer 

D­1904/2010 vorgelegte  Foto  spricht  aber  wiederum  für  eine  Beschäftigung  im  amerikanischen  Umfeld.  Insgesamt  bestehen  zwar  gewisse  Zweifel  an  den Ausführungen des Beschwerdeführers, aufgrund seiner Angaben zu  seinen  Einsatzorten  ist  jedoch  nach  einer  Gesamtabwägung  nicht  auszuschliessen,  dass  er  vor  seiner  Ausreise  aus  dem  Irak  tatsächlich  einige  Zeit  als  Lastwagenfahrer  oder  als  Lastwagenhelfer  unterwegs  gewesen  ist.  Alleine  dieser  Punkt  erweist  sich  jedoch  nicht  als  ausschlaggebend.  4.1.4.  Auch  wenn  davon  ausgegangen  wird,  der  Beschwerdeführer  sei  vor  seiner  Ausreise  aus  dem  Irak  einige  Zeit  als  Lastwagenfahrer  oder  Lastwagenhelfer  unterwegs  gewesen,  so  ist  alleine  damit  die  geltend  gemachte  Verfolgungssituation  nicht  glaubhaft  gemacht.  In  diesem  Zusammenhang  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  im  Irak,  welcher  fast  30  Millionen  Einwohner  zählt,  für  die  amerikanischen  Streitkräfte  tausende  von  lokalen  Lastwagen  unterwegs  waren.  Im  geltend  gemachten  Zeitraum waren rund 160'000 Einheiten der US­Streitkräfte und zusätzlich  eine  grosse  Zahl  an  privaten  amerikanischen  Sicherheitskräften  mit  Verbrauchsgütern  zu  versorgen.  Aufgrund  einer  sehr  weitgehenden  Auslagerung von Logistikaufgaben wurden von der US­Administration  in  gewaltigem  Umfang  Transportaufträge  an  private  Firmen  vergeben.  Aufgrund einer vermutungsweise höheren Verlässlichkeit dürften gerade  im  kurdischen  Norden  domizilierte  Transportunternehmen  sehr  viele  dieser Aufträge erhalten haben. Werden diese Umstände berücksichtigt,  dann weist der Beschwerdeführer – ein von X._______ aus operierender  kurdischer  Lastwagenfahrer  oder  Helfer  –  kein  besonderes  Profil  auf,  sondern er fügt sich in die Masse der (Nord­)Iraker ein, welche direkt oder  indirekt  für  die  im  Irak  befindlichen  Amerikaner  tätig  waren.  Der  Beschwerdeführer vermochte denn auch in keiner Weise nachvollziehbar  darzulegen,  wie  die  angeblichen  "Terroristen"  etwas  über  seine  Person  hätten  in Erfahrung bringen sollen, wie auch mangels Profil offen bleibt,  aus  welchem  Grund  ihm  die  "Terroristen"  bis  in  den  Nordirak  hätten  nachstellen sollen. 4.1.5. An dieser Einschätzung vermögen auch die angeblichen Ereignisse  vom  2.  Januar  2008  nichts  zu  ändern.  Anlässlich  einer  Fahrt  durch  W._______  sei  er  mit  zwei  weiteren  Kollegen  in  einen  Hinterhalt  und  damit  ins  Visier  von  Terroristen  geraten.  Seine  Schilderungen  zur  damaligen  Fahrt  und  zum  geltend  gemachten  Vorfall  sind  zwar  ausführlich und sie weisen auch nachvollziehbare Details auf. Dies allein  beweist  jedoch  nicht,  dass  der  Beschwerdeführer  das  Erzählte  in  der 

D­1904/2010 dargelegten  Form  auch  tatsächlich  selbst  erlebt  hat.  Dass  der  Beschwerdeführer  gezielt  von  den  Terroristen  gesucht  und  angegriffen  worden sei, erscheint vielmehr nicht glaubhaft. So ergeben sich aus den  Ausführungen  gewichtige Ungereimtheiten.  Der  Beschwerdeführer  hat –  wie  vom  BFM  zu  Recht  erkannt  –  im  Rahmen  der  Kurzbefragung  angeführt,  er  sei  nach  dem  Vorfall  vom  2. Januar  2008  "nach  Hause"  zurückgekehrt,  wogegen  er  im  Rahmen  der  einlässlichen  Anhörung  vorgebracht hat, er sei nach dem Vorfall unter Begleitschutz direkt nach  X._______ gebracht worden. Diesen unterschiedlichen Aussagen, welche  den  weiteren  Verlauf  nach  dem  eigentlichen  Schlüsselereignis  beschlagen,  ist  entgegen  den  Beschwerdevorbringen  massgebliches  Gewicht  zuzumessen. Auflösen  liesse  sich der Widerspruch  zwar  dann,  wenn der Beschwerdeführer in der Kurzbefragung mit "nach Hause" eben  X._______  gemeint  hätte.  Dies  widerspricht  jedoch  wiederum  den  ausdrücklichen  dortigen  Angaben  und  würde  insbesondere  auch  den  darauf  aufbauenden  Fluchtgründen  (gezielte  und  ernsthafte  Nachstellungen  durch  Terroristen  in  W._______  ohne  innerstaatliche  Fluchtalternative)  den  Boden  entziehen.  Ein  weiterer  und  in  gleichem  Masse gewichtiger Widerspruch ergibt  sich aus den Schilderungen zum  Schicksal  der  beiden  Freunde  des  Beschwerdeführers  respektive  der  zwei anderen Lastwagenfahrer. Zwar hat er betreffend den ersten Fahrer  übereinstimmend geltend gemacht,  dieser  sei  getötet worden.  In  seinen  Ausführungen zum Schicksal des zweiten Fahrers hat er demgegenüber  anlässlich  der  Kurzbefragung  –  im  Rahmen  des  freien  Sachverhaltsvortrages – ausdrücklich angeführt,  er wisse nicht, was mit  diesem  passiert  und  wohin  dieser  geflohen  sei  (A1  Ziff.  15  [erster  Absatz]). Demgegenüber hat er im Rahmen der einlässlichen Anhörung –  ebenfalls  im  Rahmen  des  freien  Sachverhaltsvortrages  –  ausdrücklich  über  das  persönliche Wiedersehen  mit  seinem  leicht  verletzten  Freund  am  Abend  nach  dem  Vorfall  und  der  gemeinsamen  Verbringung  nach  X._______ berichtet (A12 F. 141 [letztes Drittel]). Schliesslich ist auch zu  bemerken,  dass  der  Beschwerdeführer  wohl  in  der  Lage  gewesen  sein  müsste, den von  ihm geltend gemachten Vorfall  und seine Verstrickung  durch  behördliche  Dokumente  zu  belegen,  zumal  er  Schutz  und  Geleit  durch die Nationalgarde erlangt habe und angeblich der Polizist, der sie  in  den Hinterhalt  geleitet  habe,  festgenommen worden  sei.  Es  wäre  zu  erwarten,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  von  diesem  Strafverfahren als Zeuge befragt worden wäre. 4.1.6.  Nach  den  vorstehenden  Feststellungen  bestehen  gewichtige  Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Bezeichnenderweise 

D­1904/2010 verstrickt  sich  der  Beschwerdeführer  daran  anschliessend  in  der  Beschreibung  der  Zeit  bis  zu  seiner  Ausreise  aus  dem  Irak  in  weitere  Widersprüche  respektive  in  unlogische  Angaben.  Nachdem  er  die  folgenden  sechs Monate  in  ein  und  demselben  Dorf  zugebracht  haben  will, ist beispielsweise nicht nachvollziehbar, dass er erst im Rahmen der  einlässlichen Anhörung in der Lage gewesen sein soll, dieses Dorf beim  Namen zu nennen. Und nachdem er bereits ab dem Jahre 2005 stets für  Arbeitgeber  in  X._______  tätig  gewesen  sein  will,  ist  nicht  nachvollziehbar,  dass  ihm  dort  für  die  Zeit  bis  zu  seiner  Ausreise  von  niemandem  eine  Unterkunft  zur  Verfügung  gestellt  worden  sein  soll,  alleine  weil  er  ein  junger  Mann  sei  und  aus  W._______  stamme.  Das  Aussageverhalten  des  Beschwerdeführers  lässt  vielmehr  darauf  schliessen,  dass  er  seinen  tatsächlichen  Aufenthaltsort  während  der  letzten  Monate  vor  der  Ausreise  zu  verschleiern  versucht.  Aufgrund  seines  persönlichen  Hintergrundes,  namentlich  der  mannigfachen  persönlichen  und  beruflichen  Anknüpfungspunkte,  ist  indes  davon  auszugehen, er habe sich bis zu seiner Ausreise dauernd  in X._______  aufgehalten.  Das  Beschwerdevorbringen,  er  sei  dort  in  akuter  Gefahr  gewesen, kann nach vorstehenden Feststellungen nicht überzeugen. 4.2. Der Beschwerdeführer  hat  gegen Ende der  einlässlichen Anhörung  vorgebracht, er habe mittlerweile erfahren, dass sein Vater seinetwegen  mehrfach  bedroht  und  schliesslich  im  Mai  2009  angeschossen  worden  sei.  Indes  ist  –  wie  vom  BFM  zu  Recht  erkannt  –  nicht  einzusehen,  weshalb es mehr als vier Jahre nach dem Umzug des Beschwerdeführers  von W._______ nach X._______ und weit mehr  als  ein  Jahr  nach dem  angeblichen  Ereignis  vom  2.  Januar  2008  noch  zu  einem Übergriff  auf  dessen  Vater  hätte  kommen  sollen.  Das  Beschwerdevorbringen,  aufgrund  der  Verhältnisse  im  Irak  sei  dies  nicht  unmöglich,  kann  nicht  überzeugen.  Sollte  der  Vater  tatsächlich  im  Mai  2009  in  W._______  angeschossen worden sein, was bereits in anderer Sache als zweifelhaft  erkannt  worden  ist  (vgl.  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 920/2011  vom  7. September  2011  betreffend  den  jüngeren  Bruder  des  Beschwerdeführers), so ist jedenfalls kein Konnex zum Beschwerdeführer  erkennbar.  4.3. Nach  den  vorstehenden  Erwägungen  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Irak  gezielten  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt war oder solche zu befürchten hatte. 

D­1904/2010 4.4.  Der  Vollständigkeit  halber  bleibt  anzumerken,  dass  auch  die  Beschwerdevorbringen  betreffend  die  angebliche  flüchtlingsrechtliche  Relevanz  der  Gesuchsvorbringen  respektive  das  angebliche  Nichtvorhandensein einer innerstaatlichen Fluchtalternative im kurdischen  Nordirak nicht überzeugen können. Der Beschwerdeführer unterschlägt in  seinen  diesbezüglichen  Ausführungen,  dass  er  als  Kurde  mit  nordirakischen  Wurzeln  (mütterlicherseits)  seinen  Lebensmittelpunkt  schon vor Jahren  ins nordirakische X._______ verschoben hat, weshalb  seine  Ausführungen  über  seinen  angeblich  tatsächlich  ausschliesslich  zentralirakischen Hintergrund  ins  Leere  zielen. Ein massgebliches Profil  weist  der  Beschwerdeführer  selbst  unter  Annahme  einer  zeitweiligen  Tätigkeit als Lastwagenfahrer oder Lastwagenhelfer aus den kurdischen  Nordirak  nicht  auf,  und  er  verfügt  in  X._______  über  enge  Anknüpfungspunkte, weshalb er dort – wie in BVGE 2008/4 beschrieben  – vor  allfälligen  Nachstellungen  von  Seiten  von  zentralirakischen  "Terroristen"  in  Sicherheit  wäre.  Auf  weitere  Erwägungen  dazu  kann  indes  vor  dem  Hintergrund  der  vorstehenden  Feststellungen  verzichtet  werden.  4.5.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte.  Das BFM hat demnach die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und  das Asylgesuch abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  BVGE  2008/34  E.  9.2  sowie Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 

D­1904/2010 vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  Walter  Stöckli,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2.  6.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner  Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 0.142.30]).  Sodann  darf  gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden. 6.2.2. Die  Vorinstanz  weist  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte 

D­1904/2010 dafür, dass er für den Fall einer Rückführung in den Heimatstaat dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  gelingt  dem  Beschwerdeführer  nicht,  da  die  angebliche  Bedrohung  von  Seiten  unbekannter  "Terroristen"  nicht  glaubhaft  ist.  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  im Nordirak  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig erscheinen (vgl. zur Sicherheitslage im Nordirak sowohl BVGE  2008/4  E.  6  S.  40  ff.  als  auch  UK  Home  Office,  Country  of  Origin  Information  Report,  Iraq,  vom  30. August  2011,  u.a.  betreffend  die  Kurdistan  Regional  Government  Area,  insbes.  Ziff.  8.82  ­  8.84  zur  Sicherheitssituation). 6.2.3. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung festgestellt, so ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  in  BVGE  2008/4  und  BVGE  2008/5  ausführlich  mit  der  Sicherheitslage  im  Nordirak  auseinandergesetzt.  Im  zweitgenannten  Urteil  befasste  es  sich  insbesondere mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  in  die  drei  kurdischen  Provinzen  des  Nordiraks  (Dohuk,  Erbil,  Suleimaniya).  Es  kam  zum  Schluss,  dass  in  den  kurdischen  Nordprovinzen  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrsche  und  die  dortige  politische  Situation  nicht  dermassen  angespannt  sei,  als  dass  eine  Rückführung  dorthin  als  generell  unzumutbar  betrachtet  werden  müsste. Die Anordnung des Wegweisungsvollzugs setze  jedoch voraus,  dass  die  betreffende  Person  ursprünglich  aus  der  Region  stammt  oder  eine  längere  Zeit  dort  gelebt  hat  und  über  ein  soziales  Netz  (Familie, 

D­1904/2010 Verwandtschaft  oder  Bekanntenkreis)  oder  über  Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien  verfügt.  Andernfalls  dürfte  eine  soziale  und  wirtschaftliche Integration in die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da  der  Erhalt  einer  Arbeitsstelle  oder  von  Wohnraum  weitgehend  von  gesellschaftlichen  und  politischen  Beziehungen  abhänge.  Zusammenfassend  sei  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  für  alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer,  die  ursprünglich  aus der Region  stammen und dort  nach wie  vor über ein  soziales Netz  oder  Parteibeziehungen  verfügen,  in  der  Regel  zumutbar.  Für  alleinstehende Frauen und für Familien mit Kindern, sowie für Kranke und  Betagte  sei  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung  angebracht  (vgl.  BVGE  2008/5 E. 7.5.8 S. 72). 6.3.2. In Kenntnis dieser Praxis macht der Beschwerdeführer im Rahmen  seiner  Beschwerdeverbesserung  geltend,  er  stamme  aus  W._______,  also  aus  dem  Zentralirak,  und  in  seinem  Fall  sei  keine  hinreichende  Bindung  zum Nordirak  gegeben.  Er  habe  in  X._______  nie  für  längere  Zeit gelebt, sondern er sei ständig unterwegs gewesen und zuletzt habe  er  sich  ständig  versteckt  halten müssen. Zudem verfüge er  im Nordirak  auch  nicht  über  genügend  familiäre  Anknüpfungspunkte.  Diese  Vorbringen  können  aufgrund  der  Akten  nicht  überzeugen.  Der  Beschwerdeführer stammt zwar seinen Angaben zufolge aus W._______  und somit nicht aus einer der drei nordirakischen Provinzen. Es ist jedoch  aufgrund  der  Akten  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  seinen Lebensmittelpunkt bereits seit  längerer Zeit nach X._______ und  damit  in  die  Provinz  Dohuk  verlegt  hat,  wo  neben  seiner  wiederverheirateten Mutter  – mit welcher er weiterhin  in Kontakt  steht –  auch  noch  zwei  Onkel  mütterlicherseits  leben.  Da  die  Familie  des  Beschwerdeführers mütterlicherseits aus X._______ stammt, darf davon  ausgegangen  werden,  dass  er  dort  über  ausgedehnte  familiäre  Bande  verfügt.  Seine  engen  persönlichen  Anknüpfungspunkte  dürften  ohnehin  der Grund  für den Umzug nach X._______ gewesen sein. Aufgrund der  jahrelangen Erwerbstätigkeit in X._______, oder als Lastwagenfahrer von  X._______ aus, dürfte er sich dort noch viele weitere Anknüpfungspunkte  geschaffen  haben.  Im Resultat  darf  ohne weiteres  davon  ausgegangen  werden,  der  Beschwerdeführer  könne  sich  dort  erneut  eine  Existenzgrundlage  erarbeiten.  Immerhin  hat  er  sich  seinen  Angaben  zufolge  in  den  knapp  drei  Jahren  vor  seiner  Ausreise  aus  dem  Irak  erhebliche  Barmittel  angespart  (A12  F.  221),  was  auf  eine  sehr  gute  wirtschaftliche  Integration  spricht.  Demnach  sind  –  entgegen  den 

D­1904/2010 Beschwerdevorbringen  –  keine  Gründe  ersichtlich,  welche  gegen  die  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  sprechen  würden.  Der  Vollständigkeit  halber  kann  angemerkt  werden,  dass  dem  Beschwerdeführer in X._______ auch keine Verstrickung in eine familiäre  Fehde droht, nachdem seinen Angaben zufolge ein latenter Streit wegen  des Todes eines älteren (Halb­)Bruders im Jahre 1999 schon vor Jahren  durch Vermittlung des herrschenden Barzani­Clans beigelegt worden ist.  6.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5. Nachdem sich  der Vollzug  der Wegweisung als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erweist,  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4  AuG).  Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzuges ist demnach zu bestätigen.  7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.  8.  Der  Beschwerdeführer  hat  –  entgegen  der  Aufforderung  in  der  Zwischenverfügung  vom  16.  April  2010  –  den  von  ihm  in  Aussicht  gestellten  Beleg  für  seine  prozessuale  Bedürftigkeit  nicht  nachgereicht.  Die geltend gemachte Bedürftigkeit ist damit nicht ausgewiesen, weshalb  das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten (im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG)  abzuweisen  ist.  Bei  dieser  Sachlage  und  bei  vorliegendem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dem  Beschwerdeführer  demnach  die  Verfahrenskosten von Fr. 600.– aufzuerlegen  (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG  i.V.m.  Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]). 9.  Die  vom  Beschwerdeführer  auf  Beschwerdeebene  vorgelegte 

D­1904/2010 Identitätskarte  ist  zuhanden  des  BFM  sicherzustellen  (Art.  10  Abs.  2  AsylG). (Dispositiv nächste Seite)

D­1904/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Die nachgereichte Identitätskarte wird zuhanden des BFM sichergestellt. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

D-1904/2010 — Bundesverwaltungsgericht 07.10.2011 D-1904/2010 — Swissrulings