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Bundesverwaltungsgericht 05.04.2011 D-1216/2011

5. April 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,619 Wörter·~13 min·2

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asyl unmd Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Januar 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1216/2011/wif Urteil   v om   5 .   Ap r i l   2011   Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (...), Sri Lanka, vertreten durch Benjamin Clément,  Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration,  Beratungsstelle für Menschen aus Sri Lanka,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 20. Januar 2011 / N (...).

D­1216/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  reichte  erstmals  am  8.  Februar  2007  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  B._______  ein  schriftliches  Asylgesuch  ein,  welches  mit  Verfügung  des  BFM  vom  14.  Dezember  2007  abgewiesen wurde. B.  Am  28.  Januar  2008  ersuchte  er  zum  zweiten  Mal  bei  der  schweizerischen Vertretung in B._______ um Asyl. Nachdem er trotz des  Hinweises  auf  die  Säumnisfolgen  seiner  Pflicht,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  zu  substanziieren  und  Beweismittel  einzureichen,  nicht  nachkam,  wurde  dieses  Asylgesuch  androhungsgemäss  als  gegenstandslos abgeschrieben. C.  Eigenen Angaben zufolge verliess er sein Heimatland am (…) 2009 legal  mit seinem Reisepass und gelangte über den Luftweg nach C._______,  wo er ein Visum für D._______ erhalten habe. Dort hielt er sich während  einem Monat auf. Mit einem E._______ Reisepass flog er anschliessend  nach F._______ und von dort ging er  zu Fuss  in die G._______, wo er  festgenommen  und  nach  15  Tagen  wieder  freigelassen  wurde.  Bis  am  (…) 2010 hielt er sich in G._______ auf und wurde dort mehrmals von der  Polizei  angehalten.  Danach  reiste  er  in  einem  Jeep  zur  H._______  Grenze,  wo  er  von  H._______  Soldaten  angehalten,  befragt  und  der  Polizei  übergeben  wurde.  Nach  einem  elftägigen  Aufenthalt  in  einem  Camp  erhielt  er  ein  Schreiben,  mit  welchem  er  sich  während  eines  Monats  in  I._______  bewegen  konnte.  Unter  Zuhilfenahme  eines  Schleppers  ging  er  in  die  G._______  zurück,  wo  er  sich  zwischen  (…)  2010  aufhielt  und  auf  die Weiterreise  wartete.  Von  dort  wurde  er  beim  dritten  Anlauf  in  einem  Schnellboot  am  (…)  2010  nach  J._______  an  einen ihm unbekannten Ort gebracht. In einem Personenwagen erreichte  er am folgenden Tag unter Umgehung der Grenzkontrollen die Schweiz,  wo  er  am  gleichen  Tag  in  K._______  das  dritte  Asylgesuch  stellte.  Am  (…)  2010  wurde  er  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  K._______  befragt und am (…) 2010 hörte  ihn das BFM direkt zu den Asylgründen  an.  Mit  Verfügung  vom  (…)  2011  wurde  er  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens dem Kanton L._______ zugewiesen.  Der Beschwerdeführer brachte vor, er sei tamilischer Ethnie und  stamme  aus  M._______,  wo  er  sich  seit  seiner  Geburt  bis  ins  Jahr  2003 

D­1216/2011 aufgehalten habe. Anschliessend habe er an verschiedenen Orten – so in  N._______  und  in  O._______  –  gelebt  und  als  (…)gehilfe  gearbeitet.  Seine Probleme hätten im Jahr 1998 begonnen, als in O._______ jemand  eine  Bombe  habe  legen  wollen  und  er  in  diesem  Zusammenhang  denunziert  worden  sei,  worauf  man  ihn  festgenommen,  während  41  Tagen im Gefängnis festgehalten und geschlagen habe. Das Rote Kreuz  habe ihn registriert. Seit seiner Freilassung befinde sich sein Foto bei der  Polizei,  beim Criminal  Investigation Department  (C.I.D.)  und  bei  andern  Behörden. Seit dem Jahr 2005 habe er für die Liberation Tigers of Tamil  Eelam (LTTE) Hilfeleistungen erbringen müssen, indem er für sie Medizin  und  Lebensmittel  gekauft  und  transportiert  habe.  Als  er  aus  diesem  Grund  ins  armeekontrollierte  Gebiet  geschickt  worden  sei,  hätten  ihn  unterwegs Armeesoldaten angehalten, nach seiner Identitätskarte gefragt  und  am  Kopf  geschlagen,  worauf  er  in  Ohnmacht  gefallen  und  in  Spitalpflege gebracht worden sei. Dort habe man die Wunde genäht. Bei  jeder  Razzia  werde  er  festgenommen,  untersucht  und  wegen  seiner  Narben  unter  dem  Verdacht,  den  LTTE  anzugehören,  zum  STF­Camp  geführt,  geschlagen und befragt. Er  habe deshalb Angst  vor Kontrollen.  Seit  der  Abspaltung  der  Karuna­Gruppe werde  er  zudem  infolge  seiner  Hilfeleistungen an die  LTTE auch  von  ihnen gesucht. Einmal  hätten  sie  ihn an seinem Wohnort aufgesucht, nach gewissen Freunden gefragt und  ihn  für  den  Fall,  dass  er  weiterhin  die  LTTE  unterstütze,  mit  dem  Tod  bedroht.  Dabei  sei  er  auf  den  Rücken  geschlagen  worden,  was  zur  Narbenbildung  geführt  habe.  Als  Folge  seiner  Probleme  habe  er  nicht  mehr in seinem Elternhaus leben dürfen und sich an verschiedenen Orten  aufgehalten.  Später  habe  er  drei  Personen  der  LTTE  ins  staatlich  kontrollierte  Gebiet  zu  einer  Person  namens  P._______  transportieren  müssen.  Zudem  habe  er  P._______  in  dessen  Garage  bei  der  Arbeit  geholfen. P._______ habe LTTE­Mitglieder ins Ausland geschickt und für  seine Dienste eine Waffe geschenkt bekommen, welche anlässlich einer  Durchsuchung  gefunden  worden  sei.  Nachdem  P._______  in  diesem  Zusammenhang  im  (…) 2008  verhaftet worden  sei,  habe er  die Namen  von  drei  Personen  preisgegeben,  darunter  auch  denjenigen  des  Beschwerdeführers. Da eine der Personen erschossen worden und eine  weitere  verschwunden  sei,  habe  der  Vater  des  Beschwerdeführers  im  Jahr 2007 bei der schweizerischen Botschaft ein Asylgesuch eingereicht.  Seit  der  Verhaftung  P._______s  habe  sich  der  Beschwerdeführer  versteckt  aufgehalten,  weil  er  durch  den  C.I.D.  gesucht  worden  sei.  Schliesslich habe er sich zur Ausreise entschlossen. 

D­1216/2011 Der  Beschwerdeführer  gab  den  schweizerischen  Behörden  eine  srilankische  Identitätskarte, eine Geburtsurkunde und diverse Faxkopien  zu den Akten. D.  Mit  Verfügung  vom  (…)  2011  –  eröffnet  am  folgenden  Tag  –  wies  das  BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers  teilweise  infolge  fehlender  Glaubhaftigkeit  und  teilweise  aufgrund  der  fehlenden  Flüchtlingseigenschaft  ab.  Den  Beschwerdeführer  wies  es  aus  der  Schweiz  weg,  und  es  ordnete  den  Vollzug  der  Wegweisung  an.  Zur  Begründung  legte  das  BFM  dar,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers aus den Jahren 1998 bis 2005 bereits  im Jahr 2007  infolge  des  fehlenden  Kausalzusammenhangs  negativ  entschieden  worden  seien.  Zudem  seien  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  substanzlos und gänzlich widersprüchlich ausgefallen, weshalb sie nicht  geglaubt  werden  könnten.  Den  Vollzug  der Wegweisung  erachtete  das  BFM  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich,  wobei  es  bezüglich  der  Zumutbarkeit  einschränkend  feststellte,  der  Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  an  seinen  Herkunftsort  könne  nicht  als  zumutbar  erachtet werden. Indessen könne er als Folge der Niederlassungsfreiheit,  welche  ihm  als  Staatsangehöriger  Sri  Lankas  zustehe,  auch  in  einem  andern  Teil  seines  Heimatlandes,  beispielsweise  in  B._______  oder  in  O._______, wo sich die Sicherheitslage seit der Beendigung des Krieges  weiter  stabilisiert  habe  und  in  den  letzten Monaten  keine Razzien  oder  Grosskontrollen  stattgefunden  hätten,  Wohnsitz  nehmen.  Insbesondere  im Süden  und Westen  des  Landes  bestehe  keine Situation  allgemeiner  Gewalt. Zudem sei die restriktive Meldepflicht für Tamilen und Tamilinnen  Ende  2009  aufgehoben  worden.  Aufgrund  der  Zweifel  über  die  vom  Beschwerdeführer  zu  Protokoll  gegebenen  Aussagen  über  seine  Aufenthaltsorte  in  Sri  Lanka  und  seine  erst  im  Zusammenhang mit  der  Arbeitstätigkeit  vorgebrachte Angabe, er habe während sechs Jahren  in  O._______ gelebt,  sei davon auszugehen, dass er auch  in dieser Stadt  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  verfüge.  Es  sei  ihm  deshalb  zuzumuten, an die dort bestehenden Kontakte anzuknüpfen und sich eine  neue  Existenz  –  beispielsweise  als  (…)gehilfe  –  aufzubauen.  Zudem  könne  er  von  den  im  Ausland  lebenden  Familienmitgliedern  finanziell  unterstützt werden.  E.  Gegen diese Verfügung  reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom  (…)  2011  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein  und 

D­1216/2011 beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Gewährung  von  Asyl  und  eventualiter  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  infolge  fehlender  Zulässigkeit  beziehungsweise  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Zudem  beantrage  er  die  Feststellung der aufschiebenden Wirkung der vorliegenden Beschwerde,  die  Anweisung  der  Vollzugsorgane,  von  allfälligen  Vollzugshandlungen  abzusehen,  die  Anordnung  einer  ärztlichen  Begutachtung  beziehungsweise  die  Gewährung  einer  angemessenen  Frist  zu  einer  solchen sowie die Gewährung eines Replikrechts. Zur Begründung legte  er  dar,  die  fluchtauslösenden  Ereignisse  würden  insgesamt  aus  drei  Hauptvorfällen  bestehen,  nämlich  aus  der  unrechtmässigen  Festnahme  im  Jahr  1998,  der Misshandlung  durch  Armeeangehörige  im  Jahr  2005  und der Verhaftung eines Freundes mit dem Namen P._______  im Jahr  2008. Letzteres Ereignis sei für die Ausreise ausschlaggebend gewesen.  Entgegen  der  Argumentation  der  Vorinstanz  habe  sich  der  Beschwerdeführer nicht in Widersprüche verstrickt. Er habe sich einzig in  der  Jahreszahl  geirrt,  indem  er  das  Jahr  2007  mit  dem  Jahr  2008  verwechselt  habe.  Angesichts  der  gesamten  Umstände  –  und  insbesondere  im  Hinblick  auf  die  bleibenden  Schäden  der  erlittenen  Kopfverletzung  und  den  Stress  sowie  die  Angst  um  seine  Angehörigen  sei  diese  Verwechslung  durchaus  nachvollziehbar.  Hinsichtlich  der  Ungereimtheiten  im  Zusammenhang  mit  dem  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Schreiben  seines  Vaters  sei  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  die  englische  Sprache  nicht  verstehe  und  während  seiner Flucht nur erschwert Kontakt zum Vater habe aufnehmen können.  Der  Beschwerdeführer  habe  seine  Asylgründe  glaubhaft  und  schlüssig  dargelegt. Entgegen  der  vom  BFM  vertretenen  Ansicht  seien  die  in  den  früheren  Asylgesuchen  des  Beschwerdeführers  behandelten  Ereignisse  aus  den  Jahren 1998 bis 2005 für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nicht  irrelevant, da die Gesamtheit der Ereignisse und die einen unerträglichen  psychischen Druck auslösenden, erlittenen Nachteile zu beurteilen seien.  In  diesem  Zusammenhang  von  Bedeutung  sei  auch  das  Verschwinden  des  Bruders  des  Beschwerdeführers.  Er  habe  alle  Voraussetzungen  erfüllt,  um  eine  Furcht  vor  ernsthaften  Nachteilen  zu  begründen.  Damit  seien die Voraussetzungen für die Asylgewährung in der Schweiz erfüllt.  Im  Übrigen  sei  die  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  in  Sri  Lanka  trotz der Beendigung des Bürgerkriegs im Mai 2009 noch unbefriedigend.  Die tamilische Bevölkerung werde nach wie vor diskriminiert und sei von 

D­1216/2011 Sicherheitsmassnahmen  am  stärksten  betroffen.  Damit  sei  der  Vollzug  der Wegweisung weder zulässig noch zumutbar.  F.   Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  (…)  2011  wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  er  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne  und  innert  der  ihm  angesetzten  Frist  einen  Kostenvorschuss  zu  bezahlen  habe.  Andernfalls  werde  auf  die  Beschwerde  nicht  eingetreten.  Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Erlass  des  Kostenvorschusses  wurden  ebenso  abgewiesen  wie  das  Gesuch  um  ärztliche Begutachtung.  G.  Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

D­1216/2011 Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1.  Wie  vom  BFM  zutreffend  festgestellt  und  auch  in  der  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  dargelegt,  erfüllen  die  vom  Beschwerdeführer  in  den  Jahren  1998  bis  2005  geltend  gemachten  Fluchtgründe  die  Voraussetzungen  an  einen  genügenden  Kausalzusammenhang  nicht.  Auch  wenn  die  Asylvorbringen  in  ihrer  Gesamtheit  zu  betrachten  sind,  liegen  die  aus  den  erwähnten  Jahren 

D­1216/2011 vorgebrachten  Gründe  zu  weit  zurück,  um  noch  als  Anlass  für  die  Ausreise  gelten  zu  können. Wie  bereits  in  der  Zwischenverfügung  vom  (…)  2011  festgehalten,  gibt  dies  der  Beschwerdeführer  indirekt  auch  selber  zu,  indem  er  darlegt,  die  im  Jahr  2008  stattgefundenen  Vorkommnisse hätten ihn zur Reise in die Schweiz veranlasst. Somit fehlt  den  aus  den  Jahren  1998  und  2005  dargelegten  Ereignissen  der  erforderliche Kausalzusammenhang. Damit  ist die Flüchtlingseigenschaft  unabhängig  von  der  Prüfung  der  Glaubhaftigkeit  dieser  Vorbringen  in  diesem Zusammenhang zu verneinen. 5.2.  Die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Befürchtungen  im  Zusammenhang mit der Karuna­Gruppe sind im heutigen Zeitpunkt nicht  mehr  begründet,  nachdem  die  srilankische  Regierung  die  LTTE  und  andere  Rebellengruppen  zerschlagen  und  die  Führung  des  ganzen  Landes  übernommen  hat.  Die  Karuna­Gruppe  hat  damit  ihre  Macht  verloren. 5.3. Auch die vorgebrachten Hilfeleistungen an die LTTE und die daraus  resultierenden  Befürchtungen  vermögen  im  heutigen  Zeitpunkt  aus  den  gleichen Gründen keine Asylrelevanz mehr zu entfalten, zumal die Macht  der  LTTE mit  dem  Ende  des  Bürgerkrieges  gebrochen  wurde.  Darüber  hinaus  musste  der  Grossteil  der  tamilischen  Bevölkerung  erzwungenermassen  Hilfeleistungen  an  die  LTTE  erbringen,  was  der  srilankischen  Regierung  bekannt  ist  und  deshalb  zu  keinen  weiteren  Nachteilen führen wird. 5.4. Die  vom  Beschwerdeführer  aus  dem  Jahr  2007  und  2008  geltend  gemachten  Fluchtgründe  indessen  können  –  wie  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  und  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Zwischenverfügung  feststellte  –  nicht  als  glaubhaft  bezeichnet  werden.  Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden,  ist auf die Erwägungen der  Vorinstanz  in  ihrer  Verfügung  vom  (…)  2011  und  diejenigen  des  Bundesverwaltungsgerichts  in  seiner  Zwischenverfügung  vom  (…)  2011  zu verweisen.  5.4.1.  In  Ergänzung  dazu  wird  festgehalten,  dass  sich  die  widersprüchlichen   Angaben  –  entgegen  der  Behauptung  in  der  Beschwerde  –  nicht  nur  aus  einer  Verwechslung  des  Jahres  2007  mit  dem  Jahr  2008  ergeben,  wie  in  der  Zwischenverfügung  vom  (…)  2011  bereits  kurz  erläutert worden  ist.  Der Beschwerdeführer  reichte  nämlich  das zweite Asylgesuch  im (…) 2008 bei der schweizerischen Vertretung 

D­1216/2011 in  B._______  ein;  gemäss  seinen  Aussagen  in  der  Anhörung  soll  die  Person  namens  P._______  indessen  erst  im  (…)  2008  festgenommen  worden sein und ihn verraten haben. Unter diesen Umständen kann das  zweite  Asylgesuch  nicht  aufgrund  der  Festnahme  P._______s  und  der  Denunzierung  der  Person  des  Beschwerdeführers  eingereicht  worden  sein. Bezeichnenderweise wurden  in  der  schriftlichen Eingabe  vom  (…)  2008  denn  auch  keine  entsprechenden  Gründe  erwähnt.  Unter  diesen  Umständen  lassen  sich  die  Ungereimtheiten  nicht  mit  einer  aus  einer  Kopfverletzung  resultierenden  bleibenden  Schädigung  des  Beschwerdeführers  erklären,  wie  in  der  Beschwerdeschrift  behauptet  wurde.  Den  Protokollen  kann  denn  auch  nicht  entnommen werden,  die  Befragungen  des  Beschwerdeführers  hätten  infolge  mentaler  oder  psychischer  Probleme  nicht  ordnungsgemäss  durchgeführt  werden  können  oder  der  Beschwerdeführer  habe  infolge  dieser  nachträglich  geltend gemachten Probleme nicht aufschlussreich und übereinstimmend  Auskunft  über  seine  Fluchtgründe  geben  können.  Auch  die  anwesende  Hilfswerksvertretung  hatte  keine  Einwände  vorzubringen.  Somit  erscheinen  die  erst  im  Beschwerdeverfahren  geltend  gemachten  gesundheitlichen Probleme als nachgeschoben und unglaubhaft. Da sie  sich  überdies  auf  Verletzungen  beziehen,  welche  infolge  fehlende  Kausalität  nicht  näher  zu  überprüfen  sind  (vgl.  Erw.  5.1.),  kann  auf  die  Einholung einer ärztlichen Begutachtung – wie  in der Beschwerdeschrift  verlangt  –  verzichtet   werden,  zumal  eine  solche  an  den  Schlussfolgerungen insgesamt nichts zu ändern vermöchte.  5.4.2.  Darüber  hinaus  blieb  der  Beschwerdeführer  jegliche  plausiblen  Angaben über die näheren Umstände der Denunziation durch P._______  schuldig. Weder  konnte  er  angeben,  wie  und  von wem  er  in  Erfahrung  gebracht  haben will,  dass  er  von P._______  verraten worden  sei,  noch  waren  ihm nähere Einzelheiten darüber, was P._______ genau verraten  haben soll, bekannt.  5.4.3.  Ferner  lässt  der  noch  mehrere  Monate  dauernde  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  Sri  Lanka  nach  der  angeblichen  Denunziation  durch  P._______  sowie  seine  Fahrten  im  von  der  Armee  kontrollierten  Gebiet  im  Jahr  2009  (vgl.  Akte  C8/17  S.  8)  nicht  auf  eine  drohende  Verfolgung schliessen. Seine Aussagen, er habe sich verstecken müssen  und  sei  am  (…)  2009  von  Armeeangehörigen  sowie  am  (…)  2009  von  drei jungen Männern in seinem Elternhaus gesucht worden, vermögen an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern.  Der  Beschwerdeführer  hielt  sich  nämlich gestützt auf seine Aussagen immer wieder in seinem Elternhaus 

D­1216/2011 auf  und  übernachtete  sogar  dort  (vgl.  Akte  C8/17  S.  10  ff.).  Dies  ist  indessen mit  der  von  ihm befürchteten behördlichen Suche nach seiner  Person durch Angehörige der Sicherheitskräfte nicht vereinbar, zumal er  damit  rechnen  musste,  in  seinem  Elternhaus  jederzeit  von  ihnen  aufgesucht  zu  werden.  Auch  seine  Fahrten  in  das  von  der  Armee  kontrollierte Gebiet erscheinen unter den geltend gemachten Umständen  nicht  als  nachvollziehbar,  musste  er  doch  jederzeit  davon  ausgehen,  kontrolliert und festgenommen zu werden.   5.4.4. Wie  das  BFM  auch  zutreffend  feststellte,  stimmen  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  nicht  mit  dem  Inhalt  des  als  Faxkopie  zu  den  Akten  gegebenen  Schreibens  seines  Vaters  überein.  Zwar  datiert  das  erwähnte  Schreiben  nicht  –  wie  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung vermerkt – vom  (…) 2010; vielmehr  ist das Schreiben selber  ohne  Datum  und  wurde  am  (…)  2010  gefaxt.  Indessen  ist  die  übrige  Argumentation  des  BFM  zu  bestätigen.  Zudem  legte  der  Beschwerdeführer  in  der  Anhörung  dar,  er  sei  im  Jahr  2007  gesucht  worden  und  habe  dreimal  Probleme  gehabt.  Er  habe  jedoch  nie  persönlichen Kontakt mit denjenigen Personen gehabt, welche nach ihm  gesucht  hätten  (vgl.  Akte  C8/17  S.  10  ff.).  Im  Schreiben  seines  Vaters  hingegen  ist zu  lesen, er sei mehrmals mitgenommen worden, was sich  mit  dem  vom  Beschwerdeführer  dargelegten  fehlenden  persönlichen  Kontakt  nicht  vereinbaren  lässt.  Der  Beschwerdeführer  legte  anlässlich  des ihm gewährten rechtlichen Gehörs dar, er verstehe kein Englisch und  habe deshalb nicht gewusst, was im Schreiben seines Vaters stehe, und  zudem habe  sein Vater  damit  gemeint,  dass  er  gehen müsse, wenn  er  von  der  Karuna­Gruppe  bestellt  werde  (vgl.  Akte  C8/17  S.  12).  Diese  Erklärungen  vermögen  indessen  nicht  zu  überzeugen.  Einerseits  ist  zu  erwarten, dass der Beschwerdeführer im Bild darüber ist, was sein Vater  ihm zu Hilfe  in  einem Schreiben  verfasst,  auch wenn er  der  englischen  Sprache  nicht  mächtig  ist;  andererseits  spricht  der  Vater  des  Beschwerdeführers  im  erwähnten  Schreiben  von  "beiden  Parteien"  und  nicht  von  der  Karuna­Gruppe,  weshalb  die  zweite  Erklärung  des  Beschwerdeführers ebenfalls nicht überzeugt. 5.4.5.  Insgesamt  können  somit  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht geglaubt werden, wie die Vorinstanz zu Recht feststellte. An dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die  weiteren  Argumente  in  der  Beschwerde  noch  die  eingereichten Beweismittel  etwas  zu  ändern. Der  Beschwerdeführer  hat  folglich  im  Fall  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  nicht mit  asylerheblicher  Verfolgung  zu  rechnen.  Der  geltend  gemachte 

D­1216/2011 unerträgliche psychische Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ist somit  zu verneinen. 5.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht  glaubhaft machen oder belegen konnte, er sei in seinem Heimatland aus  asylrechtlich  relevanten  Gründen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt.  Seine  Furcht  vor  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  ist  demnach  als  flüchtlingsrechtlich nicht begründet zu betrachten. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 

D­1216/2011 den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den Heimatstaat    ist  demnach  unter  dem Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat    dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  J._______,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit weiteren Hinweisen). Dies  ist dem Beschwerdeführer  indessen nicht 

D­1216/2011 gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat   lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 7.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1. In der angefochtenen Verfügung führte das BFM aus, im Mai 2009  sei  der  Krieg  zwischen  der  srilankischen  Regierung  und  den  LTTE  zu  Ende  gegangen.  Damit  befinde  sich  das  Land  wieder  unter  Regierungskontrolle. Der dem Bürgerkrieg zugrunde liegende Konflikt, so  etwa die Frage der regionalen Autonomie für die tamilische Minderheit im  Norden und Osten des Landes, bleibe vorerst ungelöst. Die Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  habe  sich  seit  Kriegsende  im  ganzen  Land  deutlich verbessert. Indessen würden sich Tausende von Vertriebenen in  Flüchtlingslagern  aufhalten,  weil  ihre  Häuser  und  Felder  zerstört  oder  vermint  seien.  Unter  diesen  Umständen  erscheine  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  an  seinen  Herkunftsort  nicht  zumutbar.  Gestützt  auf  die  mit  der  Staatsangehörigkeit  verbundene  Niederlassungsfreiheit  könne  er  jedoch  in  einem  anderen  Teil  seines  Heimatlandes  –  beispielsweise  im  Grossraum  B._______  oder  in  der  Umgebung  von  O._______  –  Wohnsitz  nehmen.  Hier  habe  sich  die  Sicherheitslage seit der Beendigung des Krieges weiter stabilisiert und es  hätten  in den  letzten Monaten keine Razzien oder Grosskontrollen mehr  stattgefunden.  Zudem  sei  die  restriktive  Meldepflicht  für  Tamilen  und  Tamilinnen Ende 2009 aufgehoben worden. Insgesamt bestehe im Süden  und Westen des Landes keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb der  Vollzug der Wegweisung dorthin als zumutbar zu bezeichnen sei. Ferner  würden  auch  keine  individuellen  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  einer  Wohnsitznahme  des  Beschwerdeführers  in  O._______  und  Umgebung  sprechen. Da die Aussagen des Beschwerdeführers zu bezweifeln seien  und  er  erst  nachträglich  im  Zusammenhang  mit  der  Frage  der  Arbeitstätigkeit  angegeben  habe,  während  Jahren  in  O._______  gelebt  und  gearbeitet  zu  haben,  seien  auch  seine  Angaben  über  seine  Aufenthaltsorte  in  Sri  Lanka  zweifelhaft.  Gestützt  auf  den  geltend 

D­1216/2011 gemachten  mehrjährigen  Aufenthalt  in  O._______  könne  jedoch  davon  ausgegangen werden, dass er dort über ein  tragfähiges Beziehungsnetz  verfüge.  Es  sei  ihm  deshalb  zuzumuten,  an  die  dort  bestehenden  Kontakte anzuknüpfen und dort eine neue Existenz aufzubauen, indem er  beispielsweise wieder wie  früher  als  (…)gehilfe  arbeite. Zudem könnten  ihn im Ausland lebende Familienangehörige finanziell unterstützen. 7.4.2.  Demgegenüber  wird  in  der  Beschwerdeschrift  unter  Angabe  verschiedener  Berichte  von  Nichtregierungsorganisationen  geltend  gemacht,  die Sicherheitslage  in Sri  Lanka sei noch unbefriedigend, weil  die tamilische Bevölkerung nach wie vor erheblich diskriminiert werde und  am  stärksten  von  Sicherheitsmassnahmen  betroffen  sei.  Somit  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  zum  gegenwärtigen Zeitpunkt weder zulässig noch zumutbar. 7.4.3.  Im  Grundsatzurteil  BVGE  2008/2  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  zur  Lage  in  Sri  Lanka,  namentlich  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  abgewiesener  Asylsuchender  geäussert.  Dabei  hat  es  festgestellt,  dass  die  Rückkehr  abgewiesener  Asylgesuchsteller  aus  Sri  Lanka  in  die   Nordprovinz  (die  Distrikte  Kilinochchi,  Mannar,  Vavuniya,  Mullaitivu  und  Jaffna)  und  die  Ostprovinz (Distrikte Trincomalee, Batticaloa und Ampara) angesichts der  dort  herrschenden  allgemeinen  Lage  unzumutbar  sei.  Sodann  setze  für  aus der Nord­ oder Ostprovinz stammenden srilankischen Asylsuchenden  tamilischer  Ethnie  die  Anerkennung  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  Süden  des  Landes,  namentlich  im Grossraum  B._______,  das  Vorliegen  besonders  begünstigender  Faktoren,  wie  die  Existenz  eines  tragfähigen  familiären  oder  sozialen  Beziehungsnetzes  sowie die Aussicht auf eine gesicherte Einkommens­ und Wohnsituation  voraus. 7.4.4. Die tamilische Ethnie des Beschwerdeführers sowie seine Herkunft  aus der Q._______ ist unbestritten. Dementsprechend ist ein Vollzug der  Wegweisung  in  das  Herkunftsgebiet  des  Beschwerdeführers  nicht  zumutbar, wie die Vorinstanz zutreffend  feststelle. Entgegen der Ansicht  des Beschwerdeführers  ist  indes von der Zumutbarkeit des Vollzugs der  Wegweisung  nach  O._______  auszugehen.  Gemäss  seinen  eigenen  Angaben soll er dort während Jahren gearbeitet haben, womit er sich ein  soziales  Beziehungsnetz  im  weiten  Sinn  aufgebaut  haben  wird  und  insbesondere  in  einer  Anfangsphase  auf  die  Unterstützung  seiner  Freunde  zurückgreifen  kann.  Im  Weiteren  hat  der  Beschwerdeführer 

D­1216/2011 berufliche  Erfahrungen  als  (…)gehilfe  und  spricht  neben  Tamilisch  die  singalesische und englische Sprache, womit er über eine gute Grundlage  zur  eigenen  Existenzsicherung  verfügt.  Bezüglich  der  finanziellen  Unterstützung  ist  ferner  –  wie  das  BFM  zutreffend  feststellte  –  darauf  hinzuweisen, dass er auf die Hilfe der  im Ausland lebenden Verwandten  zählen kann. Dem Beschwerdeführer  ist es ausserdem zuzumuten, sich  um eine Arbeit  zu  bemühen. Den Akten  können  keine gesundheitlichen  Probleme entnommen werden, welche so gravierend wären, dass sie ihn  an der Arbeit  hindern könnten, und gemäss seinen Angaben  ist  er  jung  und  ungebunden.  In  Anbetracht  dieser  Umstände  ist  es  dem  Beschwerdeführer  zuzumuten,  nach  O._______  und  Umgebung  zurückzukehren und sich dort niederzulassen.  7.4.5.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch als zumutbar. 7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  bezeichnet.  Nach  dem  Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.­­ festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am  (…)  2011 bezahlten Kostenvorschuss zu verrechnen.

D­1216/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­1216/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  am  (…)  2011  bezahlten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand:

D-1216/2011 — Bundesverwaltungsgericht 05.04.2011 D-1216/2011 — Swissrulings